Hr.34 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Montag, lü. Zebruar 1936
einer Voraussetzung der Wissenschaft von der Seele berichtet Ludwig Klages an Hand konkreter Beispiele von Ausdruckswissenschaft. Der Münchener Arzt Dr. G. R. Heyer gibt in seinem Aufsatz „Leben und Erkennen" eine Ergänzung zum Aufsatz Seiferts. Der Reichsleiter der deutschen Psychotherapeuten M. Heinrich Göring befaßt sich mit dem Tema „Individuum und Gemeinschaft im Reiche der Psychologie" in Form einer Umschau über diese Frage im Bereich der medizinischen Psychologie. Die „Wehrpsychologie", die von der Psychotechnik her sich zur praktischen Charakterologie durchrang, kommt durch Ludwig Zeise zu Wort. Auch die „Parapsychologie ist durch Gerda Walther (München) vertreten, die mit Zurückhaltung auf Gegenstand, Schwierigkeiten. Erklärungsversuche und weltanschauliche Folgerungen eingeht. Der reiche Inhalt des Heftes wird durch eine Erzählung von Alfons o. Czibulka und eine größere Bücherschau abgerundet.
— Ueber das Thema „Wettbewerb unter Künstlern" schreibt Georg Hoeltje im Februar-Heft der „K u n st k a m m e r", der illustrierten Monatsschrift der Reichskammer der bildenden Künste. (Propyläen-Verlag, Berlin.) Hoeltje gibt hier eine interessante Gegenüberstellung früherer und neuer Wettbewerbe unter Künstlern und verlangt eine scharfe Trennung zwischen Wettbewerben künstlerischer Art und den auf anderen Gebieten liegenden Ausschreibungen. Das Heit bringt auch einen Bericht über einen Wettbewerb, den Goethe anno 1799 ausschrieb Außerdem viele andere Beiträge und über 40 Bilder.
frochfrfmlnorihrirftfen
Der seit 1928 entrichtete Ordinarius für romanische Philologie an der Universität Frankfurt, Professor Dr. Matthias Friedwagner, wurde 75 Jahre alt. Friedwagner stammt aus Oberösterreich, habilitierte sich 1899 in Wien, wurde ein Jahr später Ordinarius in Czernowitz, ging 1011 nach Frankfurt, wo er 1914 Ordinarius für romanische Philologie an der neuqegründeten Universität wurde. Der Gelehrte hat zahlreiche Arbeiten zur alt- und neufranzösischen, zur spanischen und rumänischen Literatur- und Sprachgeschichte veröffentlicht.
Der Lehrstuhl für alte Geschichte an der Universität Heidelberg ist dem Professor Dr. Fritz Schachermeyr an der Universität Jena zum 1. April 1936 angeboten worden.
Zu ordentlichen Professoren wurden ernannt die Extraordinarien Dr. Hermann Walter (Chirurgie) an der Universität M ü n st e r und Dr. Otto O e st e r- h e l t (Vermessungskunde) an der Technischen Hochschule Dresden.
Gedenket der hungernden Vögel
jedoch, der bei der Entriffelung in Kästen unter die Maschinen fällt, wird in einer weiteren Maschine von den Hülsen gereinigt und dann in das Hauptlager zu Friedberg gebracht, dort saatfertig hergerichtet und hierauf den Bauern, die Flachs anbauen wollen, zugeleitet. Bei der Entriffelung der in Bellersheim aufgelieferten Flachsmenge konnten 36 Personen, zum großen Teil Frauen und Mädchen, vorübergehend beschäftigt werden. Diese Arbeit ist nun bald abgeschlossen.
Unsere Bilder zeigen Ausschnitte aus dem Flachsverarbeitungsbetrieb Bellersheim, der eingespannt ist in das Aufbauwerk des Führers und in die Erzeugungsschlacht.'
Arbeit am Flachs.
Die Flachsentsamungsanlage in Bellersheim.
