186. Jahrgang
Gietzmer Anzeiger
Ist Italien verhaMunssberett?
London, 11.Januar. (DNB. Funkspruch.) Die „Times" meldet aus Genf, man rechne dort anscheinend damit, daß bald neue Friedensbemühungen im italienisch-abessinischen Streitfall unternommen würden. Es fehle nicht an Zeichen, daß der Umfang und die mangelnde Volkstümlichkeit des abessinischen Feldzuges einen Eindruck auf die Leiter der italienischen Politik zu machen beginne. Das Fehlen militärischer Fortschritte habe zu der Ueberzeugung geführt, daß der Krieg entweder bald beendet oder auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden müsse. Italien lasse offensichtlich erkennen, daß es nicht unversöhn- l i ch und durchaus bereit sei, auf einer Grundlage, die Italiens berechtigte Interessen sichern würde, zu verhandeln. Endgültige Pläne seien noch nicht vorhanden, aber die Bedingungen seien gegenwärtig . naturgemäß sehr hoch geschraubt. In Genf glaube man nicht, daß nach dem Zusammenbruch der letzten Bemühungen irgend ein neuer Versuch von Großbritannien erwartet werden könne. Man erwarte auch nicht, daß die britische Abordnung bei der Auferlegung weiterer Sühnemaßnahmen die Führung ergreifen werde, obwohl es sie voraussichtlich unterstützen werde, wenn sie oorgebracht würden. Man halte es daher für sicher, daß Italien einen Vorschlag von Frankreich, ob er unmittelbar oder durch den Völkerbund gemacht werde, sehr sorgfältig prüfen würde. Wenn nicht von Paris, dann werde der Anstoß möglicherweise von einer Gruppe kleinerer Mächte kommen. Augenblicklich sei Italien allerdings noch geneigt, dem Völkerbund seine Bedingungen zu diktieren, von denen eine dahin gehe, daß die Bezeichnung Italien als Angreifer st aat zurückgezogen werden müsse. Dieser Vorschlag finde keine Gegenliebe.
den allernächsten Tagen eine japanische Gesandtschaft in AddisAbeba errichtet werde. Am 21. Dezember habe sich in Marseille ein bis dahin bei der Pariser japanischen Botschaft tätiger Diplomat nach Abessinien eingeschifft, der solange die japanischen Interessen vertreten werde, bis der von Tokio beorderte Gesandte dort eintreffen werde. Diese Interessen seien jedoch ausschließlich wirtschaftlicher Art.
Es sei sehr schwer, die weitere Entwicklung der Lage in Abessinien vorauszusehen. Nach dem Ur
teil von unparteiischen militärischen Sachverständigen erscheine es aber unwahrscheinlich, daß die Italiener vom militärischen Standpunkt aus ihr Ziel erreichen können. Marschall Badoglio habe in Rom 20 0000Mann angefordert, aber man habe ihm nur 80000 geschickt, die zum Teil in Eritrea, zum Teil in Jtalienisch-Somaliland an Land gehen würden. Der beabsichtigte Generalangriff der italienischen Truppen auf beiden Fronten scheine unter diesen Umständen recht zweifelhaft zu werden.
Paris, 11. Jan. (DNB.) „Paris Soir" er- i klärt, in einer Unterredung des Ministerpräsiden- ' ten Laval mit dem französischen Botschafter in Rom, Chambrun, seien die Bedingungen geprüft worden, unter denen die Aussprache in Genf eröffnet würde. Nach dem Mißerfolg des Laval-Hoare-Planes könne weder von französischer noch englischer Seite ein neuer Vermittlungsvorschlag in dem italienisch-abessinischen Streit erwartet werden, sondern ein solcher sei jetzt einzig Sache des Völkerbundes. Auch dem Pariser Reuter-Korrespondenten ist von zuständiger Seite mitgeteilt worden, daß zur Zeit weder von England noch von Frankreich ein neuer Plan ins Auge gefaßt werde. Natürlich werde eine enge diplomatische Fühlung aufrechterhalten, aber es lägen keine Nachrichten von irgendwelchen neuen Verhandlungen vor. Die ganze Angelegenheit werde im „Kühlraum" gelassen, bis der Völkerbundsrat zusammentrete.
