Einzelbild herunterladen

Winterschießen der Gießener Artillerie.

gäbe folgenden Semester an der Universität Gießen immatrikuliert gewesen sein.

Jede Bewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben.

Die Bewerbungsschrift ist in der Sprache abzu­fassen, in der die Aufgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen.

Die Bewerbungsschrift ist bis zum 15. Februar 1937 einzusenden unter Beifügung eines verschlos­senen, mit dem Kennwort der Arbeit versehenen Briefumschlags, der die Aufgabe des Verfassers und seiner Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu richten.

Bei der feierlichen Rektoratsübergabe am 1. April 1937 verliest der Rektor die Urteile und verkündet die Namen der preisgekrönten Be­werber.

Studium der Dersicherungswiffenschast an der Universität Gießen.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

In den beiden kommenden Semestern (Sommer­semester 1936 und Wintersemester 1936/37) findet wiederum im Rahmen des Instituts für Wirtschafts­wissenschaft ein Kursus zum Studium der Versiche­rungswissenschaft statt, dessen Teilnehmer nach er­folgreicher Abschlußprüfung den Grad eines D i» plom-Versicherunastechnikers erwerben können. Die Prüfung zerfällt, je nach der Richtung, in welcher sich die Studierenden ausgebildet haben, in eine solche für Bewerber der Verwaltungsklasse und in eine solche für Bewerber der mathematischen Klasse. Zur Prüfung können Studierende zugelassen werden, diese ordnungsgemäß an einer Hochschule sechs Semester studiert haben, davon mindestens zwei an der Universität Gießen.

Vortrag über eine deutsche Wiffen- schaster-Expedition.

Die Pressestelle der Universität Gießen teilt uns mit:

Die deutsche Hindukufch-Expedition war im Juli 1935 in den Hochgebirgen von Afgha­nistan und Rordwest-Jndien, um nach neuen Kultur­pflanzen für die deutsche Landwirtschaft zu suchen. Heber die Ergebnisse dieser erfolgreichen Forschungs­reise wird der Expeditionsleiter, Diplom-Landwirt Dr. habil. A. Scheibe, Gießen, am Mittwoch, 12. Februar, 20.30 Uhr, im Großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes einen Vortrag (mit Lichtbil­dern) halten. Der Eintritt ist frei.

Oie juristischen Staatsprüfungen.

Die Justizausbildungsordnung vom 22. Juli 1934 hat, wie die Justizpressestelle Darmstadt in einem Bericht erwähnt, die seit langem erstrebte Einheit für die Ausbildung der jungen Juristen im Reiche gebracht. Sie bedeutet in vielfacher Hinsicht eine erhebliche Aenderung des bisherigen Ausbildungs­ganges und stellt auch eine umfassende Neuregelung des Prüfungsoerfahrens dar.

Die erste juristische Prüfung, die bisher im Lande Hessen als eine Art Abschlußprüfung des Unioersi- tätsstudiums in Gießen stattfand, ist jetzt vor dem für den Bezirk des Oberlandesgerichts Darm­stadt errichteten Justizprüfungsamt in Darmstadt abzulegen. Zur Abnahme der zweiten (großen) Staatsprüfung ist für das ganze Reich eine ein­heitliche Stelle, das Reichsjustizprüfunasamt in Berlin, errichtet, von dem sich für die südwestdeut­schen Oberlandesgerichtsbezirke Darmstadt, Karls­ruhe, Stuttgart und Zweibrücken eine Prüfungs­stelle in Stuttgart befindet.

