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Das Winterhilfswerk dankt?

Die Gauführung des Winterhilfs­werkes teilt mit:

An der groß angelegten Weihnachtspaketaktion im Gau Hessen-Nassau haben sich alle Kreise der Be­völkerung in weihnachtlicher Volksverbundenheit und hervorragendem Opfersinn beteiligt. Unter den Weihnachtsspendern verdienen einige Gruppen ganz besonders hervorgehoben zu werden:

Die Schneiderinnen haben über ihre Innungen Frauen- und Kinderkleider und Mäntel in solch liebevoller Ausführung zur Verfügung gestellt, daß die Pakete in vielen Familien unendliche Freude ausgelöst haben.

Aehnlich haben sich die Schuhhändler durch be­sonderen Opfersinn ausgezeichnet. Sie haben durch ihre Fachgruppe über 2000 Paar Schuhe für be­dürftige Volksgenossen als Weihnachtsgeschenk ge­stiftet. Wer Gelegenheit hatte, diese Schuhpakete zu sehen, wird bestäigen, daß hier nach dem Grundsatz gehandelt wurde: Für den bedürftigen Bruder mei-

Das Arbeitsbuch.

Antragspflichtig ist der Arbeiter oder Angestellte.

NSG. Die Einführung des Arbeitsbuches für die Arbeiter und Angestellten der durch die erste Bekanntmachung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 18. Mai 1935 aufgerufenen Betriebsgruppen ist nahezu abgeschlossen. Damit rückt der Zeitpunkt heran, von dem ab nach § 2 des Gesetzes über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 26. Februar 1935 Arbeiter und Angestellte ohne Arbeitsbuch nicht mehr beschäftigt werden dürfen.

Es ist damit zu rechnen, daß der Reichsarbeits­minister diesen Zeitpunkt alsbald festsetzen wird. Da das Gesetz die Beschäftigung ohne Arbeitsbuch unter Strafe stellt, Zuwiderhandelnde können mit Geldstrafe bis zu 150 RM. oder mit Haft be­straft werden empfiehlt es sich, das Arbeitsbuch, soweit es noch nicht geschehen ist, unverzüglich zu beschaffen. Zuständig für die Ausfertigung sind die Arbeitsämter, die das Arbeitsbuch aber nur

nes Volkes ist zu Weihnachten das Beste gerade gut genug.

Auch die Herrenschneider unseres Gaues standen in keiner Weise zurück. Sie ließen, zur großen Freude der Beschenkten, über ihre Organisation einen großen Posten von Herrenhosen zur Vertei­lung gelangen.

Üeber 10 000 Pakete für Neugeborene und Klein­kinder wurden im Gaugebiet von den BDM.-Mä­dels in ihren Heimabenden zusammengestellt. Die Art der Geschenke, die mit rührender Liebe getrof­fene Zusammenstellung und Verpackung legten Zeugnis ab für die Begeisterungsfähigkeit und Gebe­freudigkeit unserer BDM.-Mädels. Können unsere Jungmädels auch keine Reichtümer verschenken, so geben sie doch etwas, was mehr wert ist als Gold und Silber, nämlich kindliche Liebe, die sie, dem Ruf des Führers folgend, auf die Volksgemeinschaft übertragen.

auf Antrag ausstellen. Antragspflichtig ist der Arbeiter oder Angestellte. Allerdings kann das Arbeitsamt den Unternehmer (Betriebs­führer, Haushaltungsvorstand) verpflichten, die An­tragsvordrucke an seine Gefolgschaftsmitglieder aus­zugeben, ihre Ausfüllung zu überwachen und die Anträge gesammelt an das Arbeitsamt zurückzu­geben. Wo das Arbeitsamt von dieser Vorschrift keinen Gebrauch macht, muß der Arbeiter oder An­gestellte alle mit der Antragsstellung verbundenen Förmlichkeiten selbst erledigen. Falls er zu dem vom Reichsarbeitsminister festzusetzenden Zeitpunkt kein Arbeitsbuch besitzt, darf er nicht weiter be­schäftigt bzw. wenn er arbeitslos ist, nicht eingestellt werden.

