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Futter für seine Goldfische. Der sechsjährige Orang- Utang Lombroso darf am Abend aus den Obststän­den im Kampong nehmen, was er will.

Die meisten Europäer kommen nach Indien, um Geld zu verdienen. Sie laufen mit dem Rechenstift durch ein Paradies. Für sie ist dieser Doktor mit seiner großen Bibliothek, einer klassischen Gram­mophonplattensammlung und ohne irgendein Ver­

hältnis zum Geld ein bißchenverrückt" Sein Der- ständnis für die braunen Menschen riecht ihnen ein wenia zu sehr nach Jaoanisierung. Wir aber wis­sen, daß das Haus hinter den endlosen Gummi­wäldern weißer ist, als das der meisten Geldver­diener, eine Stätte, auf die Holland ganz besonders stolz fein darf.

König Eduard auf derWienerHerbflmeffe

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Auf feiner Reife durch Südosteuropa besuchte König Eduard VIII. von England auch die öster­reichische Bundeshauptstadt Wien. Hier sieht man ihn auf einem Gang durch die Wiener Herbstmesse. Von links nach rechts: Minister a. D. H e i n l, König Eduard und Minister Dragier.

(Presse-Bild-Zentrale-M.)

Geschichten aus aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Der Sand frißt eine Stadt.

k. Melbourne.

Noch heute zählt Broken Hill zu den reichsten Bergwerkstädten Australiens. Aber wie lange noch? Denn Broken Hill führt einen verzweifelten Kampf gegen einen Sandsturm, der niemals aufhört. Der Sand rückt langsam vor und frißt die Stadt. Man hat alles mögliche versucht; aber schon beginnen die Familien, die draußen in der Vorstadt wohnen, ihre Häuser abzureihen oder zu verlassen, um sich irgendwo im Zentrum der Stadt niederzulassen oder auch das Broken-Hill-Gebiet überhaupt zu verlassen. In den Vorstädten ist jeder bewohnte Platz mit einem eisernen Zaun umgeben, der bis zu 2 oder 2,50 Meter Höhe hat. Aber selbst ein solcher Zaun vermag die Gärten und Anpflanzun­gen nicht zu schützen. Hinter dem Eisenzaun stapelt sich der Sand bis zur Höhe des eisernen Abwehr­mittels empor und ergießt sich dann doch über jene Gärten und Felder, die geschützt werden sollten.

Der große Friedhof von Broken Hill wird nun gleichfalls geräumt, nachdem der eiserne Zaun, den man ringsum aufführte, durch den Sand einge­drückt wurde, nachdem die Hitze der Sonne und des Sandes die Widerstandskraft des Eisens erschüttert hatten. Selbst der Rennplatz, der im Süden der Stadt gelegen ist, einst der Stolz von Broken Hill, ist mit Sand überflutet. Die Besitzer der großen Schafherden, die einst rings um Broken Hill weide­ten, treiben ihre Herden noch Norden fort. Sie sind davon überzeugt, daß in ein paar Jahren Broken Hill eine tote Stadt sein wird.

Prügelstrafe für Gangsters.

(th) Neuyork.

Die Richterveremigung des amerikanischen Staa­tes Washington hat soeben eine Umfrage unter ihren Mitglieder darüber gehalten, wie sie sich zu einer Wiedereinführung der Prügelstrafe für ge­wisse schwere Delikte stellen würden Fast alle Mit­glieder der Vereinigung haben sich dafür ausgespro­chen. Nun soll ein entsprechender Antrag an die gesetzgebenden Körperschaften gerichtet werden. An­wenden will man die Prügelstrafe, und zwar mit der berühmtenneunschwänzigen Katze" aus ge­flochtenen und geknoteten Riemen, bei allen Ver­brechern von 21 Jahren an und darüber, die bereits zweimal vor dem Richter erschienen sind ober die allein ober in Verbindung mit anberen, in soge­nanntenganßs", Verbrechen mittels Gewalt ober löblicher Waffen begangen haben.

Neckischer Zufall.

() ß o n b o n.

Vor bem Polizeigericht in Rochester würbe ber ßonboner Bierkutscher Stanley Conrad Smith zu einem ganzen Shilling Gelbstrafe verurteilt, weil ihm mit seinem Pferbefuhrwerk ein kleines Miß­geschick wiberfahren war, über bas bas Gericht nicht aus bem Schmunzeln herauskam. Offenficht lich hatte ber gute Smith seinen Bierwagen zu voll geloben, wofür er aber seiner Firma bie Schuld gab unb so geschah es, baß ihm plötzlich währenb ber Fahrt, ohne baß er es vorne auf seinem Bock merkte, ein volles Bierfaß herunter» kollerte, mitten in ein seinem Wagen folgenbes Privatauto stürzte, wobei es sich öffnete unb ben Insassen bes Privatwagens von oben bis unten mit bem Safte bes Gambrinus überschüttete Und dieser Betroffene war, oh neckischer Zufall, kein Geringerer als der Vorsitzende des Rochester-Absti- nenzlerbundes...

