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ttr.9 Drittes Blatt<5it|jtnet Anzeiger (Eemral-Aiizetg« für <Dbeit)effen) Samstag. II. Sanuar 1956
Philipp Mler-Langsdors zum Gedächtnis
Ehrung für denAitvaierderheMchenVienenzucht
* Langsdorf, 10. Jan. Es war kein Zufall und keine Willkür, wenn der größte Sohn unserer Gemeinde sich im politischen Leben Philipp Köhler- Langsdorf nannte. Er wollte damit betont zum Ausdruck bringen, daß er fein Bestes seinem Heimatsdorfe verdankt. In der Tat ist die Seele dieses überragenden Mannes nur zu erfassen und zu würdigen aus der gesamten Geschichte und dem inneren Aufbau seines Dorfes heraus. Als der Exponent des L-anqsdorfer Wesens steht er an der Wende der Zeiten, die in der Geschichte erwachsenen Kräfte zusammenfassend und in genialem Weitblick in die Zukunft stürmend.
Der ungestüme Freiheitsdrang war Alt-Langs- dorfer Erbe: diesem Flecken eigneten seit dem hohen Mittelalter gewisse Rechte und Freiheiten, die anderen Landgemeinden nicht vergönnt waren. Jahrhundertlang waren diese Freiheiten das Grundthema des öffentlichen Lebens. Fast bei jedem Regierungswechsel erhob sich im Braunfelser Territorium dieses Ringen aufs Reue. Richt selten kam
Schattenseiten seiner genialen Persönlichkeit sich am handgreiflichsten zeigten. Das „Pathos der Distanz" vermochte hier nicht genügend zu wirken. Aber es unterliegt heute auch seinen ehemaligen Gegnern keinem Zweifel mehr, daß Philipp Köhler- Lugge, die heroische Verkörperung unserer Dorfseele, der größte Sohn unserer Gemeinde war. Vertieft man sich einmal in seinen Nachlaß, so ist man geradezu überrascht, wie sehr die tragenden Gedanken Philipp Köhlers sich — oft bis in Einzelheiten — decken mit den Hochzielen, die durch Adolf Hitler und den Nationalsozialismus Gemeingut des ganzen Volkes wurden und deutsche Wirklichkeit werden sollen.
Heute sind es 25 Jahre, daß der „deutsch-völkische Streiter für freies deutsches Bauerntum" vom Tode gefällt wurde. Seine allen Mitkämpfer nahmen diesen Tag zum Anlaß, an seinem Hause eine G e - d e n k t a f e l aus Odenwälder Syenit zu enthüllen. Auch dieses Haus ist symbolisch für das Wirken Köhlers: Einst war es das Verwalterhaus des von Zwierleinfchen Herrenhofes. Und gerade von ihm aus sollte der Vorkämpfer für freies Bauerntum wirken — an die Stelle bevorrechtigter Feu-
Fenchel (Ober-Hörgern), einer der alten Bauernführer, Worte der Begrüßung. Dann ergriff Ministerpräsident a. D. Professor Dr. Werner das Wort zur Weiherede. Er erinnerte die alten Kameraden an die Zeiten des ersten völkischen Kampfes in Hessen unter Otto B ö ck e l, in dem Köhler in vorderster Front stand, und legte dar, daß ohne Köhlers Kampf der heutige Durchbruch der völkischen Gedanken nicht möglich geworden wäre. Dabei prägte er das schöne Bild: In Hessen ist zuerst die Krone des deutsch-völkischen Wesens geschmiedet worden, und einer der besten Kronenschmiede war Philipp Köhler. Dann fiel die Hülle der von Bauinspektor i. R. Philippi (Gießen) entworfenen
widmete dem Altvater der Bienenzucht Worte herzlichsten Gedenkens. Er wies darauf hin, daß sich der vor fünfzig Jahren Verstorbene sicherlich sehr freuen würde, wenn er sehen könnte, welche große Entwick-
verharrten die Imker für kurze Zeit am schlichten Grabe des verdienstvollen Mannes.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger).
Evangelium muß gepredigt werden unter allen Völkern".
Ein kurzer Blick auf die verschiedenen Arbeitsfelder der Basler Mission, die mit einer sehr großen Zahl von Gemeinden unsrer Landeskirche seit über 120 Jahren innig verwachsen ist, mag zeigen, wie es da draußen vorwärts geht im Kampfe des ewigen Lichtes mit glaubensloser und liebesarmer Finsternis.