Die B e t r i e b s g r u p p e n , für die das Arbeits­buch jeweils ausgestellt wird, geben die Arbeitsämter in den Zeitungen bekannt. Bis dahin kann die Ein­reichung von Anträgen unterbleiben.

kameradschaft 1874 Gießen: 20 Uhr Stiftungsfest im Cafö Leib. Oberhessischer Kunstverein, Turm­haus am Brandplatz: 11 bis 18 Uhr Ausstellung des KünstlerbundesIsar".

lageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 15 bis 18 UhrDer kleine Muck"; 19 bis 21.30 UhrDie Tanzgräfin". Gloria- Palast, Seltersweg:Verlieb dich nicht am Boden­see"; auf der Bühne Antonio Bazzanella. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die selige Exzellenz". Gießener Konzertverein: 17 Uhr in der Universi- tätsaula 4. Konzert. Obst- und Gartenbauver­ein Gießen: 15.15 Uhr im Hotel Hopfeld Vortrag von Gartenbaudirektor Lange. Heimatvereinigung Staufenberg: 16 Uhr Winteroeranstaltung. Evan­gelische Stadtmission: 15 und 20.15 Uhr biblische Vorträge. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 18 Uhr Ausstellung des KünstlerbundesIsar".

Stadttheater Gießen.

Heute Abend einmaliges Gastspiel von Henny Porten inMaria Garland", Schauspiel in drei Akten von Zdenko von Kraft. Neben ihr erste Ber­liner Gäste. Dauer von 20 bis 22.15 Uhr. Außer Abonnement. Kleine Preise.

Der Theater-Spielplan vom 12. bis 19. Januar.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag von 15 bis 18 Uhr kommt wegen der starken Nachfrage noch einmal das MärchenDer kleine Muck" von W. Burggraf zur Aufführung. Spielleitung: Karl V o l ck. Die Vorstellung ist außer Abonnement. Kleine Preise. Von 19 bis 21,30 Uhr, außer Abonnement, die Tanz- und Schlager­operetteDie Tanzgräfin" von R. Stoltz. Am Diri­gentenpult: Ernst Bräuer. Die Spielleitung liegt in den Händen von Paul W r e d e. Tänze: Thery Schultheis. Liffy C si i l l a vom Operettentheater Stuttgart singt als Gast die Titelpartie. Diens­tag, 14. Januar, geht von 20 bis 22,30 Uhr das GesellschaftsstückEine Frau ohne Bedeutung", Schauspiel von Oskar Wilde in der Neubearbei­tung von Karls Lerbs in Szene. Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten. Die Vorstellung gilt zugleich als 14. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Mittwoch, 15. Januar, von 19.30 bis 22.30 Uhr Verdis MeisteroperMas­kenball". Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Die Vorstellung gilt zugleich als 14. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement. Freitag, 17. Januar, zum ersten Mal in der neuen Einstudierung und Ausstattung Die Fledermaus", Operette von Johann Strauß. Am Dirigentenpult: Kapellmeister Walter. Spiel­leitung: Paul Wrede. Tänze: Thery Schult­heis. Dauer von 20 bis 23 Uhr. Die Vorstellung gilt zugleich als 14. Vorstellung im Freitags-Abonne­ment. Samstag, 18. Januar, von 20 bis 22.30 Uhr, als Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche BühneDer Stern von Sevilla" von Lope de Vega. Aus dem Spanischen übersetzt und frei bearbeitet von Hans Schlegel. Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten. Freier Kar­tenverkauf an der Abendkasse. Sonntag, 19. Ja­nuar, die OperetteDie Fledermaus" von Johann Strauß. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: P. Wrede. Tänze: Thery Schult­heis. Dauer von 19 bis 22 Uhr. Die Vorstellung ist außer Abonnement.

Oberhessischer Geschichtsverein.

