Donnerstag, 12.Mrzl9Z6
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 61 Drittes Blatt
Aus der Provinzialhauptstadt
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bis in die polaren Nordgebiete eingerichtet. Nach • Postwesens aller Zeiten genannt wurde.
wurden sogenannte P o st h ö f e eingerichtet oder bereits bestehende Bauernhöfe für diesen Zweck bestimmt. Die Bauern, die in diesen Höfen saßen, mußten des Lesens und Schreibens kundig sein und besonders vereidigt werden. Sie hatten gegen Befreiung von Steuern oder sonstigen Abgaben und anderweitiger Pflichten wie etwa der Einquartierung, des Spanndienstes u. a., die Weiterbeförderung der Post auf einer Strecke von 2 bis höchstens 3 Meilen zu besorgen. Diese bäuerlichen Posthöfe bestanden fast über 200 Jahre lang. Sie wurden um das Jahr 1646 herum durch eine zusätzliche Verordnung beritten gemacht, wodurch sich die Beförderungsdauer erheblich verringerte.
Im ersten Jahre seiner organisatorischen Tätigkeit beschränkte sich Wechel darauf, ein Postnetz über das mittlere und südliche Schweden zu spannen. In den darauf folgenden Jahren wurde zunächst eine Linie über die Alands-Inseln nach Finnland gelegt und von dort nach den Ostseeprovinzen
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Was hatte das alles zu bedeuten, und wie ist es zu erklären, daß ein lebloser Körper bei aller Verehrung Anlaß zu den schwersten politischen Verwicklungen geben konnte? Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach, wenn wir zu begreifen versuchen, daß dieser Tote eben nicht für leblos gehalten wurde, daß man ihm vielmehr magische Kräfte zuschrieb, auf die der Prozeß der Verwesung keinerlei Einfluß besaß. Erinnern wir uns: Alexander hatte sich, als er dem Zeus-Ammon in der Oase Schioah den berühmten Besuch abstattete, von den ägyptischen Priestern zum irdischen Vertreter des Gottes weihen lassen. Ueberhaupt erklärt sich der Kultus, der jetzt mit der königlichen Leiche getrieben wurde, nur aus dem religiösen Grundcharakter des asiatischen Eroberungszuges. Unsere Schulweisheit will das zwar nicht wahr haben, sie hält sich an die militärischen Daten des Zuges. So kommt es, daß wir die Namen der Schlachten aufzählen können, darüber aber ein ungleich wichtigeres Phänomen übersehen: die häufigen Aufenthalte Alexanders an den berühmtesten Mysterien- und Orakelstätten des Orients. Es scheint doch so, als habe der Schüler des Aristoteles bei seinem Unternehmen gegen das Perserreich kein dringenderes Anliegen gehabt, als die inhaltlos gewordenen hellenischen Kulte und Mythen durch Verschmelzung mit der uralten asiatischen Weisheit wieder lebendig und wirksam zu machen. Darum die uns so wenig „realpolitisch" dünkende Selbstvergottung im Ammonium, darum aber auch der leidenschaftliche Streit der Marschälle um die Königsleiche. Ihr Besitz war eine politischreligiöse Prestigefrage. In diesem nur scheinbar toten Körper wohnte der Gott! Es konnte nicht gleichgültig sein, wem er gehörte.
In dieser Vermutung werden wir bestärkt durch ein Zeugnis aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Der römische Schriftsteller Claudius Aelia- nus berichtet nämlich folgendes: Alexander fei auf seinen Feldzügen von einem griechischen Mantis namens Aristander von Telmessos begleitet gewesen. PZir würden das Wort „Mantis" mit „Zauberer" nur unvollkommen übersetzen; es wird ein mit allen Kulten und Weihen der damaligen Zeit tiefvertrauter Weisheislehrer und Seher gewesen sein. Dieser Aristander nun habe nach dem Tode seines Königs dem Lande höchstes Glück geweissagt, in dessen Erde die Leiche des Heros verbliebe. Das Alexander- grab mußte dem mythischen Denken jener Zeit als glückspendend gelten, und Ptolemäus wußte schon, was er tat, als er den Leichenzug in Damaskus aufheben und seinen toten Herrn nach Aegypten schaffen ließ.
