Hat poinwre den Weltkrieg verhindern wollen?
Von profeffor Gustav Wolost.
Unter den Führern der Entente hat P o i n c a r d sich stets als unversöhnlichster Feind Deutschlands gesuhlt und gezeigt. Wie Clsmenceau ersehnte er jahrzehntelang die Revanche; beide waren am Versailler Diktat in erster Reihe beteiligt, und wenn sie auch taktisch oft auseinandergingen, ihr Endzweck war doch derselbe: Elsaß-Lothringen zu erobern und wo möglich Deutschland durch Beschränkung auf das rechte Rheinufer und durch Zerstückelung in dauernd« Ohnmacht zu werfen. Daß ein folches Ziel nicht ohne Krieg zu erreichen war, leuchtet ein; beide, insbesondere P o i n c a r 6, der zur Zeit des Kriegsausbruches Präsident der Re. publik war und an der auswärtigen Politik entscheidenden Anteil nahm, haben daher stets als Haupturheber des Weltkriegs gegolten. Selbst in Frankreich haben tapfere Gelehrte wie De mar- ti al und Gör in den unpopulären Gedanken vertreten, daß Poincarö in den entscheidenden Juli- tagen 1914 die serbisch-russische Kriegslust nicht zu beruhigen, sondern anzufeuern bemüht gewesen ist.
Trotzdem hat vor kurzem ein schon als politischer Schriftsteller bekannter Franzose, der namentlich die für die Entstehung des Krieges so wichtigen Balkanfragen studiert hat, Henri P o z z i, den Versuch unternommen, Poincarö von der Mitschuld am Ausbruch des Weltkrieges freizusprechen. Der Versuch verdient Beachtung, weil Pozzi die Verteidigung nicht in der in Frankreich üblichen Weise, die Schuld ausschließlich auf die Mittelmächte abzuwälzen, führt, sondern die Schuld am Weltkrieg in erster Linie Rußland zur Last legt. Rußlands orientalische Eroberungspläne, sagt er, waren der Anlaß zum Kriege, der Petersburger Regierung fällt daher die Verantwortung für all das Elend, das die Welt seit 1914 erlebt hat, zu.
Run wird man sofort einwerfen, in diesem Falle muß doch Frankreich, seit 1891 der Verbündete des Zarenreiches, die Schuld teilen, zumal es in den Balkankrisen seit 1912, aus denen der Weltkrieg hervorgegangen ist, stets mit Rußland zusammengegangen ist. Aber Pozzi erwiderte: Frankreich rst von Rußland über seine wahren Ziele getäuscht worden. Im tiefsten Geheimnis, ohne Dorwissen Frankreichs, hat Rußland im März 1912 ein Bündnis zwischen Serbien und Bulgarien gegen die Pforte zustandegebracht, um zu gelegener Zeit einen Krieg am Balkan Hervorrufen zu können, der ihm den erwünschten Anlaß zur Eroberung Konstantinopels geben sollte. Als Poincarö, damals Minister des Auswärtigen, im August 1912 von diesen Machenschaften erfuhr, hat er sie scharf als Kriegsvorbereitungen getadelt und gedroht, in einem solchen Balkankriege neutral zu bleiben, selbst wenn Oesterreich Rußland angriffe, da die Bündnispflicht Frankreichs sich nicht auf einen solchen Fall erstrecke. Diese Mahnungen Poincarös sind nicht ohne Wirkung geblieben; Sasonoff, der Leiter der russischen Politik, hat sich seitdem bemüht, die Balkanstaaten vom Angriff auf die Türken abzuhalten, allerdings vergeblich, da die Serben und Bulgaren bereits zu stark von kriegerischer Leidenschaft ergriffen waren.