Der Verein veranstaltet am kommenden Don­nerstag, 16. Januar, in der Aula des Gymnasiums einen Vortragsabend. Dr. H. Richter, der Lei­ter der Ausgrabungsarbeiten auf der Glauburg, wird über die Ergebnisse seiner Arbeit sprechen, die im ganzen Hessenlande und darüber hinaus bei allen Freunden der heimischen Vorgeschichte das größte Interesse geweckt haben. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.

Gedenkfeier der Saarabstimmung.

Die Ortsgruppe Meßen des Bundes der Saar­vereine veranstaltet am kommenden Montagabend im Cafe Ebel, um 20.30 Uhr beginnend, eine Jahresgedenkfeier der Saarabstimmung.

Biblische Vorträge.

Die Evangelische Stadtmission kündigt in unse­rem heutigen Anzeigenteil biblische Vorträge für die Zeit vom morgigen Sonntag bis zum kommen­den Mittwoch an. Bei freiem Eintritt ist jedermann eingeladen. (Siehe heutige Anzeige).

Aufbauarbeit in der Stadt Gießen.

Der Leiter unserer Stadt, Oberbürgermeister Ritter, wird am kommenden Freitag, 17.Januar, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib vor den Angehörigen der Stürme des SA. - Sturmbanns 11 / R 116 einen etwa einstündigen Vortrag über das Thema: Aufbauarbeit in der Stadt Gießen" halten. Der Besuch dieses Vortrages ist für die Angehörigen der SA.-Referve Dienst. Während des Vortrages sind Wirtschaftsbetrieb und Rauchen verboten.

Laudschastsbuud Volkstum und Heimat.

Orksring Gießen.

Morgen, Sonntag, 12. Januar, 10 Uhr pünktlich, Führung durch die Veterinärkliniken und - i n ft i t u t e. Treffpunkt: Ecke Frankfurter Straße- Am Steg. Gäste willkommen!

Deutsche Arbeitsfront.

Die Sprechstunden der Deutschen Arbeits­front Gießen-Nord finden ab Montag, 13.1., nicht wie seither Montags und Freitags von 19 bis 21 Uhr, sondern Montags und Freitags von 20 bis 21 Uhr statt.

SportamtKraft durch Freude".

Heule folgender Kursus:

Allgemeine Körperschule und Wald­lauf (für Frauen und Männer). Von 15:30 bis 17 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg.

*

Für folgende, in der nächsten Woche beginnende Kurse können noch Anmeldungen auf der Geschäfts­stelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden.

Reiten: Montags von 21 bis 22 Uhr; Don­nerstags von 21 bis 22 Uhr; Freitags von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs. Kosten für DAF.-Mit- glieber 6 Mark (6 Stunden); für Nichtmitglieder 9 Mark (6 Stunden).

Hallentennis. Nach Verabredung Sams­tag nachmittag und Sonntag vormittag. Kosten pro Stunde 1 Mark (einfchl. Balljungengebühr, Bälle und Schläger).

Ski-Trocken. Freitags von 21 bis 22 Uhr, Reitfckule Schömbs. Kosten 2,40 Mark (4 Stunden), einschl. Benutzung der Skier und Stöcke.

Einzelhändler, Achtung!

Von der Kreisgruppe Gießen der Wirtschafts­gruppe Einzelhandel wird uns geschrieben:

Am Montag, 13. Januar, 20.30 Uhr, findet im Hotel Hindenburg, Gießen, die erste Versammlung der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, Bezirksgruppe Hessen, Kreisgruppe Gießen, statt. Diese Versamm­lung wird für jeden Einzelhändler von besonderer Bedeutung sein, da u. a. der Leiter der Bezirks­gruppe Hessen und deren Geschäftsführer anwesend jini) und grundlegende Ausführungen über den Einzelhandel im nationalsozialistischen Staat, den augenblicklichen Stand des Aufbaues usw. machen werden. Auf die Anzeige im heutigen Anzeigenteil sei besonders hingewiesen.