Hier wurde Alexander zunächst in Memphis
Oer Naqelbohrer.
Der Hofschauspieler Pauli, der im vergangenen Jahrhundert am Dresdener Schauspielhaus wirkte, gehörte nicht zu den Menschen, die sich durch jede Kleinigkeit aus der Ruhe bringen lassen. Es wird von manchem Beispiel seiner Geistesgegenwart bei irgendwelchen Zwischenfällen auf der Bühne berichtet. Doch einmal soll auch ihn die Fassung verlassen haben.
Es wurden Schillers „Räuber" gegeben. Pauli hatte den Franz Moor darzustellen. Und es ging alles gut, wie immer — bis zum Beginn des fünften Aufzuges. Gerade hatte Franz Moor fein verzweifeltes: „Verraten! Verraten! Geister, ausge- fpien aus Gräbern — losgerüttelt das Totenreich aus dem ewigen Schlaf, brüllt wider mich: Mörder! Mörder! —" mit der angsterfüllten Frage geschloffen: „Ha! Wer regt sich da?" — da ertönte hinter den Kulissen aus dem Munde eines Bühnenarbeiter, der in seine Arbeit versunken war, ziemlich deutlich die tröstliche Antwort: „Ich bin es, Herr Pauli, ich suche meinen Nagelbohrer!"
Und da soll auch der gefeierte Hofschauspieler das folgende Stichwort übeichört haben. N.
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dem Tode Wechels übernahm feine energische Ehegattin die Nachfolge und wurde so zur e r st e n Postmeisterin Schwedens. „Als General» reichsschulze" wurde ihr von der Regierung der Adelsmann Bernhard Steen von Steen» hausen aus Ingermanland zur Seite gestellt.
Bis zum heutigen Tage hat das schwedische Post» wesen im Zuge seiner Entwicklung verschiedene Reformen und organisatorische Neuerungen durchgemacht. Ein großer Förderer des Postwesens war nicht zuletzt auch der kriegerische König Karl XtL, der beispielsweise im Jahre 1704 aus dem Feld» lager bei Jaroslow eine grundlegende Dienstanweisung für den Oberpostdirektor erließ, die bis zum Jahre 1863 Gültigkeit behielt. Die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ist auch für das schwedische Postwesen von umwälzender Bedeutung gewesen. Einen Markstein bildet auch hier u. a. die Reform des deutschen Generalpostmeisters von Stephan, der in einer der Festreden, die anläßlich des 300. Gedenktages in Stockholm gehalten worden ist, als der größte Reformator des
auch sonst in anderen deutschen Gegenden auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen legte O x e n st i e r n a in einer umfangreichen Denkschrift nieder, die aber erst 1617 dem Reichstag in Oerebro vorgelegt wurde. Darin suchte der Kanzler durch eingehende Darstellung des Aufbaus und der Bedeutung des deutschen Postwesens das Interesse des Reichstags für eine gleiche Einrichtung in Schweden zu wecken und die Notwendigkeit, auch im eigenen Lande derartige „Ordinantie för pofterne" einzurichten, nachzuweisen. Dieser Vorschlag wurde nach langen Beratungen abgelehnt. Ein ähnliches Schicksal erlitt auch eine zweite Eingabe im Jahre 1624. Die Reformmühlen gingen schon damals in Schweden langsam und beschwerlich. So verstrich noch ein Weilchen bis zur eigentlichen Tat. Inzwischen durchzog das Schwedenheer mit König Gustaf Adolf II. die deutschen Gaue und legte seine harte Erobererhand auch auf das deutsche Post- wesen. So entstanden die ersten schwedischen Postämter im Jahre 1631, als der Schwedenkönig nach dem Sieg seiner Waffen bei Breitenfeld die Postämter zunächst in Leipzig, dann in Frankfurt am Main und anderen deutschen Städten mit Beschlag belegte, mit schwedischen Vertrauensleuten besetzte und sie, was besonders bemerkenswert ist, nicht allein zur Beförderung von Postsachen, sondern auch zu Ku n d sch a ft e r d i e nst en gebrauchte. Mit dieser militärpolitischen Auswertung des Postverkehrs hatte der schwedische Soldatenkönig bereits in den früheren Jahren auf dem kleinen Abschnitt des Amtsbereichs seines Hamburger Residenten gute Erfahrungen gemacht. Die schwedischen Postverbindungen zwischen der Kriegsmacht in Deutschland und dem Heimatlande führten zu jener Zeit unter anderem auch über Pillau, wo bereits im Jahre 1628 ein Pendelverkehr mit Fahrzeugen eingerichtet wurde.