Ist er der älteste «Hnnd der Welt?

(ru) Bristol.

Teddy lebt heute in Bristol. Teddy ist ein schöner Hund unb sieht nicht aus wie ein Greis unter seinesgleichen. Dabei ist fein Alter 24 Jahre. Man

behauptet, baß Tebby ber älteste Hunb Englanbs unb vielleicht sogar ber ganzen Welt sei. Dabei ist Tebby zweimal unter ein Auto gekommen unb hat vier Rippen gebrochen. Aber Teddy ist heute noch so lebendig, daß er drei Stunden lang Ball spielt vorausgesetzt, daß er jemanden hat, der mit­macht. Wenn einmal die Hundefreunde von Eng­land einen Alterswettbewerb machen, bann wirb Tebby nicht lange um ben ersten Preis zu kämpfen brauchen.

Drei Tage künstliche Atmung.

(bn) Oslo.

In Bergen erkrankte ein vierzehnjähriges Mäd- chen an einer Muskellähmung im Halse. Sie konnte nicht mehr richtig atmen, unb ihr Zustanb ver­schlimmerte sich schnell. Die Aerzte oerorbneten künstliche Atmung, bie burch Druck auf bie Brust­muskeln unb Führung ber Arme über ben Kopf hervorgerufen würbe. Da bas Mäbchen sofort nach bem Aufhören ber künstlichen Atmung roieber von starken Beschwerben heimgesucht würbe, mußten bie Rettungsarbeiten ununterbrochen fortgesetzt werben. Drei Tage unb brei Rächte lang arbeiteten abwechselnb vierunbzwanzig Mann mit ber künst­lichen Atmung. Das Mäbchen war bie ganze Zeit bei vollem Bewußtsein und nahm ihre Mahlzeiten regelmäßig ein. Nachts konnte sie gewöhnlich drei bis vier Stunden schlafen Nach Ablauf der drei Tage hatte sich ihr Zustand soweit gebessert, daß die Aerzte sie für gerettet erklärten.

Der Trick mit dem Strafporto.

(nt) Amsterdam.

Die Holländer sind besonders praktische Leute und ziehen ihre Lehren aus bem täglichen Leben. Es werben in Hollanb sehr viele Postkarten ae- schneben. Allmählich hatte sich bie Sitte eingebür­gert, baß. wenn für eine Karte Strafporto zu zah­len war, ber Empfänger bie Karte mit einem lan­gen Blick übersah und dann dem Briefträger zu- rückgab und die Annahme verweigerte. Dem ist jetzt abgehoben worden. Alle Karten, die aus irgend­einem Grunde mit Strafporto belegt sind, werden vorsorglich in feste Umschläge getan, bevor sie ber Postbote bem Empfänger präsentiert. Der lange Blick, mit bem ber Empfänger sonst leicht ben Inhalt der Karte überfliegen konnte, ist nun nutz­los geworden, und er muß sich schon entschließen, die Karte anzunehmen und das Strafporto zu be­zahlen. Auf diese Weise schützt sich die holländische Post davor, daß Karten gelesen und dann ohne Be­zahlung zurückgegeben werden

Die unbelehrbare Witwe.

(ky) Rom.

Die Witwe des römischen Industriellen Ettore Ealzone, die über eine Hinterlassenschaft von elf Millionen Lire verfügte, war einemspiritistischen Zirkel" ins Netz gegangen, ber bie Vertrauens­seligkeit ber alten Dame weidlich ausnutzte. Be­sonders angetan hatte ihr es einGraf von Imola, ein junger Taugenichts, ber sich eigenmächtig Siefen hochtrabenden Namen zugelegt hatte. Frau Ealzone, die sich im Kreise ber Spiritisten als eine roieber» geborene Vestalin Calpurnia ober als tibetanische Lamapriesterin, ja sogar als Königin Christine von Schweben fühlte, sah in bem jungen Gauner eine Reinkarnation, wie bie Spiritisten bas so schön nennen, eines frühverstorbenen Brubers. Frau Ealzone war das geeignete Objekt für die Be­trügereien der Bande, in deren Hände sie geraten war. Nach kurzer Zeit trat auch eine Dame auf, die sich besondere spiritistische Fähigkeiten zuschrieb^ im Grunde aber niemand anderes war als die zukünftige Schwiegermutter desGrafen von Imola", die wahnsinnig verschuldet war und hoffte, mit ben Millionen ber Frau Ealzone sich sanieren zu können. Eifrig beschwor sie den Geist des ver­storbenen Herrn Ealzone, der seiner Frau zunächst