Dies Bild ist gründlich verzeichnet. Von einer Unkenntnis der letzten russischen Ziele kann keine Rede sein. Der feste Pol in der russischen Politik, schrieb z. B. der französische Botschafter Bompard an Poincarö im Frühjahr 1912, sei die Türkenfeindschaft. Sasonoff suche die Pforte zu schwächen, um die Erfüllung der traditionellen Wünsche — Eroberung Konstantinopels und der Dardanellen — vorzubereiten, und er scheue sich nicht, zu diesem Zwecke den Frieden Europas in Gefahr zu bringen. Nur einstweilen, solange die russischen Rüstungen noch nicht vollendet seien, vertrete Rußland die Erhaltung des bestehenden Zustandes im Orient. Eine Bestätigung dieser Anschauung brachte der französischen Regierung der bulgarisch-serbische Geheimbund vom März 1912, der ebensowenig wie die russische Mitwirkung dabei vor Poincarä verborgen geblieben ist. Die wesentlichen Bestimmungen des Bundes find ihm vielmehr unmittelbar nach dem Abschluß von Sasonoff mitgeteilt worden, und er schloß daraus, wie wir
aus seiner diplomatischen Korrespondenz ersehen, daß die Serben und Bulgaren sich jetzt zur Eroberung mazedonischer, vielleicht sogar österreichisch- ungarischer Landschaften anschicken würden. Ja, der russische Gesandte in Sofia sprach seinem französischen Kollegen ohne Scheu von dem bevorstehenden Angriff auf die Pforte; Rußland werde die Balkanstaaten schützen, wenn Oesterreich ihnen etwa Halt gebieten wolle. Aufs deutlichste war damit die mit den Balkandingen verbundene europäische Kriegsgefahr den Franzosen vor Augen geführt worden.
Es ist nun bezeichnend, wie sich P o i n c a r e diesen Ereignissen gegenüber verhalten hat. Die französische Orientpolitik war grundsätzlich der russischen entgegengesetzt: nicht die Auflösung des türkischen Reiches erstrebte sie, sondern seine Erhaltung und Kräftigung. Der Gedanke, daß die hochwichtigen wirtschaftlichen Unternehmungen Frankreichs am Balkan, in Kleinasien und Syrien ohne eine kräftige türkische Regierung nicht gedeihen könnten, kehrt in den Erörterungen zwischen dem Ministerium des Auswärtigen und den Botschaften häufig wieder. Aber es gab etwas, das für P o i n c a r e noch wichtiger war als die orientalischen Beziehungen, und er ließ die Russen nicht im Unklaren, daß er unter Umständen bereit sei, die konservative Orientpolitik preiszugeben. Als während jener Balkanvorbereitungen hinter den Kulissen die russische Regierung in Paris anfragte, welche Hilfe sie zu erwarten habe, wenn sie durch irgend welche Umstände zur Intervention im Orient gezwungen sei, antwortete er: „Nur ein großes nationales Interesse wie eine Neuregelung der Frage, die seit 1870 Deutschland und Frankreich trennt, würde erheblich genug sein, um in den Augen des französischen Volkes Verpflichtungen für eine militärische Aktion zu techtfertigen, in welche die Großmächte hineingerissen werden könnten und in der infolgedessen unsere Anstrengung zur höchsten Intensität gebracht werden müßte." Das war deutlich genug. Wenn Aussicht bestand, im Anschluß an eine orientalische Verwicklung einen siegreichen KrieggeaenDeutschlandzu führen, war er bereit, Rußland mit allen Kräften au unterstützen und Frankreichs orientalische Interessen aufs Spiel zu setzen. Kurz darauf, im Herbst 1912, als die Balkanstaaten die Pforte geschlagen hatten, und die Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen Oesterreich und Rußland näher rückte, hat er diese Zusicherung wiederholt und der Hoffnung auf Sieg in einem europäischen Kriege Ausdruck gegeben, weil jetzt erhebliche österreichische Truppen durch Serbien und Bulgarien gefesselt würden. Die Revanche stand ihm eben höher als d e r Orient und die Aufrechterhaltung des Friedens. Da er damit rechnete, daß Rußland früher oder spater einen europäischen Krieg zur Eroberung Konstantinopels provozieren werde, hat er sich unausgesetzt bemüht, günstige militärische Bedingungen hierfür zu schaffen: immer wieder hat er den Bau strategischer Eisenbahnen in den west- russischen Provinzen verlangt und französische Anleihen dafür durchsetzen helfen. Gerade in den Tagen, da er — nach Pozzi — Sasonoff friedliche Mahnungen hat zuteil werden lassen, hat er ihm vorgestellt, daß dieser Bau „h ö ch st dringend" sei, denn wahrscheinlich werde sich an der o st preußischen Grenze das Schicksal des nächsten Krieges entscheiden. Und ein Jahr später (Herbst 1913) hat er bei einer neuen Anleihe von einer halben Milliarde Franken die Bedingung gestellt, daß die strategischen Bahnen binnen vier Jahren fertig sein müßten. Poincar 6 hat also die russischen O f f e n s i v p l a n e recht gut gekannt und hat nichts getan, sie im friedlichen Sinne zu beeinfluss e n , im Gegenteil, er hat mit Rat und Tat an ihrer Durchführung gearbeitet.
