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64 Drittes Blatt
GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, lv. November 1956
| Gießen ehrt die Toten der Bewegung.
Eindrucksvolle Gedenkfeier in der Volkshalle.
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Unsere Gießener Bevölkerung hat am gestrigen Rmtbgabenb mit einer würdigen und gerade durch ,ra Schlichtheit sehr eindrucksvollen Gedenkfeier ie Ennordeten der Bewegung geehrt. Die Volks- aDI? rar aus diesem Anlaß so stark bis zum letzten llctzetm besetzt, wie wir es bisher nur bei den lenMmlungen in der Kampfzeit mit dem Füh- e silbst als Redner gesehen haben. Man greift mrj( licht zu hoch, wenn man die Zahl der Ver- inmtmgsteilnehmer auf etwa 6000 schätzt. Mit der >actd und allen ihren Gliederungen versammelten chdglaße Massen weiterer Volksgenossen, die sich em Iuhrer und seinem Freiheitswerk zum Segen ese deutschen Volkes eng verbunden fühlen. Unter em Ehrengästen bemerkte man den Divisions- milnondeur, Generalleutnant O ß w a l d , mit ntr Anzahl Offiziere, Unteroffiziere und Mann- Horten des Standorts Gießen, weiter waren viele dreier der Behörden zugegen, geschloffen nahm ucö die Arbeitsdienstabteüung Gießen an der .'unögebung teil.
Wspropagandaleiter Schmelz röqnete die Gedenkfeier mit dem Hinweis auf em Ailaß dieses großen Treffens und richtete fo- am lyruß- und Dankworte an die Vertreter der Sshrinacht und des Arbeitsdienstes in Gießen, an Ugi Tiederungen der Bewegung und an die große le:«Mmlung insgesamt. Dann sagte er weiter: iZscm es auch selbstverständlich ist, daß wir heute ie:s zusammengekommen sind, so möchte ich trotz- em cusdrücklich Dank für Ihr Erscheinen aus- ;r-:cheri, weil ich mich darüber freue,
tafo unsere Stadl in so einheitlicher Geschlossen- hkil den Toten so dankt, wie sie es ihnen schuldig ist.
Bit beweisen damit, daß wir wissen, daß wir nur essab leben, weil die Ermordeten für uns ge- ot:.ier sind. In diesem Bewußtsein wollen wir nfirs Feierstunde begehen.
Feierlicher Beginn.
Dek SA.-Musikzug 116 unter Leitung des Musik- ucfü|rcr5 Herrmann eröffnete nunmehr die fei'.rjmit dem „Weckruf zum 9. November". Hier- us'iOgte der feierliche Fahneneinmarsch, den der Rvfifyug unter der Stabführung von Musikzug- ühfer Herrmann und der Sturm 16/R116 ntur Leitung seines Sturmführers Kurt Richter lit: bim gemeinsamen Spiel bzw. Gesang des facneiiliedes „Heute schreiten hunderttausend Fähen' m trefflichem, packendem Zusammenwirken eg|eileten. Anschließend brachte der Musikzug aus- e^ichnet die herrliche „Feiermusik zum 9. No- ember" von Erich Lauer zu Gehör.
Brigadeführer Schmidt
»Wie nun die feierliche Totenehrung. Auf das ÜoonMndo: „Senkt die Fahnen vor der Unsterb- ichl!eil!" wurden die Fahnen und Wimpel den Er- ruwbeen zum Gruß und Dank gesenkt. Die Ver- ammlten erhoben sich von ihren Sitzen, die Män- icii eitblößten das Haupt. Dann sprach in diesem oecheiollen Abschnitt der Feier, während die Mu- ik ')ai Lied vom guten Kameraden spielte, Angabe- ühsrer Schmidt:
Sim 9. November 1923 starben für Deutschlands 5htfe int) Freiheit vor der Feldherrnhalle:
1- Weiß* |a8, Ta7,
h8 matt), Ltz h-vorz ist drohende n Sprin- nufer die i nächsten
Reger und Haydn, Brahms und Beethoven.
ginn bevorstehenden 1. Orchester-Konzert des Gießener Konzertvereins.
