Die Agrarkrisis in Dänemark.
Vor einem Produktionsstreik der dänischen Dauern.
Aarhus, 10. Aug. (DNB.) Die Vertreter der großen dänischen landwirtschaftlichen Organisationen „Landmaenens Samenslutning" (LS.) hielten in Aarhus eine Tagung ab, auf der beschlossen wurde, am Sonntag, 13. September, einen allgemeinen M i l ch st r e i k durchzuführen. Falls die Landleute dieser Parole im großen Umfange folgen sollten, will die Organisation der Regierung nochmals die Forderungen des LS. unterbreiten. Wenn diese Forderungen erneut abgelehnt werden sollten, will man voraussichtlich am 15. November einen allgemeinen Streik landwirtschaftlicher Erzeugnisse beginnen. Weiter wurde unter lebhafter Zustimmung vorgeschlagen, eine Bauernwehr in Stärke von 10000 Mann aufzustellen, deren Aufgabe es sein soll, die Gegner des Streiks am Streikbruch zu hindern und die Hauptstreikleitung von allen Begebenheiten zu unterrichten.
Die dänischen Bauern, die von der Not der Landwirtschaft in das radikale Lager getrieben sind, haben in den letzten Jahren wiederholt demonstriert; so auch dieses Jahr. Und wie bisher immer mit einem absolut unbefriedigenden Ergebnis. In diesem Jahr versuchten sie es mit einem Streik der Schwein elieferung, der völlig verpuffte. Nun ist das Problem recht ernst. Die Bauern Dänemarks (und Hollands) haben durch lange Jahrzehnte ein geradezu glänzendes Geschäft mit der Züchtung des englischen Frühstücks- schweins gemacht (Bacon). England war dafür der Markt. Und dank der Freihandelspolitik hatten sie billige Futtermittel zur Verfügung, die einen Schweinezuchtbetrieb in einem Außmaße erlaubten, daß man von „Schweinefarmern" oder „Schwe-ine- fabriken" sprechen hören konnte. Alle diese Vorteile
bestehen an sich noch heute weiter. Nur mit der Freihandelspolitik ist es zu Ende. England räumt seinen großen überseeischen Dominions Vorzugszölle ein, und die Regierungen Dänemarks und Hollands haben alle Mühe, ihren bisherigen Markt einigermaßen für ihre Bauern zu sichern. Dazu sind in den neuen baltischen Staaten auch neue Wettbewerber mit sehr billiger Arbeit und billigem Bodenland aufgetreten. Unter solchen Umständen ist es mißlich zu streiken. Doppelt mißlich, wenn im eigenen Lande die „Häusler" nicht dieselbe Politik treiben wie die „Bauern" und massenhaft Schweine in der Streikwoche anliefern. Die einstmals reichen dänischen und holländischen Bauern sind jetzt verschuldet und wissen mit den herkömmlichen Mitteln schlechthin überhaupt keinen Ausweg.
Die Weltwirtschaft, auf die sie bauten, ist eine wunderschöne Sache, sofern der große Zug der Weltwirtschaft nach oben geht; wenn es umgekehrt kommt, ist die Kehrseite minder erfreulich. Die Landwirtschaft eines Landes ist immer gefährdet, wenn sie sich selbst von fremden Marktoerhältnissen abhängig macht und darüber den elementaren und notwendigerweise durchaus vorwiegenden Zusammenhang mit dem eigenen Staat und der eigenen Volkswirtschaft verliert. Nebenbei gesagt hat besonders die Landwirtschaft im östlichen Norddeutschland dasselbe Exempel am eigenen Leibe erfahren: Uralte Berliner und Stettiner können noch erzählen, wie es war, als Ostelbien England mit Wolle versah, wie auf den damaligen Wollmärkten Schafbauern und Wollhändler ein ansehnliches Leben zu führen verstanden, und wie von der argentinischen und australischen Konkurrenz später der böseste Katzenjammer nachkam.
