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Mittwoch, 12. Zebruar 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Nr.56 Dritter Blatt

Das Winterschießen der Gießener Artillerie.

Unsere Gießener Artilleristen stehen wieder ein. mal im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Seit einigen Tagen bildet das Winter-Schie­ßen unserer Artillerie-Abteilung in Stadt und Land den Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustausches. Von vielen Seiten war zu hören, daß man bei diesem militärischen Ereignis als Zuschauer dabei sein will. Dieses starke In­teresse ist nicht verwunderlich, wenn man sich ver­gegenwärtigt, daß eine solche Uebung für die Be­völkerung von Gießen und Umgegend etwas ganz Neues darstellt, da ja auch hier wohl nur ein kleiner Kreis von Volksgenossen einst die Möglich­keit hatte, in den Kriegsjahren als Artilleristen beim scharfen Schießen dieser Waffe dabei zu sein.

Am heutigen Mittwoch früh kurz vor 6 Uhr rückte bereits die 1. Batterie von der Kaserne nach dem Gelände ab. Die Uebung dieser Truppe begann mit einer taktischen Aufgabe im Bereiche des Krof- dorfer Forstes, im Verlaufe des Vormittags wurde die Batterie dann weiter nach vorne in Rich­tung des Gleibergs herangezogen, wo sie südöstlich des Berges tn Feuerstellung ging.

Ehe es aber soweit kam, traten zunächst die Schlachtenbummler" auf den Plan. Daß der Gießener Artillerie-Verein seine Mitglieder aufgefordert hatte, bei diesem militäri­schen Ereignis zugegen zu sein, ist nur selbstver­ständlich. Neben dieser Bekundung der Waffenkame­radschaft stand nicht minder eindrucksvoll die starke Beteiligung der übrigen Volksgenossen aus Stadt und Land, die zu'Fuß, mit Fahrrädern ober Kraft­fahrzeugen nach dem Gleiberg geeilt waren, um von hier aus das interessante militärische Schau­spiel zu beobachten. Wenn auch die gegenwärtige Kälte, die dem Winter-Schießen äußerlich spürbar angepaßt war, manche kalte Füße, blaue Nasen­spitzen und krumme Finger bei den Zuschauern zur Folge hatte, so tat all das doch der Begeisterung und der Freude keinen Abbruch.

Auf der Fahrt zum Gleiberg überholen wir mit dem Kraftwagen eine große Zahl von Wande­rern, deren Ziel der Gleiberg ist. Zahlreiche Schul­klassen unter Führer ihrer Lehrer haben sich ge­schlossen auf den Weg gemacht. In Gleiberg selbst herrschte schon von 8 Uhr ab Hochbetrieb. Unter der Linde stehen zahlreiche Menschen, die den Ab­lauf der Dinge beobachten. Immer mehr Kraftwagen bringen neue Besucher heran. Daneben treffen auch immer mehr Wanderer zu Fuß ein. Mitten drin stehen Soldaten mit Pferden. Die Fernsprecher der Artillerie überprüfen noch einmal ihre Lei­tungen.

Für die Offiziere der Garnison Gießen, die Ver­treter der Partei, der Behörden und sonstigen Ehrengäste ist am Friedhof von Gleiberg gute Ge­legenheit geboten, das Zielfeld durchs Scherenfern­rohr und durch ihre eigenen Ferngläser zu beob­achten. Den Divisionskommandeur, Generalleutnant Lüdke, ferner den Kommandeur des Art.-Regts. 45, Oberst v. B e r g und zahlreiche Offiziere der Garnison Gießen konnte man hier bemerken. Ferner waren von tr- SA. Standartenführer Lutter und Standar­tenadjutant Obersturmbannführer M ü n k e r zu­gegen. Oberbürgermeister Ritter befand sich eben­falls unter den interessierten Zuschauern. Vom Ar­tillerie-Verein Gießen waren zahlreiche Kameraden erschienen, an ihrer Spitze der Kameradfchaftsführer Müller.

