Ruhestörung" hatte darin bestanden, daß der Händler „nach Einbruch der Nacht", d. h. in diesem Falle nach 19.15 Uhr in dem bekannten Singsang der Pariser Straßenhändler seine Ware ausgerufen und ange- vriesen hatte. — Im Gegensatz zu Crainquebille war der Händler mit dem Urteil nicht einverstanden. Er legte Berufung ein, und dieser Tage mußte sich der Pariser Kassationshof mit der Sache befassen. Er stellte fest, daß sich der Händler tatsächlich der nächtlichen Ruhestörung schuldig gemacht hatte, aber nach einem Gesetz, das demnächst sein 100. Jubiläum feiern kann. Damals, vor 100 Jahren, waren die Pariser gewohnt, spätestens um 6 Uhr zu Nacht zu essen, und man konnte annehmen, daß die meisten Pariser um 7.15 Uhr bereits in den Betten lagen. Das Gesetz ist niemals geändert worden, wohl aber haben die Verhältnisse sich bedeutend geändert, und man wird damit rechnen dürfen, daß kein Pariser die Rufe eines Gemüsehändlers am frühen Abend als „tapage nocturne“ betrachten wird. — Der Händler wurde freigesprochen; er wurde nicht wie Crainquebille von der Maschine eines weltfremden Gesetzes zermalmt.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* Lollar, 10. Oft. Am morgigen Sonntag, 11. Oktober, feiert unser Mitbürger Heinrich E s p i ch in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist einer der wenigen noch lebenden Gründer des Turnvereins. Ferner gehört er über vier Jahrzehnte der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr an und ist noch heute aktiver Sänger der Sängerverernl- gung, deren Uebungsstunden er bald 50 Jahre regelmäßig besucht. Mögen dem Jubilar, der in der Gemeinde' allgemeines Ansehen genießt, noch viele Jahre in bester Gesundheit als schöner Lebensabend beschieden sein. , , . ,
* Lollar. 8. Okt. Das Preisschießen der Kriegerkameradschaft Lollar findet am Sonntag, 11. Oktober, seinen Abschluß. Das Schießen beginnt um 14 Uhr. Die Verabreichung der Preise findet am Schluß des Schießens statt.
wg. Großen-Buseck, 7. Okt. Die Kreis- fachgruppe Großen-Buseck der „Fachschaft für deutsche Schäferhunde" im RDH. veranstaltete am Sonntag eine Zucht- und Schutzhundprüfung. Als Richter war Polizeisekretar H. Zins er (Offenbach) erschienen. Zur Prüfung wurden sechs Zuchthunde und vier Schutzhunde vorgeführt. Es erhielten das Ausbildungskennzeichen: Zuchthund: Karin v. Riedkanal mit der Note „Vorzüglich" (Führer und Besitzer: Unteroffz. Dorr, Rödgen); Pranda v. Busecker Schloß mit der Note „Vorzüglich (Gg. Becker, Rödgen); Prando v. Busecker Schloß mit der Note „Vorzüglich" (fi. Wagner, Gr.-Buseck); Rando v. Busecker Schloß mit der Note „Sehr gut" (W. Wehrum, Gr.- Buseck); Pitzo v. Busecker Schloß mit der Note , Sehr gut" (H. Harbach, Gr.-Buseck); Resi v. Busecker Schloß mit der Note „Sehr gut" (Karl Althaus, Gr.-Buseck). Das Ausbildungskennzei- chen ,Schutzhund" erhielten: Olln v. Busecker Schloß mit der Note „Vorzüglich" (Wanderpreis) (Joh. Rahn, Trohe b. Gießen); Juno v. Busecker Schloß mit der.Note „Vorzüglich" (H. Zecher II., Gr - Buseck); Odwin v. Busecker Schloß mit der Note ,Sehr gut" ( L. Schmidt, Gr.-Buseck); Betty v. Änneliesenheim mit der Note „Gut" (Ernst M ü l -
ler, Queckborn). Die Kreisfachgruppe Großen- Buseck kann stolz sein auf ihr Hundematenal. Die Leistungen waren nach Aussage des Richters über dem Durchschnitt. Nur die Hündin des Herrn Müller hatte leider keinen „guten Tag". Diese sonst so vorzüglich arbeitende Hündin versagte bei der Nasenarbeit. Am kommenden Sonntag findet in Großen-Buseck die erste Sonderschau seit sechs Jahren im Bezirk Oberhessen statt. Nach den vorliegenden Meldungen kann mit einer Teilnehmerzahl von 40 bis 50 Hunden gerechnet werden. Namhafte Persönlichkeiten, Gemeinde Großen-Buseck usw. haben Ehrenpreise zur Verfügung gestellt, u. a. der Landesbauernführer für Hessen-Nassau einen solchen für den besten Herdengebrauchshund im Schaferbesitz. Wie die Leistungsprüfung am 4. Oktober, so wird auch die Schönheitsschau am 11. Oktober für die Kreisfachgruppe Großen-Buseck mit Erfost; gekrönt sein zum Vorteil unserer deutschen Schaser- hundesache in „Form und Leistung".