Jnventurverkauf

vom 27. Januar bis 8. Februar

Fwd. Wie die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel mitteilt, findet der diesjährige Jnventurverkauf vom 27. Januar bis 8. Februar im ganzen Reichsgebiet statt. Er trägt zum letztenmal den NamenJnven­turverkauf", denn nach der Anordnung des Reichs­wirtschaftsministers erhält er vom nächsten Jahre ab die BezeichnungWinterschlußverkauf", im Gegensatz zuSommerschlußverkauf" Ende Juli.

Die am Jnventurverkauf beteiligten Warengruppen umfassen im wesentlichen Textilien, Bekleidungs­gegenstände und Schuhwaren, Glas, Porzellan und Steingut und einzelne Lederwaren. Im übrigen gelten auch für diese Warengruppen gewisse Be­schränkungen entsprechend den Anordnungen des Reichswirtschaftsministers.

Beschäftigung von nicht zugelaffenen Werbefachleuten ist untersagt.

Fwd. Nach der Regelung der 15. Bekanntmachung müssen grundsätzlich alle Werbefachleute, das sind Personen, die in nicht nur geringfügigem Umfange

w Nach jeder Hausarbeit

S Creme 30 ptg.

werbeberatend und werbegestaltend tätig sind, Mit­glieder der Reichsfachschaft deutscher Werbefachleute fein, soweit sie nicht auf Grund des § 4 der ersten Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammer- gefetz kammerpflichtig find. Ein Werbefachmann, der der Reichsfachschaft oder der Neichskulturkammer nicht angehört, darf also seinen Beruf nicht aus­üben, falls er nicht ausnahmsweise eine Genehmi­gung des Werberates besitzt. Diese Vorschriften ver- pflicyten nicht nur die Werbefachleute, sondern auch diejenigen Personen, die Werbefachleute beschäftigen. Der Werberat verlangt von einem zuverlässigen Werbungtreibenden oder Werber, daß er sich keines Werbefachmannes bedient, der verbotswidrig feine Tätigkeit ausübt. Wer Personen beschäftigt, die als Werbefachleute nicht Mitglieder der Reichsfachschaft sind, oder entgegen den Vorschriften des Reichskultur­kammergesetzes der zuständigen Kammer nicht an­gehören, muß gewärtig sein, daß der Werberat ihm wegen Unzuverlässigkeit die Genehmigung zur Wirt­schaftswerbung entzieht.

Karnevals-Streiche des Wettermachers

In der Werkstatt des Wettermachers ist mar offensichtlich ganz aus dem Konzept geraten. Anstat Schnee und Eis, wie es sich für den Januar nach alter Tradition gehört, hat man uns bisher aus­gesprochenes Aprilwetter geschickt. Sturm und Regen, aber auch ein ganz unglaublicher Tempe­raturanstieg bis zu 18 Grad Wärme waren gestern die äußeren Kennzeichen dieser total verkehrten Arbeit des Wettermachers. Und um das Durch­einander noch mehr zu steigern, erlebten wir ge­stern, am 10. Januar, gegen 17 Uhr ein richtig­gehendes Gewitter mit Blitz, Donner und starkem Regenguß. Das" Unwetter kam sehr rasch herauf­gezogen, wütete nur kurze Zeit und machte sich dann ebenso schnell wieder davon. Es hatte jedoch im Lause des Abends und der Nacht, sogar bis heute in die frühen Morgenstunden noch allerlei Nachfolger kn Gestalt von kräftigen Regenschauern, die wiederum an den April erinnerten. Daß unsere Wasserläufe bei diesen starken Niederschlägen außer­ordentlich reichlich gefüllt sind, versteht sich von selbst. Die Lahn ist teilweise über die Ufer getreten und wälzt ihre schmutzig-braunen Fluten rasch zu Tal. Die Wieseck füllt ihr Bett innerhalb der Stadt vollständig. Heute vormittag hat das Wetter wieder ein anderes Gesicht erhalten, denn vom blauen und nur leicht bewölkten Himmel lacht gegen 9 Uhr die Sonne freundlich hernieder. Es ist schon so: Aprilwetter im Januar, hoffentlich aber nicht das übliche Januarwetter dann im April!