gkerungstruppen zusammengestoßen. Die Regierungstruppen hätten fliehen 'müssen. Bei der Rückkehr der Flüchtlinge nach Badojoz habe man sich hinter den alten Mauern zu verschanzen gesucht, die Stadteingänge seien mit Sandsäcken versperrt worden. Es sei dann in der Stadt zu blutigen Zwischenfällen gekommen. In den Kasernen hätten sich etwa 240 Mann Zivilgarde befunden, die entwaffnet worden waren. Ein Offizier der Marxisten mit zwei Maschinengewehren sei vor der Kaserne erschienen und habe erklärt, die Nationalisten befänden sich nur noch einige Kilometer von Badajoz. Daraufhin hätte die Zivilgarde aus Verstecken Waffen hervorgeholt und auf die Regierungstruppen das Feuer eröffnet. Von Balkons und Dächern fei auf die Regierungstruppen geschossen worden. Erst nach mehrstündigem blutigem Ringen hätten die Regierungstruppen in der Stadt wieder die Oberhand gewinnen können. Wo aus einem Haus auf sie geschossen worden sei, seien sämtliche Einwohner erschossen worden. Mit Panzerwagen seien die Regierungstruppen gegen die Kaserne vorgegangen. Gegen 10 Uhr früh sei auf dem Kasernendach die weiße Fahne gehißt worden, nachdem der Kommandant und 26 Mann in der Nacht den Tod gefunden hatten.
Erbitterte Kämpfe um Huesca.
Lissabon, 10. Aug. (DNB.) Die Stadt H u e s c a in Aragonien wurde von K o m m u n i - sten überfallen und besetzt. Den zum Einsatz herbeigeeilten nationalistischen Truppen unter Führung des Obersten La Vega soll es jedoch nach schweren Kämpfen und nach Herbeirufung weiterer Verstärkungen gelungen sein, die Stadt zurückzu- erobern. Die beiden Parteien hätten etwa 600 Tote und viele Verwundete zu beklagen. Der Sender Tetuan bestätigt die Einnahme von Santander durch die nationalistischen Truppen. Der Sender Burgos berichtet, daß eine nationalistische Abteilung, die zwischen Merida und Bajadoz gelegene Stadt M o n t i j o erobert habe.
Das Ziel
der nationalen Bewegung.
Eine Unterredung mit General Franco.
Lissabon, 10. Aug. (DNB.) General Franco erklärte einem Sonderberichterstatter des Lissaboner „Seculo" über die Ziele der Militärerhebung: „Unsere Bewegung ist militärisch und nationalistisch. Sie hat keinerlei Verbindung mit irgendwelchen politischen Gebilden. Unsere Aufgabe ist, Spanien vor dem Chaos zu retten, die Volkswirtschaft wieder aufzubauen und die Ordnung und die Achtung vor dem Leben der Mitmenschen und der Religion wiederherzustellen. Die Militärdiktatur soll nach Möglichkeit nur eine kurze Dauer haben. Die Verwaltung soll in die Hände von Fachleuten gelegt werden, nicht von Politikern." Weder die Flagge noch die Staatsform würden gewechselt werden- Spanien sei republikanisch und werde republikanisch bleiben. Was sich ändern werde, seien allein die inneren Zustände.
Die deutschen Opfer des Bürgerkrieges.