I» f v 3'
• D
j. I
I
Oben: An der Riffelmaschine. — Unten: Der Samen wird verladen.
wird. Der geriffelte Flachs wird dann gebündelt und wieder auf Lager gebracht, bis zu dem Zeitpunkt, da die weitere Verarbeitung vor sich gehen kann. Diese weitere Behandlung geschieht aber nicht in Bellersheim. Die notwendigen Einrichtungen werden durch die Bäuerliche Hauptgenossenschaft noch im Laufe dieses Jahres geschaffen. Der Samen
flachs aus Oberhessen, aus dem Taunus bzw. aus Zeilen des Hessen - Nassauischen Landes. Im L a - fle r Bellersheim waren die Vorräte in zwei behänden, einem kleinen und einem größeren, un- tkrgebracht. Leider fiel das kleine Lagerhaus dieser Zage (wir berichteten darüber) einer Brandstiftung inm Opfer. Der große Lagerbestand konnte durch ie tatkräftige Arbeit der Feuerwehr gerettet wer- bin. Aus Bellersheim und Umgebung kamen die vorhandenen Flachsmengen mit dem Fuhrwerk oder bim Kraftwagen zur Anlieferung. Von weiter ent- fkrnt liegenden Anbaustellen gelangte die Flachs- emte mit der Eisenbahn nach Bellersheim.
In den Derarbeitungsräumen in Bellersheim, de von Heinrich K a p e l l e r - Bellersheim zum teil kostenlos, zum Teil für einen denkbar geringe, Mietpreis in gemeinnütziger Weise zur Verfü- aitng gestellt wurden, erfolgte nur die Entrisse lung , die E n t s a m u n g , die sich sehr rasch uib einfach vollzieht. Mit der Entriffelung der 2* 00 Zentner Flachs, die dem Lager Bellersheim ^geliefert wurden, ist man seit etwa 14 Tagen blschäftigt. An fünf Maschinen, in denen je ein M ffelwalzensatz von mehreren Walzen eingebaut wird der Flachs behandelt. Der Flachs wird b.rd) die schräggestellten Walzen so hindurchgeführt, b:i3 nur die trockenen Samenkapseln aufgebrochen w>rb»H, der Stengel aber, der die wertvolle Faser äithält, weder gebrochen, noch irgendwie beschädigt
Der Flachsanbau ist in den letzten Jahrzehnten sehr vernachlässigt worden. Aber wie aus so vielen Gebieten durch die Nationalsozialistische Regierung Wandel zum Besseren geschaffen wurde, so blieb es ihr auch Vorbehalten, im Bemühen um die Verbreiterung der Roh- 'toffbasis in Deutschland Inuch den Flachsanbau zu fördern. Ueber diese Notwendigkeit braucht wohl naum ein Zweifel zu Herr- 'chen.
Die Arbeit wurde tatkräftig in Angriff genommen. Der Reichsnährstand Ilft bemüht, über die Lan- ? esbauernschaften in jedes Dorf die Anregung zum Flachsanbau hineinzutra- :en. Und willig steht auch : ier der Bauer im Dienste !esDaterlandes!DieErnte tes Jahres 1935 wurde ! ereits systematisch erfaßt, isbesondere in unserem heimischen Gebiet.
Mit der Erfassung der Flachsernte wurde von ter Landesbauernschaft essen-Nassau die Bäu- iiliche Hauptge- ! o ssenschaftRhein- Hain-Neckar beauf- tagt. Die Hauptgenossen. Haft unterhält gegenwär- tg Teillager in hinein ihemaligenFabrikgeväude i- Bellersheim (Kr. (• ießen), ferner in Stock- trim, in Lauterbach und k Alsfeld.
Das Lager Bellersheim 1: faßte große Mengen
Aus der Provinzialhauptstadt.
Frauen, Fasching und Kleiderschrank.