In dem gewaltigen „Reich der Mitte" China, wo es noch fort und fort gärt und zu keiner Ruhe kommen will, darf das göttliche Wort ohne Störung verkündigt werden. Und es bedeutet zweifellos einen großen Fortschritt gegen früher, daß die Regierung selbst immer mehr einsieht, daß ohne die religiösen Kräfte wahre Aufbauarbeit in jenem zerrütteten und von törichter Selbstzerfleischung durchtobten Lande unmöglich ist. Auch die Tatsache ist sehr erfreulich, daß aus den von der Mission dort gegründeten Christengemeinden eingeborene Missionsarbeiter herauswachsen, die sich verpflichtet fühlen, ihrerseits unter ihren Volksgenossen zu missionieren. v
Auf der Insel Borneo ist nunmehr der Zusammenschluß der Gemeinden zu einer organisierten Kirche erfolgt: obwohl das Heidentum noch nicht völlig überwunden ist und der Islam nach wie vor verzweifelte Gegenanstrengungen macht, geht der Siegeslauf des Evangeliums unbeirrt weiter, wie die wachsende Zahl der Taufbewerber zeigt.
Aus Indien berichten die Missionare von schönen Arbeitserfolgen in den Bezirken Nord-Malabar und Süd Mahratta, in denen planmäßig evangelisiert wurde. Als weiterer Fortschritt wird die günstige Weiterentwicklung der Arbeit unter der verachteten Kaste der Parias im Motebennurbezirk gemeldet, wo es sogar zur Errichtung einer kleinen Missionsstation kam.
Auch auf der G o l d k ü st e und in Kamerun, den beiden Missionsfeldern im schwarzen Erdteil, sind Vorwärtsbewegungen festzustellen. Das älteste afrikanische Missionsgebiet, die Goldküste, zeigt in den Orten Pamu und Nwereme eine wenn auch kleine, so doch verheißungsvolle Ausdehnung eigent- , licher'Missionsarbeit. In Kamerun, unserer ehema- , ligen Kolonie, schreitet der große Prozeß des Zu
sammenbruchs des Heidentums unaufhaltsam vorwärts: die Hinwärtsbewegung zum Evangelium ift unverkennbar: leider aber reichen hierfür die etn- gesetzten missionarischen Kräfte noch lange nicht aus. Die Zahl der Taufbewerber im Grasland ist auf 6550 und im Waldland auf 3000 gestiegen — dem Vorjahr gegenüber eine Zunahme um etwa
betroffen.
Künftighin wird man sich am Selterstor als Wanderer an den „Ueberweg für Fußgänger" zu halten haben, wenn man den Fahrdamm überqueren will. Wird die Lage auf dem Fahrdamm brenzlich, so kann man sich mit einigen schnellen Schritten auf die Insel retten. Dort wird man so sicher sein wie in Abrahams Schoß — wenn nicht etwa em Kraftfahrer es sich in den Kopf gefetzt hat, unter allen Umständen die am Ende der Insel stehende Stange mit dem Schild mitzunehmen, d. h. umzufahren und dabei dann doch auf die Insel saust. Aber das dürfte wohl nur ein Ausnahmefall fein; oder nicht? Denn außer der Insel werden wir ja am Selterstor wohl auch noch als ständigen Beschützer einen Verkehrs- Schupo wirken sehen. Und so werden sich wohl bald Verhältnisse ergeben, von denen man sagen kann: Nun endlich kann der Gießener richtig gehen!