Berlin, 10. Aug. (DNB.) Wie aus einer Mitteilung der deutschen diplomatischen Vertretung in Spanien hervorgeht, sind bisher aus Madrid 1030, aus Barcelona 3100, insgesamt also 4130 Reichsdeutsche abtransportiert worden. Die Auslandsorganisation der NSDAP, teilt über die um ihres Deutschtumswillens Ermordeten noch folgendes mit: Die kleine siebenjährige Johanna I m- hoff, die in Santander ums Leben kam, ist die Tochter des Deutschen Willi Imhoff, der vor längerer Zeit nach Spanien übersiedelte. Auch er wurde» bei den Kämpfen schwer verwundet. Er verlor ein Auge, und es ist heute noch nicht sicher, ob er nicht überhaupt das Augenlicht einbüßen wird. Der Pg. Hans Hahn er stammt aus Mainz-Weisenau. Er war verheiratet und in Barcelona als Optiker tätig. Im
Alter von 26 Jahren mußte er bei den kommunistischen Ueberfällen sein Leben opfern, und zwar erreichte ihn die Kugel, als er, der in keiner Weise am Kampf beteiligt war, einem Verwundeten Hilfe bringen und ihn bergen wollte. Der 29jährige Pg. Wilhelm G a e t j e stammt aus Kiel. Als Kaufmann hatte er in Barcelona eine zweite Heimat gefunden. Nun haben die kommunistischen Horden seinem dreijährigen Kinde den Vater genommen. Zusammen mit den Volksgenossen Hofmeister, Swalmius-Dato und Treitz, die ebenfalls ermordet wurden, hatte er versucht, sich mit dem Kraftwagen nach Deutschland in Sicherheit zu bringen. Der 27jährige Pg. Helmuth H o f m e i st e r wurde in Rommerode bei Kassel geboren und ließ sich als Kaufmann in Barcelona nieder. Die Heimat von Pg. Swalmius-Dato ist Kassel, wo er 1910 geboren wurde. Als Kaufmann hatte er in Sevilla eine Existenz gefunden. Als die Wirrnisse einsetzten, glaubte er in Barcelona sicherer zu sein. Gerade dort erreichte ihn dann in einem Vorort die Kommunistenkugel.
Die Hilfsaktion der Flotte.
Zwei weitere deutsche Torpedoboote auf dem Wege nach Spanien.
Berlin, 10. Aug. (DNB.) Es hat sich als notwendig herausgestellt, zum Schutze der Deutschen in Spanien und zur Sicherung des Abtransportes der dortigen deutschen Volksgenossen zwei weitere Torpedoboote „Condor" und „M ö v e", zu entsenden.
Aus Madrid wurden bis zum Samstag etwa 600 deutsche Flüchtlinge unter dem Schutz des Panzerschiffes „Admiral Scheer" über den Hafen Alicante abtransportiert. Es befinden sich dort aber immer noch 1 2 0 0 bis 14 0 0 Deutsche, von denen etwa 300 aus wirtschaftlichen Gründen in der spanischen Hauptstadt verbleiben wollen. Bisher konnte der Abtransport nach Alicante mit der Eisenbahn und Flugzeugen der Lufthansa erfolgen. Nachdem aber die spanische Regierung diese Flugzeuge am Sonntag beschlag->
nahmt hat, muß vorerst auf dieses Hilfsmittel verzichtet werden. Aus Valencia mürber? unter dem Schutz des Torpedobootes „Leopard" 120 Flüchtlinge, darunter 93 Deutsche, auf den Dampfer „Palermo" nach Genua eingeschifft. Trotz Zuredens werden in Valencia etwa 30, in Malaga 10, in Almeria 14 und in Cartagena 62 Deutsche verbleiben. Sie werden ihren Rückhalt an den zur Zeit noch an den an der dortigen Küste stehenden deutschen Seestreitkräften haben.
An der Nordküste Spaniens liegt der Kreuzer „Köln" in Portugalete. Dort bzw. in Bilbao befinden sich noch etwa 15 0 Deutsche, für deren Abtransport der Dampfer „Bellona" zur Verfügung steht. Das Torpedoboot „Seeadler" liegt in Santander und wird am 11. August Gijon sowie einige kleinere Häfen anlaufen, um die Verbindung mit den noch dort verbliebenen Deutschen aufrechtzuerhalten. Die gleiche Aufgabe obliegt dem Torpedoboot „Albatros". An der Mittelmeerküste befinden sich Kriegsschiffe zur Zeit in folgenden Häfen: Panzerschiff „Deutschland" in Barcelona, Panzerschiff „Admiral Scheer" in Alicante, Torpedoboot „L e o p a r d" in Valencia, Torpedoboot „L u ch s" in Cartagena. Auch die im Anmarsch begriffenen Torpedoboote „C o n - d o r" und „M ö v e" sind ins Mittelmeer beordert worden.
Englands Aufrüstung.
BeschleunigteDurchführungdesFlottenbau- programms.
