Nie ersten deutschen Siege bei den olympischen Winterspielen.
Goldene Medaillen für Christel Cranz und Franz pfnür im Gkiwettbewerb.
Gin Wintertag in Glanz und Sonne.
Schon am frühen Morgen des Samstag hat der Zustrom der Schaulustigen sich zum G u d i b e r g in Bewegung gesetzt, wo die Frauen ihren Torlauf abzuwickeln haben. Deutschland und Norwegen stehen im schärfsten Endkampf um die erste Goldmedaille, die gelegent- lich der IV. Olympischen Winterspiele zu vergeben ist. Die Voraussetzungen sind denkbar günstige. 10 bis 12 Grad Kälte herrschen am Vormittag, der Schnee knirscht und kracht unter den Füßen, lieber dem Werdenfelser Land liegt gleißender Sonnenschein; aus allen Gesichtern liegt eitel Freude und Zufriedenheit. Was kann man sich für diese Olympia-Tage auch mehr wünschen? Ideales Winter w e t t e r, reibungslose Organisation und prächtige Kämpfe der besten Wintersportler aller Nationen; das ist ein Zusammenklang so selten harmonischer Art, daß die Stimmung von Aktiven und Schlachtenbummlern — von den Verantwortlichen ganz zu schweigen — einfach nicht anders sein kann als ganz ausgezeichnet.
Die Torlaufstrecke am Gudiberg liegt im Schatten. Das ist gut so; man hat ja bei Der Auswahl der Skistrecken auf diesen Umstand weitgchendst Rücksicht genommen. So hält sich der Schnee, mag rings im Land die Sonne auch den Schnee bearbeiten. Alle Teilnehmer treffen so annähernd gleiche Voraussetzungen auf der Strecke an, soweit das überhaupt zu ermöglichen ist. Gegen das „Glattbügeln" des Hanges durch die ersten Läuferinnen kann ja keine noch so gute Organisation etwas ausrichten.
Schon um 9 Uhr muß am Gudiberg gesperrt werden. Männer der Bergwacht, des Arbeitsdienstes, Militär und Mitglieder der einheimischen Skiklubs werden zum Sperren und für den Kontrolldienst eingesetzt. Flotte Marschmusik sorgt bei den Tausenden, die längs der Strecke versammelt sind, für Stimmung und Unterhaltung. Schönste Fest- stimmung herrscht überall. Rings um den großen Platz wehen die Wimpel der Nationen der Winter- fportwelt.
Die ersten deutschen Siege.
Ein ununterbrochener Strom von Menschen war schon in der Frühe zur Kampfstätte gezogen, auf der 37 Teilnehmerinnen aus 13 Nationen um den höchsten olympischen Preis stritten.
Die deutsche Studentenweltmeisterin Christel Cranz fuhr bei beiden Abfahrten in wundervollem Stil die besten Zeiten heraus. In der ersten Abfahrt brauchte sie 72, in der zweiten nur 70,1 Sekunden und holte unter dem begeisterten Jubel der Zuschauer, unter denen sich auch der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß und der Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg befanden, den ersten olympischen Sieg für Deutschland heraus. Die e r ft e Goldene Medaille, die bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen zu vergeben war, ist damit an Deutschland gefallen. Die 21jährige Schwarzwälderin Christel Cranz hatte am ersten Tag des Wettbewerbs Pech gehabt; eine andere hätte vielleicht die Waffen gestreckt oder die Nerven verloren. Christel Cranz hat aber die Zähne fest aufeinandergebissen. Sie hat ihre letzte Energie hervorgeholt und diesen zähen Siegeswillen mit ihrem meisterhaften Können gepaart. Als der Lautsprecher den rasch errechneten Sieg der deutschen Studentenweltmeisterin verkündete, die nun auch Olympia-Siegerin geworden ist, wurde sie von ihrer Mutter und ihrem Bruder umarmt. Sofort stürzten die Berichterstatter, Photographen und Tonfilmoperateure auf die glückstrahlende Siegerin, die auch im Rundfunk in ihrer bescheidenen und natürlichen Art ihrer Freude über den Erfolg Ausdruck gab.
