Nr. 2W Zweites Blatt
Zreitag, U.DezembenyZS
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Wie Frankreich die Waffenlieferungen an die spanischen Marxisten tarnte.
Ein marxistischer Minister berichtet über seine Verhandlungen in Paris.
R ° m. 10. Dez. Zum Beginn der außer- af?pnH^eh ^ro9Hnfl öes Völkerbundsrates ver- offentlicht der Messaggero einen Brief des früheren spanischen Ministers d e los Rios über seine S?1[u£dem französischen Ministerpräsidenten Blum und vier Regierungsmitgliedern über französische Waffenlieferungen. Der Brief ^otum des 25. Juli, während die französische Regierung am 3. August an die europäischen Regierungen mit chrem Nichteinmischungsvorschlag nirhfG9ehfpeten -Brief ist zu entnehmen, wie
verantwortlichen Männer der französi- !rr°nt baü°nr abhalten konnte, die spa- ^en au unterftufeen. Man sollte lediglich darauf bedacht sein, mit Vorsicht und Ber- ans Werk zu gehen, um die übrigen Regierungen nicht zu alarmieren.
de los Rios erwähnt in seinem Brief an den dama^gen Ministerpräsidenten Giral eine Un- r^^bdung mit „wichtigen Mitgliedern" der französi- schen Regerung Er habe nachgewiesen, daß es fast unmöglich sei, die französischen Flugzeuge in Paris durch spanische Flieger abholen zu lassen. „Von dem, der eine solche Erklärung geben könnte", sei ihm darauf gesagt worden, daß „alles Flug- zeug- und Bombenmaterial bereit stehe und am kommenden Morgen starten könne. Eme Stunde daraus sei er jedoch mitten in der Na.cht zum französischen Luftfahrtminister C o t gerufen worden, der ihm die Mitteilung gemacht habe, daß es u n rn ö g l i ch sei, den Außenminister davon zu überzeugen, daß die Lieferung der Flugzeuge an Spanien durch französische Flieger in Ordnung sei. Die Flugzeuge müßten daher in Perpignan a b g e n o,m men werden.
Der Staatspräsident habe rund heraus erklärt: „Was da mit der Lieferung von Waffen an Spanien gemacht werden soll, kann den europäischen Krieg oder die Revolution in Frankreich bedeuten". Der Winisterrat war geteilter Auffassung, und sogar der Kammerpräsident h e r r i o t habe von Blum verlangt, sich die Sache noch einmal zu überlegen. „Die Entscheidung des ZRiniffer- rakes war schließlich, keinerlei Waffenlieferungen von Regierung zu Regierung vornehmen zu wollen, aber die notwendigen Vollmachten zu erteilen, damit die Privatindustrie diese Lieferungen durchführen und das gekaufte Material befördert worden könne. Die Art und Weise, wie das durchgeführt und erleichtert werden soll, wird Sache eines Ausschusses von Ministern sein, in dem wir auf einige unserer treue st en Freunde zählen können. Man versichert mir bereits, daß wir so gut wie sicher die Flugzeuge am Montag oder Dienstag übernehmen können. Wir werden dann, oder besser, ich werde mit Cruz, Marin und einigen anderen spanischen Freunden, unterstützt von einigen ausgezeichneten französischen Freunden, die Beförderung der Bomber organisieren."
Die Enthüllungen des „Messaggero" werden in der römischen Presse eingehend kommentiert. „Tri-
buna erklärt, daß der französische Nichteinmischungsvorschlag nur ein Alibi zur Verschleierung einer um so entschlosseneren Jn-
0 Ln M 0 n gewesen sei. Der amtliche französische Vorschlag, der von den gleichen Persönlichkeiten gemacht wurde, die wenige Stunden zuvor in so skandalöser Weise zugunsten der Einmischung emgegnffen hätten, sei nichts anderes als eine vorbedachte Komödie gewesen. Alle Welt wisse jetzt, wie Frankreich die feierlich in Acht und Bann getane Einmischung praktisch durchge- suhrt habe. In Madrid stehen Tausende von französischen Marxisten, die zusammen mit den sowjetrussischen Genossen allein einen Kampf durchhalten der von den Spaniern schon längst aufgegeben worden sei. Waffen, Munition, Flugzeuge und Kriegsmaterial feien ohne Unterbrechung weiter geliefert worden.
