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Aus der provinzialhauptstadi

Ein Ferienabschied.

Vorbei sind die kurzen Ferientage. Es geht wie­der nach Hause und an die Arbeit. Unserm blonden Jungen hat es so gut bei den Verwandten gefallen, daß er überhaupt nicht mehr mit uns will auf unsere einsamen Landsitz. Die neuen Spielkame­raden, die zärtlich-besorgten Tanten und die reiche Abwechslung der verkehrsreichen Gegend haben ihn ganz in ihren Bann geschlagen. Alles Zureden ist vergebens. Er besteht hartnäckig auf seinem Ent­schluß.

Meine Frau ist verblüfft.So was ist ja noch nie vorgefallen. Was fällt dem Jungen bloß ein? Sie wendet noch einmal alle Ueberredungskünste an, um Werner, den in den Ferientagen ihre Ge­schwister mit Beschlag belegten, wieder auf ihre Seite zu bringen. Mit demselben Mißerfolg wie vorher!

Nein, ich bleibe hier, bis ihr im Sommer wiederkommt., Tante Ilse fährt Schiffchen mit mir. Onkel Hans will mich schwimmen lernen. Ich gehe jeden Tag mit Oma einkaufen (da fällt natürlich immer was ab!). Opa nimmt mich in seinem Auto mit. Zu Hause habe ich keine Spielkameraden. Da bin ich so allein. Hier ist es viel schöner."

Das sind so seine Ausreden. Und dabei hat das Kerlchen noch nicht einmal unrecht. Schwager und Schwägerinnen, die hinter unserm Rücken heimlich ein Komplott geschmiedet haben, strahlen sieges­bewußt und verraten ein bißchen Schadenfreude. Ich durchschaue sie und lächle ironisch. Fällt mir doch nicht ein, mich zu ärgern.

Heimlich freue ich mich sogar über den Jungen, weil er so beharrlich an seinem Entschluß festyält und kein Mamakindchen mehr ist. Das lasse ich allerdings meine Frau nicht merken.

Sie wird allmählich ungeduldig. Kann man ver­stehen, nicht? Schließlich wendet sie sich verdrossen an mich:Du sitzt natürlich dabei und sagst keinen Ton, und in einer Stunde geht unser Zug."

Ich quittiere den kleinen Hieb mit einem leisen Lächeln. Ja, was soll ich da machen? Energisch werden? Schimpfen oder gar noch schlagen? Die herrlichen Ferientage mit einem Mißklang be­enden? Unsinn!

Daß es dem Jungen bei den vielen Tanten, Onkels und neuen Spielkameraden vorübergehend besser gefällt als in unserer stillen Landeinsamkeit, kann ich ihm wohl nachfühlen. Der Ferienaufent­halt war für ihn ein tiefes Erlebnis. Und dieses Erlebnis soll ichkraft meiner väterlichen Autori­tät" trüben? Nein, das sehe ich nicht ein! Wenn es gar nicht anders geht, mag ihn Tante Ilse oder Oma einige Tage später bringen. Das Heimweh wird sich schon bemerkbar machen, sobald wir zwei abgereist sind.

Als getreuer Ehemann will ich natürlich ver­suchen, unfern Stammhalter zur Mitreise zu be­wegen. Ich glaube sogar, daß mir dies ohne wei­teres gelingt. Meine Frau hat nämlich in ihrem Eifer etwas versäumt. Sie vergaß, ihren Liebling an seine vierbeinigen Freunde zu erinnern, die er mit heißem Herzen liebt.

Was wird Waldmann machen, wenn du nicht kommst?", sage ich ganz unverhofft zu Werner. Tagelang wird er dich in allen Ecken, in Haus, Hof und Garten suchen. Wenn er dich nicht findet, schmeckt ihm sein Futter nicht, und er läuft mit trau­rigen Augen und hängendem Schwänzchen umher.

Werner wird still und nachdenklich.

Wer soll denn nun dein Schäfchen auf die Weide führen? Ach, was wird es so kläglich schreien, wenn sein Spielkamerad nicht da ist. Weißt du noch, wie es neulich die Treppe herauf­kam und dich abholte?"

Unser Blondkopf seufzt schwer.