O ja, wir haben alle Lust, das Alltagskleid einmal abzustreifen und uns eine Hülle überzuziehen, die gar nichts mit unserem gewöhnlichen Leben zu tun hat, sondern uns in einen anderen Menschen verwandelt. Und wer weiß, vielleicht ist dieser andere Mensch unser eigentliches Ich, zumindest aber das Wunschbild, das sich unsere Tagträume von uns elbst geschaffen haben. Sehr oft ist dieses Wunschbild gar nicht einmal besonders prächtig und königlich — so wie Kinder sich in die Gestalten ihrer Märchen hineindenken —, sondern eher schlicht, stili- iert, wenn auch originell und reizvoll. Für solche Wünsche findet sich allemal ein Kostüm, wir brauchen nur unseren Kleiderschrank auszuräumen und seinen Inhalt vor uns auszubreiten.
Da haben wir ein kleingeblümtes Stilkleidchen, das wir im Sommer gern getragen haben. Besitzt es noch keine duftigen Rüschen oder Volants, dann nähen wir ihm welche auf, ein paarmal um die bauschige Weite des Rockes herum, um die Aermel- chen und um den Ausschnitt, den wir ruhig noch etwas vertiefen dürfen. Dafür legen wir ein flatterndes Bändchen oder eine Blumenkette um den Hals, frisieren uns auf der Höhe des Scheitels einen kleinen Knoten und lassen die Löckchen über beide Ohren baumeln und stellen nun die reizendste Biedermeierdame dar, die sich denken läßt. Dieses Kostüm läßt sich mit einem Kranz im Haar und gepuderten Locken auch zur Schäferin abwandeln.
Mittelalterliche Zeiten steigen schon von selbst auf, wenn wir unser diesjähriges Abendkleid ansehen, und leicht läßt sich diese Linie noch stärker herausarbeiten. Ein Spitzentuch, ein Häubchen, eine entsprechende Frisur können unerwartete Illusionen hervorzaubern, nur suche man bei solchen Kostümen die Schwere und Fülle der Stoffe zu mildern, denn das Faschingstreiben verlangt volle Bewegungsfreiheit und leichte Glieder. In vielen Fällen genügen schon stilvolle Andeutungen.
Ein einfaches schwarzes Seidenkleid, das oft schon Jahre hindurch getragen worden ist, läßt sich fast zu allem gebrauchen: wir trennen den modischen, vornehmen Kragenputz ab und binden uns eine große Krause aus weißem gerafftem Tüll um den Hals und kleinere Krausen um die Handgelenke. Schon ist das Gewand abenteuerlich und lustig verwandelt. Oder wir streuen bunte Flitter über die glatte Seide und ziehen lange geputzte Handschuhe dazu an. Oder .
Das tarierte Sportröckchen wird gekürzt und ergibt zusammen mit einer langärmeligen Polobluse ein Schottenkleid, das durch die reizende Schottenmütze ergänzt wird. Ein glattes, helles Tuch,' in klassisch-strenge Falten gelegt und mit Spangen über der Schulter gehalten, mit Goldgürtel, Bändersandalen und kleinen gedrehten Löckchen als Zutaten — schon ist die Griechin fertig, zu der man aber auch eine schöne Gestalt mitbringen muß.
Aber was wollen wir uns noch mehr den Kopf zerbrechen. Spürt doch jede von uns ein Fünkchen Phantasie in sich, ist uns doch Geschmack und die Liebe zu schönen, bunten Stoffen angeboren, und wenn ein Kostümfest lockt, das nett zu werden verspricht, dann wird Prinz Karneval nicht lange auf uns zu warten haben.
Bornoiizen.
Tageskalender für Montag.
NSG. „Kraft durch Freude": 21 bis 22 Uhr Rei- ten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater (Ring Deutsche Bübne): 20 bis 22.45 Uhr „Die Tanz- gräfin". — Gloria-Palast, Selterswea: „Eva" — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Der Mann mit der Pranke" — Oberhessischer Kunstverein (Turmbaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib-Berlin.
Stadttheater Gießen.
Heute, von 20 bis 22.45 Uhr, als Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde Ring „Deutsche Bühne" die Tanz- und Schlageroperette „Die T a n z g r ä f i n" von R. Stolz. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer; Spielleitung: Paul W r e b e ; Tänze: Thery Schultheis. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an ber Abenbkasse.