Auch „G i o r n a l e d ' I t a l i a" erklärt, mit diesen Abmachungen habe sich Blum über alle konstitutionellen und parlamentarischen Faktoren hinweg- geletzt und dabei sogar die Erklärung abgegeben, daß er diese Verpflichtungen „um jeden Preis" und „trotz aller Risiken" aufrechterhalten werde. Die internationalen Schwierigkeiten ihrer Interventions- Politik sollten dadurch umgangen werden, daß die Initiative und die Verantwortung für die Waffenlieferungen an das rote Spanien auf die dazu kommandierte Privatindustrie übergewälzt wurde. Nach dem „Giornale d'Jtalia" besteht eine aktive militärische Zusammenarbeit Frankreichs und Sowjetrußlands in Spanien an der Seite der Marxisten. Heute handele es sich darum, zu wissen, ob Spanien seine nationale Unabhängigkeit und Souveränität zurückgewinnen könne oder aber, ob es ein vom Aus- tanbe mit Waffengewalt auferlegtes Regime hinnehmen müsse. . Der Zweck der Kommunistischen Internationale sei, die Errichtung eines neuen kommunistischen Staates in Barcelona oder in Madrid. Ungeachtet aller Genfer Formeln könne man nicht verstehen, wenn diese Indifferenz zum Gegen- stand eines amtlichen Schlichtungsvorschlages gemacht werde, nachdem es erwiesen sei, daß die bolschewistische Partei van Ausländern gebildet werde und demzufolge jede Vermittlung einen Verzicht auf die nationale Würde und das nationale Recht des spanischen Volkes zugunsten dieser Ausländer zur Voraussetzung hätte.
Der Eindruck des Thronwechsels in den Dominiois
London, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Auch in allen britischen Dominions hat die Nachricht von der Abdankung König Eduards ein nachhaltiges Echo hervorgerufen. Der australische Ministerpräsident Lyons sprach sein Bedauern darüber aus, daß eine Entscheidung getroffen sei, die sich gegen ausdrückliche Wünsche der Vertreter des Volkes in Australien und in anderen Teilen des Reiches richte. Der neue König sei in ganz Australien bekannt und geschätzt und könne der Treue, Bewunderung und Zuneigung aller Australier sicher sein.
Der kanadische Ministerpräsident MacKenzie King erklärte, daß die Nachricht von der Abdankung in ganz Kanada mit tiefem Bedauern
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Der Jugendführer des Deutschen Reiches sprach über den Rundfunk zur deutschen Elternschaft. Hier sieht man Baldur von Schirach (rechts) und den mit der sportlichen Ausbildung der HI. betrauten Reichssportführer von Tscharn rner und Osten (links) im Kreise der Hitlerjungen, die im Hause des Rundfunks der Ansprache beiwohnten. — (Scherl-M.)
aufgenommen werde. In einer Erklärung sagt der der Labour-Partei angehörige Ministerpräsident von Neuseeland, Savage, Neuseeland werde dem neuen König mit der überlieferten Zuneigung und Aufrichtigkeit dienen und ihn ehren. Die Treue des neuseeländischen Dominions zur Krone sei so stark, wie je zuvor.
Aus Südafrika liegt noch keine regierungsamtliche Aeußerung vor, da sich General Herzog zur Zeit auf feiner Farm befindet und die Mitglieder des Kabinetts nach der Sitzung am Donnerstag die Hauptstadt verlassen haben. In den Lichtspielhäusern in Jvhannisburg brachen die Besucher, als das Bild König Eduards auf der Leinwand erschien, in lauten Jubel aus. — In Indien besteht der erste Eindruck der Abdankung des Königs in einem Gefühl der Erleichterung, daß die Krise beendet und die Krone selbst nicht gefährdet worden ist.
