Ausgabe 
11.6.1936
 
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Nr. 13 5 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 11. Zuni 1956

Sowaten-Einzug in Gießen

Ereignisses, der Frank-

Kraftfahrer und Panzerfahrzeuge

Wichtige Verhaltungsmaßregeln auf der Straße.

deshalb Signal rechtzeitig, nicht erst kurz hinter

in Kurven überholen, auch wenn sie sind. Die Panzer fahren Kurven nicht sondern in Form eines Vierecks. An

Fahrzeug geben.

Gleiskettenfahrzeuge schwenken bei Wendun- hinten nach der entgegengesetzten Seite aus. auch beim Rechtsheranfahren wird das aus-

den Wendpunkten wird jedesmal die Fahrbahn durch das Ausschwenken plötzlich verringert. Die Panzer können Linkskurven nicht hart an der rech­ten Straßenseite durchfahren. Deshalb Begegnung und Ueberholung besonders in Linkskurven ver­meiden.

7. Geschlossene Kolonnen nicht durchbrechen, nicht zwischen Panzer fahren.

dem 4.

gen Also

fahren.

6. Richt übersichtlich im Bogen,

schwenkende Heck des Panzers die ursprünglich zur Verfügung gestandene Durchfahrtsbreite zunächst vermindern. Daher beim Ueberholen oder Begeg­nen nur vorbeifahren, wenn zwischen Fahrzeug und Panzer mindestens ein Meter Zwischenraum bleibt.

5. Bei Ueberholung und Begegnung langsam

Ausdruck. Er wies die Soldaten u. a. darauf hin, daß sich die Bevölkerung der schönen Garnisonstadt Gießen schon immer aufs engste mit ihren Sol­daten verbunden gefühlt habe, und daß sie auch jetzt sicherlich alles tun werde, um dem Bataillon die Garnrsonstadt Gießen angenehm zu machen. Er wünschte ebenfalls, daß die Angehörigen des Bataillons sich in Gießen immer wohlfühlen möch­ten.

Der Vertreter des dienstlich auswärts weilenden Oberbürgermeisters übermittelte dem Ba­taillon den herzlichen Willkommensgruß der Gar­nisonstadt Gießen, den die Soldaten ja bereits bei ihrem Einzug durch die riesige Menschenmenge und durch zahlreiche Blumenspenden eindrucksvoll hät­ten feststellen können. Er versicherte den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Bataillons, daß die Stadtverwaltung immer bestrebt sein werde, von sich aus ein gutes und herzliches Verhältnis zu dem Bataillon herzustellen und die Stadt Gießen der Truppe zu einer Heimat im besten Sinne des Wortes zu machen.

Damit war die schlichte Empfangsfeier beendet. Der Standortälteste verließ hierauf unter militä­rischer Ehrenbezeugung in Begleitung seiner Gäste den Kasernenhof.

Vermerkt sei noch, daß die Polizei in sorgsamster Weise die Absperrung vornahm, dabei aber allent­halben so entgegenkommend verfuhr, daß die schau­lustige Bevölkerung überall voll und ganz auf ihre Rechnung kam

Häufig sind sich Kraftfahrer darüber im Un­klaren, wie sie sich beim Zusammentreffen mit Pan­zerwagen auf der Straße zu verhalten haben. Um Schwierigkeiten und Unfälle zu vermeiden, wird auf folgende Punkte hingewiesen und um deren Beachtung im eigenen Interesse gebeten:

1. Panzerwagen befahren normalerweise die Mitte der Fahrbahn. Vorübergehend die rechte Seite befahrende Fahrzeuge werden alsbald wieder der Straßenmitte zustreben. Es kann nicht damit ge­rechnet werden, daß rechtsfahrende Panzer ohne zwingende Gründe längere Zeit rechts bleiben.

