Ausgabe 
10.6.1936
 
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Nr. 152 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen-

mittrood), IO. Juni 1936

Aus dem Reiche der Krau.

Kinder fahren aufs Land.

Segensreiche Arbeit der RSV

Kennt die Bäuerin die großen Städte, die Men­schen, die dort wohnen und in hohen Häusern an breiten Straßen oder mitten in Enge und Dunkel­heit ihr Leben verbringen? Sie kennt diese Men­schen kaum. Sie ahnt nicht, daß die Kinder in die­ser Stadt noch niemals eine Kuh, ^noch nie ein Schwein gesehen haben. Die Großstadtkinder ken­nen nur die Bäume und Sträucher eines Parkes in der Nähe.ihrer Straßen, die gelben Sandwege und die Rasen, aber nicht die unendlichen Weiten des deutschen Landes, nicht die Felder und Wiesen, nicht die Dörfer mit ihren holprigen Straßen, ihren kleinen Vorgärten, in denen Bauernblumen stehen und den großen Obstgarten.

Nun schickt die NSV. diese Kinder hinaus auf das Land. Der Bauer, mißtrauisch gegen alles Neue, Freude, hat sich bereit erklärt, einen kleinen Gast aus der Stadt aufzunehmen Auf dem Bahn­hof trafen Pflegemutter und Pflegekind zum ersten Mal zusammen. Die Frau nahm den Koffer oder Karton des Kindes und führte es in seinen Ferien heim. Der Bauer reichte ihm mit einem Scherzwort die Hand, die alte Großmutter schaute es freundlich an, und die anderen Hausgenossen taten es ihr nach. Damit war die kleine Großstädterin in die Haus­und Hofgemeinschaft ausgenommen. Und bald hatte sie sich auch schon das Herz Aller erobert. .So fix ist sie, daß sie bestimmt nicht zunimmt", meinte der alte Bauer lachend, und seine Frau fügte hinzu: Ich weiß mit Kindern umzugehen, ich selbst hatte neun Die Kleine hier gefällt mir, so ein liebes, lustiges Ding und so aufgeweckt und munter."

Fast überall wohin man kommt, ob auf ausein­anderliegende Einzelhöfe, ins Dorf oder zu den Pflegestellen in der kleinen Stadt, überall wollten die Familien nur Mädchen haben. Meist schickt es sich besser mit der Unterbringung, die Frauen glau­ben, daß sich ein Mädel leichter lenken lasse als ein Junge im Alter von acht bis vierzehn Jahren. Es tft fast überall so, daß die Unterbringung von er­holungsbedürftigen Jungen große Schwierigkeiten macht. Wenn sich noch mehr Pflegestellen für Jun­gen fänden, wäre das eine große Freude, dann könnten auch die verschickt werden, die jetzt Zurück­bleiben mußten, weil für sie kein Platz vorhanden war.Gestern ist der Junge angekommen, heute wollte er schon die Kuh melken", lacht ein Bauer, aber er wird's schon bald lernen, er will über­haupt überall mithelfen."Gut und willig ist das Kind, überall packt es mit zu, hilft hier in der Küche, will dort das Vieh füttern oder auf dem Felde helfen. Aber das gibt es nicht, dazu kommt es doch nicht aufs Land, daß es arbeitet", das ist die Meinung der Bauern draußen im weiten deut­schen Lande den Stadtkindern gegenüber.

Anfangs standen die Stadtkinder all dem Neuen, was auf sie einstürmte, staunend gegenüber lieber viele Sachen sah man sie dann aber nicht selten herablassend lächeln, weil es einfacher und vielleicht veralteter ist als in der Stadt. An Stelle dieses Lächelns ist aber heute ein frisches Lachen getreten, und die Augen sind blank geworden. Sie helfen, wo sie können, wissen sie doch, daß auf dem Lande jede Hand wertvoll ist, wenn sie auch nur ein ganz klein wenig zugreift. Die Kinder erzählen von ihrem Zuhause, der Bauer begreift manches, was ihm früher fremd war, das Kind dagegen lernt die Ar­beit des Bauern und feine Sorge für die Ernäh­rung des ganzen Volkes schätzen.

Haushalt und Handwerker.

Don Annie Juliane R'chert.