Einen Ueberblick der nach der neuen Justizaus­bildungsordnung vorzunehmenden Staatsprüfungen ergibt erstmals das abgelaufene Jahr 1935. Nach den jetzt vorliegenden Uebersichten haben sich aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt den juri­stischen Staatsprüfungen unterzogen:

a) der 1. juristischen Staatsprüfung vor dem Justizprüfungsamt Darmstadt: 82 Prüf­linge, davon haben die Prüfung bestanden: 65, nicht bestanden: 17 = 21 v. H. Von 65 bestandenen Kandidaten haben das Zeugnis erhalten: 1 mit lobenswert, 8 mit gut, 24 mit befriedigend, 32 mit ausreichend.

b) der zweiten (großen) juristischen Staatsprüfung vor der Prüfungsstelle Stuttgart des Reichsjustizprüfungsamtes: 63 Prüf­linge. Davon haben die Prüfung bestanden: 55, nicht bestanden: 8 13 v. H. Bon den 55 be­standenen Kandidaten haben das Zeugnis erhalten:

Am 12. Februar findet am Südosthang des G l e i b e r g e s das Winterschießen der I. Abteilung Artillerie-Regiment 9 statt. Es handelt sich dabei um ein Schießen mit scharfer Munition, das nicht auf dem Uebungsplatze, sondern in der Nähe der Garnison durchgeführt wird und das in erster Linie den Zweck hat, die Rekruten mit dem schar­en Schuß ihrer Waffe vertraut zu machen, sowie die jungen Führer im Schießen und der schwierigen Beobachtung der Einschläge am Ziel zu schulen.

Die Abteilung hat für das Winterschieben den Gleiberg ausgesucht, um neben der rein militärischen Ausbildung die Rekruten gleichzeitig in eine land- chaftlich sehr schöne und für die Stadt Gießen be- onders charakteristische Gegend zu führen und nicht zuletzt, um der Bevölkerung Gießens die nicht all­tägliche Möglichkeit zu geben, dem Scharfschießen der Artillerie beizuwohnen.

Das Schießen wird in der Art vor sich gehen, daß nicht alle drei Batterien gleichzeitig, sondern nacheinander schießen. Die jeweils schießende Batte­rie wird entsprechend einer ausgegebenen Lage aus allgemeiner Richtung Forst Krof­dorf vorgehen und eine am Südosthang des Gleiberges erkundete Stellung beziehen. Aus dieser Feuerstellung wird die Batterie das Feuer, das von der Beobachtungsstelle am Kirchhof Gleiberg geleitet wird, auf Ziele richten, die sich zwischen Rodheim und nordwestlich Kinzenbach befinden.

Da dieses Schießen, wie schon oben erwähnt, zur Schulung der Rekruten und der jungen Führer dient, deshalb also zu Belehrungszwecken häufig von der Leitung unterbrochen werden wird, fo darf dieses Schießen nicht mit einem kriegsmäßigen Schießen, bei dem meist Schuß auf Schuß folgt, verwechselt werden.

Merkpunkte für Zuschauer.

1. Das Schießen findet in der Zeit von 9 bis 16 Uhr statt.

2. Sammelpunkt für Zuschauer: Alte Dorflinde in Gleiberg. Von dort aus Weiterleitung bis zum eigentlichen Zuschauerplatz.

3. Das Erreichen und das Verlassen des Zu­schauerplatzes darf nur auf der Haupt straße GießenKrofdorfGleiberg bzw. umgekehrt erfolgen. Die Benutzung von allen ande­ren Wegen ist st r e n g untersagt.

4. Die Zuschauer werden am Zuschauerplatz durch ein besonders hierfür bestimmtes Organ über das Schießen unterrichtet.

5. Den Eltern wird es zur Pflicht gemacht, wäh­rend des Schießens Kinder nicht ohne Aufsicht zu lassen.

6. Aufenthalt in der Nähe der Truppe ist für Zu­schauer streng untersagt.

7. Sämtlichen Anordnungen der Polizeiorgane bzw. Militärpersonen ist unbedingt und sofort Folge zu leisten.

8. Wer gegen Punkt 3, 5, 6 und 7 verstößt, begibt sich in Lebensgefahr und macht sich außerdem st r a f b a r.

9. Für Ehrengäste gelten Sonderbestimmungen.

10. Es empfiehlt sich, Ferngläser mitzunehmen.

2 mit lobenswert, 16 mit gut, 16 mit befriedigend, 21 mit ausreichend.

Oer Schaufenster-Wettbewerb in Gießen.