2. Der Panzerfahrer kann infolge des eigenen Fahrgeräusches fremde Signale nur schwer auf­nehmen. Signalgeben zur Bekanntgabe der Ueber- holungsabsicht genügt deshalb nicht. Die Verbin­dung mit anderen Verkehrsteilnehmern nimmt bei Straßenfahrt der im Turm stehende Panzerschütze auf. Er verständigt den Fahrer und gibt das Ueber- holungszeichen (vorwärts winken mit dem linken Arm). Erst dann hat der Ueberholende die Gewähr, daß Fahrer und Fahrzeug auf die Ueberholung vorbereitet sind.

3. Die Verständigung des Fahrers benötigt Zeit;

nommenen dreimaligen Sieg-Heil-Ruf auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler zum Ausdruck. Anschließend wurden die ersten Verse des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes gesungen.

Der K r e i s l e i t e r als Vertreter der national­sozialistischen Bewegung gab seiner Freude dar­über Ausdruck, daß er im Namen der Partei die Truppe in ihrer Garnison Gießen begrüßen könne. Er hob hervor, daß nach dem Willen des Führers die Wehrmacht und die nationalsozialistische Be­wegung die beiden tragenden Säulen sind, auf denen der Staat ruht, die Wehrmacht als der Waf­fenträger der Nation, die Bewegung als Ausdruck des politischen Willens der deutschen Nation. Wenn die Aufgabe dieser beiden Säulen äußerlich schein­bar voneinander verschieden sei, so hätten sie doch beide zusammen nur eine einzige Bestimmung und Lebensaufgabe: in Treue zum Führer sich' ganz dem Dienst des Volkes zu weihen. Er begrüße die Soldaten im Namen der Partei und der ganzen Gießener Bevölkerung, die sich über die Truppe von Herzen freue, mit dem Wunsche, daß sich die Angehörigen des Bataillons in Gießen wohlfühlen möchten.

Der Kreisdirektor als Vertreter des Staa­tes, der Provinz Oberhessen und des Kreises Gie­ßen brachte deren herzlichen Willkommensgruß zum

Der gestrige Mittwoch wird in der Geschichte der Stadt Gießen als ein Tag der Freude vermerkt bleiben, denn er brachte uns den Einzug eines Truppenteils. Es handelt sich um em M G. - B a - taillon (mot), das am gestrigen Mittag kurz nach 12 Uhr seinen Einzug hielt.

Zum Empfang der Truppe hatte sich in der obe­ren Frankfurter Straße der S t a n d o r t ä l t e st e eingefunden, ferner waren dort der K r e i s l e i t e r, der K r e i s d i r e k t o r und der Stellvertreter des Oberbürgermeisters, außerdem eine Anzahl Offiziere des Standorts Gießen erschienen. Der Standort­älteste nahm in der Frankfurter Straße die Vorbei­fahrt des Bataillons ab, die unter den Klängen des Badenweiler Marsches, gespielt von der Bataillons­musik, vor sich ging. Eine große Menschenmenge war dort Zeuge des denkwürdigen Ereignisses, außerdem waren die Einzugstraßen von der Frank­furter Straße her über die Wilhelmstraße, Lud- wlgstraße, Kaiserallee, Licher Straße zur Neuen Kaserne von riesigen Menschenmengen beiderseits der Fahrdämme besetzt. Allenthalben wurde den Soldaten ein außerordentlich herzlicher Empfang be­reitet, bei dem die Freude über ihre Ankunft sich u.. a. in zahlreichen Blumengrüßen an die Soldaten sichtbar kundtat.