Der Jubel der deutschen Sportgemeinde, der in den Mittagsstunden in allen Gaststätten vernehmlich war, steigerte sich noch, als das amtliche Ergebnis
auch die Plazierung der übrigen bekanntgab, und man erfuhr, daß Käte Grasegger die Silberne olympische Medaille heimgetragen hatte. Da an fünfter Stelle Frau Pfeifer- Lantschner, an sechster Lisa Resch eingekommen waren, sind unter den ersten sechs dieses Wettbewerbes allein vier Deutsche, gewiß ein bemerkenswerter Erfolg.
Deutschlands zweite „Goldene"
Franz Pfnürs Sieg im Herren-Torlauf.
Am Sonntag rollte Sonderzug auf Sonde rzug in die Bahnhofshalle ein, jeder von ihnen vollgepfropft mit Olympiagästen. Allein von München aus wurden bis 9 Uhr vormittags 20 Züge mit über 18 000 Fahrgästen nach Garmisch abgefertigt. Endlos ist die Reihe der großen Reiseomnibusse und der Privatkraftwagen, die Nummernschilder aus allen Gegenden trugen. Aber nirgends führte dank der hervorragenden Organisation der riesige Verkehr zu nennenswerten Stauungen. Wer zum ersten Male nach Garmisch gekommen war, erhielt sofort durch Lautsprecher alle erforderlichen Auskünfte. Wenn er trotzdem den Anschluß verpaßte, so konnte das nur daran liegen, daß er sich an der weißen Pracht nicht satt sehen konnte.
Zehntausende zogen schon in den frühen Morgenstunden zu Fuß, auf Skiern ober, wenn sie Glück hatten, auch mit dem Schlitten nach dem Gudiberg, wo die Entscheidung im Jjer« ren-Torlauf fiel, die für Deutschland den zweiten großen Erfolg brachte. Wiederum holten wir uns, diesmal durch Franz Pfnür, die Goldene, durch Guzzi Lantfchner die Silberne olympische Medaille; wiederum befanden sich unter den erften sechs nach den erften Berechnungen vier Deutsche, da Rudi Cranz, der Bruder der Olympiasiegerin Chnstl Cranz den sechsten und Roman Wörndle den fünften Platz belegten. Nach dem Bekanntwerden dieser Ergebnisse stieg die Feststimmung ins Ungemessene. In den Lokalen saßen die Leute buchstäblich aufeinander. Aber auch die größte Enge wurde mit 5)umor und vielem Witz ertragen.
Das prächtige Winterwetter hielt auch am Sonntagnachmittag an. Die Temperatur, die mittags etwa 0 Grad betrug, sank in den Abendstunden auf 7 Grad. Trotz einer Sonnenscheindauer von acht Stunden hatte die Schneedecke nicht im geringsten gelitten, und der olympische Wetterdienst meldet auch für die nächsten Tage den Fortbestand der überaus günstigen Witterungsverhältnisse.
Im E i s st a d i o n begannen am Nachmittag vor 6000 Zuschauern die Pflichtläufe des Eiskun st laufens der Mä n n e r, an denen 25 Bewerber aus 15 Nationen, darunter die beiden Deutschen Ernst Baier und Günther L o - r e n z, teilnahmen. Ergebnisse dieses Wettbewerbes find erst nach der Entscheidung im Kürlauf zu erwarten. Weltmeister Karl Schäfer (Oesterreich) lag nach den ersten vier Uebungen an der Spitze, mit geringem Abstand folgte ihm eine ziemlich gleichwertige Gruppe, unter der sich auch Ernst Baier befand.
Das Scho in England.