Es ist verständlich, daß die Hausfrau in rühren­der Schaffensfreude versuchen will, möglichst alles selbst wieder in Ordnung zu bringen, was Zeit und Gebrauch an Hausrat abgescheuert haben. Das soll ihr auch unbenommen bleiben Sie soll Fliegen­flecke entfernen, Marmor reinigen, Ledermöbel säu­bern, staubsaugen, putzen und reinigen, was das Zeug hält. Sie kann auch unbedeutende Streich­arbeiten im Haushalt ausführen, aber dem Handwerker ins Handwerk zu pfuschen, muß ihr un­ter allen Umständen als ein Vergehen an der Volks­gemeinschaft angekreidet werden. Oft betätigt sich der Hausherr gern als Bastler. Und auch ihm soll die Freude an Hobel und Schleisttein, Lötkolben und Schnitzmesser nicht genommen werden. Sie soll aber nicht ausarten zum Reparaturfimmel und Konkurrenzunternehmen für Sachverständige.

Ich sah neulich eine praktische Fußbank, deren Schrägstellung mir einleuchtend für Ruhebedürfms der Füße war. Schon wollte sich mein Mann daran machen, aus Leisten und spitz zulaufendem Seiten­teil diese Arbeitsbank für das Gemüseputzen und andere Arbeiten, die ich im Sitzen ausführe, zu zimmern. Aber ich besann mich noch rechtzeitig und gab die kleine Arbeit dem Tischler im Nebenhause, mich fast entschuldigend, daß die Arbeit so gering­fügig war. Aber die Freude, die der Nachbar Tisch­ler über diesen kleinen Auftrag zeigte, war mir Beweis daß ich recht gehandelt hatte. Dabei fiel mir dann ein, daß in der Höhlung der Tür aus der Speisekammer ein schmales Doppelbrett für kleine Flaschen und Gewürzgläser sehr nützlich sein könnte, und wir besprachen sofort auch diese Neue­rung im Haushalt zu ordnungsordernden Zwecken

Beim Umräumen der Schränke wird man darauf stoßen, was längst hätte geschehen sollen: Der alte Schrank hat keine Stange und braucht notwendig am Boden ein Gerüst für Schuhe. Jetzt oder nie! sagt sich di- Hausfrau unb freut sich über ben guten Rat des zugezogenen Fachmanns, innen an der Tür einen unbrauchbar geworden Spiegel, den man aus dem Rahmen genommen hat, anzubrm- qen und damit einen Spiegelschrank zu ersetzen Das kundige Auge des Tischlers entdeckt auch, daß ^inkge Leisten an alten Möbeln sich lockern und ableimen wollen, und einiger Beschämung sehen wir sein verständnisvolles Lächeln beim zio- heben der Stücke. Wir haben schon mehrere Sch A ten Leim draufgeschmiert. Daß nun Die Stucke nicht hielten, ist kein Wunder. , .

° Unter Gerechtigkeitsgefühl erlaubt "A. daß wir nur eine Jurist beschäftigen. Em häßlicher Fiecr be? Tapete kann von uns selbst ausgebes ert werden. Aber die Stelle sticht dann gegen die Um aebunq ab, und warum soll nicht em ungerahmt Ueaendes Bild dazu verhelfen, diesen Schandfleck natürliche Weise zu bedecken? Der tn Nahrung gesetzte Glaser schneidet auch gleich Schutzplatten

für die Türen gegenAngriffe" der unachtsamen Familienmitglieder und Platten für das Schränk­chen im Badezimmer, weil das eingelegte Papier durch Flaschenränder immer schnell unansehnlich wird.

So gibt es in einem normalen und gut geführ­ten Haushalt dauernd aufrührerische Elemente, die sich ihrer Arbeit entziehen möchten. Das ist noch der kleinere Teil unserer Sorgen. Wenn man, wie ich, seit 24 Jahren im gleichen Hause wohnt, und einen Stab von zuverlässigen Handwerkern in der Nachbarschaft weiß, so wird kein Hebel einreißen können, und alle Sachschäden werden auf frischer Tat ertappt und ausgebessert. Dieses herzliche Ver­hältnis hat auch dazu geführt, bei Neuanschaffun­

gen erst einmal denken: ,Könnte Das nicht Der unD Der ebenso gut machen, als wenn wir es fertig kaufen?" Gewiß, viele Dinge kauft man fer­tig. Aber Maßarbeit, wie ein hübsches Regal für Das Herrenzimmer oDer ein Aktenschränkchen für Das Haushaltsarchiv Der Hausfrau, bekommt man nicht fertigvon Der Stange" wie ein genormtes Möbel. Da habe ich von jeher Den HanDwerker be­vorzugt, Der Das Einzelstück mit Der ganzen Kön­nerschaft unD Liebe ausführt. Die ich für Diese Extraanschaffung aufgemenDet sehen möchte. Ich weiß auch, Daß solche ©onDeraufträge Die Arbeits- freuDigfeit Des Meisters in seinem Fach beflügeln. UnD feine FreuDe an Dem neuen Stück kommt mei­nem Haushalt schließlich zugute.