Amt für Volkswohlfahrt, Gießen-Nord.
Bett.: Pfundsammlung.
Mittwoch, 12. Februar, wirb bie Pfunbsammlung für den Monat Februar im Bereiche der Ortsgruppe von den NSV.-Blockwaltern und -Helfern durchgeführt.
Die Hausfrauen werden gebeten, die Spenden bereitzuhalten und den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen.
Tkeichsbetriebsappell „Schönheit der Arbeit" verlegt.
NSG. Der am 18. Februar angesetzte Reicbs- betriebsappell „Schönheit der Arbeit" der Reichsbetriebsgemeinschaft „Eisen und Metall" ist auf einen spateren Termin verschoben worden.
Dieser Appell hat hinsichtlich seines Zweckes dis restlose Zustimmung des Reichsleiters der DAF. gefunden. Schwierigkeiten entstanden lediglich in Bezug auf den Termin, da die Vorbereitungen zur Vertrauensratswahl im vollsten Gange sind und im Rahmen dieser Arbeit Gemeinschaftsempfänge notwendig werden.
Aus diesem Grunde wird im Einverständnis mit dem Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter Pg. Jäzosch dieser Reichsbetriebsappell „Schönheit der Arbeit" auf einen späteren Termin verlegt.
Oie Preisaufgaben der Universität Gießen für das Jahr 1936/37.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Für das Jahr 1936/37 werden folgende Preisaufgaben gestellt:
Von der Theologischen Fakultät:
Für den akademischen Preis:
Arm und reich im Alten Testament, eine soziologische und theologische Untersuchung.
Von der Juristischen Fakultät:
Die Stellung des Rechtsanwalts in der Rechtspflege.
Von der Medizinischen Fakultät:
Die Diphtherie in Gießen seit 1925.
Von der Veterinärmedizinischen Fakultät:
An Hand des Schrifttums und auf Grund eigener Untersuchungen ist zu prüfen, in welchem Maße der Fettgehalt der Milch durch Erkrankungen ber Kühe beeinflußt wirb.
Von der Philosophischen Fakultät:
1. Aus dem Gebiet der Kunstgeschichte: Auftraggeber und Künstler in der Kunst der Deutschen Renaissance.
2. Aus dem Gebiet der mittelalterlichen Geschichte: Gliederung und Verteilung des ländlichen Grundbesitzes in Hessen bis zum Aufkommen der territorialen Gewalten.
3. Aus dem Gebiet der Botanik: Neue Beiträge zur physikalischen Physiologie der vegetabilischen Protoplasten.
4. Aus dem Gebiet der Zoologie: Bau, Entwicklung und Farbenentstehung bei den Schillerzellen der Tintenschnecken.
5. Aus dem Gebiet der Geographie: Morphoge- netische Untersuchungen des Gebietes zwischen Lahn, Sieg und Dill.
Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens in einem der beiden auf die Stellung der Auf-
— Zeugnis für die Wandlung in der Psycho-
volle Schnauzer, und es war ihnen, als grüßten sie in diesem Trünke ihren General inbrünstiger als sie es jemals mit vollen Weinpokalen getan hatten. — Ja. diese Geschichte wollte ich nur erzählen, sie ist doch wohl ein schöner Beweis dafür, wie man ein Menschenherz vor dem Spott der Welt bewahren kann."
Als die Gastgeberin geendet hatte, erhob sich der Herr, der vorhin Martha so absichtlich wehe getan hatte, verbeugte sich und ging. Er ward in dieser Runde nicht mehr gesehen. — Von uns forschte keiner nach den Gründen, die das junge Mädchen veranlaßt hatten, eine Unwahrheit zu sagen.
niemandem von uns eingefallen, Martha — selbst wenn wir sie auf einer Lüge ertappt hätten! — in derart brutaler Weise bloßzustellen, viel zu sehr glaubten wir an sie. Sie mochte ihre Gründe haben, hätten wir gedacht. Einen Schurken nämlich kann, nein muß man entlarven, also ihm seine Maske herabreißen: einen guten Menschen, selbst wenn er irren sollte, bloßzustellen, ist keine gottesgefällige Tat.
