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Dienstag, st. August 1936

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 186 Zweites Blatt

Aus der Provinzialhauptstadt

Das Haus im Straßenbild.

Wenn wir heute mit offenen Augen durch die Straßen irgendeiner deutschen Stadt gehen, so können wir schon im äußeren und alltäglichen Anzeichen die grundlegende Wende in Lebensgefühl und Lebens- Haltung unseres Volkes erkennen, wie sie sich in den vergangenen drei Jahren vollzoaen hat. Verschwun­den ist, dank den umfassenden Arbeitsbeschaffung^ maßnahmen, das offene oder getarnte Bettelunwesen. Die heimlichenSpielbanken" in den Parkanlagen oon ehedem haben sich infolge der nutzbaren Be­schäftigung des größten Teils der vordem Stel­lungslosen oon selbst und stillschweigend aufgelöst. Die wiederhergestellte Wehrhoheit des Reiches in Verbindung mit dem disziplinierten Bild der nativ- nalsozialistischen Formationen, hat dem Geiste der Mannhaftigkeit und der Selbstbehauptung wieder sichtbaren Ausdruck verschafft. Schließlich ist auch im privaten Bezirk jedes einzelnen oon der materiellen bis zur ideellen Lebenshaltung ein bewundernswerter Aufschwung zu verzeichnen. Diese und zahllose wei­tere Einzelheiten gehören gewissermaßen zum eiser­nen Bestand unseres täglichen Erlebens, und kein einzelner Volksgenosse wird darüber einer Belehrung bedürfen.

Run aber stehen wir in einem Sommer, der uns nicht allein für die Dauer der Olympischen Spiele, sondern mit Sicherheit auch noch darüber hinaus einen außergewöhnlichen Fremdenzustrom und einen noch kaum dagewesenen Reiseverkehr bringen wird. Und da fragt es sich, ob das sichtbare Bild unseres öffentlichen Lebens im neuen Deutschland heute be­reits allseitig abgerundet undgültig" ist, oder was zu jenen sichtbaren Aeußerungen unserer Lebens­haltung noch hinzugetan werden kann, um deren Wirkung weiterhin zu verstärken und zu vertiefen. Denn wir können uns darüber klar sein, daß alle jene Zeugnisse der Ordnung und des friedlichen Auf­bauwillens, aber auch die großzügigen staatlichen Unternehmungen unserer vielbewunderten und auch vielbeneideten Reichsautobahnen u. a. m. gerade in diesem Jahre zu sehr bedeutsamen Aktivposten unserer Fremdenverkehrswerbung werden. So gewinnt auch jede andere Möglichkeit, Deutschland zu einem schönen und beliebten Reiseziel der Welt zu gestalten, in den kommenden Monaten die höchste Bedeutung und die beüen Erfolgsaussichten.

Unter diesen zusätzlichen Möglichkeiten ist ganz wesentlich auch die ästhetische Gestaltung unserer Städte- und Straßenbilder zu zählen. Wenn heute bereits in vielen Teilen des Reiches der bauliche Formwille des neuen Deutschland durch großzügige und repräsentative Neuschöpfungen verkörpert wird, so erwächst darüber hinaus auch im privaten Wir­kungsbereich die verpflichtende Aufgabe, unsere Straßenbilder in ihrer Gesamtheit zu Zeugnissen unserer Schaffensfreude und unseres Schönheits­sinns auszugestalten. In dieser Hinsicht sind mit der vielseitigen Reinigung, Instandsetzung und Verschöne­rung öffentlicher Gebäude, aber auch mit mancherlei Anregung zur privaten Ausschmückung von Fenstern und Balkons wesentliche Aufgabenkreise bereits in Angriff genommen worden. Die umfangreichste und letztliche entscheidende Leistung in dieser Hinsicht muß ab 'r nach Lage der Dinge als eine Angelegenheit des privaten Haus- und Grundbesitzes erkannt werden: die weitgehend notwendige und unaufschiebbare Jn- standsetzungder Wohn - und Geschäfts­häuser.