Die Leitung des schwedischen Postwesens in deutschen Landen lag zeitweilig in Händen des Ober- postmeisters in Frankfurt am Main, Johann von den Brighden, den Axel Oxenstierna besonders hoch zu schätzen wußte. Die im Jahre 1634 vom schwedischen Kanzler in deutscher Sprache erlassene Verordnung, „wie sich die Posthaltere in Stätten und auff dem Lande mit Führung der Ordinarij Posten, Stafetten und Curier zu verhalten haben", stammt in der Hauptsache aus der vortrefflichen Feder des genannten Frankfurter Oberpostmeifters und war lediglich für den schwedischen Herrschaftsbereich in Deutschland bestimmt. Die Heimat folgte erst zwei Jahre später, nachdem Oxenstierna mehrfach in besonderen Schreiben aus Deutschland an den schwedischen Reichstag nachdrücklichst auf die Notwendigkeit hinwies, auch in Schweden ein Postwesen nach dem bewährten deutschen Mu st er einzurichten. Nach langen Beratungen im Reichsrat wurde endlich am 20. Februar 1636 durch die Vormundschaftsregierung der Königin Christine die Verordnung über „Post-Bodhen" erlassen. Da Oxenstierna zu dieser Zeit in Deutschland weilte, fehlt sein Name unter dieser für das moderne Schweden historischen Urkunde. Mit der Durchführung dieser Verordnung wurde der deutsche Postmeister Andreas W e ch e l beauftragt, der schon Ende des Jahres 1635 im Austrage Oxenftiernas aus Leipzig in Stockholm eintraf und hier mit feinen Kenntnissen und Erfahrungen wesentlich an der Abfassung der Verordnung beteiligt war. Ihm zur Seite wurde der Schwede Oluf I ö n s f o n als eine Art Regierungskommissar gestellt. Die Verordnung umfaßte 18 Artikel und verfügte in der Hauptsache die Einrichtung von Postämtern in den wichtigsten Städten des Landes. Sie enthielt ferner Bestimmungen über die Poftbeförderung sowie über die Stellung der Postboten. Zwischen den einzelnen Postämtern in den größeren Städten des Landes
Bezirksgruppe Oberhessen: 20.15 Uhr im Großen Hörsaal der Universität Lichtbildervortraa des Gruppenleiters im Präsidium des Reichsluftschutzbundes LS.-Gruppenführer Peres. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Durch die Wüste". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mädchenräuber". — Eisenbahner» Heimstättenverein e. G. m. b. H. Gießen: 20 Uhr Versammlung im Sitzungszimmer des Reichsbahn-Betriebsamts Gießen, Liebigftraße 23.
Körperliche Eignungsprüfung bei Aufnahme in die höhere Schule.
In Ausführung des Reichserlaffes vom 27. März 1933 zur Feststellung der körperlichen Eignung bei der Aufnahmeprüfung in die Sexta hat die Abteilung II der Landesregierung folgende Richtlinien erlassen:
£>v Prüfung soll nicht einen bestimmten Grad von Fertigkeiten und Leistungen feststellen, sondern ihr Ziel darin sehen, einen dem Aufnahmealter entsprechenden Einsatzwillen zu beurteilen. Zu diesem Zweck sind Einzel- und Gemeinschaftsaufgaben zu stellen, aus denen zu erkennen sind:
a) die allgemeinen Körperkräfte, Zähigkeit, Ausdauer (z. B. Klettern, Ringen um den Vollball, Freiringen);
b) Einsatzwillen, Entschlossenheit, Mut (z. B. Laufen über einen 1 Meter hoch gelegten Balken, Bockspringen, Ringen wie unter a) angegeben);
c) allgemeine Gewandtheit (z. B. Ueberwinden eines Hindernisses, Barren und dergleichen, Purzelbaum, Radschlagen);
d) Einsatz im gemeinschaftlichen Wollen (z. B. Gemeinschaftskampf in Staffelform, Völkerball).