Es legte sich darum, als diese Rede verklungen war, sehr kühl auf unser Herz, Martha allerdings lächelte nur und war im Begriffe, wortlos aufzu- stehen, als die Gastgeberin leise die Hand erhob und wie von ungefähr sagte: „Warten Sie doch noch einen Augenblick, meine Liebe! Ich hatte schon vorhin vor, Ihnen eine kleine Anekdote zu erzählen, die mir dieser Tage wieder — nachdem ich sie fast vergessen hatte — in den Sinn kam Sie handelt von dem Reitergeneral Sepdlitz und sie lehrt uns, wie ein großer Geist es fertig bringt, die drohende Bloßstellung eines wahrhaft Unschuldigen abzubiegen. Seydlitz nämlich hatte einen jungen, aus dem Mannschaftsstande hervorgegangenen Offiziersanwärter bei dem erneuten Beweise einer großen
logie ist das neue Heft der Süddeutschen Monatshefte (München): „Moderne Seelenkunde". Friedrich Seifert gibt mit seinem Aufsatz über „Das Bild des Menschen in der Psychologie von gestern und heute" eine Einführung in Lage und Stand der Seelenkunde und verfolgt die Wurzeln dieser Lage bis in Renaissance und Reformation. Carl Gustav Jung, der bekannte Schweizer Psychiater, legt die auf rein seelischer Ebene gewonnenen Grundsätze feiner „Psychologischen Typologie" dar, die von aufschlußreichen Erörterungen über die Geschichte der Typologie eingeleitet werden. „Aus der Wissenschaft vom Ausdruck" als
teiffcbrtfteii
— In der Februarfolge beginnen Wester- m a n n 5 Monatshefte mit der Veröffentlichung des Romans von Hermann Eris Busse „Der Tauträger". Auch in diesem Werk zeigt sich Busse als der große Künstler in der Darstellung des deutschen Menschen und der deutschen Heimat. Besondere Beachtung wird auch der Aufsatz von C. I. Luther fin- j den, in dem er die Aussichten der an den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen teilnehmenden Nationen untersucht. Mehrfarbige Wiedergaben nach Oelbildern von Fritz Ahlers ergänzen den Text. In dem Aufsatz „Werktägige Hände malen" erzählt Armin Schönberg von einer Gruppe Werktätiger, die sich in Dresden zusammengefunden hat, um unter ber Leitung eines bekannten Malers nach der Berufsarbeit schöpferisch tätig zu sein. Mehrere farbige Bilder zeigen, wie der Maurer, der Schlosser oder Buchhalter seine Umwelt sieht und wie sein Wesen in den Bildern zum Ausdruck kommt. Von den unterhaltenden Beiträgen seien noch erwähnt
förmlich die Glossen und Witze durch die Luft fliegen, als alle wie gebannt das Wort, den Witz, die Zote von der Spitze der Zunge wieder zurückholten: als sei nichts geschehen nämlich hotte der General, der wußte, wie man ein edles Herz vor dem Spott und der Verachtung selbst guter Kameraden bewahrt, nun seinerseits die Handschale erhoben, und ehe noch der Leutnant sich anschickte, die seine abzusetzen, hatte der gütige Haudegen die seine bis auf den Grund geleert? Von so viel herrlicher Kameradschaft und edelstem Feingefühl bis in die Tiefe ihrer allezeit begeisterungsfähigen Seelen gerührt, hoben nun die Offiziere Mann für Mann die Schale Lum Mund, unter junge Flaumbärte und wallende
3m Laufe des Gespräches an jenem Abend, von ich berichte, kam man nun auf em Konzert zu reden, das tags zuvor in der Stadt abgehalten ncrben war Man rebete babei vornehmlich über N-zarts schöne Es-dur=6onate, bereu Abagio ja tni: zu bem Schönsten gehört, was beutscher Geist zu ersinnen vermochte. Es würben ein paar zHforbe angeschlagen, unb jene ältere Dame, eben die Gastost erin, wenbete sich nun an Martha unb meinte, hfe auch sie wohl recht glücklich gewesen sei, m die em schönen Konzert roieber Mozart gehört zu had-en. „Sie freuten sich ja so lange auf biefen Abmd", schloß sie. Die Angeredete antwortete: „O, e; war herrlich! Ich werde noch lange daran Den- ter!!" — An dieser Stelle warf der vorhin ge- »anmte Herr, allen vernehmlich und sehr scharf, ein. „ß ar um lügen Sie denn?! Ich ^abe Sie doch c’f ern abend mit Herrn M. im Caf6 gesehen, td'r war es nur Ihr Geist?"