in zarten Andeutungen, spater aber ganz unver­blümt ben Auftrag gab, ben jungenGrafen" zu adoptieren. Frau Ealzone war schon zu Lebzeiten ihres Gemahls gewohnt gewesen, dessen Anord­nungen widerspruchslos zu erfüllen, wie gerne tat sie es nun, da sie für den jungen Mann geradezu schwärmte. So wurde denn schließlich die Adoption vollzogen, obwohl die Gerichtsbehörden Frau Eal­zone nachdrücklich gewarnt hatten. Aber Frau Ealzone ließ auf ihren adoptiertenGrafen" nichts kommen. Und so zog derGraf" mit der Tochter seiner Helferin, einem wunderschönen jungen Mäd­chen, in die Villa von Frau Ealzone. Nun dauerte es gar nicht lange, bis das gesamte Eigentum der abergläubischen Frau auf den Namen des Gauners überschrieben wurde, der mit seiner Geliebten nichts Besseres zu tun wußte, als den Reichtum nach allen Regeln der Kunst zu verschwenden. Bis endlich der Staatsanwalt eingriff. Und nun rollt sich ein Pro­zeß ab, der die Zuschauer oft zu wahren Heiterkeits­ausbrüchen veranlaßte. Denn Frau Ealzone war nicht von ihrer Gutgläubigkeit abzubringen. Trotz­dem wird das Gericht die Hochstapler wegen Aus­

beutung einer nicht in vollem Besitz ihrer Urteils­fähigkeit stehenden Person ganz gehörig bestrafen.

Das Soldatenpferd als Simulant.

(ns) Algier.

Tenor war in der hiesigen Garnison bislang ein schönes und stolzes Pferd gewesen. Aber feit einiger Zeit behagten ihm die häufigen Manöverritte keineswegs sonderlich. Eines Tages begann Tenor, kurz nachdem es den Stall verlassen hatte und wiederum zum Manöver hinaus sollte, zu hinken. Das Tier hinkte so meisterhaft, daß sogar der Veterinär unverzüglich anordnete, Tenor müsse in den Stall zurückgeführt werden. In der Folgezeit stellten sich jedoch jene Lähmungserscheinungen überhaupt bei jedem bevorstehenden Manöoerritt' ein. Einem Offizier dämmerte es schließlich, daß das Tier einfach simuliere. Er ordnete also an, daß Tenor trotzdem mit ins Feld hinausmüsse. Sobald Tenor erkannt hatte, daß der Schwindel nichts mehr fruchtete, nahm es wieder bie alte normale Gangart an unb war seither von denKrankheits­erscheinungen" kuriert.

Beim Kunden kaufen!

Unser Handels- und Reiseverkehr mit Oesterreich.

Das freundschaftliche Abkommen vom 11. Juli unb die Aufhebung der Tausendmark-Sperre nach Oesterreich hat im ganzen Reiche neue Hoffnungen erweckt. Ein frisches, herzliches Interesse für das österreichische Geistesleben, für Kunst und Kultur, Landschaft und Geschichte, Politik und Wirtschaft unseres deutschen Nachbarstaates macht sich über­all bemerkbar. Manche Volksgenossen werden auch ihre bisherigen Urlaubspläne noch umstoßen, um die Ferien in Wien ober in ben herbstlich gefärbteen Walblanbschast der österreichischen Alpen und^Vor- alpen zuzubringen. Da ist es eine wichtige Frage, ob auch bie nötigen Devisenbeträge zur Ver­fügung stehen werben, um einen ungehemmten Reiseverkehr zwischen den beiben Staaten zu er­möglichen. Die Frage ist um so berechtigter, als ja tatsächlich ber Umfang ber Devisenbewilligungen jeweils abhängig ist von ber Entwicklung bes gegenseitigen Warenaustausches, ins» befonbere von ber Höhe ber Ueberschüsse, bie burch den Handelsverkehr auf dem reichsdeut­schen Guthabenkontv entstehen.

