ttr.9 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Samstag, U. Zanuar (956
In der Herzkammer des Saarkampfes.
Erlebnisse in -er „Gaarkampfzentrale -es -rutschen Zrundfunks".- Zum Jahrestag -er Gaarabstimmung am 13.3onuor.
Don Or. Adolf Baskin, ehemaligem Leiter der Gaarkampfzentrale des deutschen Rundfunks jetzt Intendanten des Michssenders Saarbrücken.
Gegner und Aeutrale.
fast
Bürckel, seine Handvoll Mitarbeiter — sechs oder sieben —, sein Glaube an den deutschen Charakter, seine gerechte Klugheit und seine kluge Gerechtigkeit — ein einfaches Programm: für Deutschland gegen käuflich verkäuflichen Verrat. Das war die eindeutige, klare nahtlose „Deutsche Front".
Auf der anderen Seite: das vielfältige, bunte, abwechslungsreiche Gegenteil. Eine Flut giftigster und sich in Haß und Gemeinheit unter höchstem Schuß überschlagender Zeitungen: Wäre ihre Zahl maßgebend für das Abstimmungsergebnis gewesen — Deutschland hätte keine 25 v. H. bekommen.
Parolen vom materialistischen „Halte fest was du hast!" bis zum Spruch „Für Christus gegen Hitler!" Keine, die nicht bezahlt und bestochen gewesen wäre — mit verantwortungslos verwendeten Geldern des französischen Volkes. Kommunistenblätter, die mit der katholischen Kirche zu trinken versprachen, während man am gleichen Tage in Moskau den Papst über einen 50=kw=<Seni)er zum „Oberfinsterling" ernannte. Eine gefährliche angeblich streng katholische „Saarpost", deren Chef so ziemlich mit allen Geboten Gottes auf dem Kriegsfuß stand. Freiheit — für französische Franken. Gleichheit — für französische Franken. Brüderlichkeit — nur nicht mit den deutschen Brüdern. „Wir sind das bessere Deutschland!" — eine Parole und darunter die flehentliche Bitte an die Welt, schleunigst die Kriegsmaschinen zur Vernichtung Deutschlands, zur Vernichtung deutscher Brüder, deutscher Arbeitskameraden in Bewegung zu setzen, um sie zu „befreien".
Die Drahtzieher machten ihr Geschäft dabei und verschwiegen wohlweislich, daß ihre Bankkonten in Paris und Amsterdam und Genf beträchtlich anschwollen und daß die „echt deutschen" Luxusvillen schlüsselfertig jenseits der Saargrenze warteten.
doch wiederum auch der ernsthafte und ernstgemeinte Kern in Wildes Stücken und Figuren nicht übersehen werden; es lohnte sich sonst kaum noch, sie auf der Bühne unserer Zeit erscheinen zu lassen. Daß Wildes Schauspiele in der Technik nach französischen Vorbildern, etwa nach den Stücken Sar- dous, gearbeitet sind, kann ihnen an sich ebensowenig zum Vorwurf gemacht werden wie den Dramen von Sudermann bei uns.
Der Uebersetzer hat sich (im Programmheft) mit einem schonen Eifer für seinen Mann und seine Sache eingesetzt. Er betont das Kämpferische und die Gegenwartsnähe Wildes und seiner gesellschaftskritischen Stücke, und was er sagt, liest sich nicht übel; aber wir glauben doch, daß L e r b s dabei ein wenig zu weit geht und die Abstände unterschätzt, die uns heute von Wilde trennen; wir finden, daß man das Stück weder aus seinen nationalen noch seinen zeitlichen Bindungen lösen kann. Daß es gut übersetzt ist, scheint uns außer Zweifel, seine Aktualität scheint uns ein wenig fragwürdig, denn zwischen jener und unserer Welt liegen mehr
als vier Jahrzehnte und mehr als der Kanal, der England vom übrigen Europa scheidet.
schätzen.
