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Nr. 34 Erster Blatt

186. Jahrgang

Montag, 10. Zebruar 1936

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Das zweite Kriegsjahr.

Don unserem römischen E.-Korrespondenten.

Rom, im Februar.

Unmittelbar nach den politischen Vorbe­reitungen, die der Sicherung der diplomati­schen Etappe dienen sollten und mit dem italienisch- französischen Januar-Abkommen scheinbar einen vollen Erfolg erzielten, begann der militärische Aufmarsch in Ostafrika: im Februar vori­gen Jahres. Damit gehört das erste Kriegsjahr der Geschichte an. Es trägt durchaus modernen Cha­rakter, es verzeichnet weder Ultimatum, noch Kriegs­erklärung, es sieht genau so aus wie das erste Jahr des japanischen Vormarsches in China. Auf die militärische Etikette wird so wenig gegeben wie auf den Knigge der Genfer Gesellschaft; wenn Japan in China nurOrdnung schafft", so bringt Italien nach Abessinien die Zivilisation, baut Brücken und Straßen, erschließt Quellen und Handelsmärkte. Die Randpromnzen des Negus unterwerfen sich frei­willig wie Manschukuo und Jehol. Nur wo den wohlmeinenden Siegern Widerstand geleistet wird, rasen die Bombenflieger und rattern die Maschinen­gewehre.

Ein Unterschied aber ist nicht zu verkennen und schürt begreiflicherweise die Erbitterung in Italien: Der Völkerbund behandelt beideAn­greifer" durchaus verschieden, obwohl es sich hier wie dort um ordentliche Mitglieder der eigenartigen Vereinigung handelt. Damit kommt eine Unbekannte in die Gleichung, und es wird fraglich, ob auch das zweite Kriegsjahr so verlaufen werde wie jenes im Fernen Osten.

Schon militärisch ergibt sich heute ein Bild, das wesentlich von den prophetischen Schilderungen vieler Politiker und Strategen abweicht. Vor einem Jahre um diese Zeit galtdie Festung Abessinien unein­nehmbar", man sprach von tier afrikanischen Schweiz, von himmelhohen, weg- und steglosen Ge­birgen, in denen der italienische Vorrttarscy rettungs­los steckenbleiben müsse. Jetzt, nach dem Durchbruch Grazianis, entdeckt man auf einmal dieS e e n - l i n i e", die sich über Abai-, Schala- und Suaisee bis nach Addis Abeba hinzieht und General Gra- ziani erlauben dürfte, von Negelli aus, dem vorge­schobensten Posten, der bereits auf halbem Wege liege, bis zur feindlichen Hauptstadt vorzustoßen. Ebenso gilt das Abschneiden der einzigen Bahnlinie nicht mehr für unmöglich, ja, es heißt, daß mit der Einnahme von Harrar der ganze Feldzug praktisch entschieden wäre.

Auch Wassermangel und Regenzeit bedrohten wie im vorigen Jahre das italie­nische Heer bis zur Aussichtslosigkeit. Jetzt erfahren wir auf einmal, daß Badoglio der trockenen, wie der nassen Teufel Herr zu werden vermag. Wasser berge der Boden zum Erstaunen der Abessinier selber im Ueberfluß und gegen den feindlichenGeneral Regen­zeit" biete Mussolini ein neues Heer von Arbeitern auf, fünfzigtausend Mann. Damit sei der Beweis erbracht, daß erstens während des Sommers kein Skilift an b in den Operationen eintreten werde, und zweitens, daß der Duce mit einem zweiten Winterfeldzug rechne. Nebenbei ergäbe sich daraus drittens, daß der Krieg mit oder ohne Oel- sperre weitergehen wird, ohne oder gegen den Völ­kerbund.