London, 10. Febr. (DNB. Funkspr.) Die englische Presse berichtet mit immer größerer Begeisterung und Wärme über den Verlauf der Winterolympiade in Garmisch-Partenkirchen. Der glänzenden Organisation der Spiele wurde in einem aus Garmisch-Partenkirchen übertragenen Rundfunkbericht besondere Anerkennung gezollt. Dank der großartigen deutschen Organisation, so sagte der englische Rundfunksprecher, hätten sich die Winterspiele zu einem Erfolg und zu einem Vergnügen für jeden Beteiligten gestaltet. Die „Times" schreibt in ihrem heutigen Bericht, daß die Winterspiele einen olympischen Wetterrekord aufzuweisen hätten, wenn
der gegenwärtige Sonnenschein, die klare Atmosphäre und die idealen Schneeverhältnisse fortdauerten. Die deutschen Erfolge in der Kombination für Männer und in der für Frauen werden heute von allen Blättern hervorgehoben. „Deutscher Triumph" lauten die Ueberschriften der meisten Blätter.
Oes Führers Glückwünsche.
München, 8. Febr. (DNB.) Der Führer hat an die Siegerin in der Kombination (Abfahrts- und Torlauf) Fräulein Christel Cranz, die die erste Goldene Medaille der IV. Olympischen Winterspiele für Deutschland errang, folgendes Telegramm gesandt: „Nehmen Sie zu Ihrem wunderbaren Siege meine allerherzlich st en Glückwünsche entgegen. Adolf Hitle r."
Der Führer sandte auch an den Olympia-Sieger in der alpinen Kombination des Skilaufs (Abfahrt und Slalom) für Männer, Franz Pfnür aus Schellenberg, der für Deutschland die zweite Goldene Medaille erringen konnte, folgendes Telegramm: „Franz Pfnür, Garmisch-Partenkirchen. Zu
LPD. Frankfurt a. M., 9. Febr. In Frankfurt a. M. fand die diesjährige große Arbeitstagung der NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt. Die Organisation hat die Ausgabe, den Feierabend des schaffenden Menschen zu gestalten und dafür zu sorgen, daß das Volk stark und widerstandsfähig wird, damit es feine politischen und wirtschaftlichen Ziele innerhalb der Völkergemeinschaft verwirklichen kann. „Die Zielsetzung ist so hoch", führte Landesobmann Willi Becker in einer längeren Ansprache aus, ,Haß nur d i e Besten unter uns in der Lage sind, auf die Dauer ihre Pflichten zu erfüllen. Nur durch das Zusammenwirken aller Energien, konzentriert auf ein Ziel, ist es möglich, die unerhörten Leistungen, die heute bereits das ganze Volk umspannen,' zu vollbringen. Allein im vergangenen Monat hatte die Organisation 307 059 Personen in 483 Veranstaltungen zusammengerufen. In volkstümlichen Veranstaltungen, wie Volksspielabende, Heimatabende, Dorfgemeinschafts- und Volkskunstabende, wurden 96 000 Besucher erfaßt. Das Wertvolle an diesen Veranstaltungen ist, daß sie in kleinen und kleinsten Landorten durchgeführt werden. In 21 geschlossenen Theateraufführungen brachte der Kreis Mainz 25 200 Volksgenossen ins Theater. Hierbei wurden auch „Rienzi" und die „Meistersinger" vor ausverkauftem Hause aufgeführt. Die Werkkunst-Ausstellungen erfreuen sich heute bereits eines derart großen Zuspruchs, daß sie in den nächsten Monaten in allen Werken Hessen-Nassaus aufgebaut werden.
Euer Streben als Amtswalter muß sein, daß ihr euer schönes, aber außerordentlich schweres Aufgabengebiet in allen Einzelheiten vollkommen beherrscht. Wir find Kämpfer des Lichts und das Volk muß erkennen, daß es sich zur Sonne erheben muß. Wir find Kämpfer, weil wir in der Welt Neues gestalten müssen mit und für Adolf Hitler."