Auf dem Hofe der Neuen Kaserne nahm das Ba­taillon mit seinen Fahrzeugen Aufstellung, um hier von dem Standortältesten, sowie den Vertretern der Partei, des Staates und der Stadt Gießen offiziell begrüßt zu werden. Nach dem Abschrecken der Front begrüßte der S t a n d o r t ä l t e st e die Truppe mit weithin schallendem Heil-Ruf, der kräf­tig erwidert wurde. Sodann entbot er dem Ba­taillon seinen herzlichen Willkommensgruß mit dem Wunsche, daß sich die Soldaten in Gießen rasch ein­leben und stets wohlfühlen möchten. Zwei besondere Wünsche gab er der Truppe außerdem noch zur Kenntnis: erstens möchte sie bald ein recht gutes Verhältnis zu der sehr militärfreundlichen Bevöl- keruna der Stadt Gießen herstellen, zweitens wünschte er, daß die Angehörigen des Bataillons gute Kameradschaft halten möchten mit den Sol­daten der anderen Waffengattungen in Gießen. Weiter brachte der Standortälteste' seine Ueberzeu- gung zum Ausdruck, daß die Truppe mit Freude in Gießen Garnison bezogen habe, er brachte den Soldaten aber auch zur Kenntnis, daß er von ihnen unermüdlichen Eifer bei der Ausbildung erwarte, um dadurch auf den denkbar höchsten Stand der militärischen Schlagfertigkeit zu kommen, damit das Bataillon zu jeder Zeit imstande ist, durch rest­lose Erfüllung der soldatischen Pflicht und Schuldig­keit auch den höchsten Anforderungen im Dienste Des Vaterlandes gerecht zu werden. Das Gelöbnis Der Soldaten zu strengster Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und zu unwandelbarer Treue gegenüber dem Führer brachte der Stand- »rtältest'e mit dem von der Truppe freudig aufge-

Der Standortälteste nimmt den Vorbeimarsch ab. (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff, Gießen.)

Der Standortälteste während seiner Ansprache vor den angekommenen Truppen im Kasernenhof.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Frauen und Schlagermelodien.

Eine Frau mag sich ihr Haar färben und sich auf neu Herrichten lassen, wie der Fachausdruck lautet; aber das Lied ihres Herzens, das sie singt und summt, wenn niemand zuhört, ist auch das Lied, das ihre erste Jugend überstrahlte und ver­goldete.

Das ist das Lied, das ihr mondbeschienene, silber­umflossene Nächte, einen Tanz, einen Kuß, eine Hoffnung, ein Versprechen, ein liebes und mehr noch ein wehes Erinnern zurückruft. Das Lied ist ihr genau datierter Altersnachweis.

Regentropfen" undDas gibts nur einmal" sind das Zeugnis einer durchaus vorhandenen Jugend, wenn auch der letztere Schlager schon seit zwei Jahren vergessen ist.

Was aber sind zwei Jahre für einen Schlager und für das Leben einer Frau!

Die Schlager werden ja nur geschrieben, um verkauft zu werden. Nur selten hat der Hersteller den Ehrgeiz, daß sein kleines Werk die Saison überleben soll.

Das ist bei der Massenherstellung guter Schlager ja auch kaum möglich.

Immerhin ist anzunehmen, daß die Sängerin derRegentropfen" in einem Alter steht, das zwi­schen 18 und 22 Jahren liegt.

Etwas verdächtiger ist es, wenn ein Mädchen mit verträumtem Augenaufschlag und dem bekannten Erinnern im Blick das Lied singt:Ja, der Son­nenschein, der Sonnenschein hcck's fein".

Der Jüngling stürzt zum Schlagerlexikon und stellt fest, daß dieses Lied, in dem der Sonnenschein ganz allein ungestört ins Zimmer vom Mägdelein gucken darf er selber also demnach nicht, im Jahre 1924 in die damals völlig verrückte Welt geschickt wurde.

Wenn die Maid im Geburtsjahr des Schlagers also erst 18 Jahre alt war Jünglinge nehmen in solchen Fällen immer das beste an, so hat er dennoch ein Bäckerdutzend an Jährchen zuzulegem Eine ganz einfache Rechnung.

Bitter und bedenklich aber ist es, wenn die Maid ihm die durchaus verständliche Aufforderung erck- gegenschmettert:Lieb mich und die Welt ist mein!" Hier muß er die Verkehrsampel seiner Gefühle zum mindesten auf Achtung stellen und darf auf keinen Fall ohne weiteres mit Grün in das Land der Liebe rasen. Denn dieser Schlager erblickte im Jahre 1902 das Licht der Welt!

Selbst wenn er annimmt, daß die Holde als Wundersäugling in der Windelhose das Lied schon lernte und, statt zu krähen, immer vor sich hin­quäkte:Ich wandle wie im Traum einher, dem Paradiese streb ich zu" selbst dann ist es rat­sam, sich auf dem Meldeamt nach ihrem Geburts­tag zu erkundigen.