Die Lösung dieser bzw. gleichinhaltlicher Aufgaben ist mit den Noten 1 bis 4 zu bewerten. Dabei muß ein prüfungsmäßiger Verlauf weitestgehend zurücktreten gegenüber einem flotten Betrieb, der die Jungen nicht unter besonderen Hemmungen tätig fein läßt.
Die Prüfung bei den Mädchen hat nach den gleichen allgemeinen Richtlinien zu erfolgen, wobei die parktechnischen Aufgaben entsprechend zu gestalten sind.
Don der Landesuniversität.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Der Führer und Reichskanzler hat durch Verfügung vom 18.2.1936 Herrn Prof. Dr. Dr. med. vet. h. c. Dr. sc. nat. W. Zwick wegen Erreichung der Altersgrenze mit Wirkung ab Ende März 1936 von feinen amtlichen Verpflichtungen entbunden und ihm zugleich feinen Dank für die erfolgreiche akademische Wirksamkeit und die dem Reich geteifte»
„Geschachzabelte Torte".
Was Großmutter geschmeckt hat, schmeckt den Enkelkindern nicht immer. Wie die Sitten und Moden dem Wandel der Zeit unterworfen sind, so ändert sich auch der Geschmack in buchstäblichem Sinne, nämlich der der Zunge. Man kann dies beobachten, wenn man nicht nur zu Großmutters oft bewährten Rezepten greift, sondern um drei Jahrhunderte in der Geschichte der Kochkunst zurückgeht. So finden wir in einem Klosterkochbuch aus jener Zeit als besonderen Leckerbissen einen Pfauenbraten verzeichnet, den wir auf unseren Tischen nicht mehr vorfinden. Das merkwürdigste aber an dem dort angeführten Rezept ist, daß man den Pfau dazumalen im vollen Schmuck feiner Federn gebraten hat. Man mußte bei feiner Vorbereitung das Gefieder durch immer wieder ange- feuchtete Tücher während der Drehungen am Spieß vor dem Absengen schützen. Befremdend ist es auch für uns zu vernehmen, wie reichlich in jener Zeit die Speisen gewürzt wurden. Man verwandte große Mengen Bertram, Myrthenbeeren, Pfeffer und Safran. Die Wirkung war, daß der Durst sich bald einfteüte. So sprach man dem Wein tüchtig zu und zuweilen hat man die Speisen sogar unmäßig gewürzt, um mehr von dem köstlichen Naß genießen zu können, als man dies sonst wohl, trinkfest wie man war, genossen hätte. Den Brand der Gewürze kühlte man indes auch durch ein „schwebend Galart". Derartige Gelees erfreuten sich großer Beliebtheit. Ihre Herstellung war oft das ängstlich gehütete Geheimnis der Köche, und was da und dort in einem „Küchenmayfterbuch" verraten wurde, läßt darauf schließen, daß die Zubereitung dieser kühlenden Nachspeisen in der Tat höchst schwierig war. Es gab da zum Beispiel ein „Galardt" von gepreßtem Schweinskopf, das ausdrücklich als ein „höfliches Essen" angepriesen wurde; zu seiner Zubereitung mußte man verschiedene „Salse" verwenden, wie „Agrest, Raute, Ampfer, Knoblauch, Zymetplüt und Bumeranzen." Die Kunst der Köche bestand aber vor allem darin, diese Gelees in phantastische Formen zu gießen, wie ja überhaupt auf die Aufmachung der Speisen in früherer Zeit ein weit größerer Wert gelegt wurde als heute. Man färbte luftig barauflos, und so hatte die obenerwähnte „geschachzabelte Torte" fünf verschiedene Felder, die man mit Safran, Petersilie, Kornblumen, Rosen und brauner Butter gefärbt hatte. Ein „blaues Mohs", eine Art Reiscreme, die aus Kornblumen verfertigt wurde, erfreute sich besonderer Beliebtheit.
