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wesen! Chlodwig heißt bei ihnen Clovis, der große kommen war. So unwürdig verhielten sich damals Majordomus Karl mit der Streitaxt ist ein Char- deutsche Reichsfürsten alsPensionäre" fremder

beschie-den sein kann.

Dr. Hans Offe.

Schuhcreme

idealen Welt lebte, wie er in der wirklichen arbeitete, hat er das Höchste erreicht, was einem Sterblichen

les, und Karl der Große ist Charlemagne. Erleich­tert wird diese Verwandlung dadurch, daß das

Monarchen.

Zu den Gegenständen aus dem Grab gehört

bildreiche Aufsatz von B. Scherffig: Hochmoore der deutschen Mittelgebirge. Kleine Beiträge und For­schungsergebnisse, eine Anregung zur Raturbeob- achtuna am Himmel. Besprechungen neuer Bücher und die immer sehr begehrte Preisfrage runden das wertvolle Heft ab.

Das neue Heft derS i r e n e", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, erzählt u. a. von einem merkwürdigen Dorf, das einer Luftschutz­übung sein Dasein verdankte. Ferner wird in dieser Nummer die ArtikelreiheUnser Haus wird luft- geschützt" fortgesetzt; Konteradmiral a. D. Brüning­haus schreibt über das ThemaDie Flugwaffe formt den Kriegsschiffbau". Ein abgeschlossenes Bild erhält dieses Heft durch die weiteren Abhandlungen über das Erkennen von Flugzeugen in der Luft" sowie die AufsatzfolgeFrauen, die Geschichte machen".

Daß man in Sowjetruhland mit der einst so be­geistert verkündigten bolschewistischen Ehe­politik, die nichts weiter als ein zynisches Be­kenntnis zur freien Liebe war, in eine Sackgasse geraten ist, konnte sogar den abstrakten Theoretikern im Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion auf die Dauer nicht mehr verborgen bleiben. Von der angeblichen Unfehlbarkeit des Naturrechts aus­gehend und munter am wirklichen Menschen vorbei­experimentierend, hat man seinerzeit die Ehefrei" gegeben und beginnt nun die furchtbaren Folgen einer Gesetzgebung zu spüren, die der Familie den Krieg erklärte, weil sie mit der Fami­lie das bürgerliche Prinzip als solches treffen zu können meinte. Die Rechnung trog, wie alles, was aus bloß dogmatischen Begriffen kommt und nicht mit dem Menschen, wie er ist, rechnet. Auf dem eingeschlagenen Wege weiterzugehen und nur zu reformieren, ist nicht mehr möglich; also muß man zurück, zurück zu den Anschauungen der verhaßten Bougeoisie. Eine harte Nuß! Allein der Teufel war von je erfindungsreich und ist auch in diesem Falle um eine schlaue Begründung seines

Flüchtlingen wenigstens jenen nationalen Heimatboden erringen zu können, der ihnen von den europäischen Westmächten und den Vereinigten Staaten von Amerika bindend versprochen worden war, und den der Völkerbund immer wieder in Aussicht gestellt hatte. Was Nansen in seinem aus­führlichen BerichtBetrogenes Vol k" bietet, ist weit mehr als eine Reisebeschreibung, vielmehr eine Fundgrube der Kunst, Religion, Geschichte, Landes- und Kulturkunde des bereisten Gebiets und schon dadurch von unvergänglichem Wert. Vollends erschütternd sind die Schlußworte:Wehe dem armenischen Volk, daß es in die europäische Politik verwickelt wurde. Ihm wäre besser, wenn sein Name nie im Munde eines europäischen Diplomaten ge­wesen wäre. Aber das armenische Volk hat nie die Hoffnung aufgegeben. In steter, zäher Arbeit hat es gewartet, lange gewartet. Es wartet bis auf diesen Tag." Und so machten schon die Armenier ihre Erfahrungen mit dem System des kollektiven Völkerbeistandes.

