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5m Geiste von Olympia.

Äon Dr. Paul Harms

Drei Hauptwurzeln hat der hochragende Baum unserer Kultur. Die älteste und vornehmste senkt sich hinab in die Tiefen des eigenen Volks­tums. Bon den beiden anderen geht die jüngere zurück auf das Christentum, die ältere auf vas Rassische Altertum. Christliche Welt­anschauung und antike Weltanschauung waren ur­sprünglich Gegensätze, aber in der Kultur der gro­ßen Staatsvölker, die die Menschheit von heute fülyren, sind diese Gegensätze ausgeglichen. Die olym­pischen Spiele, die seit 1896 veranstaltet werden, und die in diesem Jahre zum erstenmal in der Reichshauptstadt stattfinden, sind eine Huldigung der Völker von heute an das Griechentum, dem sie sich für wesentliche Bestandteile ihrer Kultur verpflichtet fühlen.

Für Deutschland hat es eine Zeit gegeben, wo man glaubte, die Kultur ganz aus der ckristlich- kirchlichen Wurzel nähren zu können. Und dann kamen wieder Strömungen hoch, die nur dieklassi­sche Bildung" wollten gelten lassen. Ganz zuletzt erst hat man sich darauf besonnen, daß doch aus dem eigenen Volkstum die wahre Schöpferkraft unserer Kultur immer wieder neu hervorbricht. Eine Zeit, die sich dessen klar bewußt ist, kann ge­rechter als jede andere abwägen, was die Kultur der Gegenwart vergangenen Kulturen verdankt und was sie vom Gedankengut dieser Kulturen im Leben der Gegenwart nicht missen möchte. Nicht missen möchten wir den Gedanken christlicher Näch­stenliebe, der als Sozialismus der Tat unser ganzes öffentliches Leben durchdringt und beherrscht. Ab­lehnen müssen wir dagegen für unsere Zeit den urchristlichen Gedanken der Weltflucht, diedas Fleisch" glaubte abtöten zu müssen zugunsten eines einseitig entwickelten Seelenlebens. Hier haben wir uns bewußt und freudig der antiken Weltanschau­ung wieder zugewandt, die in der harmonischen Ausbildung von Körper und Geist das höchste Ideal der Menschenbildung sah.

Diese Wendung wird bedingt eben durch die Er­kenntnis, wonach die vornehmste Hauptwurzel unserer Kultur ins eigene Volkstum geht. Den Urvätern unseres Volkes nämlich, den Germanen, lag nichts ferner als asketische Feindseligkeit gegen einen gepflegten Körper. Im Gegenteil, pflegliche Durchbildung des Körpers bis zur höchsten Lei­stungsfähigkeit war für die germanische Herren­rasse so selbstverständlich wie für die griechische und die römische. Ebenso selbstverständlich aber galt, in der Blütezeit völkischer Kultur die Auffassung, daß der Körper nicht um des Körpers willen durchzu­bilden sei, sondern damit er der Seele des Herren­menschen als taugliches Werkzeug für die Durch­führung ihres Wollens diene. Eins aber hatten die Griechen der Blütezeit vor Römern und Germanen voraus: ihnen war es gelungen, aus den Wett­kämpfen um die harmonische Ausbildung Mittel­punkte des völkischen Lebens zu machen, deren Anziehungskraft zusammenhielt, was sonst nur zu sehr auseinanderstrebte.

Völkische Wettkämpfe hat es im alten Griechen­land an mehreren Kultstätten gegeben. Sie alle aber wurden überstrahlt von denen, die alle vier Jahre in Olympia, im Tal des Alpheios, zu Ehren des Göttervaters Zeus und der Hera abge­halten wurden. Dort zu siegen war die höchste Ehre, wonach die hellenische Jugend strebte. Und auch für das Kolonial-Griechentum blieb Olympia der Mittelpunkt eines stolzen Rassenbewußtseins. Wor­um es bei diesen Wettkämpfen im letzten Gphckde ging, das hat der spätgriechische Dichter Luk?'an auf eine überzeugende Formel gebracht, die er dem athenischen Gesetzgeber Salon einem Barbaren gegenüber in den Mund legt:Man übt sich nicht, um den Vreis auf den Festplätzen zu erringen: denn den können ja nur wenige gewinnen, sondern man erwirbt für den Staat und für sich ein weit höheres Gut. Denn allen guten Bürgern liegt es ob, an einem noch größeren Wettstreit teilzunehmen, dessen Preis nicht ein Eien- oder Olivenkranz ist, sondern der alles in sich begreift, was die Glück­seligkeit des Menschen ausmacht d i e Frei­heit des einzelnen und die Selbständig­keit und Wohlfahrt des Vaterlandes,

kurz, das beste, was ein Mensch sich von den Göttern erbitten kann. Zu diesem Wettkampf sind die Hebungen und Mühen, wovon wir sprechen, nur die Vorbereitungen."