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Unsichtbare Helfer.
Am frühen Morgen wurde ich an sie erinnert. Die Stadt lag noch im Schutze der Dunkelheit, und durch Wolkenfetzen blitzte das Flimmern der Sterne. Aber schon war Bewegung in den Straßen. Fahrzeuge huschten vorbei, und einige Passanten strebten der Stätte ihres täglichen Wirkens zu.
Ich spürte die Eigenart dieser winterlichen Mor- genftimmung, als mein Blick auf die hell erleuchteten Fenster einer Gaststätte fiel. Der Betrieb hatte noch nicht begonnen, trotzdem herrschte aber bereits emsige Tätigkeit, wie sich ganz deutlich erkennen ließ.
Tische und Stühle waren an die Seite gerückt und zum Teil übereinander getürmt. Die Tür stand weit offen, um der kühlen Morgenluft Eingang zu verschaffen. In dem großen Raum waren Frauen eifrig mit Besen und Putztüchern beschäftigt. Die Gaststätte erlebte ihre Stunde der Reinigung.
Der Vorgang war keine Seltenheit, aber er war doch ein wenig des Nachdenkens wert. Das Leben ist bunt, eine Vielfalt von Erscheinungen. Aber zumeist begnügen wir uns mit dem, was wir auf der Bühne des Daseins im Rampenlicht j)es Vordergrundes sehen. Was dahinter lieg', ta der Mannigfaltigkeit des Aufbaues, des Zusammenwirkens vieler fleißigen, aber unsichtbaren Helfer, die das Werk mitgeftalten, was wissen wir viel davon?
Tagsüber locken die Gaststätten mit ihren gemütlichen Räumen. Wer aber kennt die fleißig schaffenden Frauen, die Morgen für Morgen ihre Tätigkeit beginnen, wenn die Stadt noch im Dunkel liegt? Wer schenkt ihrem Wirken Beachtung, das notwendig ist, wenn die wohlige und behagliche Atmosphäre am Tage und am Abend nicht fehlen soll?
Es gibt viele unsichtbare, fleißige Helfer im Aufbau des täglichen Daseins. Die Milchfrau gehört dazu und der Bäckerjunge. Der Arbeiter bei der nächtlichen Straßenreinigung und der Schaffende im Elektrizitätswerk. Der Angestellte im Krankenhaus, der Beamte der Wach- und Schließgefellschaft und der Mann im Feuerwehrdienst. Ihre Zahl ist groß und ihr Wirken umfaßt unendlich vieles, was für die Gemeinschaft dienlich ist. H. W. Sch.
Bornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik (nur für Frauen) im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — NS.-Frauenschaft, Ortsgruppen Gie- ßen-Mitte und Gießen-Nvrd: 20 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront Vortrag des Kreisamtsleiters der NS.-Hago Schimmel. — Reichsluftfchutzbund,
feierlich bestattet. Aber bereits des ersten Ptolemäers Sohn und Nachfolger, König Ptolemäus Philadelphos, verfügte die Umbettung nach Alexandria, der Stadt, die ihren Namen und Ursprung dem großen Makedonenkönig zu verdanken hat. In den Grüften der „Sema", des mit der ptolemäifchen Königsburg verbundenen Mausoleums, ruht Alexander der Große nun seit mehr als zweitausend Jahren. Wir dürfen uns vorstellen, daß seinen Ueberresten Jahrhunderte hindurch die größte Verehrung entgegengebracht worden ist und auch die römischen Eroberer Aegyptens, ein Cäsar, ein Augustus, den Manen des Gottes Alexander in frommer Scheu geopfert haben. Don Hadrian ist ein Besuch in der Sema bezeugt. Es muß eine seltsame Begegnung gewesen sein, nicht unähnlich zwischen Kaiser Otto III. und der Leiche des großen Karl im Münster zu Aachen: ein kleiner Romantiker auf dem Throne befragt den großen um das Geheimnis des Weltherrfchertums!
