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möglich. Wir haben anfangs jene Taktik gekenn­zeichnet, nach der die bolschewistischen Revolutionen zum Teil siegten, zum anderen Teil versucht haben, zum Siege zu gelangen. Genau so wie diese un­mittelbare politische Taktik vom jüdischen Zentrum aus bestimmt wird, so auch jene geistigen Einwir­kungsmethoden, die den Zweck verfolgen, eine Ver­wilderung und Vertauschung aller Begriffe in der Welt herbeizuführen. Einige Beispiele:

Die Weltanschauung Sowjet-Judäas erklärt, daß der Bolschewismus keine Rassenfrage kenne, Unterschiede zwischen sogenannten Rassen nicht bestünden. Der gleiche Bolschewismus aber rüstet die Neger planmäßig zu einem Rassenauf­stand gegen die weißen Menschen. Der Bolschewis­mus erklärt, daß er der Todfeind des Ka­pitalismus fei; der Kommunismus hat tau­sendfach die Tatsache entlarvt, daß er eine Be­wegung zur Zerstörung des nationalen Kapitals und Eigentums ist. Der Bolschewismus erklärt, die Diktatur des Proletariats in allen Staa­ten aufrichten zu wollen. Wo er das nicht unmittel­bar erreichen kann, wie etwa in Frankreich, ist dann scheinbar der Kommunismus sogar demokratisch geworden.

Der Bolschewismus erklärt, einen Kampf gegen den rNilikansmus zu führen, und überall tritt er als Prediger des Pazifismus und Weltfrie­dens auf. Zu gleicher Zeit aber rüstet die Sow­jetunion die größte Armee der Welt, siedelt Hunderttausende finnische, weißrussische Bauern aus ihren Stammsitzen an der west­lichen Grenze Rußlands aus und baut dort Festungen, Vetonunterstände, Chausseen und Militärflugplätze, um nach dem eventuellen Ge­lingen einer bolschewistischen Revolution im westlichen Europa mit der ganzen Kraft dieser jüdisch geleiteten Sowjetarmee vorzustohen. Diesem Zweck dient der französisch-sow­jetjüdische Militärpakt ebenso wie das Bündnis mit der Tschechoslowakei, dem Flugzeugmutterschiff Sowjet-Judäas. Und das rumänische Volk wird mit allen Mitteln der Einschüchterung zur Nachahmung verführt.

damit das rumänische Gebiet ein Durchmarsch­land für eine Sowjetarmee abgibl.

Alle diese Propagandaprägungen der Sowjet­union sind ein betäubendes Opium für Geist und Seele der Menschen eines schicksalschweren Zeitalters gewesen; skrupellos ist dann das Verbrecher­tum der Erbe aufgerührter Millionen geworden und heute flackern die Zeichen eines Welt­unterganges durch alle Staaten. Damit ergibt sich eine harte Kampfansage aller jener, die noch den Mut besitzen, ihre Kultur, die große Vergan­genheit ihrer Nation und eine Zukunft des Auf­baues zu schirmen. Manche Kritiker haben überlegen lächelnd erklärt, der Nationalsozialismus hätte dem deutschen Volk keine Freiheit gebracht, sondern es eingeengt in Disziplin und Pflichten. Diese liberale Überheblichkeit hat eines dabei übersehen: Die Revolution im Namen der grenzenlosen Freiheiten hat zur Anarchie des jüdischen Bolschewismus ge­führt.

Die nationalsozialistische Revolution dagegen war eine Revolution nicht schrankenloser Frei­heiten, sondern eine große Selbstbesinnung Deutschlands, sie war eine Revolution der Pflichten. Und die Wahl dieser Pflichten, das ist unsere Freiheit!