„Oeuvre" berichtet, in Kreisen der verschiedenen europäischen Großmächte sei man sich heute aber über die Folgen klar, die ein zu großer Erfolg der schwarzen Rasse über Italien nach sich ziehen könne. Man befürchtet, daß ein solcher Erfolg nicht ohne Auswirkungen auf s europäische Gleichgewicht bleiben würde und vor allem die Ruhe der Kolonial st aalen stören könnte. Die letzten Nachrichten über die innere und äußere Lage Italiens seien aber ziemlich beunruhigend. Man habe deshalb in Erwägung gezogen, im Rahmen des Völkerbundes, und zwar auf Antrag Italiens, einen neutralenUntersuchungs- a u s s ch u ß zu bilden, der in Abessinien d i e Kriegsmethoden prüfen und gleichzeitig die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des Streitfalles prüfen soll.
Zu gleicher Zeil sollen in Genf auf Veranlassung einer kleinen Macht, wahrscheinlich Belgiens. Anregungen unterbreitet werden, die auf eine soziale und wirtschaftliche Neuordnung in Abessi- nien hinzielen. Der auswärtige Ausschuß der bel- gischen Kammer habe sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt. Man werde anscheinend versuchen. den Negus dazu zu bringen, von sich aus die Hilfe des Völkerbundes anzurufen, der dann die von dem neutralen llnter- fuchungsKusfchuß vorgesehene Neuregelung zu verwirklichen versuchen werde, und zwar wahrscheinlich auf die weise, dahEnglandundFrankreich eine Art Mandat über Abessinien erhalten werden. Erst dann werde man daran gehen, auch Italien langsam vorzuschieben, um zu dreien den Neuaufbau durchzuführen, für den London und Paris die finanziellen Millel zur Verfügung stellen würden.
Oeuvre macht darauf aufmerksam, daß schon in
Neue Friedensvermitttung im Abefsinienkonfliki?
Auf belgische Initiative hin sott der Völkerbund die Möglichkeit eines französisch-britischen Mandats über Abessinien mit späterer Einschaltung Italiens prüfen.
Asmara, 11. Jan. (Funkbericht des Kriegsberichterstatters des DNB.) Nachdem die militärischen Vorgänge an der Nordfront und Somali- ront wochenlang nur aus den amtlichen in Rom veröffentlichten Heeresberichten zu entnehmen waren, scheinen die Nachrichten jetzt wieder reichlicher zu fließen. Am Freitag wird aus Asmara gemeldet, daß f ü d w e st l i ch v o n M a k a l l e und im Hochland von Tembien sich eine lebhafte Gefechtstätigkeit neben reger Flie- qertätigkeit entwickelt. Danach wird also an der Nordfront das militärische Vorgehen im größeren Stile fortgesetzt. Am Zusammenfluß des Jabat und Gehwa, 20 Kilometer südwestlich von Makalle, wurden Donnerstag marschierende abessinische Abteilungen von starken mit Artillerie versehenen italienischen Kräften angegriffen und nach Westen ab gedrängt, wo sie von anderen italienischen Truppen gefaßt und in die Flucht geschlagen wurden. Hierbei erlitten sie zahlreiche'Verluste. Auf italienischer Seite wurden ein Unteroffizier und zwei Askaris getötet, einige Offiziere verwundet.
In der Nacht zum Freitag versuchte eine abessinische Abteilung, sich den italienischen Linien zu nähern, wurde aber zurückgetrieben. Im Tembien kam es zu zahlreichen Vorpostenge- fechten, die zu beweisen scheinen, daß die abessinischen Truppen, die teilweise weit nördlich oorgedrungen waren, in letzter Zeit nach Süden zurückgedrängt wurden. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, daß kürzlich, wie der italienische Heeresbericht meldete, Kämpfe im Tsellemti-Gebiet, südlich vom Takazze, stattgefunden haben. Die italienischen Truppen sind in letzter Zeit wesentlich verstärkt worden.
finischen Vormarsches nun auch unter den unterworfenen Stämmen im italienischen Etappengebiet wieder zu regen beginnt und kleine abessinische Stoßtrupps, vom Wetter und den Geländeverhältnissen begünstigt, die italienischen Nachschubstraßen heftig beunruhigen.