Oer italienische Nobelpreisträger Luigi pirandello -f.
Der bekannte italienische Schriftsteller Luigi Pirandello ist, 69 Jahre alt, am Donnerstag kurz vor 9 Uhr an einer Lungenentzündung in Rom g e ft o r b e n.
Der Tod Pirandellos wird in ganz Italien als ein großer Verlust empfunden. Kurz nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht haben sich zahlreiche Mitglieder der königlich-italienischen Akademie, der der Verstorbene seit ihrer Gründung angehörte, sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik in das Sterbehaus begeben. Pirandello, der noch vor wenigen Tagen in völliger Gesundheit in seinem Freundeskreis verkehrte, war im Begriff, ein neues Schauspiel „Die Briganten der Bergwelt" abzuschließen.
Luigi Pirandello, der am 28. Juni 1867 in Gir- genti (Sizilien) geboren ist, hat in Bonn studiert und die Doktorwürde erworben; er begann seine literarische Tätigkeit schon früh, wurde aber erst
verhältnismäßig spät endeckt; wie fruchtbar er produzierte, kann man an der deutschen Gesamtausgabe sehen, die neben sieben großen Romanen — „Einer, Keiner, Hunderttausend , „Kurbeln" — nicht weniger als 365 Novellen enthält. In Deutschland ist Pirandello vor ungefähr zehn Jahren vor allem
(Scherl-Bilderdienst-M.)
als Dramatiker sehr bekannt geworden; als man ihn endeckt hatte, entstand eine richtige Pirandello- Mode, wobei, nicht zu seinem Vorteil, auch ältere und belanglose Stücke wahllos aufgeführt wurden. Von Pirandellos Dramen, die sich durch Phantasie und lebhafte Theaterwirkung auszeichnen, find die Schauspiele „Sechs Personen suchen einen Autor" und „Heinrich IV." bei uns viel gespielt worden. Pirandello erhielt im Jahre 1934 den Nobelpreis für Literatur.
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Der große Conde.
Zu seinem 250. Todestage am 11 Dezember
Bis in die Zeiten Friedrichs des Großen wurde Ludwig II., Prinz von Bourbon, als einer der größten Feldherrn feines Jahrhunderts angesehen. Der große Preußenkönig nannte seinen Lieblings- schiwmel, der ihn durch die Schlachten des siebenjährigen Krieges trug, nach dem französischen Fel^herrn Conde, aber die Schlachten, die der Prinz schlug, sind uns heute minder wichtig als fein Kampf gegen den zunehmenden und sich in Ludwig XIV. verkörpernden Absolutismus, in dem das alte bunte Frankreich zugrunde ging; der Adel, ehedem in der Provinz seßhaft und Vorkämpfer einer Reihe von Gerechtsamen, die auf dem Pflichtverhältnis Untergebener ruhten und ihn gleichzeitig mit dem Wohl und Wehe dieser verbanden, der zu einem reinen Hofadel wurde, welcher systematisch durch den König Sonne ruiniert und in eine Stellung gedrängt wurde, die nur die Privilegien beibehielt, seine Verpflichtung gegenüber den Gefolgschaftsleuten aber dem König übertrug, König, Adel und Klerus wurden seitdem immer -oom Volke