Ebensowenig ist Pozzi der Beweis gelungen, daß Poincare sich im Ju.li 1914 um den Frieden bemüht habe, als Oesterreich sich anschickte, Serbien für die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdi-
nand zur Rechenschaft zu ziehen. Schon die Aeuße- rung Poincarös vom Jahre 1912 gab Sasonoff die Gewißheit, auf Frankreich rechnen zu können, wenn Rußland mit Deutschland in Zwist geriet. Es war daher eine logische Folge jener Erklärung, daß Sasonoff, sobald er sich entschloß, den serbisch-österreichischen Streit als Kriegsanlaß zu benutzen, sich bemühte, auch Deutschland hineinzuziehen, um Frankreich zur Heeressolge zu zwingen. Indessen, da Pozzi diese Zeugnisse von 1912 und später nicht beachtet, behauptet er, Sasonoff habe Poincarö auch in den entscheidenden Julitagen hinters Licht geführt und Frankreich durch den Bruch mit Deutschland vor e-ine vollzogene Tatsache gestellt, so daß es nicht mehr um den Krieg herumkommen konnte. Bekanntlich weilte Poincarö grade zum Besuche des Zaren in Petersburg (20. bis 22.Juli), unmittelbar bevor Oesterreich das Ultimatum an Serbien richtete (23. Juli), und — nach P o z z i s Darstellung — haben der Zar und S a s o n o f f in allen Gesprächen keine Besorgnis vor einem europäischen Konflikt erkennen lassen. PoincarL hat sogar, um jede Kriegsgefahr auszuschließen, keinen Zweifel gelassen, daß Frankreich sich an einem Kriege um Balkanfragen nicht beteiligen werde, ja er hat für den Fall von serbisch-österreichischen Verwicklungen dringend vor militärischen Maßregeln Rußlands gewarnt. Als dann nach Voincares Abreise das österreichische Ultimatum an Serbien bekannt wurde, hat der französische Botschafter die Warnung vor russischen Rüstungen wiederholt. Die Vorbereitung der russischen Mobilmachung, die trotzdem sofort begann, geschah daher zuerst ohne Kenntnis und gegen den Willen Frankreichs. Zum Beweise für diese der bisherigen Anschauung ins Gesicht schlagende Darstellung beruft sich Pozzi auf die Erzählungen Poincares selbst und auf einige Berichte des serbischen Gesandten in Petersburg.
Indessen Pozzis Konstruktion bricht sofort zusammen: der Inhalt der erwähnten Zeugnisse widersprich t d e n T a t s a ch e n, die wir aus den gleichzeitigen intimen russischen Auszeichnungen und den französischen und den englischen Botschafterberichten feststellen können. Uebereinstimmend sagen sie aus, daß der Zar, Sasonoff, Poincarö und Palöologue, der französische Botschafter,
Die Olympiabesucher sind Deutschlands Gäste.
Aufruf des Neichsministers Dr. Goebbels.
Berlin, 2. Juli. (DNB.) Der Relchsminl- ft er für Volksaufklärung und J3 r o pa- ganba erläßt folgenden Aufruf:
Nach dem Willen des Führers hat Deutschland für die Olympischen Spiele 1 9 3 6 Vorbereitungen wie kaum ein anderes Land zuvor getroffen. Die hunderttausende ausländischer Gäste sollen würdig empfangen werden und ein besonders glänzendes Beispiel deutscher Gastfreundschaft erleben. Ich bin gewiß, daß jeder Deutsche seine Ehre darin sehen wird, den ausländischen Besuchern, die alle unter dem Schuh des Deutschen Reiches stehen, zuvor- k o mm end gegenüberzutreten und, wenn sie einer Hilfe bedürfen, ihnen mit Rat und Tat Beistand zu leisten.
