Nr. 34 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, lQ.Zebruar M6
„Lhristl's" großer Erfolg.
Goldene und silberne Medalille für Deutschland.
Oer Torlauf der Krauen.
Am Samstagvormittag war nach dem Torlauf der Frauen die erste Goldmedaille zu vergeben. Was niemand mehr zu hoffen gewagt hatte, erfüllte sich: Christl Cranz- Freiburg war im Torlauf die
Christ! Cranz. — (Scherl-Archiv-M.)
weitaus Schnellste und überflügelte die Abfahrtssiegerin Schou-Nielsen in der Kombinations-Wertung deutlich. Die erste Goldmedaille der IV. Olympischen Winterspiele gehörte damit Deutschland! Auf den zweiten Platz in der Kombination schob sich Käte Grasegger- Deutschland vor, so daß wir auch die Silberne Medaille des Frauenwettbewerbs gewannen!
Christ! Cranz groß in Fahrt!
Die Strecke war 500 Meter lang und wies einen Höhenunterschied von 200 Meter auf. 25 Tore waren dabei zu durchfahren.
Ein Kanonenschuß gab das Zeichen zum Start. 34 Läuferinnen aus 13 Nationen stellten sich zum Kampf.
Laila Schou Nielsen stürzte zweimal, und ihre Zeit war mit 80.1 Sek. nicht sonderlich gut. Auch Lisa Resch- Deutschland kam zweimal zu Fall. Eine Glanzleistung bot Käte Grasegger. Sie kam mit 76 Sek. in sehr guter Zeit durchs Ziel. Auch die Schweizerin Erna S t e u r i bewies meisterhaftes Können. Vorsichtig durchfuhr sie alle Tore; ihre Zeit wurde mit 77,2 Sek. angegeben. Hadi Pfeiffer- Deutschland brauchte 80,8 Sek. Dann kam Christl Cranz. Ruhig und sicher ging sie über die Strecke. In herrlicher Fahrt holte sie die beste Zeit des ersten Durchganges mit 72 Sek. heraus.
Der zweite Durchgang.
Die Eröffnung machte wieder Laila Schou- Nielsen, die bedeutend schneller als vorher war und in ruhiger, wundervoller Fahrt in 77,3 Sek. den Kurs bewältigte. Wie schon im ersten Durchgang hatte Lisa Resch auch diesmal Pech. Sie stürzte, kam aber immerhin noch in 82,9 Sek. ins Ziel. Wundervoll fuhr dann Käte Grasegger. Sie war mit 77,4 nur unwesentlich langsamer als die norwegische Abfahrtssiegerin. Die Schweizerin Erna S t e u r i kam in verhaltener Fahrt in 81,2 über die Strecke. Sehr gut war Hadi Pfeiffer mit 78,8 Sek. Wiederum war alles gespannt auf Christl Cranz. Ruhig und geduckt ging sie in die Schräge hinein. Zn prächtiger Fahrt ging sie durch die Tore, und auf der Schlußfahrt erreichte sie ein unheimliches Tempo. Unter großem Jubel ging sie durchs Ziel. Die Begeisterung verstärkte sich noch, als der Lautsprecher ihre Zeit mit 70,1 Sek. verkündete. Es hatte gelangt: Christl Cranz hat für Deutschland die erste Goldmedaille geholt. Käte Grasegger hatte Deutschland die Silber- Medaille für die Kombination gesichert. Ein wahrhaft großartiger Erfolg der deutschen Skiläuferinnen!
Franz psnür schert die zweite Goldmedaille.
Oer Torlauf der Männer.
Am Gudiberg hatten sich Tausende von Zuschauern eingefunden. Sonderzüge brachten immer neue Massen heran; alle mit einem Ziel: das Skistadion. Hier waren lange vor der festgesetzten Startzeit rund 60 000 Menschen versammelt, die mit Hochspannung den Kanonenschuß erwarteten, der den zweiten Teil des Alpinen Wettbewerbs der Männer ankündigen sollte.
Der Männer-Slalom wurde zum größten Teil auf der gleichen Strecke durchgeführt, wie am Vortage der der Frauen. Nur begannen die Männer weiter oben, so daß ihr Kurs 600 Meter lang war und rund 300 Meter Höhenunterschied aufwies. Insgesamt 32 raffiniert placierte Tore sorgten dafür, daß ein ausgesucht knifflicher Sla- l o m zustandegekommen war, der von den Bewerbern ein Höchstmaß von Wendigkeit und Standfestigkeit verlangte. Wie schwer der Kurs war, beweist die Tatsache, daß von 57 angetretenen Bewerbern überhaupt nur vier, und zwar die Deutschen Franz P f n ü r und Gustav L a n t s ch n e r, ferner der Italiener Giacinto S e r t o r e l l i und der Ungar S z a l a y, sturzfrei durchkamen.