Solche Eigenschaften empfehlen ihn von vornherein als Uebersetzer Wildes, dessen ausgesprochen ästhetische Grundhaltung viel Gefühl für abgewogene Form und empfindliche Sprachbehand- lunq erfordert, wenn nicht in der Uebertragung das Beste, der eigentliche, schwer vergleichbare Reiz des Originals verlorengehen soll. Wildes funkelnder Stil", sein Witz, seine Freude am Gutgesagten, an Ironie und Widerspruch in sich sind bei uns von der Bühne her bekannter geworden als etwa durch seinen großen Roman, durch seine Erzählungen und Gedichte: er ist durch seine Stucke abgestempelt gleichsam als geistreicher und unterhaltsamer Plauderer, als ein Meister der Konversation; zualeich aber auch als ein Mann, der im Grunde nicht ganz ernst zu nehmen sei, eben weil ihm die ^orm' über alles ging, selbst über den Inhalt und die Sache selbst; und weil man ihm nachsagte, daß sogar seine Satire, seine Kritik an der englischen Gesellschaft zweideutig und zweifelhaft werde, wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren könne, es bandle sich für Wilde nicht so sehr um den eigentlichen Anlaß zu Kritik und Satire als eben um deren Einkleidung und Aufmachung, um den Bühneneffekt, die große Szene, das Feuerwerk des Dialogs und eine Fülle gutgezielter und gutsitzender Bosheiten.
Wenn auch kaum zu bestreiten ist, daß Wildes verstorbener, bedeutender Landsmann Galsworthy in Stücken ähnlichen Charakters ernsthafter und ehrlicher (dabei übrigeüs, rein theatralisch gesehen, keineswegs minder wirksam) anmutet, so sollte
Die Regierungskommission, der Völkerbund, das Ausland ließ alles das unter dem Deckmantel der „Neutralität". Daß es um die eine Frage der Zugehörigkeit zu Deutschland ober Frankreich ging, war längst vergessen. Nur nicht davon reden. „Für Deutschland — gegen Hitler!" — diese ewige Parole des status quo allein hätte eigentlich jedem Ausländer die Augen öffnen müssen: Freund und Feind „Für Deutschland?" Daß man für Deutschland aber gegen seine Regierung abstimmen dürfte, wo es nur um die oolksmäßige Zugehörigkeit laut Vertrag von Versailles gehen durfte — alles das ließ man zu, manverfälfchteden Sinn derAbftimmung und hielt weife Reden in Genf vom Terror der Deutschen Front. Wir haben angesichts dieser Hinterhältigkeit und Verdrehung oft genug über die Mikroohone aller Sender gerufen: „Ja, wenn es eine pra n z ö s i s ch e Minderheit an der Saar gäbe — wir hätten dann wenigstens einen anständigen Gegner in diesem Sumpf des Verrates „deutscher" Emigranten und Charakterlumpen. Solche Gegner, wie sie, die machen wirklich keinen Spaß.
Gemeinheit, Lüge, widerliche Heuchelei, Korruption. Bestechlichkeit, das waren die „Methoden" dieser Brunnenvergifter, von denen manche so harmlos getarnt einherschritten, daß sie den Wehrlos-Naiven in Gefahr zu bringen drohten — und da saß der gefährliche Gegner. Die faustdicken Lügen waren uns immer am liebsten, weil jeder den Pferdefuß fühlen mußte — aber diese verdammt Heimlichen mit dem unschuldvollen Augenaufschlag, die Biedermänner mit der Sorgenfalte „für Deutschland — gegen die bösen Nazis" — sie machten uns erfinderisch und sorgten dafür, daß wir nicht über Arbeitsmangel zu klagen hatten. Das die Methoden in ber
Das sind die „Methoden". Sozialistische soldatische Methoden. Man mag es nennen wie man es will — es sind d i e Methoden des urgesunden Menschenverstandes, die Methoden der innersten Gerechtigkeit, die Methoden des Führers: Solchen Methoden Gestalt zu geben vor dem Mikrophon, auf der Tribüne, in den Versammlungen — das war eine dankbare und deshalb fo leichte Aufgabe. Mehr kann man darüber nicht sagen, weil man so etwas nicht lernen oder lehren oder in „Leitsätze für den politischen Kampf" künstlich verwandeln kann. Hier offenbarte sich das Wesen der „Propaganda" im edelsten Sinne: Liebe, Hingabe, Bereitschaft, Treue, Charakter, Mitgefühl, Gerechtigkeit — alles zusammengenommen, d i e b e ft c Propaganda, d i e es gibt.