Wie oft wird nun dein Zwerghühnchen vor der Türe stehen und warten, bis es gestreichelt und aus der Hand gefüttert wird. Nun kann es dir nicht mehr auf die Schulter fliegen und dich im Haar zausen."

Werner schluckt. Die Aeuglein werden feucht. Er rutscht unsicher auf seinem Stuhl herum.

Nun fahre ich mein schwerstes und letztes Ge­schütz auf:

Weißt du schon, was Emmi das ist unser Hausmädchen heute morgen schrieb?" frage ich den kleinen Burschen.

Ei, was denn?" fragt er interessiert.

..Du rätst es nicht. Ich will dir's sagen."

Voller Erwartung hängt sein Blick an meinen Lippen. Die Augen werden größer und größer. Un­geduldig fragt er mehrmals. Ich will ihn nicht län­ger auf die Folter spannnen.

Denk Dir, wir haben kleine Bibi (Hühnchen!) bekommen!"

Da ruscht Werner schnell von seinem Stuhl her­unter, läuft freudestrahlend auf mich zu und ruft jubelnd:Wirklich? Ganz kleine Bibi, die ich in meine Händchen nehmen und streicheln kann? Ist es auch wahr?"

Natürlich", versichere ich ihm,sie warten schon auf dich." Da kennt sein Jubel keine Grenzen. So ganz nebenbei sage ich dann nach einer kurzen Pause:Aber du willst doch hierbleiben. Mama und ich fahren nachher weg."

Davon will er nun nichts mehr wissen. Das ist aus! Erinnerungen werden lebendig. Bild reiht sich an Bild. Die alte, liebe Heimat, die durch die vielen neuen Eindrücke ins Unterbewußtsein gesunken war, taucht wieder mit ihrer unbezwinglichen An­ziehungskraft auf und schlägt ihn erneut in ihren Bann. Anscheinend ist es ihm jetzt erst klar gewor­den, daß eine räumliche Trennung von Mama und Papa zugleich eine Trennung vom Elternhaus, den Gespielen und allen ihm lieb und teuer geworde­nen Sachen bedeutet.

Ilse, Trude, Inge und Hans können sich weitere Bemühungen schenken. Werner reagiert nicht mehr darauf. Ueberdies schreitet jetzt unsere verständige Omo ein und verbietet ihren enttäuschten Kindern ich kann mich nicht enthalten, ihnen eine lange Nase zu drehen alle weiteren Anlockungsversuche. Sie meint mit Recht:Laßt doch jetzt endlich den Bub in Ruh. Ihr macht ihn ja ganz durcheinander."

Meine Frau aber strahlt. Sie wirft mir einen innigen Blick zu.

Dann hilft alles bei den letzten Vorbereitungen zur Abreise. Jeder will de>m Kleinen noch einen Liebesdienst erweisen. Süßigkeiten werden ihm zu­gesteckt. Hier wird noch einmal am Gewändchen gezupft, dort eine Falte glattgestrichen oder sonst etwas in Ordnung gebracht.

Es freut mich ja,' daß alle den Burschen so ins Herz geschlossen haben. Aber sie machen es doch etwas zu bunt. Wenn das so weiter geht, bleibt wirklich nichts mehr von der Glasur übrig. Beson­ders die Tanten es sind lauter hübsche Käfer sind äußerst großzügig mit ihren Liebkosungen. Immer wieder wird er abgedrückt und muß eine Flut von Küssen über sich ergehen lassen.

Aber alles nimmt ja einmal ein Ende. Damit tröste ich mich. Beinahe hätte ich laut gedacht:

An die Radfahrer!

Versöhnende Mahnung eines Krastwagenfahrers.

Als langjähriger Kraftwagenfahrer richte ich aus meinen (Erfahrungen heraus ein paar Worte an die Radfahrer.

Ich gehöre nicht zu den rücksichtslosen Wegebe­nutzern, noch teile ich die landläufige Ansicht, daß die Radfahrer an den weitaus meisten Unfällen im Verkehr Schuld tragen.

Wenn man aber lieft, daß in Deutschland inner­halb einer Woche 134 Menschen im Straßenver­kehr ihr Leben lassen mußten, und daß weiterhin noch 4064 Personen verletzt wurden, dann sollte man in bester Absicht seine Erfahrungen kundgeben.