Schier unbeschreiblich war die Erregung der Massen beim Start zum ersten Durchgang des Slalomlaufes. Zunächst machte die erste Siegerin der IV. Olympischen Winterspiele, die Deutsche Christel Cranz, einen Ehrenlauf.
Endlich ist es so weit. Der kleine norwegische Springerkönig Birger Ruud steht startfertig und schon saust er davon. Sehr schnell ist seine Fahrt. Herrlich windet er sich durch die Tore, aber zum Schluß kündet der aufstäubende Schnee zweimal seinen Sturz an, so daß er mit 85,9 Sek. langsamer als erwartet ist. Und dann kommt Franz Pfnür, der Deutsche Meister! Der Bayer trägt alle Hoffnungen. Wie schon Christl Cranz bei den Frauen, so muß Franz Pfnür den Punktvorsprung des im Abfahrtslauf siegreich gewesenen Norwegers Ruud aufholen, wenn er seinem Gegner den Olympischen Sieg streitig machen will. In' meisterhaft beherrschter Fahrt zieht Pfnür los. Sicher schwingend und stemmend mit glänzender Skisührung geht er um und durch die Tore, sucht er die kürzesten Wege und saust in 72,1 Sek. durch das Ziel. Der Jubel nach Verkündung der Zeit durch die Lautsprecher will kein Ende nehmen. Der Sieg des Deutschen in der Gesamtwertung ist nahe gerückt. Und tatsächlich gelingt es keinem der übrigen Bewerber, in einem der beiden Gänge diese fabelhafte Zeit zu erreichen. Selbst Pfnür kann im zweiten Durchgang seine Zeit nicht mehr unterbieten. Aber er bleibt mit 74,5 Sek. auch diesmal der Beste.
Die zweite Goldmedaille der IV. Olympischen Winterspiele war für Deutschland gewonnen! Aber der deutsche Triumph wird noch größer. Gustav L a n t s ch n e r, der „Guzzi", wie ihn feine Freunde nennen, erringt d i e Silbermedaille! Sowohl im ersten als auch im zweiten Durchgang kommt Lantschner sturzfrei in 76,9 bzw. 75,6 Sek. über den Kurs
Emile A l l a i s, der ausgezeichnete französische Läufer, sichert seinem Land die Bronze-Medaille. Birger Ruud, der Olympiasieger von Los Angeles im Spezialspringen, setzt wie Allais im zweiten Durchgang alles auf eine Karte. Nur noch 35 Läufer starten — den Ausschreibungen entsprechend — ein zweites Mal, es find die Besten. Birger Ruud beginnt wieder den Reigen, kommt fabelhaft schnell durch die Tore und erzielt mit 77,1 eine ausgezeichnete Zeit. Aber das langt nicht mehr: die Medaillen gehen an Deutschland und Frankreich.
Nach Ruud, Pfür und Lantschner sowie dem Franzosen Emile Allais startet der Norweger Alf Konningen. Zweimal muß er zu Boden. Unter größter Anteilnahme seiner engeren Landsleute stiebt der in Garmisch-Partenkirchen beheimatete Roman W ö r n d l e davon. Er hat jedoch zu viel Tempo und kann einen Sturz nicht vermeiden. Seine Zeit ist mit 82,9 Sek. aber immer noch besser als die des nachfolgenden Norwegers Per Fof- fum. In waghalsiger Fahrt geht danach der erst
Franz Pfnür (Bildtelegramm/Scherl — 2JL)
18jährige Rudi Cranz davon. Kurz vor dem Labyrinth muß der Bruder unserer Olympiasiegerin zu Boden. Er macht den Zeitverlust auf dem letzten Teil der Strecke nahezu wieder wett und kommt in 80,9 Sek. durchs Ziel. Sturzfrei meistert dann der Italiener S e r t o r e ll i in 79,3 Sek. die Strecke. Sehr gut laufen auch der Amerikaner Durrance mit 80,4, der Italiener Guarnieri mit 82,5, der Franzose Maurice L a f f o r g u e mit 86,6, der Engländer Peter Lunn mit 86,3, der Amerikaner George Page mit 85,7 Sek. u. a. m.
Nur noch 35 Bewerber bestreiten dann den zweiten Durchgang, und zwar die besten des ersten Laufes. Nur einige Bewerber können die im ersten Durchgang erzielten Zeiten verbessern. In der Erkenntnis, daß die Strecke überaus schwer zu befahren ist, wurde jetzt größter Wert auf Sicherheit gelegt. Wieder startet Birger Ruud als Erster, nach ihm Pfnür, Lantschner und Allais. Prachtvoll fährt Roman W ö r n d l e , der nach feinem Mißgeschick im ersten Lauf diesmal nach einem nur leichten Sttirz in 79,8 Sekunden die Strecke bewältigt. Rudi Cranz zeigt sich dann von seiner besten Seite. Mit 74,6 Sekunden ist er nur um eine Zehntel Sekunde lang
samer als Franz Pfnür und damit der Zweitschnellste des zweiten Durchganges. Don den übrigen Bewerbern kommt kaum einer mehr sturzfrei über die Strecke.