gehaßt und die nachfolgende große französische Revolution beseitigte sie von Grund aus. Man hat gesagt, Richelieu sei der geistige Vater der großen Umwälzung geworden. Er hatte einem widerstrebenden König Ludwig XIII. alle Macht verschafft, war in endlosem Ringen gegen den Adel und die Hugenotten Sieger geblieben, hatte, nachdem der Großvater Condss sich an die Spitze der Adelsrebellion und der Hugenotten gestellt hatte, dessen Sohn, den schwachen Heinrich II. von Conde in seinen letzten Lebensjahren betreut und zum Kampf gegen die Reformierten gezwungen. Der Traum 'dieses Prinzen, Nachfolger Heinrichs IV zu werden, war durch die Geburt eines Sohnes unerfüllt geblieben Als er am 26. Dezember 1646 starb, hatte sein Sohn, der große Conds, bereits die Spanier bei Rocroy geschlagen, Diedenhofen genommen, 1644 mit dem großen Turenne bei Freiburg im Breisgau drei Tage unentschieden gegen den bayerischen General Mercy gekämpft, und beim Tode feines Vaters kämpfte der Prinz seinen großen Kampf gegen die Spanier in den Niederlanden und eroberte Dünkirchen. Durch eine Heirat mit dessen Nichte dem großen Richelieu verbunden getreu dem minderjährigen König Ludwig XIV., und dessen Vormündern, der Königsmutter Anna von Oesterreich und ihrem großen Minister, der zugleich, wie neueste Forschungen ergaben, ihr Geliebter gewesen dem Kardinal M a z a r i n, schien dem Prinzen e ne große Rolle bevorzustehen. Er war s^ank schmalen Angesichts, aus dem große Augen funkelten eine kämpferische Natur, die ihn zum Vorbild semer Soldaten und des Adels machte, der fast verwegen genannt wurde, zugleich aber im Felde alle © r - pazen und das härteste Soldatenleben führte. Dazu geistig frei, kein Reformiertenfresser, ein Jdealtyp
des Franzosentums vor dem abtötenden Einerlei des Absolutismus, der aber immer stärkere Schlagschatten über die widerspenstige Nation warf.
Bei Rocroy hatte unter dem Prinzen von Conde zum erstenmal das neu gebildete Heer der Franzosen über die alte Fußknechtstüchtigkeit der Spanier den Sieg davongetragen, die altspanische Schlachtordnung wurde von der französischen Reiterei über den Haufen gerannt, die spanischen Regimenter fielen fast bis auf den letzten Mann gegenüber der neuen Taktik. Am 20. August 1648 vollendete Conde mit dem Siege über die Spanier den endgültigen Niedergang der Pyrenäenmacht. Wenige Jahre vorher hatten die Kaiserlichen und die Spanier durch die Streifzüge in Frankreich unter Johann von Werth Paris in Schrecken gesetzt. Jetzt wurde ein Stück des alten habsburgisch- spanischen Besitzes nach dem andern von den Franzosen genommen. Frankreichs Macht schien unerschütterlich. Da schienen die innerpolitischen Verhältnisse in Frankreich, der Ausbruch einer neuen Fronde, Mazarin und damit die Zentralgewalt des Königsgedankens verschlingen zu wollen.
