Kanadas"
'.XV
irtschast auf neuen Wegen.
23on unserem I.K.-Verichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, Devoten!) Ottawa, im Juni 1936.
Riesige Weizenfelder, die weithin sich dehnen, fast unabsehbare Grasflächen, auf denen stattliche Viehherden weiden, sorgfältig gepflegte Obstkulturen, dichte Wälder, die dem Land einen erheblichen Holzreichtum sichern und Möglichkeiten zu ertragreicher Pelztierjagd bieten: das ist Kanada. Aber das ist zunächst nur die eine Seite dieses großen britischen Dominions, das Kanada der Farmer, deren Interessen in den westlichen landwirtschaftlichen Provinzen überwiegen. Daneben bestehen die nicht minder wichtigen Belange der Jndustriebezirke mit bedeutsamem Steinkohlenbergbau, einer Ausbeute an A s b e st, die 85 v. 5). der Weltproduktion ausmacht und einer Nickelgewinnung von neun Zehnteln der Welterzeugung.
So sind Kanadas Interessen als Teilhaber am Weltwirtschaftsverkehr vielfältig ausgerichtet und um so empfindlicher mußte naturgemäß das Land auf alle die Störungen sich äußern, die in den Krisenjahren den Welthandel auf ein Drittel seines Standes vom Jahre 1929 herabsinken ließen. Kanadas wirtschaftlicher Bestand und seine Blüte sind grundlegend bestimmt durch den Absatz seines landwirtschaftlichen Ueberschusses, nicht minder aber durch die Pflege der Ausfuhrmöglichkeiten für feine Industrie, deren Ertragsfähigkeit erst durch entsprechende Ausfuhrgewinne gesichert ist. Der Absatz von Jndustrieerzeugnissen war der zollmäßigen Absperrung Kanadas unter der konservativen Herrschaft weitgehend zum Opfer gefallen, und als im Herbst v. I. die Liberalen in erdrückender Mehrheit ins Parlament einzogen, war ihre Betrauung mit der Leitung der Staatsyeschäfte gleichbedeutend mit einer Revolution gegen die bisherigen Methoden.
Eine neue Politik wurde gefordert: Abbau der Zpllschranken und Verstärkung des Warenaustausches mit den beteiligten Ländern! Rur so, nur auf dem Wege über eine aktive Handelspolitik — machten die Liberalen geltend — kommen wir m einer wirksamen Bekämpfung der allzuhohen Arbeitslosenziffern, nur so kommt endlich wieder Schwung in die Wirtschaft und Geld in die Kassen der Provinzen und des Bundes. Mackenzie King, zum dritten Male Ministerpräsident des Landes, trotz seiner 61 Jahre ein mit dem nötigen Schneid ausgerüsteter Politiker, ging mit zuversichtlichem Vertrauen an seine Aufgabe. Er ist ein guter Redner und begeisterter Sportsmann, dem seine Reisen durch Deutschland Frankreich, die Schweiz und Italien einen entsprechenden Weit-
blick und seine früheren Ministerpräsidentschaften ein reiches Maß an Erfahrungen vermittelt haben. Sein erster Erfolg war die Gewinnung Dun- n i n g s für die Uebernahme des Finanzministeriums, der es bereits unter der letzten liberalen Regierung innegehabt hatte.
Mit der Vorlage des neuen Staatshaushaltes gibt nun, nach den ersten Monaten praktischer Arbeit im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit und Umsatzschrumpfung, der kanadische Fmanzminister einen Ueberblick über das seither Erreichte und einen Ausblick in die Zukunft. Das Ausmaß der erzielten Er- folge, aber auch der Umfang dessen, was noch zu tun bleibt, und mit nüchternen Ziffern belegt, die ein Bild von den Schwierigkeiten geben, die das Land zu überwinden haben wird. Bei rund 387 Millionen Dollar auf der Einahmen- und 509 Millionen auf der Ausgabenseite, verbleibt ein Unterschuß von 121,25 Millionen Dollar, das die Regie- rung auf unter 100 Millionen herabzudrücken entschlossen ist. Für die Steuerzahler bedeutet das eine Reihe neuer steuerlicher Belastungen, wozu noch die Schwierigkeiten treten, die stark unterschüssigen Haushalte verschiedener Provinzen ebenfalls irgendwie zum Ausgleich zu bringen. Die Bundesregierung hat in den langen Krisenjahren den Provinzverwaltungen weitgehend Kredite einräumen müssen, die nun die Provinzhaushalte und den Bundeshaushalt belasten. Dazu kommt die gespannte Lage der kanadischen Bundesbahnen und, als vielleicht schwierwiegendstes Merkmal, die immer noch beträchtlichen Aufwendungen an Arbeit s l o s e n u n t e r st ü tz u n g e n , die der Rückkehr zu normalen Verhältnissen im Wege stehen. So ergibt sich gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung der laufenden Ausgaben von 359,75 Millionen Dollar auf 374 Millionen, und es wird noch gewaltiger Anstrengungen bedürfen, ehe die kanadische Finanzrechnung ins Reine gebracht ist.