Die Gießener Polizei hat am Donnerstag m ihrem Dezember-Monatsbericht eine „erfreuliche Abnahme ber Verkehrssünder" rühmend festgestellt und den willigen Volksgenossen ein lobendes Zeugnis für einsichtiges Verhalten gegenüber den Verkehrs- vorschriften erteilt. Freuen wir uns darüber! Hoffentlich wird die Polizei auch weiterhin mit uns zufrieden fein, wenn erst die Inseln und das Spalier der Verkehrsregelung unveräußerliche Bestandteile unseres Denkens und eiserne Richtpunkte unserer Haltung im Straßenverkehr geworden sind. Wer es gut meint — natürlich auch mit sieb selbst — wer die Polizei nicht ärgern und die Sanitätskolonne nicht mit Verunglücktentransporten beschäftigen will, der bestrebt sich, allezeit ein einwandfreier Verkehrs- Mensch zu sein und Straßendisziplin zu halten. Dann wird er sicher von der Polizei belobt werden. —
Mißvergnügt und neidisch ob dieser schönen Aussichten sind jetzt nur noch einige Straßenbah- n e r. Sie sehen im Gellte den untadeligen Straßenpassanten und den ebenso einwandfreien Kraftfahrer voraus. In ihrem Arbeitsbereich aber feben sie zunächst noch kein Licht der Besserung. Wie gegenwärtig, so sehen sie auch in Zukunft sich immer stoch beschwert und in ihrer Arbeit unnötig aufge- ' halten von den Fahrgästen — der Wahrheit gemäß muß man schon sagen, daß es meist Frauen sind , , die erst den Straßenbahnwagen besteigen, dann um- > stündlich ihre Handtasche öffnen, in allen Winkeln = nach dem Portemonnaie suchen, aus diesem nach = langem Hin und Her einen Zehner herausholen, ! vielleicht aber auch großes Geld zum Wechseln i geben, und dadurch natürlich ungemein „fördernd" - auf den Verkehr einwirken. Man fragt in aller Be- - scheidenheit: Muß das so fein? Ob Gießen wohl t auch nach dieser Richtung wenigstens einigermaßen
es dabei zu vulkanischen Entladungen. Schon im ( 30jährigen Kriege klagte ein Regierungsbeamter ; über diesen Freiheitstrieb, der ihm natürlich als « Unbotmäßigkeit und Ungehorsam erschien, über , diese „Haupt- und Erbschwachheit" der Leute zu . Langsdorf. Dieser trotzige bäuerliche Freiheitsdrang kannte wirklich den Mannesstolz vor Fürstenthronen — er war durch brutale Dragonaden nicht unter- zukriegen, er war durch Bande und Gefängnis nicht zu brechen. Er bewährte sich in der jahrelangen Haft manches Mannes und teilte sich auch den Frauen dieses Dorfes mit.
Auf ein so geartetes Bauerntum stieß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der von so gänzlich andersartigen Voraussetzungen herkommende Geist der französischen Revolution. Wohl wurde er in Langsdorf freudig begrüßt, weil er die Lockerung und Beseitigung der Reste feudaler Fesseln brachte; aber im Grunde war der Langsdorfer Freiheitsstolz nichts anderes als der urtümliche Freiheitsdrang des germanischen Menschen. Innerste Verwandtschaft mit westeuropäisch - demokratischem Denken besaß er nicht. Hier liegt die eine Wurzel für die Gestalt unseres „Lugge", seinen unbändigen Freiheitstrieb, der in die spanischen Stiefel von Parteiprogramm und Parteidisziplin sich nicht einschnüren ließ.
Dicht daneben liegt eine zweite: ©eine starke Bodenständigkeit. Seit fast 400 Jahren siedelt die Sippe Köhler in unserem Dorfe. Der erste urkundlich nachweisbare Namensträger hieß genau wie der Lugge: Philipp Köhler, genannt der Schmied Don diesem um 1550 geborenen Ahnherrn stammen alle Träger dieses Namens m Langsdorf ab — viele Hunderte. Es entstand aus dem einen Mann eine Sippe von bäuerlicher Urkraft. Zu gewissen Zeiten überschwemmten sie geradezu das Dorf. In manchen Perioden stellte die Gesamtfamilie die führenden Persönlichkeiten auf allen
G. Christian D e i ch e r t, der Altvater der hessischen Bienenzucht und ihr erster Vorkämpfer, begraben. Aus Anlaß des 50. Todestages fanden sich gestern mittag verschiedene Bienenzüchter unserer engeren Heimat am Grabe ein, um dem Manne eine Ehrung zu bereiten, der der Bienenzucht in unserer hessischen Heimat Wegbereiter war und den Gedanken der Bienenzucht zielbewußt förderte. In dankbarer Würdigung feiner Verdienste legte des-
zu Großen-Buseck liegt der am 10. Januar 1886 verstorbene Pfarrer
halb der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Gie
ßern Herr B o d e n b e n d e r, im Namen aller hes- hing die Bienenzucht genommen at unb ® si'ch-n 3mter einen prächtigen Kranz nieder und deutung man ihr Heu ° b-'M'btt EnMotzten chaup
2000. . < r
Die tapferen Frontkämpfer da draußen stehen unentwegt auf ihrem Posten. Durchhalten können sie nur dann, wenn die heimatliche Christenheit helfend hinter ihnen steht mit ihrem Gebet und ihrem Opfer. Zu beiden mahnt uns ganz besonders der diesjährige Missionssonntag. Laßt uns nicht müde werden! Denn die Mission ist Gottes Sache!