Es könnten unzählige Verkehrsunfälle vermie­den werden, wenn alle Radfahrer ganz scharf rechts fahren würden!

Ich sehe täglich in den belebtesten Straßen, daß die größte Zahl der Radfahrer diesem Vernunft­gebot zuwiderhandelt.

Ein Meter, selbst zwei Meter und noch mehr fahren sie von der Bordschwelle entfernt und brin­gen vor allem sich selbst in Gefahr. Es ist keines­wegs böser Wille, sondern sträfliche Gedanken­losigkeit. Das erste Gebot muß also heißen:

Scharf rechts fahren!

Durch Verordnungen und Verbote ist ferner das Nebeneinanderfahren der Radfahrer untersagt. Auf einer Strecke von fünf Kilometer stellten wir dieser Tage fest, daß nicht weniger als 86mal nebeneinander fahrende Radfahrer sich selbst und andere in Gefahr brachten. Es ist doch nicht schwer, wenigstens in belebten Straßen an diese Selbst­erhaltungspflicht zu denken. Das zweite Gebot müßte also heißen:

Nicht nebeneinander fahren!

Ferner sollten Radfahrer sich in strengster Selbst­erziehung daran gewöhnen, das Zeichen zur Aende- rung der Fahrtrichtung mindestens 30 Meter vor­her zu geben. Wie viele Unglücksfälle könnten allein durch diese einfache Maßnahme verhindert werden!

Wir Kraftfahrer sehen nicht nur täglich, sondern stündlich unzählige Radfahrer, die im letzten Augen­blick ihr Zeichen geben und oft, ohne sich durch Rück­oder Seitwärtsschauen zu vergewissern, die Fahrt­richtung ändern. Wenn ich Radfahrer wäre, würde ich an belebten Straßenkreuzungen, die ohne Ver­kehrsregelung sind, jedesmal vor dem Linkseinbie- gen absteigen, oder zum mindestens kurz halten und mich durch Umschauen vergewissern, ob die Straße zum Ueberqueren frei ist. Jedenfalls müßte das dritte Gebot heißen:

Früh genug das Zeichen geben!

Ich bewundere tagtäglich die Kunst der Rad­fahrer, sich durch den geballten Verkehr zu schlän­geln. Es gehört wahrlich viel Geschicklichkeit und auch Mut dazu, auf dem Rad durch den heutigen Straßenverkehr zu gelangen.

Ich weiß auch, daß es ein wünschenswertes Ziel wäre, durch Anlage von Radfahrerwegen den Ver­kehr zu entlasten und die Fahrer dadurch vor allem auch selbst zu schützen.

In allen Städten Deutschlands wird hier mit besten Kräften an dieser brennenden Frage gearbei­tet. Aber so lange wir alle uns in die herrschenden Zustände einfinben müssen, sollten wir in täglicher Ueberlegung und Selbsterziehung handeln.

Es wäre zweckdienlich, wenn die Radfahrer aus ihrer Erfahrung heraus eine Art Gegenrechnung für uns Kraftfahrer aufstellen würden.

110 Tote, 4118 Verletzte.

DNV. Der Reichsverkehrsminister teilt mit: HO Tote. 4118 Verletzte find in der vorigen Woche die Opfer des Straßenverkehrs im Deutschen Reich.

Line Stadt mit hupenlärm zeigt, daß in ihr der Kraftfahrer rücksichtslos fährt und der Fußgänger sich falsch verhält!

Wenn wir nur erst im Zug säßen!" Aber ich will nicht zu guter Letzt noch Verdruß machen und schweige fein still.

Werner kommt mir zu Hilfe. Er bekommt zu­sehends Reisefieber. Unruhig trippelt er von einem Beinchen aufs andere und fragt, unaufhörlich: Fahren wir denn nicht bald fort?"

Schließlich ist es soweit. Wir steigen in Opas Auto, das uns an den Bahnhof bringen soll. Ein letztes Händeschütteln, ein letzter Kuß. Wir fahren winkend davon und lassen unsere betrübten Lieben, die es so gut mit uns meinen, zurück. Wer weiß, wann wir uns wiedersehen?