Oer Betriebsappell settt sich durch.

3m Gau Hessen-Nassau in 350 Betrieben ständig Vetriebsappelle.

Einen großen Erfolg hat die Aktion für die Ab­haltung von Betriebsappellen im Gau Hessen- Nassau erzielt. In rund 350 Betrieben aller Art werden, an sich ständig wiederholenden festgesetz­ten Terminen (täglich, wöchentlich oder monatlich) Betriebsappelle abgehalten. Vorbildlich haben vor allen Dingen die Reichsbetriebsgemeinschaften Eisen und Metall", sowieStein und Erdö" ge­arbeitet. Einige Zeitungen des Gaues bringen von Zeit zu Zeit Material für die weltanschauliche Aus­richtung von Betriebsappellen. Vor allem ist beson­ders die Tatsache zu werten, daß Betriebsappelle überhaupt nur möglich sein konnten, weil ihr von den Gegnern des Nationalsozialismus bestrittener Wert sich in eindeutiger Weise durchgesetzt hat und damit den übelwollenden Kritikern Unrecht gibt.

Die Zuschüsse fürKraft durch Freude" sind steuerfrei

Seitdem dieKraft-durch-Freude"-Veranstaltun- gen an Zahl so außerordentlich zugenommen haben, und seitdem die Betriebsführer in steigendem Maße dazu übergeganaen sind, ihren Gefolgschaftsmit­gliedern Zuschüsse zu Reisen und ähnlichen Veran­staltungen zu geben, sind vielfach Zweifel über die steuerliche Behandlung derartiger Zuschüsse auf­getaucht.

Das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront hatte vor einiger Zeit beim Reichsminister der Finan­zen Anträge eingebracht, die der Reichsfinanzmi­nister noch im Dezember 1935 in einem Erlaß be­rücksichtigt hat. Das Sozialamt der Deutschen Arbeits­front weist nochmals auf diesen Erlaß hin, nach dem Sachleistungen der Unternehmer an ihre Ge-

Nicht müde werden, Annelies!

Roman von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.

31. Fortsetzung. Nachdruckoerboten!

Annelies sah mit dunklen Blicken über den Wa­gen hin.

Laß nur. Er ist ja von dir."

Ihr Ton griff ihm ans Herz.

Er ist ja von dir ... !" als ob damit alles ge­sagt wäre. Als ob darin alles enthalten wäre, was ein Menschenherz sich wünschen kann!

Es wallte schwer in Günter auf. Er trat zu Annelies heran, nahm ihren Kopf sacht in die Hände und hob ihr Gesicht zu sich auf. Ein Zittern durch­rann sie, eine grenzenlose und doch unsagbar be­glückende Schwäche überkam sie auf einmal.

Günter beugte sich stumm zu ihr herab. Ganz leise und fast scheu küßte er sie auf die Stirn. Sie spürte feine Lippen kaum.

Wie in einer Wolke schwebend kam sie sich vor. Dann brauste es mit einem Male schmerzhaft in ihr auf. Wie ganz anders hatte Günter sie früher geküßt! Eine ganze Welt war inzwischen in Trüm­mer gegangen, oder sie war doch nahe daran, zu Zerbrechen. Und man ertrug das alles nicht mehr! Das zermürbende Warten, das tägliche Zusehen­müssen, die unausgesetzte grauenhafte Spannung und Ungewißheit. Nein, man ertrug es nicht mehr!

Ein schweres, stockendes Schluchzen wollte mit unwiderstehlicher Gewalt aus ihr hervorbrechen. Ihr war, als müßte ein einziger, endloser Schrei von ihren Lippen aufzucken, ein Schrei, der alles mit fortriß, die Welt, die Sterne und das eigene grenzenlose Weh.