Und so kamen sie zu ihm. Die Funktionäre der kommunistischen Partei, sozialistische Arbeiterführer, wilde Draufgänger und schnautzbärtige gutmütige polternde Gewerkschaftler aus der Zeit Bebels — ich denke da an die humorvolle erste Begegnung Bürckels mit dem Anführer der roten Grubensicherheitsmänner, dem Rohrbacher Hannes. Wenn sie von Bürckel gingen, dann gingen sie stolz und sicher und die notorischen Spitzbuben unter ihnen lächelten verlegen, weil sie sich durchschaut fühlten in ihrem spekulierenden Gleichschaltungsdrange. Denn Bürckel machte ihnen nichts Dor’ Er streichelte sie nicht und nahm kein Blatt vor den Mund.
mußt, eben in solcher Jugendlichkeit begründet ist. Luise Decker führte die Mrs. Allonby folgerichtig und amüsant im Fahrwasser Jllingworths; ihre Rolle (wie jene) spricht am deutlichsten die Wildesche Sprache, und es schien ihr selbst Vergnügen zu machen, unverbindliche, halb frivole, halb iranische Randbemerkungen in der „Gesellschaft" auszustreuen.
Die. Damen S t i r l und B i r k m a n n, die Herren Kühne, Geiger und Frickhoeffer trugen dazu bei, diese Gesellschaft mit bemerkenswerten Vertretern zu bereichern; Herr V o l ck und Frau Schubert als Ehepaar Pontefraet erzielten sogar Heiterkeitserfolge; doch fei vor Uebertreibungen gewarnt, die in dieser Umgebung besonders bedenklich sind.
Es wurde ein glatter, runder Erfolg. Mit den Hauptdarstellern nahm zuletzt der Intendant den Dank des Hauses entgegen. hth.
Gießener Gta-ttheater.
Oscar Wilde: „Eine Fran ohne Bedeutung".
Das Theater beginnt sich des älteren, schon . klassischen englischen Gesellschaftsstückes, das eine Zeitlang vergessen zu sein schien, aufs neue zu entsinnen; sogar der Film hat sich — nicht ohne Erfolg, wie „Ein idealer Gatte" und „Pygmalion" erweisen — in der letzten Zeit, auf der Suche nach brauchbaren Drehbüchern, dieser Gattung angenommen. Von den Stücken, die Wilde auch dem deutschen Theater hinterließ, bietet sich „A woman of no importance", schon 1893 geschrieben, unseren Bühnen nunmehr in einer Neubearbeitung des Bremers Karl Serbe an, den wir nicht nur als Uebersetzer englischer und amerikanischer Literatur, sondern auch als einen mit gepflegter Sprachkultur und geschliffenem Witz begabten Anekdotenerzähler
Es ist ohne Zweifel ungewöhnlich, wo nicht peinlich, wenn eine Frau nach langen Jahren, höchst unvermutet, den Mann roieöerfinbet, dem einmal ihre Liebe gehörte, und der sich damals weigerte, ihrem Kinde den rechtmäßigen Namen zu geben; um wieviel schlimmer, wenn diese Mutter erleben muß, daß der nicht mehr Geliebte, sondern längst bitterlich Gehaßte im Begriff steht, ihrem und seinem Sohn, (den er nicht einmal kennt) Wohltaten zu erweisen; daß dieser Sohn den bisher Verehrten in einer Situation antrifft, die jener Situation von damals verzweifelt ähnlich sieht, ... und daß der Junge nur durch ein überstürztes Geständnis davon abgehalten werden kann, die Hand zu erheben- da versagt selbst Wildes in allen Sätteln gerechte Dialektik, und es gibt einen Aktschluß wie von Sardou. Im letzten Akt erhält die Frau endlich, endlich ihren Triumph, — der Kavalier die längst fällige Ohrfeige. Jetzt ist es nach lauter Konversation und Aphorismen endlich einmal ernst geworden; jetzt wird menschlich und deutlich gesagt, was zu diesem Fall zu sagen ist. Aber niemand kann aus seiner Haut, am wenigsten ein Mann wie Wilde, und der allerletzte Satz klingt wieder so, als sei das ganze Stück nur um dieses einen Satzes willen und auf das Wort bin geschrieben worden, weil es eine Umkehrung ist, das glatte Gegenteil, also etwas, das zu den virtuos gehandhabten Kunstgriffen des Wildeschen Stils gehört: „Ein Mann ohne Bedeutung". —
Bürckel kennt die Saarländer so gut wie er feine Pfälzer kennt — denn da gibt es keinerlei Unterschied. Sein Grundsatz und sein zweites Wort: „Bei der Abstimmung hat sich der deutsche Charakter zu bewähren, nicht unsere Diplomatie oder unsere politische Klugheit". Weil er seine Saarlander und seine Pfälzer so gut kannte, weil er mit ihnen Schulter an Schulter draußen gewesen war, weil er mit ihnen vom blutigen Feuerbrand des brennenden Rathauses in Pirmasens übergossen um die Freiheit dieses Landes gerungen hatte — deshalb konnte er manch aufsehenerregendes Wort zu ausländischen Journalisten sagen: Als ihn ein Franzose nach feiner großartigen Schlußrede zu Kaiserslautern am 9. Januar 1935 ein wenig verführerisch fragte: „Was werden Sie tun, wenn sich erklären 51 v. H. für Status quo und 49 v. H. für Deutschland?" Bürckel stolz und für diesen Franzosen völlig überraschend: „Wenn so etwas möglich wäre, dann würden wir auf dieses Land gerne verzichten. Dann mögen sie mit dem Teufel im Status quo glücklich werden!"