Nun haben wir unseren Jungen wieder ganz für uns. Wie wird er sich freuen, wenn er erst wieder zu Hause ist und mit seinen kleinen und großen Freunden spielen kann! Die Eisenbahnfahrt wird uns nicht langweilig. Wir schwelgen in Ferien­erinnerungen und freuen uns gemeinsam auf un­ser stilles Familienglück in ländlicher Abgeschieden­heit. Ks.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

NS.-Lehrer-Bund Gießen-Land: 15.30 Uhr Ver­sammlung im Hotel Köhler. Gloria-Palast, Sel­tersweg:Paul und Pauline". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Heilige und ihr Narr".

NSDAP., Ortsgruppe Sießen-Ost.

An alle SA.-. SS.-, Marine-SA. und NSKK.- Wänner in der Og. Giehen Ost.

Die Beiträge zur Hilfskasse für das 3. Vierteljahr 1936 werden am Mittwoch, 10. Juni, und Donnerstag, 11. Juni, von 20 bis 22 Uhr, m derGermania", Kaiserallee 141, erhoben.

Die Mitglieder genannter Formationen, die nicht Parteigenossen sind, werden aufgefordert, ihren Beitrag zur Hilfskasse an einem der genannten Tage zu zahlen.

Bei Nichtbezahlung erfolgt Abmeldung bei der Reichsleitung in München.

X Die deutsche Meitölront

-GemeinschaftKraft durch kreude"

Omnibusfahrt nach dem Nürburgring am 14. Juni.

Für die Teilnehmer an dieser Fahrt geben wir nachstehend die Abfahrtszeiten bekannt: Ab Gießen (Oswaldsgarten) 3.45 Uhr, ab Heuchelheim (Bieber­talbahnhof) 4.00 Uhr. Ausgabe der Fahrteilnehmer­ausweise Samstag von 9 bis 12 Uhr auf der Kreis­dienststelle Gießen, Schanzenstraße 18.

Appell derKraft-durch-Freude"-Belriebswarte Gießen.

Wir weisen schon heute darauf hin, daß am Mon­tag, 15. Juni, abends 6.30 Uhr im Haus der Deut­schen Arbeit, Schanzenstraße 18, im großen Saal eine Besprechung der BetriebswarteKraft durch Freude" stattfindet. Erscheinen dringend erforderlich.

Dienstjubiläum

in der Veichsjustizverwattung.

Glückwunsch des Führers.

Der Juftizinspektor bei dem Amtsgericht Gießen Jakob Dickler blickt am 12. Juni 1936 auf eine 41jährige Dienstzeit zurück. Aus diesem Anlaß hat ihm der Führer und Reichskanzler seine besten Wünsche ausgesprochen und damit seinen Dank und seine Anerkennung für die dem Reiche geleisteten treuen Dienste verbunden.

Inspektor Dickler trat im Jahre 1896 bei dem Amtsgericht Zwingenberg in den hessischen Justiz­dienst ein. Er gehörte sodann wechselnd verschiede­nen Gerichten, insbesondere mehrere Jahre hindurch dem Amtsgericht Ortenberg und seit 1928 dem Amtsgericht Gießen an, an dem er heute die be­sonders wichtigen Geschäfte des Standesamts- und Ortsgerichtswesens versieht. Von August 1914 bis Dezember 1918 war er im Felde.

Auch die Caritas sammelt.

Wenn am 13. und 14. Juni unter den Sammlern der Verbände der freien Wohlfahrtspflege auch die Sammler der Caritas stehen, wird sich mancher wieder fragen, was das WortCaritas" bedeutet. Man versteht darunter einmal hilfreiche Gesinnung gegenüber so mancher Not des Nebenmenschen, wie auch den organisatorischen Zusammenschluß aller Werke der Nächstenliebe, die von den deutschen Katholiken zur Behebung von mancherlei Lebens­nöten im Lause der Zeit geschaffen wurden. Der