Der Berufswettkampf der deutschen Jugend, der in diesen Wochen im Vordergrund des öffentlichen Interesses steht, brachte am gestrigen Sonntag in unserer Stadt den Schaufen st er-Wett- bewerb, lieber die grundlegenden Gesichtspunkte dieses idell'en Wettbewerbes haben wir in unserer Ausgabe vom Freitag eingehend berichtet. Dabei konnten wir auch mitteilen, daß bei dem diesjährigen Schaufenster-Wettbewerb rund 80 Lehrlinge und Junggehilfen sich der Prüfung unterziehen würden, während es im vorigen Jahre nur etwa 40 waren. Diese Verdoppelung der Teilnehmerzahl beweist die starke Ausbreitung und Vertiefung des Wettkampf- Gedankens auf diesem Gebiet, von der man von vornherein gute Leistungen erwarten konnte.

Bekanntmachung des Landrats in Wetzlar.

Arn Mittwoch, 12. Februar, von 9 bis 16 Uhr, findet in der Gegend zwischen Kinzenbach und Rod he im ein Artillerie-Scharfschießen statt. Die Feuerstellung befindet sich 500 Meter südlich von Gleiberg, das Zielfeld vor dem A tz b a ch e r Wald.

Das gefährdete Gelände, und zwar nördlich Kin­zenbach Atzbach Waldgirmes Dorlar, östlich WaldgirmesDicke Eiche und südlich Hof Haina RodheimVetzbergGleiberg ist durch Posten ab­gesperrt und mutz eine Stunde vor Beginn bis eine Stunde nach Beendigung des Schießens von jedem Verkehr frei bleiben. Die in dem obenge­nannten Gelände liegenden Gebäude, und zwar das Jagdhaus im Atzbacher Wald, die Bepplerscbe Muhle bei Atzbach, die Schwalbenmühle bei Wald­girmes und die GrubenbetriebeRothestrauch" und Morgenstern", find während der obengenannten Zeiten von Menschen und Vieh zu räumen.

Die Straßen und Wege zwischen Heuchelheim (Landesgrenze) und Rodheim, Waldgirmes und Hof Haina, Kinzenbach und der Einmündung in die Straße HeuchelheimRodheim, Krofdorf-Gleiberg und dem Haltepunkt der Biebertalbahn und zwi­schen RodheimHof Haina bzw. Grube Morgen­stern werden für jeglichen Verkehr polizeilich ge­sperrt. Die Umleitung des Verkehrs auf der Straße HeuchelheimRodheim erfolgt über GießenKrof­dorfRodheim und der Straße WaldgirmesHof Haina über NaunheimWetzlarHermannstein BlasbachRodheim.

Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, daß sie den Weisungen der Absperrposten, die die Rechte und Pflichten eines Wachpostens haben, unbedingt Folge zu leisten hat.

Blindgegangene Zünder mit Zündladungen, ein­zelne Zündladungen oder blindgegangene Geschosse dürfen keinesfalls berührt werden, weil dies mit Lebensgefahr verbunden ist. Nachgraben oder Frei­legen tief in die Erde eingedrungener Geschosse ist verboten. Dabei ist es gleichgültig, ob das Ge­schoß eine Mine, Granate oder Schrapnell ist, ob es einen Zünder hat oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt ist oder nicht. Der Finder hat nur die Stelle zu kennzeichnen und den Fund dem Ortsbürgermeister oder zuständigen Gendarmeriebeamten anzuzeigen.

Plätze für Zuschauer befinden sich auf der Burg Gleiberg. Nähere Erläuterungen und Anweisungen erfolgen dort.

Das Scharfschießen am 13. Februar.

Am Donnerstag, 13. Februar, von 9 bis 16 Uhr, findet das Scharfschießen der Abteilung in der Gegend zwischen Saubringen und Alten- Buseck statt. Die Feuerstellung befindet sich an diesem Tage am Jagdhaus, etwa 400 Meter südlich vorn Lollarer Kopf (südlich von Lollar), das Zielfeld zwischen DaubringenAlten-BuseckGroßen-Buseck Treis. Als Platz für die Zuschauer kommt nicht, wie in der Bekanntmachung des Kreisamts Gießen vor einigen Tagen angegeben wurde, den Steinbruch hart östlich des Lollarer Kopfes in Be­tracht, sondern die Höhe 280,3 Lollarer Kopf.

