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Oie Neujahrsempfänge beim Führer und Reichskanzler

Der Empfang des Diplomatischen Korps

Alsdann folgte der feierliche Neujahrsempfang der beim Deutschen Reich beglaubigten auslän - dischenDiplomaten. Den fremden Missions­chefs erwies die Ehrenkompanie militärische Ehren­bezeugungen durch Präsentieren, wobei die Spiel­leute und die Musik beim Eintreffen des Nuntius und der Botschafter den Präsentiermarsch spielten. Der Staatsakt fand in dem großen Saal des Hauses des Reichspräsidenten" in der gleichen Form statt, wie er bereits zur Zeit des verewigten Reichspräsidenten alljährlich am Neujahrstage zu geschehen pflegte.

Der Führer und Reichskanzler, in dessen Begleitung sich der Neichsminister des Aus­wärtigen, Freiherr v. Neurath, die Staats­ekretäre Dr. Meißner, von Bülow und Dr. Lammers, der Chef des Protokolls, Gesandter o o n Bülow - Schwante, die Referenten der Präsidialkanzlei, Ministerialdirigent Dr. Doehle und Ministerialrat Kiewitz, sowie der Adjutant der Wehrmacht beim Führer, Oberstleunant und Abteilungschef im Generalstab des Heeres Hoß - doch und der persönliche Adjutant des Führers, SA.-Obergruppenführer Brückner, befanden, be­raten um 12 Uhr den Großen Saal, in dem die Diplomaten bereits Aufstellung genommen hatten. Der Doyen des Diplomatischen Korps, ber Apostolische Nuntius Monsignore Cesare Or- enigo, Erzbischof von Ptolemais, richtete an den Führer eine französische Ansprache, deren Ueber- etzung wie folgt lautet:

"Herr Deutscher Reichskanzler! Der Beginn des neuen Jahres vereint, wie immer, die Missionschefs der zahlreichen Staaten, die mit Ihrer mächtigen Kation diplomatische Beziehungen unterhalten, um bie Person Eurer Exzellenz. Ich habe in meiner Eigenschaft als Doyen des Diplomatischen Korps die Ehre, als Dolmetsch aller meiner Kollegen das Wort 3u ergreifen, um Eurer Exzellenz in unserem eige-

UnferJBito zeigt den Führer während des Diplomatenempfangs bei der Rede des Doyens des Diplo- matildjen Korps, des Apostolischen Nuntius Monsignore Orsenigo. (Presse-Illustration Hoffmann-M.)

nen Namen und im Namen der hier vertretenen Souveräne und Staatschefs diebestenWünsche für das neue Jahr auszusprechen. Un­ser erster Wunsch gilt Ihnen, Herr Reichs­kanzler: Möge dieses Jahr reich an Glück für die Person Eurer Exzellenz sein. Den gleichen Wunsch hegen wir für alle die, die bei der schweren täglichen Arbeitslast Ihre eifrigsten Mitarbeiter sind. So­dann richten sich unsere Gedanken und unsere Wünsche auf Ihr ganzes Volk, angefangen mit der stets so fleißigen und gastfreien Bevölkerung dieser Hauptstadt, und darüber hinaus auf alle Sohne Deutschlands. Die besten dieser Wünsche gel­ten vor allen den Söhnen der Arbeit, mö­gen sie sich in den Fabriken Ihrer Industriestädte muhen oder im Schweiße ihres Angesichts das Acker­land bestellen.

In dieser ernsten Stunde des internationalen Lebens, die sicherlich in der Geschichte der Völker denkwürdig bleiben wird, liegt uns auch daran, den Wunsch auszusprechen, daß das neue Jahr uns bald das so sehnlich erwartete große Geschenk brin­gen möge: den Frieden und d i e Ruhe der Welt! Herr Reichskanzler! Das sind unsere auf­richtigen Wünsche für das neue Jahr! In der Hoffnung, daß sie mit Gottes Hilfe eine glückliche Erfüllung finden werden, bringen wir sie Eurer Exzellenz mit der Bitte dar, sie wohlwollend auf­zunehmen."