Denn nicht jede Maid hat den Bekennermut unserer Adele Sandrock, die zweifellos, wenn sie gut gelaunt ist, den Schlager vom Prinzen Eugen, dem edlen Ritter, summt. Puck.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Hinter den Kulissen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Maskerade". Neue Pestalozzischule: 15 bis 17 Uhr Modellbauaus­stellung.

Oie Beurlaubung von Wehrpflichtigen für die Landwirtschaft.

Das Oberkommando des Heeres gibt bekannt: Vielfach werden von Wehrpflichtigen, die ihre aktive Dienstpflicht erfüllen oder von deren An­gehörigen an die Dienststellen Anträge auf längere Beurlaubung zur Aufrechterhaltung des Betriebes oder der Landwirtschaft gestellt.

Solchen Anträgen kann im allgemeinen nicht stattgegeben werden, da die an und für sich kurze Ausbildungszeit zum Erreichen des Ausbildungs- vieles bei längerer Beurlaubung nicht mehr ausreicht. Ausnahmsweise darf bei Vorliegen besonderer Gründe Urlaub erteilt werden, wenn

1. ein tatsächlich besonderer Notstand festgestellt

3« meines toiisw

Roman von Marlise Kötting.

Llrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

37. Fortsetzung

Nachdruck verboten!

Dann wird man eben wieder aufsperren", ent- Ichied Kommissar Schlottmann.Passen Sie auf, Fräulein Zedlitz, ich werde alles versuchen, um dieser , s.acht nachzukommen. Ich werde von Stralsund aus ! (in Wasserflugzeug beordern. Es kann hier auf dem ' 2odden landen und mich mitnehmen."

Nehmen Sie mich auch mit", flehte Benedikte.

Der Kommissar schüttelte den Kopf:Wo denken Cie hin, Fräulein Zedlitz? Gänzlich unmöglich. Eine L»ienstfahrt und eine Privatperson mit dabei, das ;eht nicht. Aber ich verspreche Ihnen, wir werden clles tun, um Herrn Petersen, falls er in Gefahr s in sollte, zu retten und die ganze Geschichte restlos oufzuklären.

Seien Sie jetzt nur ruhig, die Dinge sind meistens nur halb so schlimm, wie man sie im ersten Schrecken L fsht. Jedenfalls möchte ich Ihnen das eine sagen: ISRir scheint, man hat Ihnen Unrecht getan, ich flEaube, daß Sie nicht beteiligt sind. Auf jeden Fall Müssen Sie sich zur Verfügung der Polizei halten. L-itte bleiben Sie in Ihrem Hause. Sie bekommen 'ft? roch weitere Nachricht."

jii/ Er ging rasch zur Tür hinaus, von Josua gefolgt. ,clb benedikte stand einen Augenblick mit gesenktem jacb ! opf da. Dann riß sie ihren Oelmantel vom Haken Wt lmd rannte hinaus.

Nie

.J Mit abqeblendeten Lichtern und klein gestelltem f I ^otor fuhr die MotorjachtGlückauf" durch das rtti ^eer-

Z Hans-Hermann wechselte sich mit dem einen A, Maschinisten am Steuerruder ab. Er hatte vor sich v iie Karte und hielt scharf Kurs auf die dänische

" nsel Moen. Er fühlte das Steuerrad tn seiner < §>and, es war gut, etwas zu tun zu haben, gezwun- , P Zu ein, an nichts anderes zu denken, als an 6 °°r.S°Ichri-ben°n Weg. Wenn die Gedanken erst -blchwei en konnten, dann brachten sie nur trostlose k- erzwei lung. _ In welches Netz war er geraten Wie wett war es mit ihm gekommen!--. Nie

v'urde er sich Don dieser Verbrecherbande wieder i9e< freien können! Ach was, besser nicht zu denken.

t5 blieb doch bino w-h' **-**

Zwei Stunden war man schon gefahren. Da kam Steffens die Treppe herunter.