Berlin, den 1. Juli 1936.
Gez.: Dr. Goebbels.
in eingehender Aussprache ü b e r ei n g e f o mm e n sind, daß man ein gewaltsames Vorgehen Oesterreichs gegen Serbien gemeinsam verhindern müsse, daß die russischen militärischen Maßregeln von Anfang an die Billigung Paleologues und der Pariser Regierung erfahren haben, ja daß Pal^o- logue sogleich den militärischen Bei- stand Frankreichs für jeden Konflikt Rußlands mit den Mittelmächten versprochen hat. Jene serbische Aktenstücke sind daher nachträgliche Fälschungen und Poincarös Unglaubwürdigkeit ist längst erwiesen.
Der Kampf um Poincares Unschuld ist somit ein Versuch mit untauglichen Mitteln; nur, weil Pozzi zu wenig Kenntnis von den authentischen Quellenzeugnissen besitzt, hat er ihn überhaupt unternehmen können.
Frankreich sieht sich selbst in der Karikatur.
0
„Was? Fremde Kohorten wollen in unserer Heimat bestimmen?" Eine Strophe der Marseillaise beginnt mit diesen Worten, und das Pariser „Gringoire", von dem die obenstehende Zeichnung stammt, zitiert sie offensichtlich mit bittersten Gefühlen für ihre Karikatur, die in Anbetracht der neuesten politischen
I Ereignisse in Frankreich schon mehr enthält als politischen Spott. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Küchenrezepte für Strohwitwer.
Von Christian Bock.
Es ist jetzt diese Zeit des Jahres da, in der Männer gelegentlich, weil ihre Frauen verreist sind, abends selbst in die Küche schreiten, eine_ Schürze um das Sportjackett binden und eigenhändig zu kochen anfangen, diese Zeit des Jahres, in der man allenthalben die ruchlosesten Witze über eben diese Sache lesen kann.
Zugegeben: so reale Dinge immer aus der Küche kommen, Suppen, Saucen und Steaks, deren Realität ganz unbezweifelbar ist — der Mann wird zur Küche doch immer eine sehr mystische Beziehung haben. Er will auch im Grunde die Zauberformeln und Gesetze der Küche nicht wissen, denn er liebt die Mystik der Küchensphäre, aus der die gebratenen Tauben fertig herauskommen. Was vorher in der Küche geschah, bleibt in geheimnisvolle Dämpfe gehüllt, der schwelende Zauber der Zubereitung ist wie ein Geheimnis um den Tisch.
Diese Mystik wird auch von der Küche selbst in ihrem Glauben an geheime Vorgänge immer wieder bestärkt. Die Küche gibt etwa, wenn man einmal etwas fragt, niemals klare Antworten, wie man sie sonst im Leben gewohnt ist, sie gibt Orakel. Man stelle einmal die schlichte Frage: „Wann gibt es Mittagessen?", dann kommt aus der Küche das mystische Orakel: „Wenn die Kartoffeln gar sind."
Ja. Wenn die alten Griechen ihr Orakel befragten: „Wann gibt es Krieg?", dann hieß die Antwort gerade so weise unbestimmt: „Wenn die Schwerter klirren!"
Und so lauten die Orakel der Küche: „Wenn die Kartoffeln gar find!" — „Aber, wann, bitte, sind die Kartoffeln gar? Wie lange brauchen überhaupt Kartoffeln, um gar zu werden? Und wenn sie beispielsweise 30 Minuten brauchen: wie lange kochen sie schon? Das alles sind Fragen, die weiterhin beantwortet werden müßten. Die Griechen im Altertum mögen mit derselben grüblerischen Miene vom Orakel nach Hause gegangen sein, mit der wir Männer nach solcher Auskunft von der Küche durch den Korridor wieder ins Zimmer gehen.
Trotzdem, wir wollen das alles ruhig so bleiben lassen, es ist wahrscheinlich gut so, wie es ist. Aber einer, der selbst zuweilen, ein Handtuch um die Lenden geschürzt, in der Küche steht, möchte hier einmal unter Männern ein paar Rezepte geben statt der gewohnten Witze, und diese Rezepte sind keine Literatur, sie taugen wirklich.