Der Führer und Reichskanzler

antwortete darauf wie folgt: Herr Nuntius! Für die Glückwünsche, die Sie im Namen des Diplo­matischen Korps und zugleich im Namen der hier vertretenen Staatsoberhäupter mir, meinen Mit­arbeitern und dem ganzen deutschen Volke zum neuen Jahr dargebracht haben, spreche ich Eurer Exzellenz meinen besten Dank aus. Ich danke ins­besondere für die warmen Worte, die Sie für die Berufsstände der arbeitenden Bevölkerung Deutsch-

9 Uhr vormittags: Strömender Regen! In der Wilhelmstraße finden sich, mit Regenschirmen und Klappstühlen bewaffnet, die ersten S ch a u l u st i - gen ein, die zwischen demHause des Reichs- Präsidenten" und der alten Reichskanzlei, auf der öie Standarte des Führers und Reichskanzlers weht, t)in= und herpendeln. Schutzpolizeibeamte ziehen auf der gegenüberliegenden Seite den Bürgersteig ent- lang doppelte Taue. Dann kündet Marschmusik das Nahen der Ehrenkompanie, die, von den Linden kommend, in die Wilhelmstraße einbiegt. Haupt­mann von der Lancken mit der 2. Kompanie des Wachregiments, Mecklenburger, Pommern und Schleswig-Holsteiner. Um 10.30 Uhr zieht der Dop­pelposten am Eingang zum Hause des Reichspräsi­denten auf. Die Standarte des Führers und Reichskanzlers geht am Flaggenmast doch. Kurz nach 10.30 Uhr erschallen Kommandos. Die Ehrenkompanie nimmt Aufstellung. Der Mu- ükzug spielt den Präsentiermarsch, während der Wagen mit dem Führer im Vorgarten ein- fährt. Stürmische Heilrufe grüßen von der Straße herein, als der Führer das Haus betritt.

Obwohl es nach wie vor in Strömen gießt, räu­men die Schaulustigen nicht ihre Plätze. Als die Vertreter der Wehrmacht nach dem Empfang beim Führer im Portal des Hauses erscheinen, bringt ihnen die harrende Menge lebhafte Kundgebungen dar.

Kaum haben dieHalloren" das Palais verlas­sen, da beginnt schon die Anfahrt d e r Diplo­maten. Als einen der ersten bemerkt man den Apostolischen Nuntius. Die Ehrenkompanie ist wiederum im Vorgarten angetreten und grüßt mit präsentiertem Gewehr die Botschafter, während die Musik den Präsentiermarsch spielt.

Der Wrer

begrüßt die Ehrenkompanie

Während im Empfangssaal das Diplomatische Korps mit dem Führer Glückwünsche wechselte, nahm der Andrang der Schaulustigen in der Wilhelm­straße geradezu bedrohliche Formen an. Kopf an Kopf stand die harrende Menschenmenge. Die Fenster, Balkons und selbst die Dächer der gegen­überliegenden Häuser waren dicht besetzt. Alsbald nach der Abfahrt des Diplomatischen Korps erschien der Führer auf dem Balkon des Hauses des Reichspräsidenten, um die stürmischen Huldigungen der Tausende von Zuschauer in der Wilhelmstraße entgegenzunehmen. Anschließend begab sich der Füh- rer zur Reichskanzlei. Dorthin war inzwi­schen d i e Ehrenkompanie unter Führung chres Kompaniechefs, Hauptmann von der Lancken,

ju wollen, in dieser Frage die Initiative zu er­greifen. wobei es noch durchaus nicht sicher ist, ob nicht Franzosen und Engländer wenigstens hinter den Kulissen alle Hebel in Bewegung setzen wer­den, um einen ihnen im Herzensgründe un­angenehmen Beschluß zu hintertreiben, den sie zwar mit Rücksicht auf die Sanktionsbegeisterung ihrer innerpolitischen Opposition sowohl in Frankreich wie in England in aller Öffentlichkeit gut heißen müßten. Ob allerdings die kleineren Mächte, die im Völkerbund ja nicht ausschließlich ein bequemes Instrument miperialistischer Politik sehen, sich au ein solches Spiel einlassen werden, muß dahinge­stellt bleiben. Schweden, durch den italienischen Bombenangriff auf sein Lazarett in Dolo äußerst gereist und mit ihm die drei anderen skandinavi­schen Staaten, werden wohl sich einer weiteren Ver­tagung des Beschlusses über die Oelsperre wider­setzen.

