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Dienstag, 12. Mai 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
llr.no Zweites Blatt
Zeitgenössische Darstellung des ersten Rheindampfers der Düsseldorfer Gesellschaft Herzog von Nassau'
usgang. Johannes R i e -
seelischer Natur, aber sie werden hier nur gerade angedeutet oder gestreift oder übersprungen, und so bleibt der Film, der wohl auch gar nicht mehr
debatten einlassen darf, insbesondere, wenn das Honorar schon entrichtet ist.
Die Familie Brömeisl betrachtet lange noch die Bilder. Jedes Mitglied hat eine Karte in der Hand und hält sie bald nah, bald weit weg. Die Kellnerin bestätigt freundlich und anteilnehmend die Identität von Modell und Bild, und sagt zum Lob des Schattenschneiders: . Neuli hat er an Hinden
burg und an Schiller und an Zeppelin dabei g'habt. Täuschend!"
Am ersten trennt sich Vater Brömeisl von seinem Konterfei.
Er steckt es in die Brieftasche und sagt: „No ja, um a Mark!... I kunnt so was net und wenn s' mi derschiassat'n! — Des san halt Talente. Der oa hat's und der andere net ..
Mutter und Tochter greifen im Laufe des Abends immer wieder nach den Karten und vergleichen. Bis Brömeisl grantig wird, weil er gar keine Ansprüche mehr hat. „Jetzt teat's amal den damisch'n Kopf weg, sag i, und schaugt's mi net alleweil so o, wia wann i aussätzig waar..."
Da verschwinden die Karten und Mami überprüft den Bappi nur mehr ganz heimlich. Sie ist sehr stolz auf ihn. Ein markantes Profil, hat der Herr gesagt. Sie kennt es jetzt dreißig Jahre. Sie kann es bestätigen.
Weiter günstige Entwicklung des Arbeitseinsatzes im April 1936
Ganzeisenschiff war die „Victoria", die 1839 vollständig in England gebaut wurde. Sie war das schönste und schnellste Schiff der 40er Jahre auf dem Rhein; die Königin Victoria von England machte mit ihr ihre Hochzeitsreise auf dem Rhein.
Für die Fahrt von Mainz nach Düsseldorf benötigten die ersten Schiffe fast 24 Stunden; mit den besseren Schiffskörpern und Maschinen verbesserten sich auch die Fahrzeiten. 1853 konnte der „Hohenzoller", „Schnelläufer" genannt, die Strecke Köln—Mainz in knapp 12 Stunden bewältigen. Der starke Wettbewerb mit der Kölner Gesellschaft wirkte sich natürlich hauptsächlich in den Fahrpreisen aus. Es gab damals vier Klassen: Pavillon, Große Kajüte (Salon), Vorkajüte, Matrosenraum. 1836 zahlte man zum Beispiel für die Fahrt von Köln nach Mainz in der Großen Kajüte (Salon) 7 Taler (= 21 Mark), 1840 noch 4 Taler 8 Sil- bergroschen (= 12,80 Mark) und 1853 noch 3 Taler (= 9 Mark). Jede der beiden Gesellschaften wollte vor allem die andere an Schnelligkeit übertreffen. Der Wetteifer der Kapitäne führte nicht selten zu aufregenden Wettfahrten, die auch gele-
aeben wollte, eine anaenehm zu erlebende Unterhaltung mit gutem T/z 7* '
mann, als Schauspieler bekannt, führt Regie und
hat die Geschichte anfangs mit lustspielhaft-realisti- scher Breite, gegen Ende hin mit sportlicher Kon- ^ntration und kräftiger Spannung in Szene gesetzt. Unter den Darstellern ist an erster Stelle George zu nennen, obschon er nicht geradezu die Hauptrolle hat; er gibt den Vater des Mädchens, einen mächtig hochgekommenen Bäckermeister, der ganz klein angefangen und es im Laufe der Jahre geschafft hat, mit der ganzen (nicht etwa nur körperlichen) Fülle und Reife des überlegenen Menschengestalters. Um seinetwillen vor allem lohnt es sich, den Film zu sehen. Auch Viktor de Koma, der den jungen Mann gibt, ist gut; er hat sich rechtschaffen in die kleine Umwelt hineinversetzt. Edna Grey ff, ein neuer Name, als Iris; man wird mehr von ihr sehen müssen, ehe man über den Umfang ihrer Begabung urteilen kann. Zwei hübsche Chargen liefern Dienert und Henckels; vom übrigen Ensemble die Sandrock und die Nikolajewa. — Produktion: Bavaria-Film AG.
