teresse gelegene Aufgabe durch Auferlegung einer Art Wehrbeitrag heranzuziehen. Zu diesem Zweck leisten die Länder und die Stadt Wien in Form einer Kürzung ihrer Ertragsanteile an den gemeinschaftlichen Bundesabgaben für das Jahr 1937 an den Bund rund 14 Millionen Schilling. Der Ministerrat hat ferner beschlossen, die Vieh- und Fleischverkehrsabgabe, deren Geltung mit Ende 1936 abgelaufen wäre, unter gleichzeitiger Verdoppelung der Sätze auf
rechtzuerhalten. Der Oesterreichischen Radio- Derkehrs-AG. wurde eine Sonderabgabe auferlegt, die 2 Millionen Schilling eintragen wird. Weiter wird die Oesterreichische Spielcasino-AG. das Recht bekommen, die der Gesamtheit der Angestellten gewidmeten Trinkgelder zum Teil für sich in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig werden diese einer Abgabe von 25 v. H. unterworfen.
Zuspitzung der Gtreiklage in Frankreich.
Generalstreikgefahr in der nordfranzösischen Textilindustrie.
Paris, 11. Sept. (DRB. Funkspruch.) Die Streiklage in Frankreich hat sich immer noch nicht gebessert, obwohl im Laufe des Donnerstag verschiedene Streiks beigelegt wurden. Im nordfranzösischen Textilgebiet ist eine wesentliche Verschärfung eingetr^n. Die Zahl der Streikenden hat sich auf über 5 0 0 0 0 erhöht. Es besteht die Gefahr eines Generalstreiks der gesamten Textilindustrie. Der französische Innenminister Salengro ist nach Lille abgereist, um zu versuchen, den Streik zu schlichten. In Clermont-Ferrand ist zwar in den Michelin- Werken eine Einigung zustandegekommen, so daß die Arbeit Freitag wieder ausgenommen werden kann, dafür hat die Streikbewegung aber auf das Lebensmittelgewerbe übergegriffen. Sämtliche Lebensmittel-Großbetriebe der Stadt sind davon betroffen worden. In Douai,sind mehrere
tausend Arbeiter der Metallindustrie in den Streik getreten und haben die Betriebe besetzt. Die Direktion dieser Betriebe hat daraufhin den elektrischen Strom abschalten lassen. Sie hat sich im übrigen geweigert, zu Verhandlungen nach Paris zu fahren, solange die Werke nicht geräumt find. Eine Abordnung der Angestellten der Pariser Automobilfabrik Renault wurde beim Ministerpräsidium vorstellig, um ihrer Beunruhigung Ausdruck zu geben über die angebliche Absicht der Arbeiterschaft, die Renault-Werke zu sowje- tisieren. Die Kommunisten sollen angeblich die Absicht haben, die Leitung der Werke gewaltsam in die Hand zu nehmen. Die Abordnung gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung Maßnahmen treffen werde, um die Arbeitsfreiheit f i ch e r z u st e l l e n.
Oie Lage in Spanien.
I r u n, 10. Sept. (DRB.) Die spärlichen Meldungen von der Front vor San Sebastian berichten von einer Wiederaufnahme der Kämpfe, nachdem zwei Tage hindurch fast völlige Ruhe geherrscht hat. Durch einen überraschenden Vorstoß der Nationalisten ist die Landverbindung zwischen San S e - bastian und Bilbao völlig unterbrochen. Auf beiden Seiten wird mit großer Erbitterung gekämpft. Eine Kolonne von 1000 roten Milizen, die zur Unterstützung nach San Sebastian ausgerückt war, hat San Sebastian nicht erreicht, sondern ist durch heftiges Maschinengewehrfeuer zur Rückkehr gezwungen worden.
Nationalistische Flieger warfen Bomben auf mehrere strategische Punkte von San Sebastian ab, besonders auf den Berg I g u e l d o. Von anderen Flugzeugen der Nationalisten wurden Flugblätter über San Sebastian abgeworfen, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, die Stadt zu übergeben. General Mola soll vor San Sebastian ein- getroffen sein, um persönlich die Leitung des Endkampfes um San Sebastian zu übernehmen.
Aus Burgos wird berichtet, daß die Generale Franco und Mola eine wichtige Unterredung über den Angriffsplan gegen Madrid gehabt hätten. In der Gegend von Talavera seien die Nationalisten so weit vorgedrungen, daß die Verbindung zwischen Talavera und Avila hergestellt worden sei. In dieser Gegend sollen die Marxisten außerordentliche Verluste an Toten gehabt haben.