Aber von anderer Seite sind inzwischen Fäden gesponnen, um Italien vor einer Verschärfung der Sanktionen zu bewahren. König Leopold von Belgien hat eine durch einen Autounfall im Sommer notwendig gewordene Konsultation eines Londoner Chirurgen zu einer Fühlungnahme mit Baldwin benutzt, zu der ihn wohl die Sorge um die Zukunft des ihm verschwägerten italienischen Königshauses bei einem Fehlschlagen des abessini­schen Unternehmens bewogen haben mag. Er hat offenbar erfahren, daß England nach dem Schei­tern des Pariser Friedensplanes vorerst nicht ge­neigt ist, von sich aus irgendwelche neue Vermitt­lungsaktion einzuleiten und in Genf den Dingen ihren Lauf lassen möchte, ohne allerdings wohl selber diesmal dort auf Verschärfung der Sanktio­nen gegen Italien drängen zu wollen. Auch der Vatikan, dessen Finanzlage von den Sanktio­nen in Mitleidenschaft gezogen wird, scheint seine Fühler nach verschiedenen Richtungen ausgestreckt zu haben. Einmal nach Paris, wo Laval, der immer auf gute Beziehungen zum Heiligen Stuhl Wert gelegt hat, ihm erklärt haben dürfte, daß für eine neue Vermittlung die Zeit noch nicht reif fei, 3um andern nach Prag, wo Benefch, der neue Präsident der tschechoslowakischen Republik, die langjährigen Reibereien mit dem Vatikan beendet hat und vielleicht zu einer leichten Dämpfung seiner an sich sehr sanktionsfreudigen Politik in Genf be­wogen werden konnte. Auch die für kommende Woche geplante Reise des österreichischen Bundes­kanzlers Schuschnigg nach Prag steht im Zu­sammenhang mit dem Abessinienkonflikt und der . Sanktonsfrage. Die klerikale österreichische Regie­rung, die sich einst aus Angst vor der national- . sozialistischen Bewegung im eigenen Lande den < Italienern an den Hals geworfen hatte, spürt an- , scheinend neuerdings Beklemmungen angesichts der wachsenden Schwierigkeiten, vor die seine Afrika- i Politik den italienischen Bundesgenossen stellt. In j Wien sieht man sich daher nach anderen Freunden , um, die ebenfalls ein Interesse haben könnten, das , volksfremde Regime in Oesterreich zu stützen, um s die beiden deutschen Länder nicht zueinander kom- , men zu lassen. Frankreich und die Kleine Entente

t lands gefunden haben. Sie werden überall einen lebhaften Widerhall finden.

Mit Befriedigung können wir feststellen, daß das ? 1935 unserem Volke wichtige Fort- schrit te gebracht hat. Es ist uns gelungen, eine weitere gewaltige Anzahl arbeitsloser Volks­genossen neuer Tätigkeit zuzuführen und dadurch immer größeren Kreisen arbeitswilliger Kameraden

' die Möglichkeit einer besseren Ernährung, Woh­nung und Familienfürsorge zu verschaffen. Die deutsche Wirtschaft hat sich im abgelaufenen Zahre weiter gefestigt. Das verständliche Verlangen unseres Volkes, die Früchte feiner Ar- beit ebenso wie die anderen Völker auch nach außen gegen die Wechselfälle einer politisch bewegten Zeit z u sichern, ist im vergangenen Jahre endlich Wirk- Ii d) f e i t geworden. So blicken wir mit Dank gegen ote Vorsehung, die unsere Arbeit gesegnet hat, auf bas Jahr 1935 zurück und treten mit dem festen Willen, das begonnene Werk erfolgreich sortzu- setzen, in das neue Jahr ein.

(Erfüllt von der Sehnsucht, mit den anderen Volkern der Erde in Frieden zu leben und mit ihnen auf allen Gebieten des Lebens in gegenseitigemVerständniszufammen- du arbeiten zum Wohle und zum Fortschritt Der Menschheit, wünscht das deutsche Volk aufrich­tig, das gleiche Streben nach vertrauensvoller Mit­arbeit und gegenseitiger Rücksichtnahme auch bet allen anderen Völkern zu sehen. Ich und Die Reichsreglerung sowie das gesamte deutsche Volk vereinigen sich daher mit Ihnen, Herr Nun­tius, in der Hoffnung, daß das neue Jahr die sehn­lich erwartete Entspannung und Beruhi­gung unter den Völkern und einen wirklichen Frieden bringen möge. In dieser Hoffnung spreche ich Ahnen, Herr Nuntius, und Ihnen allen, meine Herren, zugleich für Ihre Staatsoberhäupter, Re­gierungen und Völker in meinem und des deut­schen Volkes Namen d i e herzlichsten Neu­jahrswünsche aus.