Gauwart von Rekowski wandte sich gegen Tendenzen klassenkämpferischer Elemente, die in „KdF." nur eine Kulturorganisation zweiter Klaffe sehen wollen, oder diese als eine Fortführung gewerkschaftlicher Institutionen für minderbemittelte und arme Leute ansprechen. „KdF." arbeitet f ü r das gesamte schaffende Volk, das in der DAF. zusammengeschlossen oder dieser korporativ beigetreten ist. Hierzu sind alle Arbeiter der Faust und der Stirn zu rechnen. Es ist hierbei gleichgültig, ob sie Unternehmer oder Gefolgschaftsleute find, ob sie einer Kammer, dem Reichs
Jhrem heutigen wunderbaren Siege sendet Ihnen herzlich st e Glückwünsche A d o l f H i t l e r."
Siegerehrung im Olympia-Sternflug.
Der Aeroklub von Deutschland hatte alle Teilnehmer am Olympia-Sternflug zur feierlichen Siegerehrung geladen. Der Präsident des Aeroklubs von Deutschland, v. Gronau, richtete herzliche Begrüßungsworte an die Ehrengäste und nahm bann in launigen Worten d i e Ehrung der Sternflugsleger vor. Die ersten wurden Hauptmann Seidemann (Berlin) und Luftsport - Landesgruppe 1 Königsberg (mit drei Flugzeugen). Der Präsident des Organisationskomitees, Ritter von Halt, bedauerte, daß die Sternflieger ihren Plan, zur Eröffnungsfeier der Winterspiele im Gemeinschastsflug nach Garmisch-Partenkirchen zu kommen, wegen der schlechten Wetterlage nicht in die Tat umsetzen konnten. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Graf Baillet-Latour, gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch unter den Fliegern derselbe olympische Sportgeist herrschen möge, wie er heute die übrige Sportwelt beseele.
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Ausführlicher Bericht Im Sportteil des heutigen Blattes.
nährftand ober dem Juristenbund angehören. Der Gauwart schloß mit ben Worten: „Man hat versucht, unsere Organisation mit einer Riesenwalze zu vergleichen, bie alles kulturelle Leben nieber» drückt. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind ein Frühlingssturm, der alles, was morsch, schwach und faul ist, in die Winde zerstreut, um den jungen Kräften, die aus dem Volke kommen, den Weg zu bahnen." Am zweiten Tage teilte der Gauwart von Rekowski mit, daß im vergangenen Jahr ein buchmäßiger Umsatz von 27 Millionen Mark allein im Gau Hessen-Nassau erzielt worden ist.
Gauinspektor David Müller umriß das Arbeitsgebiet des Amts „Schönheit der Arbeit" und die Zielsetzung der nächsten Monate. Welchen praktischen Wert der neugeschaffene Begriff der Verschönerung des Arbeitsplatzes heute bereits besitzt, zeigt die große Aktion, die augenblicklich in den fchwerindustriellen Betrieben durchgeführt wird.Die weltanschauliche Linie muß gewahrt bleiben und die natürlichen Belange der Betriebs- Gemeinschaft, also der Betriebsführer und der Gefolgschaft, berücksichtigt werden. Dann kam „Reisen, Wandern, Urlaub" zu Wort. „Kraft durch Freude" besitzt heute eine ganze Anzahl geschulter Wanderwarte, die dem Wandern das natur- und bodengebundene Gepräge verleihen. Obwohl das Wandern mit „KdF." einen ungeahnten Aufschwung genommen hat, denn Tausende gemeinsame Wanderfahrten finden statt, ist es zu bedauern, daß die Arbeitskameraden von dieser aufmunternden Einrichtung immer noch zu wenig Gebrauch machen Die Abteilung „Schulung und Volksbildung" hat der Schulung eine neue Bedeutung gegeben. Die Lehrmittel sind junge Menschen, die fingen, tanzen ober vortragen wollen. Die Schule ist irgendein Saal, und die Schüler sind das ganze Dorf. Vor wenigen Monaten gab es noch wenige dieser Veranstaltungen, heute gehen sie in die Hunderte. Auf der gleichen Basis bewegen sich die Grundgedanken des Sportamts. Auf dem Gebiete der Programmgestaltung, das die bunte Skala der bargebotenen Kunst vom heiteren Abenb bis zur großen Oper burchläuft, muß bie Initiative täglich neu eingesetzt werben. Jebem soll biefes Amt unsere beutschen Kulturgüter in biefer ober jener Form vermitteln. Dann sprachen noch Gauobmann Krause vom Arbeitsbank, Generalintenbant Meißner und Gaupropaganbaleiter Müller-Schelb über die grunblegenben Probleme ber NSG. „K. b. F."