Vorläufig tröstet man sich mit den auf dem Gebiete der Handelspolitik erzielten Fortschritten. Unter der vorigen Regierung war, mit der weitgehenden Abschließung des kanadischen Marktes, die Ausfuhr von 503 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 232 Millionen Dollar im Jahre 1934 zusammengeschrumpft, was eine Minderung von mehr als die Hälfte bedeutet. Selbstverständlich verlor gleichzeitig Kanada infolge des Darniederliegens des gesamten Wirtschaftslebens den größten Teil seiner Aufnahmefähigkeit für fremde Erzeugnisse. Die Einfuhr aus USA. z. B., die 1929 Über 899 Millionen Dollar betragen hatte, ging bis zum Jahre 1934
auf 302 Millionen Dollar zurück: das ist eine A b • nähme um fast genau zwei Drittel. Seitdem ist, nach der Machtergreifung durch die Liberalen, das Steuer mit kühnem Ruck herumgerissen worden und Kanada hat sich zunächst mit Japan, Belgien und den Vereinigten Staa- t e n über gegenseitige Erleichterung des Warenaustausches in Verbindung gesetzt, wobei man dem großen Nachbarn USA. weitgehendes Entgegenkommen gezeigt hat. Das am 1. Januar in Kraft getretene Handelsabkommen räumte Amerika Zollermäßigungen auf 180 Zollpositionen ein. In 80 Fällen ist der Zollsatz modriger als er jemals von einem nichtbritischen Einfuhrland bezahlt wurde. Unter den so begünstigten Warengruppen befinden sich eine Reihe für die amerikanische Ausfuhr besonders wichtiger Erzeugnisse: Frischgemüse, Orangen und Weintrauben, Nüsse und Samen, landwirtschaftliche Maschinen, elektrische Artikel und zahlreiche Eisen- und Stahlwaren. Auf alle anderen Einfuhrwaren genießt USA. den Vorzugstarif der meistbegünstigten Nation und es hat außerdem wesentliche Zugeständnisse in Richtung einer wohlwollenden und großzügigen Handhabung der derzeitigen zollpolitischen Bestimmungen zugesagt erhalten. Im Austausch gegen die von ihm gewähr- ten Zugeständnisse sichert sich Kanada seinerseits entsprechende wesentliche Erleichterungen für seine Ausfuhr nach Amerika, dem bei der unmittelbaren Nachbarschaft der beiden Länder eine besondere Bedeutung zukommt. Die gleiche Politik der Zollermäßigungen ist Großbritannien gegenüber angewandt worden, das auf 104 Positionen ermäßigte Sätze zugestanden erhalten hat (gegenüber 12 geringfügigen Erhöhungen).
Finanzminister Dunning hat in seinem jüngsten Rechenschaftsbericht wissen lassen, daß Kanada auf diesen neuen Wegen, die es eingeschlaqen hat, entschlossen fortschreiten will. An Anzeichen für eine Belebung des Ausfuhrgeschäfts fehlt es nicht: die Ausfuhr nach England z. B. stellte sich in den ersten elf Monaten des abgeschlossenen Steuerjahres auf 58,6 Millionen Pfund gegenüber 50,7 Millionen für die gleiche Zeit im Vorjahre (bei einer gleichzeitigen Steigerung der Einfuhren von 20,1 auf 21,6 Millionen Pfund). Auch mit anderen Ländern des britischen Mutterlandes zeigt der Warenaustausch eine steigende Tendenz. Insgesamt schließt in dem am 31. März beendeten Steuerjahr der kanadische Außenhandel mit 3,355 Milliarden gegenüber 2,975 Milliarden Mark im Vorjahre ab, eine Steigerung von 12 v. H.
Das ist immerhin ein Anfang und ein Ansporn.
Außer dem für die nächste Zeit vorgesehenen offiziellen Besuch Roosevelts in Ottawa sind weitere Wirtschaftsverhandlungen mit anderen Staaten in Aussicht genommen. Noch bleibt e'in weiter Weg zurückzulegen in dem Bemühen, Han
del und Industrie aus dem Tiefstand der letzten Jahre herauszuführen zu neuer Blüte. Es ist aber schon viel gewonnen, wenn das Ziel klar umrif. fen ist und man weiß, welcher Veg beschritten wer. den soll.