Es war ein trauriges Erbteil unseres Neuauf­baues aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, daß der Zustand vieler Gebäude und ganzer Straßen­züge bis zur abstoßenden Häßlichkeit vernachlässigt und heruntergekommen war. Demgegenüber ist es heute an der Zeit, nicht allein aus aktuellen Grün­den und einmalig, die Schäden der Vergangenheit abzustellen, sondern auch ganz allgemein wieder den sachlichen Voraussetzungen für eine gediegene und zweckentsprechende Pflege aller bestehenden Sachwerte zur Beachtung und Innehaltung zu ver­helfen. Einer der wesentlichsten Verbündeten des Hauseigentümers in dieser Beziehung ist der Hand-

A Nationalsozialistische Knegsopser- ÄM Versorgung Ortsgruppe Gießen.

Kriegsopfer

Die Ortsgruppe führt am 23. August einen Aus- flug an den Rhein durch. Die Fahrt geht mit Sonüerzug gegen 8 Uhr vormittags ab Gießen und endet am gleichen Tage abends gegen 10 Uhr in Gießen. Als vorläufige Endstation gilt Nieder- l a h n st e i n, oon hier aus etwa 3'/r Stunden Dampferfahrt mit Besichtiaung schöner landschaft­licher Punkte, sodann in Koblenz gemeinsames Mittagessen. Besichtigung und Führung in Koblenz, Ehrenbreitstein usw. durch Kameraden der Orts­gruppe Koblenz.

Preis einschließlich Mittagessen, Besichtigung und Versicherung 6. Mark, Kinder unter 10 Jahren halber Fahrpreis, also einschließlich Mittagessen 3.50 Mark. Mitfahrende, die am gemeinsamen Essen nicht teilnehmen wollen, zahlen 5, bzw. Kinder 2,50 Mark.

Fahrt an den Khein.

Meldung und Anzahlung bis Dienstag, 11. Au­gust, nachmittags 6 Uhr auf der Geschäftsstelle Gießen, Bahnhofstraße 38.

Mitglieder, Freunde und Gönner unserer Orga­nisation sind zur Teilnahme an dieser Fahrt herz­lich eingeladen.

Der Ortsgruppenobmann.

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Abteilung Arbeitsbeschaffung.

Die D i e n st st u n d e n für Arbeitsbeschaffung der Ortsgruppe Gießen und der ihr angeschlossenen Stütz­punkte sind ab s o f o rtf nur Mittwochs von 15 bis 17 U t) r.

Der Ortsgruppenobmann.

Gießener Mlor-SS.bei der Kurheffen-Fahrt.

Gebiet ungleich höhere Jnstandsetzungs- oder Er» Neuerungsaufwendungen notwendig werden sollen.

Wenn sich somit in der malerischen Gestaltung unseres Straßenbildes öffentliche und private Inter« essen verbinden, so muß heute noch mit besonderem Nachdruck auf den Einsatz des gediegenen, leistungs- fähigen Handwerksmeisters Wert gelegt werden. Denn noch immer tauchen vereinzelt Klagen über dieHandwerker" auf, ohne daß sich der einzelne Auftraggeber manchmal über sein Mitverschulden an Verruß oder Schäden klar ist. Gerade im Hin­blick auf die heutigen Werkstoffe im Malerhand- werk, sowie auf die damit zusammenhängende Wandlung in der gesamten Anstrichtechnik wird nämlich nur ein erprobter Malermeister fach­gerechte Leistungen gewährleisten können, während ein in der Vergangenheit verhältnismäßig zahl­reich in den Beruf eingedrungenes Pfuschertum mit dem Stand der Dinge kaum noch Schritt zu halten vermag. Wie aber die Sachwerterhaltung als selbst­verständlicher Wunsch des Hauseigentümers bereits genannt werden konnte, so wird er auch ein An­recht auf gediegene und fachmännische Ausführung seiner Aufträge geltend machen wollen. Und hierbei findet er im Handwerksmeister nicht nur den hoch­wertigen Facharbeiter, sondern einen Verbündeten am gemeinsamen Werk der Verschönerung und der Werterhaltung, der ihm auch mit Rat und Tat und seinen Erfahrungen viel zu nützen vermag.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Zum ersten Male nahm der seit März dieses Jahres in Gießen liegende Nachrichtenzug der 2. SS.-Motor stand arte an einer mo­torsportlichen Veranstaltung teil und war mit fünf Fahrzeugen zum Start für die Kurhessen- Fahr t angetreten. Die Fahrt führte ins Mar­burger Hinterland, wo zehn Kontrollpunkte, die meistens nur auf schwierigen Wald- oder Feld­wegen zu erreichen waren, angefahren werden mußten. Die Veranstaltung dürfte wohl die schwie­rigste dieser Art, die dieses Jahr im Gau Hessen- Nassau stattfand, gewesen sein.