B-erlin, 11. Mai. (DNB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung setzte sich die frühjahrsmäßige Belebung des Arbeitseinsatzes, die im März zu der außerordentlich starken Abnahme der Arbeitslosigkeit geführt hatte, im April weiter durch. Die Zahl der Arbeitslosen ging um rund 174 000 zurück, so daß am Monatsschluß noch 1 763 074 Arbeitslose vorhanden waren. Damit ist die winterliche Arbeitslosenzunahme fast wieder ausgeglichen und der g ü n st i g st e Stand der Arbeitslosigkeit des Sommers 1935, der bei 1 706 000 Arbeitslosen im August lag, fast wieder erreicht worden.
Der Rückgang der Arbeitslosigkeit verteilt sich fast gleichmäßig auf die Außenberufe (Abnahme: 94 070) und die übrigen mehr konjunkturabhängigen Berufe (Abnahme: 79 976). In den Außenberufen hemmten in manchen Bezirken die ungünstige Witterung und einige Witterungskatastrophen, die zu vorübergehenden Einschränkungen der Außenarbeiten zwangen, den Arbeitseinsatz. Trotzdem ist die Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte größer gewesen als dies in den Zahlen über den Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kommt, da für die 53 000 Notstandsarbeiter, die im Zuge der planmäßigen Einschränkung der Notstandsarbeiten zur Entlassung gekommen sind, ebenfalls Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft und hier überwiegend bei den Außenberufen besetzt worden sind.
Wie alljährlich brachte der April die Eingliederung der Jugendlichen m das Wirtschaftsleben Ein zahlenmäßig starker Jahrgang stand dieses Jahr für den Eintritt in das Wirtschaftsleben zur Verfügung. Wenn auch der
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Otto de B o o r, Ordinarius für römisches und deutsches bürgerliches Recht an der Universität Marburg, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Leipzig berufen.
Professor Dr. Adolf Spamer, Extraordinarius für Deutsche Sprachwissenschaft und Volkskunde an der Technischen Hochschule Dresden, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt worden. Prof. Spamer, der früher in Frankfurt wirkte, hat sich durch seine Arbeiten über die deutsche Mystik und vor allem durch eine groß angelegte Darstellung der deutschen Volkskunde einen Namen gemacht.
Professor Dr. Karl Boehm, Ordinarius für Mathematik an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wurde auf Grund von § 4 des Gesetzes vom 21. Januar 1935 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden.
Dampfschiffahrtsgesellschaft", eng zusammenarbeitete, verstärkt war. Unter den Gründern ragen hervor: der Präsident der Düsseldorfer Handelskammer Gerhard Baum, der Elberfelder Kommerzienrat Johann Adolf von Carnap, 1. Präsident des Verwaltungsrates, und Kommerzienrat Carl Lucke- meyer, aus Düsseldorf, 1. Direktor der Gesellschaft. Namen aus Mainz sind: Johann Kerteil, Vallentin Neuß, G. D a e l, Johann Jakob D'Avis, Franz Josef Probst. Probst richtete zur Belieferung der Schiffswirtschaften das eigene Weingeschäft der Gesellschaft in Mainz ein, das nach seinem Tode von seinem Sohn Franz Anton Probst weiter besorgt wurde.