Um 9 Uhr begann das Schießen. Von der Beob­achtungsstelle am Friedhof Gleiberg aus wurden zu der unweit davon in einer kleinen Bodensenke stehenden Batterie die Befehle durch die Fernsprecher durchgegeben. Zunächst folgte das Einschießen. Nach­dem dieses das gewünschte Ergebnis gebracht hatte, folgte <ia5 Wirkungsschießen, wobei als Uebungs- annahme angenommen wurde, daß das Feuer auf zurückgehende Schützen zu legen war. Die Batterie

schoß nach dem Einschießen zunächst einige Gruppen, anschließend folgte Salvenfeuer. Hierauf wurde eine kurze Feuerpause eingelegt.

Nach wenigen Minuten Pause, die der Bekannt­gabe eines neuen Abschnittes der Gefechtslage dien­ten. wurde das Feuer fortgesetzt. Wiederum feuerte die Batterie in Gruppen, anschließend in Salven. Eine ganze Zeit lang wurde auf wechselnd ange­nommene Ziele weitergefeuert, sodann sah der Lei­tende diesen Teil als erledigt an. Die Batterie be­kam Befehl zum Stellungswechsel, da nach der Uebungsannahme der Widerstand leistende Gegner im Zurückgehen war, und der Vormarsch fortgesetzt werden konnte.

Die Batterie erhielt nunmehr Befehl zum.Fertig­machen zum Stellungswechsel. Die Beobachtungs­stellung der Batterie wurde abgebaut, in der Feuer­stellung selbst alles fertiggemacht zum Weitermarsch. Dann rückten die Protzen heran, und der befohlene Stellungswechsel konnte beginnen.

Der Leitende, der Abteilungs-Kommandeur Ab- /

teilung I des Artillerie-Regiments 9, Hauptmann Welte, unter dessen Aufsicht das Feuer der Bat- : terien von den Batterie-Chefs geleitet wurde, be­mühte sich neben seinen dienstlichen Pflichten noch in außerordentlich reger Wiese um die geladenen Gäste mit der Erklärung der verschiedenen Einzel­heiten des Uebungsverlaufes. Er führte die Be­sucher auch zu der Batteriestellung, um sie hier mit allen Vorgängen bekanntzumachen. Etwa gegen 10 Uhr war die Aufgabe der bis dahin übenden Batterie erfüllt. Ein neuer Abschnitt begann nun­mehr, über den wir morgen berichten werden.

Von dem Beobachtungsstand der Feuerleitung aus konnten die Zuschauer die Einschläge der Geschosse am Rande des Atzbacher Waldes in der Richtung Kinzenbach klar und einwandfrei beobachten. Auch oon der Linde aus hatte die große Menge der übrigen Zuschauer einen guten Einblick in das Ziel­feld, so daß auch sie auf ihre Rechnung gekommen sind.

Der Gchausenster-Wett-ewerb im Keichsberufsweitkampf.

Bei dem Schaufenster-Wettbewerb, der im Rah­men des 3. Reichs-Berufswettkampfes in unserer Stadt durchgeführt wurde, hat die Kommission zur Bewertung der Schaufenster-Dekorationen die nach­stehenden Entscheidungen gefällt:

hervorragende Leistungen, die mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet wurden:

1. Anny Dewald: dekoriert bei Weinert K.-G.

2. Elsbeth Dietrich: Schneider (Blumen).

3. Ewald Dinkloh: I. B. Häuser.

4. Reinhard Klotz: W. & G. Schuchard.

5. W. Borschmieder: I. B. Häuser.

6. Ernst Schimmel: Röhr & Co.

7. Adolf Brück: Pistor Nachf.

8. Willi Ehrlich: Manfred Volz.

9. Erna Mähler: Reinig.

10. Irene Reitz: Blumenhaus Weber.

11. Heinrich Lerch: I. B. Häuser.

12. Erika Müller: Brüder Schmidt.

13. Gertrud Schäfer: Chr. Arnold.

Sehr gute Leistungen wurden gezeigt:

Edith Arnold: dekoriert bei Waldschmidt.