Die italienischen Bombenabwürfe auf die Truppensammelstellen hinter der abessinischen Front haben wohl, da sie auch Einrichtungen des Roten Kreuzes in MitlTidenschaft gezogen haben, im Ganzen gesehen mehr politisches Porzellan zerschlagen als militärischen Schaden angerichtet. Es scheint doch in diesem stark zerklüfteten, ganz unübersichtlichen Gelände, wo Städte in europäischem Sinn kaum vorhanden sind und kleinere Siedlungen infolge ihrer leichten Bauweise nur einen sehr geringen materiellen Wert darstellen, den italienischen Bombengeschwadern überhaupt an lohnenden Zielen zu fehlen, um so mehr als auch die Abessinier mit dem sicheren Einfühlungsvermögen des Naturvolkes schnell gelernt haben, den Fliegerangriffen auszuweichen. Wenn es sich bestätigen sollte, daß im Süden der General Graziani die Provinz Ogaden aeräumt hat. um nun von Dolo her aus der Dreiländerecke (Jtal.-Somali — Brit.-Kenia — Abessinien) seine Truppen zum Vormarsch in nordwestlicher Richtung anzusetzen, so würde das den Verzicht auf den Overationsplan bedeuten, der ursprünglich dem italienischen Feldzug zugrunde lag and der versuchen wollte, durch einen Vormarsch von Ogaden aus auf Harrar und nach Ueberschreiten der Bahnlinie Diibuti—Addis Abeba durch Vereinigung mit der Nordarmee den "breiten Korridor zwischen Somali und Eritrea tatsächlich in Besitz zu nehmen, den ja Italien als wesentlichstes Mittel zur Durchsetzung seiner Pläne in Abessinien für sich beansprucht. Soweit also die undurchsichtige Lage eine Feststellung gestattet, haben sich die Aussichten der Italiener auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz in den letzten Wochen an keiner Stelle günsti- aer gestaltet. W"nn auch von vornherein Schwankungen und Rückschläge bei einem so gearteten Unternehmen in Rechnung gestellt werden mußten, so ist immerhin zu bedenken, daß die günstigste Zeit für schnelle und durchschlagende Erfolge vorbei sein dürfte, nachdem die Frübiahrsregen bereits eingesetzt haben und die Abessinier, wie man auch in Rom zuaeben muß. in ihrer Ausrüstung mit modernen Waffen große Fortschritte gemacht und gelernt haben, unter Ausnutzung des schwierigen Geländes der italienischen Taktik mit starkem Anpassungsvermögen zu begegnen.
So hat sich die militärische Lage Italiens keineswegs verbessert, wenn in wenigen Tagen der Sanktionsausschuß des Völkerbundes in Genf Zusammentritt, um vermutlich über die Der- büngung der Oelausfuhrsperre als nächste Sühnemaßnahme gegen das zum „Angreifer" erklärte Italien zu beschließen. „Vermutlich" muß man sagen, denn die Aeußerungen der französischen und britischen Presse lassen es äußerst fraglich erscheinen, daß Laval ober Eden in Genf den Vorschlag machen werden, nun als wirksamstes Sanktionsmittel die Oelsperre gegen Italien zu verhängen. Man scheint es Sowjetrußland, der Kleinen Entente oder einer der kleineren Mächte überlassen
wesen ist. Diese Fälle sind aber gewiß äußerst selten. Meinen stärksten Glauben habe ich an den saarländischen Arbeiter. Er war einer unglaublichen politischen Kanonade seiner Gegner ausgesetzt. Trotz allem hielt er Stand, ohne Geld und ohne die Bildung höherer Schulen. Er hatte den gesunden I n st i n k t, und wo der Instinkt gesund ist, da läßt sich die gerechte und gesunde Sache immer gewinnen.
Ueber die Ziele auf kulturellem Gebiet teilte der Gauleiter mit, daß in Saarbrücken ein neues Theater und ein Großsender gebaut werden würden „Zunächst soll damit die Gewähr geschaffen werden, daß wir gewissen fremden Einflüssen wirksam entgegentreten können, und dann wollen wir aber auch mit diesen Mitteln d i e Brücke der Verständigung und des Verständnisses schlagen."