Wie denkt man nun wirklich in Rom? Was erwartet man sich vom zweiten Kriegsjahr? Wie beurteilt man die Entwicklung der Dinge? Dazu darf festgestellt werden, daß niemand, auch der Duce nicht, jene Gleichung lösen zu wollen sich er­kühnt, eben wegen der Unbekannten. Niemand will ein Prophet,nicht einmal der Sohn eines Prophe­ten sein". Im fernen Osten ist das anders, Japan weiß genau, wie weit es gehen kann: nämlich so weit es will. Ueber Italien aber liegt der Schatten des gefährlicheren Sanktionskrieges. Wer vermöchte zu sagen, nur zu ahnen, wie weit England einzu­greisen entschlossen ist? Welch ein Rattenkönig von internationalen Verwicklungen ist denkbar! Alle Möglichkeiten stehen offen. Erwägt man aber auch nur die naheliegenden, so ergibt sich eine Reihe von Lösungsaussichten:

1. Es ist möglich, um nicht zu sagen wahrschein­lich, daß es noch vor dem Beginn der Regenzeit, das heißt also bis zum April, zu entscheiden­den militärischen Erfolgen auf dem Schlachtfeld kommt, die den Hauptplan des Negus, den Krieg hinzuhalten, bis die Regenzeit einen Waffenstillstand herbeiführt, vereiteln würden. In diesem Falle müßte der Kaiser unmittelbar mit dem Sieger verhandeln, statt auf dem Umweg über Genf.

2. Der Plan des Feindes gelingt. Dann bleibt nichts anderes übrig, als den Feldzug so zu führen wie im ersten Kriegsjahr Das heißt, der Vormarsch erfolgt im gleichen Rhythmus, rote die Arbeiterarmee bie Straßen vortreibt und der Nach­schub gesichert werden kann. Keinesfalls wird das Heer in die Falle gehen, sich einem Moskau aus­setzen und im Sumps ersticken. Das zu verhüten, erging eben der Befehl des Duce: Arbeiter an die Front! (Von den angeblichen Meutereien der Frontarbeiter hat mir keiner der zurückgekehr­ten Khakikrieger etwas zu erzählen gewußt; wohl aber erfährt man auf Schritt und Tritt, daß diese wackeren Arbeiter ihr ganzes erspartes Geld in die Heimat schicken, wie man es von den italieni­schen Auswandeern gewohnt ist.)

3. Unter allen Umständen kommt es wahrend der Regenzeit zu einer Verlangsamung der militärischen Handlung und diese halbe Pause kann nicht besser als durch Friedensv erhandl u n- gen mit den Protektoren Abessiniens ausgenutzt werden Italien ist dazu bereit, sofern die Verhand­lungen auf der Grundloge seiner Mindestforderun­gen einsetzen. Die Friedensbedingungen des Negus,

Frankreichs Pakt mit Moskau.

Gcharfe Kritik gegen -en Einfluß -es Bolschewismus auf -ie innere Politik Frankreichs.

Paris, 10. Febr. (DNB. Funkspr.) Aus An­laß der bevorstehenden Kammerberatung über die Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Paktes versucht das Sowjetrußland freundlicheO e u o r e", um der Gegenpropaganda der Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen, nachzuweisen, daß Soro­jetrußland gar nicht um eine Anleihe in Frankreich nachgesucht habe. Wohl ober hätten private französische Firmen einen Kredit von 800 Millionen Franken vorgeschlagen, um den Geschäftsverkehr zwischen beiden Ländern zu be­heben. Dieser Kredit sollte aber nur unter dem Vor­behalt einer Regierungsgarantte gegeben werden. Bis zur Stunde sei die Regierungsbürgschast noch nicht erteilt worden.

Der Jnnenpolitiker desEcho de Paris" erklärt, nicht, weil Rußland kommunistisch sei, seien er und seine Freunde heute gegen bas Bündnis mit Sow­jetrußland, sondern weil es die Absicht hege, sein inneres Regime in Frankreich einzu­führen, und weil es unmittelbaren Einfluß auf das politische Leben Frankreichs nehmen wolle. So hätten Litwinow und Potemkin in Frank­reich die Volksfront gegründet.