Man hat diesen Ausbruch auf die Tätigkeit politischer Salondamen, wie der Herzogin von Chefreuse, von Longueville, den ersten Intrigantinnen ihres Jahrhunderts, dem Haß gegen den landesfremden Mazarin, den religiösen Bewegungen der Reformierten und des mönchischen und im Widerstreit mit dem Jesuikismus liegenden Jansenismus zurückführen wollen, und vornehmlich französische Geschichtsforscher haben diese Motive vielleicht allzu sehr yervorgehoben. Noch war das Zeitalter reich an kraftvollen Individualitäten eines Corneille, Maliers, Descartes, der freiere Ton, die lockeren Sitten, die Beschwörungskünste adliger Weiblichkeit waren noch nicht durch den Absolutismus getötet worden, aber anfänglich war diese Jntriguenwirtschaft der verschiedensten Kreise doch ziemlich harmlos. Nicht sie, sondern das Finanzelend gab den Anstoß zur Revolte, und nicht der der Adel, sondern das Bürgertum und die Bauernschaft raffte sich zunächst auf, um Mazar ins Finanz-- künsten gegenüber nicht ganz zu verelenden. Ganze Provinzen waren unter dem Steuersystem verödet, dem Volke wurden Steuern abgepreßt, die schon 1644 das Fünffache aus den glänzenden Zeiten Heinrichs IV. betrugen, im Jahre 1644 war Ma- zarin genötigt, zwei Heere gegen die Steuerpflichtigen zu schicken. Als das Tedeum des Sieges von Lens m Paris gefeiert wurde, ließ Mazann im Namen der Königin und des minderjährigen Ludwig XIV. zwei Häupter der Parlamentsopposition, Blancmesnil und den greifen, von der Bevölkerung von Paris allgemein verehrten Brous- se l, verhaften. Das war das Signal zum Aufruhr. Im Nu waren in Paris Barrikaden errichtet, die Gefangenen befreit, und das Parlament rief zum Bürgerkrieg auf. Der Hof gab nach. Aber als die Regierung trotzdem gegen Pans rüstete und Conds in Verkennung der Gewalten den verhängnisvollen Rat gab, in der Nacht zum 6. Ja
nuar 1649 mit dem Hof nach St. Germain en Laye zu flüchten — nie hat der König Sonne diese Nacht vergessen! — wurde Mazarin vom Pariser Parlament geächtet als „Feind der öffentlichen Ruhe, des Königs und des Staates." Am 8. Januar erging von Paris aus der Ruf, sich gegen den Hof zu bewaffnen. Die alten ständischen Tendenzen traten wieder in den Vordergrund, das Parlament verlangte für sich die Wirksamkeit des englischen Unterhauses. Noch einmal stieß die Allmacht des Absolutismus auf den Widerstand der Nation. Zum letzten Male. Mit dem Bürgertum verband sich der Adel. Nur Conds blieb dem Königtum und M a - Zarin treu. Der Prinz von Geblüt, der reichste Untertan Europas — er besaß mehr als ein Drittel der Fläche Frankreichs — war eine unersetzliche Kraft. Da schloß Mazarin insgeheim mit den Führern der Fronde Frieden, Conds, sein Bruder und sein Schwager, der Herzog von Longue- Dille, wurden verhaftet und nach Vincennes abgeführt. Die Königinmutter dankte zusammen mit dem jungen König Gott, daß er diesen Streich gelingen ließ.
Aber die Tätigkeit der politisierenden Damen der Gesellschaft, die Wirksamkeit Turenne s, der für Conds eintrat, der geradezu ein Heer gegen den Hof aufstellte, die Reden der französischen Parlamente für die Gefangenen, brachten einen Umschwung. Mazarin mußte das Land verlassen, die Prinzen wurden in Freiheit gesetzt und dem Absolutismus schien endgültig der Riegel vorgeschoben.
Wieder jedoch kam eine Wendung, die adlige Fronde zerfiel in verschiedene Gruppen, in Paris wühlte der Kardinal von Reetz, ein Intrigant übelster Sorte, und als König Ludwig, der am 7. September 1651 mit vierzehn Jahren für volljährig erklärt wurde, Mazarin zurückrief, übrigens auch Turenne, der Protestant war, sich mit dem Hofe vertrug, kam Conds in eine üble Lage. Da das Parlament beiden Parteien die Tore von Paris verschloß, lief Conds mit feinem schwachen Heere am 2. Juni 1652 Gefahr, von Turenne an den Mauern erdrückt zu werden. Da löste die Herzogin von Montpensier das Geschütz auf den Wällen, rief die Pariser Bürgerschaft zum Kampfe auf, stürzte das Parlament und rettete ihren Geliebten, obgleich sie die Tochter des Herzogs von Orleans war, der dem Hofe sehr verbunden. Noch einmal schien Conds zu triumphieren. Aber der Pöbel von Paris verließ ihn bald, und Conds trat als General in spanische Dienste, hatte allerdings gegen Turenne keinerlei Erfolge aufzuweisen.