Es stellten sich dem Starter etwa 250 Fahrzeuge der verschiedensten Marken, und es aalt für die hiesigen SS -Männer, im edlen Wettstreit gegen ihre Kameraden vom NSKK. und der Wehrmacht zu bestehen. Um so erfreulicher ist die Tatsache, daß die Männer dieser jungen Formation gleich auf den ersten Anhieb eine silberne und eine bronzene Plakette mit nach Gießen brin­gen konnten.

Alle fünf gestarteten Fahrzeuge kamen glücklich wieder ans Ziel, so daß also der N Z. M o. 2 keinen Ausfall zu beklagen hatte. Der Seitenwagen­fahrer, SS.-Unterscharführer Menget und sein Beifahrer, SS.-Scharführer Klein, errangen sich eine silberne Plakette. Der SS.-Unterscharführer S ch u d t, der eine Solomaschine steuerte, konnte eine bronzene Plakette für sich holen. Diese Leistung ist besonders deshalb bemerkenswert, weil Schudt vier Kilometer vor dem Ziel Motorschaden hatte, und seine Maschine diese weite Strecke teilweise im Laufschritt schieben mußte.

Weniger glücklich war die SS.-Kübelwagenmann- schaft, die mit drei Fahrzeugen auf die Strecke ge­gangen war. Der erste Wagen war besetzt mit SS.- Unterscharführer Weichsel als Fahrer, und SS.- Mann Lenz als Beifahrer. Das zweite Fahrzeug steuerte SS.-Scharführer S ch ö l ch mit SS.-Schar­führer Nagel als Beifahrer, der dritte Wagen wurde gefahren von SS.-Oberscharführer Bern­hardt mit SS.-Rottenführer Menges als Bei­fahrer. Die drei Fahrzeuge, die als sogenannte Mannschaft gestartet wurden, waren während der Fahrt aufeinander angewiesen, denn sie konnten ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie geschlossen wie­der am Ziel ankamen. Während in der ersten Hälfte die Mannschaft ein auffallend gutes Ergebnis er­zielen konnte, blieb ihr am Ende die Erringung einer Plakette doch versagt, weil bei der Abfahrt vom Kontrollpunkt 2, in einem engen, schlammigen Hohlweg, zwei andere Fahrzeuge steckengeblieben waren und den drei Mannschaftswagen die Wei­terfahrt versperrten. Bis zur teilweisen Beseitigung dieses Hindernisses, die wenigstens die halsbreche­rische Abfahrt über einen steinigen Steilhang er­möglichte, ging aber viel Zeit verloren, so daß eine siegreiche Beendigung der Fahrt unmöglich wurde. Unverdrossen ging aber die Mannschaft erneut in den Kampf und konnte so für den NZ. Mo. 2 Gie­ßen immerhin den Achtungserfolg buchen, daß sie geschlossen und ohne jeden Schaden an Mann und Maschine das Zielband passierte.

Alles in allem ein sehr beachtlicher Erfolg für den jungen Nachrichtenzug der 2. SS. - Motor- Standarte! Sch.

werksmeister, der Dachdecker, der Klempner, der Zimmermann, der Maurer und vor allem der Maler.