Passen Sie auf, Zedlitz", sagte er.Jetzt be­ginnt Ihre eigentliche Aufgabe. Pierre, der andere Maschinist, übernimmt jetzt die Steuerung. Gehen Sie in die Kammer hinter dem Achterdeck. Dort finden Sie einen leichten Oelanzug. Ziehen Sie den an und kommen Sie an Deck. Wenn ich Ihnen ein Zeichen gebe, springen Sie ab und schwimmen auf ein Segelboot zu, das ein paar Meter von uns entfernt vorbeikommen wird. Man wird Ihnen eine Leine zuwerfen, und Sie an Bord des Bootes ziehen. Dort geben Sie diesen wasserdichten Beutel ab", er zeigte Hans-Hermann einen kleinen Beutel, in Oelzeug eingenäht,darauf kommen Sie wieder zu uns zurück, verstanden?"

Hans-Hermann nickte.

Also, gehen Sie, ziehen Sie sich um. Ich warte am Achterdeck auf Sie. Hier kommt auch Pierre. Also, Pierre, du übernimmst jetzt das Ruder/'

Hans-Hermanns Hände waren wie tot, als er sie jetzt vom Steuerrad sinken und Pierre an seiner Stelle die Steuerung übernehmen ließ. Mit schlep­penden Schritten ging er aus dem Maschinenraum, immer von Steffens gefolgt, der ihn nicht aus den Augen ließ. Man schien ihm immer noch nicht zu trauen. Man schien immer noch zu fürchten, daß er ausbrechen würde. Aber wie konnte hier ein Mensch ausbrechen? Ebensogut konnte er sich gleich aushängen.

Lassen Sie sich ruhig Zeit", sagte Steffens,wir sind erst in zwanzig Minuten an der verabredeten Stelle"

19.

Hans-Hermann öffnete die kleine Gangtür, die zu der Kleiderkammer am Achterdeck führte. Steffens ging, eine Zigarette rauchend, auf und ab. Plötzlich blieb er stehen, lauschte. War das nicht ein Schrei gewesen? Da hatte doch jemand hinter der Tür gerufen oder geschrien? War Zedlitz etwas zu­gestoßen?

Mit zwei Schritten war er an der Tür, riß sie auf da fuhr er zurück. Er sah Hans-Hermann kreidebleich an der Wand der kleinen Kammer lehnen. Vor ihm stand ein Mensch und redete mit aufgeregten Worten auf ihn ein. In Steffens' Augen stieg Wut und Angst auf. Das war doch der deutsche Schulmeister!

Jens Petersen hatte in seiner Erregung das laut­lose Oeffnen der Tür nicht gehört. Aber er sah an

Tür starrten, irgend etwas war in Unordnung. Er wandte sich blitzschnell um und sah Steffens Gesicht. Im Augenblick hatte sich dieser in der Gewalt.

Oh, Herr Petersen", sagte er sehr liebenswürdig, welch unerwartetes Vergnügen, Sie hier zu sehen. Wie sind Sie denn an Bord gekommen? Aber wenn Sie uns doch nur gesagt hätten, daß Sie unsere kleine Mondscheinfahrt mitmachen wollten! Es wäre uns ein Vergnügen gewesen, Sie mitzunehmen."

Mit geballten Fäusten trat Jens Petersen zu Steffens hin:

Machen Sie keine Phrasen, Mann! Glauben Sie, ich weiß nicht, was hier gespielt wird? Man hat schon lange im Dorf davon gesprochen, daß bei Ihnen auf derBurg" nicht alles mit rechten Din­gen zugeht, und da wollte ich mich einmal davon Überzeugen."

In Steffens' Augen blitzte es auf, aber schon wieder machte er ein harmloses Gesicht:

Aber ich bitte Sie, Herr Petersen, seit wann hört ein vernünftiger Mensch auf Dorfklatsch? Die guten Dörfler können es nicht begreifen, wenn wir in der Nacht herausfahren. Sie begreifen es ja ebensowenig, daß die Fremden Vergnügen am Ba­den finden. Haben Sie schon mal einen Eingebore­nen freiwillig ins Wasser gehen sehen? Also! Alles Geschwätz, Herr Petersen, alles Geschwätz. Nicht wahr, lieber Zedlitz?"