Man spricht wieder viel von Europa und der Kultur des Abendlandes. Dieser Kultur ist von Moskau der Kampf auf Tod und Leben angesagt. In Genf wurde sie durch die Aufnahme Sowjet- Judäas von ihren angeblichen Verteidigern schmäh­lich verraten. Europa, seine Existenz und Zukunft, wird heute vor allem anderen in Berlin geschützt. Wir sind der Ueberzeugung. wenn jede Nation in ihrer Form sich durch eine mutige Tat zu ihrer Pflicht gegenüber Vergangenheit und Zukunft be­kennt, daß dann auch die bolschewistische Gefahr noch in letzter Minute aebannt werden kann. Wir in Deutschland sind stolz, daß in unserem Füh­rer und in unserer Bewegung der Bolschewismus und verbrecherische Judentum ihren entscheidenden Gegner gefunden haben und wir geben das Ver­sprechen ab, daß diese zerstörenden Kräfte, solange wir und unsere Nachkommen leben, sich niemals mehr in Deutschland erheben werden!

Derparieitag im Echo derAusiandspresse

London, 10. Sept. (DNB.) Die Proklamation des Führers wird von den meisten Blättern aus­führlich veröffentlicht. Neben dem Dierjahresplan, der Deutschland von der Rohstoffeinfuhr unabhängig gig machen soll, richtet sich das Hauptaugenmerk auf die England besonders interessierenden Aeuße- rungen zu dem deutschen Recht auf Kolo­nien.Daily Telegraph", das diesem Rechtsanspruch mit den von englischer Seite schon häufig vorgebrachten Ausreden zu begegnen sucht, schreibt zu dem Vierjahresplan, das Ausland werde diese Zusammenfassung der Anstrengungen der deutschen Nation mit aller Freundschaft ver­folgen. Für die Nachbarn Deutschlands bringe der Gedanke Erleichterung, daß ein solches Programm für seinen Erfolg sowohl äußeren wie auch inneren Frieden benötige. Hitler habe gestern erneut den deutschen Wunsch nach Frieden be­kräftigt. In seinen Augen seien die militäri­schen Maßnahmen der letzten vier Jahre als Siche­rung gegen einen Angriff ergriffen worden. Ob­wohl die Außenwelt der Ansicht sein werde, daß Deutschland niemals Ursache für seine Befürchtun­gen gehabt habe (?), werde sie bereit sein, die Versicherung anzunehmen, daß das deutsche Volk keinen anderen Wunsch habe, als mit allen, die selbst den Frieden wünschten, in Frieden und in Freundschaft zu leben.

DieTime s" glaubt nicht freilich ohne für diese Negierung stichhaltige Unterlagen bringen zu können, daß für Deutschland die Möglichkeit, Rohstoffe in eigener Währung zu kaufen, ein wich­tiges Element der wirtschaftlichen Erholung sein werde. Im nächsten Satz jedoch gibt das Blatt selbst zu, daß die Rohstoffausfuhr aus den Mandats­gebieten gewisse wirtschaftliche Vorteile gewähre. Es müsse zugegeben werden, sagt es ferner, daß die Deutschen ihre früheren Kolonien, wenn sie sie jetzt

zurückerhalten würden, gründlicher als früher aus­nützen würden. Tatsächlich seien ausreichende Rohstoffe für alle Länder vorhanden, wenn die gegenwärtigen Einschränkungen der Be­wegung von Waren, Geld und Bevölkerungen be­seitigt würden. Für den deutschen Wunsch, Kolo­nienaus Prestigegründen" zu besitzen, könne zum mindesten ein Verständnis vorhanden sein. Trotz beträchtlichen Druckes im Parlament habe sich die britische Regierung nicht darauf festgelegt, diese Frage niemals mit Deutschland zu erörtern. Wie Eden im Juli mitgeteilt habe, hoffe die bri­tische Regierung, daß der Zugang zu den Kolonial­rohstoffen auf der bevorstehenden Völkerbundsver- sammluna erörtert werde. Eines Tages werde das Mandatssystem vielleicht weit ausgedehnt werden. Fürheute" ist dieTimes" jedoch noch nicht dafür.

pariser Vlatterstimmen.

