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Aus der Provinzialhauptstadt

NSKOB. zuständigfürdasDerwundetenabzeichen

Die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung, die Organisation der Frontsoldaten und Kriegsopfer, hat sich in dem Bestreben, die Achtung und Ehre der Frontsoldaten wieder herzustellen, unausgesetzt bemüht, daß auch den berechtigten Wünschen der Kameraden auf Verleihung des Verwundeten­abzeichens Rechnung getragen wird. Die Reichsregie­rung hat diese Frage nunmehr durch ein Reichsgesetz neu geregelt. Damit besteht jetzt noch die Möglichkeit, daß ein Kriegsteilnehmer, der auf dem Felde der Ehre für sein Vaterland gekämpft, geblutet und ge­litten hat, das Verwundetenabzeichen nachträglich erhält.

Es können nach der Verordnung nicht nur die Kameraden, die im Kriege eine Verletzung oder Verwundung durch unmittelbare oder mittelbare Einwirkung von Kampfmitteln erlitten haben und trotz Dorliegen der Voraussetzungen seinerzeit das Verwundetenabzeichen nicht mehr erhalten haben, Antrag auf Verleihung desselben stellen, sondern darüber hinaus können auch Kameraden, die bereits im Besitz des Verwundetenabzeichens sind, unter be­stimmten Voraussetzungen das Abzeichen der nächst­höheren Klasse (silbernes oder goldenes Abzeichen) erhalten.

Die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung, als die für die Antragstellung zuständige Organisa­tion, hat deshalb ihre Ortsgruppen angewiesen, An­träge von allen dafür in Frage kommenden Kame­raden entgegenzunehmen und zu bearbeiten. Es ist jedoch erforderlich, daß bei der Antragstellung sämt­liche Beweisstücke (Militärpaß, Kriegsranglistenaus­zug, Kriegsstammrolle usw.) oorgelegt werden.

In Zweifelsfällen wird jede gewünschte Auskunft von den Ortsgruppen und Stützpunkten der NSKOV. erteilt.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord und Gießen- Oft: 20.30 Uhr im Cafe Leib, Ortsgruppe Gießen- Mitte: 20.30 Uhr in der Aula der Universität, Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr im Studenten­heim Generalmitgliederappell anläßlich der Bei­setzung des Pg. Landesleiters Gustloff. NSG. Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik (nur für Frauen) im Lyzeum: 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. NSLB., Kreis Gießen: 16.30 Uhr im großen Hörsaal des Dorlesungsgebäudes Vortrag von Pro­fessor Dr. Hatfield überEinfluß der deutschen Kul­tur auf die Vereinigten Staaten von Amerika". Stadttheater: 19.30 bis 22.30 UhrDer Masken­ball". Gloria-Palast, Seltersweg:Eva". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Mann mit der Pranke". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): Ausstellung von Gemälden von Josef Steib-Berlin

Sladtthealer Gießen.

Heute von 19.30 bis 22.30 Uhr zum letztenmal Verdis MeisteroperMaskenball". Musikalische Lei­tung: Paul Walter; Spielleitung: der Inten­dant. Die Vorstellung gilt zugleich als 17. Vorstel­lung im Mittwoch-Abonnement.

Die öcutfdie Arbeitsfront vT X n.3.=6emeinf(haft »Kraft durch kreude"

Kostümfest am 15. Februar im Cafe Leib.

Zu diesem Kostümfest sind Karten im Vorverkauf zu .1 Mark zu haben bei: Musikhaus Challier, Schokoladenhaus Huntemann, Kreisdienststelle KdF.", Schanzenstraße 18 und sämtlichen Be­triebswarten.

3. Dichterabend Richard Euringer und Eberhard Wolfgang Möller.

.Zu diesem Dichterabend am 13. Februar um 20 Uhr in der Neuen Aula, bei dem der Träger des nationalen Buchpreises 1934 Richard Eurin­ger und der Träger des nationalen Buchpreises 1935 Eberhard Wolfgang Möller aus eigenen Werken lesen, hat uns der Goethe-Bund Gießen verbilligte Eintrittskarten zum Preis von

Generalappelle der G'eßener Ortsgruppen.