Ausländische Pressevertreter inGan Sebastian vonMarxistenbedroht
Paris, 11. Sep. (DNB. Funkspruch.) Wie Havas aus San Sebastian meldet, begaben sich Donners
tag etwa 30 ausländische Pressevertreter zu einem Besuch in die Stadt, wo sie von den Marxisten in herausfordernder Weise belästigt worden seien. Der Vertreter des „Paris Soir", dem man vorgeworfen habe, auf Seiten der nationalistischen Truppen zu stehen, sei sogar vorübergehend in Haft genommen und erst auf eindringliche Vorstellungen des französischen Botschafters wieder freigelassen worden. Der Zioilgou- verneur von San Sebastian habe einigen ausländischen Pressevertretern erklärt, daß in Zukunft strenge Maßnahmen gegen alle Journalisten getroffen werden würden, deren Haltung darauf schließen lasse, daß sie persönliche Feinde der spanischen „Volksfront" seien (!).
Entsetzliche Martyrien spanischer Priester.
London, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter der „Daily Mail" an der Toledofront berichtet über neue Greueltaten der spanischen Marxisten. In Orpesa seien mehrere Priester gemartert und getötet worden. Einer sei in die von schreienden Kommunisten gefüllte Stierkampfarena geschleppt worden. Man habe ihn gezwungen, die Rolle des Stieres in einem Stierkampf zu spielen und verletzte ihn mit den sog. Banderillas, kleinen Spießen mit Widerhaken, die beim Stierkampf benutzt werden. Später sei erverstümmeltund zuTode geprügelt worden. Eine der schlimmsten Greueltaten seien von Frauen und Mädchen begangen worden. Ein Mädchen habe einen Priester in schrecklicher Weise gemartert, während dessen Schwester von einem anderen Kommunisten mit dem
Revolver gezwungen worden sei, dem Schauspiel beizuwohnen.
Schließung der zweiten deutschen Schule in Kattowitz.
K atto w itz, 10. Sept. (DNB.) Mit Beginn des neuen Schuljahres ist auf Anordnung der Schulabteilung des schlesischen Wojewodschaftsamtes d i e öffentliche deutsche Minderheiten- schule im Stadtteil Domb geschlossen worden, obwohl sie von 49 Schülern besucht wird. Damit setzt sich die Anordnung der schlesischen Wojewodschaftsbehörde in Widerspruch zu den geltenden Bestimmungen des Minderheitenabkommens, die vorschreiben, daß eine Minderheitenschule erst dann geschlossen werden kann, wenn sie drei Jahre lang von weniger als 30 Schüler n besucht wird. In der Verfügung der Wojewodschaft wird weiterhin angeordnet, daß die Schüler der aufgelösten Schule von nun an die deutsche Minderheitenschule im Stadtteil Zalence zu besuchen haben. Damit wird den Kindern e i n einstündiger Schulweg zugemutet. Außerdem wurden sie sämtlich eine Klasse tiefer eingereiht. Von den Erziehungsberechtigten ist gegen die Verfügung der Wojewodschaft Einspruch beim Minderheitenamt erhoben worden. Mit der Schließung der deutschen Minderheitenschule in Domb ist seit Beginn des neuen Schuljahres die zweite deutsche Minderheitenschule in Kattowitz aufgelöst worden. Bei der anderen Schule handelt es sich um die deutsche Knabenschule in Kattowitz, d i e von rund 3 00 deutschen Kindern besucht wurde.
Geglückter Nordatlantik-Flug des Lufthansa-Flugbootes
Am Donnerstag um 23.22 Uhr deutscher Zeit landete das Lufthansa-Flugboot Dornier Do 18 „Zephy r", das am Donnerstag früh um 1.10 Uhr von Bord des Motorschiffes „Schwabenland" bei Horta auf der Azoreninsel Fayal abgeflogen war, im Neuyorker Flughafen. Die zurückgelegte Strecke betrug über 4000 Kilometer und wurde in 22 Stunden 12 Minuten bewältigt. Die Besatzung des Flugbootes bestand aus Direktor Freiherr von G a b l e n z , Flugkapitän Joachim Blankenburg, Flugzeugfl;nker Ehlberg und Flug- Maschinist Eger. Mit der Landung in Neuyork hat die Deutsche Lufthansa als erste Luftverkehrsgesellschaft der Welt den Nordatlantik mit einem für den planmäßigen Luftpostverkehr ausgerüsteten Flugzeug in der schwierigen Ost-West-Richtung, also von Europa nach Amerika bezwungen. Diese bedeutende Leistung ist das Ergebnis einer jahrelangen, planvollen Vorbereitung. Die praktischen Vorarbeiten begannen mit dem Schleuderflugdienst der Lufthansa von den Norddeutschen Lloyddamp- fern „Bremen" und „Europa" aus bereits im Jahre 1929. Inzwischen sind mit den Lufthansa- flugbooten fast 200 Ozeanüberquerungen im Südatlantik planmäßig durchgeführt worden. Diese stolze Zahl steht einzig in der Welt. Man hatte, als man jetzt die Erkundungsflüge im Nordatlantik in Angriff nahm, also eine bedeutende Erfahrung im Nord- und Südatlantikflugdienst gesammelt. Die Vorbereitungen des Versuchsdienstes über den Nordatlantik lagen in den Händen des Atlantikflugbetriebsleiters Freiherrn v. Buddenbrock. Er befindet sich auf dem Motorschiff „Schwabenland" und wird von dort mit dem zweiten Dornier-Do-18-Flugboot als Flugzeugführer ebenfalls Erkundungsflüge durchführen.