Bei dem gestrigen Rundgang der Prüfungs­kommission, der sich über den ganzen Nachmittag erstreckte, konnte man denn auch die erfreuliche Feststellung machen, daß überall mit viel Freudig­keit und starker ideeller Einfühlung in die sachliche Ausgabe gearbeitet worden war. Unverkennbar trat zutage, daß die Leistungen gegenüber dem Vorjahre eine ansehnliche Steigerung erfahren hatten, wobei die jungen Wettkämpfer sich in den meisten Fällen erfreulicherweise in natürlichen Bahnen der Schau­fenster-Gestaltung bewegten und unnatürliche Kün­steleien, die doch keine gute Werbewirkung ausüben, vermieden haben. Gerade diese Natürlichkeit und die Schlichtheit der angewandten Mittel verhalten vielen Schaufenstern zu einer sehr guten Wirkung und den jungen Wettbewerbern zu dem erhofften schönen Erfolg. Bei den Straßenpassanten fanden denn auch am gestrigen Nachmittag bereits die Schaufenster besondere Aufmerksamkeit, und damit war schon der erste Erfolg des Mühens der Wett- bemerbsteilnehmer erreicht. Dieser Erfolg wird sich

zweifellos noch mehr ausbauen durch die aufmerk­same Beachtung der Schaufenster, die von heute ab im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen werden. lLt .

Eine nähere Beschreibung der im Wettbewerb stehenden Schaufenster, soweit ihre Ausschmückung es rechtfertigt, behalten wir uns vor.

Oeffenttiche Ratsherrensitzung.

Der Oberbürgermeister kündigt in einer Bekannt­machung in unserem heutigen Anzeigenteil eine öffentliche Sitzung der Ratsherren am kommenden Freitag, 14. Februar, 16 Uhr, im Stadthaus, Berg­straße, an. Die Tagesordnung der Sitzung ist aus der Bekanntmachung ersichtlich.

Aufruf!

Der Wandergefelle, der längere Zeit mit dem Uhr­macher Seefeld auf Reifen war, und der am 4. Februar d. I. von Kiel aus eine Karte an die Staatsanwaltschaft Schwerin richtete, wird ersucht, umgehend seine Anschrift evtl, durch die nächste Polizeibehörde, der Staatsanwaltschaft Schwerin mitzuteilen ober sich persönlich bei dieser zu melden. Vertrauliche Behandlung wird zugesichert.

** Bevorzugte Abfertigung schwer­beschädigter Kämpfer der nationalen Erhebung anben P o ft schalte r n. Schwer­kriegsbeschädigte usw. mit einem Ausweis ber Für­sorgestelle werben bekanntlich an ben Postschaltern in persönlichen Angeleaenheiten mit Vorrang ab­gefertigt. Rach einer Anordnung des Reichspost- Ministers sollen künftig auch die nach dem Gesetz über die Versorgung der Kämpfer für die nationale Erhebung versorgten schwerbeschädigten Kämpfer der nationalen Erhebung in gleicher Weife behan­delt werden.

Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 9. Febr. Die hiesige Freiwil­lige Feuerwehr hielt gestern abend im Saale der Bürgermeisterei ihre oiesjährige Generalver­sammlung ab, die gut besucht war. Der erste Kom­mandant Schäfer begrüßte die Kameraden und gab einen Rückblick über die Tätigkeit der Wehr im abgelaufenen Jahre. Weiter gab er den Uebungs- plan für das Jahr 1936 bekannt, der am kommen­den Mittwoch nut einem Schulungsabend durch Ka­merad Heinr. Deibel, der in diesem Winter an einem Kursus der Feuerwehrfachschule Mainz teil­genommen hat, beginnen soll. Hierauf gab Kame­rad Friedr. Kreiling den Kassenbericht. Die Kassenverhältnisse sind gut. Dem Winterhilfswerk wurden im Berichtsjahr 10 RM. überwiesen. Nach­dem noch einige geschäftliche Angelegenheiten erle­digt waren, schloß der erste Kommandant die Ver­sammlung mit eintm dreifachenSieg Heil" auf ben Führer.