Da man nicht gleichzeitig gegen die Kom­munisten, die ein wesentlicher Bestandteil der Volks­front seien, kämpfen und sich für die Freundschaft mit Stalin erklären könnte, müsse der Kampf ge­gen den sowjetistischen Einfluß geführt werden. Le Jour", der gegen Sowjetrußland zu Felde zieht, weil es seine Vorkriegsschulden nicht bezahle, erklärt, niemals habe Sowjet­rußland behauptet, daß es nicht zahlen könne. Es wolle eben nicht zahlen, dabei habe Stalin stolz erklärt, Sowjetrußland sei das reichste Land der Welt. Das Blatt beschwert sich bitter darüber, daß die Sowjetrussen ihre Zersetzungsarbeit in Frankreich und in Algier auch nach dem zwischen Paris und Moskau erzielten Einver­ständnis fortgesetzt hätten. Die Meutereien in Brest und Toulon hätten gezeigt, wie ungeniert die sowjetrussischen Agenten auf französischem Boden arbeiteten und wie sie, mit den notwendigen Geld­mitteln ausgerüstet, genau ausgearbeitete Pläne f ü r den Bürgerkrieg lieferten, in dessen Taktik Moskau eine besondere Erfahrung habe.

Auf einer Versammlung der Nationalen Frontkämpfervereinigung (UNC) sprach Auch der Vorsitzende dieses Verbandes, Jean G o y, sehr ablehnend über den französisch-russischen Pakt. Dieser Pakt wäre annehmbar, wenn er einen Teil von einer Gesamtheit von Verträgen darstellte, die mit allen interessierten Mächten abge­schlossen seien. Es sei aber ein schwerer Fehler, aus ihm einen allein st ehenden Pakt machen zu wollen. Die Kreise, die die Gefahren des in diesem Pakt enthaltenen automatischen B e i- st a n d e s erkannt hätten, mehrten sich immer mehr, es könne auch nicht geleugnet werden, daß der Pakt eine deutsch-französische Ent­spannung unmöglich mache.

Immer wieder Kollektivismus

London, 10. Febr. (DNB. Funkspr.)Daily Telegraph" meint, die Pariser Besprechungen hätten zur Erhöhung der Sicherheit in Mitteleuropa bei­getragen. Eine Vertiefung der Wirtschaftsbeziehun­gen zwischen den Donauländern stelle eine wesent­liche Voraussetzung zur Förderung der freundschaft­lichen Verständigung in Mitteleuropa dar. Vor allem Oesterreich, dessen Unabhängigkeit ein Angelpunkt der europäischen Politik sei, müsse eine wirtschaftliche Lebensgrundlage ge­geben werden. Der Verzicht Wiens auf feine Revi- sionsansprüche und die Zurückstellung des Gedan­kens an eine Restauration der Habsburger werde dieses Ziel erleichtern.

Nachdem das Blatt feftgefteltt hat, daß es vor­läufig noch verfrüht fei, von der Möglichkeit eines politischen Donauabkommens zu sprechen, holt es das reichlich abgegriffene Argument der deut­schen Wiederaufrüstung hervor, um die auf einen Zusammenschluß der Donaustaaten ab- zielenden Bestrebungen zu begründen. Man könne von einer Einkreisung Deutschlands sprechen, wenn es sich um Maßnahmen zur Erhöhung der kollektiven Sicherheit der sich beunruhigt fühlenden kleineren Nationen handelt. Diese Feststellungen dienen demDaily Telegraph" als Ausgangspunkt für die nicht mehr neue Aufforderung an Deutschland, sich dem kollektiven Sicherheitssystem in Europa a n - zuschließen, und durch eine solche Kundgebung seiner friedlichen Absichten die Besorgnisse seiner Nachbarn zu zerstreuen. Dies könne der Wieder­aufrüstung Einhalt gebieten und auch die deutschen Befürchtungen über' den französisch-sowjetrussischen

Beistandspakt zerstreuen. Das Blatt übersieht auch hier wieder geflissentlich, daß es gerade Deutschland war, von dem bisher von der Abrüstungskonferenz angefangen die einzigen wirklichen positiven Bei­träge zu einer auf Gerechtigkeit ruhenden Befrie­dung ausgegangen sind.

Tuchatschewfki nimmt mit dem französi­schen Geueraistab Fühlung.