Bereits im letzten Vorkriegsiahr hatte Nansen auf eine Einladung der Sibirischen Gesellschaft hin an einer Studienreise teilgenommen, die vor allem dem Problem der zweckmäßigen Ausnutzung der land- und forstwirtschaftlichen Ertragsmöglichkeiten Sibiriens galt, sowie der Frage der Schiffsverbindung durch das Karifche Meer. Nansens WerkSibirien, ein Z u k u n f t s l a n d" stellt den in damaliger Zeit unerhörten Gedanken heraus, daß nur im Falle der Schaffung geeigneter Wasser-Verkehrswege ein wirt­schaftliches Aufblühen jener unermeßlichen Gebiete gesichert sei. Seltsam genug: Zwei Jahrzehnte nach seiner ersten Veröffentlichung erscheint uns das (in­zwischen in vierter Auslage herausgekommene) Buch bereits historisch. Nicht, wie so häufig bei anderen Verfassern ist der Grund zu suchen in einer ge­wollten und übertöntenAktualität"; vielmehr er­kannte der unbeirrbare Weitblick des kühl und sach­lich urteilenden geographischen Forschers richtig die schlummernden Möglichkeiten des Landes. Freilich konnte er bei der Niederschrift des zukunftsträchtigen Werkes über Sibirien die ungeheure Wucht der kommenden politischen Entwicklung, zumal Sowjet­rußlands, kaum ahnen. Um so mehr bewundern wir rückschauend die Klarheit seines nur an das unmittelbar Gegedene sich haltenden Blickes.

Triumphe?

Corriger la fortune hat seit Lessings Minna einen fatalhumoristischen Beigeschmack. Die Maler für den Saal von Versailles waren aber noch naiver als der Chevalier Ricaut. Sie korrigierten nicht nur ihr kleines persönliches Glück, sondern auch das historische Frankreichs in der für sie selbst­verständlichen Meinung, Chlodwig, Karl Martell und Karl der Große seien allesamt Franzosen ge-

Aufpsaden derGeschichte durch Frankreich

Don Or. Paul Rohrbach.

Rückzuges um so weniger verlegen, als er weiß, daß Lugen in Sowjetrußland sehr lange Beine haben.

Die neuen sowjetischen Maßnahmen zur Hebung von Ehe und Familie sind nämlich so einschnei­dender Art, daß einfach gelogen werden muß, um das Prestige zu wahren. Erschwerung der Ehe­scheidung und staatliche Beihilfe für kinderreiche Mütter nun, das ließe sich auch noch mit bolschewistischen Grundsätzen rechtfertigen, aber das angekündigte Verbot der Schwanger­schaftsunterbrechung ist eine so glatte Ver­leugnung des einst mit lauter Stimme proklamier­ten neurussischenMenschenrechtes", daß man scyon das Lexikon des Teufels sehr genau studieren muß, wenn man den begangenen Irrtum nicht ehrlich ein» gestehen will. Und so argumentiert man denn fol­gendermaßen: während früher angesichts der schwe­ren wirtschaftlichen Notlage, die eine Erbschaft des Zarismus sei, die Geburtenverhinderung ihre Be­rechtigung gehabt habe, müsse heute, wo unter dem segensreichen Zepter der Sowjets Rußland in Milch und Honig schwimme, die Sorge um den Nachwuchs der Familie, die eine der großen Aufgaben der Re­gierung bilde (!), wieder in den Vordergrund treten. Wie unangenehm übrigens der offiziösenJswesti- ja", die das alles in einem Leitartikel behandelt, diese ganze Beweisführung ist, läßt ein Satz erken­nen, mit dem sie den naheliegenden Einwand ihrer Leser die Spitze abzubrechen versucht: man möge m den neuen Beschlüssen doch beileibe nicht eine Rück­kehrzur bürgerlich-muckerischen Auffassung der Familie" erblicken. 0 si tacuisses ...!

In Paris soll nunmehr die seit vierzig Fahren heftig umstrittene, von den maßgebenden Stellen immer wieder abgelehnte Balzac-Statue von Auguste Rodin öffentlich aufgestellt werden. Man ist bekanntlich in Frankreich sehr schnell bei

Sieht man ab von der bereits erwähnten, wahr- scheinlich nicht gering einzuschätzenden Fürsorge­tätigkeit, die Nansen den deutschen Kriegsge­fangenen Sibiriens zuteil werden ließ, so sind (eine Beziehungen zum Deutschtum im Ganzen wesens- eigener Natur. Gleich anderen skandinavischen Ge-

Zeitschriften.