Kommunistenführer zumTodeverurteilt
Hamburg, 10. Juli. (DNB.) In dem seit meh. reren Wochen verhandelten Prozeß gegen den ehe» maligen Gauführer des Rotfrontkämpfer, b u n d e s Edgar Andre vor dem Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts wurde am Frei- tagvormittag das Urteil gefällt. Andre wurde we- gen Vorbereitung des Hochverrats in Tateinheit mit gemeinschaftlichem vollendetem Mord in einem Fall, gemeinschaftlichen, vers achten Mord in sechs Fällen, sowie Landesfrie-
Hakenkreuzfahnen heraus zum Gaulag heffen-Naffauk
densbruch und Aufruhr, und zwar in bei- den Fällen als Rädelsführer, ferner in Tateinheit mit gemeinschaftlichem versuchten Mord in drei Fällen, Landesfriedensbruch und Aufruhr, und zwar in beiden Fällen als Rädelsführer, zum Tode verurteilt. Dem Angeklagten werden die burger- lichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt. Die bei dem Angeklagten beschlagnahmten Schriften, Bücher und Broschüren wurden eingezogen. Der An- geklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
An der Südseite eines über der Nordsee liegen- den Tiefdruckwirbels kam es heute morgen wiederum zu einem Vorstoß feuchterer Luftmassen, die in Südwestdeutschland zu landregenartigen Niederschlägen führten. Dach wird sich aber wieder frischere Meeresluft durchsetzen, so daß bei zeitweiser Aufheiterung wieder Schauerwetter einsetzen wird.
Aussichten für Sonntag: Veränderlich bewölkt mit zeitweiser Aufheiterung, noch einzelne Schauer, Temperaturen wenig geändert, um West schwankende Winde.
Aussichten für Montag: Fortdauer der nicht niederschlagsfreien Witterung.
Lufttemperaturen am 10. Juli: mittags 20,5 Grad Celsius, abends 15,3 Grad; am 11. Juli: morgens 12,9 Grad. Maximum 21 Grad, Minimum heute nacht 10,5 Grad. — Erdtemveraturen in 10 cm Tiefe am 10. Juli: abends 19,9 Grad; am 11. Juli: morgens 16,6 Grad. — Sonnenscheindauer 6,9 Stunden.
7—IM—s——I ■ w—wMT1 l™™ I ■■IHIIMMIW
VEXTTt-OEWt- BLM sw. 19
Selenic
ca. 70 cm breit, sehr gute Qualität, in großem Sortiment.. "-85
Deutsch-Moussellne
ca. 80 cm breit, beliebt für praktische Kleider, viele neue Muster
1.45 1.25 -.95
Dirndlstoffe
sehr vielseitige Ausmusterung, neueste Drucke
1.45 1.25 1.10 -.95 -.85
WoHmousseiine 80 cm breit, tür praktische Sommer - Kleider 1.95 1.65 1.45 1.25
Wasch-Cloqu6 438?a
ca. 70 cm breit,
neue schöne Farben.. .... 1,45
Selenic-Noppen ca. 70 cm breit, neue geschmackvolle Musterungen 2.25 1.95 1.65
Hanna Tholl Heinrich Kratz geben ihre Verlobung bekannt
Kahla in Thüringen Gießen, z. Z. Braunfels
im Juli 1936
03146
Ihre Vermählung geben bekannt
Wilhelm Menk, Studienassessor
Armgard Menk, geb. ^oh
Gießen, Lruchstraße 5 Eberstadl bei Darmstadl
11. 3u(i 1936
03142
Zhre Vermählung geben bekannt
Leopold Erb und Frau Else, geb. Ellermeier
Gießen (Teufelslustgärtchen 14),den ll.Iuli 1936
03158
Statt Karten!
Eduard Wenzel Ella Wenzel, geb. Jung geben ihre Vermählung bekannt
Lützellinden Klein-Linden
1936
03141
Ihre Verlobung geben bekannt
Elfriede Schneider
Karl Oahmer
Dutenhofen Gießen, Vleichstraße 15
13. Juli 1936
03171
Immen-4“ AlllliMch abzugeb. Bestell. erb.wirv.Postk. DampSsägewerk Lollar B Nuhn A. 6., Lollar RMJÖOÖÖ gegen erstklassige Sicherheit und pünktliche Zinszahlung gesucht. Schr. Ang. unt. 03181 a.d.G.A.