?I15 vor nunmehr über zwei Jahren Professor Dr. Zviitz Stein hier in Gießen dem Menschen Max R:»j e r ein herzliches Gedenken widmete, da ließ *t ‘ gerabe die eine Seite Regers besonders in den Baröergrunb treten, feinen unverwüstlichen Sinn itt Humor, feine unbesiegbare Frohnatur, immer lereit zu Scherzworten unb launigen Streichen. Ihb faum ein Werk Regers verleiht bieser Wesensart ja klaren Ausbruck wie bie „Lustspiel- )!jie rtüre op. 120". Da ist alles in feinster Pointierung auf bie heitere Sphäre abgestimmt, bat iprüht es von Witz unb Frohsinn, ba klingt es .Msidel", wie Reger selbst über eine Aufführung dichs Werkes in Bremen an seine Frau berichtet. Ufa zeigt sich ber burchsichtige, klare Orchestersill bei: Ideisterjahre; stärkster Impuls stellt bie größten dlMnischen Kontraste gegenüber; von befonberem Wz gibt sich bas graziöse Seitenthema das bie Dltoe einführt; bie leichtbewegte Klangwelt abelt er im der Durchführung mit einem meisterlichen Fu- Mv. Die Ernst von Schuch gewibmete Ouver- tiirc gelangte vor 25 Jahren im November 1911 im. Lüpziaer Gewanbhaus unter Arthur Nikisch 3Ur Uraufführung.
Tic Gestalt ber Ariabne hat von jeher ben dramatisch erregbaren Musikern Scha^fensamneb gegeben; angefangen von ber „Arianna bes Clau- biüo Nonteverbi 1608, beren Lamento noch heute ftfür^e Wirkung ausübt. bis zur „Ariabne auf A-ios" von Richarb Strauß. Joseph Haydns g-ogk Sologesangsszene ber „Arianna a Naxos Ach bas Wesen bieser Gestalt stärker von ber Seile bes Dramatischen als vom rein Musikalischen W- darum gewinnt bas rezitativische Moment ne- bön bem ariosen ganz besonbere Bebeutung mit Annäherung etwa an bie Auffassungsart von Gluck. Sa gestaltet Haybn hier ein seelisches Erleben nut Kssler Ausbruckskraft. Ursprünglich war bie mu- Moiische Umkleibung bes Sologesangspartes dem Klcaisr zugebacht, aber bie orchestrale Schreib- vteiie im Klaviersatz ermöglichte die spatere getreue Uetertragung fürs Orchester.
^2aß die Konzertleitung die Anwesenheit einer AWistin ausnützt, um eines ber tiefsten mensch- Ah erfühlten Werke von Johannes Brahms zur Huisthrung zu bringen, muß besonbers anerkannt Weiikn; Die Rhapsodie (Fragment aus Goe-
thes „Harzreise im Winter") für eine Altstimme, Männerchor unb Orchester (1870). Die erste Anregung zu biesem Werk mochte wohl Brahms gelegentlich seines Aufenthaltes in Bonn erhalten haben, als er bei bem Philologen Hermann Deiters ein Heft mit Liebern von Johann Friebrich Reinharbt zu Gesicht bekam, bas bie gleiche Auswahl aus bem Goethefchen Gebichte mit bem Titel „Rhapfobie" enthielt.
Die Vermutung liegt nahe, baß sich Johannes Brahms in seiner unausgesprochenen Neigung zu Klara Schumanns Tochter Julie burch beren plötzliche Verlobung roieber seiner Einsamkeit bewußt geworben war, unb nun bie innerliche Nähe zu bem Schicksal bes burch bie Absonberung zum Menschenhasser unb -Verächter Geworbenen in ber Goethefchen Dichtung fanb. Dazu stimmt auch bie Eintragung im Tagebuch Clara Schumanns: „Johannes brachte mir vor einigen Tagen ein wunber- oolles Stück für Alt, Männerchor unb Orchester. Er nannte es seinen Brautgesang. Es erschütterte mich so burch ben tiefinnigen Schmerz in Wort unb Musik, wie ich mich lange nicht eines solchen Einbruckes erinnere."