Das war und das ist B ü r ck e l. Einer der das Volk und die Seele des Volkes kennt, weil er dieses Volk nie — weder innerlich noch äußerlich verlassen kann. Einer, der auf den deutschen Arbeiter baut, weil er durch alle Verschüttungen und Verletzungen hindurch die wunderbaren einfachen und treuen Herzen dieser Arbeiter und Bauern leuchten sieht.
Intendant Schultze-Griesheim hat sich persönlich für die Inszenierung eingesetzt, und es wurde die Ausführung eines eleganten Gesellschaftsstückes, wie es der Spielplan verheißt: mit einer in ihren betontesten Teilen witzigen und spritzigen Konversation, recht aus dem Geiste Wildes, der seine Freude daran hatte; es gibt da ganze Partien, die aus einer fast lückenlosen Kette von Bonmots und Aphorismen bestehen, und man möchte den Mann bestaunen, der dies alles so mühelos und nebenbei aus dem Aermel schüttelt. Aber es waren aus solchem Feuerwerk von Unterhaltung auch die großen Szenen mit Nachdruck hervorgehoben, in denen nicht bloß geredet und gelästert, sondern wo der „Fall" verhandelt und zu Ende gebracht wird: ausgezeichnetes Theater, vielleicht sogar noch etwas mehr; und wenn jemand dieses Mehr in seinem innersten Kern bezweifelt haben sollte, so kann es gewiß nicht an der Aufführung gelegen haben, sondern eben am Stück und an der Weltbetrachtung des Mannes, der es schrieb. — Herrn Löfflers Bilder schufen den angemessenen Rahmen; sehr geschmackvoll besonders der niedrige Landhausraum des dritten Aktes; im letzten hätten sich Bilder von Scott und Dickens an der Wand nicht schlecht gemacht.
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Die Gestalt, die Wilde selbst und etwa dem Lord Wotton im „Dorian Gray" am ähnlichsten sah, war der Lord Jllingworth des Herrn von S p a l l a r t; seine Eleganz, seine Nonchalance, seine Bonmots saßen vorzüglich. Er bewahrte die Ruhe bis zuletzt, bis fein Gentlementum schon erschüttert ist, wo die Rolle anfängt, schwierig und gefährlich zu werden, weil neben Witz und Verstand auch das Herz sich zum (abgewogenen) Wort meldet.
Aenne Markgraf hatte es von der Rolle aus nicht leicht, ihre ganz vom Gefühl gehaltene Wtion gegen eine Welle von Konvention, Ironie und Verstandeskühle zu behaupten; es gelang ihr nicht nur, die Rolle zu spielen, sondern eine Gestalt mit menschlichen Zügen zu zeigen, mit einem beleidigten und geängstigten Herzen, — und immer gefaßt in der Haltung, eingefangen, verhalten, beherrscht.
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Ihr innerlich am nächsten und ähnlichsten war Cissy Henckel! als Miß Hefter erfrischend m ihrer unverbildeten Offenheit und Herzlichkeit. Peter Schorn, als Gerald vor eine nicht unbedeutende Aufgabe gestellt, traf recht glücklich den Ton des ahnungslosen, empfindlichen und ehrgeizigen jungen Mannes, dessen stärkste Kraft, ihm unbe-
„Dieses Volk hat die deutsche Prüfung bestanden."