Zum Schluß äußerte sich Bürckel über die kirchliche Entwicklung. Er führte aus: „Eine sog. Kirch e n f r a g e gibt es bei uns im Saarland nicht. Die kirchenpolitische Entwicklung steht im Zeichen der absoluten Ruhe. Wenn es auch noch den einen oder anderen gibt, der den Herrgott gegen einen irdischen Richter reklamiert, so überlassen wir das getrost der vernünftigen Erwägung des gläubigen Volkes. Wer früher für die Heimkehr der Saar gebetet hat, der kann jetzt nicht gegen Deutschland beten. Und im übrigen kann hier jeder, wie überall im Reich, nach seiner Fa?on selig werden."
Das Saarland rüstet zur AbsiimmunMeier. Saarbrücken, 10. Jan. (DNB.) Im ganzen Saarland in Stadt und Land wird fieberhaft an den Vorbereitungen für die würdige Ausgestaltung der großen Abstimmungsfeier gearbeitet. In Erinnerung an die großen Tage des Vorjahres ist jeder bemüht, zu seinem Teil dazu beizutragen, daß
Demonstraüvn oder mehr?
Die Berichte vom ostafrikanischen Kriegsschauplatz lauten seit einiger Zeit außerordentlich widersprechend. Während die Abessinier fast täglich Erfolge an der Nordfront melden und auch schon die Räumung der Provinz Ogaden im Süden durch die Italiener verkünden, beschränkt sich der italienische Heeresbericht darauf, die Siegesmeldungen der Abessinier zu dementieren und im übrigen lakonisch festzustellen, daß sich nichts Bemerkenswertes ereignet habe. Da die Italiener sonst nicht gerade schüchtern waren, ihre militärischen Erfolge gebührend herauszustreichen, mag aus der Wortkargheit ihrer letzten Heeresberichte zumindest die Folgerung gerechtfertigt sein, daß für die italienischen Waffen in Abessinien nicht alles zum Besten steht. Darauf läßt auch der Versuch der italienischen Presse schließen, die Heimat stimmungsmäßig auf wachsende Schwierigkeiten und Rückschläge vorzubereiten, die ein Kolonialkrieg von diesen Ausmaßen seiner ganzen Natur nach nun einmal mit sich bringe, sobald die Operationen von ihrer Ausgangsstellung über eine gewisse Strecke entfernten und den Ausbau und die Sicherung einer ausgedehnten Etappe notwendig machten. Zudem scheint der ungewöhnlich frühe Beginn der sogenannten „kleinen" Regenzeit, die normalerweise erst für den März zu erwarten war, den Italienern einen Strich durch die Rechnung gemacht zu haben.
Bei dem fast völligen Fehlen objektiver Berichte neutraler Beobachter — was davon zu uns gelangt, ist von den Italienern gründlich zensiert oder von den Engländern in ihrem Sinne zurechtfrisiert worden und meist mehrere Wochen alt — ist es fast unmöglich, sich ein auch nur annähernd wahrheitsgetreues Bild der tatsächlichen Lage auf dem Kriegsschauplatz zu machen. Man ist auf Kombinationen militärischer Sachverständiger angewiesen, die auf Grund von Zusammenstellungen der sich widersprechenden Heeresberichte nur eine sehr vage Wahrscheinlichkeitsrechnung aufmachen können. Immerhin scheint bei vorsichtiger Beurteilung soviel festzustehen, daß die Italiener ihre im Herbstfeldzug gewonnenen Stellungen in Nordabesfinien bestenfalls und nur 1 unter größten Anstrengungen zu halten vermögen, ja chre Stellung bei Makalle ist anscheinend bss- : trächtlich gefährdet. Wenn es sich bestätigen sollte, ' daß die Abessinier die große Karawanenstraße besetzen konnten, die von Abbi Addi nach Norden führt, so könnte die Lücke, die zwischen den um Makalle in schweren Abwehrkämpfen liegenden italienischen Truppen und der am Takkaze-Fluß operierenden Armeeabteilung klafft, der italienischen Heeresleitung gefährlich werden, zumal es sich angesichts des abes-
die Festtage einen erhebenden Verlauf nehmen. In Saarbrücken ist auf dem Rathausplatz, der am Sonntag in Platz der Deutschen Front umgetauft werden wird, bereits eine große Tribüne aufgebaut worden, um möglichst viele Volksgenossen an dem Erlebnis des großen Vorbeimarsches vor Reichsminister Dr. Frick teilnehmen zu lassen. Während in den großen Orten außerhalb Saarbrückens und dem Kreis Saarbrücken-Land die Hauptfeiern am Sonntag abgehalten werden, wird die größte Erinnerungsfeier am Montag in Saarbrücken stattfinden. Die Betriebe und Geschäfte schließen am Montag so rechtzeitig, daß allen Volksgenossen die Teilnahme an den großen Erinnerungsmarsch möglich ist. Von Samstag ab wird das ganze Saarland wieder im festlichen Flaggenschmuck stehen.