Im Anschluß an bie Goethesche Glieberung bes Textes teilt auch Brahms bas Ganze in brei Teile. Der erste, mehr rezitativisch gehalten, gibt bem Einsamkeitsempfinben Ausbruck, bas Orchester mit seinen schicksalsbetonten Bässen knüpft bas seelische Banb mit bem, was bie Worte bes Dichters anbeuten. Zu einer ergreifenben Schilberung menschlichen Schmerzes wirb bie zweite Strophe. Brahms läßt hier nach ber Zerknirschung bes Mittelsatzes sich bas Eingangsthema wieberholen und gewinnt so aus innerer Notwendigkeit eine Annäherung an die Form der dreiteiligen Arie. Von ganz eigenartiger Anschauungskraft ist die in weitesten Intervallen sich bewegende musikalische Einkleidung der Worte: „.. .aus der Fülle der Liebe ... 1" Um so beglückender, wie ein Licht von oben her, durch seinen erquickenden Trost ist der Schlußteil, wo sich zur Altstimme der Männerchor gesellt, und nun bas Orchester besonbers in ben Holzbläsern ver- flärenben Schein ausbreitet, ber bem Einsamen von bem „Vater ber Liebe" fünbet. Billroth, ber Freunb von Johannes Brahms, schreibt biesem nach ber Aufführung: „Ich finbe, baß Sie bie Altstimme wunbervoll zur Wirkung gebracht haben, ber Schlußsatz ist herrlich. Das Ganze ist voll Herzenswärme unb tiefer beutscher Empfinbung, weich, traurig, rührenb unb erhebenb." „Das Beste", wie Johannes Brahms an Simrock schreibt, „was er noch gebetet habe".
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Ist in Brahms' Rhapsobie die Natur mehr ber Untergrunb, ber uns bie Einbringlichkeit bes Schicksalerlebens noch verstärkt, so gibt Beethovens
P a st o r a l e jenem unmittelbaren Gefühl Raum, bas ber Mensch bei ber Berührung mit ber Natur in sich verspürt. Das Verlangen nach Natur- verbunbenheit, bas sich zumal in ber Jetztzeit so brängenb regt, bewegte Beethoven nicht minber stark. „Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen, Wälbern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wan- beln zu können! Kein Mensch kann bas Lanb so lieben wie ich; geben boch Wälber, Felben, Bäume ben Wiberhall, ben ber Mensch wünscht." (An Therese Malfatti.) „Ist es boch, als wenn jeher Baum zu mir spräche auf bem Lanbe." „O Gott, welche Herrlichkeit in solcher Walbgegenb! In ben Höhen ist Ruhe, Ruhe Ihm zu bienen."
In seiner Beethoven-Schrift beleuchtet Richarb Wagner bas Innere bes Meisters. „Die äußere Welt war Beethoven ganz erloschen, nicht etwa, weil Erblinbung ihn ihres Anblickes beraubte, son- bern weil Taubheit sie enblich seinem Ohre fernhielt. Doch nun erleuchtete sich bes Musikers Auge von innen. Jetzt warf er ben Blick auf bie Erscheinung, bie, burch sein inneres Licht beschienen, in rounber- vollem Reflexe sich roieber seinem Innern mitteilte. Jetzt spricht roieberum nur bas Wesen ber Dinge zu ihm unb zeigt ihm biefe in bem ruhigen Lichte ber Schönheit. Jetzt versteht er ben Walb, ben Bach, bie Wiese, ben blauen Aether, bie heitere Menge, bas üebenbe Paar, ben Gesang ber Vögel, ben Zug ber Wolken, bas Brausen bes Sturmes, bie Wonne ber seligbewegten Ruhe. Da burch- bringt all sein Sehnen unb Gestalten biefe wunderbare Heiterkeit, bie erst burch ihn ber Musik zu eigen geworben ist. Selbst bie Klage, so innig ureigen allen Tönen, beschwichtigt sich zum Lächeln: Die Welt gewinnt ihre Kinberunschulb roteber; mit mir feib ihr heute im Parabiese. Wer hörte sich bie- ses Erlöserwort nicht zurufen, wenn er ber Pastoralsymphonie lauscht!" Ebenso sieht Hans Pfitz- n e r in ber Pastorale bie beglücfenbfte ber Beethovensymphonien.