OieFeieraben-gestaltungderGchaffen-en
Landesobmann Becker auf der K d.I -(Sautagung.
Uraufführung in Frankfurt.
Wilhelm Müller-Scheld: „Schach den Cäsaren".
Wilhelm Müller-Schelb ist einer aus jener Generation, beren Wesen sich in ben Schützengräben bes Weltkriegs formte. Auch fein Leben in ber Nachkriegszeit würbe bestimmt burch bie Blickrichtung, bie jenen jungen Menschen burch bas Kriegserlebnis vermittelt worben war: alle seine Stubien waren im Grunbe nur Wege zur politischen Voll- enbung, bie gipfelte in ben Prinzipien ber nationalsozialistischen Bewegung, bem Bekenntnis zur Führerpersönlichkeit. Diese politischen Willensmo- mente fanben bei Müller-Schelb auch ihren Nieber- schlag in oerschiebenen bramatischen Versuchen: es entstaub schon früh bas Revolutionsbrama „Die Empörung bes Johannes", ferner „Haus Eltzin Flammen , „Ein Prinz von Europa", „Anna Maria", „Gewitter im Sumpf" unb „Ein Deutscher namens Stein". Seit 1933 wirkt Müller- Schelb als Leiter ber Lanbesstelle für Volksaufklärung unb Propaganda in Frankfurt, ist Präsi- bialmitglieb ber Reichstheaterkammer unb Senats- mitglieb ber Reichskulturkammer.
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Im Frankfurter Schauspielhaus kam bas schon 1925 entftanbene Drama „Schach ben Cäsaren" („Ein Deutscher namens Stein") zur Uraufführung. Im Mittelpunkt bes Werkes steht nicht mehr ber Ruf nach bem Führer, fonbern in konkreter Form wirb bie Frage nach dem Wie, dem Wesen der Führernatur gestellt. Die Geschichte gibt den dramatischen Hintergrund dafür ab: Europas historische Situation nach bem Frieben von Tilsit 1807. Auf bem Kongreß von Erfurt schien burch bie Hulbigung Alexanbers von Rußlanb an Napoleon unb bie Bereitwilligkeit ber beutschen Bunbesfürsten bas Schicksal Europas in bie Hanb bes Korsen gelegt. Friebrich Wilhelms III. Minister Freiherr vom Stein würbe entlassen, ber Königsberger „Tugenbbunb" unb mit ihm ber „gewisse Stein" (le nomm6 Stein) von Napoleon in Ächt erklärt. Stein geht nach Rußlanb unb wirb bort als ber Berater bes Zaren ber größte Gegenspieler Napoleons. Für Müller-Schelb wirb er schließlich ber eigentliche Retter Europas von bem „korsischen Cäsaren". Aber nicht ber Stratege Stein ist ber wirkliche Gegner Napoleons, sonbern ber Nationalist Stein läßt Napoleon in bem „Sturm, Schnee unb Eis Rußlanbs unb bem Feuer Moskaus" um
kommen. Steins letztes Wort in bem Drama ist: Ich habe ein Vaterlanb!"
Die Frage nach bem Wesen bes politischen Führers ist bie Kernfrage bes Dramas. Es gibt ein natürliches Gesetz bes Führertums. Das „Gesetz" Napoleons war geboren aus ber unnatürlichen Jbee bes grenzenlosen Welteroberertums, währenb ber Grunbfaktor bes Steinschen „Gesetzes" bie in ber Natur verankerte, ursprüngliche Idee bes Da- terlanbes war. Nur bem Vaterland gegenüber gibt es eine Pflicht, nicht aber ber Eroberungssucht gegenüber. Napoleon erscheint so als ber Hysteriker, sich an einer Aufgabe berauschens bie bem Weltgesetz wiberspricht, unb an ber er zugrunbe gehen muß.