Was sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Für Die Ferientage am Wasser sinD Der flotte BaDemantel, Das schlichte StranDkleiD unD Der StranDanzug für junge MäDchen geDacht.

Der Mantel aus Dickem, blauem Frottee mit großen, weißen Tupfen hat unten weitgezogene Raglanärmel, einen großen Kragen unD einen brei­ten Gürtel aus Dem gleichen Frottee. Zwei große, mit weißem Frottee bespannte Knöpfe Dienen als Verschluß. Der Mantel kann sowohl hochgeschlossen als auch aufgeschlagen getragen werden. Der große S o n n e n h u t ist aus grobem, weißem Stroh.

Das einfache StranDkleiD ist aus hell­rotem, fleingemuftertem Baumwollstoff. Es roirD

über Den Achseln von zwei schmalen Trägern ge­halten, Die auch im Rücken abgeknöpft, nur hinten am Halse geknotet getragen werben können. Die kurze Jacke mit Den Raglanärmeln unD Den apart angeschnittenen Aufschlägen ergänzt Das KleiD fürDenHeimweg vom StranDe. Die Aufschläge sinD wie Die Träger unD Der Gürtel Des KleiDes weiß.

Für jungeMäDchen ist Der StranDanzug mit Der tunifartigen Jacke aus weißem Seinen mit marineblauem unb rotem Besatz. Die wollene Hose ist ebenfalls marineblau, ber barunter getragene Babeanzug rot. H.

Lebrige Brocken.

Bon Irwa Aisch, Lad-Nauheim

Wohin mit all den Resten? Wir denken dabei nickt an solche, von Denen einmal so schon zu lesen ftanD:AnDerthalb PfunD Braten ", sonDern an wirkliche Reste, zu wenig zum Sattessen, nicht loh- nenD zum Aufheben, unansehnlich m ihrer jetzigen Form, Die zum Wegtun zu schaDe sinD unD auch aus Sparsamkeit orDentlich verbraucht werben müssen. Laßt sehen, was sich Damit anfangen laßt.

Alle Knochen geben herrliche Suppen Ge- f l ü g e I g e r i p p e unb Knochen von Hellem Fleisch kochen wir zusammen. Das Fleisch wirb vorher ab­gekratzt unb fein gewiegt. Die Knochen werben m kleine Stücke gehackt unb rrnt kaltem Wasser eine Nacht eingeweicht, Damit sie gut ausziehen. Das fest- Stückchen Fleisch, ebenso wie ausgelaufener, gelierter Saft wird gespart sur ,pater Mit wenig Butter oder Rindsfett wird ein EHI°s,-l feinge­hackte Zwiebel und ein Löffel Weizenmehl gedunstet darauf die Knochen mit dem Wasser gegeben und mit Petersilie, Sellerie unD Salz eine Viertelstunde gekocht. Alles durchs Sieb geben, das feingemiegte Fleisch dazu. Ein Eigelb mit einem Rest Kaf ee- sahne verrühren, dazutun und mit grüner Peter­silie und einem Stich frischer Butter annchtenMNuß es sehr viel Suppe werden, hilft man mit Maggi "^Knochen von dunklem Fleisch, Tauben und Wildbraten werden zerhackt. Em Stuck Butter kommt in den Kochtopf, die Knochen dazu und mit Mehl überstäubt braun gebraten. Mit Wasser auf­füllen, zwei bis drei kleine Zwiebeln mit je zwei Nelken bespickt, Petersilie, Selleriescheiben, em Stückchen Lauch dazu geben, leicht holzen und tüch­tig kochen. Durchs Sieb rühren, einige frische Cham­pignons hineinschneiden. Ist die Suppe zu schwach, mit Fleischextrakt oder Magai nachhelfen. Einen Rest Reis oder eine Handvoll Fadennudeln Dann

fertigmachen unD einen Stich Butter in Der Terrine zerlaufen lassen.

Krebssuppe. Aus Den Scheeren Der Krebse entfernen wir Das etwa noch vorhanDene Fleisch, zerstoßen Die Schalen unD Bäuche unD setzten sie mit kalter Milch aufs Feuer. Ein bis zwei alte Milchbrötchen weichen wir Darin auf, geben Die Suppe Durch ein Sieb, tun gehackten Kerbel, einen Stich Butter unD Das Krebsfleisch Daran unD richten an.