Hans-Hermann würgte ein3a" heraus. Stef­fens sah ihn an:

Sie sind etwas erschreckt, lieber Zedlitz? Kann ich mir denken. Auf einen blinden Passagier hier in der Kleiderkammer waren Sie wohl nicht vorberei­tet. Nehmen Sie zur Beruhigung Ihrer Nerven eine Zigarette. Aber erst Sie, Herr Petersen, Sie sind ja ein geschätzter und lieber Gast."

Danke", kam es von Jens Petersen zurück,ich will keine Zigarette. Und nun hören Sie auf mit dem Geschwätz. Wenn Sie nicht augenblicklich Kurs auf Oevenshöe nehmen und an Land gehen, werde ich morgen in Stralsund der Polizei Mitteilung machen."

Aber Sie irren sich, Sie irren sich vollkommen", sagte Steffens wie in ehrlichem Bedauern.Ich ver­sichere Ihnen, daß Sie sich täuschen. Bitte nehmen Sie doch eine Zigarette," er holte aus seiner Tasche eine viereckige, eigenartig geformte Zigarettendose, hielt sie Jens Petersen dicht vor das Gesicht.

Aber ich will doch nicht", wollte der gerade sagen, da drückte Steffens auf einen Knopf der TW* fr- sp-mp «uif eir aiixfüfar»4

irgend etwas Betäubendes, Beizendes sprang ihm in einem dünnen Strahl entgegen, er gurgelte, er wollte sich auf Steffens stürzen aber die Sinne vergingen ihm. Kreideweiß lehnte Hans-Hermann an der Wand. Jetzt wandte sich Steffens zu ihm:

Abgekartete Geschichte, was?"

Hans-Hermann schüttelte den Kopf.

Sie können mir viel erzählen. Jedenfalls wer­den wir auf der Hut fein!"

Er pfiff. Schritte polterten die Treppe herunter. Der eine Bootsmann erschien. Fassungslos starrte er auf den ohnmächtig am Boden Liegenden und dann auf Hans-Hermann.

Donnerwetter, was ist hier passiert? Verrat?"

Zum Glück noch verhütet, Kamerad", sagte Stef- fens.Aber den guten Zedlitz hier wollen wir uns doch lieber sichern, los, binde ihn!"

Trotz feiner verzweifelten Gegenwehr wurde Hans-Hermann von Steffens und Dem Bootsmann überwältigt. Mit einem starken Strick wurden ihm Füße und Hände gefesselt.

So, nun bleibst du hier, bis es Zeit ist zum Absprung. Wenn du erst einmal im Wasser liegst, wird dir der Verrat wohl vergehen. Du wirst den Auftrag ausführen, sonst das schwöre ich dir kommst du nicht lebend wieder an Bord zurück. Und den da", Steffens wies auf den ohnmächtigen Jens Petersen,nehmen wir mit, du weißt schon Be­scheid, Kamerad!"

Mühsam schleiften sie den Körper des Bewußt­losen die Treppe empor. In dumpfer Verzweiflung blieb Hans-Hermann zurück. Er hörte, wie dis Tür abgeschlossen wurde. Nun war er allein. Er hörte Sprechen, Geräusch von Schritten, vor oem Bullauge der Kammer schäumte das dunkle Meer auf und ab.

Ein Flugzeug brauste durch die Nacht es nahm Kurs von der Küste nach der Insel Oevenshöe. Es flog mit Rückenwind, und so ging es kaum eine Viertelstunde nach dem Aufstieg schon auf dem monderhellten Wasser des Boddens nieder.

Kommissar Schlottmann ruderte, von Josua be­gleitet, bereits auf einem Fischerkahn auf dem Bodden. Eine riesige Fackel loderte am Heck des Bootes als Zeichen für den Piloten. Als der rie­senhafte Flugvogel aufrauschend nieberqlitt brachte er den Kahn mit starken Stößen in feine Nähe.

Hallo, Brander", rief er hinüber,hier Schlott» aaAXX»'" Fortsetzung folgt.