8 Alten-Buseck, 9. Febr. Bei ber Holz- oerfteigerung im hiesigen Gemeindewald wurden gute Preise erzielt. Es kosteten Buchen- scheit 22 bis 24, Buchenknüppel 14 bis 16, Buchen- reifer 7 dis 9, Eichenknüppel 9 bis 11, Eichenrund« scheit 12 bis 15 Mark je zwei Raummeter. Am Jahrestag der Machtübernahme führten die Schulen der Ortsgruppe Alten-Buseck eine Pfundsamm- l u n g durch, die ein recht befriedigendes Ergebnis hatte. Es wurden insgesamt zwei Zentner wertvolle Nahrungsmittel gespendet. Die Wurst- und Fleischbüchsensammlung des WHW. erbrachte bis jetzt 150 Kilobüchsen, die ungefähr einem Werte von 200 Mark entsprechen.

rog. Großen-Buseck, 9. Febr. Unsere Frei­willige Feuerwehr hielt unter der Leitung des ersten Kommandanten Wilhelm Harbach III. heute nachmittag in der GastwirtschaftZum Bu- feder Tal" eine gut besuchte Versammlung ab. Der Kommandant wies zunächst auf die Verbandstage am 1. und 2. August in Lollar und am 11. und 12. Juli in Nieder-Olrn hin, sodann gab er Kennt­nis von verschiedenen Bekanntmachungen, aus denen u. a. zu entnehmen war, daß in allen Weh­ren eine Altersabteilung der Mitglieder über sech­zig Jahre zu gründen ist. Im weiteren Verlaufe der Versammlung berichtete Kam. Otto Stephan über den Kursus in der Feuerwehr-Fachschule in Mainz, wobei er auch über die Aufgabe der Feuer­wehren beim zivilen Luftschutz sprach. Der erste Kommandant gab zum Schluß noch Kenntnis von den wichtigsten Bestimmungen des Reichs-Feuer- löschgesetzes und über die Erfahrungen bei dem Luftjchutzkursus in Gießen. Der hiesige Posaunen-

Miß MnbeMtn.

Vornan von H. von Hellennann.

Copyright 1936 by Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Und Goebels Herz lachte ihm in der Brust, als er das Staunen in den kritisch prüfenden Blicken sah, die feststellen mußten, daß er eher zu wenig als zu Diel gesagt. Selbst die kleinste, flüchtig hin- qeroorfene Skizze verriet solides Können. Zur Technik, die sich bewußt an der liebevollen Sorg­falt der alten Meister mit ihrem satten Farbenreich­tum gebildet, gesellte sich eine frappierende Ver­geistigung, ein scharfes Herausheben charakteristi- scher Merkmale, die jedem Bild den Stempel des Persönlichen aufdrückte. Dieser Joachim Drau hatte es in sich. Hielt er, was er hier versprach, so kannte bald die Welt seinen Namen.

Um zwölf erschienen die geladenen Gäste, Teddy Stalling mit Frau und Freunden unter den ersten. Wir müssen doch six mal das bewußte Bild be­äugen", begrüßte er jovial den Doktor,ehe das gemeine Pack es durch feine Blicke entweiht womit ihr gemeint seid", zu Bruck und der Ope­rettensängerin gewendet, die im Wagen mit ihnen gekommen, zum stillen Leidwesen der jungen Frau.

Ein Hauch zarter Vornehmheit umgab die schöne Erscheinung Elfriede Stallings, die merklich abstach von ihrer Umgebung. Wieder empfand es Goebel, der ihr den Arm gereicht hatte und sie nun lana- sam, auf dieses und jenes Bild aufinerklam machend, durch den Saal führte.

Das Krönungswerk kommt zum Schluß."