Paris, 10. Febr. (DNB. Funkspr.) Der sow­jetrussische Marschall T u ch a t s ch e w s k i, der am Sonntag aus England in Paris eingetroffen ist, er­klärte Pressevertretern, er werde wahrscheinlich zwei, höchstens vier Tage in Paris bleiben. DerNero Pork Herold" bemerkt in seiner Pariser Ausgabe, daß Tuchatschewski in Poris Besprechungen mit Mitgliedern des französischen Gene­ra l st a b e s und mit Luftfahrttechnikern haben werde.

Nene Umbildung des KabinettsBal-win?

Wechsel im Marineministerium. Soll ein Wehrministerium geschaffen werden, um das Abrüstungsprogramm durchzuführen?

London, 10. Febr. (DNB. Funkspruch.)Mor- ning Post" meldet, eine zweite Umbildung des Kabinetts Baldwin, die bereits kurz vor den Neuwahlen in Aussicht gestellt worden war, werde voraussichtlich Anfang März durchgeführt werden. Der Hauptgrund für die Um­bildung sei die Notwendigkeit, den englischen Ma- rineminifter Lord Monsell zu versetzen. Lord Monsell habe wiederholt seine Absichten mitgeteilt, nur bis zum Abschluß der Flottenkonferenz im Amt bleiben zu wollen. Da man glaube, daß die Flot­tenkonferenz ihre Arbeiten bis Ende Februar ab­schließen könne, sei es wahrscheinlich, daß bereits der Nachfolger Lord Monsells die im März fälligen Haushaltsvoranschläge der Flotte im Unterhaus vorlegen werde. Das Blatt erinnerte daran, daß Winston Churchill und der Haupteinpeitscher der ^Regierung, Margesson, seinerzeit als Nach­folger Lord Monsells genannt worden seien. Ein neuer Anwärter sei auch der ehemalige Außen­minister Sir Samuel Hoare. Man glaube, daß Baldwin sobald wie möglich Sir Samuel Hoare

wieder eine führende Stellung im Kabinett verschaf­fen werde. Unwarscheinlich sei es aber, daß Hoare für den neu zu schaffenden Posten eines Wehr- ministers ausersehen sei, dem die Durchfüh­rung des englischen Aufrüstungspro- orammes übertragen würde. Vielmehr sei das Kabinett zu dem Schluß gekommen, daß der Vor­schlag, ein Wehrministerium zu bilden, dem die drei Ministerien für Krieg, Flotte und Luft unterge­ordnet würden, undurchführbar sei.

Gleichzeitig mit Lord Monsell werde Baldwin möglicherweise auch den bisherigen Luftminister Lord Swinton ersetzen wollen, der sich ebenso wie Monsell nicht mehr an den letzten Unterhaus­wahlen beteiligt hatte, und ins Oberhaus berufen worden war. Angesichts des großen Umfanges des englischen Aufrüstungsprogrammes werde jedem Personalwechsel unter den militärischen Ministerien allergrößte Bedeutung beigemessen. Man nehme an, daß es auch zu einem Wechsel in anderen M i- n i ft e r i e n kommen würde.

Wachsende Spannung in Ostasien.

Ein Vertrauter Stalins im Fernen Osten.

Moskau, 9. Febr. (DNB.) Nach Meldungen aus Chabarowsk, ist der Verkehrskommissar und be­sondere Vertraute Stalins Kaganowitsch über­raschend im Fernen Osten eingetroffen und hat dort Beratungen sowohl mit den Parteivertretern als auch mit dem politischen und militärischen Ober kommando der fernöstlichen Armee aogehalten. Ueberall soll das Dreigestirn StalinWoroschiloff Kaganowitsch sehr gefeiert worden fein. Die Werk­tätigen des Fernen Ostens wollten mit Unerschütter­lichkeit und Festigkeit ihre Heimat verteidigen. Ka­ganowitsch besuchte auch Wladiwostok. Die Charbiner Samstagpresse berichtet über militä­rische Vorbereitungen Sowjetrußlands in Sibirien, wo angeblich die Eisenbahnen un­ter militärische Kontrolle gestellt und der Abtransport aller nicht der Kommunistischen Partei angehörenden Bahnangestellten nach dem

europäischen Rußland anbefohlen wurde. Außerdem sei die Errichtung eines Hauptquar­tiers in Tschita eingeleitet worden.