Der Gedanke, der den olympischen Spielen ur° sprünalich zugrunde lag, war also nicht der,Re­korde^ aufzustellen, sondern dem griechischen Men­schen einen immer erneuten Antrieb zu geben, sich tauglich zu machen für die Aufgaben, Die seiner im Leben harrten. Wenn dieser Gedanke in unseren Tagen erfolgreich wieder belebt und zu einem Ge­meingut der Kulturmenschheit werden konnte, so liegt darin eine doppelte Anerkennung: einmal des Umstandes, wieviel unsere Kultur den Griechen verdankt, und dann des anderen Umstandes, daß die harmonische Ausbildung der Jugend zum fried­lichen Wettstreit heute ein gemeinsames Ideal aller Kulturvölker geworden ist. Seit die Anregung, die Baron de Cou­bertin 1894 gab, sich so überraschend schnell durchgesetzt hat, hat die Kulturmenschheit einen Mittelpunkt, wie ihn einst das Griechentum hatte. Und die Tatsache, daß dieser Mittelpunkt heute von allen Kulturvölkern anerkannt wird, kann in ihrer Bedeutung für die Erhaltung der Menschheitskultur nicht leicht überschätzt worden.

Da es sich aber nicht mehr um den Mittelpunkt eines besonderen Volkstums handelt, sondern um den Mittelpunkt von Bestrebungen, die einigen 50 Völkern gemeinsam sind, so muß dieser Mittelpunkt wandern. Er ist gewandert von Athen nach Paris, von Paris nach St. Louis, von St. Louis wieder nach Athen, von da nach London und von London nach Stockholm. Dort gab es 1912 die letzten Olympischen Spiele vor dem Kriege, 16 Jahre nach den ersten in Athen, wobei die sonst vier­jährige Zwischenpause einige Male auf zwei Jahre verkürzt worden war. Der Krieg brachte eine Unter­brechung in den regelmäßigen Gang des Spiel­ablaufs, und nach dem Kriege versuchten die Kriegs­gewinner, die Olympischen Spiele für sich mit Be­schlag zu legen, um sie zu einer Art von Sieges­feier auszugestalten. Das erwies sich aber auf die Dauer als undurchführbar, weil es dem Charakter der Spiele widersprach. Die Spiele wollen feiern, was den Kulturvölkern gemeinsam ist, nicht, was sie trennt, und wenn das System des Ver­sailler Zwangsfriedens darauf abgestellt war, die Trennung der Völker in Sieger und Besiegte zu verewigen, so unternahm es einen Versuch, der dem Geiste von Olympia schnurstracks zuwiderlief.

Entweder also mußte dieser Versuch scheitern oder der olympische Gedanke mußte preisgegeben werden. Und der olympische Gedanke erwies sich, zum Heile der Menschheit, als der stärkere Teil, er überwand die geplante Verewigung des Völker­hasses. Wie hätte auch das Volk, dessen Gelehrte in rastloser Arbeit die Heiligtümer von Olympia aus dem Schutt der Jahrhunderte herausgehoben und der Kulturmenschheit neu geschenkt hatten, dauernd von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden können! 1928 in Amsterdam waren die Deutschen gleichberechtigt wieder mit dabei, und 1932 in Los Angeles wurde beschlossen, die nächsten Spiele in Berlin abzuhalten. Zwischen diesem Beschluß und seiner Verwirklichung im Jahre 1936 liegt für Deutschland eine Zeit des gewaltigsten Umbruchs. Das deutsche Volk von heute ist den anderen Völkern gleichberechtigt nicht nur auf dem Gebiete der Körperpflege, sondern auf allen Gebieten, auch auf dem der Politik. Es ist wieder wehrhaft und frei, und niemand, der vom olympischen Geist einen Hauch verspürt hat, hält es deshalb für weniger würdig, Gastgeber der Olympiade zu fein. Eher könnte man sagen: in dem Beschluß, Deutschland die Gastfreundschaft für die Olympischen Spiele von 1936 zu übertragen, habe eine stille Mahnung gelegen, Freiheit und Wehrhaftigkeit bis dahin wieder herzustellen. Denn Sklaverei und Ohnmacht vertragen sich nun einmal nicht mit dem Geist eines wahrhaften Olympia!