Bratkartoffeln.
Also, Lieber, wenn deine Frau verreist ist, schreib ihr nette Postkarten, aber verlaß dich in dieser Sache hier auf mich.
Magst du Bratkartoffeln? Aber vielleicht hast du niemals so wunderbare Bratkartoffeln gegessen, wie ich sie dir hier vorsetze — lade ruhig noch einen guten Freund dazu ein, es wird ihm schmecken.
Nimm deine Aktentasche, tu die alten Rechnungen und Schnürsenkel heraus und die Akten auch, falls wirklich Akten darin sein sollten, geh in einen Gemüseladen und kaufe:
2 oder 3 Pfund frische Kartoffeln
Ein paar Zwiebeln
Eine dicke grüne Gurke. (— Nein, keine Salzgurke!) Ein paar Tomaten können auch dabei sein. —
So, hier hast du jetzt alles, dann gehst du in den nächsten Laden und kaufst:
Ein Stückchen durchwachsenen Speck
Eine Dose Bratöl
Etwas Essig, falls keiner im Küchenscbrank ist (Etwas Pfeffer und Salz wird ja da fein.)
Und im Vorbeigehen nimmst du aus deiner Stammkneipe noch eine Kanne Bier mit. Gleich unter den Wasserhahn zu Hause — aber dreh den Kaltwasserhahn auf, — nicht den Warmwasserhahn, hörst du?
So, nun kannst du anfangen.
Kattoffelschälen ist gar nicht schlimm. Die geschälten Kartoffeln schneidest du in ganz dünne Scheiben.
Dann leg den Speck auf einen Holzteller und schneide ihn in Würfel. So, dann in die Pfanne mit den Würfeln. Inzwischen haust du in die Bratöldose zwei Löcher und läßt das Oel in die Pfanne über die Würfel träufeln. Nicht die ganze Dose, aber sei nicht zu sparsam, deine Bratkartoffeln wollen schwimmen.
Wenn die Speckwürfel ordentlich bruzzeln, hinein mit den rohen Kartoffelscheiben! Erschrick nicht vor dem Lärm, den es da gibt, und hüte deine Hose, mein Bester!
Die Kartoffeln hüten sich jetzt eine Weile selbst. Inzwischen mischst du deinen Gurkensalat. Nimm die Gurke in die Linke, ein Messer in die Rechte, schäl die Gurke und schneide sie dann, wie die Kartoffeln, in dünne runde Scheiben. Ach, es ist so einfach: Etwas Salatöl steht sicher im Schrank, etwas Essig auch, etwas Pfeffer, etwas Salz dazu, eine Zwiebel hineingeschnitten, und das Ganze schüttelst du gut durcheinander in zwei Schalen, die du übereinanderstülpst — fertig ist der Salat! Dann schnei
dest du noch ein paar Tomaten an den Rand.
Sieh nach, was deine Kartoffeln machen, fahre mit der Gabel drunter und stülpe sie etwas um, damit auch den Kartoffeln, die oben liegen, Gerechtigkeit widerfahre. Nach einer Weile kannst du die Gasflamme auf klein stellen; nun bruzzelt es nicht mehr so, es dämpft wunderbar durch. Bis du den Tisch gedeckt und ein paar Scheiben Brot geschnitten hast, sind sie fertig, und ich sage dir, solche Bratkartoffeln gibt es nicht alle Tage.
Für bequeme Genießer.
Wenn du zu alledem zu faul sein solltest, dann hast du hier noch ein paar Rezepte, die noch einfacher sind, und die gebe ich dir nun im Telegrammstil — wozu mußt du auch alles so blumig geschildert haben! Also:
Setzei auf Brot, heißt, was jetzt kommt.
Etwas Butter in die Pfanne. Laß sie etwas aufbrodeln. Dann zwei dicke Scheiben Brot hinein! (Kein Schwarzbrot!) Die läßt du auf beiden Seiten braun und lecker schmoren.
Ein Setzei machen oder zwei, das kannst du ja wohl ohne Rezept. Na also! Die Setzeier legst du nachher auf die gebratenen Brotscheiben.