D e r Naturforscher", vereint mitNa­tur und Technik". (Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde N.) Mit schönen Tafeln und Bildern bringt Dr. C. Schröter einen Aufsatz über Die Natur- und Pflanzenwelt Jnsubriens im Okto­berheft dieser ausgezeichneten naturkundlichen Zeit­schrift. Prof. Dr. Güttich veröffentlicht die neuesten Forschungen über die Schallrichtungsbestimmung in ihren Beziehungen zu Vorhof und Bogengän­gen und erläutert merkwürdige, bisher nicht be­kannte Zusammenhänge. Sehr bedeutsam erscheint auch die Abhandlung von Prof. Dr. E. Becher: Selbstvergiftung vom Darm aus und ihre Be­handlung", die manches Unbehagen erklärt und Wege zur Heilung anzeigt. Für den Städter ist ein Beitrag von Dr. H. Frieling bemerkenswert, der Einblicke in den neu entstandenen Lebens­raum der Großftadtoögel gibt, und aufzeigt, welche Vögel sich hier allmählich zu einer neuen Lebens­gemeinschaft zusammengefunden haben und aus welchen Urlandjchaften sie stammen. Forstmeister Franz Scheidter behandelt die Fraßbilder der Borkenkäfer und veröffentlicht dazu eine Reihe Naturaufnahmen. Da diese Forstschädlinge infolge ihrer Lebensweise die Gefahren des Schneebruchs im Winter erheblich vermehren, ist ihre Kenntnis von großer Bedeutung. Eine chemische Frage, die die deutsche Wirtschaft sehr stark angeht, behan­delt Prof. Winderlich: Die Herstellung von Kaut­schuk aus Kohle. Eine weitere technische Erfindung wird von Dipl. Jng. Hansen von der AEG in Berlin allgemeinverständlich geschildert: Der AEG Bildwandler. Eine Naturschutzfrage behandelt der

Der Menschenfreund Fritjof Nansen: Wohl nur ganz selten in der Geschichte aller Zeiten und Völker hat das Samenkorn aus der Predigt eines Seelsorgers in einem Herzen reichere Früchte ge­tragen als damals, als der junge und unbekannte Konservator am Museum in Sergen von dem Geist­lichen der Armen- und Krankenhäuser auf die Caritas hingewiesen wurde; ein Menschenalter später sollte es sich zur Fürsorgetätigkeit großen Stiles entfalten.

Die Heimschaffung der weithin verstreuten d e u t- schen Kriegsgefangenen aus Sibirien ist, wenn irgend jemandem, so Nansen zu dan­ken. Schwerlich konnte nach Kriegsende eine geeig­netere Persönlichkeit für diese schwierige Ausgabe gefunden werden, verband sich doch in ihr die

gründliche Kenntnis von Land und Leuten des weiträumigen Gebiets mit einer ungewöhnlichen Tatkraft und nieversagender Hilfsbereitschaft. Im Jahre 1922 nahm sich N a n s e n als Oberkommissar des Völkerbundes der aus der Türkei vertriebenen Griechen und Armenier an. Mittels großzügiger Wasserbefchaffung hoffte er den armenischen

II.

Corriöer la fortan?.

lieber den Portalen des Riesenschlosses von Ver­sailles, das Ludwig XIV. mit einem Aufwand von einer halben Mlliarden Franken erbauen ließ es war auf die Unterkunft von 10 000 Menschen berechnet und wird seit anderthalb Jahrhunderten nicht mehr bewohnt steht die Inschrift:A toutes les Gloires de France! Ein Preuße, ich glaube, es war Theodor Fontane, der selbst aus altem fran­zösischen Blut stammte, hat dazu die Bemerkung gemacht, am Berliner Zeughaus steht nurGeöffnet von 9 bis 3". Altpreußische Nüchternheit und fran- zösisches Pathos!