London, 11. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie „Daily Telegraph" berichtet, wird die Neuordnung und Verstärkung der britischen Flotte angesichts der beschleunigten Durchführung der Bauarbeiten auf sämtlichen Werften zu einem erheblich früheren Zeitpunkt durchgeführt sein, als ursprünglich angenommen wurde. Schon in naher Zukunft wird die britische Heimatflotte durch neun Zerstörer des Bauprogrammes 1935 und fünf neue Kreuzer mit einer Wafferverdrän-
Berliner Musikbrief.
Dietrich-Eckart-Bühne: Händels„Herakles". Ballett im Deutschen Opernhaus.
Im Rahmen des olympischen Kunstprogramms wurde nach E. W. Möllers „Frankenburger Würfelspiel" Händels „Herakles" aufgeführt, damit offenbarte die neue herrliche Freilichtbühne, ein wahres Wunder einer harmonischen Verbindung von Waldlandschaft und Kunstbau, weitere Möglichkeiten für die Entfaltung eines Bühnengeschehens, das in vielfach gegliederten Formen und Farben ausschwingen möchte. Man führte den „Herakles" nicht nur auf, weil fein Titelheld der Sage nach Begründer der Olympischen Spiele ist, sondern weil es einstweilen kaum ein zweites Werk gibt, das mit feinen großen, edlen Linien, mit der erhabenen Leidenschaft seines Ausdrucks, mit dem tänzerisch ausdeutbaren männlichen Rhythmus feiner Musik, vor allem aber mit seinen volksnahen Massenchören so den Bedingungen der neuen Bühne entgegenkommt. Händel hat den „Herakles", der doch unter der Flagge seiner Oratorien segelt — der Meister schrieb ihn im letzten Viertel seines Lebens, als er sich vom Opernschaffen bereits ganz hatte abwenden müssen — als „Musikdrama" bezeichnet. Und in der Tat: hier ist eine Tragödie der Eifersucht, durch die noch ein Hauch Shekespearischen Geistes zieht. Der Held geht durch das blinde Mißtrauen feiner Gattin Dejanira zugrunde, wird aber vom Scheiterhaufen in den Olymp erhoben. Mit der Fülle feiner von erzählenden Rezitativen eingeleiteten Charakterarien (darunter der gefangenen Prinzessin Joles Klagegesang auf ihren töten Vater, Herakles erschütternder Sterbemonolog und Deja- niras Reuebekenntnis, dann aber mit der antiken Größe rückschauender, betrachtender, tröstender Chöre (darunter der bukolische Freudengesang zur Begrüßung des heimgekehrten Helden, der aufrüttelnde Eifersuchtschor, der tanzbeschwingte Liebes- hymnus) steht die Musik dieses Werkes einsam in Händels Schaffen da, und sie ist zudem naturverbunden wie wenige andere.
Bei der szenischen Verwirklichung des „Herakles" mußte Hanns Niedecken-Gebhard, in der Geschichte der Händelerneuerung seit Jahren rühmlichst bekannt, gemäß den Bedingungen der neuen Bühne, die mit bisher unerprobten Entfernungen zwischen Schauplatz und Publikum, zwischen Sängern und Orchester, aber auch zwischen Szene und Beleuchtung rechnet, gleichfalls neue Wege gehen. Er schuf eine Folge von neun Bildern, deren Schauplatz bald unten, bald seitlich, bald oben im
Walde war, an einigen Höhepunkten aber auch das ganze Blickfeld erfüllte. Er ließ das Spiel der Einzelpersonen bewegungsmäßig in ihren Begleitern weiterschwingen, und der über tausend Sänger starke Chor, der, natürliche Fortsetzung der Zuschauer, die Bühne zu beiden Seiten groß einrahmte, fand sein Gegenspiel in einem 'Tanzchor, der in groß gegliedertem, weit gespanntem Rhythmus der Gruppen die Musik sinnfällig machte. Gerade hier ergaben sich im Zusammenklang von Beleuchtung und Farbe der Gewänder, von Bewegung und Musik die stärksten künstlerischen Eindrücke, so zu Anfang beim Freudentanz der Griechen, bei dem wahrhaft arkadisch anmutenden Liebesspiel im Hain, vor allem aber bei dem feierlichen Zuge mit der Leiche des Helden zur Waldeshöhe hinauf, wo man den Scheiterhaufen lodern sieht, endlich auch bei dem freudigen nach und nach die ganze Bühne bunt bevölkernden Schlußhymnus. Von erschütternder Bildhaftigkeit war auch Deja- niras Verzweiflungsausbruch, bei dem die Schattengestalten grimmiger Furien über die Bühne geisterten.