Kreis Schotten.
□ Laubach, 9. Okt. Am Samstag feiern die Eheleute Karl Von-Eiff I. in voller geistiger und körperlicher Frische das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar, der im Infanterie-Regiment 116 gedient hatte, ist heute noch der Tam- bsur des Laubacher Krieger- und Militär-Vereins.
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 10. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing grün, kg >7 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Ruben 8 bis 10 Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8, Unterkohlrabi 8'bis 10, Erbsen 20 bis 30, Rosenkohl 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 18 bis 20, Zwiebeln 7 bis 8 Meerrettich 30 bis 70, Kürbis 5 bis 6, Falläpfel 5 bis 6, Aepfel 15 bis 28, Birnen 10 bis 15, Zwetfchen 10 bis 12, junge Hähne 1.— bis 1,10, Suppenhühner 80 bis 90, Gänse 1.— bis 1.10, Tauben, das Stuck 50 bis 60, Eier, Kl. A 13, Kl. B 12, Kühlhauseier, Kl. B 11%, Nüsse, % kg 40 bis 45, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 8, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 20 bis 30, Kartoffeln, neue, 5 kg 40 50 kg 3,30 bis 3,50 Mark, Weißkraut 3,50 bis 4.—, Rotkraut 7.— bis 8.— Wirsing, gelb 6.—, Aepfel 12.— bis 28.— Mark.
Schöffengericht Gießen.
Gegen den E. D. aus Freiensteinau, geb. 9. 12. 1906, war Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Die Hauptoerhandlung mit anschließender Augenscheinnahme an der Unfallstelle fand gestern in freien ft einau statt.
Der Angeklagte, der verheiratet und Vater von vier kleinen Kindern ist, war mehrere Jahre arbeitslos und suchte sich dadurch ein kleines Einkommen zu verschaffen, daß er auf einem Grundstück eines Landwirts von Freiensteinau Basaltsteine brach, diese selbst richtete und sie dann hier und da bei Gelegenheit verkaufte. Er behauptete, höchstens aus dieser Tätigkeit ein Gesamtjahreseinkommen von etwa 100 bis 120 Mark erzielt zu haben. Im Mai v. I. hatte er nun, wie auch schon früher, sich den Hilfsarbeiter Hch. Sch. aus Freiensteinau zu feiner Unterstützung herangezogen und diesen mit dem Brechen der Steine beauftragt. Sch, wurde nun
am 29. Mai 1935 in dem sog. Steinbruch von herabstürzendem Geröll und Erdmassen bis in die Hüftegegend verschüttet und ist an den Folgen der erheblichen Verletzungen (Knick der Wirbelsäule) verstorben.