Mobd:
SÄfRÄU
BRANDPLÄTZ
Schlafzimmer mit 1 a Java-Kapok
prompt lieferbar 4435A
Unsere 10 Schaufenster sind abends beleuchtet
Trohe
Sonntag, 12., u. Montag, 13. Juli Siemes im Vuvgkettev
Es laden herzlichst ein 43aeD DleBmtmen. MlWivarzwive. Gasthaus zur deutschen Eiche Klein-Linden
Sonntag, den 12. Juli
TANZ
Anfang 4 Uhr 4432D Es ladet ein Franz Rathenow
Der Kenner trinkt nach wie vor unsere Hausmarke:
34er Gau-Odernheimer
Fuchsloch, Natur... . Glas 0.30 RM. einschl. Steuer und Bedienung 03121
Hotel Hopfeld • Gießen
Motorradrennen
Rund um Schotten
am 19. Juli 1936
Zuslvlmerklirte 1.10 Hin. - im Vorverkauf 0.85 Hm.
Kartenvorverkauf: 44oev
Germer & Wagner, Neuenweg 50
WIESECK
Sonntag, den 12. Juli 1936
•TANZe
»Zum kühlen Grund«
Adolf Schepers 4385D
Mel-Brennholz
(Anfeuerholz)
gibt laufend ab 44390
IlWWemen MMern
Ludwig Kröck Telefon 3580.
UHMeiteD
von Möbeln all. Art sowie sämtl. Schreinerarbeit, führt zu niedrig. Preisen aus.
Döring, Rodheimer
Str. 40H. [03195
Zirka 300 Meter
Urteteil
an d. Lahn zum Herbst gesucht. Schr. Ang. unt. 03170 a.d.G.A.
bringt zur höchsten Reife Pflege mit
Zu haben in allen Fachgeschäften, bestimmt bei 4393V
Viktoria-Drogerie E. Guth Central-Drogerie E. Karn Germania- Drogerie C. Seibel
Parfümerie Hermann Plank
Seil-n. Gesichts- Massage Fran h. Lorenz, staatl. geprütt, Schiffenb. Weg 11, Ruf 3797. ^.d Komme ins Haus.
Druckschriften
In gefalzten Bogen In Heftform und gebunden klar In der Schrift, übersichtlich angeordnet und sorgfältig gedruckt, dienen den Belangen von Handel u nd Verkehr. Industrie und Gewerbe. Behörden. Landwirtschaft und Vereinigungen. Lieferung schnell.gut und preiswert durch Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7, Ruf 2251
Am Sonntag, dem 19. Juli, ab 15 Uhr
auf der Burg Gleiberg
Gleibergfeft
ZU dem hiermit unsere Mitglieder sowie die übrige Bevölkerung inStadt und Land freundlich eingeladen wird. 4388D ________________Der Gleibergverein.
Diese 3 wesentlichen Eigenschaften der guten Geschmackvoll _ ... _ , ,
vornehm Famihen-Drucksache
Persönlich bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aus- führungearten schnell und zu mUBIgen Preisen
Brühl’sche Druckerei. SchulstraBe 7. Anruf 2251
?!E»$cEuNU. BUSCH NÜRNBERG
GIESSEN, FESTHALLEPLATZ Ein herrlicher Circus! Wirklich einmal ein Programm, wie man es sonst niemals schaut Das war das einstimmige Urteil der begeisterten Besucher vom gestrigen Abend. Ein jeder möge sich beeilen, seine Karten zu einer der wenigen Vorstellungen zu besorgen!
Täglich nachm. 3 und abends 8 Uhr:
Das größte Circusprogramm aller Zeiten Ferner in einer jeden Vorstellung die in Gießen bisher nie gezeigte sensationelle und phantastisch schöne
Wasserpantomime „Durch Feuer und Eis.“ 200 Mitwirkende, mit herrlichen Lichteffekten und Ausstattungen, 500000 LiterWasser in lichtüberfüllter Manege. Das Circuswunder des Jahrhunderts! Erwerbs!.. Schwerkriegsbeschädigte, Kinder us w. die üblichen Erm äßigungen. — Auswärtige Besucher bitte Sonntagsrückfahrkarten benutzen! Eigener Auto-, Motor-und Fahrradstand unter Garantie.
Auch zu empfehlen: Ab 9 Uhr vorm. täglich: Große Tier- und Völkerschau mit lebenswahren Vorführungen im Abessinierdorf.
Circus J. Busch besuchen heißt: Deutschlands vollkommensten Clrcns gesehen in habenI