Neben diesen Leistungen einer wahrhaft schöpferischen Vewegungsregie, in deren Dienst hervorragende Tänzer und Tänzerinnen standen, verdient auch die von Professor Dr. Fritz Stein geleitete musikalische Ausführung durch Chöre, Orchester und Solisten wärmste Anerkennung. Die Schwierigkeiten, die verschiedenen, weither kommenden Klangströme einheitlich zusammenzuleiten und dem Zuhörer ein einheitliches (trotz Mikrophon und Lautsprecher unverzerrtes) Klangbild zu geben, waren riesengroß, aber sie wurden nach unendlich mühevollen Proben — trotz des noch nicht idealen Standes der Elektroakustik — überraschend gut überwunden. So war der Gesamteindruck der Aufführung des „Herakles" auf das Viertelhunderttausend der Anwesenden von erhabener Feierlichkeit.
Dr. Erwin Kroll. ♦
Das Deutsche Opernhaus, das ja mit der Staatsoper in schönem Wettstreit um eine neue Erfüllung des Theater-Tanzes ringt und in Rudolf Kölling einen ausgezeichneten Tanzspielleiter besitzt, bringt drei Ballett-Uraufführungen heraus: Richard Mohaupts „Gaunerstreiche der Courasch e". Mohaupt hat, nach Grimmelshausens Erzählungen aus dem Dreißigjährigen Kriege, eine Folge von fünf Szenen entworfen: die Soldaten-Dirne Courasche macht sich das Chaos dieses tollen Jahrhunderts zu Nutze und spielt mit ihrem Komplizen, der den schönen Na- .men Springinsfeld trägt, ihren dummen Mitmenschen einen Schabernack nach dem andern. Es sind
derbe Happen, die das Publikum da zu essen bekommt, und sein ansländigel Magen würde sie nicht vertragen, wenn Mohaupt nicht eine berauschende Musik geschrieben hätte und wenn Kölling — vom ersten Revolverschuß, der den Dor- bang kaputtknallt und den Scbauvlatz freiaibt, bis hin zu Springinsfelds schaurig-lustigem Maskentanz unter dem Galgen, dem er und die Courasche, noch dazu mit dicker Beute, entkommen, — nicht das Ganze leidenschaftlich und blendend präzis inszeniert hätte (im Bunde mit dem Bühnenbildner Paul Ha fern ng)! Ein hinreißendes Erempel von Ausgelassenheit, tänzerisch gemeistert, ist Liselotte Kösters Courasche.
Danach — kein größerer Gegensatz ist denkbar — eine Szene aus dem griechischen Sagenkreise: „Apollo und Daphn e". Die Musik hat Leo Spies geschrieben. Sebr persönlich begegnet Spies der Antike, aber es ergeben sich keine Widerspräche, es kommen klare Formen ewigen menschlichen Erlebens zustande. Und von dieser Musik geleitet, gelangen Daisy Spies als Daphne und Werner Stammer als Apollo zu Bewegungen, die das hart Gezierte der Ballett-Artistik fast ganz überwunden haben, die nur noch das Beschwingte, die leichte Darbietung aufweisen, im übrigen vollkommen frei sind zum Ausdruck jener „ewigen menschlichen Erlebnisse", die Spies anrührt. Wenn man den Tanz der Daisy Spies verfolgt, dann nimmt man etwas in sich auf von der herben Schönheit, von der innigen Zartheit griechischer Bildwerke: wie Daphne sich ihrer Mädchennatur in holder Unbewußtheit freut, wie sie angstvoll gegen den Mann ankämpft, wie sie ihm in demütiger Wehmut hörig ist, wie sie, von den Göttern erlöst, verklärt wird — und wie Apollo, der mensch-nahe Gott, auf diese Wandlungen eingeht, wie er von Begehrlichkeit und Zorn zu Verzicht und Anbetung kommt... das sind Gestaltungen, die ins Neuland der Theaterkunst gehören.