Willi Arnold: Verbrauchergenossenschaft.

Elli Balser: Württembergische Metallwaren.

Links: Köche im Wettbewerb. Rechts: Ein Steinhauerlehrling bei seiner schönen Arbeit. (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff.)

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Hildegard Becker: Heyd & Sohn.

Karlheinz Becker: Kilbinger.

Karl Enz: August Noll.

Irma Bender: Neumeier.

Heinz Filz: Lehmbecker.

Heinz Geiß: Kaeß Nachf.

Elise Hillgärtner: Reinig.

Liselotte Hofmann: Leder-Becker.

Friedrich Jung: Schneider.

Walter Kühne: Lehmbecker.

Ilse Lehmann: Brüder Schmidt.

Hans Lehnhausen: Grünewald.

Fr. Maintzer: Neumeier.

Friedrich Müller: Maternus.

Alwin Münnich: Textilhaus Graf.

Walter Nickel: Heyd & Sohn.

Lina Rabenau: Kaiser-Magazin.

Hans Schmadt: Nowack.

Irma Schneider: Benner. Marie Sommeriad: Bette. Adolf Steinmüller: Schneberger. Fritz v. d. Heid: Täubert.

Kurt Weidig: Täubert.

Wilhelm Zimmermann: W. & G. Schuchard.

Mit dieser Entscheidung will die Kommission na­türlich in keiner Weise zum Ausdruck bringen, daß die hier nicht genannten Schaufenster geringwertig oder schlecht in der Dekoration ausgefallen seien. Es kann und soll mit dieser Bewertung lediglich zum Ausdruck gebracht werden, daß bei einem derartigen Wettbewerb stets nur eine gewisse Anzahl von Lei­stungen als vorbildlich bezeichnet werden kann.

Der Reichsberufs-Wettkampf, der Leistungskampf der Jugend wurde gestern auf breiter Front fort­gesetzt. Neben den Prüfungen imTheoretischen" standen Jungens und Mädel, Lehrlinge und Jung­gehilfen auch gestern wieder im Wettbewerb der praktischen Arbeit. Die Köche zeigten in der Küche des Cafe Leib ihr Können, die Kellnerlehrlinge stellten ihre Fertigkeit im Servieren unter Beweis.

In der Industrie der Steine und Erden stand die Jugend in den Gailschen Tonwerken, im Tonwerk Abendstern, in Mainzlar und bei Steinbildhauer­meistern im Wettbewerb. Die Schreiner erledigten in der Turnhalle an der Alten Pestalozzischule die praktische Arbeit und der Nachwuchs der Tabakin­dustrie stellte sich in den verschiedenen Betrieben ebenfalls den Prüfungsmeistern. Ueberall war die Jugend mit großer Aufmerksamkeit bei der Arbeit. Verschiedentlich waren die einzelnen Arbeitsplätze (insbesondere in der Tabakindustrie) mit Blumen geschmückt, so daß es allen doppelt Freude machte, sich hier einer Leistungsprüfung zu unterziehen.

Hitlerjugend spart für Fahrt und Laaer.

NSG. Der Führer der Hitler-Jugend des Gebietes H e f f e n - N a f f a u hat im Einvernehmen mit dem Leiter der Nassauischen Landesbank ein Spar- verfahren ausgearbeitet, das es den fast 150 000 Hitlerjungen und Jungvolkpimpfen des Gebietes er­möglichen soll, die für die Zeltlager und Großfahrten im Sommer benötigten Mittel auf einfache Weife während des übrigen Jahres in kleinsten Beträgen anzufammeln. Es kam hierbei vor allem darauf an, sich einer bestehenden Organisation zu bedienen, die die Gewähr für eine einheitliche Durchführung und vollständige Erfassung auch der letzten Gliederung und des letzten Ortes bietet. Im Regierungsbezirk Wiesbaden erwies sich die Nassauische Landesbank mit ihrem weitverbreiteten System von Filialen und Annahmestellen als geeignet, während in Hessen die in dem dortigen Sparkassenverband zu- sammengeschlossenen Institute die gleiche Aufgabe übernommen haben. Jeder Junge erhält e i n Sparbuch, in das er die bei dem Geldverwalter der Gefolgschaft erstandenen Sparmarken einklebt. Groschen auf Groschen sammelt er so, bis er dann im Sommer, wenn die Lager steigen, oder wenn er auf Fahrt geht, die Kosten daraus bestreiten kann.