Erst gegen Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts, als mit dem umgebenden Stadtteil auch die Sema zerstört wurde, verbreitete sich um das Königsgrab jenes vielsagende Schweigen, das immer die Entstehung einer neuen Denkart zu begleiten pflegt. Was gingen das Christentum die Gebeine Alexanders an! Heute ist nicht einmal mehr die Stelle, wo der größte Mensch der antiken Welt begraben liegt, mit Sicherheit 'anzugeben.
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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stockholm, im März 1936.
In einer deutschen Stadt stand die Wiege des lchwedischen Postwesens, das in diesen Tagen sein Irreihundertjähriges Bestehen feierte. Eine deutsche Frau war der erste Generalpost- bireftor im Reiche der Schweden, Goten und Wenden...
Ganz so wörtlich darf man das allerdings nicht «ehmen, denn Frau Gisela war zunächst lediglich bie angetraute Gattin des ersten schwedischen „Ge- sieralpostdirektors" Wechel, um den heutigen Mmtstitel seines x-ten Nachfolgers zu gebrauchen. 3n alten Urkunden soll indes die gewiß sehr glaubwürdige Tatsache verzeichnet sein, daß Frau Gisela chon zu Lebzeiten ihres Mannes nicht nur in der Rüche und den angrenzenden Wohnräumen des löniglich-schwedischen Oberpostmeifters, sondern darüber hinaus auch in den im selben Hause befind- ichen Amtsstuben respektheischend das erste Wort u führen pflegte. Die Sorge um den kränklichen inb alternden Gatten wird hierbei mit ausschlag- cebend gewesen sein. Aber nach dessen frühzeitigem tobe sollte Frau Gisela als rüstige Witwe bas ohe Amt ihres Gemahls in ber Tat übernehmen nd es mit Umsicht unb Treue unb zur Zufrieben- ieit aller verwalten — bis zu ihrem seligen Enbe. Das geschah zu Zeiten bes Dreißigjährigen Krieges, er über Deutschlanb unenbliches Elenb unb Un- eil, für Schweben aber unter anberem ben Beginn eines mobernen Pvstwesens brachte. Gewisse Infänge, wenngleich mehr theoretischer Natur, gen bereits mehrere Jahre zurück. Denn schon in ner königlichen Verfügung aus bem Jahre 1556 nb bas Wort „P o ft" er ft maHge Deren b u n g. Allerbings bezog sich bieser Begriff tmals lebiglid) auf ben Besitz bestimmter Aus- eife ober Pahkarten für Kuriere, bie königliche chreiben zu beförbern hatten. Ferner befanb sich it 1613 in Hamburg ein schwebischer Resibent, ii«*r gleichsam auch bas Amt einer zentralen Post- ' eile leitete, wohin Briefe unb Schreiben aus aller Herren ßänber einliefen, bie für ben König in Stockholm unb feine Regierung bestimmt waren ntb burch Sonberkuriere dorthin weiterbefördert ourben. Desgleichen ging bie amtliche Poft aus Schweben in Hamburg in bie Welt. In Ausnahme- fällen konnten wohl auch Privatbriefe hochgeftell- f?r Persönlichkeiten auf biefem Wege beförbert »erben. Ein regelmäßiger Po ft verkehr fischen Stockholm - Helsingborg - Hamburg beftanb cber erst seit bem Jahre 1620. Um bie Schnelligkeit in ber Briefbeförberung zwischen Hamburg unb ter schwebischen Staatsgrenze zu erhöhen, orbnete @ u ft a d Adolf II. zu Beginn des Jahres 1621 tu, der Poftverkehr möge über dänisches und holsteinisches Gebiet geleitet werden. Diese Anordnung führte alsbald zu außenpolitischen Reibungen, weil ter Schwedenkönig es bewußt unterlassen hatte, ten König von Dänemark und den Herzog von Holstein weder um die Durchgangserlaub- n i s anzugehen, noch von dem Vorhaben überhaupt zu verständigen. Die Proteste blieben nicht dis. Als die Verhandlungen ausgenommen wurden, sollte sich heraus, daß ein Vertrag, der das Durch- mngsrecht regelte, bereits im Jahre 1580 in Ulfs» lad zwischen Dänemark und Schweden unterzeich- 12t worden war. Es blieb den Dänen infolgedessen lüchts anderes übrig, als diesen Vertrag zu er- isuern.