Beteiligt an der Gründung war ferner der Herzog von Nassau, sowie eine englische Schifffahrtsgesellschaft, die den Anschlußdienst vom Rhein nach London betrieb. Die Beteiligung der Mainzer, die sich sehr lebhaft der neuen Gründung annahmen, führte zu dem Plan, den Betrieb auch auf den Mittelrhein auszudehnen; durch sie ist eigentlich auch der Name in der endgültigen Form festgelegt worden. Dieser Mittelrheinverkehr wurde
größte Teil dieser Jugendlichen u n t e r gebracht werden konnte, so ließ es sich doch nicht vermeiden, daß eine Anzahl bei den Arbeitsämtern als arbeitssuchend vorgemerkt blieb und, soweit eine sofortige Vermitttlung in Arbeit nicht möglich war, am Monatsende als arbeitslos mitgezählt wurde. Rückwirkungen auf den Arbeitseinsatz waren daher im Hinblick auf die erhebliche Zahl neuer Bewerber nicht zu vermeiden. Trotzdem liegt die diesjährige Arbeitslofenziffer um fast 500 000 unter dem Vorjahres st and bei einer um 150 000 niedrigeren Notstandarbeiterziffer, die eigentlich zu den durch die Arbeitsämter untergebrachfen 500 000 zuzurechnen ist.
Oie Silhouette.
Don Julius Kreis.
Wenn Herr Alois Brömeisl mit den Seinen — etwa am Samstagabend — ausgeht, so führt er sie nicht in die gemütliche Gaststube, wo er sonst seine Lebensabende verbringt. Das ist ein Wirtshaus alten Zuschnitts mit niederem Plafond und verräucherten Tarockecken und einem grungeschurzten Wirt. .
Dahin wollen Brömeisls Damen nicht hmg^en. Es ist ihnen rund heraus gesagt — zu g schert. Brömeisl und die Seinen — Frau und Tochter — gehen an solchen Abenden nicht in em Wirtshaus sondern in ein Lokal. Damit a Ruah is. Brömeisl hat gegen Lokale eine Abneigung. Aber er ist Familienvater und Kavalier genug, um einmal in der Woche drei Stunden lang Rücksicht zu nehmen.
Im Lokal trinkt Vater Brömeisl das Helle, das ihm nicht besonders schmeckt, und hat am Nieren- braten, den er mißtrauisch mit dem Messerrücken beklopft, allerhand auszusetzen. Und für die Damen zwoa Schoppen Pfälzer!
Von Tisch zu Tisch geht der Silhouettenschneider und weist seine Werke vor. Einen Fächer schwarzer Drofile auf weißem Grund. Auch an Brömeisls Tisch läßt er seine Schattenrisse spielen und sagt: vielleicht der Herr, Porträt gefällig ... oder die Fraulein Tächter ... sofort ... lebenswahr, meine Herrschaften ... garantiert ähnlich ..
Die Fräulein Tächter. Damit hat er bei Mama Brömeisl die starre Desinteressiertheit in em oer- lobt das markante Profil des Vater Brömeisl. Der ist aus hartem Holz geschnitzt, aber der wortlosen Ablehnung macht eine Entgegnung Platz: han selber gnua Buidl
bahoam rumsteh' ...da wern S koa Gluck Ham.
Der Künstler sieht hoffnungsvoller m dw Zukunft. Er wendet sich an Mama Brömeif und sagt, wie schade es ist, wenn so ein markantes Profil nicht im Bild feftgehalten wird ... Em selten guter Kopf! — Da kommt es den beiden Damen Brömeisl auch zu Bewußtsein, was für einen selten guten Kopf ihr Bappi hat, und sie sind über diese iahe Erkenntnis beglückt. Die Tochter, die beim Vater viel durchsetzt,'sagt: „Geh, Bappi, laß di halt macha!
Und auch Mama Brömeisl meint: „Is dochi a nette Erinnerung! Was kost's denn? Drei Stuck ü 5JlQrtl?w
Der Vater Brömeisl sagt, fein Kopf stünde der
Lnsallverhittuna hn Sau werbe
Dr. Ley spricht aus dem Reichsbetriebsappell des Baugewerbes.