Die geplanten Feiern.
Saarbrücken, 9. Jan. (DNB.) Für die Feiern am Jahrestage der Saarabstimmung ist u. a. folgende Festfolge vorgesehen:
Sonntag, den 12. 3anuar:
12—13 Uhr: Standkonzert; 15 Uhr: In sämtlichen Kreisorten Antreten aller Gliederungen zur Erinnerungsfeier; 18 Uhr: in Saarbrücken Weihe- stunde auf dem Rathausplatz, wobei dieser durch Kreisleiter Duerrfeld in „Platz der Deutschen Front" umbenannt wird; 20 Uhr: „Nix wie hemm". Bunter Abend des Reichssenders Saarbrücken im Saale der Wartburg.
Montag, den 13. 3anuar:
12—13 Uhr: Glockenläuten sämtlicher Kirchen des Saarlandes; 15 Uhr: Vorbeimarsch am „Platz der Deutschen Front" vor Reichsminister Dr. Frick; 18 Uhr: Reichssendung, Kundgebung in der Wartburg, Festspiel, Ansprachen des Gauleiters Bürckel und des Reichsministers Dr. Frick. Anschließend Enthüllung einer Gedenk- tafel am Hause der Wartburg durch Reichsminister !Dr. Frick.
Auch die Italiener weiten jetzt zunehmende GesechtsMgkeit an der Aordftont.
Vorstoßende abessinische Truppen sotten nach Süden zurückgedrängi worden sein.
Das nationalsozialistische Aufbauwerk an der Saar.
Eine Llnterredung mit Gauleiter Bürckel.
Berlin, 11. Jan. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Unterredung mit Gauleiter Bürckel. Der Gauleiter erklärte u. a.: Der binnendeutsche Markt hat sich im Laufe des vergangenen Jahres als aufnahme- bereit erwiesen. Unsere Erwartung, daß man im Reiche der besonderen Lage Verständnis ent- aegenbringen werde, ist nicht enttäuscht worden. Wir hoffen, der noch bestehenden Schwierigkeiten durch weitgehende Jndustrieumstellung Herr zu werden. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, mit denen wir bereits begonnen haben, und jene großen Projekte, die schon in ihren Einzelheiten geplant sind, wie z. B. die S a a r r e g u l i e r u n g, größere Straßenbautew und Häuserreparaturen, erscheinen mir in der Hauptsache als Zwi - schenmaßnahmen, die uns die notwendige Zeit geben, normale wirtschaftliche Verhältnisse und damit Arbeit für jeden Volksgenossen zu schaffen.
Auf die Frage nach der Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung im Saarland erwiderte Gauleiter Bürckel u. a.: Es bleibt uns als Aufgabe die restlose seelische Eingliederung aller Volksgenossen an der Saar — eine große erzieherische Aufgabe. Die Saarländer sind, das haben sie ihrem Volk und aller Welt bewiesen, deutsch bis ins Mark. Diesem Deutschtum muß man nur die nötige Definition geben. Wir sagen: I e - der Deutsche ist Nationalsozialist. Dem Saarländer aber muß man nun in einem Anschauungsunterricht zeigen, daß jeder National- so'zialist ein Deutscher ist. Die NSDAP, wird prozentual im Saarland am stärksten im ganzen Reiche sein. Alle Mitglieder der Deutschen Front erheben Anspruch darauf, würdig zu sein, in die NSDAP, ausgenommen zu werden. Die Deutsche Front zählt mehr als 9 0 v, H. aller Wahlberechtigten. Es wird mir nie in den Sinn kommen, auch nur einen einzigen dieser braven Männer abzulehnen, sofern sich nicht in einzelnen Fällen Herausstellen sollte, daß die Zugehörigkeit zur Deutschen Front nur Fassade ge-
Ur. 9 Grftes Blatt 186. Jahrgang Samstag,lUanuat M6
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