Im dritten Teil lebt köstlicher Alt-Berliner Humor vor uns auf, im Tanzspiel „Der Stra - lauer Fischzu g", das seiner eigentlichen Premiere schon von den „Internationalen Tanzwettspielen" vorweggenommen war, nun aber natürlich wiederum erweist, wie schmissig, witzig und einfallsreich die Musik von Leo Spies ist, zu welchen höchst ulkigen Szenen Rudolf Köll'ing im vorbildlich sicheren Ensemble Rolf Arco (als lustigen und listigen urberliner Familienpapa) Daisy Spies (frappierend, mit einem Mal humoristisch) als Köchin und jeden einzelnen unter den vielen anderen führt. Die Ausstattung (unter Theodor Hosemann Patenschaft) besorgte Paul Haferung. Dr. Johannes Günther.
gung von je 9000 Tonnen und einer Geschwind^ kett von 32 Knoten verstärkt werden. Die oeran. schlagte Bauzeit wird bei den Kreuzern um nicht weniger als sechs Monate verkürzt werden Diese' Schiffe sollen an die Stelle an zum Teil vev altete Fahrzeuge treten.
Das 2425 Tonnen große britische U - B o o t „X V, das größte U-Boot der englischen Flotte, dessen Baukosten sich auf über eine Million Pfund belaufen haben, soll nach einer Meldung des „New; Chronicle" verschrottet werden, weil es sich um eine Fehlkonstruktion handele, und da; Boot trotz der nach den Probefahrten vorgenom. menen Umbauten den Ansprüchen nicht genüge. Aß U-Boot sei es zu groß, und als Kreuzer entwickelt es eine zu geringe Geschwindigkeit.
Englisch-ägyptische Einigung.
Die Kapitulationen fallen.
Kairo, 10. Aug. (DNB.) Nun ist auch in de: dritten wichtigen Verhandlungsfrage, nämlich der der Kapitulationen, eine EinigHlg zwischen der englischen und den ägyptischen Vertretern erziel! worden. Es ist folgendes vereinbart worden:
Die finanziellen und j u r i st i s ch e n Ka pitulattonen werden sofort nach dem Abschluß de; englisch-ägyptischen Vertrages fallen. Die Be- fugnisse der Konsulargerichte gehen zum gleichen Zeitpunkt auf die gemischten Gerichte über. Eine internationale Konferenz der an dieser Frage interessierten Mächtr soll über die Abschaffung der gemischten Gerichte und die Dauer einer Übergangszeit beraten. Fall; diese Konferenz scheitert, hat Aegypten das Recht, die gemischten Gerichte mit einjähriger Vorankündigung aufzuheben. England wird seiner Einfluß bei den übrigen Mächten im Sinne Aegyp. tens geltend machen.
Diese Lösung der schwierigen Frage der Kapitulationen stellt für Aegypten einen Fortschritt gegenüber dem Vertragprojekt aus dem Jahre 1930 Dar. Es find auf beiden Seiten Zugeständnisse gemacht worden. Auf ägyptischer Seite hatte man bisher den Gedanken einer internationalen Konferenz abgelehnt. Die Einfügung der Klausel, daß die Konferenz vor Januar stattfinden soll, ist von der Aegyptern mit der Absicht durchgesetzt worden, auf jeden Fall die Frage der gemischten Gerichte vor der Verabschiedung des gesamten Vertrages durch die Parlamente zu regeln.
Die englische Regierung hat die ägyptische Abordnung eingeladen, zwischen dem 17. und 31. August zu den Hauptverhandlungen nach London zu kommen. Die ägyptische Delegation wiri sich nun in Stärke von 13 Mitgliedern und unter Führung von Nahas Pascha nächste Woche nach London begeben. Gleichzeitig wird der Ober- kommissar Sir Miles Lampson mit seinen Beratern nach England abreisen. Die Vereinbarung über die Kapitulationen wird am Mittwoch paraphiert werden.
Neue Verschwörung in Japan. Plan zur Ermordung des Kriegsrninisters aufgedeckt.