Vom Schicksal und vomApfelder Hefperiden

Von Peter Bamm

Der großartigste und unheimlichste Zauber der menschlichen Geschichte ist das Gold. Ein einziger goldener Apfel aus den Gärten der Hefperiden in der Hand eines trojanischen Königssohnes erzeute stärkere Spannungen im östlichen Mittelmeer als selbst das Mossulöl und führte zu einem zehnjäh­rigen Weltkrieg, der seinesgleichen nicht hat. Die blendende Reportage des damals einzigen auf den Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatters lesen verdrehte Leute noch heute mit Begeisterung. Sie war zwar nicht in die Schreibmaschine diktiert, denn die damals übliche Form der Berichterstattung war der Hexameter. Aber wenn sie auch nicht nach anderthalb Stunden von der ganzen Welt draht­los mitgehört wurde, so waren doch die damaligen Sendemethoden so hoch entwickelt, daß die Nachrich­ten in Hexametern noch nach zweieinhalbtausend Jahren auf der ganzen Welt mit Achtung und In­teresse gehört werden. Uebrigens hat man niemals wieder etwas von dem goldenen Apfel vernommen, der das ganze Unheil angerichtet, das dem Sonder­berichterstatter einen so homerischen Ruhm einge­bracht hat.

Möglich ist es, daß in dem goldenen Ring an Ihrem Finger etwas von dem Gold enthalten ist, aus dem der Apfel des Paris gemacht war. Denn Gold geht nicht verloren. Man darf annehmen, daß irgendein griechischer Held in den rauchenden Trüm­mern des Tempels der Aphrodite den zu einem goldenen Klumpen geschmolzenen Apfel entdeckt und in seinen Beutesack gesteckt hat. Vom Sturm ver­trieben ist er bei Cypern mit seinem Schiff unfer- gegangen. Fischer haben Jahrhunderte später den Goldklumpen mit einem Netz aus dem Meer ge­zogen und haben ihn ehrerbietig und abergläubisch dem Statthalter abgeliefert, der ihn nach Alexan­dria schickte.

Wissen wir, ob nicht der goldene Becher, in dem Kleopatra die in Wein gelöste Perle dem Antonius anbot, aus dem Gold des Hesperidenapfels gemacht war? Wir wissen es nicht, aber dem, der nur ein wenig an Schicksal zu glauben vermag, erscheint es jedenfalls in hohem Maße wahrscheinlich.

Man darf auch vermuten, daß Kleopatra, diese noble Lady, den Becher dem Antonius geschenkt bat, und so ist er nach Rom gekommen, um im Nachlaß des Antonius versteigert zu werden. Der Vater des Ouintilius Darus hat ihn um billiges Geld gekauft, und Quintilius Varus hat ihn, em

pietätvoller Zug von ihm, immer als Andenken an feinen Vater bei sich geführt.

Sowohl der Fürst der Cherusker wie der Gene­ral der Kavallerie Exzellenz Segest haben zuweilen auf das Wohl des Kaisers Augustus daraus ge­trunken.

Nun, der geneigte Leser ahnt schon, wie der Becher nunmehr im Teutoburger Walde verschwin­den wird. Immer wieder kehrt das Gold in die Erde zurück oder in das Meer, woher es gekommen ist. Und immer wieder, wie der Riese Antäus von seiner Mutter Gäa, holt es sich neue Kraft aus dem dunklen Schoß der Erde. Und immer wieder, wie Aphrodite, die Schaum- und 9)leergeborene, richtet es neues unermeßliches Unheil an, wenn es aus dem großen Wasser wieder emporsteigt.