Als Knallefekt vons Janze", lachte Stalling hinter den beiden.Sieht ja alles ganz hübsch und vergnüglich aus, obwohl ich von der Chose absolut nichts verstehe. Farbenkleckserei ist doch keine Männersache!"

Elfriede Stalling lachte.Don Kunst versteht mein guter Mann nicht eben viel, wie Sie hören!"

Desto mehr von geschäftlichen Dingen, in denen chm ja höchst erfreuliche Erfolge beschieden sind".

erwiderte Goebel höflich. Die Frau tat ihm leid. Wie eingefroren stand das Lächeln in ihrem Ge- icht.Sie trägt eine Maske", dachte er. Drau hatte ie anders gesehen--

Plaudernd aing sie an feiner Seite, warf hie und da eine Bemerkung über ihre Schulter, jeg­liches Wort über das Geschaute bewußt vermeidend, um die Bewegung zu verbergen, die diese wunder­volle, reife Kunst in ihr auslöste.

Wenn Teddy nur nicht so laut fein wollte sie litt geradezu unter dieser lärmenden Jovialität, die mit wachsender Wohlhabenheit immer unge­hemmter hervortrat.Er glaubt witzig zu sein, weil man ihm Beifall zollt, und macht sich doch nur lächerlich", dachte sie bitter.

Nicht einmal Ehrfurcht vor großem Können be­saß er nur eine volle Börse, auf die er bei jeder Gelegenheit selbstgefällig pochte. Sie war arm ge­worden in dieser Ehe--

Da kommen Alvenstedts, Teddy, mit Baron Knorring und Exzellenz von der Grohn, vergiß nicht, ihn wegen der Jagd zu fragen! Mein Mann will sie nämlich von ihm pachten. Dieses Rot erinnert mich an Ihr Kleid im zweiten Akt des .Liebeszaubers*, Mi, fabelhaft sahen Sie darin aus!" Nur weiter reden, lachen--

Aber als sie endlich vor dem großen Gemälde standen, das an der rechten Wand des kleinen Hintersaals ganz allein hing, verstummte selbst Teddy Stallings laute Stimme, so überwältigend wirkte die feierliche Schönheit dieses Meisterwerks. Goebel fühlte, wie die Hand auf seinem Arm zuckte, um sich dann unauffällig von ihm zu lösen.

Elfriede Stalling trat einen Schritt vor, ohne es zu wissen, und starrte ihr Ebenbild an, das weniger ein Porträt als die Widerspiegelung einer Seele war. Das Aeußere war gleichsam nur ein schönes, von innen durchleuchtetes Gefäß. Der Frau war, als müsse sie sich vor das Bild stellen, das alles verriet, was sie verborgen gewähnt, es mit ihrem Körper, ihren Händen bedecken vor den Blicken, die nun rätselnd daran herumtasten würden. So hatte der Fremde sie gesehen, so ihre arme kleine Maske lächelnder Liebenswürdigkeit abgerissen, an Innerstes gerührt, das doch Geheimnis bleiben ! mußte--

Ihres Mannes Stimme erklang hinter ihr.Don­nerwetter, (Elfi, das ist ja tatsächlich ein Porträt von dir, und was für ein schönes bloß ein bissel zu ernst, hm? So überirdisch, und das bist du doch gottlob gar nicht" Er war neben sie ge­treten, schob zärtlich seinen Arm durch den ihren, sehr stolz auf die schöne Frau, deren Bild nun ge­wiß durch viele Ausstellungen im In- und Ausland die Runde machen und bewundert werden würde Die reizende Gemahlin des bekannten Grvßkauf- manns und Kunftmäzens Theodor Stalling." Würde sich gut machen.Warum er dir nur einen Schleier umgegeben Ijat in der Kirche trägt man doch nen Hut!"

Ein undefinierbares Lächeln huschte über das zarte, von innerer Bewegung belebte Frauenantlitz. Vielleicht Symbolik, lieber Teddy Schleier ver­hüllen!"