Paris, 10. Sept. (DNB.) Die Pariser Presse unterstreicht die Angriffe gegen den Bolschewismus und Deutschlands Anspruch auf Kolonien,öeuvre" meint, es sei den ausländischen Mächten zu ver­stehen gegeben worden, daß der von Sir Samuel Hoare vorgeschlagene Plan einer Verteilung der Rohstoffe von der Reichsregierung als ungenü­gend angesehen werde. Französischerseits sei man der Ansicht, daß einer Rückgabe von Togo und Kamerun nichts entgegenstehe, wenn Deutschland im übrigen seinen Friedenswillen durch klare Garantien" bekunde. Frankreich werde jedoch gegenüber Deutschland nur in voll­kommener Uebereinftimmung mit England handeln. Die radikalsozialistischeEre Nouoelle" beeilt sich, trotz aller bisherigen Erfah­rungen Sowjetrußland in Schutz zu nehmen, wenn sie schreibt, Moskau sei es gewesen, das sei-

Der Fackelzug der politischen Leiter.

Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) Einen unge­mein stimmungsvollen Abschluß des dritten Tages des Parteitages der Ehre bildete der traditionelle Fackelzug der Politischen Leiter, der mit einem Vorbeimarsch vor dem Führer seinen Höhepunkt erreichte. Eine tiefgestaffelte Men­schenmenge umsäumte den langen Weg, den der Zug durch die Stadt nahm. Vor dem Deut­schen Hof aber, wo der Führer Aust'tellung genommen hatte, drängten sich Tausende und aber Tausende, so daß die Äbsperrmannschaften der SS. die größte Mühe hatten, den Ansturm der Men­schenmassen aufzuhalten. Das Bild, das sich am Deutschen Hof bietet, ist überaus reizvoll. Die alte Nürnberger Stadtmauer mit den viereckigen Spitz­giebeln der Wachtürme und das Germanische Mu­seum, das dem Deutschen Hof gegenüberliegt, strahlt im Licht der Scheinwerfer. Flutendes helles Licht übergießt die wundervollen Giebel des Museums und die angrenzenden altehrwürdigen Bürger­häuser, die sich plastisch gegen den tiefschwarzen Himmel abheben. Die satten roten Farben der lang herabfallenden Fahnen des Reiches und der grüne Schmuck bilden in ihrem Kontrast zur hellen Fas­

sade einen unbeschreiblich schönen Anblick. Der Bal­kon, auf dem der Führer den Vorbeimarsch der PO. abnimmt, ist ebenfalls mit Scheinwerfern an­gestrahlt. Vor dem Eingang des Gästehauses ist eine Ehrenwache der Leibstandarte Adolf Hitler auf­gezogen.

Gegen 21 Uhr ertönt aus der Ferne Marsch­musik, und rötlicher Fackelschein leuchtet gegen den Nachthimmel auf. Von jubelnden Heilrufen der wartenden Menschenmasse begrüßt, erscheint der Führer auf dem Balkon. Reichsorganisations- l"iter Dr. Ley erwartet vor dem Eingang des Gästehauses die PO. Im strammen Schritt nahen die ersten Marschkolonnen. Die Gaue Koblenz- Trier und Oberbayern bilden den Beginn des langen Zuges. An der Spitze der Gauleiter ober sein Stellvertreter zieht dann Gau für Gau an dem Führer vorüber, der dann mit erhobener Hand die Fahnenkolonnen grüßt. Wie ein leuchtendes Band zieht die schier endlose Kolonne von 30 000 Poli­tischen Leitern durch die historischen Straßen Nürn­bergs, ein herrlicher Auftakt zu der morgigen gro­ßen Heerschau der PO. auf der Zeppelin-Wiese.

nen Eintritt in den Völkerbund erwirkt und seither nicht aufgehört habe, an der Organisierung des Friedens und der Sicherheit zu arbeiten (!!).