Auch in ber Methobik bes bramatischen Aufbaus bei Müller-Schelb kommt biese Beweisführung zum Ausbruck. Der eigentliche bramatische Höhepunkt bes Werkes ist nicht bie Tat an sich, sonbern ber höchstgesteigerte Kampf um bie Überzeugung. Weber Alexanber noch Stein treten in bem Drama Napoleon gegenüber, sonbern Steins realistische Dialektik allein bringt es fertig, mit Hilfe bes zwar schwachen, aber nicht wertlosen Zaren, bie ursprüngliche Werte bes Nationalgefühls, ben Glauben an bas anfangs von ihm selbst verachtete Volk roieber zu wecken: bie eigentlichen geschichtlichen Gegensätze bleiben im Hintergrunb, unb bie Jbeen kämpfen miteinanber. Stein ist als ber Diener ber richtigen Idee ein Held.
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In ber Aufführung unter ber Regie bes Frankfurter ©eneralintenbanten Hans Meißner wurde diese dramatische Möglichkeit dadurch noch erhöht, daß in knapper Bildfolge immer wieder die Gegensätze der Ideen, wie sie sich in den beiden Menschen Stein und Napoleon verkörpern, heroorgehoben wurden. In der klaren Charakterisierung der We- sensgegensätze der beiden Gegenspieler entwickelte sich die Spannung des Dramas. Es wurden zwei grundverschiedene Individualitäten Umrissen und in ihrer Wesensgesetzlichkeit gegeneinander ausgespielt.
Robert Taube als Freiherr vom Stein gestaltete die verinnerlichte Willensstärke unb ben Glauben an bas Recht seiner Senbung. Ohne viele Mittel, allein burch bie Hervorkehrung ber Uebergeugung, bewältigte er seine Rolle. Der Napoleon von Hans Jungbauer war realistisch unb ganz im Sinne des Dramas ausgespielt. Hermann Schambergs Alexanber atmete bie Weichheit unb Unentschlossen- beit bes unglücklichen Monarchen. — Eine von Bruno Hartl zusammengestellte Musik oerbanb bie
einzelnen Silber, bie Lubwig Sievert gut aus» gestattet hatte.
Nach ber Aufführung, ber u. a. als Vertreter bes Reichsministers Dr. G o e b b e l s ber Geschäftsführer ber Reichskulturkammer Hans Hinkel, Vertreter ber Partei, ber Wehrmacht unb bes öffentlichen Lebens beiwohnten, würben bie Mitwirkenben unb ber Dichter herzlich gefeiert. k. h.
Tanzmeister in der Tierwelt.
Nicht nur im Märchen, in bem bie Tiere auch mit Menschenstimmen sprechen können, führen sie zuweilen zum Beschluß einen Tanz auf, auch in ber Wirklichkeit kann man tanzenbe Tiere beobachten. Die Tanzlust ist manchen Tieren angeboren unb sie bringen es im Tanz oft zu richtiger Meisterschaft. So schildert z. B. Charles B e n ö i r e in seinen „Lebensbildern nordamerikanischer Vögel" den Tanz der spitzschwänzigen Präriehühner, die sich in Gruppen auf einem Hügel oder auf einer Bodenerhebung versammeln, deren Boden durch jahrelanges Trampeln ganz festgestampft erscheint. „Eine Weile verharren sie ganz ruhig: dann senkt plötzlich einer der Hähne den Kopf, bringt seine Flügel in eine fast wagerechte, seinen Schwanz in eine senkrechte Stellung bläst seine Luftsäcke auf, sträubt die Federn und rennt sodann über den Boden dahin, mit ganz kurzen Schritten, aber so energisch im Stampfen, daß es klingt wie Paukenschläge; zugleich stößt er eine Art von gurgelndem Krähen aus, bas seinen Luftsäcken zu entstammen scheint, unb schüttelt feinen Schwanz mit einem lauten, schnarrenben Geräusch. Kaum hat er begonnen, so fallen bie anbern Hühner ein, stampfen, trommeln, scharren, krähen unb tanzen mit voller Wut; lauter unb lauter wirb ber Spektakel, toller unb toller ber Tanz, bis sie schließlich alle wie verrückt burcheinanberschwirren unb in größter Aufregung übereinanber hinweghüpfen."