Nach diesen Ansprachen begrüßte der Führer und Reichskanzler und nach ihm der Reichsminister des Auswärtigen die im Halbkreis ihrer Rangfolge nach stehenden Botschafter, Gesandten und ' Geschäfts­träger einzeln und nahm deren persönliche Glück­wünsche entgegen, woran sich kurze Unterhaltungen knüpften.

Lebhafte Anteilnahme der Vevölkernng.

scheinend auch das Zweideutige und Sinnwidrige einer solchen Politik und beeilt sich daher, zu ver­sichern, daß diese Erörterungen über gegenseitigen Beistand sich ausschließlich auf den Fall eines Konflikts mit Italien bei Erfüllung der Verpflich­tungen aus dem Artikel 16-dts Völkerbundsstatuts bezögen. In Paris aber scheint diese Einschränkung keineswegs so selbstverständlich verstanden zu wer­den. Hier möchte man allzu gern durch die Hinter­tür des zur Erörterung stehenden besonderen Falls allgemein gültige Sonderabmachungen mit Eng­land einschmuggeln, die man früher ohne den Druck eines drohenden Konflikts mit Italien nie­mals erreicht hatte und für die auch der Locarno- Vertrag keinerlei Raum bietet. Der Locarnovertrag ist ja nicht zu dem Zweck geschloffen worden, einem Dertragsteil besondere Sicherungen zu gewähren, sondern er will diese Sicherheit gleichmäßig für alle Partner gestalten. Jede Sonderabmachung hinter dem Rücken des einen Partners ist geeignet, Miß­trauen zu wecken und damit das ganze Vertrags­gebäude zu erschüttern. Deutschland muß von seinen Vertragspartnern die gleiche Loyalität verlangen, die es selber vom ersten Tage der jetzigen Krise an sich hat angelegen sein lassen. Nur dann kann die Gefahr wachsender Spannungen vermieden und der Konflikt im eng umgrenzten Rahmen gehalten werden, wie es alle wahren Friedensfreunde dringend wünschen müßten.

Maßnahmen im östlichen Mittelmeer eine Flotten­politik abrunden, die sich auf alle Eventualitäten einrichtet.

Bei den Besprechungen der Militärsachverstän- digen Frankreichs und Englands ist auch ein gegen­seitiger Beistand der beiden Mächte mit den beider­seitigen Land- und ßuftftreitfräften erörtert worden. Dabei ist einmal die Frage der Wiederbesetzung der französisch-italienischen Alpen- grenze aufgeworfen worden, die Frankreich nach den römischen Abmachungen vom 7. Februar 1935 von Truppen entblößt hatte, nun aber bei Ver­schärfung der Sanktionen gegen Italien für ge­fährdet hält Es will sie also wieder verstärken durch Truppen, die es von der Ostgrenze abzieht, und als Ersatz hat es anscheinend von England Zusicherungen verlangt, daß dieses mit eigenen Truppen den Schutz eines Teils der französischen Grenze gegen Deutschland übernehme. Es sind das Gedankengänge, die feit Versailles immer wieder in den Köpfen französischer Generalstäbler gespukt und bei ihren englischen Kameraden häufig genug auf mehr Gegenliebe gestoßen haben, als es der britischen Politik dienlich war. Seit dem Locarno- Vertrag, der die deutsch-französische Grenze unter die Garantie Englands und Italiens gestellt hat, sollte für irgendwelche einseitigen Abmachun­gen zwischen einer der Garantiemächte und einer den Schutz der Garantie genießenden Macht kein Raum mehr fein. In England empfindet man an-1

Berlin, 10. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler tjatte mit Rücksicht auf die Feiertagsruhe des Weihnachts- und des Neujahrs­festes angeordnet, daß d i e traditionellen Neujahrsglückwunschempfänge nicht mehr am 1. Januar selbst, sondern künftig e r ft einige Tage später ftattfinben sollen. In diesem Jahr ist der 10. Januar dafür bestimmt worden.