Im Geiste des Verewigten brachte Professor 1 Werner ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer und 1 Vaterland aus.
Nach einem Trauermarsch von Beethoven dankte der jetzige Besitzer des Lugge-Hoses, Wilhelm Köhler, allen, die diese Ehrung seines Vaters zustandegebracht hatten, und übernahm die Tafel in den Schütz der Gesamtfamilie. Nach dem Lied vom Guten Kameraden sprach Wilhelm Fenchel ein Schlußwort, worauf die Feier mit dem ersten Vers der beiden Nationalhymnen ihren Abschluß fand.
Danach begab sich ein großer Zug zum Grabe Köhlers, in dem er unter einem wuchtigen Münzen- berger Findling ruht. Hier legte einer seiner alten Freunde, Friedrich Gommersheim, der sich in der Kampfzeit der 90er Jahre den Dorfnamen des „Böckel-Schusters" verdiente, einen Kranz nieder mit dem Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu den Gedanken und dem Lebenswerke Philipp Köhlers.
Anschließend an diese Kranzniederlegung lud die Witwe Köhlers, Dorothea geb. Bommersheim, die alten Freunde ihres Gatten zu einem gemütlichen Kaffeestündchen in ihr Haus. Hier sah man alle die ergrauten Männer, die vor einem Menschenalter in den Herzen der hessischen Bauern das Dritte Reich der Deutschen vorbereiteten. Manch gutes, kerndeutsches Wort wurde noch gesprochen, besonders ist zu erwähnen eine von feinem Humor gewürzte Tischrede Professor Werners, in der er die anwesenden alten Freunde ehrte. Treffliche Worte fand auch der Ortsgruppenleiter der NSDAP., Pg. K i r ch h ö f e r - Hungen, der die Verbundenheit der jungen Generation mit den alten Böckelianern im deutschen Denken beifällig zum Ausdruck brachte.
Der Köhler-Gedenktag für unser Dorf ist vorbei. Aber nun ist dafür gesorgt, daß die Erinnerung an : den genialen Bauernführer unter uns nie verblassen wird, dessen Lebenswerk unter dem letzten Wort stand, das er an seinem Todestage niederschrieb:
i „Ich habe doch gesiegt!"
Aus der Provinzialhauptstadt.
Inseln und Spalier.
Jetzt wird's Ernst. Gießen wird Großstadt. Was unserer früherer verstorbener Stadttheater-Direktor Steingoetter in seiner Fastnachts-Revue Ende Februar' 1927 vorausjchauend noch nicht gesehen hatte, wird von der Polizei jetzt ins Werk gesetzt. Am Selterstor nimmt der Weg zur Großstadt Gießen seinen Anfang. Dort wird eine Verkehrsregelung mit modernen technischen Hilfsmitteln geschaffen, die sich sehen lassen kann .
Die Gießener werhen nun gehen, d. h. richtig gehen lernen. Was viele Jahre lang vorbeigelang, diesmal hofft man's endlich zu erreichen. Dem Kreuz- unö Querlaufen, dem kunterbunten Durcheinanderfahren soll der Garaus gemacht werden. Zeit dazu ist's wahrhaftig. Die Polizei unternimmt ein verdienstliches Werk, dem man nur den besten Erfolg wünschen kann. Hoffentlich sind die Männlein und Weiblein, insbesondere die in jungen Jahren, denen der Himmel noch voller Geigen hängt, der gleichen Meinung. v .