Aus gekochten Gemüserestchen, ganz gleich welcher Art, ob mit ober ohne Mehlschwitze, Nest­chen Reis ober Nudeln und gekochtem Fleisch machen wir einenFamilientro ft". Die Mehlspeise­form wird ausgebuttert und mit Zwiebackmehl aus- gestreut. Da hinein geben wir häufchenweise, jede Art für sich, das Gemüse. Dazwischen einzelne frische Tomaten, die wir mit Resten von gekochtem Reis, mit Pfeffer und Petersilie gewürzt, füllen. In die Zwischenräume kommen gehackte Fleisch­reste. Eins oder das andere kann natürlich fort­fallen. Heber alles kommt einSößli": Eine gelb­liche Buttermehlschwitze wird mit Milch aufgefüllt, mit ein bis zwei Eigelb abgerührt, mit Zitronen­saft, weißem Pfeffer und Salz abgeschmeckt und in die Form gegossen. Die Tunke muß gut fließen, aber nicht zu dünn sein. Darüber reibt man eine Käserinde ab, legt ein paar Butterflöckchen auf und bäckt im Ofen fertig.

Kalte Verwendung von Gemüse- re st e n. Wir stellen uns soviel Tellerchen hin, als Esser sind, und verteilen Darauf Das Gemüse, von jeDem etwas. Dazwischen können Heringsreste, Sar- Dellenstückchen, ©auregurfen - Scheibchen, Eierstück­chen, OelsarDinen kommen. Heber alles eine Oel- tunfe: Im gut gewärmten Topf zwei Eigelb quir­len, Dazu nach unD nach ein Achtelliter Del geben, bis es steif ist. Mit Zitronensaft, Pfeffer, Salz ad- schmecken unD frische Kräuter oDer ein Nestchen Kaperntunke, auch etwas saure ©ahne dazwischen geben. Als Vorgericht ober zum Brot.

Frau und Technik.

LonLlse Mahl

Von männlicher Seite wirb Den Frauen oft Der Vorwurf gemacht, sie seien in technischen Dingen nicht mir ungeschickt, sonDern geraDezu Dumm. Daran änDere tm allgemeinen auch Die Tatsache nichts, baß einige wenige es fertiggebracht hätten. Diplom-Ingenieur zu werben ooer allein nach Afrika zu fliegen. Es sei vielmehr charakteristisch für eine Frau, baß sie nicht nur keine Lanbkarten unb Kursbücher lesen könne, sonbern auch über bie ein­fachsten technischen Dinge im Alltag nicht Bescheid wisse. Man solle sie nur einmal beim Deffnen einer Straßenbahntüre, eines O-Zugfensters ober bei ber Hanbhabung ihrer elektrischen Geräte im Haushalt beobachten, und man käme aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

Nun, es gibt bestimmt genug Männer, denen man dieselben Vorwürfe machen könnte, und ganz so schlimm sieht es mit dem technischen Verständnis bei den Frauen bestimmt nicht aus. Der technisch­handwerkliche Sinn ist zumeist angeboren. Er kommt bei den Frauen meist nur deshalb weniger xur Entfaltung, weil die Erziehung nichts dazu tut, sondern vielfach bewußt zur Verkümmerung dieser Anlage beiträgt. Nicht nur, daß man den Mädchen selten mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Den Buben Hhren ober Fahrräber zumZerlegen" überläßt, sonbern, wenn sich ein kleines Mädchen eine Eisenbahn ober einen Experimentierkasten wünscht, bann bekommt bas entartete Kinb mit ber größten Wahrscheinlichkeit eine Puppe ober einen Kauflaben. Das ganze hanbwerkliche Geschick wird bei Mädchen im allgemeinen nur für Hanoarbeiten nutzbar gemacht, obwohl eine etwasmännlichere" Bastelei in der Regel nichts schaden würde.

Wir alle kennen konservative Hausfrauen, die fick die Errungenschaft der Technik für den Haushalt nie zunutze machen würden, unb Hausgehilfinnen, bie vor bem Staubsauger, bem Föhn, ber Wasch­maschine ober bem elektrischen Bügeleisen einen Morosrespekt haben unb lieber bei ihren jahr- hunbertealten Methoben bleiben. Hier fehlt es, wie überhaupt im ganzen KapitelFrau unb Technik", vielfach an ber nötigen Erfahrung unb Gewöh­nung, an ber Vertrautheit mit bem Gegenstand bie natürlich um so inniger wirb, je früher man bamit bekannt gemacht wird.