Um die Olympiade von 1940 bewirbt sich die Hauptstadt Japans. Das ist ein Zeichen dafür, wie das Griechenerbe, das in diesen Spielen lebendig ist, sich die gesamte Kulturwelt erobert hat. Fried­licher Wettkampf im Dienste der Ertüchtigung der Menschheit, das ist der unsterbliche Gedanke, der die Blüte des Hellenentums mit der Gegenwart verbindet. Heber dieser Gegenwart lagert rings

um Deutschland kriegerisches Gewölk. Deutschland aber istd i e Insel des Frieden s". Welcher Ort könnte geeigneter fein für die Olympischen Spiele, als dieses Land, dem die Erhaltung des Friedens bitterster Ernst ist? Daß wir heuer die Jugend der Welt bet uns zu Gaste sehen sollen,

die ihre Kräfte im Wettkampf messen will, wie es einst die Jugend Griechenlands im Tale des Alpheios zu tun pflegte das kann für uns nur ein Antrieb mehr fein, alles daranzusetzen, um eine Störung des Friedens von Europa fernzu­halten.

3m Geiste Boelckes und Iiichthofens.

Äon Or Schepelmann, Äeichslustfahriministerium.

Arn 12. Januar jährt sich zum zwanzigsten Male der Tag, an dem OswaldBoelcke zusammen mit dem zu früh dahingeschiede- nen Max Jmmelmann die höchste Kriegsauszeichnung, der Ordenpour le m£rite", verliehen wurde. Boelcke war es beschieden, die Jagdfliegerei aus der Taktik des Einzelkampfes herausführend, die Füh­rungsgrundsätze der Staffel zu entwickeln und in seinem Schüler Richthofen, den Begründer der Taktik des Geschwaderkamp­fes, den Vollender seines Werkes zu finden. Was Boelcke und Richthofen auch der jun­gen Luftwaffe heute bedeuten, das schildert der nachstehende Aufsatz.

Deutsches Fliegertum hat im Weltkriege die edel­sten Blüten getrieben. Es gibt keine Fliegertruppe der Welt, die es deutschen an Geist und Leistung gleich getan hätte. Hnerschöpflich ist das moralische Erbe, das die junge Luftwaffe, die mit der alten Fliegertruppe durch das Band der Tradition ver­knüpft ist, zu hüten und sich anzueignen hat. Auf allen Gebieten des Kriegsflugwesens haben deutsche Flieger Großtaten vollbracht, die würdig sind, dem jungen Nachwuchs als Vorbild vor Augen gestellt zu werden. Und doch werden die Namen Boelcke und R i ch t h o f e n ihren bezauberten Klang auch heute in der jungen Luftwaffe haben, wie damals, als zu diesen beiden Lichtgestalten deutschen Flieger- tums, die der Himmel dem gegen eine Welt von Feinden kämpfenden deutschen Vaterlande sandte, um sie nach seinem unerforschlichen Ratschluß wieder zu sich zu nehmen, die gesamte Armee und darüber hinaus die ganze Heimat in gläubigem, siegesge­wissem Vertrauen aufsah, so wie Richthofen von

Max Jmmelmann. (Scherl-Bilderdienst-M.) feinem Lehrer Boelcke an dessen Todestage gesagt hat:Es gab eben nur einen Boelcke".

Daher will auch der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General der Flieger Göring, die Erziehung des fliegerischen Nachwuchses im Geiste Boelckes und Richt­hofens geleitet wissen. Das bedeutet keine Ver­nachlässigung der von der gesamten Fliegertruppe

des Weltkrieges gesammelten verschiedenartigsten Kampferfahrungen bei der Ausbildung der jun­gen Luftwaffe, keine Hintansetzung des tapferen Streitens und Sterbens der deutschen Kriegsflieger insgesamt, auch kein Hebersehen der Tatsache, daß fliegerische Großtaten nicht nur in den Reihen der Jagdflieger zu Hause waren, sondern unzählige Male auf allen Gebieten fliegerischer

Oswald Boelcke. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Betätigung, bei den Aufklärungsfliegern wie bei den Bombenfliegern und den Schlachtfliegern vollbracht worden sind.