Schmeckt wunderbar. Guten Appetit!
*
Nächste Nummer: Russischer Pfannkuchen.
Das kennst du nicht? Versuch es! Etwas Butter in die Pfanne, damit fängt es wieder an. Schlag drei Eier auf. Die Eidotter in ein besonderes Gefäß. Das Eiweiß von allen dreien schlägst du schaumig. Aber sei nicht faul: die Schüssel muß kopf- stehen können, so fest muß es werden. Dann rühre die Eidotter hinein. Etwas Salz noch dazu.
Das Ganze in die Pfanne, die Gasflamme auf klein. Und nur zwei Minuten oder drei auf dem Feuer lassen. Aber tu mir einen Gefallen, kipp den Pfannkuchen nicht in der Pfanne um; nur eine Seite wird gebacken, die andere laß schaumig, wie sie ist.
Nicht so vornehm, stell die Pfanne auf den Tisch! Nimm erst die Hälfte und probiere mit etwas Zucker darauf. Du wirst dir die andere Hälfte auch schon auf den Teller holen.
*
Und ich will dir noch einmal garantieren, daß ich das alles nicht gelogen und aus keinem Kochbuch abgeschrieben habe, das ist mit eigener Hand probiert. Und wenn du mit diesen Rezepten nicht fertig wirst, kann ich dir nicht helfen, bann geh in ein Restaurant und verfluche meine Rezepte. Aber es lag trotzdem an dir, wenn dir die Kartoffeln verbrannten.
Zahns Turnpferd.
Im Jahn-Museum zu Freiburg an der Unstrut, wo der Turnvater Jahn den Rest seines Lebens verbrachte, steht eine eigenartige Erinnerung an den großen Schöpfer des deutschen Turnens, nämlich das Turnpferd, auf dem Jahn noch im Alter selbst geturnt hat. Das ist kein nüchternes Turngerät, sondern stellt in phantasievoller Weise noch die Verbindung mit dem Ursprung des Turnens am Pferde dar, wie es schon alter germanischer Brauch gewesen ist. Das Turnpferd Jahns zeigt noch in feinem Bau den Körper des Pferdes, ist zwei Meter lang und mißt im Sattel eine Höhe von 1,24 Meter. Das Original dieses historischen Turnpferdes wird auf der großen Ausstellung „Deutschland" am Funkturm in Berlin auf- gestellt werden.
Richard Wagner und der Stabstrompeter.
Als Richard Wagner am 24. April 1872 mit seiner Familie nach Bayreuth übergesiedelt war, brachte ihm der Stabstrompeter Peter G ö 11 l i n g vom 6. Chevauxleger-Regiment auf seine Art ein Ständchen. Er ließ seinen Mufikzug zu Pferde vor Wagners Wohnung aufmarschieren, und bei Lampionbeleuchtung schmetterten die Bläser Bruchstücke aus den Opern des Meisters, wozu der hühnenhafte Göttling mit seiner Trompete begeistert den Takt schlug. Nicht wenig überrascht über diese Ehrung stürzte Wagner hinaus, griff dem Pferd des Trompeters in die Zügel und rief zu dem Riefen hinauf: „Ja, was machen Sie denn da! Sie haben ja meine Opern für Blechmusik arrangiert und noch dazu recht frei behandelt!" Aber der Musikriese ließ sich nicht aus der Fassung bringen; er beugte sich zu Wagner hinab und schrie, um sich im Getöfe seines Orchesters verständlich zu machen: „Natürlich hab ich's anders setzen müssen. Ihre Musik kann ja der Teufel blasen, aber nicht meine Musiker."
Die ehrliche Begeisterung und die oft bewiesene frische, schlagfertige Art gefielen Wagner so, daß zwischen beiden sich bald ein herzliches Verhältnis entwickelte. Seinem Peter Göttling zu Ehren komponierte Wagner sechs Fanfarenrufe für den Musi kzug des Regiments, und manche freimütige Kritik an Wagners Kompositionen, die der biedere Mann unter dem Gesichtswinkel des Militärmusikers vorbrachte, hat den Meister oft erheitert. So erheitert, daß er den Göttling-Peter, den Bringer guter Laune, seinen „Humorarzt" nannte.