2>iefe hämische Frage, hinter ber offensichtlich
wollig" chnitt" Unfällen' SS*‘&raa E?nwärneliim'5Jiünb,'unter junge giaumbärk und wallende
Gute Belehrung.
(Sine Geschichte von Hans $ranfe, Heilbronn
Bei einer Abendgesellschaft, Die sich in einem geftfreien Hause der Stadt versammelt hatte, ge- (dai) es, daß ich Zeuge wurde, wie eine feinsinnige äl: ere Dame, deren Umgang vor allem von Mengen mit tiefer Empfindungsleidenschaft immer totöer gesucht wurde, einem kalten ichsüchtigen Hirzen eine Lehre erteilte.
In dieser Gesellschaft befanden sich einige Ehe- peare, die alle gut untereinander bekannt waren, ioju ein junges Mädchen und ein Mann in mittleren Jahren, dessen Klugheit, aber auch dessen pedantische Geistigkeit in allen Dingen uns bekannt, rillen unangenehm war. Aber selbst die Kürze der Zeit, in der sich dieser Mensch in unserer Runde be and, hätte ihn lehren sollen, daß Martha — ebm das junge Mädchen — eine reine und edle Siele war. Nicht nur ihr freies und schönes Gesicht, los großflächig in allen Teilen harmonisch war, niyt nur ihre warmen Augen, in denen die Tiefe lerloren sich spiegelte: vor allem ihr offenes Wesen, ihie Klugheit, Ungezwungenheit und Sicherheit Härte jedem Forschenden sagen müssen, daß hier kein Falsch sich hinter einer meisterhaft getragenen M,ske verbarg. Es war allen bekannt, daß Martha in herzlicher Zuneigung einem jungen, der Musik erc ebenen Lehrer verbunden war, und wir alle freuten uns auf den Tag, da aus diesen Menschen ein Paar werden würde.
Tapferkeit und Kenntnisse zum Leutnant befördert, und die Rund? des Offizierskorps saß gerade bei diesem Liebesmahle. Man hatte tüchtig potuliert, der junge Leutnant hatte als Geehrter den Platz an der Stirn der Tafel inne, neben ihm saß der General. Als nun der letzte Gang vorüber war. brachten die Diener die Handschalen herbei, in die man wie Sie wissen, ein roenia die Finger taucht um sich mit bem Hinwerfen ber Mnnbtücher zu erheben. Unser junger, zu so hohen Ehren aePomm<mer Bmierrstohn n,,n wußte mit bieser Schale nichts anzufangen, er sah sich ein wenig schüchtern im Kreise um, als aber noch ÄKnSÄÄÄÄJ? | UnimR in ber. «poftelgaff^, eine heitere sie aus Einen Augenblick schien es, als wolle bie von Anton Dörfler, von Stry zu Eulen-
Runbe jüngerer unb älterer Offiziere sich über Grbe', eine rumamfdje er^Iun^ unb
diesen Beweis einer schlechten Kinderstube mit einem j * Q-nrt^n&mnnn f CinCn $,nbcs "$uteh
schallenden Gelächter mokieren, man hörte schon von Kurt Maßmann. .