Aber sie bezwang sich mit fast übermenschlicher Anstrengung. Kein Laut kam über ihre Lippen. Mit ganz unnatürlicher Ruhe machte sie sich frei.

Onkel Korbinian wird warten ..."

Sie wußte nicht, wie tonlos das klang. Sie wußte nicht einmal, ob sie das hatte jagen wollen.

Günter umfaßte ihr Gesicht mit einem stummen Blick. Wie fremd sie in diesem Augenblick war! Wie fremd sie in diesen Wochen und Monaten ge­worden war! Er hatte zum ersten Male die Emp­findung, daß sie ihm entglitt. Immer hatte er bis­her noch gefühlt, daß sie da war, für ihn da war trotz allem. Wie hatte sie doch damals gesagt, als man sich gefunden hatte?Was auch kommen möge mein Herz wird immer um dich und bei dir sein!" Ja, ihr Herz war immer um ihn und bei ihm gewesen, bis in diese schweren Tage hinein, trotz dieser schweren Tage. Sie war ihm immer gewissermaßen eine Zuflucht gewesen, wenn das andere ihn bedrängt und verwirrt hatte. Und nun nun war sie daran, ihm zu entgleiten ...

Er durfte sich nicht darüber beklagen. Aber es erschien ihm unfaßbar. Eine grenzenlose Oede und Leere war in ihm. Mia wie ein funkelnder Bogen spannte sich dieser Name plötzlich vor ihm aus. Aber es war merkwürdig diese schmerzhaft empfundene unendliche Leere vermochte er nicht aus­zufüllen.

Günter war es einen Moment, als ob um ihn her alles schwankte. Was blieb denn da noch übrig? Nichts ein jämmerliches, trostloses Nichts! Aber vielleicht war diese Vorstellung übertrieben; viel­leicht ...

Da trat Korbinian Sartorius in die Garage. Günter riß sich zusammen; stumm trat er zur Seite.

Wenige Augenblicke später glitt der Wagen da­von. Annelies schien sich wiedergefunden zu haben. In der Tat gab ihr Onkel Korbinians Gegenwart einen Halt, an den sie sich im ersten Augenblick förmlich angeklammert hatte. Sein Dazwischentreten war wie eine Erlösung gewesen. In gewisser Hin­sicht war das ein schlechtes Zeichen, es bewies, daß man sich nicht mehr in der Gewalt hatte. Annelies hatte das dumpfe Gefühl, daß es so nicht mehr lange weitergehen konnte, daß in gar nicht ferner Zeit etwas eintreten mußte, was diesem unerträg­lichen Zustand ein Ende machte, so oder so. Und doch durfte man nidjf daran denken, man mußte alles daransetzen, daß man die Nerven behielt. Nur nicht schwach werden! Nur nicht müde werden! Nein, Onkel Korbinian, ich will nicht müde werden!, dachte sie, während sie den Wagen langsam durch das Gewühl der Straßen lenkte. Es war wie ein Versprechen, das sie verpflichtete, es zu halten. War

es schon soweit, daß man sich an eine solche still­schweigende Verpflichtung klammern mußte, um nicht schwach und müde zu werden?

Sie hatte jetzt keine Zeit mehr, sich ihren Ge­danken hinzugeben, und das war gut. Der Verkehr in den Straßen nahm ihre Aufmerksamkeit voll in Anspruch, und sie fühlte, daß sie langsam wieder Herr über sich wurde.

Als sie eine der Hauptstraßen kreuzen wollte, kam im gleichen Moment ein hellgrauer Wagen von rechts heran. Sie mußte halten, da der andere Wagen das Vorfahrtrecht hatte. Er schien Annelies bekannt. Es war nu ein Augenblick, da war er schon vorüber, aber Annelies hatte die beiden In­sassen erkannt: Mia Rechberg und Schulenburg.

Ein nie gekanntes Gefühl quoll in ihr auf. Es sah dem Gefühl des Haffes gegen diese Frau nicht unähnlich. Sie schämte sich dieser Empfindung, aber sie konnte sie nicht abschütteln. Es war ihr nichts Neues, daß Mia den an sich nicht sehr unsympathi­schen Schulenburg an sich fettete, und sie wußte auch, warum das geschah. Aber war es nicht er­bärmlich von der Frau, einen gegen den anderen auszuspielen?