Aus aller Welt.
Die günstige Rundfunkenlwicklung hält an.
Am 1. September wurden 7 480 047 Rundfunkteilnehmer gezählt. Das bedeutet gegenüber den» Vormonat eine Zunahme von 75 903. Dieser Zugang liegt um 200 v. H. günstiger als im gleichen Monat des Vorjahres (am 1. September 1935 nur 25 436 Zugänge). Die in diesem Jahre bereits im Juli eingetretene günstige Rundfunkentwicklung hält somit an und wird sich in den nächsten Monaten noch stärker infolge der von der diesjährigen Rundfunkausstellung gemeldeten guten Abschlüsse der Rundfunkwirtschaft auswirken.
Aus Seenot gerettet.
Während des über der Nordsee wütenden orkanartigen Sturmes hat das Motorrettungsboot „Ulrich Steffens" der Station Neuharlingersiel von der bei der Insel Langeoog gestrandeten holländischen Tjalk „de Hoope"', Kapitän G r o e n, die mit einer Kohlenladung vom Rhein nach Hamburg unterwegs war, vier Personen nach schwerer Sturmfahrt glücklich geborgen. — Ferner hat das Rettungsboot „Heinrich Stalling" der Station Fedderwardersiel (Außenweser) bei Sturmstärke 8 bis 9 einen Mann von dem Fischerboot „Lola" aus dem Waddensersiel geborgen. Damit hat die Gesamtzahl der durch die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger aus Seenot Geretteten die Zahl 5604 erreicht.
Ein Goldschatz in der Steiermark entdeckt.
In Scheifling in der Steiermark wurde beim Abbruch eines alten Gebäudes ein wertvoller Goldschatz aus dem 15. Jahrhundert gefunden. Er enthält 316 alte Goldmünzen, goldene Gürtel, Schließen, Armbänder und Ringe. Das Gesamtgewicht des Schatzes beträgt IV4 kg.
Sechs lote
beim Absturz eines französischen Bombers.
In der Nähe von Bar-le-Duc ist ein französisches Bombenflugzeug vom Typ Amiot 143 aus bisher noch unbekannten Gründen abgestürzt. Die sechsköpfige Besatzung ist ums Leben gekommen. Das Flugzeug ist am Boden buchstäblich zersplittert. Bisher konnten nur fünf der vollkommen verstümmelten Insassen geborgen werden.
Dieder ein Grubenunglück in Bochum.
Am Dienstag zwischen 22 und 22.30 Uhr brach auf der Schachtanlage I/II der Zeche „Constantin der Große" in Bochum ein Flözbrand aus, der von der Mittagsschicht noch nicht bemerkt wurde. Die Nachtschicht, die den Brand sofort wahrnahm, wurde zurügezogen. Am Mittwoch gegen 12.45 Uhr entstand anscheinend vom Brandherd ausgehend eine Schlagwetterexplosion, durch die auf der siebenten Sohle befindliche Bergknappen, die mit Abdämmungs arbeiten beschäftigt waren, betroffen wurde. Ein Knappe fand dabei den Tod, acht weitere wurden leicht verletzt. Der Tote ist geborgen, die Verletzten befinden sich im Krankenhaus.
5. Internationaler Zugendherbergs-Kongreß.
Im Reichstagsgebäude zu Kopenhagen wurde der5.Internationale Jugendherbergs- Kongreß eröffnet, an dem Vertreter aus 23 Ländern teilnehmen, darunter Deutschland, dessen Abordnung unter Führung des Leiters des Deutschen Jugendherbergs-Verbandes, Obergebietsführer Johannes R 0 d a tz, steht. Nach der Begrünung durch den Vertreter des dänischen Herbergsringes, Holm, nahm Innenminister Dahlgard das Wort. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die internationale Jugendherbergsbewegung der friedlichen Völkerverständigung zum Wohle der Jugend aller Länder dienen möge.
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