Heilbronn, 11. Mai. (DNB.) An einer der landschaftlich schönsten und bautechnisch interessantesten Stelle der Reichsautobahn Stuttgart— Heilbronn fand der Reichsbetriebsappell der Reichsbetriebsgemeinschaft 4 Bau als Beginn einer vierwöchigen A k t i o n z u r Unfallverhütung statt. Kurz vor 16 Uhr verkündeten die Pfeifen der geschmückten Baulokomotiven die Ankunft des Reichsorganifationsleiters Dr. Ley. Beim Abschreiten der Front drängten sich die Arbeiter vor, um Dr. Ley die Hand drücken zu dürfen. Böllerschüsse kündeten die Eröffnung des Appells an. Der Leiter der Reichsbetriebsgemein-
Familie jederzeit zum Anschauen zur Verfügung, ohne Gebühr und Abgabe.
Dieser sein Witz löst bei allen am Tisch herzliches Gelächter aus, und damit ist das Eis um Brömeisls markantes Herz und Profil geschmolzen.
Er geniert sich freilich sehr, jetzt sozusagen „auf dem Brettl" sitzen zu müssen. Aber auch das schluckt er. Mit dem Bartbürstel glättet er seine Mannes- zier, die Mami rückt ihm, über den Tisch weg, die Kravatte zurecht, die Tochter sieht mit glänzenden Augen auf die Vorbereitungen. Brömeisls Haupt wird vom Schattenrißler mit zwei delikaten, sanften Fingern ins Profil gerückt, zum Licht gehoben, dann sitzt es so fest, ehern und unbeugsam wie beim „Stillaeftanden!"
Der Künstler steht, ein gesammelter und gespannter Linienjäger, vor seinem Modell, sprungbereit, und die kleine Schere windet sich blitzschnell durch den schwarzen Bogen.
Die Augen der Damen wandern unablässig vom Bappi zum Schattenrißler, vom Schattenrißler zum Bappi, und die ganze Familie verbraucht ein Minimum von Atmung.
Die Asche von Bappis Zigarre will fallen. Mit unendlicher Obhut schiebt die Mami einen Teller darunter. f
Brömeisls Antlitz ist in die Ferne gerichtet, ziellos, aber unverrückbar, steinern wie em Bild ohne Gnade. Als er schlucken will, bewerkstelligt er dies mit aller Vorsicht. Wie ein heimlicher Sünder bewegt sich der Adamsapfel am Hals. Man ist ganz dem Werk hingegeben. Brömeisl kommt sich wie em Seiltänzer vor.
Fertig! Drei Köpfe neigen sich über den schwarzen Riß. Mami hält das Kärtchen verkehrt und kennt sich nicht recht aus. Der Künstler berichtigt Pause Das Neuartige des Schattenbilds verblüfft die Familie zunächst. Schüchtern und vorsichtig schielen die Damen auf Bappis Profil und vergleichen Da geht ihnen die Erkenntnis auf. „Ja wirkli! Täuschend! Ja, des is er!" Im letzten Winkel des Herzens sind sie doch nicht aanz zufrieden. Aber schließlich: „Das Schwarze macht's halt aus!
Vater Brömeisl zündet, wieder dem Leben geschenkt, eine Virginia an und sagt: „I kann s ja net beurteil'n. Werd scho so sei! Halt ma gar net denkt, daß i an solchen Zink n hab!
„Den hast!" sagt bestimmt die Mami, aber sie findet die Stirn zu niedrig. Und die Tochter hätte gern den Bart weniger buschig.
Der Künstler kassiert sein Mark! und empfiehlt sich mit vollendeter Höflichkeit. Er weiß, daß man sich mit zahlenden Modellen nie in Aehnlichketts-
Gloria Palast:
„0ie große unö die kleine Meli."