Dem Angeklagten konnte auch In der gestrigen Hauptoerhandlung nachgewiesen werden, daß cr den Sch. weder zur Krankenkasse angemeldet hatte, noch den Unfalloerhütungsoorschriften nachgekommen ist, daß er ferner die nötige Sorgfalt, die ihm
als Unternehmer zukommt, außer Acht ge assen hatte. Mit Rücksicht auf den seitherigen.emwandfreien Lebenswandel des Angeklagten, feine Unbe trastheiL, sowie seine bedrängte wirtschaftliche Lage und nicht zuletzt auch mit Rücksicht auf ein zweifellos vorliegendes Mitverschulden des getöteten oct), wurde von der Verhängung einer Freiheitsstrafe abgesehen und der Angeklagte zu einer G e l d st r a f e von 200 TOar t Hilfsweise 40 Tage Gefängnis, und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Schach-Ecke
Gearbeitet von K. Helling.
Mattangriff.
Die abgebildete Stellung entstand in einer Partie Ahues — Weißgerber im Turnier zu Bad- Nauheim.
Wie kann der Weiße sehr rasch gewinnen? a b e ö e ' g b
Opfer der Türme.
In dem Endspiel von P. F a r a g o (Revista Romana de Sah) zieht Weiß an und soll gewinnen. Ueberraschenderweise muß der Weiße, um seinen Freibauern durchzubringen, noch zwei Türme opfern.
5
6
8
2
2
a b c b e f g h
is ä m
WM .. M________■___■
Lösung der Schachaufgabe „THatt nach Doppelopfer".
Weih: Kcl, Dh6, Tg3, Tgl, Ld3, Sbl, Se2, Bb2, c2, e5, f4, h2 (12). Schwarz: Kg8, Dd5, Ta8, Tf7, Lc8, Le7, Sc6, Ba7, c4, d4, 15, g5, H7 (13).
1. Ld3Xc4, Dd5Xc4. 2. Tg3Xg5+, Le7Xg5. 3. Dh6Xg5+, Kg8—f8. 4. Dg5—h6+, und ob jetzt der schwarze König nach e8 ober e7 geht. Weiß kommt mit Dd6 nebst Tg8+ ober umgekehrt zu einer Mattführung.
Lösung der Schachaufgabe „Versäumtes 2Haft“.
Weiß: Kcl, Df6, Tdl, Thl, Sd5, Sg4, Ba2, b2, c2, e5, g2, H4 (12). Schwarz: Ke8, Da5, Ta7, Th7, Le6, Sc5, Sf8, Ba6, b4, f7, h5 (11).
1. Df6-e7+, Ta7Xe7. 2. Sd5-f6 matt.
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedakttonStisch.
Shaws Liebliugssiück.
Der englische Dichter Bernard Shaw liebt es, in Ruhe zu essen, und verabscheut die Musik im Restaurant. Aus diesem Grunde zog er ein bestimmtes Restaurant in London vor, in dem es kein Orchester gab. Als er eines Tages wieder dort mit einigen Freunden einkehrte, um zu Mittag zu speisen, war er sehr unangenehm überrascht, zu hören, daß auch in diesem Lokal während seiner Abwesenheit ein Orchester aufgetaucht war und nun heitere Melodien hören ließ. Der Kapellmeister, der den berühmten Gast kannte und sich verpflichtet fühlte, ihm eine besondere Freude zu bereiten, trat an ihn heran und fragte ihn, welches Stück er für ihn mit feinem Orchester spielen solle. „Die Pause", antwortete der Dichter lächelnd.
Der witzige Reger.
Einer befreundeten Familie schickte der berühmte Komponist Max Reger einmal eine Photographie von sich. Der Zufall wollte es, daß sie diese Ausnahme schon besaßen, und zwar in einer sehr Hellen Kopie, während das neue Bild sehr dunkel im Ton war. Die Freunde machten sich das Vergnügen, beide Bilder nebeneinander auf einem Karton auf- ziehen zu lassen. Als man Reger diesen bei einem späteren Besuch zeigte, schrieb er darunter: Max Reger vor und nach dem Bade.
Vermählungsanzeige.
Der große Physiker Gustav Kirchhoff verheiratete sich im Jahre 1872 zum zweiten Male. Als der Tag der Hochzeit herangekommen war, kündigte er seinen Studenten das Ereignis am Tage vorher in der Vorlesung mit folgenden Worten an: „Meine Herren, ich bedaure, morgen nicht lesen zu können."
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