Die Glückwünsche der Wehmacht

Demgemäß empfing der Führer und Reichskanz­ler am Freitag imHaus des Reichspräsidenten" m der hergebrachten Weife zunächst d i e Vertre­terder Wehrmacht zur Entgegennahme der Neujahrsglückwünsche des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe. Hierzu waren erschienen: der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generaloberst v. Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr v. Fritsch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General der Flieger Goring. Nachdem der Reichskriegsminister in kurzer Ansprache Dem Führer die Wünsche der Wehrmacht übermittelt hatte, tauschte der Führer mit jedem der erschienenen Oberbefehlshaber Neu­jahrsglückwünsche aus. Im Ehrenhof waren an Stelle der früheren Ehrenwache in Zugstärke in

diesem Jahr nach Wiederherstellung der Wehrhoheit des Reiches zum ersten Mal eine Ehrenkom­panie des Heeres mit Musik aufgezogen. Sie erwies Ehrenbezeugungen durch Präsentieren vor dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmachtteile bei ihrer An- und Abfahrt.

Die Glückwünsche der Partei wurden dem Führer bereits bei früherer Gelegenheit durch den Stellvertreter des Führers, Reichsminister Ru­dolf Heß, überbracht.

Der Aeujahrsgruß der Halloren.

Um 11.10 Uhr empfing der Führer den Staats­kommissar von Berlin, Dr. Lippert, der ihm im Namen der Reichshauptstadt den Neujahrsgruß entbot. Anschließend überbrachte eine Abordnung derSalzwi r^e rbrüderschaft in Thale 3 u Hall e", der sogenannten Halloren, dem Reichs­oberhaupt nach altem Brauch Salz, Schlackwurst und ein Glückwunschgedicht, den sogenannten Neu­jahrs-Carmen. Der Führer dankte den in ihrer Tracht erschienenen Halloren mit freundlichen Wor­ten und sprach ihnen zugleich für ihre Brüderschaft feine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Nach dem Empfang beim Führer begaben sich die Hal­loren zu Reichsminister Dr. Goebbels, um auch ihm in althergebrachter Form die Glückwünsche zum neuen Jahre auszusprechen.

sind für eine solche Politik natürlich die gegebenen Partner, und daher bricht Herr Schuschnigg, blind für die selbstverständlichen Gebote völkischen Be­wußtseins, zunächst nach Prag auf, um nur ja jeder Annäherung an Deutschland aus dem Wege gehen zu können.

Die auf eine erneute Vertagung der Oelsperre vorbereitenden Berichte der Presse in Paris und London stehen einigermaßen in Widerspruch zu den Handlungen der beiden Regierungen. Im Dezem­ber haben in Paris eingehende Besprechungen der Militär- und Marinesachoerständigen Frankreichs und Englands stattgefunden, die ein Zusammen­arbeiten der bewaffneten Macht beider Länder für den Fall festlegen sollten, daß Italien durch eine Verschärfung der Völkerbundssanktionen gereizt, eine der Sanktionsmächte angreifen sollte, um die Blockade zu durchbrechen. Die Besprechungen der Sachverständigen sind kaum beendet und der Tag des Zusammentritts des Genfer Sanktionsaus­schusses, dem es obliegt, die Verhängung der Oel­sperre über Italien zu beschließen, rückt bedrohlich näher, als die britische Admiralität eine Umgrup­pierung derGrand tleet anordnet, Die trotz aller plausiblen Begrünbungen mit Dem noch ausstehen­den Weihnachtsurlaub und Den um Diese Zeit stets üblichen Flottenmanövern Doch als beträchtliche Verstärkung Der britischen Seemacht um Gibraltar angesehen werben muß. Zwar werben der Schlacht­kreuzerHood", der mit seinen 46 000 Tonnen das größte Kriegsschiff der Welt ist, das Linienschiff Ramillies" und die ganz modernen Kreuzer Orion" undNeptune" aus Gibraltar zurückge­zogen, aber diese scheinbare Schwächung der Mittel­meerflotte wird reichlich wettgemacht durch den Befehl, daß die beiden 40 000-Tonnen-Schlachtschiffe Nelson" undRodney", der FlugzeugträgerFu- rious" (26000 Tonnen), der KreuzerCairo" und eine Zerstörerflottille, also ein beträchtlicher Teil des Heimatgeschwaders, zu Hebungen in See gehen sollen, die sie in die Gewässer um Gibraltar fuhren werden. Gleichzeitig läuft das zweite französi - f ch e Geschwader, das in Brest stationiert ist, eben­falls zu Uebungen aus, die es während der kriti­schen Tage in Genf vor Casablanca an der nord­westmarokkanischen Küste in nächster Nähe von Gibraltar sehen werden, während für das erste französische Geschwader, dessen Heimathafen Toulon ist, für Den 20. Januar Uebungen in der Nähe von Korsika angesetzt worden sind.