Wenn ein junger Berliner Taxichauffeur sich eines Tages in die Tochter eines schwerreichen Fabrikanten verliebt, und die liebt ihn auch, und sie heiraten sich sogar — allen Widerständen und Schwierigkeiten zum Trotz, dann sieht man, daß sich zwischen der großen und der kleinen Welt auf eine freundliche und menschlich erfreuliche Weise Brücken schlagen lassen. Aber so einfach geht das auch nicht, und das happy end will sauer verdient sein. Denn wenn auch das Mädchen in seiner Liebe leicht in die „kleine Welt" hinüberfindet und sich dort tapfer behauptet, so bemerkt auf einmal der Mann, wie klein seine Welt eigentlich ist und will sich nun seinerseits den Zugang in die andere, die große erkämpfen. Das gelingt ihm sogar, aber batet gehen beinah das Glück und die Ehe in Scherben. In dem Roman von Hugo Maria K r i tz, der die Vorlage zum Manuskript lieferte — Dr. Fritz Rau, M. Rau, Johannes Riemann —, geht es ein wenig anders zu; man merkt natürlich, wie fast immer, die Umformung. An sich enthält der Stoff durchaus ernsthafte und handfeste Probleme sozialer und
Im Beiprogramm: die Wochenschau mit dem Bericht vorn Nationalfeiertag; ein lehrreicher Kulturfilm „Fische unserer Heimat"; je ein Vorspann („Der Kurier des Zaren" und „Die Liebe des Maharadscha"). — r —
Em Jahr deutsche Gemeindeordnung.
Berlin, 11. Mai. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, eröffnete in der Universität eine Verwaltungswissen- schaftliche Woche für Kommunalbeamte. Die Gemeindeordnung lege die Verwaltung der Gemeinden im weitesten Sinne des Wortes und die volle Verantwortung für ihre Geschicke in d i e Hand des Bürgermeisters. Es sei also zunächst darauf angekommen, für diese Aufgabe in den Gemeinden d i e geeigneten Führerperfönlichkei- ten zu finden und die Gemeinderäte als die ehrenamtliche Mitwirkung der Gemeindebürger fo ein- zusetzen, daß sie ihrer Aufgabe, die dauernde Fühlung der Verwaltung mit allen Schichten der Bevölkerung zu wahren, auch wirklich gerecht werden konnten. Er könne feftfteüen, daß das in der Deutschen Gemeindeordnung gefundene Auslefeverfahren sich bewährt habe und dem früheren parlamentarischen Kuhhandel turmhoch überlegen sei. Zur Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten erklärte der Minister, daß Führer- tum im nationalsozialistischen Sinne nicht unbeschränkte Herrschaft des Bürgermeisters oder der Bürokratie bedeute. Eine wahre Führung der Gemeinde bestehe nur solange, als eine Gemeinschaft zwischen Führer und Gefolgschaft und ein steter Austausch zwischen beiden vorhanden sei.
In der Gemeindeordnung sei auch fräs Verhältnis der Gemeinden zum Staat auf völlig neue Grundlagen gestellt. Die Neuregelung der Staatsaufsicht habe sich bewährt und werde auch in Zukunft Bestand haben. Das große Aktivum der Neuregelung des Gemeindeverfassungsrechtes liege darin, daß die Aufsicht sich nicht mehr mit den oft unverantwortlichen Beschlüssen unverantwortlicher Vertretungskörperschaften auseinanderzusetzen habe,
sondern daß allein der Bürgermeister an der Spitze frer Verwaltung jeder Gemeinde für fein Tun und Lassen verantwortlich sei. Eine fruchtbare Gemeindeverwaltung sei unter allen Umständen durch eine geordnete Finanzwirtschaft bedingt. Die Sicherung einer solchen Finanzwirtschaft setze feste Normen voraus. Auf diesem Gebiete würden in der nächsten Zeit Durchführungsvorschriften erlassen werden.
Ein Problem von säkularer Tragweite sei die Neugliederung der Gemeinden. Als sichtbaren Erfolg führte der Redner hier die Umstellung der Amtsordnung in den beiden Westpro- vinzen Preußens auf die Grundlagen der Deutschen Gemeindeordnung und die organische Eingemeindungspolitik an, die sich in der Beseitigung einer Reihe sehr kleiner und leistungsschwacher Gemeinden zeigte.