Tokio, 10. Aug. (DNB.) Die Agentur Domei berichtet, daß ein Plan zur Ermordung des Kriegs- ministers T e r s u ch i und des früheren Gouverneurs von Korea, U g a k i, aufgedeckt wurde. 3m Fukuoka wurde der 26jährige radikale Nationalist K u r o d a verhaftet. Er ist ein Schüler Oka- was, des Führers der berüchtigten BlutbrüSer- Verschwörung vom Jahre 1932. Kuroda faßte dem Mordplan nach der Verurteilung jener Offiziere, bie in den Aufstand vom 26. Februar dieses Jahres verwickelt gewesen waren, und nach dein von Terauchi durchgeführten weitreichenden Per-- sonalver Linderungen im japanischen Offizierskorps. Die Ermordung des früheren Gouverneurs von Korea, U g a k i, plante er aus Furchrt vor dessen Rückkehr nach Tokio, weil er glaubte, daß Ugaki für eine neue bedeutende p o = litische Rolle bestimmt sei. Unter den radikalen Nationalisten war Ugaki verhaßt, weil er als früherer Kriegsminister eine Verminderung des Heeres durchgeführt hatte. Die Untersuchung stellte
Gin seltsamer Gast.
Die Vorbedingung eines guten Kriminalfilms ist die richtige Atmosphäre. Das Leben und Treiben in einem Hotel dritten Ranges einer kleinen fron - zösischen Provinzstadt ist an sich schon amüsant genug als Folie für einen Kriminalfall, dessen Fäden aber auch in die große Welt der Aristokrat« und des reichen Bürgertums hinüberlaufen. Ein Kunsthändler wird am Verlobungstage seiner Tochter sehr peinlich daran erinnert, daß seine geschiedene Frau einem skrupellosen Erpresser in die Händie gefallen ist, der mit einem Skandal droht, wenn er micht Geld bekommt. Es gelingt ihm, angeblich als „Pfand" vom Schreibtisch des Kunsthändlers den Verlobungsschmuck der Tochter zu entwendens Als der Kunsthändler noch am gleichen Abend, während die Gäste des Verlobungssoupers sich be= reits versammeln, das verlangte Geld ins Hotel bringt, findet er seine geschiedene Frau tot vor, das Geschmeide in der Hand. Er nimmt es ihr ab und kommt noch rechtzeitig, um es seiner Tochter vor dem Souper wieder zuzustellen. Inzwischen ist die Tote aufgefunden, die Mordkommission erscheint Der Mann mit der schwarzen Pelerine ist der große Unbekannte, von mehreren Gästen beobachtet und von dem zweifelhaften Freund der Toten als der Kunsthändler entlarvt. Die Sache stände für ihn verzweifelt, wenn nicht das Hotel einen seltsamen Gast beherbergt hätte, der in der Masks eines Biedermannes auf der Jagd nach Motiveir für feine Kamera dem Verbrechen auf die Spur kommt und alles überraschend klärt. Wie, das wallen wir nicht verraten, denn unter der Regie Gerhard Lamprechts wickelt sich in dem interessanten Halbdunkel des schon geschilderten Hotel- milieus ein so spannendes Spiel ab, daß wir es den Besuchern des Gloria-Palastes nicht antun wollen, ihnen durch vorzeitiges Ausplaudern der Hauptpointe den Genuß zu schmälern. Nur soviel sei gesagt: der große Mann dieses Films ist Aribert Wäscher, von dem wir schon einmal eine ähnlich sauber ausgefeilte Charakterstudie als französischer Spitzel in „Der höhere Befehl" sahen. Von beir übrigen Ensemble seien Speelmanns und Abel genannt. Fritz Dbemar als ulkiger Onkel Theophil ist eine etwas lang ausgesponnene Einlage. — Iw Beiprogramm eine äußerst ulkige Persiflage aiti das Motto „Die Axt im Hause erspart den Zimmermann", schöne Bilder vom Jagdreiten des berühmten ostpreußischen Gestüts Trakehnen und in der Wochenschau neben dem ersten Bericht vom Bürgerkrieg in Spanien die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in einer großen Bild folge. —a.
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