Gerade im gegenwärtigen Zeitabschnitt verbinden sich somit die verschiedenartigsten Gesichtspunkte zu der dringenden und unerläßlichen Forderung nach dem Einsatz des Malerhandwerks für eine wür­dige und ansprechende Gestaltung unserer Häuserfronten. Es wurde schon angedeutet, daß dieser Aufgabenstellung nicht allein repräsentative" Zwecke zugrunde liegen, sondern daß sie zugleich den eigenen Interessen der Haus­besitzer entspricht. Denn ein Haus, von dem zu­nächst die Farbe abblättert, danach der Putz ver- mittert und abfällt, bis schließlich die Bausteine selbst unter Wind und Wetter zu leiden beginnen, ist bekanntlich nicht nur unschön, sondern über kurz | ober lang baufällig und damit entwertet. Dor die­

sem schwersten und schließlich unwiederbringlichen Verlust schützt den Hausbesitzer aber nur rechtzeitige Vorsorge und beständige Zusammenarbeit mit dem Handwerksmeister, besonders mit dem Maler, zu dem er Vertrauen hat.

Gerade in jüngster Zeit hat uns eine bemerkens­werte Schau im Haufe des deutschen Handwerks zu Berlin über die Funktionen deG Farbe als Schutz und Schmuck unterrichtet, wobei man gegenüber den Bildern von ärgster Verwüstung und baulicher Vernachlässigung zahlreiche Beispiele für eine zeitgerechte, geschmackvolle und malerische und auch zugleich werterhaltende Gestaltung der Häuserfronten zu sehen bekam. Und nicht nur Fassaden, auch Eingangstore, Fensterrahmen und Balkongitter u. a. m., erfordern eine regelmäßige und pflegliche Behandlung mit schützenden Farben, sofern nicht durch Vernachlässigungen auf diesem

Gloria-Palast, Seltersweg:Ein seltsamer Gast".

VeichSmütterdienst

im Deutschen Frauenwerk.

Von der Kreispressereferentin der NS.-Frauen» schäft wird uns geschrieben:

Ein neuer Lehrgang inGesundheits- und häus­licher Krankenpflege" wird in Gießen vom Reichs- mütterdienft am 17. August beginnen. Wie wichtig es ist, daß die Hausfrau und Mutter bei Krank­heitsfällen in der Familie sofort die richtigen Maß­nahmen trifft, daß sie weiß, wie bei Unglückssällen die erste Hilfe bis zum Eintreffen des Arztes zu leisten ist, das wird wohl jedem klar sein. Eine Frau muß alles können, besonders aber, wenn sie Mutter von einigen Kindern ist. Schwester Marie Becker wird hier den Lehrgang durchführen. Sie wird den Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen erzählen und sie durch praktische Hebungen in der Krankenpflege anleiten. Wie wertvoll ist es, zu lernen, wie das Bett des Kranken zu halten ist, wie eine Hausapotheke zusammengestellt wird, oder wie man ein krankes Kind im Bettchen hält und aufheiternd beschäftigt. Alle Frauen sollten sich nach und nach an diesen Kursen beteiligen, sie werden dann merken, weich' Nutzen und Segen von ihrem Können in der Familie ausgeht. Anmeldungen schriftlich oder mündlich an die Geschäftsstelle der NS.-Frauenschaft, Frankfurter Straße 1, oder an Frau Schön, Moltkestraße 22.