Der deutsch-österreichische Handel bewegt sich, un­abhängig von der bedauerlichen politischen Ver­stimmung zwischen beiden Ländern, schon seit vielen Jahren auf absteigender Linie. Der Um­fang des Warenverkehrs betrug in Millionen Mark im Jahre

Ausfuhr nach Einfuhr aus Oesterreich Oesterreich

1930 360,3 181,2

1931 275,3 113,9

1932 159,5 65,4

1933 120,7 57,6

1934 106,7 66,3

1935 107,9 71,7

Dementsprechend sank auch der Ueberschuß von 179,1 Millionen Reichsmark in diesem Zeit­raum auf 36,8 Millionen RM. Nach den letzten Berechnungen ist die Bilanz im ersten Vierteljahr 1936 sogar ausgeglichen, wenn man die Liefe­rung von elektrischem Strom von Oester­reich nach Deutschland mit in Rechnung stellt. Es ergab sich also "Die dringende Notwendigkeit, die deutsch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen neu aufzubauen und vor allem auch ber beut» schen Ausfuhr nach Oesterreich neue Wege zu erschließen, wenn anbererfeits Oesterreich aus bem erwarteten stärkeren Reiseverkehr ben erhoff­ten Nutzen ziehen wollte. Dieser Grunbsatz ber Gegenseitigkeit ist erfreulicherweise bei ben bisheri­gen Verhanblungen von beiben Seiten anerkannt unb bejaht worben Wie wichtig ber beutsche Reise­verkehr für bie österreichische Frembeninbustrie unb bamit für bie gejamte österreichische Wirtschaft ist, ersieht man baraus, baß noch 1931/32 f a ft bie Hälfte aller fremben Besucher Oesterreichs aus bem Reiche kam. Im vorigen Jahr war aber ber beutsch» Anteil auf höchstens 5 v. H. gesunken.

Welche Möglichkeiten bestehen nun praktisch für bie Ausdehnung des deutsch-österreichischen Waren­austausches? In der Ausfuhr Oesterreichs nach bem Reich spielt bas Holz eine hervor­ragende Rolle. Im Jahre 1935 ging von dem öster­reichischen Gesamtexport an Holz (132 568 Wag­gons) etwa ein Viertel (34110 Waggons) nach Deutschland. Da aber in früheren Jahren diese Ziffer um ein Vielfaches hoher war, rechnet man in der österreichischen Forstwirtschaft für die Zukunft wieder mit größeren Exportmengen. Auch Land­wirtschaftsprodukte können in größerem Umfange in Deutschland abgesetzt werden. So ist eine Vermehrung des deutschen Bezuges an tieri­schen Erzeugnissen (Käse) vorgesehen. Ferner wird O b st in größeren Mengen nach dem Reiche aus­geführt. Auf dem Gebiete der Fertigwaren-Jndustrie ist Deutschland ' ein fester Käufer für Eisen- waren, für Kleidung und Wäsche ge­worden.

Was die Ausfuhr Deutschlands nach Oesterreich betrifft, so nimmt hier die Kohle den wichtigsten Platz ein. Die Versorgung Oesterreichs mit deutscher Steinkohle ist in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen, dagegen 1935 infolge von Kompensationsabkommen wieder auf eine Höhe von 407 000 Tonnen gestiegen. Eine weitere Vermehrung der österreichischen Steinkohleneinfuhr aus Deutschland erscheint durchaus möglich. Oester­reich kann ferner als Abnehmer von Fischen, Pflanzenfetten, Metallen und chemi­schen Roh st offen seine Bezüge aus Deutsch­land erhöhen. Die Hoffnungen auf einen gesteiger­ten Austausch an Fertigwaren sind dagegen nur gering, da beide Länder eine stark entwickelte Fertigwaren-Jndustrie besitzen. Immerhin ist Oester­reich ein stetiger Käufer für bestimmte Speziali­täten der deutschen Jndustriewirtschaft, z. B. für Chemikalien, Maschinen, Elektrowaren, Pelze, Kaut­schuk, Zelluloid, Glas- und Papierwaren gewesen.

Da Deutschland unter den Abnehmern öster­reichischer Waren gleichbleibend an erster Stelle gestanden unb seinen Anteil an der öster­reichischen Gesamtausfuhr noch in diesem Jahre wieder gesteigert hat, wird man erwarten dürfen, daß Oesterreich auch bei ber Befriebigunq seines Einfuhrbebarfs bas beutsche Angebot roieber im früheren Maße berücksichtigen wirb. In Wien hat man bereits verlauten lassen, baß bas in ber deut­schen Handelspolitik bewährte Prinzip, vorzugs­weise bei den eigenen Kunden z u fau- f e n, auch von österreichischer Seite befolat werben mürbe. So wie Deutschlanb seinen Anteil an der österreichischen Ausfuhr erhöht hat, so müsse auch Oesterreich seinen Anteil an ber beutschen Ausfuhr, unb zwar in verhältnismäßig stärkerem Grade, erhöhen. So ist bie Hoffnung berechtigt, baß ber Umfang bes deutsch-österreichischen Handels stetig, vielleicht auch nur langsam, zunehmen wird, womit auch die Voraussetzungen für bie so sehr gewünschte Steigerung bes Reiseverkehrs geschaffen wären,

Tiere, die sich nach dem Monde richten.

von Or. W. Lange.