Gin Wunder der Disziplin".

Die Pariser Blätter zum Aufmarsch des Arbeitsdienstes.

Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Blätter heben in ihren Berichten über den Aufmarsch der Arbeitsmänner in Nürnberg den überwältigenden Eindruck hervor, den diese diszipli­nierte und körperlich bewundernswerte Jugend ge­macht habe.Figaro" erklärt u. a., wenn er sest- stelle, daß der Aufmarsch der Arbeitsmänner fabel­haft und unglaublich gewesen sei, so würden diese armen, verbrauchten Worte kaum annähernd das wiedergeben, was er gesehen habe. Es habe sich um den außer gewöhnlich st en Anblick gehandelt, den man je haben könne. Die ganze Seele und der ganze Charakter des Nationalsozia­lismus habe darin gelegen. DerJour" spricht von einem Wunder der Disziplin und von einer f a ft übermenschlichen Schönheit, deren nur das deutsche Volk fähig sei.

Selbst der Sonderberichterstatter desPetit Journal", der gewöhnlich nicht sehr für national­sozialistische Kundgebungen eingenommen ist, muß zugeben, daß er noch nie eine derartige Begeisterung erlebt habe. Die Kundgebung habe einen geradezu königlichen Charak- t e r gehabt und der Eindruck sei von einer er« greifenden Größe gewesen. Der Sonder­berichterstatter desJournal" stellt fest, daß der Arbeitsdienst eine Gemeinschaft schaffe, die die ver­schiedensten Klassen miteinander verbinde, und den Geist der Kameradschaft und Disziplin entwickele. Diese ganze Jugend, die mit verbundenen Augen umhergeirrt sei, habe jetzt das nationale Gefühl wieder gefunden und stärke sich in dieser Schule der Nation in der Pflege deutscher Ueberlieferungen.

Moskau verbietet polnische Beteiligung an der Suche nach vermißtem polnischen Ballon.

Warschau, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach Nachrichten aus Moskau ist die Suche nach der vermißten Besatzung des polnischen BallonsL O P P" durch Sowjetflieger bisher ergebnislos verlaufen. Die Nachforschungen sollen am Freitag in größerem Umfange fort­gesetzt werden. An der Suche sind rund 20 sow­jetrussische Zivil- und Militärflugzeuge beteiligt. Die Beteiligung des polnischen Ballonführers Hauptmann P o m a s k i, des polnischen Militär­attaches in Moskau und des schweizeri­

schen Ballonfahrers Tilgenkamp an der Suche ist von den Sowjetbehörden nicht ge­stattet worden. Wie die Leitung der Gordon Bennet mitteilt, hat das polnische Kriegs- minifterium zusammen mit dem Verkehrs- minifterium beschlossen, eine Rettungsexpe­dition aus polnischen Verkehrsflugzeugen zur Suche nach den vermißten Ballonfahrern auszu­rüsten und alle Vorbereitungen hierfür getroffen. Die Sowjetbehörden haben jedoch ihre Zustimmung zur Beteiligung polnischer Flug­zeuge an der Suche nicht erteilt.

Wehrbeitraq in Oesterreich.

Wien, 10. Sept. (DNB.) Amtlich wird verlaut­bart:Die Bundesregierung hat ein Finanzgesetz, welches den Staatsvoranschlag für das Jahr 1937 beinhaltet, beschlossen. Es ergeben sich Ausgaben von etwas über 1980 Millionen Schil­ling und Einnahmen von etwa 1940 Millionen Schilling, somit ein Abgang von über 40 Millionen Schilling. Der Gesamtabgang einschließlich der In­vestitionen beträgt rund 58 Millionen Schilling. Er weist die gleiche Höhe auf wie jener im Vor­anschlag für das Jahr 1936. Mit den Ausgaben in der angegebenen Höhe ist auch für den Bedarf vorgesorgt, welcher sich für das kommende Jahr aus dem Ausbau der Wehrmacht infolge der Einführung der allgemeinen Bundesdienstpflicht er­gibt. Die bestehenden Spannungen in Europa haben auch Oesterreich gezwungen, den Ausbau der in ihrer Ausrüstung solange gehemmt gewesenen Wehrmacht in Angriff zu nehmen. Diese Ausrüstung belastet den Bundeshaus­halt mit beträchtlichen Mehrausgaben. Um die Bedürfnisse in anderen Zweigen der Verwaltung nicht allzu sehr verkürzen zu müssen, erscheint es naheliegend, auch d i e anderen im Bunde be­stehenden Gebietskörperschaften zu einer Beitrags­leistung zu dieser im allgemeinen staatlichen In-