Versteh ich nicht", brummte der.Aber jeden­falls ist das Ding da riesig wirkungsvoll. Sieh mal: die Haare an den Schläfen find richtig mit Gold gemalt, ganz feine Goldfäden! Das muß ja eine Arbeit gewesen sein. Das Bild wird Frau Elfriede Stalling berühmt machen, was, Doktor- chen?" Sein volles, von Wohlleben gerötetes Ge­sicht strahlte, als er, sich umwendend, den kleinen Doktor und Fräulein Mayo anlachte, hinter denen er die am Saaleingang auftauchenden Gestalten seiner Schwiegermutter mit Grete wahrnahm. Un­bekümmert um die Menschen, die sich allmählich um die kleine Gruppe vor dem Porträt geschart, winkte er ihnen grüßend zu.

Hierher, Derehrteste, guckt euch mal euer Fa­milienanhängsel in Del an, das ist Sache, was?!"

Margret Mervius kam schnell heran, von neu­gierigen Blicken gefolgt. Sie hatte die dunkle Röte auf Elfriedes Gesicht gesehen, die nur mit Mühe ihren lächelnden Gleichmut bewahrte. Nichts war ihr verhaßter, als in der Öffentlichkeit Aufsehen zu erregen. Und nichts liebte Theodor Stalling mehr. Er nannte dasReklame machen fürs Geschäft" und verlachte ihren Widerspruch als spießig.

Kaum daß Frau Margret Goebel begrüßen konnte, dann schob sich Stallings massige Statt­lichkeit zwischen sie und die Tochter, sich bei beiden einhakend. Auch Grete mußte herbei. Er zeigte sich gern mit feinenbrei von denen jede auf

andere Art fein und reizvoll wirkte. Unter dem Strom feines vergnügten Redeschwalls war es Frau Mervius unmöglich, die stille, verinnerlichte Schönheit dieses eigenartigen Porträts ihres Kin­des auf sich wirken zu lassen.

Elfriede hörte ihre leifen Worte auch gar nicht. Wie gebannt sah sie hinauf zu dem Bild. Allein müßte man sein mit feinem zweiten Ich, schweigen können ... Ein leidvoller Zug lag um ihren Mund. Aber nur die Mutter sah es mit Sorge.

Gretes Aufmerksamkeit wurde durch den Ein­tritt eines Herrn abgelenkt, der alle Anwesenden um mehr als Haupteslänge überragte. Sie lief auf ihn zu.Fein, daß Sie gekommen sind, Herr Sell- bön," fest den Händedruck des Schweden erwidernd, ohne das Getufchel zu merken, das sich beim Nen­nen feines Namens um sie beide erhob.Nun sol­len sie gleich Mutti und meine Schwester kennen lernen! Hans fehlt leider, er war nicht zu bewe­gen mitzukommen der dumme Kerl." Das letzte in Gedanken an fein närrisches Gerede, das sie stark geärgert hatte.

Bald standen alle in lebhaftem Gespräch bei­sammen. Und ein ganz merkwürdig bedrückendes Gefühl beschlich auf einmal die junge Grete Mer- oius, als sie ihren Chef ganz in Elfriedes Anblick oertieft stehen sah. Es war ja kein Wunder, gegen die Elfe kam eben niemand auf, aber er hätte ihr auch mal ein Wörtchen sagen können! kränkt wandte sie den Plaudernden den Rücken un& beguckte sich sehr eingehend die anderen Werke Joachim Draus.

Ein seltsamer Zufall war doch seine Entdeckung durch Dr. Goebel gewesen. Nun würde der arme Mensch hoffentlich nie mehr mit Postkarten hausie­ren gehen müssen! Freilich, es war die denkbar un­günstigste Zeit für Bilderoerkauf, die Menschen wußten wahre Kunst nicht mehr zu würdigen, sagte Dr. Goebel, oder seien zu arm, ihr Heim damit zu schmücken. Wobei ihr wieder Hans ein­fiel. Direkt ungezogen war er jetzt manchmal ge­gen den netten Doktor, zu Muttis stillem Gr^m. Wenn das so weiterging--Und der lange Rot­

kopf da sprach immer noch mit Elfe!

Ach ja, man hatte schon seine Sorgen!

(Fortsetzung folgt!)