Der große schwedische Kanzler Axel Oxen- f i e r n a machte während seiner politischen Er- londungs- und Studienreise durch Deutschland in ten Jahren 1599 bis 1603 vor allem mit dem bereits damals hochentwickelten und seit Anfang des 15. Jahrhunderts bestehenden Po ft wesens von 3Hum und Taxis nähere Bekanntschaft. Die
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Bon Ernst v. Tliebelschüh.
Aus dem Lande ber Pharaonen, dessen Boden so D.ele Geheimnisse birgt, kommt eine erregende Nachricht. Professor B r e ch i a , der Kurator bes Graeco- H«omanischen Museums in Alexanbrien, will bem io rschollenen Grabe Alexanbers bes Gro- ß«e n auf bie Spur gekommen sein. Wie schon Ho- niarb Carter, ber Entdecker bes Grabes Tut-ench- Ümuns, vermutet er es unter ber Moschee bes Pro- pieten Daniel in ber Altstabt Alexanbriens unb hat rrit ben Ausgrabungen an bieser Stelle schon be- aomnen. Handelt es sich um eine archäologische Sen- Idhon oder um einen Plan, der die Wahrscheinlichkeit bis Gelingens in sich trägt? Darüber hinaus wird e: nicht uninteressant fein, uns die näheren Umstünde vom Tode Alexanders und der Bestattung jener Leiche ins Gedächtnis zurückzurufen.
Als der Eroberer Asiens 323 im Alter von zwei- mb dreißig Jahren zu Babylon starb — man sagt, an ben Folgen eines Trinkgelages, bem feine ge- jj Icwächte Gefunbheit nicht gewachsen war — soll biir einbalsamierte Körper zunächst einen vollen f onat lang unbestattet in ber persischen Königsberg gelegen haben. Wie ist bas zu erklären? Ge- aüß nicht mit bem Hinweis auf bie allgemeine Ver- oirrung, bie bas unerwartete Ableben bes Königs ir feiner Familie unb in ber makebonifchen Heeres- ^irfammlung verursachte. Nein, über den endgültigen Verbleib dieses Leichnams zu befinden war Problem, das feine Schatten über die gesamte giiechisch-orientalische Welt werfen mußte und an T°heimnisse rührte, die auf dem Verordnungswege acht zu lösen waren. Auck) nicht durch den Verlegen- hiitsbefehl bes Reichsoerwesers Perdikkas, ben to- t<“i König in bie makebonische Heimat zu führen mb bort zu bestatten. Alexanber hatte zwar testa- a-ntarisch bestimmt, er wolle bei seinem göttlichen Inter Ammon-Ra in bessen lybischem Heiligtum biigesetzt werben, aber wir wissen ja, wie wenig sich -4 Machthaber unb bie letzten Wünsche ihrer Vor- 8 nger bekümmert haben. Wir werben sehen, baß ^rbikkas Grünbe hatte, bie Königsleiche nicht in ks ägyptische Ammonium gelangen zu lassen, son- b n*n in bem mehr neutralen Makebonien ben Bei- Icgungsort zu wählen. Aber was geschah? Auf bem Liege zur Küste würbe der Kondukt angehalten und ) rd) Ptolemäus, den klugen Statthalter Aegyptens, nun doch an den Nil geführt. Aufregung im Hinzen Reiche! Aber Ptolemäus hatte ben Schatz i b gab ihn nicht wieder heraus.
300Lahre schwedische post
Wie sie entstand und was sie leistete. Don unserem ständigen C. A -Äerichierstatier.