Das innere Geschehen ber Pastoralsymphonie ist burch bie Anbeutung eines zugrunbe Ijegenben Programmes, nämlich: „Erinnerung an bas Lanbleben," bestimmt. Beethoven selber bemerkte bazu auf bem Programm zur Uraufführung ber Symphonie: „Mehr Ausbruck ber Empfinbung, als Malerei." Damit weist er ber Musik ihr ureigenstes Gebiet zu, Aufschluß über unser Inneres zu geben, wie es auf bie von außen her fommenben Einbrücke reagiert. Der grunblegenbe Programmgebanke ist ihm keine Fessel für Oie Phantasie, fonbern stellt nur bie Basis bar, von ber aus sich bas geistige Erleben ber Naturerscheinung im Musikalischen ausstrahlt. Die Ueberschriften, bie Beethoven ben einzelnen Sätzen vorausschickt, sollen für ben innerlich mitgehenben Hörer Fingerzeige, Wegweiser sein, um bem Meister in seinen Empfinbungen beim Erleben der Natur folgen zu können. •
Idee jedoch lebte weiter und wurde im Lause einer zehnjährigen Entwicklung zur tragenden Idee eines neuen Reiches.
Die Männer, die an jenem denkwürdigen Tage im November 1923 den Marsch zur Feldherrnhalle angetreten hatten, waren ein kleines Häuflein inmitten eines Volkes, das i i ch selbst verloren hatte. Sie wurden nicht von der Begeisterung des Volkes getragen, die sie selbst oder ihre Brüder und Väter umjubelt hatte, als Deutschland im Jahre 1914 zu seinem größten Waffengang antrat. In weiten Teilen des Reiches wußte man nichts von ihnen, man kannte sie nicht und ihr Wollen. Millionen von Volksgenossen, um deren Seele sie rangen, standen ihnen mit Ablehnung, ober gar Haß gegenüber. Das Reich war im Zusammenbrechen Der Wahnsinn ber Inflation bebrohte Millionen von Volksgenossen in ihrer wirtschaftlichen Existenz, währenb anberfeits Spekulanten, Devisenschieber unb Gauner am Ausverkauf bes beutschen Volksvermögens Millionen erschacherten. Vaterland, Ehre, Freiheit waren Begriffe, bie für bie meisten in Vergessenheit geraten waren. Alles, was beutschen Menschen einst heilig gewesen war, war zusammengebrochen unb schien auf immer verloren zu sein. In roeltfrember Jbeologie suchten bie herrschenben Parteien burch Selbsterniebrigung bie Gunst bes Auslanbes zu erkaufen, unb tiefste Hoffnungslosigkeit, ober zu allem fähige Verzweiflung lasteten auf bem Volke.
In dieser Zeit bes Niebergangs hatte sich eine Gemeinschaft gebilbet aus jungen Arbeitern unb Bauern, ehemaligen Offizieren unb Solbaten, Stu- benten, Angestellten unb Handwerkern, eine Gemeinschaft, Die von unbänbiger Liebe zu Deutschlanb erfüllt war unb an bie Mission ihres Führers unb feiner Bewegung für Deutschlanb glaubte.