Es fällt angesichts dieser überraschend ineinander­greifenden und sich ergänzenden Flottenbewegungen Englands und Frankreichs schwer, nicht an die Absicht einer sehr nachdrücklichen D e m o n st r a - tion zu glauben, so sehr auch in Paris und Lon­don jeder politische Zweck dieser Flottenbewegung bestritten wird und man sogar leugnet, daß diese Demonstration auf die gemeinsamen Besprechungen der Marinesachverständigen zurückgehe. Soviel könnte allerdings an den Darlegungen der Presse, die sich bemüht, den auf der Hand liegenden Wider­spruch zu erklären, richtig sein, daß man die Ver­hängung der Oelsperre gerne vermeiden mochte aus vielerlei Gründen, worunter die Haltung Amerikas, Der Zweifel an Dem schnellen Erfolg her Sperre' nachDem Italien sich vermutlich für lange Zeit mit Del eingedeckt haben dürfte, und die Angst vor Zwischenfällen bei italienischen Gegenmaßnahmen die wichtigsten sein dürften. Vielleicht hofft man durch die Flottendemonstration auf der einen Seite Die Sanktionsfreunde im eigenen Lande und in Genf beruhigen zu können, um vor erneutem Drän­gen nach der Oelsperre sicher zu sein, und auf der andern Seite Italien so weit einzuschüchtern, daß es auch im Hinblick auf die nicht gerade rosige Lage auf dem abessinischen Kriegsschauplatz einen etwa neu präsentierten Friedensplan ernsthafter er- wägt als seinerzeit den Pariser. Dor allem aber will man wohl die Italiener vorDummheiten" warnen, etwa durch einen Vorstoß aus Libyen nach Aegypten oder vom Dodekanes aus nach Palästina die Lage unheilbar zu komplizieren.

England hat übrigens auch im östlichen Mi11elmeer derartigen Husarenstreichen vorge- baut. Man spricht davon, daß es König Georg II. von Griechenland zu seiner Wiedereinsetzung, wie einst seinem Großvater die Jonischen Inseln, nun die Insel Cypern als Morgenaabe mitgeben werde, an der es in den fünfzig Jahren feiner Herrschaft nie viel Freude erlebt hat, da die über­wiegend griechische Bevölkerung der Insel nach Be­freiung von Den Türken Die englische Besitznahme als bittere Enttäuschung empfunDen hatte unb stets Die Vereinigung mit GriechenlanD angestrebt ljat. Aber als Gegenleistung soll EnglanD bereits er­reicht haben, Daß GriechenlanD Der britischen Flotte Die im SüDen Der Insel Kreta gelegene Suda- Bucht, Die im Weltkrieg Den Deutschen U-Booten als Unterschlupf geDient hat, als Stützpunkt ein­räumt, womit EnglanD dem italienischen DoDekanes gegenüber eine starke Stellung beziehen könnte. Aber auch auf Kephalonia, einer Der Jonischen Inseln, soll EnglanD sich einen Flottenstützpunkt ausbeDungen haben, von Dem aus eine britische Flotte Den süDitalienischen Kriegshafen Tarent ge­gebenenfalls in Schach halten konnte. Weiter wollen Gerüchte auch noch von Abmachungen mit Süb- flawien über Die Benutzung Des Hafens von Kotor (Cattaro) an Der Dalmatinischen Küste wissen, von Dem aus Die Ueberfahrt von Bari unD BrinDisi nach Albanien gestört werben könnte. So würben biefe