Dieses Wort aus der Meldung des Saarbevollmächtigten, Gauleiters Bürckel, an den Führer muß jeder voraussetzen, der einzelnes aus diesem schick- salshaften Kampf mitteilen soll. Dieses Volk an der Saar hat der Welt seinen deutschen Charakter präsentiert und weil es nie einen Zweifel an der inneren Qualität, an der Festigkeit und Treue dieses Volkes gegeben hat, deshalb ist alles Gerede und Geschreibe um die „Rettung der Saar" leichtfertige Großtuerei. Die Saar wurde für Deutschland wiedergewonnen, weil das Gesetz des Blutes es befahl. Nicht wir oder das Reich haben eine Provinz erobert — diese Provinz s e l b st hat sich als „a b- gefprengte Kompanie" durchgeschlagen zum Heimatregiment „Deutschland". Treu und brav.
Diese Kompanie rief die Wahrheit in die Welt: Der Rhein ist Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze!
Diese Kompanie erbrachte den Beweis für die Lüge von Versailles, die 15 Jahre hindurch Fundament eines internationalen Rechtsstaates zu sein vorgab.
Niemals wäre ein 13. Januar zum Glückstag und Siegesfest des deutschen Volkes geworden, wenn es Aufgabe von Soldaten, Politikern, Propagandisten und Diplomaten gewesen wäre, eine Provinz zu erobern.
Aufgabe und Ziel.
Diese Wahrheit war die Voraussetzung und der Sinn dessen, was sich im Jahr 1934 als eigentlicher „Saarkampf" abgespielt hat. Es galt diesen Weg rein zu halten von den Schlammfluten der Verleumdung und von dem Geröll des Hasses — denn dieser Weg führte mitten durch die Herzen dieser Menschen.
Damit stellte das Ziel die Aufgabe: eine Aufgabe der Aufklärung, eine Ausgabe der Abwehr, eine Aufgabe gegen die Lust und bie. Tücke sichtbarer und — weit mehr noch — unsichtbarer Gegner. Diese Aufgabe mußte in wesentlichen Punkten dem deutschen Rundfunk zufallen, als dem einzigen Mittler, der ungehindert die Grenze pasfieren durfte. Aus dieser Erkenntnis heraus schuf Reichsminister Dr. Goebbels die feste unabhängige Kommandobrücke „Saar" des Deutschen Rundfunks, die von keiner anderen Aufgabe in Anspruch genommen war, als von dieser; alle Sender den Kurs steuern zu lassen, den der Führer und sein Bevollmächtigter bestimmten und der frei blieb von allen Zu- fälligkei^n persönlicher Meinungen und Methoden. Die'Ereignisse an der Saar selbst waren das beste Kriterium für die Strategie und Taktik dieser Führung. Bürckel führte — und unmittelbar bei ihm in seinem berühmtgeworbenen, kleinen, freundlichen „Saarhaus" in Neustadt a. d. Haardt in der Pfalz liefen die Drähte des „Saar-Rundfunks" zusammen.
„Methoden" in Aeustadt.
Bürckels Methoden, die einzig auf die Säuberung des Rückweges „einer abgesprengten Kompanie" gerichtet waren — diese Methoden waren keine diplomatischen Methoden. Das soll heißen: sie waren nicht auf List und Ueberlistung, nicht auf Tücke und Hinterhältigkeit, auch nicht auf billige Versprechungen oder auf materielles Angebot abgest'mmt.
Oer norwegische Komponist Christian Sinding 80 Jahre alt.
Christian Sinding und „Frühlingsrauschen", — das ist in Deutschland ein Begriff geworden. An der Popularität dieses Salonstücks gemessen, müßte Sinding bei uns Volkstümlichkeit genießen. Weit gefehlt. Der norwegische Komponist ist unbekannter. als es feine Werke rechtfertigen. Der nor- dische Charakter von Sindings Musik sollte ihm auch in Deutschland eine würdigere Stellung auf den Programmen der öffentlichen Konzerte sichern. Am 11. Januar 1856 zu Kongsberg in Norwegen geboren, empfing Sinding den wichtigsten Teil feiner musikalischen Ausbildung am Leipziger Konservatorium und lebte dann in Dresden, München und Berlin; 1909 wurde Sinding zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt, eine Ehre, die den norwegischen Komponisten immer wieder auf einige Zeit nach Berlin führte. 1921 nahm er dann eine Professur für Komposition an der Rochester Universität in Neuyork an. Seit langem lebt er wieder in Oslo. Aus feinem reichen Schaffen, in dem sich nicht weniger als 200 Lieder befinden, ragte schon früh das geniale Klavier» quartett k-Moll op. 5 hervor, das erstmals die für Sinding kennzeichnende Verbindung Wagnerfcher und nordischer Elemente aufwies. Auch eine Oper „Der heilige Berg" hat Sinding geschrieben, der — ähnlich wie Sibelius — der gesteigerten Aufmerksamkeit eines Deutschland sicher sein darf, das sich dem nordischen Charakter verpflichtet fühlt.