Zwei Verkehrsinseln inmitten des Fahrdamms und Spaliere am Rand der Bürgersteige sollen den Passanten und dem Verkehrs-Schupo am Selterstor bei dem Erneuerungswerk „Stecken und Stab" sein. Wir wissen nicht, ob für den Gießener Verkehrs- Schupo auch so große und weithin leuchtende weiße Handschuhe und ein weißer Tschako wie bei seinen Kollegen in der Großstadt vorgesehen sind. Aber wenn er dieses moderne Rüstzeug auch nicht hat, so wird hoffentlich doch alles gut gehen. Die Hauptsache ist, daß alle Beteiligten — und wer von uns in Gießen wäre das nicht? — guten Willens sind und die nötige Aufmerksamkeit an den Tag legen. Denn mit dem Jn-den-Tag-Hineinlaufen und -Hineinfahren, wie bisher, wird nun am Selterstor Schluß gemacht. Bald wird der Zeitpunkt da fein, wo man verkünden kann: Jetzt herrscht Ordnung im Betrieb! Hoffentlich werden davon auch die Stehkonvente der unermüdlichen Neuigkeiten-Erzähler
und von Karl Balth. Kling (Langsdorf) ausgeführten Gedenktafel, die folgende Inschrift trägt: Philipp Kohler-Lugge
dem deutsch - völkischen Streiter
für freies deutsches Bauerntum Mitglied des Reichstags und Landtags geb. 6.8.1859, geft. 10.1.1911. Gewidmet von feinen Mitkämpfern
10.1.1936.
Landesmiffionsfest am 12 Januar
Von Dekan Mdmann, Schotten
Gebieten. .
Der Zweig, dem Philipp Kohler entsproß, siedelt seit langen Geschlechtern in einem Seiten- gäßchen, von dem ein Durchlaß durch die alte Dorp befeftigung, den Haingraben, führte, eine Lucke, eine Luke. Darum nannte man diese Familie, die in dieser „Lucke" wohnte, im Dorfnamen „Luckes . Philipp Kähler liebte die oberdeutsche Schreibweise und schrieb „Lugge". Davon führte er den Dorfnamen.
Von Mutterseite her entstammte Köhler der Sippe Hofmann, die ebenfalls seit 400 Jahren hier ansässig ist. Oft genug hat dieses Geschlecht mit den Köhlern um die Führung im Dorfe gestritten Der Hofmanns-Zweig, dem Köhlers Mutter entstammte, die Hoheits - Schultheißen - Sippe, war ein Geschlecht von Herrenmenschen, auf freiem Erbe gewohnt zu befehlen. Es ist zu vermuten, daß Köhler von dieser Seite neben dem hünenhaften Wuchs das kühne, rücksichtslose. Draufgängertum erbte, das freilich in erster Linie rücksichtslos gegen sich selbst war, wie das ja der Lugge in feiner Hingabe an das „ deutsche Bauerntum bewiesen hat. ,
Die völkischen Gedanken endlich, die den eigentlichen Ideengehalt Köhlers ausmachten, lagen ebenfalls in Langsdorf sozusagen in der Lust. Antisemitische Gedanken erlebte er in frühester Kindheit Denn da war das Dorf noch voll von den aufwühlenden Erlebnissen, die die 48er Revolution ihm gebracht hatte. Sie sind bekannt unter dem Namen des „Langsdorfer Judenkrawalls der einen revolutionären Ausbruch des Freiheitsdranges und völkischer Gesinnung bedeutet. Hier kann nicht näher auf diese Begebenheiten eingegangen werden, als zum Verständnis der überragenden Gestalt Kohlers nötig ist. „ „ -
Für sein Dorf war der Mann fast zu groß. Dem kühnen Fluge seiner Gedanken vermochten die Kleinbauern 'nicht Gefolgschaft zu leisten, zumal im engen Raum des kleinen Dorfes naturgemäß Die
Großstadt wird? —
Aber dieser Gegenwarts-Kummer soll unsere Freude über den „frischen Wind aus Kanada" in der Gießener Verkehrsregelung nicht trüben. Jetzt wollen wir alle aelehriae Schüler und eifrige Helfer der Polizei bei ihrer Modernisierung des Verkehrs sein. Die Aufgabe wird hoffentlich bald ihre Erfüllung gefunden haben. Dann — vielleicht auch schon etwas früher — wird wohl auch im Publikums-Verkehr der Straßenbahn die Morgenröte einer neuen Zeit heraufsteigen. E. B.
Dornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
NSG. „Kraft durch Freude": ab 15.30 Uhr auf dem Unioersitätsfportplatz Am Kugelberg allgemeine Körperschule und Waldlauf. — NSLB., Kreis Gießen: 15.30 Uhr Zusammenkunft der Bezirks- und Schulgruppenobleute in der Goetheschule in Gießen. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr: Gastspiel von Henny Porten in „Maria Garland". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Verlieb dich nicht am Boden- fee!"; auf der Bühne Antonio Bazzanella. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die selige Exzel« lenz." — Deutsche Stenographenschaft: 20.30 Uhr in der „Stadt Lich" Jahreshauptversammlung. — Reichstreubund, Ortsgruppe Gießen: 20.15 Uhr I Kameradschaftsabend im „Aquarium". — Krieger-
Gott will, datz allen Menschen geholfen ' werde und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 1. Timotheus 2, V. 4.
Die nachweihnachtlichenTage, im kirchlichenSprach- gebraud) Epiphanienzeit genannt, rufen mit eindringlicher Stimme die Christenheit hinein in jene große Verantwortung, in jene heilige Pflicht und gewaltige Aufgabe, welche der Herr der Kirche selbst mit aller Klarheit und Deutlichkeit gezeigt hat:
Gehet hin in alle Welt und prediget das Evange- iium aller Kreatur!" Das Reichsgotteswerk der Mission ist das Jnnewerden dieser Pflicht und die Erfüllung dieser Aufgabe. Freilich, es gab eine Zeit in welcher die Mission, welche den nichtchnst- liche'n Völkern das in Jesus Christus erschienene Heil der Welt bringen will, als eine unbedeutende Winkelsache angesehen, ja sogar bekämpft und für völlig unnötig angesehen wurde. Fehlurteile über tue Mission und erschreckende Unkenntnis über ihre Bedeutung, ihr Wesen, ihr Ziel und ihre Arbeit sind auch heute noch genug verbreitet Gerade deshalb aber ist es ernstlich geboten den Ruf des Landesmissionsfestes zu hären und durch ihn sich erinnern xu lallen, daß es der klare und eindeutige Wille Gottes ist, allen Menschen, d. h. allen Volkern der Welt zu Helsen durch die Verkündigung des Evangeliums, und sie zu leiten m die Erkenntnis der ewigen Wahrheit: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch ln Ewigkeit. Die Mission hat es nicht notwendig, ihre Berechtigung unter Beweis w stellen; denn sie tragt ihren Auftrag zur Sendung ihrer Boten in sich selbst und ist nichts anderes als freudiger und verantwortungsbewußter Gehorsam gegenüber der göttlichen Weisung,, die da lautet „Gott will es!" Und weiter darf nicht vergessen werden, daß sie ein Lebensprmz,p der Kirche und der Christenheit
hiaes Christentum vorhanden ist, ist als ganz na- tiLiche Auswirkung der Trieb ^r Mftfton^ erkennbar, und aus ihm herauswachserch das Gebe .Herr sende dein Licht und deine Wahrheit! und der Opfergeift- Die Liebe Christi dringet UNS also!
Für alle diese grundsätzlichen Erwägungen und Er- Udernisse muß noch weit größeres Verständnis aufbrechen damit ein heiliger Wille wach werde und das unausweichliche Muß erkannt werde: „Das
dalherren trat die stolze Gestalt des Bauernführers.
Es war ein großer Tag für unser Dorf, randvoll großer und stolzer Erinnerungen. Die alten deutsch- völkischen Vorkämpfer aus nah und fern waren erschienen, dazu eine große Menge Volks, das vor dem Köhler-Haufe sich sammelte. Der Sohn Philipp Köhlers, zur Zeit Erbhofbauer im Lugqe-Hof, eröffnete die Feier auf dem Flügel mit
Philipp Köhlers, zur Zeit Erbh Lugge-Hof, eröffnete die Feier auf dem einer Suite von Grieg. Zuerst sprach Wilhelm
Die Vorkämpfer der völkischen Bewegung in Hessen
vor dem Hause ihres vor 25 Jahren verstorbenen bem idyllisch am Freundes Philipp Köhler. Am Gebälk des schönen $ang gelegenen Friedhof
Fachwerkhauses die Erinnerungstafel. - "
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)