Die toutes les Gloires de France, zu denen man ins Versailler Schloß geladen wird, sehen in ihren Anfängen etwas merkwürdig aus. In dem Saal, in dem die vielen Bilder französischer Sieges­schlachten in Riesenformat hängen, findet man als die drei ersten den Sieg Chlodwigs über die Ale­mannen bei Zülpich (Xolbiacum), den Sieg Karl Martells über die Araber auf dem Felde zwischen Tours und Poitiers, und die Unterwerfung Widu­kinds unter Karl den Großen (Widukind hat eine merkwürdige orientalische Zackenkrone auf!) in der Pfalz zu Attigny. Sind das wirklichstanzösische"

ganze Frankreich seinen Namen von dem germa­nischen Stamm der Franken hat. Ihn aber als ein Denkmal der Einnahme romanischen Bodens durch Germanen zu verstehen, fällt keinem Fran­zosen ein.

In der Pariser Nationalbibliothek gibt es einige Räume, in die nur selten ein Äremöer kommt: die Medaillen- und Antikensammlung. Man klingelt am Eingang, bezahlt zwei Franken Eintrittsgeld, durch­schreitet den ersten Saal, der nur für Fachleute auf dem Gebiet der Medaillenkunde Interesse hat, und gerät im zweiten aus einem Staunen ins andere über die Kostbarkeiten, die dort aufgebaut sind. Es fällt schwer, die Hauptstücke aus der griechischen, hellenistischen, römischen, iranischen Kunstgeschichte nicht menigens zu nennen. Man kennt die Sachen aus Abbiloungen, weiß um ihre Bedeutung, hat aber nicht daran gedacht, wo sie wohl stehen. Und nun möchte man von Schritt zu Schritt ausrufen: Ach, hier bist du also? Indes, ich kam mit einem bestimmten Vorsatz: den Inhalt des Grabes zu sehen, in dem der Merowinger Childerich, der Va­ter Chlodwigs, im Jahre 481 n. Chr. in Tournay, ganz im Norden des heutigen Frankreich, bestattet worden war.

Franzosen annektiert worden. Die Bienen waren sicher auf dem blauen Königsmantel aufgenäht, den Childerich trug und in dem er bestattet wurde. Blau galt als die Königsfarbe bei den Germanen. Napoleon I. nahm bei seiner Krönung den Purpur der Cäsaren an, aber er ließ, um einen historischen Zusammenhang" zu markieren, die Bienen seines Vorgängers" Childerich in Gold darauf sticken'

Childerich hatte sich noch mit der kleinen Herr­schaft begnügt, die er mit seinem Stamm im Nor­den der römischen Provinz Gallien erobert hatte. Das Frankenoolk hatte seine heimatlichen Sitze am unteren Rheinlauf nicht aufgegeben, es war nicht, wie Goten, Burgunder und Vandalen, mit Weid und Kind in die Ferne gezogen, sondern schob vom heimischen Boden aus seine Macht immer tiefer ins römische Gebiet. Childerichs Sohn Chlodwig tat dann den entscheidenden Schlag, bemächtigte sich des größten Teils von Gallien, beseitigte alle ande­ren fränkischen Gaufürsten und unterwarf sich auch die stammverwandten Alemannen. Seine Residenz nahm er in Paris, vermutlich in demselben Pa­last, in dem vier Menschenalter vorher Julian der Abtrünnige von seinen Soldaten zum Kaiser aus­gerufen worden war. Don ihm hat sich noch die alte römische Thermenanlage beim heutigen Ge­bäude des Musee Cluny mit anderem Mauerwerk bis heute erhalten. Chlodwig mag noch im Kaiser­bad gebadet haben!

Die fränkischen Eroberer siedelten je tiefer nach Gallien hinein, um so dünner. Nord frankreich hat noch einen starken Zuschuß von germanischem Blut erhalten, über die Loire hinaus aber wird nicht viel davon gekommen sein. Auch die Guillotine hat in der französischen Revolution viel von dem vernich­tet, was sich in den Adelsgeschlechtern Frankreichs an germanischem Blut erhalten habe. Aber diese Rech­nung mit dem Blut ist für das französischeCor­riger la fortune nicht die Hauptsache. Die Haupt­sache ist, daß die Franzosen es ja immer betonen, sie seien Erben und Fortführer derlateinischen" Zivilifation, in ihnen lebe der Geist ihrer römischen und gallischen Vorfahren! Was aber haben Chil­derich und Chlodwig, was Karl Martell und Karl der Große mit diesem zu tun? Sie waren Germa­nen, Karl hat sich auch, wie wir wissen, nicht als Romane, sondern als Germane gefühlt; auf ger­manischem Boden, in Aachen, baute er seine Resi­denz und sein Münster, und dort hat er sich auch bestatten lassen.