Mit diesem französischen Bürgerkrieg war der altnationale Widerstand Frankreichs gegen den Absolutismus gebrochen. Conds erhielt zwar 1659 Verzeihung, wurde aber erst 1668 wieder mit einem militärischen Kommando betraut. Er hat noch große Taten vollbracht. So bewerkstelligte er, als Ludwig XV. die Niederlande angriff, am 12. Juni 1672 en berühmten Rheinübergang, schlug am 11. August 1674 bei Seneffe die verbündeten Spanier, Oester- reicher und Holländer, wurde nach dem Tode T u - rennes mit dem Oberbefehl über die Rheinarmee
betraut, aber er zog sich bald darauf, 1675, als Gichtbrüchiger auf feinen Landsitz von Chantilly zurück. Er erlebte noch, daß Frankreich einem ein= Zigen Herrn willenlos zu Füßen lag, daß -sich die Stellung des Adels vollkommen änderte, daß 30 000 seiner besten Truppen bei dem wahnwitzigen Plan, die Eure über das neue Prunkschloß des Königs nach Versailles abzuleiten, verdarben und, wie früher ein Geschlecht von Charakteren bestand, herrschte jetzt ein Einziger, der König Sonne, der von Conds stehend sich beim Essen bedienen ließ. An die Stelle des reichen Lebens des Frankreich aus der Zeit des jungen Conds war bei seinem Tode die alles Leben erstickende Despotie getreten, und die Vertreibung der Hugenotten, die Aufhebung des Edikts von Nantes warf einen letzten Schatten auf ein großes, aber vertanes Leben.
Eugen Siebert.
Gloria-palaff: „Intermezzo-
Die Geschichte beginnt in Paris und führt über Monte Carlo in ein unwahrscheinlich friedliches und idyllisches Spanien nach San Sebastian und Sevilla, mit fröhlichem Volk in der Stierkampfarena, mit Kastagnettentanz in der Kneipe und romantischen Serenaden bei Nacht — wie in alter Zeit. Sine sehr volkstümliche Operettensängerin schwingt sich knapp vor der Trauung mit einem reichen, aber langweiligen jungen Herrn aus dem Auto und ent- fleucht, einer plötzlichen Eingebung und Laune folgend, allein in den sonnigen Süden. Hinter sich läßt sie die enttäuschte, empörte, entgeisterte Hochzeitsgesellschaft und eine beträchtliche Sensation in der Pariser Boulevardpresse. In Monte Carlo verspielt sie ihr ganzes Geld und obendrein noch ihrs schöne Stimme — an einen sehr eleganten, sehr geheimnisvollen und unheimlich reichen Herrn. Man ahnt schon, daß es diesem nicht bloß um die ungewöhnliche und erstaunlich kostspielige Stimme zu tun ist; das Intermezzo nimmt allmählich die bedrohlichen Formen eines Abenteuers und nicht wieder gutzumachenden Skandals an, bis am Ende der Vorhang über einer glanzvollen Premiere aufgeht und die Maske vom Gesicht des Kavaliers aus Monte Carlo fällt. Für die Tobis Rota war das Intermezzo der Anlaß, in Trefi Rudolph eine neuentdeckte junge Darstellerin herauszubnn- gen, die mit Hellem Sopran und dem trotzigen Temperament einer verwöhnten Diva die aus Paris entflohene Adrienne spielt. Dr. med. Albrecht Schoenhals (er war früher Arzt) gibt den mit unerschütterlicher Kavaliersgebärde auch den schwierigsten Situationen gewachsenen Herrn Trent. Unter Josef von Bakys fließender Spielführung, welche die landschaftlich reizvollen Stationen des Intermezzos in verlockenden Aufnahmen festhält, zeichnen sich ferner Ernst Legal, Erich Fiedler, Rudolf Klein-Rogge und Hilde S e f f a f aus. — Im Beiprogramm sieht man einen lehrreichen Kulturfilm und die neue Ufa-Wochenschau.
\ H. Thyriot