Ein anberer tanzender Vogel ist der Ppecaha, der am La Plata vorkommt. „Eine Anzahl dieser Vögel", berichtet W. H. Hudson, „hatten ihren Versammlungsplatz auf einem Stück flachen, glatten Landes, das von einem dichten Rohrdickicht umhegt war. Zuerst stteß ein einzelner Vogel aus bem Röhricht einen lauten Rus aus, den er dreimal wiederholte; dies war der Einladungsruf, der von anderen Vögeln rings umher beantwortet wurde, in dem sie zugleich rasch der gewohnten Stätte zustrebten. In wenigen Augenblicken waren zehn bis zwanzig Stück von ihnen versammelt, und nun be
gann ein ganz schreckliches Lärmkonzert. Die Schreie, die sie ausstoßen, haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der menschlichen Stimme, wenn man sich diese Zum höchsten Ausdruck des Schreckens, der Wut, der Verzweiflung gesteigert denkt. Einem langen durchdringenden Schrei von erstaunlicher Kraft unb Heftigkeit folgt ein viel leiserer Ton, was so klingt, als habe der Vogel in dem ersten Ton seine Kraft erschöpft. Dieser Doppelruf wird mehrmals wiederholt; ihm folgen andere Töne, bie in ihrem An- unb Abschwellen an halberstickte Schmerzenslaute, an ein Klagen aus tiefster Not erinnern. Währenb bes Schreiens schießen bie Vögel auf bem Boden hin unb her, als wären sie wahnsinnig geworben, mit ausgebreiteten, zitternben Flügeln, ben langen Schnabel weit geöffnet unb senkrecht gen Himmel gerichtet."
Andere Tänzer aus der Vogelwelt sind die Kraniche. So lesen wir im Brehm über den grauen Kranich: „Dieser Vogel ergötzt sich auch, wenn ihn die Laune anwandelt, durch lustige Sprünge, übermütige Gebärden, sonderbare Stellungen, Verbeugungen, Breiten der Flügel und förmliches Tanzen ober breht sich fliegenb in prachtvollem Reigen längere Zeit über eine Stelle. Wie im Uebermut nimmt er Steinchen unb Holzstücke von ber Erde auf, schleudert sie in die Luft, sucht sie wieder aufzufangen, bückt sich rasch nacheinander, lüftet die Flügel, springt, rennt eilig hin und her, drückt durch die verschiedensten Gebärden eine unendliche Freude des Wesens aus: aber er bleibt immer anmutig und schön."
Tanzartige Bewegungen führt auch der Pfauen- kranich bei jeder Erregung aus: „Der Tänzer springt in bie Höhe, nicht selten meterhoch, breitet die Flügel ein wenig und setzt die Füße tanzend nieder, nicht immer beide gleichzeitig, sondern zuweilen einen um den anderen/ Professor Bastian Schmid berichtet von den Tänzen der Kronenkraniche, die er mehrfach beobachtet hat und die zu dem Eindruckvollsten gehören, was er gesehen hat. Die Kronenkraniche sind Wesen von mimosenhafter Reizempfänglichkeit. „Man weiß nicht, was mehr zu bewundern ist, die feine Abgestimmtheit der Farben ober bie selbstverstänbliche Eleganz ber entsprechenben Tanzbewegung. Jedenfalls macht ber Tanz, auf menschliche Verhältnisse übertragen, ben Eindruck einer mimosenhaften Empfindung für bie gegenseitig beabsichtigten Ausdrucksformen, wobei in ber Mannigfaltigkeit eine erstaunliche Karre- sponbenH liegt. Bei uns Menschen würde man unter solchen Umständen von einer Intuition bes Künstlers zu sprechen geneigt fein."