Mittwochabend um 20.30 Ar finden folgende Generalappelle der Gie - ßener Ortsgruppen der R S D A P. statt, zu der alle Gliederungen der Partei hiermit noch­mals eingeladen werden.

1. Die Ortsgruppen Gießen-Rord und Gieße n-Ost im Cafe Leib. Redner: Kreis­leiter Dr. Hildebrandt.

2. Die Ortsgruppe Gießen-Mitte in der Aula der Universität. Redner: Kreiswalter der DAF. Wagner.

3. Die Ortsgruppe Gießen-Süd im Kame­radschaftshaus des RSDSlV. am Leihgefterner Weg. Redner: Kreisamtsleiter Rebeling.

0,40 Mark zur Verfügung gestellt. Die Karten sind auf der Kreisdienststelle erhältlich.

Sportamt,/Kraft durch Freude".

Heute findet folgender Kursus statt:

Allgemeine Körperschule (Frauen u n d M ä n n e r). Von 20.30 bis 21.45 Uhr Lyzeum, Dammstraße 26.

NSDAP., Amt für Beamte.

Kreis Gießen.

Am 15. Februar, um 20 Uhr, hält Herr Syndikus Weber ein Referat über

Die Schaffung von Heimstätten mit Hilfe der Beamtenbausparkasse."

Die Aufklärungsversammlung, zu der alle Be­amten und Erzieher nebst Angehörigen eingeladen sind, findet im Haus der Arbeit, Gießen, Schanzen­straße 1'8, statt.

Oie Höhei e Handelsschule in Sieben.

Don der Direktion der Oeffentlichen Handels- Lehranstalt wird uns geschrieben:

In weiten Kreisen besteht über das berufliche Schulwesen eine Unklarheit, die oft für alle Betei­ligten von sehr großem Nachteil ist. Gerade auf, dem Gebiete des Handelsschulwesens kommen in­folge der vielfachen Bezeichnungen Verwechslungen vor. Insbesondere wird Kursbetrieb mit dem plan­mäßigen'Unterricht an Handels- und höheren Han­delsschulen verwechselt.

Die Höhere Handelsschule in Gießen wurde vor zwölf Jahren als Abteilung der Oeffentlichen Han­delslehranstalt von dem jetzigen Professor Dr. Feld (Berlin) gegründet. Sie baut auf die Ober­sekunda-Reife der allgemein-bildenden höheren Schulen auf. Ihre Ausbildung dauert ein Jahr. Die Anstalt der Industrie- und Handelskammer Gießen ist die einzige dieser Art in dem Bezirk zwischen Koblenz, Frankfurt a. M. und Kassel. Daraus er­klärt es sich, daß sie aus einem weiten Umkreis be­sucht wird. Der Schultyp der Höheren Handels­schule hat sich in allen Städten Deutschlands bestens bewährt. Gerade heute, da man die Notwendigkeit fachlicher Schulung besonders erkannt hat, erfahren die Fachschulen eine besondere Beachtung. Dies dürfte noch stärker werden, wenn das in Vorberei­tung befindliche Reichsberufsschulgesetz erlassen wird, das einen Pflichtbesuch der Berufsschule für alle in der Ausbildung begriffenen (ohne Rücksicht auf sonstige Schulbildung) bis zum 21. Lebensjahr vorschreiben wird.

Der Höheren Handelsschule geht es nicht darum, Berechtigungen zu verleihen, sondern junge Leute für den Beruf gründlich vorzubereiten. Die wich­tigsten Fächer im Lehrplan bilden: Wirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht. Dazu kommen Buchführung und wirtschaftliches Rechnen. Sehr großes Gewicht wird auf Maschinenschreiben und deutsche Kurz? schrift gelegt. Ferner wird Warenkunde und Tech­nologie in ausreichendem Maße gepflegt. Franzö­sisch und Englisch erfahren eine praktische Ausgestal­tung durch den Unterricht in fremdsprachlicher Korrespondenz.