Das könnte nur der Laie denken, der in Boelcke und Richthofen lediglich die erfolgreichsten Jagd­flieger sieht und von der übrigen Fliegerei keine rechte Vorstellung hat, wie denn Boelcke selbst einmal gesagt hat:Es ist recht schade, daß die Oeffentlichkeit nur von uns Kampffliegern etwas weiß... das sollte bekannter sein, daß es sehr wichtige Gattungen von Fliegern gibt, die nur in der Notwehr kämpfen dürfen und darum nicht Gelegenheit haben, so oft wie wir im Heeres­bericht erwähnt zu werden." Hnd R i ch t h o f e n sagte:Dem Aufklärungsflieger begegnet es oft, daß er in einen Kampf verwickelt wird, aber er hat Wichtigeres z u tun, als sich mit dem Kampf zu beschäftigen. Oft ist eine (photographische) Platte wichtiger als das Abschießen eines ganzen Apparates." An dieser Stelle sei daher ermähnt, daß neun Aufklärungsflieger und fünf Bombenflieger im Weltkriege den hohen Orden pour le merite erhalten haben. Trotzdem ist es nur natürlich, daß der Jagdflieger sich in besonderem Maße aus dem gesamten Flieger- tum heraushob. Er trug, wie die Infanterie es im Erdkampf tat, die Hauptlast des Kampfes in der Luft. So gebührte ihm, in dem des kämpferische Element des Fliegertums zur höchsten Entfaltung gelangte, auch der höchste Ruhm.Die Infanterie trägt die Hauptlast des Kampfes, dafür gebührt ihr auch der höchste Ruhm", hieß es im alten preußischen Exerzierreglement.

Den fliegerischen Nachwuchs im Geiste Boelckes und Richthofens erziehen, heißt daher, sich bewußt

Oie Eichkaier.

Äon Hans Friedrich Blunck.

Mohr wird von feiner Frau auf die Jagd ge­schickt. Er ist Jäger, er ist Jäger aus seines Her­zens schöner Leidenschaft. Aber heute liegt ihm ein besonderer Auftrag ob, der ihm eigentlich recht gegen den Strich geht. Nicht um Rebhühner geht's, nicht um den Fuchs, um die Birnräuber han­delt es sich. Immer, wenn Frau Mohr in den Berg­garten kommt, liegen die schönsten Winterbirnen zeröstsen auf dem Boden. Nur um des Kernge­häuses willen. Der Eichkater aber jagt vor ihr her von Ast zu Ast in den Haselbusch und schilt noch, daß man ihn stört.

Mohr muß sich also auf den Weg machen. Keine hohx Jagd, einen Eichkater zu schießen, und schwer ist's gewiß nicht: diese Tiere tun zudem, als sei die Welt nur für sie da. Aber unbehaglch, ein wenig schülerhaft, bleibt solcher Auftrag. Mohr rückt und drückt am Kragen, er schiebt mit der Flinte den Hut hoch, ärgert sich darüber, macht ein griesmäuliges Gesicht, als dürfe man derlei Aufträge nicht ohne Gegenaufträge übernehmen und zieht dann doch in den Bergwald, die große Schrotflinte drohend auf der Schulter. Kein Zweifel, die Frau hat recht, es ist ein Jammer um die Birnen! Wenn der Eich­kater wenigstens wartete, bis die Menschen ihm die Kerngehäuse zuwürfen! Aber ohne Sinn und Ver­stand packt da jemand die Weid vom Kerngehäuse an; die saftigste Birne ist dem Eichkater schnurz, wenn er nur zu den dummen braunen Birnkernen kommt, die der Mensch verabscheut und die ihm Labe und Wohltat sind.

Da sitzt der Räuber auch schon.Wutt, routt, mutt", fragt er,routt, routt, roatt willst du hier mit der großen Flinte? Wutt, routt, roult die mal weg!"

Aber Mohr läßt sich nicht einschüchtern.Paß auf", droht er und empfindet dabei das Unbe- bagen, daß solche Jagd auf Eichhörnchen eigentlich nicht ganz weidgerecht ist.Es muß nun mal sein", tröstet er den Delinquenten, nickt ihm zu und nimmt die Büchse vorsichtig von der Schulter.Ist auch rasch vorüber", redet er dem Gegenüber tröstend zu.