50 Jahre im Dienst der Bahn.

Am 10. August mar für den beim Reichsbahn- Maschinenamt Gießen beschäftigten technischen Reichsbahn-Sekretär Karl Textor ein Gedenktag, wie er nur wenigen im Dienste befindlichen Beam­ten befchieden ist: er feierte die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 50 Jahren in den Dienst der Eisenbahnverwaltung eintrat. An seinem festlich geschmückten Arbeitsplatz versammelten sich am Vormittag seine näheren Mitarbeiter vom Reichs­bahn-Maschinenamt Gießen, sowie die Vertreter der Beamten der zum Reichsbahn-Maschinenamt gehörenden Bahnbetriebswerke Gießen, Wetzlar, Dillenburg und Betzdorf. Der Vorstand des Reichsbahn-Maschinenamtes, Reichsbahnrat Nie­der st raßer, gedachte in einer kurzen Ansprache der treuen Dienste des Jubilars und überreichte ihm die Glückwunschschreiben des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, sowie des Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.; diesen Glück­wünschen schlossen sich alle Mitarbeiter vom Amt,

Heimkehr.

Von Max Oauihendey.

Ich erinnere mich noch eines Morgens, da ich mit meiner Frau in Paris wohnte, als zum erstenmal die Heimatsehnsucht in mir ausbrach. Es war an jenem Hochsommermorgen, an dem ich, früh auf- gestanden, allein durch mein stilles Stadtviertel zum Park Montsouris ging. Auf dem Hinweg beim Bronzedenkmal des mächtigen Löwen von Belfort war an einer Straßenecke in der frühen Morgen­stunde ein Geflügelmarkt. In Holzkäfigen einge­pfercht, steckten die Hähne und die Hennen ihre roten Kämme zwischen den Gitterstäbchen durch, und einige Hähne krähten im Sonnenschein. Beim Anblick und bei dem Geruch der Hühner und beim gewaltigen und doch melodischen Krähen der Hähne tauchten die Würzburger Heimatberge vor mir auf.

Und es war mir, als müßte um die Straßenecke der Weg nicht zum Park Monftouris, Indern zu jenem Gutshof führen, wo ich in meiner Kindheit mit meiner Mutter zusammen die ersten Hahnen­schreie gehört hatte, wo meine Mutter dann ge­storben war und mir die Mutter Erde als ihre Stellvertreterin hinterlassen hatte.

Dort in der Ferne bei den Hecken, dort bei Stein­bruch und Hügeln, am Kleeacker und am Kornfeld, wo ich als mutterloses Kind gewandert war, fehlte mir meine gestorbene Mutter nie.

Die warme Güte der Aecker, die immer am selben Fleck stillstehenden alten Säume, die nur ihren Schatten ein wenig wandern ließen, weiche taumelnde Schmetterlinge und summend arbeitende Bienen, gütig duftende Kräutlein, reisende kleine Erdbeeren und reifende Brombeeren, die Lerchen im blauen Himmel, die Finken und Ammern im Gebüsch, die Schnecken am Weg und die weißen Sommerwolken über den Baumkronen am Himmel, die Ameisen, die über meine Stiefelspitzen liefen, die knallende Peitsche des pflügenden Bauern, die wiehernden Pferde im Ackersie alle waren mit Liebkosungen der Mutter Erde. Sie roaren meinem Lebenssinn erquickend und festlich. 2m Sonnen­schein, im Regen, im Wind, im Gewitter, in allen Stunden und in allen Wandlungen aller Jahres­zeiten war es mir auf dem Heimatberg- ols hatte ich in allen Natureindrücken Hunderte von Muttern gefunden, die lieb und zutraulich mit mir plauder­ten, mit mir spielten, mich belehrten, mir die Zett vertrieben und mir Lebenslust gaben.

Uni) bei jenem Hahnenschrei, dem ich m Pans an '-'nem Morgen bei den hohen Weltstadthausern nachhorchte, riefen jetzt alle diese hundert Mutter

vom Heimatberg aus der Ferne her. Deutlich wie die Sonne in jenem Augenblick über Paris und Würzburg zugleich leuchtete, so deutlich sah ich durch jenen Hahnenschrei von Paris nach Würzburg, von meinen Mannesjahren zu meinen Jugendjahren zurück.