Denn das Gold ist Glück und Unglück zugleich. Das Gold hat Byzanz groß und reich gemacht und hat es ins Verderben gestürzt. Das Gold hat dem Reich des Montezuma seinen Glanz gegeben. Und das Gold hat seinen Untergang herbeigeführt. Aus Gold macht der Mensch den edelsten Schmuck, die heiligen Meßgeräte, den Ring. Aber es ist dasselbe Gold, das in den Tresors der Staatsbanken als Kriegsschatz liegt und sich so leicht in Waffen, Un­heil und Tod verwandelt.

Viele hundert Jahre lang liegt der Becher im Moor des Teutoburger Waldes wie vordem im Meer bei Cypern. Bis fromme Mönche den Wald urbar machen und den Becher finden. Allabendlich trinkt der ehrwürdige Abt aus dem Becher der Kleopatra feinen Abendtrunk, und Noah lächelt al fresco von der Wand des Refektoriums zu die­sem heidnisch christlichen Zusammentreffen

Als die Schweden schließlich das Kloster nieder- brennen, wandert der Becher wieder in den Beute­sack eines Soldaten, der nichts von Aphrodite weiß, aber doch seiner Liebsten einen schönen Halsschmuck davon machen läßt. Doch die ging ihm davon und freite einen braven Wirt im Spessart, der den Tand verkaufte und eine neue Scheune davon baute.

So tarn der Apfel des Paris wieder in die Schmelze, und der Kurfürst von Hessen ließ Duka­ten daraus schlagen. Einer dieser Dukaten geriet im Brustbeutel eines hessischen Soldaten in den amerikanischen Freiheitskrieg. Dem braven Hessen wurde im Gefecht am Red River das Bein zer­schmettert, und er wäre wohl elend zugrunde ge­gangen, wenn ihn Onkel Tom nicht in seine Hütte genommen und wieder gesund gepflegt hätte. Der Soldat schenkte Onkel Tom den Dukaten.

Wiederum eine Zeit später ließ sich ein Nach­fahre Onkel Toms aus dem Dukaten einen nütz­lichen Eckzahn bauen. Aber selbst noch in dieser niederen Stellung blieb der Zauber der Aphrodite ungebrochen. Denn alle schwarzen Mädchen von

St. Louis fanden das goldene Lächeln des braven Niggers unwiderstehlich. Aber die Liebe stürzte den schwarzen Paris in so unermeßliche Unkosten, daß er seinen goldenen Eckzahn verkaufen mußte.

Wiederum kam der Apfel Homers in die Schmelze und wurde zu dem Ring, den der Groß­vater der Großmutter von seiner Reise aus Ame­rika mitbrachte. So haben Sie den Apfel der Hefperiden, den Becher der Kleopatra, die Halskette der Wirtin aus* dem Spessart, den Dukaten des Kurfürsten von Hessen, den Eckzahn von Onkel Toms Urgroßneffen an Ihrem linken kleinen Finger.

Deutsche Lieder

des 15. und 16. Jahrhunderts.

Das musikwissenschaftliche Seminar der Univer­sität Professor Dr. R. Gerber hatte zu einem erfreulich stark besuchten musikalischen Abend eingeladen, welcher der Wiedergabe alter deut­scher Lieder aus dem 15. und 16. Jahrhundert ge­widmet war. Professor Gerber als Leiter der Veranstaltung gab zuvor eine kleine Einführung: der Sinn des Konzertes fei. die Hörer mit der alten deutschen Hausmusik bekannt zu machen: dies sei gerade heute wichtig, wo die aus der Jugend­bewegung hervorgegangene Laienmusikübung nn- mer weitere Kreise erfaßt. Dem Laienmusiker sei die Musik Herzensbedürfnis, nicht Geschäft ober Beruf. Die aus dem Volke hervorgegangene Sing- bewegung sei als ein Protest gegen die Ztinehmende Mechanisierung der Musik, gegen virtuose Podiums­kunst und gegen den gesellschaftlichen Anstrich der modernen Musikübung zu begreifen; hier werde die Musik als gemeinschaftsbildende Macht, als Lebensbedürfnis im Jahreskreis empfunden. Auch solle der Hörer aus seiner Passivität erlöst und zum selbständigen Musizieren hingeführt werden. Ein hohes Verdienst der Singbewegung sei es, das alte deutsche Lied wieder entdeckt und zu neuem Leven erweckt zu haben. Das deutsche Lied sei eines der köstlichsten Güter unserer Musik; es enthalte als typisch deutsche Eigenschaften Seelenhaftigkeit und Gemütstiefe. Uebrigens fei der Zugang zu dieser alten Musik verhältnismäßig leicht zu finden; es sei eine stille Kunst und deshalb echte Hausmusik. Professor Gerber wies dann auf die Verbin­dungslinien hin, die von hier zum lutherischen Cho­ral führen, charakterisierte in knappen Strichen die ausgeprägten Persönlichkeiten der alten Liedmeister, die sich aus anfänglicher Namenlosigkeit heraus- heben, wie Finck,. Stoltzer, Senft, Isaac, Othmayer, Orlandus Lassus, und gab etliche Anmerkungen zur