nationalsozialistische Staat hat in besonderer Wür­digung des Wertes christlicher Liebestätigkeit und im Hinblick auf ihre Leistungen für das Volksganze bald nach der Machtübernahme im Jahre 1933 den Deutschen Cavitasverband als einen der vier Spitzenoerbände der deutschen freien Wohlfahrts­pflege anerkannt. Ihm, der innerhalb der Arbeits­gemeinschaft der Spitzenverbände der freien Wohl­fahrtspflege feiner Eigenart gemäß an der Be­hebung mannigfacher Not arbeitet, hat das Reichs­innenministerium auch in diesem Jahre zwei Sam­meltage, den 13. und 14. Juni, für eine Straßen- und Haussammlung eingeräumt. An diesen Tagen soll auch der Caritas ein Teil der Mittel zur Ver­fügung gestellt werden, die zur Erhaltung und För­derung ihrer vielfältigen Werke der Menschenliebe und zur urynittelbaren Betreuung zahlreicher hilfs­bedürftiger Volksgenossen nötig sind.

Keine Kinder unter 12 Zähren allein auf die Friedhöfe!

Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns mit­gefeilt:

In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß Kinder unter zwölf Jahren allein auf die Friedhöfe kom­men, um dort Arbeiten oder Besorgungen an Grä­bern vorzunehmen. Durch diese unbeaufsichtigten Kinder sind schon öfters Störungen verursacht wor­den. Laut § 41 Abs. 2 der Friedhofsordnung ist Kin­dern unter zwölf Jahren ohne Begleitung Er­wachsener der Aufenthalt auf den Friedhöfen ver­boten. Unter Bezugnahme auf diese Vorschrift werden die Eltern ersucht, ihre Kinder unter zwölf Jahren ohne Begleitung Erwachsener nicht auf die Friedhöfe zu schicken.

Wer führt Ofenseherarbeiten aus?

Die Bezirks stelle Hessen des Töpfer- und Ofensetzer Handwerks teilt mit:

Osensetz- und Reparaturarbeiten sind handwerk­liche Arbeiten des Töpfer- und Ofensetzerberufs. Alle häuslichen Feuerftellen müssen den bau- und feuerpolizeilichen Vorschriften entsprechend ange­schlossen fein. Wenn zur Zeit bas Schornsteinfeger­gewerbe die Feuerschau ausübt, so dient diese Maß­nahme dem Schutz von Leben, Gesundheit und Volksoermögen, ferner zur Verhütung der fahr­lässigen Brände und zur Sicherung des Luftschutzes. Alle Vorgefundenen Schäden können nicht nach eigenem Ermessen abgeändert werden, sondern es sind bestimmte Richtlinien zu beachten. Man wen­det sich am besten an das heiztechnisch und praktisch ausgebildete Fachhandwerk, das mit den feuer­polizeilichen Bestimmungen und den Reichsgrund­sätzen des Töpfer-, Häfner- und Ofensetzerhandwerks vertraut ist.

Kulturpolitik in den Alpen.''

Gestern abend veranstaltete das Volksbildungs- werk in der Aula des Gymnasiums einen Vortrags­abend. Herr von Gallois hieß die Teilnehmer, die Vertreter von Partei und Universität herzlich willkommen. Dr. Ullrich, Dozent an der hiesigen Universität, sprach sodann über das Thema des Abends, das in knappsten Zusammenfassungen einen Ueberblick über die österreichische Geschichte gab und sie in ihren kulturgeschichtlichen Beziehungen zum gesamtdeutschen Volkstum beleuchtete.

Der Vortragende führte in die früheste Zeit zurück, schilderte das Land als ein Bollwerk gegen das Vordringen der Slawen, Magyaren und der Türken, und betonte, daß Oesterreich ältester deutscher Kul­tur- und Kolonialboden sei. Der Redner sprach von Karl dem Großen und seinen Beziehungen zur öster­reichischen Geschichte, ferner von dem Dichter der Nibelungensage, der zweifellos ein Oesterreicher ge­wesen sei, von dem ritterlichen Minnesänger Walter von der Vogelweide, und schließlich vom Hause Habsburg, von den Herrschern, die dieses Haus her­vorbrachte und der Hausmachtpolitik, die durch Jahrhunderte hindurch deutsches Schicksal maßgeblich beeinflußte. Der Vortragende führte in gleicher zusammenfassender Weise in die neuere Geschichte ein, sprach von den großartigen Erfolgen eines Prinzen Eugen gegen die Türken, und seinen gro­ßen Gedanken um die deutsche Besiedlung von Bat- schka und Banat. Er erinnerte an die Kaiserin Maria Theresia, die ihrerseits die Bemühungen um die Besiedlungen des von den Türken befreiten Lan­des mit deutschen Bauern erfolgreich durchführte und vielen Deutschen eine zweite, wenn auch hart um- tämpfte Heimat gab. lieber den Erzherzog Karl, der bei Aspern eine große Schlacht gegen Napoleon ge­wann, über Laudon und Radetzky, die großen Feld­herren der österreichischen Geschichte, wurden die Zu­