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38. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Sie ließ sich von Antje die Anschrift geben. Dann sah sie ihre neue Freundin herzlich bittend an.Kann ich den Brief nicht behalten? Es ist seine Schrift, er hat das Papier in Händen ge­habt, es ist etwas von ihm." Sie war rot gewor­den und meinte nur noch leise:Ihnen kann das Schreiben doch nicht viel bedeuten ..."

Bitte, behalten Sie den Brief", bat Antje.

Sie trennten sich und verabredeten für den näch­sten Abend ein Zusammensein. Dann ging Mary Durham.

Sie fuhr in ihr Hotel und gab drei Telegramme auf. Nach Macao, nach Victoria und nach Kanton. Das vierte hatte ein nicht so sehr entferntes Ziel. Es ging nach Dundee, beruhigte die Eltern, bat aber in recht kategorischen Worten, die durch die Kürze nahezu scharf klangen, sie in ihren Hand­lungen nicht zu behelligen. Sie wisse sehr genau, was sie tun müsse.

Die Telegramme nach China schicken Sie mit bezahlter Rückantwort, Portier, vergessen Sie das nicht. Sonst antwortet niemand."

Wünschen Sie geweckt zu werden?"

Mary Durham zögerte. Dann sagte sie:Wenn Nachricht aus China kommen sollte, lassen Sie mich sofort wecken: Sonst in gar keinem Fall!"

Dundee wird eher antworten."

Dunde soll gar nicht antworten!"

Sie fuhr hinauf in ihr Zimmer. Eine bleierne Müdigkeit lag ihr in den Gliedern. Die Schlaf­wagennacht war doch nicht das Richtige gewesen. Sie wusch sich und kleidete sich zur Nacht um. Als sie lag und die Knöpfe der Schlafanzugjacke schlie­ßen wollte, fielen ihr die Augen zu und die Arme sanken herab. Gut, daß das Licht schon aus war. Sie schlief in derselben Minme ein.

Antje dagegen lag noch lange wach und konnte mit dem neuen Ereignis gar nicht zurechtkommen. Sie dachte an die drei Männer da in China, die in Not waren, vielleicht verwundet, ohne Pflege, und ihr Herz zog sich zusammen. Sie sah Rudolf Terbrügges Gesicht. Es war mit weißen Binden umwickelt und das Blut sickerte an den Schläfen doch durch. Aber er lächelte, er lächelte sie an. Du bist es, Antje...

Und Mr. Durham in Dundee schlief auch noch nicht. Er saß am Fernsprecher und telephonierte

zum dritten Mal mit Scotland Pard. Bis London hatte man Marys Spur nun glücklich gefunden. In London war das Mädchen verschwunden, unterge­taucht. Und da hieß es immer, Scotland Pard be­schatte jeden, den Geheimen von Scottland Pard entwische keiner. Verbrecher mochten sie ja manch­mal fassen, aber ein Mädchen, ein harmloses Ding, entkam ihnen! Herr Durham war äußerst unzu­frieden mit der Londoner Kriminalpolizei. Seme Gattin weinte. Das machte ihn nicht friedfertiger. Er schrie so laut in den Apparat, daß im ganzen Haus kein Mensch zur Ruhe kam in dieser Nacht.