Oft ist übrigens bertechnische UnoerftanD" ber Frauen nichts weiter als mangelnbe Kärperkraft ober eine gewisse Zimperlichkeit, bie man gerabe unterwegs immer roieber beobachten kann, wenn Frauen gut angezogen finb. Daß Frauen grund­sätzlich für technische Probleme unzugänglich seien, wird nicht nur durch alle autofahrenden und flie­genden Mädchen sowie durch Hausfrauen, die ihren Staubsauger und ihren Radioapparat selbst repa­rieren, widerlegt, sondern auch durch die vielen Frauen, die in technischen Berufen arbeiten.

Gewiß, manche Frauen halten gern am Alt­gewohnten fest, aber wenn die Notwendigkeit an sie herantritt, sich mit technischen Neuerungen abzufin­den und ihre Handhabung zu beherrschen, dann werden sie nicht versagen.

Die Frau als Sportlerin.

Die Frage: Soll die Frau Sport treiben? gilt na­türlich nicht den jungen Mädchen, die von früher Jugend an systematisch geturnt oder leichtathletische Hebungen getrieben haben viele mit dem ehr­geizigen Ziel, einst Olympiakämpferinnen zu wer- den. Sie wird vielmehr den älteren berufstätigen Frauen gestellt, zu denen auch die Hausfrauen zu zählen sind. Von allen um die Volksgesundheit bemühten Persönlichkeiten Aerzten, Fürsorgern, Sport- und Gymnastiklehrern wird sie gerade für diese Frauenschicht unbedingt bejaht. In einem Vortrag erläuterte kürzlich der bekannte Vorkämp­fer für" das Säuglingsturnen, Major a. D. Neu- mann-Neurode, die Notwendigkeit sportlicher Betätigung der berufstätigen Frau. Selbstverständ­lich kann es sich dabei nicht um Rekordlei­stungen handeln, sondern um maßvolle Aus­gleichsübungen gegen die einseitige Beanspruchung oder auch Nichtbeanspruchung bestimmter Muskelgruppen. Bei der Auswahl der Hebungen ist Rücksicht auf die Berufsausübung zu nehmen und die Hebungen auf sie einzustellen. So werden z. B. bei Berufen, die dauerndes Stehen erfordern Friseurinnen, Plätterinnen u. ä. die Bein- und Fußmuskeln oft so überlastet und übermüdet, daß sich Lähmungserscheinungen einstellen. Die Durcharbeitung des ganzen Körpers bringt erst das Zellengewebe wieder in Ordnung und sorgt für eine gute Durchblutung der überan­strengten Muskulatur.

Bei der Wahl einer Sportart muß auch auf die persönliche Eignung Rücksicht genommen werden, nicht jede Frau eignet sich für jeden Sport. Dor allem vermeide sie solche Hebungen, bei denen es leicht zu Zerrungen und Lockerung der Bänder kommt: auch das Alter der Ausübenden spielt bei der Wahl eine Rolle. Die reifere Frau vermeidet am besten heftige Bewegungen wie z. B. Tief­sprünge. Im allgemeinen soll sie nicht über einen Meter tief springen, auf keinen Fall aber tiefer als ihr Körper lang ist. Auch Kraftübungen sind nur mit Maß zu treiben, es ist für die Frau ihrer ganzen physischen Verfassung nach nicht gut, eisenharte und dicke Muskeln aufzuzeigen.

Sehr bedeutsam ist auch der charakterliche Wert sportlicher Hebungen der berufstätigen Frau. Sie erziehen zur Selbstdisziplin und Heberwindung von Unluft und Müdigkeit. Der Neuling wird schon etwa zwei Wochen brauchen, bis er diese Empfin­dungen überwindet und zu der Erhöhung des Le­bens- und Leistungsgefühls kommt, die eine ver­nünftige sportliche Betätigung mit sich bringt.

Am gesündesten sind natürlich ©oortarten. die in freier Natur betrieben werden. Rudern, richtig gelernt und geübt ist, durchaus nicht nur ein Armmuskelsport, wie vielfach angenommen wird, sondern beansprucht den ganzen Körper. Daß Schwimmen eine der gesündesten Leibesübungen ist, weiß heute jedes Kind. Leichtathletische Hebun­gen wie Waldlauf ufw. betreibe man nur unter ständiger Aufsicht eines erfahrenen Sportlehrers, der die Herztätigkeit usw. kontrolliert.

Der Sport der berufstätigen Frau soll ja keine Rekordleistungen erzielen, sondern den Körper harmonisch durchbilden, daß er bis ins Alter frisch unD leistungsfähig bleibt. S.-H.