Aufführungspraxis, die große Freizügigkeit in der Besetzung der Stimmen wie in der instrumentalen Begleitung gestatte. Nach einer kurzen Besprechung der einzelnen Liedformen und der schon erwähnten Komponisten, welche die Vortragsfolge verzeich­nete, schloß Profesor Gerber mit einem Hinweis auf die wertvolle Bereicherung, die eine Erweckung der alten deutschen Liedkunst für Schule und Haus mit sich bringe-.

Für die Wiedergabe der recht umfänglichen und vielseitigen Vortragsfolge hatten sich unter Profes­sor Gerbers liebevoller und umsichtiger Füh­rung neben dem Collegium musicum vocale der Landesunioersität als Solisten Elsbeth Mueller- L e u t e r t (Alt), Lic. Justus Ferdinand ßaun (Tenor), Ingrid Müller (Violine), Professor Gerber (Bratsche) und Richard Wende (Violin- cello) zur Verfügung gestellt. Lic. ßaun fang zu­nächst vier Lieder für Tenorstimme mit Streicher­begleitung aus dem Lochheimer, dem Glogauer und dem Münchener Liederbuch: sehr frisch und mit guter technischer Uebersicht über die z. T. lang­atmigen und nicht ganz einfachen Sätze. Beson­ders das kraftvoll akzentuierteEs taget vor dem Walde" hinterließ einen unmittelbar lebendigen Eindruck. Frau Mueller-Leutert sang vier Lieder aus dem Glogauer Liederbuch, darunter das berühmteSchloß in Oesterreich" undChrist ist erstanden" mit Wärme und schöner Empfindung. Tenor und Alt verbanden sich anschließend in zwei Duetten zu einem vollen Zusammenklang. Lic. ßaun brachte dann drei ßieber von Finck,Stoltzer und Senft, u. a. das sehr fein gesetzteEntlaubet ist der Walde" undIch schwing mein Horn in Iammerston", was in der dritten Strophe vom Collegium musicum aufgenommen wurde. Den Beschluß machten vier a-capoella=fiieber bes kleinen gemischten Chores: zuerstInnsbruck ich muß dich lassen", dann ein reizvoll gegeneinandergesungenes ßiebeslieö, zuletzt zwei köstliche Martinsgesänge, voll von barockem Humor und lautmalerischer Wir­kung. Die Hörer folgten mit lebhafter Anteilnahme und spendeten dankbar Beifall

Sin ftifd) tausend Konservenbüchsen!

In der Straße von Kertsch, die Asowsches u. Schwar­zes Meer verbindet, ist russischen Fischern ein besonders ergiebiger Fang gelungen. Ihnen ist nämlich ein Stör in die Netze gegangen, der ungefähr eine Länge von vier Meter besitzt und 1500 Pfund wiegt. Don diesem Riesentier wird man, wie Sachverständigtz behaupten, 1000 Dosen Fischkonserven Herstellen kön­nen, eine Höchstleistung, die bisher noch nicht erreicht worden ist.