Es ist eine auffallende Tatsache, daß überall sich ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften be­merkbar macht. Die Höheren Handelsschulen stellen

Die S2L-Stürme erhallen von ihrem Standort besondere Befehle.

Kreisleitung Gießen der RSDAP.

SA derASDAP.Standartellö

Die Trauer feiern für den ermordeten Lan­desgruppenleiter Pg. G u ft l o f f finden am Rlilt- woch, 12. Februar, für den S t a n d o r t G i e ß e n wie folgt stakt:

Sturm 46/116, 47/116 und Ra. 116 20.30 Uhr Studentenheim.

Sturm 5/116, 8/116, 45/116, 15/116, 16/116, Reiter-SA., Marine-SA., RSKK., Sanilätssturm 147 und Arbeitsdienstableilung 20.30 Uhr Ease Leib.

Reservesturmbann 11/116 20.30 Uhr Aula.

in Deutschland für die Wirtschaft die besten Steno­typistinnen zur Verfügung. Von Berlin wird be­richtet, daß die dortigen Höheren Handelsschulen mit Anfragen aus der Praxis nach abgehenden Schülerinnen überhäuft werden. Auch die führen­den Firmen des Gießener Bezirks erklären, daß sie auf die Fachkräfte, die eine Höhere Handels- fchule besucht haben, in keiner Weise verzichten können. Die Ausbildung in der Höheren Handels­schule ist kurz und gründlich. Es soll vermieden werden, daß die Jungen und Mädels th spätem Alter erst in die Praxis kommen, da sie meist dann weniger geeignet sind, als mit jüngeren Jahren.

Von ausschlaggebender Bedeutung für den Unter­richtsbetrieb ist es, daß an den Höheren Handels­schulen nur Diplom-Handelslehrer mit abgeschlosse­nem Hochschulstudium Unterricht erteilen dürfen, die selbst jahrlang in der Wirtschafts­praxis tätig gewesen sind. Nur aus dem Er­leben der Praxis heraus kann ein Lehrer für die Praxis schulen.

Wenn auch die Höhere Handelsschule in erster Linie für die Praxis arbeitet, so ist es doch nicht ganz belanglos, daß sie ihren abgehenden Schülern und Schülerinnen nochnebenbei" eine besondere Berechtigung verleiht. Bei einer Fortsetzung des Schulbesuches an einer bis zum Abitur ausgebauten Wirtschaftsschule (Mannheim, Karlsruhe, Freiburg usw.) werden die abgehenden Schüler und Schüle­rinnen in die Unterprima dieser Anstalt ausgenom­men. Die Abgangsprüfung der Höheren Handels­schule Gießen, die mit der Note gut bestanden ist, gilt bei einem späteren Studium sogar als Ersatz für diePrüfung für Praktische Kaufleute".

Doch auf diese beiden Berechtigungen kommt es nicht an. Die Höhere Handelsschule soll nicht Be­rechtigungen verleihen, sondern L e i st u n g e n er­zielen. ' Dr. K r u s e.

Geprüfte Geschästsstenographen.

Bei der von der Industrie- und Handelskammer zuletzt abgehaltenen Geschäftsstenographenprüfung haben vier Teilnehmer, sämtlich Mitglieder der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographen­schaft, die Prüfung bestanden. Es sind dies Ober­zahlmeister Ewald B ö t i g, Gießen, Abteilung 220 Silben; Karl Meister, Lollar, Abteilung 150 Silben: Hans Becker, Gießen, Abteilung 150 Sil­ben; Anni K o m pf, Gießen, Abteilung 150 Sil­ben. Diese Mitglieder erhalten jetzt, neben dem sehr wertvollen Zeugnis der Industrie- und Han­delskammer, von der Reichsführung der Deutschen Stenographenschaft ein besonderes Leistungsabzei­chen. Es sollte das Bestreben eines jeden Steno­graphen sein, dieses Zeugnis und Leistungsab­zeichen zu erringen Gelegenheit hierzu ist wieder am 22. März gegeben. An diesem Tage findet die Frühjahrs-Geschäftsstenographenprüfung statt. Aus­kunft erteilen die Unterrichtsleiter der Ortsgruppe.