15. Kapitel.

Auf dem steinernen Bürohaus der P. and O.- Company flatterte knatternd im Winde die bunte, oierfarbige Reedereiflagge. Die drei Deutschen tra­ten wieder auf die Straße.Kanton empfängt uns entschieden freundlich", sagte Hans Lorenzen. Die Engländer sind famose Kerle, findet ihr nicht auch? Es ist doch anständig, uns mit unserer Be­werbung sofort vorzumerken."

Es ist ein außerordentlich höflicher, schmerzloser Hinauswurf, Hans. Sie haben lediglich von Chine­sen gelernt. Man sagt in China nicht nein, man sagt: vielleicht. Inzwischen kann der Fragende ge­trost verhungern oder er findet etwas andres."

Das ist nicht wahr, Rudolf. Der Abteilungslei­ter hatte nicht nötig, so liebenswürdig mit uns zu reden."

Ich sage dir ja", beharrte Rudolf Terbrügge, skeptisch geworden in diesem Land,chinesischer Einfluß, falsche Höflichkeit. Ein ehrlichesAus- sichtslos, ©entfernen" wäre mir lieber gewesen und dienlicher. So laufen wir hier in Kanton herum, verbrauchen unsre letzten Groschen und hoffen grundlos, daß der nächste P. and O.-Dampfer uns Öen kann." Er lachte gutmütig.Du natürlich auf alles, was britisch ist. Ich kenne ja deine teure Braut nicht, Hans, aber ich denke manchmal, du könntest zur Not auch in Deutschland das Passende finden?"

John Schnakenbeck lachte leise. Aber Hans Lorenzen war nicht weiter gekränkt. Sie kannten sich schon viel zu gut. Er legte den Kopf schief. Wo die Liebe gerade hinfällt", meinte er.Die Engländer sind eine gute Rasse, Rudolf. Eine solche Blutauffrischung ist zu vertreten. Lieber wäre mir noch eine Schwedin gewesen, aber eine Schottländerin ist auch in Ordnung." Sonder - barerweise sprach er ganz ernsthaft.

Mary Lorenzen wird Kinder haben*, sagte er versonnen,viele Kinder, blonde Jungen, und sie werden deutsch sein."

Oder Engländer werden!"

Nein. Sie kriegen Großbritannien nur im Schulatlas zu sehen", sagte Hans Lorenzen, und jetzt lachte er endlich.Wie sollten sie da Briten werden!?"

Die beiden Freunde schwiegen.

Rudolf Terbrügge sah die Gastwirtschaft in Ham­burg vor sich, die blonde, runde Frau Schnaken­beck ... und er sagte beinahe mitleidsvoll:Du freust dich wohl nicht sehr auf ein Nachhause- fommen, John?"

John Schnakenbeck machte ein pfiffiges Gesicht. Doch", sagte er, aber ich würde in Hamburg nicht abmustern. Das ist es. Man muß Gast sein zu Hause und seltener Gast dazu. Dann ist es wun­derbar. Aber wenn du im Hause herumsitzt und deine Frau hat das Geld und sie zählt dir die

Grogs nach und du kannst ihr nicht einmal das

Geld dafür auf den Tisch werfen, das ist faul,

weißt du. Das mache ich niemals wieder."

Aber so ist das doch gar nicht, John" sagte

Hans Lorenzen.Jede Frau freut sich, wenn der Mann heimkommt; und wer das Geld hat, ist doch ganz belanglos. Hauptsache, daß überhaupt Geld vorhanden ist!"

Das denkst du, weil du noch nicht verheiratet warst", sagte John Schnakenbeck; er nickte einige Male vor sich hin wie zu sich selber, sagte aber nichts weiter.