Die Männer dieser Gemeinschaft stellten ihre eigenen Sorgen hinter die Sorgen um die Ration zurück, dem Niedergang und dem verfall setzten sie ein trotziges „Dennoch" entgegen. Mochte die Umwelt sie belächeln, mochten die Gegner sie verspotten und verhöhnen oder mit haß und Terror verfolgen, sie gingen den Weg, den ihnen ihr herz und ihr Glaube an Deutsch- land vorschrieb.
In diesem Glauben traten sie damals ben Marsch zur Feldherrnhalle an, der deutscher Not und Schmach ein Ende setzen sollte. Am fünften Jahrestage jener erbärmlichen Meuterei, die Deutschlands Wehrkraft zerbrochen hatte, sollte Deutschland nach ihrem Willen wieder frei werden, Deutschland wieder seine Ehre zurückerhalten. Sie, die sie selbst fast alle als Soldaten des deutschen Heeres während des großen Krieges ihre Pflicht erfüllt hatten, marschierten jetzt als freiwillige Soldaten des Führers und der nationalsozialistischen Idee, als die
Reinigen, oder nicht schmirgeln
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Nicht Reinigung um jeden Preis, sondern Säuberung unter Schonung des Zahnschmelzes — das • ist richtig! Der außerordentlich feine Putzkörper der Nivea-Zahnpasta reinigt gründlich und erhält den natürlichen Glanz Ihrer Zähne in seiner vollen Schönheit.
Im Vergleich etwa mit der 5. Symphonie, die mit der Pastorale zusammen uraufgeführt wurde, rinden wir nicht die Straffheit des architektonischen Aufbaues mit seinen gipfelnden Höhepunkten, sondern dem Inhalt der Pastorale paßt sich auch ihr Stil an, ein weiches Fließen des Motivischen, dem Jnnerlich-Erfülltsein Raum gebend. Dem entspricht auch die Wahl der Klangmittel; erst im dritten Satze treten die Trompeten hinzu und Piccoloflöten, Posaunen und Pauken geben der Gewitterschilderung farbkräftiges Gepräge.
Der Eingangssatz trägt das Motto: „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande." Die Einheitlichkeit der festgelegten Stimmung wird in dem ganzen Satz gewahrt, denn alle weiterhin auftretenden thematischen Gebilde entwickeln sich aus bem Anfangsmotiv. — Das Anbante schilbert eine ..Szene am Bach"; ein Schwelgen in ben Schönheiten, bie auf ben Komponisten einströmen, ein inniges Erleben bes Jbyllifchen im Geiste ber Musik, doch nicht abmalenb, zeichnenb, sondern im Klanglichen zum Hörer sprechenb. Bevor ber Satz mit innerer Beglücktheit ausklingt, erhalten Nachtigall, Wachtel unb Kuckuck bas Wort. — In eine frohe übermütige Tanzstimmung („Lustiges Zusammensein ber ßanbleute") führt ber britte Satz ein; es ist, als machte es bem Meister besonbere Freube, bie schlenbrige Art ber Dorfmusikanten mit ihrer rhythmischen Nachlässigkeit zu karikieren. Die Oboe kommt immer um einen Taktteil zu spät zu ber eintönigen Tanzbegleitung, unb bas Fagott poltert mit ben primitiven Grundbässen bazu. Mögen im Dreivierteltakt sich bie Dorfschönen gebreht haben, im Mittelsatz stampfen bie Burschen in unverfälschter Urgewachsenheit im Zweitakt. Der Satz im Dreivierteltakt kehrt roieber, jeboch läßt eine plötzliche Generalpause ahnen, innehalten — unb wenn man sich gerabe roieber in ber schönsten Stimmung fühlt, bricht ber Satz jäh ab. Tremoli ber Bässe fünben Unheil, hastenbe Violinfiguren beuten auf bie flüchtig sich zerstreuenben Tänzer, ber Sturm bricht los, mit elementarer Gewalt erhebt sich ein Gewitter. Den Höhepunkt ber Naturerscheinung beutet ein starres Verweilen im Fortissimo bes Orchesters auf ben oerminberten Septafforb an, dazu das Heulen der Bässe. — Das Unwetter verzieht sich, und der „Hirtengefang" fändet „frohe unb öanfbare Gefühle nach dem Sturme". „Es ist em Lobgefana aller Kreatur, gewaltig auffteiaenb unb zum Schlüsse anschwellend zum allgemeinen, volltönenden, heidnischen Naturhymnus. — Er schweigt. Der Abend fenft sich nieder: Friede ber Felber---Abenbschein. Ganz von fern noch
bie letzte Schalmei, — bas Hohelieb ber freunb- liehen Natur klingt aus." (Hans Pfitzner,)
Dr. Hg.