Arbeiter - Wohlfahrt, der modernen Hochburg der deutschen Zwietracht, die fremdes Geld säte.
Der Straßburger Sender und die internationale Hetze.
Die Gegner an der Saar, — Emigranten, Bestochene, angebliche Sozialistenführer, Hasardeure — Menschen, die von sich behaupteten, Deutsche zu sein, finanziert vom berühmten Zimmer 17 der französischen Bergwerksdirektion — Hetzer und Verleumder und Leute, die als letzte Gelegenheit die Monate im Dienst unsichtbarer Drahtzieher nutzen wollten, ihre Emigrantenexistenz für alle Zukunft zu sichern —, diese Gegner alle besaßen dazu noch eine internationale Etappe in den Hetzzentren der Welt, die überall im Ausland den Kampf gegen Hitler betrieben. Längst hatten sie das Visier fallen lassen. Es ging gar nicht mehr darum, ob die Saarländer Deutsche, Franzosen ober Autonomiften seien. Es ging ganz offen und nackt um die Frage: für oder gegen den Nationalsozialismus. Die Abstimmung sollte für ihn zur entscheidenden außenpolitischen Niederlage und zum Auftakt des innerpolitischen Zusammenbruchs gemacht werden. Paris, Prag, Wien, Rom — überall entstand eine status-quo-Stappe. Ein Generalangriff auf das Regime Hitlers, ein Generalangriff, der den überwältigenden Sieg an der Saar als einen heute noch unübersehbaren außenpolitischen Entscheidungssieg des Nationalsozialismus überhaupt erscheinen läßt.
Weil die Politiker in Genf und Saarbrücken bie$e Umdeutung des auf dem Minderheitsgedanken ruhenden Abstimmungscharakters zuließen, weil sie diese Verfälschung der ursprünglichen Grundlagen des Völkerrechts stillschweigend duldeten, waren sie gleichzeitig die Urheber dafür, daß der Sieg an der Saar enbeutig ein Sieg Hitlers unb bes Nationalsozialismus werben müßte. Alles, was auf Seiten ber Franzosen für ben status-quo pläbierte, war „für Deutschlanb — gegen Hitler". Es war zuletzt nicht mehr unb nicht weniger als eine Art biploma- tisch-bialektischer Weltkrieg, was sich in allen nazifeinblichen Blättern aller ßänber und was sich im Rundsunk-Aether zwischen Straßburg und Wien entwickelte. Eine riesige Front weit größer als dieses kleine Saarland und weit wichtiger als der deutsche Wähler an der Saar es sich je vorher hätte träumen lassen. Lustig anzuschauen, wenn im gleichen Atemzuge der Kommunismus und der Katholizismus, der Kapitalismus und der Nationalismus gegen die Nazis verteidigt und aufgeputscht wurden. Allem voran der bewehrte, elektrisch mächtige Kriegsturm de- Straßburger Senders, des „Deutschland- sch anders", wie ihn der Volksmund nannte. Wir haben uns oft mit ihm herumgeschlagen und ließen ihn keinen Moment aus den Ohren. Und als er wenige Tage vor der Abstimmung ein Friedensangebot über den Qai d'Orsay zu Bürckel gelangen ließ, da schrieb ihm Bürckel vornehm und ritterlich aber deutlich, daß der Straßburger leider kein Verhandlungspartner für deutsche Rundfunksender sei, weil ja. die deutschen Sender nie gegen Frankreich, dieser aber ständig bis zum letzten Atemzuge gegen Deutschland geschossen habe. Ja, daß war Straßburg und die große Front hinter dem kleinen Saarland.
(Schluß folgt.)