Aber jetzt roirbs dem Eichkater doch gruslich. Er hält nicht viel von Menschen und verachtet sie, die Kerngehäuse wegwerfen und das milchweiße Fleisch der Birnen fressen. Aber man hat einander bisher noch kein Leid angetan. Die Vorbereitungen von Mohr machen ihm Sorge Rutsch, ist er vom Birn­ast im Haselgebüsch und dann auf der Eiche. Rund um den Stamm herum huit, dann ein win­ziges Trappeln und Kratzen, und oben aus dem

Zwiesel schaut ein kleiner listiger roter Kopf mit Pinzelohren auf den großen dicken Mann unten im Garten.

Mohr merkt, daß seine Ansprache ein Fehler war, er geht wie gleichgültig den Weg zum Wald, biegt hinter der Eiche ab und will dem Hebeltäter in den Rücken.

Wutt, routt", sagt der Eichkater und sitzt schon auf der andern Seite des Stammes. Aber er kann feine Neugier nicht lassen und muß den Menschen, der ihm heut feindlich ist das spürt er genau, doch im Augen behalten.

Mohr tut, als wenn er Eicheckern am Boden suchte, er trägt die Flinte roohlgesichert unterm Arm man stolpert beim Schielen, und sucht dreimal einen Weg über die dicken Eichrourzeln. Dreimal hat er auch schon mit einem schrägen zie­lenden Blick den Eichkater ins Auge gefaßt, aber dreimal ist der Racker im Augenblick, roo er sich auf­richtete, eben um den Stamm herumgeflitzt, und hast du nicht gesehen auf der großen Kiefer. Da hängen aus Gott weiß welcher Zeit noch ein paar Zapfen. Es ist, als wollte der Eichkater feine Gleichgültigkeit gegenüber allem Birnobst bezeigen und einen neuen Vertrag mit den Menschen schlie­ßen; er hat plötzlich einen der Zapfen abgerissen und geht damit kopfunter den Stamm herab, weiß der Himmel wohin.

Mit solchem Ergebnis darf Mohr nicht Heim­kommen Er muß sich aufmachen und den Eich­kater wiederfinden. Was geschieht ihm? Zwei findet er, bei denen er nun wirklich nicht weiß, wer von den beiden der Räuber und wer der Unschul- dige ist. Am Ende sind es sogar Mann und Frau, die sich noch einmal zum Herbst ein wenig necken, ehe sie zum Winterschlaf in ihr schwarzes Nest kriechen?

Während Mohr nachdenkt, betrachten die Tiere einander, als sähen sie sich zum erstenmal. Vorein­ander stehen sie.Zieiep, Zieiep", pfeift das eine und hebt sich, die schöne Rute steil aufgehoben, dem andern entgegen. Auch der betrachtet' mit höchster Spannung den Nachbarn.

Darf man solches Bild stören? Mohr läßt die Flinte sinken, er muß den beiden Tieren zuschauen, sieht, wie sie plötzlich blitzschnell um eine dicke Tanne kreiseln, im nächsten Augenblick in die höchste Spitze jagen, über drei Bäume von Zweig zu Zweig huschen, jäh über den Boden flitzen' und wieder wie zwei rote fliegende Bälle von Ast zu Ast wippen bis sie, scheinbar erstaunt über die erneute Begegnung, zum andern Male einander gegenübersitzen.

,Jch darf mich nicht lange aufhaltersi, denkt Mohr, ,ich mache mich lächerlich', und er hebt die Mord­flinte. Zwei Schritte geht er zur Seite, da hat er die beiden auf einen Schuß. Ist gar nicht leicht, solche Geschöpfe ums Leben zu bringen. .Schuldig sind sie natürlich^, tröstet sich Mohr. Ach, all die Singvogelnester, und gewiß werden beide ge­stohlen haben! Was soll auch aus den Nachtigallen im nächsten Jahr werden, und was aus den Kreuz­schnäbeln, die zum Winter in seinen Kiefern ihr Gelege haben? Oh, oho, man muß tapfer sein und sich überwinden Langsam hebt Mohr die Flinte nn die Backe, vorsichtig zielt er, hat er nicht kürzlich noch den ersten Preis ausgeschossen? Da, im Augenblick, wo er abdrückt ober einen Blitzschein vorher, war ihm, als schlüge da oben ein Schmet­terling seine roten Flügel nach beiden Seiten, er sieht eine borkige Rinde iuft da, wohin er ab­drückte.