Also: Zwei Goldmedaillen — zwei Silbermedaillen!
Die ersten Entscheidungen in den Olympischen Ski- Wettbewerben bewiesen eine unvergleichliche lieber- legenheit der Deutschen — bei den Männern und Frauen — in der Alpinen Kombination Abfahrt— Torlauf. Brachte der Samstag durch das Schwarzwaldmädel Christl Cranz eine Goldmedaille und durch die Bayerin Käthe Grasegger eine silberne, so wiederholte sich erfreulicherweise dieser Erfolg am Sonntag bei den Männern. Franz Pfnür und Gustav L a n t s cd n e r erkämpften für Deutschland die gleichen Trophäen, die wertvollsten, die es für ein Land und seine Vertreter gibt.
Konzentrieren wir jetzt unsere Hoffnungen und unsere guten Wünsche auf die übrigen deutschen Kämpfer und Kämpferinnen, die in Garmisch-Partenkirchen mit den Besten der Welt zu streiten haben. Die Einleitung ist mehr als großartig geglückt. Wir vertrauen auf eine gute Fortsetzung.
Schwierigste Teilstrecke des Mahrlslauses.
Diese Aufnahme wurde während des Abfahrtslaufs der Männer in Garmisch-Partenkirchen gemacht, sie gibt einen Ueberblick über den letzten Teil der Strecke mit dem Ziel, an dem die Läufer erwartet wurden. — (Presse-Bild-Zentrale-M.)
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Eishockey-Kämpfe in den Vorrunden entschieden.
Deutschland führt in der Gruppe B.
Mit dem Kampf Italien — Schweiz am Sonntagabend im Olympia-Eisstadion zu Garmisch-Partenkirchen wurden die Vorrunden-Gruppenspiele des Eishockey-Turniers abgeschlossen. Vier Tage wurde mit dem größten Einsatz um den Eintritt in die Zwischenrunde gekämpft und dabei gab es Spiele von unerhörter Spannung und Dramatik. Auch Ueberraschungen blieben nicht aus, und wenn wir hier nur auf das Ergebnis des Treffens Italien — USA., das die Amerikaner als haushohe Favoriten mit 1:2 an die Italiener verloren, Hinweisen, so dürfte das vollkommen genügen.
Als Gruppen-Sieger gingen hervor: Kanada in der Gruppe A. Deutschland in der Gruppe 6, die Tschechoslowakei in der Gruppe C und England in der Gruppe D. Diese vier Länder bilden zusammen mit den jeweiligen Gruppen- zweiten (Oesterreich, USA., Ungarn und Schweden) die Teilnehmer an der Zwischenrunde, die in zwei Abteilungen ausgespielt wird. Besonders erfreulich ist natürlich, daß sich die deutsche Mannschaft in der schwersten Gruppe den ersten Platz erkämpft hat. Unsere Mannschaft kann getrosten Mutes die Spiele der Zwischenrunde aufnehmen, sie wird uns auch hier nicht enttäuschen.
Die Spiele in den vier Gruppen brachten folgende Ergebnisse:
Gruppe A: Kanada — Polen 8:1 (5:0, 2:1, 1:0); Kanada — Lettland 11:0 (2:0, 3:0, 6:0); Oesterreich — Polen 2:1 (0:0, 0:0, 2:1); Polen — Lettland 9:2 (1:0, 4:0, 4:2); Kanada — Oesterreich 5:2 (4:0, 1:2, 0:0); Oesterreich — Lettland 7:1 (4:0, 0:0, 3:1).
Gruvpe B: USA. — Deutschland 1:0 (1:0, 0:0, 0:0); USA. — Schweiz 3:0 (0:0, 3:0, 0:0); Deutschland — Italien 3:0 (1:0, 1:0, 1:0); Italien — USA. nach Verlängerung 2:1 (0:0, 0:0, 1:1) (0:0, 1:0); Deutschland — Schweiz 2:0 (0:0, 1:0, 1:0); Schweiz — Italien 1:0 (0:0, 1:0, 0:0).