Welch eine spielerische Gesuchtheit war es doch, daß der Kaiser aus korsischem Blut sich Childerichs Bienen auf den Krönungsmantel setzen ließ! Und welche Absurdität, die Unterwerfung der Sachsen durch Karl als ein Vorgang der französischen Ge­schichte zu verewigen! Aber wer die Franzosen kennt, der wundert sich über so etwas nicht. Als 1 ein französischer Kleriker die Geschichte eines der ; Kreuzzüge zu schreiben begann, nannte er sie Gesta Dei per Francos, die Taten Gottes durch > die Franken, d. h. die Franzosen. Sie brauchen den

Dieser Fund hat eine wenig erhebende Geschichte. Das Grab wurde schon im Jahre 1653 entdeckt, zu einer Zeit, als Tournay noch zum Heiligen Rö­mischen Reich Deutscher Nation gehörte. Ich ließ mir von dem Aufseher den Hauptkatalog der Sammlung aufschlagen und las darin, der Kirchen­fürst, zu dessen Sprengel Tournay zählte, der Erz- bischof von Mainz,einer der Pensionäre des Kö­nigs von Frankreich", habe, um sich dem König er- kenntlich zu zeigen, ihm den Schatz geschenkt. Das scheint aber erst geschehen zu fein, nachdem Tour­nay durch die Kriege Ludwigs an Frankreich ge-

der Hand, der gefälligen und mehr noch der bom»! erstens ein Schwert: die Scheide ^uert aber bastischen Nippesware in der Denkmalsplastik, die der Beschlag aus Gold mit eingelegten ^en Al

1,7 ....... - mandinen ist gut erhalten; ebenso ist der Knauf

geschmückt. Danach das Eisen einer Wurfaxt, der fränkischenFrancisca", zwei Lanzenspltzen, eine Kugel aus Bergkristall, die der König wahrschein­lich als Talisman auf der Brust trug, eine schwere goldene Mantelschließe, ein goldener Ring mit per AufschriftChildrici Regis (des Königs Childrich) und zwei merkwürdige kleine Gebilde, die man bei näherem Zusehen als kleine Bienen erkennt. Der Katalog besagt, ursprünglich, d. h- als das Grab aufgedeckt wurde, seien es viele Bienen gewesen (angeblich dreihundert), aber sie sind fast alle ver- schwunden, d. h. gestohlen, und auch der Ring fei nur ein Faksimile; das Original hätten Diebe schon vor hundert Jahren zum Einschmelzen aus dem Museum geholt! Man hat seine Gedanken vor dem Glassturz über den Funden aus dem fränkischen Königsgrab! Auch der alte Childerich ist von den

bastischen Nippesware in - offensichtlich dem bürgerlichen Durchschnittsgeschmack entspricht, durch Anweisung der besten Plätze in den Straßen und Anlagen die öffentliche Anerkennung zu zollen. Wer Paris kennt, wird das auf «schritt und Tritt bestätigt finden. Um so ängstlicher und zurückhaltender ist man in der Zulassung des großen Meisterwerks, so daß man geradezu sagen kann, je später ein Denkmal, besonders in der Hauptstadt, zur Aufstellung gelangt, ein um so größeres Kunst­werk wird es sein. Bei demBalzac" hatte dieses abwartende Verhalten einen doppelten Grund: man fürchtete d i e ungeheure Vitalität Rodins und die nicht weniger große des gewaltigen Schrift­stellers. Denn das Vitale ist in dem gelobten Lande des Klassizismus und der Akademie durchaus un­beliebt. Man mag es nicht, man fühlt sich von feiner Nähe bedrückt und bedroht, weil es sich mit den überlieferten Anschauungen derraison" und desmesure" nicht in Einklang bringen läßt. Alles Uebermaß, alles der geheiligten Regel Wider­sprechende ist dem guten Franzosen irgendwie ver­dächtig, ja unheimlich. Schon St. Beuoe hat ganz richtig erkannt, daß Balzac mit seiner ungehemmt strömenden Produktion und seinem Temperament, daß alle konventionellen Schranken souverän zur Seite wirft, eigentlich höchst unfranzösisch ist. Wie sollte seinen Landsleuten Rodins mächtige Statue mit dem trotzig zurückgeworfenen häßlichen See­hundskopf, in dem alle Elemente losgelaffen zu fein scheinen, jemals wirklichgefallen"? Daß der Bal­zac die über ihn verhängte Quarantäne nun doch glücklich überstanden hat, ist aber doch ein erfreu­licher Beweis dafür, daß auf die Dauer die Kunst über den Geschmack den Sieg davonträgt sogar in einem Lande, das so fest an den Traditionen hängt, wie Frankreich.

Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte

Von Ernst von Ihc&dfcbÜH.

Die deutsche Regierung hat seit einiger Zeit durch ihr Organ, die Reichskammer der bildenden Künste, einen Angriff gegen den Reiseanden­ke n k i t s ch eröffnet. Alle Hersteller und Verbreiter von Reiseandenken sind von nun ab in die Reichs­kammer einzugliedern, der damit die Möglichkeit gegeben wird, auch auf diesem weiten Gebiete re­gelnd einzugreifen und dem hemmungslosen Händ- lertum, das so lange mit der Spekulation auf den schlechten Geschmack Geschäfte gemacht hat, einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Zwar gibt es noch immer gläubige Optimisten, die da meinen, mit Verboten sei Da nichts auszurichten, diese Krank­heit, die mit dem Fremdenverkehr kommt und geht und namentlich an landschaftlich schönen Punk­ten epidemisch aufzutreten pflegt, müsse sich selber heilen und werde es auch, wenn man nur zu dem gesunden Sinn des Volkes genügend Vertrauen habe. Die Erfahrung lehrt aber leider, daß man auf den konkreten Lohn für dieses Vertrauen meist ebenso lange warten muß wie Ibsens Nora auf das Eintreffen desWunders", daß im Gegenteil der Kitsch, einmal losgelaffen, lawinenartig an= schwillt und nicht umzubringen ist, es fei denn durch drakonische Nachhilfe.

Ebenso sicher ist allerdings, daß Verbote allein zu keinem dauernden Erfolg führen werden und eine anhaltende und geduldige Erziehungs­arbeit einsetzen muß, will man das Uebel an der Wurzel anpacken. Und gerade in dieser Beziehung ist noch ein gewaltiges Stück Arbeit zu leisten. An­ders ausgedrückt: eine erfolgreiche Bekämpfung des Kitsches ist nur dann möglich, wenn er keine Käufer mehr findet, weil die Käufer ge» fchmackooll und vernünftig genug geworden sind, ihn nicht mehr au wollen. In wie weiter Ferne dieses Ideal heute noch liegt, davon konnte man sich z. B. bei den diesjährigen Wagner-Fest­spielen in Bayreuth überzeugen, wo die elektrisch erleuchtetenGraskelche" und die ebenso schrecklichen Grasglocken" nicht nur in aller Gemütsruhe feil» gehalten wurden, sondern sogar reißenden Absatz sanden. Oder man gehe einmal mit offenen Augen durch die Berliner Passage, diesen Mittelpunkt des Fremdenverkehrs in der Reichshauptstadt! Don der in süßlichen Delfarben übermalten lebensgroßen Photographie einer Haremsdame (nur für Her­ren!") bis herunter zur Tabakspfeife in Gestalt eines holländischen Holzschuhs ist da wirklich alles zu sehen, was eine Andenkenindustrie, die vom Kitsch lebt, weil der Kitsch noch immer am meisten gefragt" ist, nur irgend ersinnen kann. Wer das alles einmal mit Schaudern erlebt hat, weiß auch, welche Riesenaufgabe den zuständigen amtlichen Stellen in ihrem hundertmal berechtigten Kampf ge­gen den seelenverderbenden Schund noch beoorsteht.

Fritjof Nansen, ein Freund des Deutschtums. ZU seinem 75. Geburtstage am 10. Oktober.