Aus
bem Gau-Hesfen-Nasfau fielen
als
Gedenkrede des Kreisleilers Dr. Hildebrand!
Als am 9. November 1923 bie Marschsäule ber nationalsozialistischen Bewegung an ber Felbherrn- halle in München mit Feuer' empfangen worben war, als 16 Kämpfer ber Bewegung ihr Leben ausgehaucht hatten, ba triumphierten unsere Gegner aus allen Lagern. In ihren Augen waren bie junge Bewegung und ihr Führer, die sich angemaßt hatten, Deutschland umzugestalten, für alle Zeiten erledigt. Nach ihrer Auffassung war an diesem Tage
Felix Allfahrt, Theodor Bauriedl, Theodor Casella, Wilhelm Ehrlich, Martin Faust, Anton Hechenberger, Oskar Korner, Karl Kuhn, Karl Laforce, Kurt Neubauer, Klaus von Pape, Theodor von der Pfordten, Johann Rickmers, Dr. Max Erwin v. Scheubner-Richter, Lorenz Ritter v. Stransky, Wilhelm Wolf.
ein unverantwortliches Abenteuer politischer Phantasten und jugendlicher Heißsporne gescheitert. Sie hatten sich geirrt!
Wohl war der äußere organisatorische Rahmen der Bewegung zerschlagen, die Sturmabteilungen waren aufgelöst und verboten worden, der Führer Adolf Hitler und die meisten seiner Mitarbeiter waren in Haft genommen. Die
Blutzeugen der nationalsozialistischen Idee: Wilhelm Wilhelmi, Singhofen, am 6. 3.1927 in Nastätten.
Karl Ludwig, Wiesbaden, am 10.4.1927
Heinrich Kottmann, Darmstadt, am 13.5. 1928 in Pfungstadt.
Katharina Grünewald, Lampertheim, am 2.8.1928 in Nürnberg.
Erich Jost, Lorsch, am 5. 8.1929 in Nürnberg.
Hans Hobelsberger, Biblis, am 17.11.1931 in Worms.
Hans Handwerk, Frankfurt a. M., am 5. 7.1932.
Heinrich Grasmeher, Steeden, am 11.7.1932
Christian Croeßrnann, Pfungstadt, am 26. 2.1933 in Lindenfels.
Josef Dieser, Frankfurt a. M.-Hochst, am 28.2.1933.
Andreas Weidt, Höchst im Odenwald, am 3.3.1933
Peter Fries, Darmstadt, am 17. 3.1933 in Lindenfels.
Sie marschieren im Geist in unseren Reihen mit. Hebt die Fahnen!
Den packenden Abschluß dieses Gedenkens bildete die schöne Wiedergabe der Feiermusik „Vorspiel zu Sigurd Jorsalfar". Der gemeinsame Vortrag des Feierliedes „Fanfaren, kündet mit ehernem Ton" durch den Musikzug unter Leitung von Musikzugführer Herrmann und durch den Sturm 16/R 116 unter Leitung von Sturmführer Kurt Richter bildete die Ueberleitung zu ber folgenben
DUck auf Den Faynenaufmarscy bet Der QJeoentfeier. — (Jüufnapme: Pfaff, Gietzen.)