Weitere Hilfe für das WHW

Gesamtsumme der bisher eingegangenen Spen­den 51 469,90 Mark.

Weitere Geldspenden gingen ein:

3. Februar: Freiwillige Feuerwehr Lich 5 Mk.; Professor Börstel, Gießen 5 Mark.

5. Februar: Kriegerkameradschaft Ober-Bessingen

3 Mk.; Paddlergilde Gießen 25; Eisverein Grün- berg 3- Dr. E. Vogt Wwe. 5; Unbekannt 20; NS.- Gemeinschaft Kraft durch Freude Amt für Selbes- Übungen, Veranstaltung vom 2. Febr. 1936 133,5a, Konditorlehrgang der Bäckerinnung 10; Kamerad- schastsabend der Bäckerinnung 40 Mark.

6 Februar: Frauenchor Lich 5 Mk.; Geflügel» zuchtverein Lich 3; Luise Reuning, Berlin 10; Frei­frau d. Lemmers, Gießen 11 Mark.

7. Februar: Ludwig Schunk, Gießen 25 Mk^ Professor Dr. Messer 20; Unbekannt 40; E. St. 5 Mark.

Lohnspenden von Arbeitnehmern.

3. Februar: Overhoff u. Sohn, Gießen 6,03 Mk.; Angestellte Rinn & Cloos 53,25; RWG. Gießen 39,75; Gießener Anzeiger 102,75; Genossenschaft Häute- und Fettverwertung 5,77 und 14; W. u. G. Schuchard, Gießen 18; Poppe 6- Co., Gießen 14a,4a; Bäuerliche Hauptgenossensä)aft 5,40; Otto Wmter- hoff, Gießen 9,92; Baugeschäft Freitag, Gießen 31,92; Oeffentl. Handelslehranstalt, Gießen 10,45 Mk.

4. Februar: Biebertalbahn 8,40 Mark; Joses Kreuter, Gießen 29,24; I. Barnaß, Gießen 5,25; Pelikan-Apotheke 9,70 Mark. __

5. Februar: Heil- u. Pflegeanstalt, Gießen 118,75 Mark; Tribus & Sundheim, Gießen 28,81; I. B. Häuser, Gießen 32,50; Harries & Co. 5,50; Kraft durch Freude, Kreis Gießen 10,34 Mark.

6. Februar: Buderus, Lollar 63,19 Mk.; Stadt­kasse Gießen 934,54; Franz Bette, Gießen 12,35; . Provinzialkasse Gießen 215,21; Bekrusa, Gießen 15,10; Abermann, Gießen 63,05; Höhere Pnvat- schule, Gießen 13,75 Mark. _

7. Februar: Friedr. Teipel, Gießen 11,58 Mark; Finanzamt Gießen 42,05; Theodor Köhler, Gießen 9,72: Hessische Landesuniversität Gießen 1431,63; Schuhhaus Darre, Gießen 18,10 Mark.

Gesamtsumme: 55 314,90 INark.

Kirchenmusikaliscke Vesper in der Etadikirche.

Der Nachmittagsgottesdienst am 2. Februar in der Stadtkirche war wie uns verspätet berichtet wird zum Abschluß der Epiphanienzeit als kirchen musikalische Vesper gestaltet. Die Leitung der Kirchenmusik hatte unser Organist und Kantor, Herr Lehrer Simon, der mit seinem großen Verständnis für wirklich kirchliche Musik die einzelnen Stücke ausgewählt hatte. Es waren fast ausnahmslos Sätze alter protestantischer Meister, die auf der Orgel und im Chor erklangen, in erster Linie Joh. Seb. Bach. Die Choralvereinigung der Stadtkirche ist unter der Hand zu einem trefflichen gemischten Chor geworden, der bei dieser Gelegen­heit zum erstenmal vierstimmia sang und sich mit Ehren hören lassen konnte. Unser Gießener Lands­mann Staat!. Kammermusiker Kruse aus Kassel (Geige) und seine Tochter Lotte Kruse (Sopran) hielten mit ihren edlen Darbietungen streng die kirchliche Linie ein, so daß die Gefahr, daß aus einem Gottesdienst ein Konzert würde, völlig ver­mieden blieb. Die beiden Gemeindepfarrer hatten sich in Liturgie und Ansprache geteilt.