Und ein tiefes Heimweh wurde mir zum ersten- mal bewußt. Dieses Heimweh war schon lange irgendwo in meinem Dasein wie eine offene blu­tende Wunde gewesen. Es war mir, als hätte ich plötzlich Blut an meinen Fingern entdeckt und wüßte jetzt erst, daß ich verwundet war. Und ich erschrak. Seit jenem Hahnenschrei habe ich die Wunde des Heimwehs nie mehr aus den Augen gelassen.

Wenn ich jetzt morgens oder abends auf meinem Berg stehe, kann mir die Sonne keine entwurzelnde Sehnsucht mehr von Osten herbringen, und sie zieht meine Augen abends nicht nach Westen über un­bekannte Grenzen in die Leere fort. Ich bin zu­frieden, endlich in der Heimat angekommen zu sein.

Ich sehe gern in mich hinein, wie in einen Brun­nen, auf dessen Spiegel ganz unten das Bild der Sonne wie eine Mondscheibe tanzt. Unb neben ihr tanzen auch am Tage alle Sterne. Und ich kann in meinem Innern nicht mehr Tag und Nacht vonein­ander trennen. Es sind alle Zeiten und alle Räume in der Lebensseligkeit des Heimgekehrten.

Die Nachtstunde, die den Fluß unter meinen Fenstern lauter rauschen läßt, ist nicht dunkler als die Mittagsstunde, die die Glocken über der Stadt läuten läßt. Der Wintertag, der den Schnee ans Fenster treibt, ist dir nichl kälter als der Sommer­tag, der das Kornfeld gilbt, sobald du angekommen bist beim innersten Wesen aller Dinge bei der Schöpferkraft des Liebesgefühls, das die Krone aller Gefühle ist.

Du dachtest zum Beispiel, die Sonne scheintz und du und deine Geliebte, ihr möchtet in das Grüne unter die Bäume gehen. Aber es regnet iwi nächsten Augenblick, und, unter der Ture stehend, streckst du die Hand aus und fühlst die Regentropfen. Du weißt aber bald nicht mehr, daß du den Wunsch hattest, unter die Bäume zu gehen, weil die Wolken den Wunsch hatten, zu regnen, und die Sonne den Wunsch hatte, auszuruhen, und «eil du nichts Lieberes unter den Bäumen gesehen hattest als me Augen jener, die du liebst, und tne mit dir auf der Türschwelle steht.

Auq in Aug mit ihr quält dich nichts Und ihr laßt beide wunschlos den Regen fallen, denn keine I anderen Wege sind oon Wichtigkeit und von äußer­

stem Wert als der Weg von Blut zu blut bei zweien, die sich lieben.

Das Programm der Syndikat-Filme.

Das neue Syndikat-Film Programm umfaßt 23 Filme. Neben dem schon seit längerer Zeit in Arbeit befindlichenFridericus"-Film mit Otto Gebühr nach dem Roman Walter v. Molos, filmdichterisch geformt von Erich Kröhnke, wird Emil Jannings Bismarck gestalten und in einem weiteren Film mit dem TitelDer Herrscher" die Gestalt eines Jndustrieführers von Weltformat lebendig werden lassen. Paula Wessely wird in einem FilmDie Peppi" von einer Bauernmagd zur Gutsherrin und Gemahlin eines ungarischen Barons emporfteigen. Ein weiterer Film von Rang verspricht die Verfilmung des RomansPan" von Knut Hamsun zu werden. Gigli wird inAve Maria" mit Käthe von Nagy als Partnerin seinen Triumph inVergiß mein nicht" in den Schatten stellen, Kiepura wird sich wieder in aller Herzen fingen, Rudolf Forster wird dem Kathrin Holland- schen RomanMan spricht über Jacqueline" Relief verleihen, Ludwig ThomasMoral" wird ihre fil­mische Auferstehung erleben. Mit besonderem In­teresse darf man dem Journalistenfilm entgegen« sehen, da sich Syndikatfilm die Verfilmung des vreisgekrönten Manuskripts aus dem Journalisten- Wettbewerb sichern konnte, den die Reichspresfe- tammer zusammen mit der Tobis veranstaltete.