hörer im Geiste in die Zeiten Metternichs geführt und erfuhren dann in kurzen Zügen das Wesentliche über den Begründer der Alldeutschen Bewegung und derLos-von-Rom" - Bewegung, Georg von Schöne­rer. Mit der Erinnerung an den Feldherrn des Weltkriegs, Conrad von Hötzendorf und mit dem Gedenken an den Führer Adolf Hitler, der aus fei­ner österreichischen Heimat heraus für Deutschlands Geschick so glückhaft bedeutsam geworden ist, schloß der Vortragende.

Neben der Schilderung der geschichtlichen Entwick­lung Oesterreichs im politischen Sinne gab der Vor­tragende auch eine Ueberschau über die mannigfachen Bereicherungen, die das deutsche Volk von österrei­chischen Dichtern, Musikern und Malern empfangen hat. Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Lanner, Strauß, Bruckner, Hugo Wolff und Josef Reiter (aus Braunau), Raimund, Nestroy, Grillparzer, Adalbert Stifter, Anzengruber, Rosegger erfuhren kurze Würdigungen. Die Maler von Moritz von Schwind bis Egger-Lienz lernte man kennen, man horte von Mendel, dem Begründer der Vererbungs­lehre und verschiedenen anderen hervorragenden Wissenschaftlern, die der deutschen Sache große Dienste leisteten. Zahlreiche Bilder ergänzten das gesprochene Wort.

*

** Straßensperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird der Hindenburg- wall zwischen Bismarckstraße und Bleichstraße für die Zeit vom 11. bis 30. Juni für den ge­samten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

** Eine öffentliche Mahnung der S ta d t k a s s e wird in unserem heutigen Anzeigen­teil veröffentlicht. Wer mit Handwerkskammerbeiträ­gen, Bürgersteuer, Grund-, Sonder- und Gewerbe­steuer usw. im Verzug ist, möge diese Bekannt­machung besonders beachten.

** Ein Ruderboot gestohlen oder ab­getrieben? Die Kriminalpolizeistelle Gießen teilt uns mit: In der Nacht zum 1. Juni wurde am Lahnufer in Gießen ein Ruderboot entwendet. Das Boot besteht aus einem Holzgerippe, das mit Segeltuch verkleidet ist. Es hat die Form und das Aussehen einen Faltbootes, ist aber nicht ausein­andernehmbar. Die Seitenflächen sind mit grüner, das Verdeck mit beiger Lackfarbe überstrichen. Im Boot können zwei Personen Platz nehmen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß das Boot in­folge des Hochwassers abgetrieben ist.

** Ausflug des Eisenbahnervereins Gießen nach Kassel. Der Eisenbahneroerein Gießen und Umgebung unternahm am vergangenen Sonntag in Gemeinschaft mit dem Eisenbahneroer­ein Grünberg und Umgebung einen Ausflug nach Kassel. Nach unterhaltsam verlaufener Bahnfahrt marschierte man unter den Klängen einer Musik­kapelle in Wilhelmshohe ein und besichtigte nach kurzem Imbiß in verschiedenen Lokalen die Sehens­würdigkeiten des Schlosses Wilhelmshohe, den Park, die Herkulesfigur und die Wasserkunst. Lei­der beeinträchtigte der einsetzende Regen den Aufenthalt im Freien. Diele Teilnehmer fanden die Möglichkeit, auch die Sehenswürdigkeiten der alten einstigen Residenzstadt und ihre schönen Grün­anlagen zu besuchen. Sehr befriebigt von den Er- lebnissen des Tages kehrte man am späten Abend in die Heimat zurück.