Gruppe C: Ungarn — Belgien 11:2 (1:1, 2:0, 8:1); Tschechoslowakei — Belgien 5:0 (0:0, 4:0, 1:0); Ungarn — Frankreich 3:0 (0:0, 1:0, 2:0); Tschechoslowakei — Ungarn 3:0 (1:0, 1:0, 1:0); Frankreich — Belgien nach Verlängerung 4:2 (0:1, 1:0, 0:0), (0:0, 3:1); Tschechoslowakei — Frankreich 2:0 (0:0, 1:0, 1:0).
Gruppe D: Schweden — Japan 2:0 (1:0, 0:0, 1:0), England — Schweden 1:0 (1:0, 0:0, 0:0); England — Japan 3:0 (2:0, 0:0, 1:0).
Oie Kämpfe des Samstags
Lettland — Polen 2:9 (0:1, 0:4 2:4).
Im Eisstadion traten um 9 Uhr vormittags die Eishockey-Mannschaften von Lettland und Polen zu ihrem Vorrundenspiel an. Trotz der „Konkurrenz" (England — Japan auf dem Rießer See und Frauentorlauf am Gudiberg) war der Besuch recht gut. Das Eis war ausgezeichnet. Durch den Frost hatte es Natureis gegeben, jo daß die Maschinen feiern konnten. Die siegreichen Polen lieferten eines ihrer besten Spiele. Die gesamte Mannschaft zeigte eine gute Zusammenarbeit. Ein besonderes Lob verdiente sich der Mittelstürmer Kowalski. Bei den Letten arbeiteten der Tormann und die Verteidiger sehr aufopfernd, ohne aber den schnellen polnischen Angriff halten zu können.
Kanada — Oesterreich 5:2.
Im Eisstadion folgte als zweites Spiel der Eis» Hockeykampf Kanada — Oesterreich. Die Kanadier kamen zwar zu einem verdienten und klaren Erfolg, mußten aber schwer um ihren Sieg kämpfen. Wäre nicht schon im ersten Drittel die Entscheidung gefallen (4:0), dann hätte es vielleicht auch eine Ueberraschung geben können, wie aus dem Ergebnis der zwei letzten Drittel (1:2, 0:0) deutlich hervorgeht.
England — Japan 3:0.
Dann trafen auf dem Rießer See die Eishockey- Mannschaften von England und Japan zusammen. Das Treffen fand vor nur wenigen Zuschauern statt, da sich das Hauptinteresse auf den in der Nähe sich abwickelnden Slalom der Frauen richtete. Die Vertreter Nippons zeigten wiederum ein verbessertes Können. Mit großer Unbekümmertheit lieferten sie dem Gegner einen flotten und schönen Kampf, den sie im ersten Drittel zum Teil völlig offen halten konnten. Die Briten wirkten in diesem Spiel sehr schwerfällig und haben es in erster Linie ihrer körperlichen Ueberlegenheit zu verdanken, daß sie so klar gewannen.
Oie Begegnungen des Sonntags.
Tschechoslowakei — Frankreich 2:0.
In der Gruppe C des Eishockey-Olympia-Tur- niers, für die die Mannschaften der Tschechoslowakei, von Ungarn, Frankreich und Belgien eingeteilt waren, hat sich erwartungsgemäß die Tschechoslowakei den Gruppensieg errungen. Die Tschechen schlugen im ersten Spiel des Sonntags die Fran- zosen mit 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) und setzten sich damit ungeschlagen mit einem Torverhältnis von 10:0 an die Spitze der Gruppen-Tabelle.
Oesterreich — Lettland 7:1.
Zum Spiel Oesterreich — Lettland hatte sich eine verhältnismäßig große Zuschauerzahl eingefunden, dre einen sicheren 7:1 (4:0, 0:0, 3:1)-Sieg der Oesterreicher zu sehen bekam. Das Spiel war im ersten Drittel etwas matt, da die Oesterreicher zu sehr überlegen waren und sich überhaupt nicht an- strengen mußten, um zu vier Toren zu kommen. Die Letten ersetzten ihr mangelndes Können zwar wieder durch einen Rieseneifer, der jedoch die seh- lende Qualität des Kampfes nicht ausgleichen konnte.
Schweiz schlägt Italien mit 1:0.
Der letzte Kampf der Gruppe B zwischen der Schweiz und Italien hatte noch einmal 5000 Zuschauer ins Eisstadion gelockt. Sie bekamen einen flotten Kampf zu sehen, den die Schweizer verdient mit 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) für sich entscheiden konnten. Damit stehen also in Deutschland und USA. die Teilnehmer an der Zwischenrunde aus der Gruppe B endgültig fest. Italien hält trotz der Niederlage den dritten Platz vor der Schweiz, die das schlechtere Torverhältnis aufzuweisen hat.
Sensation! Italien schlägt USA.!
Am Samstagnachmittag war bei den IV. Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen die erst« große Sensation fällig. Im Kunsteisstadion