Als letzten Punkt behandelte Dr. Frick die Einheit der örtlichen Verwaltung. „Was nutzen uns die besten Verfassungs- und Verwaltungsformen in den Gemeinden", so sagte der Redner u. a., „wenn wir ihnen nicht einen Aufgabenbereich sichern und erhalten können, der sie zu dem macht, was sie nach dem Willen der Deutschen Gemeindeordnung sein sollen, die umfassende und volksnächste Stufe der Verwaltung in all ihren Beziehungen? Unsere Verwaltung ist des Volkes w'egen da, und sie wird ihren Aufgaben nur gerecht werden können, wenn sie fo volksnah wie irgend möglich ist." Die Gemeinde fei die große Ausgleichs st eile, die, dem Vertrauen der Bürgerschaft am nächsten stehend, den notwendigen Ausgleich vollziehe und damit die Einheit der Verwaltung auch dem letzten Bürger gegenüber sicherstelle.
schäft Bau, Harpe, meldete, daß in 85 000 Baustellen von 55 000 Betrieben 1235 300 Gefolgschaftsmitglieder angetreten sind, um die Parole Dr. Leys entgegenzunehmen.
Dr. Ley gab die Parole Unfallverhütung aus, und erklärte u. a.: Arbeiter und Unternehmer, ihr müßt begreifen, daß eure Gesundheit, euer Körper nicht euch allein gehört, sondern Deutschland. Der Unternehmer muß sich als wahrer Wirtschaftsführer fühlen. Es liegt besonders an ihm, die Unfälle auf feiner Baustelle zu verhüten. Er muß immer wieder die gesamte Belegschaft darauf Hinweisen, daß Deutschland auf keinen verzichten kann. Das große Gebiet der Sozialversicherung muß zum mindesten reformiert, wenn nicht gar re
volutioniert werden. Wir alle wissen daß Gesetze, die vor 50 und 60 Jahren gemacht worden sind, unmöglich heute mehr in allem Gültigkeit haben können. Wir wissen, daß man diese Gesetze heute erneuern muß und nach den Gesichtspunkten unseres neuen Deutschlands umbilben und u m f o r m e n muß. So fangen wir bei der Un- fallversicherung an. Sie braucht die geringste Umbildung. Aber wir wollen zeigen, welchen Weg wir bei der Sozialversicherung gehen müssen. Es ist das ein großes Erziehungswerk, an dem alle mithelfen müssen.
Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie Dr. Bögler dankte Dr. Ley. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied war der Appell beendet
Hundert Jahre Düsseldorfer Dampfer.
Aus der Geschichte der „Köln Düsseldorfer Iiheindampfschiffahrt".
Arn 13. Mai 1836 gründeten führende Männer1 aus den Handelskammern Düsseldorf, Elberfeld- Barmen, Mainz, Koblenz und Kaufleute aus anderen Rheinstädten in Düsseldorf die „Dampf- schiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein". Das Ziel dieser Gründung war die Beseitigung der alten Vormachtstellung Kölns in der Rheinfchiffahrt, die durch die Gründung der „Preußisch-Rheinischen Dampf- schiffahrts-Gesellschaft" in Köln im Jahre 1826 und durch die gute Entwicklung des neuen Kölner Dampfschiffverkehrs, der mit der „Niederländer
dann sehr bald der Hauptverkehr, und zwar mit immer stärkerem Ueberroiegen des Personenverkehrs. Dadurch kam es zu dem außerordentlich heftigen Wettbewerb mit der Kölner Gesellschaft, der 17 Jahre andauerte.
Im März 1837 fuhr das erste Schiff „Herzog von Nassau" von Düsseldorf nach Mainz, ihm folgten bald drei weitere Schiffe. Alle Schiffe wurden in Holland und mit englischen Maschinen gebaut mit Ausnahme des „Komet", der, auf einer Duisburger Werft erbaut, niemals den technischen Anforderungen ganz Genüge leistete. Das erste
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