Große Strafkammer Gießen.

In mehrstündiger Sitzung, die sich bis in die späten Nachmittagsstunden hinzog, verhandelte gestern das Gericht gegen den Friedrich Heinrich Wenzel aus Ober-Rosbach wegen Unter' Magung im Amt. Der Angeklagte bekleidete bis zum Jahre 1932 das Amt des Gemeinderechners. Während er in den ersten Jahren seiner Tätigkeit seinen Ver­pflichtungen ordnungsgemäß nachkam, wies die Kaffe, die von der Aufsichtsbehörde von 1924 bis 1932 niemals revidiert wurde, bei einer im Jahre 1932 plötzlich vorgenommenen Nachprüfung einen Fehlbetrag von rund 7000 Mark auf. Die sehr um­fangreiche Beweisaufnahme ergab, daß der Ange­klagte Gelder aus Holzverkäufen, Verpachtungen usw. laut Hilfstagebuch eingenommen, jedoch nicht in das allgemeine Tagebuch übertragen hatte. In­folgedessen hätten diese Beträge bei dem Kassen­sturz mehr vorhanden sein müssen, was aber nicht der Fall war. Die Kasse wurde von dem Ange­klagten bis auf kleine Differenzen durch Falsch­buchungen stimmend gemacht. In der gestrigen Hauptverhandlung wußte der Angeklagte, der von den Zeugen als solid geschildert wird', keine aus­reichende Erklärung zu geben, wo die Gelder hin­gekommen sind. Unter Annahme mildernder Um­stände beantragte der Staatsanwalt eine Gefäng­nisstrafe von einem Jahr zehn Monaten sowie den Erlaß eines Haftbefehls. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr.

Laubacher Ausschuß 1936.

3) ßaubad), 9. Juni. Das diesjährige Lau­bacher Ausschußfest begann am Sonntag­nachmittag mit Volksbelustigung auf derHelle". Trotz des schlechten Wetters, das bis zum Abend anhielt, wurde ausgiebig gefeiert. In der Nacht spielte die Kapelle vor den einzelnen Häusern die üblichen Ständchen. Nach dem Wecken am Montag­morgen sammelten sich die 13 Sektionen auf dem Marktplatz und marschierten unter Vorantritt der Kinder und Gabenträger in den Schloßhof, wo der vom Grafen gestiftete, festlich geschmückte Hammel und die Hammelsgabe der Gräfin abgeholt wur­den. Der diesjährige Hauptmann Wilhelm Leid- ner I. dankte für die Stiftungen und lud die gräf­liche Familie zur Teilnahme an dem Feste ein. Der Graf unterstrich in feiner Erwiderung die tiefere Bedeutung dieses Heimatfestes. Der stattliche Fest- zug bewegte sich anschließend durch die von vielen Zuschauern umsäumten Straßen der Stadt. Nack» dem Würstchen-Frühstück auf dem Festplatz begann das Schießen, an dem alle Laubacher vom 18. Le­bensjahre an teilnahmen. Der beste Schütze und Gewinner des Hammels war Georg Stengel. Die Hammelsgabe (Kleid) errang Beruh. Högel. Die Preisträger des Gabenftandes waren: 1. Wil- hem Köhler: 2. Otto Dahms: 3. Heinrich Momber- ger; 4. Heinrich Pitz: 5. Georg Lamm: 6. Otto Stroh: 7. Karl Wirth: 8. Johann Friedrich Rühl; 9. Heinrich Schmidt: 10. Karl Günther; 11. Dr. Ludwig Schmitt; 12. Karl Graulich: 13. Christian Von-Eiff: 14. Friedrich Zimmer; 15. Karl Kopp; 16. Wilhelm Diehl; 17. Willy Michel: 18. Wilhelm Becker; 19. Otto Source; 20. Artur Desch; 21. Otto Högy: 22. Georg Schars: 23. Wilhelm Leidner I.; 24. Ernst Högy: 25. Heinrich Melchior; 26. Karl Poth: 27. Heinrich Kircher; 28. Wilhelm Döll. Den

Schram s Puddinge munden Kranken und Gesunden!