Sie schritten durch die enge, winklige Neustadt, das Geschäftsviertel Kantons, und hier ereignete sich der Zusammenstoß. Es wimmelten so zahllose Chinesen auf den schmalen Straßen unter den lang herabhängenden Fahnenreklamen und Anpreisun­gen der Geschäfte umher, daß sie zuweilen beinahe in die Fensterauslage gedrückt wurden. Die Rick­schahläufer schrien, sausten im Trab vorbei und wurden plötzlich wieder von einem Menschenauf­lauf gebremst. Es war wie in Berlin mit den Autotaxen; man kam in den Geschäftszentren besser zu Fuß voran als im Wagen.

Auf dem Platz vor dem Kantonbahnhof prallten zwei schweißtriefende Rickschahläufer fast mit ihren Fahrzeugen zusammen. Der eine der Getragenen sah das Vergebliche ein und stieg aus. Er warf dem Läufer ein Geldstück zu, der Mann war zu­frieden. Als der vornehm Gekleidete in die Straße einbog, aus der die drei Deutschen auf den Platz wollten, stutzte er. Sein gelbes, breites Gesicht mit den unruhigen Augen wandte sich rasch ab, um nicht erkannt au werden. Er war gewillt, in ein Haus zu entwischen; aber es gelang nicht mehr. Sie erkannten ihn sogleich alle drei.

Hans Lorenzen tat einen raschen Satz nach vorn. Er streckte die Hand aus und erwischte den Chine­sen noch am weiten Rockärmel.Hallo!", rief er, Mr. Che Wong!"

Der Chinese blieb stehen. Er konnte nicht mehr entkommen. Er setzte ein hocherfreutes Lächeln auf. Ah, die Freunde von der langen Seefahrt", sagte er und wußte wohl selber nicht genau, was er da redete.Sie sind also in Kanton. Was machen Sie hier, geht es gut?"

Genau das wollten wir Sie fragen, Mr. Che Wong", lachte Hans Lorenzen. Die drei Deutschen standen mit freundlichen Gesichtern da. Mit vier Personen bildeten sie auf der schmalen Straße nun wirklich ein Verkehrshindernis. Che Wong nahm das zum Anlaß.

Kommen Sie hier herein, bat er.Lassen Sie uns eine Tasse Tee trinken und sehen, was zu tun ist." Er schritt voran; die drei folgten ihm gern. Mr. Che Wong wollte sehen, was zu tun war? Das ließ sich gut an.

In dem Raum, den die vier betraten, herrschte ein mattes Dämmerlicht. Es fiel vom Hof herein. Che Wong sprach mit einem Bediensteten, der sich tief vor ihm verneigte, und man ließ sie allein.

Ich glaubte. Sie seien Parteigänger des Gene­rals Wei", sagte John Schnakenbeck offenherzig; zugleich wollte er mit seinen fragend gebrachten Worten andeuten, daß ihm an der Stellung Che Wongs manches aufklärenswert erschien.

Der Chinese schrak zusammen. Er sah sich scheu um.Seien Sie still!", zischte er.Wie können Sie so etwas reden! Wissen sie nicht, wo wir uns be­finden? Jeder versteht hier Englisch, und die Wände haben Ohren." Er nahm sich zusammen und lächelte gleich darauf wieder.Ich kann mir den- fen, wie Sie hierhergekommen sind. Ader sagen Sie mir, weshalb blieben Sie nicht in Hongkong? Sie gedenken doch sicherlich nicht hierzublelben, sondern Sie wollen wieder mit einem Schiff nach Europa?"

Wir haben kein Geld, Passage zu belegen, Mr. Oche Wong. Infolgedessen müssen wir warten, bis ein Dampfer seine Mannschaft hier vervollständi­gen will. Das kann eine Weile dauern."

Sie waren zweifellos schon bei der P. and O- Linie? Die großen Schiffe fahren nur bis Whampoa. Hat man Sie dorthin geschickt? Waren Sie auf Ihrem Konsulat?"

Bei der Linie sind wir vorgemerkt. Auf dem Konsulat waren wir nicht."

(Fortsetzung folgt!)