Achtung Jüngster!

Für den Bereich des Wehrmeldeamtes Büdingen finden am 16. Februar (Sonntag) folgende Prü­fungen zur Erlangung des Reitschei­nes durch den Beauftragten des Reichsinspekteurs für Reit- und Fahrausbildung statt:

in Gedern um 9 Uhr auf dem Reitplatz Gedern;

in Schotten um 11 Uhr auf dem Reitplatz Schotten;

in Nidda um 13 Uhr auf dem Reitplatz Nidda;

in Reichelsheim um 15 Uhr auf dem Reit­platz Reichelsheim;

in Griedel bei Butzbach um 17 Uhr auf dem Reitplatz Griedel.

Die Prüfung kann jeder junge Mann ablegen, der zu den Jahrgängen 1911 bis 1918 gehört. Wer den Reitschein besitzt, hat folgende Vorteile:

1. Bei freiwilligem Eintritt in das Reichsheer: Einstellung in den selbstgewählten Truppenteil im Rahmen der allgemeinen gesetzliches und militärischen Bestimmungen.

2. Bei der pflichtgemäßen Aushebung: Bevorzugte Einstellung als Reiter oder Fahrer. Mitbringen von Pferden ist erwünscht aber nicht erforder­lich.

Es wird kurz verlangt: 1. Das Vorhandensein eines losgelassenen, geschmeidigen mit den Bewe-

MmMonnteii.

Roman von H. von Hellermann.

Copyright 1936 by Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

19 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

20. Kapitel.

Solange, sie ihn sehen konnte, saß Elfriede Stal- ling in ihrem Wagen, ohne dem wartenden Füh­rer das Zeichen zur Abfahrt zu geben, und sah Drau nach, der mit hochgeschlagenem Mantel­kragen schnell durch die menschenbelebte Straße schritt eine mannhafte, aufrechte Erscheinung. Das lag wohl an seiner geraden Haltung, an der Art, wie er den Kopf trug Nun bog er um die Ecke.

Mit einem kleinen Seufzer lehnte sich die Frau ins Polster zurück, ein weiches Lächeln um den Lippen, die durch allzu viel Verschweigenmüssen schmal geworden waren. Im Begriff,nach Hause" zu sagen, änderte sie plötzlich ihren Entschluß.Zu meiner Mutter, Werner!"

Der leise pochende Motor sprang an, wie eine silbergraue Möve schoß der Wagen durch das nebel- verhangene Regengrau sinkender Dämmerung.

Nein, es war ihr einfach unmöglich, in dieser ge­hobenen Stimmung Teddy gegenüberzutreten, seine mehr als saftigen Anekdoten zu ertragen, die er au den Börsentagen mitzubringen pflegte. Mochte er einmal ohne sie fertig werden. Der große Haus­halt lief ja wie am Schnürchen, dank der überaus tüchtigen Mamsell, die Stalling aus seinen Jung­gesellentagen mit in die Ehe gebracht.

Es würde genau so glatt weiterlaufen, wenn ich überhaupt nicht da wäre", dachte Elfriede. Was war sie mehr als eine dekorative Staffage, die des Herrn Wille bald hier-, bald dorthin stellte, wo sie gerade am günstigsten wirkte? Ein Spielzeug für müßige Stunden. Was wußte sie eigentlich von Theodor Stalling?

Wieder stand die scharfe Falte zwischen den Brauen, da sie darüber nachgrübelte, was es war, was sie so stark zu Drau zog. Nach vierjähriger Ehegemeinschaft war ihr Mann ihr innerlich so fremd wie am ersten Tag nach einer einzigen Stunde der andere vertraut wie ein langjähriger Freund. Gab es eine geheime Erkenntnis, kraft

xi>un|O) wua)s in igr, igreir ersparen, die sie voraussah.

Komm, Elfe, wir schwatz.