Nein! Man konnte dies Gefühl nicht von sich ab- schütteln, auch wenn man es wirklich Haß nennen mußte. War man denn nicht auch ein Mensch wie die anderen? Mußte man denn immer nur auf sich herumtreten lassen?

Mit Seku.idenschnelle ging ihr das alles durch den Kopf. Korbinian Sartorius faß schweigend neben ihr. Ob er wohl auch ... ?

Ob er es wohl auch gesehen hat?, dachte sie.

Er hatte es gesehen.

Ob Annelies die beiden erkannt hat?, dachte er.

Im gleichen Augenblick sahen sie sich an und wuß­ten Bescheid Da ging es auch schon weiter. Wenig später waren sie am Ziel. Korbinian Sartorius stieg aus.

Also, wann habe ich wieder anzutreten, gnädiger Herr?" lächelte Annelies, mit dem etwas gewalt­samen Versuch, zu scherzen.

Ich halte mich nicht lange auf. Sagen wir in einer halben Stunde. Sonst gondelst du mir schließlich durch die halbe Welt herum!"

Abgemacht! Ich werde natürlich pünktlich sein, damit der Herr zur Zeit ins Bett kommt!"

Sie gab Gas, der Wagen schoß durch die stille Straße davon, der Stadtgrenze zu. Korbinian Sar­torius sah ihm nach, bis der Abend ihn seinen Blicken entrückte.

Die letzten Häuser der Stadt lagen hinter Anne­lies. Schnurgerade legten die Lichter des Wagens ihr breites Band über die glatte Chaussee. Anne­lies fuhr mit erhöhter Geschwindigkeit, aber doch vorsichtig. Immer wieder kam ihr ein Wagen ent­gegen, oder es war ein Pferdegespann zu über­holen. Man hatte also aufzupassen, und das war gut so. Es war herrlich, einmal an nichts anderes denken zu müssen, die freie Luft um sich her zu spüren wie etwas nie Gekanntes und, selber frei von allem, was einen bedrückte und einengte, die köstliche Weite des Abends in sich hineinzutrinken.

Sie rechnete. Bis zum zweiten Dorf fuhr man bei diesem Tempo von hier aus etwa zehn Mi­nuten, eine Viertelstunde brauchte man zurück bis zur Wohnung von Onkel Korbinians Bekannten, also würde man gerade zur verabredeten Zeit zu­rück sein.

Je länger und weiter sie fuhr, desto freier fühlte sie sich. Der dumpfe Druck wich. Es lag wohl zum guten Teil daran, daß man hier wie auf verant­wortlichem Posten das Steuer in der Hand hielt. Das gab einem selber Ruhe und Sicherheit. Wenn man doch auch das Steuer des Lebens immer in der Hand halten könnte! Wenn man nur nicht im­mer zu untätigem Zusehen und Abwarten verur­teilt wäre!

Da war sie also richtig wieder bei dem alten Ge­danken angefommen! Sie schalt sich selber. Fort damit! Man mußte die Minuten auskvsten!

Zur angegebenen Zeit hielt sie wieder vor dem Hause. Sie gab das Hubensignal. Korbinian Sartorius schien bereits gewartet zu haben, denn fast un­mittelbar darauf trat er aus dem Hause. Es war ihm eine richtige Erleichterung gewesen, als er das Signal gehört hatte. Er war doch einigermaßen in Sorge gewesen und hatte gar keinen richtigen Ge­nuß an der Betrachtung der Altertümer und an der Unterhaltung gehabt. Das Mädel befand sich heute durchaus nicht in der Verfassung, ohne Gefahr mutterseelenallein da draußen in der Dunkelheit herumzufahren. Na, es war ja Gott sei Dank gut .gegangen.

(Fortsetzung folgt!)