Es ist eine bekannte Tatsache, baß ber Monb manche Vorgänge auf ber Erbe roeit- gehenb beeinflußt. Wir brauchen nur an ben regelmäßigen Wechsel von Ebbe unb Flut im Weltmeere zu benfen, ber burch bie An­ziehungskraft bes Monbes verursacht wirb. Weit rätselhafter finb aber gewisse Wirkun­gen bes Monbes auf Tiere, bie vor allem burch neuere Forschungen in vielen Fällen befanntgeroorben finb. Der nachstehenbe Ar­tikel berichtet über einige interessante neue Beobachtungen auf biesem Gebiete.

In ben Korallenriffen ber ©übfee lebt ein Meereswurm, ber sich auf seltsame Weife fort­pflanzt: zu gewissen Zeiten stoßen beibe Geschlech­ter bieses Tieres bas Hinterenbe ihres Körpers ab, man finbet bann biefe Bruchstücke frei im Ozean herumschwimmen, unb zwar stets in ungeheurer Menge, ba alle Würmer zur gleichen Zeit biefe Prozebur vornehmen. Die eingeborenen Polynesier kennen biefe Erscheinung sehr gut, benn sie fangen unb verspeisen benPalolo" in großen Mengen. So entdeckten sie auch als erste die seltsame Tat­sache, daß die Paloloschwärme mit größter Pünkt­lichkeit zweimal im Jahre an genau vorauszusagen­den Terminen erscheinen, nämlich in den Monaten September unb Oktober, beibe Male mit über­raschender Regelmäßigkeit an bem Tage, ber bem Eintritt bes letzten Monbviertels voraufgeht Ge­naue wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, baß bie Beobachtungen unb Erzählungen ber Eingebo­renen aufs Haar stimmen.

Mondpünttlichfeit" der Tiere.

Besonbers merkwürdig ist dabei, daß auch solche Würmer, die in A quarien gehalten werden,

also in Räumen, in die kein Schimmer des Mond­lichts fällt, genau zur gleichen Zeit aus- schwärmen wie ihre freilebenden Artgenossen. Lange Zeit hielt man diese Mondabhängigkeit des Palolowurms für ein in der Tierwelt einzig da­stehendes Kuriosum. Neue Forschungen haben aber ergeben, daß diese Ansicht irrig war. In den letz­ten Jahren ist bie Liste ber Tiere, bie sich in wich­tigen Lebenserscheinungennach bem Monbe rich­ten", beträchtlich angeschwollen, unb anbauernd ver­größert sie sich durch neue Entdeckungen. Vor allem im Leben ber Meerestiere spielt ber Mond eine ge­waltige Rolle. So legt bie Kammuschel ihre Eier stets zur Zeit bes Vollmonbes ab. Aehnliches ist von gewissen Schneckenarten, foaenannten Käfer­schnecken, bekannt geworben. Zuweilen läßt sich ein solcher Termin auf bie Stunbe genau nach dem Mondkalender voraussagen! Besonders ein­gehend hat man begreiflicherweise das Verhalten der dem Palolo verwandten Meereswürmer ver­folgt. Viele von ihnen schwärmen zu gewissen Zeiten im Meere umher, während sie für gewöhn­lich am Meeresgrund leben. Das Schwärmen ist, da es meist nachts erfolgt, nicht leicht zu beobach­ten. Die Forscher konstruierten sich daher eine ins Meer versenkbare Lampe und beobachteten nun Abend für Abend, off monatelang, was sich im Umkreis dieser Lichtquelle abfpielte. Ihnen kam dabei der Umstand zu gute, daß die schwärmenden Meereswürmer zusammen mit anderen Meeres- organismen ähnlich wie es bei Nachtfaltern der Fall ist vom Lichte angelockt werden. Im Schein der Lampe ließen sich dann bei bestimmten Arten von Würmern ganz eigenartigeBalztänze" beobachten.

Das erstaunliche Ergebnis dieser Untersuchungen