Komm, Elfe, wir schwatzen noch ein bißchen in Hansens Zimmer, Mutti hat es nämlich neu her­gerichtet, und zwar ganz allein. Was die alles fertigbringt du glaubst es nicht! Da bin ich anders geraten, mein Schwede kann entschieden nicht über allzu große Selbstaufopferung meiner­seits klagen. Die sind die Männer auch gar nicht

wert."

Sie seufzte, eingedenk des gestrigen Verhaltens des Forschers.

Elfriede lachte.Nanu, sammelt unser Gretelein Lebenserfahrungen?"

Braucht man gar nicht, du, die kommen schon ganz von allein auf einen zu!"

Ein weises Wort, Fräulein Grete", lobte Goe- bei lächelnd, indem er sich ebenfalls erhob zum Ab­schiednehmen,seinem Schicksal entgeht keiner, und wenn er sich noch so sehr dagegen wehrt. Es kommt uns überall hin treu nachgetrabt."

Womit wir wieder einmal derselben Meinung wären", stellte das Mädchen fest.Sie passen vor­züglich in diesen Kreis erlauchter Geister, Herr Doktor! Gar nicht auszudenken, was geschehen märe, hätte sich eine mindere Intelligenz hierher verirrt!"

Ich fühle mich ganz unglaublich geehrt und danke Ihnen, verehrte Frau, von Herzen für die schöne, anregende Stunde, auf die ich mich schon immer freue. Man kommt abgespannt, belastet von tausend Verdrießlichkeiten, und geht froh und un­beschwert wieder fort. Ich glaube, Sie haben da irgendwo ein geheimes Zaubermittel in diesen Räumen versteckt!"

Elfriede legte einen Arm um die Mutter.Er­raten, lieber Doktor", sagte sie heiter,unser Müt­terchen besitzt wirklich ein Zaubermittel, mit dem sie alle Nöte heilt,Herzenswärme" heißt es! Und wer einmal davon genossen hat, den hungert in der Fremde danach, denn da findet er es nicht."

Leise Schwermut klang durch den zärtlichen Scherz. Ach wie gut verstand sie Goebel. Immer stärker spürte sie, was sie in ihrem prächtigen Heim entbehrte. Der Prunk war Atrappe.

Wir sind alle leerlaufende Maschinen", dachte sie bitter,viel Lärm um nichts--"

Etwas wie weher Neid überkam Elfriede Stal­ling, als sie das herzliche Einvernehmen zwischen

deren Menschen sich anzogen oder abstießen? Er-,Wunsch wuchs in ihr, ihrem Kind die Kämpfe zu kenntnis, die tiefer im Inneren wurzelte als die r r: r"t

Gefühlswallung der Liebe, oder vielmehr jener Ver­liebtheit, die Unerfahrenheit für Liebe hielt?

Ich werde zu Haufe anrufen, wann ich Sie wieder brauche. Danke schön, Werner!" Da der Chauffeur ihr sorgsam aus dem Wagen half.

Oben wurde Frau Stalling von der öffnenden Grete, die eben selbst heimgekehrt und noch in Hut und Mantel war, jubelnd in die Arme ge-

chlossen.

Fein, Elfe, daß du auch mal ohne feierliche An­meldung kommst, und jetzt wird dageblieben. Nicht wahr, Mutti?"

Sie hatte die Schwester ins Schlafzimmer ge- choben, wo Frau Margret sich gerade etwas holte.

Natürlich! Von Herzen willkommen. Liebes, komm nur hinein es stört dich doch nicht, daß Dr. Goebel da ist? Er kam gerade vor dir."

Wie hübsch sie aussah mit den geröteten Backen und blitzenden Augen! So von innen heraus strahl­ten die' Zärtlich schmiegte Elfriede ihre Wange gegen die der Mutter, froh, daß sie gekommen. Hier war Herzensheimat.