Lautsprecher

im Dienst der deutschen Polizei.

Bei den großen Menschenansammlungen, die sich jetzt im Reichssportfeld und bei den Aufführungen der Dielrich-Eckart-Bühne zusammendrängen, wurde das Publikum mit Überraschung gewahr, wie über die Plätze hinweg eine laute Stimme Anweisungen erteilte, welchen Weg es einzuschlagen hätte, um am schnellsten zum Ziele zll gelangen. Die deutsche Polizei bedient sich hier einer Lautsprecheranlage, die auf ihre Anregung entwickelt worden ist und die leicht zu transportieren und in wenigen Minu- ten betriebsbereit zu machen ist. Das neue Gerät besteht, wie in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" berichtet wird, aus drei Koffern. Da es aus eigenen Batterien gespeist wird, kann es über­all in Betrieb genommen werden. Eine 12-Dolt- Batterie macht einen lOstündigen Betrieb der An­lage möglich. So können von einer Leitstelle aus Mitteilungen auf Straßen und Plätzen an Men­schenansammlungen gerichtet werden. Durch einen

Sonderlautsprecher, in dem vier breitstrahlende Trichterlautsprecher zu einer Einheit zusammen­gefaßt find, ist es möglich, ein Gelände von etwa 250 Meter Tiefe und Breite mit guter Verständlich­keit zu besprechen. Die Anlage ist leicht zu bedienen und nimmt sehr wenig Platz weg.

Vorbildliche Menschenaffen -Station im Münchener Tierpark Hellabrunn.

Schon vor dem Weltkrieg unterhielt die Deutsche Akademie der Wissenschaften auf Teneriffa eine Menschenaffenstation. Es gab dort zwar nur sechs Schimpansen, während alle übrigen Arten von Menschenaffen fehlten. Der deutsche Gelehrte Pro­fessor Wolfgang Köhler konnte trotzdem auf die­ser Station Forschungsergebnisse erzielen, die der Tierpsychologie von größtem Nutzen waren. Unter den schwierigen Nachkriegsverhältnissen konnte die Station auf Tenerisfa leider nicht aufrechterhalten werden. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß nun­mehr im Münchener Tierpark Hellabrunn eine gleichartige Forschungsstätte erstanden ist. Die in Hufeisenform angelegte Menschenaffenstatton bietet 1000 Zuschauern auf einmal Platz. Jeder Besucher des Tierparks hat gegen geringe Sondergebühr Zutritt zu der einzigartigen Forschungsstätte, die die größte Menschenaffenstation Europas, wenn nicht der ganzen Welt, darstellt. Alle Räumlich­keiten sind ausnahmslos nach Süden gerichtet. Jede Affenfamilie hat darin ihre eigene Behausung, die aus Außen- und Jnnenraum sowie einem Schlaf­raum besteht. Dieser kann jederzeit gelüftet werden und enthält eine Verdunkelungseinrichtung, die es ermöglicht, den Bewohnern auch im Sommer eine lange Tropennacht vorzutäuschen. Durch Freiluft­käfige sind die Häuser und durch Glaswände mit Drahtgittern, zwischen denen der Futtergang ver­läuft, die einzelnenFamilien" voneinander ge­trennt. Die Affenkinder wurden zu einer Spiel­gruppe vereinigt und haben einen Spielsaal mit glasüberdachtem Außenbewegungsraum und unge­deckter Freianlage. Die für die Tiere konstruierten Turngeräte und Klettergerüste geben Gelegenheit zu ausreichender Körperbewegung. Die kleinen Affenfprößlinge werden von einer geschulten Wärte­rin betreut. Gegenwärtig tummeln sich bereits 34 Menschenaffen oon sechzehn verschiedenen Arten m den Anlagen. Orang-Utans von Sumatra und Borneo, Schimpansen aus Kamerun, vom Kongo verblüffen durch ihr verständiges Benehmen; sie tragen übrigens urmünchnerische Namen mie Seppi",Toni",Mariedl" oderBärbel.