Es ist ein eigenartiges, an tragische Ironie grenzendes Schicksal mancher überragender Geister, daß sie sich in jungen Jahren kraft einer unge­wöhnlichen Leistung eine Art Blanko-Wechsel auf einen beliebigen Grad der Berühmtheit jchaffen, wodurch sie im weiteren Verlauf ihres Lebens der vollen Würdigung ihrer Zünftigen, vielfach ganz anders gearteten Verdienste selbst im Wege stehen. So war noch nach der Schlacht bei Jena Der groß- herzoglich weimarische Staatsminister Goethe einem Napoleon schlechthin der Verfasser des da­mals bereits vor einem Menschenalter erschienenen Werth er". Aehnlich bedeutet der Name Fritjof Nansen heute gar manchem lediglich die sieg­reiche Entscheidung um das Vordringen zum Nord­pol, das er mit seiner Reise auf derFram" 1893 bis 1896 durchführte.

Sechs Jahre, nachdem das Herz des großen Mannes aufgehört hat zu schlagen, ziemt es sich, daß wir, unbekümmert um flüchtige Tagesmeinun­gen, uns Rechenschaft geben von all dem, was den großen Polarforscher jenseits seiner wissenschaft­lichen Verdienste mit der Menschheit im allgemeinen und mit dem Deutschtum im besonderen verbindet.

lehrten von Rang, knüpften sich auch in seinem Leben schon früh die Bande mit der deutschen Wissenschaft. Den entscheidenden Eindruck die­ser Art erhielt der junge norwegische Forscher an­läßlich seines Aufenthaltes in der zoologischen Sta­tion Neapel, der großartigen Schöpfung des deut­schen Zoologen Prof. D o h r n. Jahre später fanden Nansens meereskundliche Theorien, auf denen die praktische Ausführung feiner Fahrt mit derFram" beruhte, in den Kreisen der Fachgelehrten weit­gehende Ablehnung; dagegen war einer der ganz wenigen Sachverständigen, die Nansen zu seinem Vorhaben ermunterten, der deutsche Geograph S u p a n. Und schließlich bedeutete es für den von derFram"-Expedition Zurückgekehrten eine be­sondere Genugtuung, wenn als einer der ersten der geniale Ferdinand von Richthofen der be­wiesenen ungewöhnlichen Vereinigung von Unter­nehmungsgeist und wissenschaftlichem Sinn seine uneingeschränkte Anerkennung ausdrückte. Bei alle­dem Darf nicht unerwähnt bleiben, daß Fritjof Nansen buchstäblich im Deutschtum wurzelte: ent­stammt doch seine Mutter, eine geborene Freiin Wedel-Jarrelsberg, einem alten westfäli­schen Adelsgeschlecht.

Der Völkerbund! In diesem einzigen Wort ließe sich ein gut Teil zugleich von Nansens Wesensart und von seinem Schicksal zusammenfassen. Kühner Idealismus und lebenverkürzende herbe Enttäu­schungen schließen sich in seiner Persönlichkeit unent­wirrbar in eins. Von schwerer Sorge erfüllt über die im Gefolge des Weltkrieges drohende Selbst- oernichtung Europas, leitete Nansen daraus die Forderung einer geschlossenen Zusammenarbeit in einem Bunde der Völker her. Selbst an dieser gläubigen Zuversicht machten ihn die mephistopheli­schenRealpolitiker" der Siegermächte und ihre Praktiken nicht irre. Die angeborene Weichheit seines Gemütes ließ ihn freilich von vornherein unterliegen im Kampfe mit den stets Ja sagenden und meist Nein handelnden Genfer Politikern.

Es kommt für jeden- Menschen von einiger allge­meineren Bedeutung früher oder später der Zeit­punkt, da offenbar wird, was der bleibende Er­trag seines Schaffens und Wirkens gewesen. Ge­messen an der Weite und Tiefe namentlich seiner Humanitären Auswirkungen, will es scheinen, als stehe Fritjof Nansens Charakterbild bereits jetzt mit endgültiger Deutlichkeit fest. Auch das, worin

er nach unserem Urteil irrte, floß bei ihm aus der unteilbaren Ganzheit einer großen, hochgestimmten Seele, der schon in der Mittagshöhe des Lebens. alles Gemeine nichts als wesenloser Schein ist. Damit aber, daß Fritjof Nansen so völlig in der I