Die vorhin sie jählings überfallende Bedrücktheit schwand unversehens, wie sie aufgetaucht bei Gretes Lebendigkeit und dem feinen, geistvollen Geplauder Goebels, der so sehr Geist vom Geist dieses Hauses war. War er ihr schon gleich sympathisch gewesen, so fühlte die junge Frau sich dem Entdecker und Freund Joachim Draus irgendwie auf ganz be­sondere Weise verbunden, ihm verdankte sie eine Bereicherung ihres Lebens, die ihr wertvoller schien als alle Güter der Welt.

Hier konnte sie auch von dem sprechen, was ihr dem Gatten gegenüber unmöglich gewesen, von dem zufälligen Zusammentreffen mit Drau. Alle drei horchten interessiert auf, Margret Mervius und Goebel mit geschärften Sinnen den Unterklang mit­schwingender Bewegung vernehmend, der Grete entging.

Aber was Goebel erfreute, erfüllte die Mutter mit leisem Bangen, denn es verriet ihrer hellhöri­gen Liebe mehr, als Erfriede Stalling ahnte. Wer seinem Gatten in glücklicher Gemeinschaft verbun­den war, brachte nicht so viel innere Anteilnahme am Ergehen eines anderen Mannes auf, selbst wenn es sich um die Entdeckung eines großen Künstlers handelte. Hier ging es mehr um den Mann als

um den Künstler, das fühlte Frau Margret mit l...^, |1V

untrüglichem Mutterinstinkt heraus. Und der heißet diesen drei Menschen sah.

Arm in Arm mit Grete ging sie hinüber in das kleine Stübchen des Bruders, das Grete von ihrem ersten Verdienst mit einem schönen roten Teppich geschmückt hatte.Wo steckt Hans denn heute?", fragte sie, umherschauend. So gemütlich war diese anheimelnde Schlichtheit: dieser alte Ledersessel hatte neben Väterchens Schreibtisch gestanden dort hing sein Bild. Das feine, stille und doch humorvolle Wesen Dr. Goebels erinnerte stark an den Verstorbenen. Muttchen merkte das gewiß auch. Ob eine Frau nicht zweimal lieben konnte, wenn die rechten Bedingungen gegeben?

Grete stand vor dem Schreibtisch des Bruders und starrte mit zusammengezogenen Brauen auf die Photographie der Mutter in ihrer Hand, die mit zersprungenem Glas, das Bild nach unten, da- gelegen hatte. Hatte Hans es fallen lassen, oder Hans", erwiderte sie endlich langsam, das Bild sorgfältig aus dem Rahmen lösend,der ist bei seinem Freund Laue eingeladen. Merkwür­digerweise ist er immer irgendwo eingeladen, wenn Dr. Goebel bei uns ist."

Wie meinst du?" Erstaunt fuhr die junge Frau herum und sah die Schwester an.Mag er ihn denn nicht?"

Doch, anfangs schwärmte er geradezu für ihn, rannte in Oper und Vorträge mit ihm und war selig über des Doktors Interesse an seinem Geigen­spiel. Aber das wurde plötzlich anders, als er merkte, daß Doktor Goebel sich auch für Mutti interessierte. Kannst du's ihm verargen, Elfe? Sie ist doch nun mal goldig, jeder hat sie lieb! Und daß Mutti das Doktorchen mag, kann ein Blinder sehen. Ich habe auch gar nichts dagegen, er ist ein feiner Kerl, immer ritterlich und lieb zu Mutti und furcht­bar gut zu uns. Meinetwegen könnten sich die zwei ruhig heiraten, warum sollte es Mutti nicht auch noch einmal gut haben nach all den schweren Jahren, ich gönnte "es ihr. Aber der dumme Dengel, der Hans, ist eifersüchtig, beträgt sich wie ein Lüm­mel, läuft weg, wo er kann, und quält sich und uns mit seinem albernen Getue. Mutti merkt seine Flegelhaftigkeit wohl, errät ihre Ursache aber nicht, sondern glaubt ihn in schlechte Gesellschaft geraten und grämt sich darum. Weiht du was er mir neu­lich, in eben dieser Stube sagte, als ich ihn so ein bißchen harmlos zur Rede stellte?Wenn der Mensch nicht bald aus dem Hause geht, gehe ich!" Hast du Worte? Was soll man da nun machen?"

(Fortsetzung folgt!)