Immerhin hallt der Schuß donnernd durch den Wald und wirft Hall um Hall; die Krähen stieben scheltend auf, die Eichelhäher machen ein mörde­risches Geschrei, und aus den Brombeeren jagt ein Kaninchen wie toll in seine Höhle.

Aber von den Eichkatzen ist nichts zu sehen. Rein gar nichts Nur auf der alten Eiche, von der man über den Haselbusch im Sprung zum Birnbaum kommt, lugen vier Augen wie kleine schwarze Knöpfe auf den fürchterlichen Lärmer, und vom Einschuß, da, wo der arme Baum eine Ladung Schrot hat aufnehmen müssen, löst sich langsam ein Stück Borke und fällt, fällt immer schneller am Stamm herab

Auch gut", sagt Mohr.Mär' schad gewesen um die Tiere."

Der verbrannte Hai.

Als kürzlich in der Nähe der schottischen Stadt Stonehaven ein Haifisch tot ans Land geschwemmt wurde, setzte eine wahre Völkerwanderung ein. Jedermann wollte den Hai, der mehr als sechs Meter lang war, sehen, und die alten Seebären, die das Untier sachkundig beklopften, mußten immer wieder aufs neue von ihren Abenteuern mit solch gefährlichen Räubern des Meeres berichten. Dann aber tauchte die Frage auf, was denn nun mit die­sem Strandgut geschehen sollte. Das Museum der Stadt, dem man den Fund zur Verfügung stellte, erklärte, mit Haifischen reichlich eingedeckt zu sein, und zur Vervollständigung einer Privatsammlung war das Tier doch etwas zu umfangreich Der Hai wird verkauft werden, sicherlich läßt sich manches an ihm verwerten! Jene aber, die den Beutel auftun

sollten, um einen toten Hai zu erwerben, schüttelten den Kops Sie machten kein Angebot, und so blieb nichts anderes übrig, als den toten Hai zur öffent­lichen Versteigerung auszuschreiben. Zum anbe­raumten Zeitpunkt fehlte es zwar nicht an Zu­schauern, wohl aber an Käufern. Es wurde nicht ein einziges Angebot gemacht, und so mußte der Auktionator unverrichteter Dinge heimkehren. Lange beratschlagten nun die Beamten, die für die Fort­bringung des verwesenden Tieres zu sorgen hatten, was mit ihm geschehen sollte. Da es nicht ratsam erschien, ihn in die Erde einzuscharren, entschloß man sich, ihn zu verbrennen. Dieser Plan wurde durchgeführt. Allerdings hatten nur die Zuschauer, die auch diesem nicht alltäglichen Vorgang beiwohn­ten, die Sensation; die Behörden waren weniger erfreut. Es war nämlich gar nicht so leicht, den Räuber des Meeres aus der Welt zu schaffen, man brauchte dazu sage und schreibe eine ganze Tonne Kohlen. So ist es begreiflich, daß die Stadtväter von Stonehaven wünschen, in Zukunft nicht nur von lebenden, sondern auch von toten Haien ver­schont zu bleiben.

Hochschulnachnchten.

Der bisherige Direktor des Instituts für Leibes­übungen an der Unioerfität Frankfurt, Dr. Paul Maeder, ist mit der kommissarischen Wahr­nehmung der Stelle eines Oberregierungsrates für körperliche Erziehung in der Abteilung für höheres Schulwesen bei dem Oberpräsidium in Kasse! be­traut worden Seine Vorlesungstätigkeit als Lehr­beauftragter für Theorie und Geschichte der Leibes­übungen führt er vorläufig weiter.

Professor Dr Hans Bischoff, der zuletzt ver­tretungsweise die Leitung der Kinderklinik der me­dizinischen Akademie Düsseldorf hatte, ist mit der Wahrnehmung der Professur für Kinderheil­kunde an der Unioerfität Greifswald beauftragt worden. Gleichzeitig übernimmt er dort die Leitung der Hniversitäts-Kinderklinik und Poliklinik

Zu ordentlichen Professoren wurden ernannt: Dr. Ernst Kirst, Extraordinarius für Bergbau­wissenschaften an der Technischen Hochschule Ber­lin, daselbst; Dr. Heinrich Go11ron, Extra­ordinarius für Dermatologie an der Unioerfität Berlin, unter Versetzung an die Universität Breslau.

Von den amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden die ordentlichen Professoren Dr. Otto Voß an der Universität Frankfurt (Ohrenheilkunde) und Dr. Arthur Kötz an der Universität Göt­tingen (Chemie).