Japanische Truppen an der Grenze der Aeußeren Mongolei?

Moskau, 8. Febr. (DNB.) In Moskauer Blät­tern werden Berichte aus Ulan B a t o r, der Hauptstadt der unter Sowjetherrschaft stehenden Aeußeren Mongolei, veröffentlicht, wonach es an der mongolisch-mandschurischen Grenze zu einem neuen Zwischenfall gekommen sei. Danach konnte auf dem am 19. Dezember von den Japa­nern besetzten und bisher nicht geräumten mon­golischen Grenzpunkt Bolun Dersu eine neue Bewegung japanischer Truppen beobachtet werden. In einiger Entfernung von diesem Punkt seien so­wohl Kraftwagen wie Reiterabteilungen feftgefteUt worden. Auch aus anderen Meldungen geht her­vor, daß die Japaner reguläre Truppen nach der mongolischen Grenze in Marsch gesetzt haben.

die auf eine vorhergie Räumung der eroberten Ge­biete hinauslaufen, sind natürlich indiskutabel.

4. Der afrikanische Feldzug erfährt eine Verschär­fung und Erweiterung durch das Anziehen der Sanktionsschraube, vor ollem durch die Oel- sperre. Sie wäre an sich nicht etwa gleichbedeutend mit der Einstellung der Feindseligkeiten, denn auf ein Jahr hinaus ist Italien mit Benzin genügend versehen. Aber der Kolonialkrieg würde damit ein europäisches Gesicht bekommen, sich in die Länge ziehen.

5. Alle Berechnungen von Freund und Feind, von England und Genf, werden durch den plötz­lichen Zerfall des obesfinischen Kaiser­reiches über den Haufen geworfen. Ein solcher Zusammenbruch scheint durchaus möglich, wenn man an die traurige Verfassung der Soldaten des Ras Desto denkt, an die überall auflodernden Auf­stände im Rücken der abessinischen Heerhaufen, an die Unordnung in der Etappe, die Lebensmittel­knappheit, kurz, an den Mangel an Organisation beim Gegner, dem die Italiener nicht nur weit überlegene Waffen, sondern auch ein mustergülti­ges Verpflegungswesen entgegenstellen können.

Die 6. Möglichkeit, eine italienische Niederlage, nach römischer Auffassung lediglich ein Auslands­gespinst, wird gar nicht erörtert. Kommt es zum abessinischen Zusammenbruch vor der Entscheidung der Waffen, so ist zwar der Feldzug zu Ende, aber es beginnt mit der Frage, ob England ein italie­nisches Abessinien zulassen werde, das größere Ringen. Europa tritt auf den Plan, das Kolo­

nialproblem muß angepackt werden. So ober jo wir gehen jedenfalls bewegten Zeiten ent­gegen.

Los von Frankreich.

DerKarnPf derFlamengegen das französisch­belgische Militärabkommen.

Brüssel, 8. Febr. (DNB.) Der flämische Frontkämpfer verband nimmt in seinem Derbandsorgan gegen die Erklärungen der wallo­nischen Minister' De veze und Bovesse über die Tragweite des französisch-belgischen Militärab­kommens Stellung. Unter der LosungW e g v o n Frankreich" wird in dem Artikel betont, daß die Erklärungen der wallonischen Minister, wonach das Abkommen nicht durch den Locar­novertrag gedeckt sei, und daß sich an der ursprünglichen Belastung des Abkommens nichts ge­ändert habe, im Widerspruch stünde mit den Erklärungen, die von flämischen M i n i ft e r n abgegeben worden seien, um das flämische Volk zu beschwichtigen. Durch bie Erklärungen ber beiben wallonischen Minister sei erneut beseitigt worben, daß die Einseitigkeit des Militärab­kommens nicht aufgehoben worden sei und daß es eine Gefahr für den Frieden be­deute. Weiter sei dadurch erwiesen worden, baß die vom Kriegsminister Deveze vorgeschlagenen Militärlasten wegen des französisch-belgischen Militärabkommens gefordert würden. In der Er­

klärung heißt es, daß 80 v. H. der flämischen Be­völkerung sich gegen die Erhöhung der Militärlasten auflehnten und die Kündigung des Abkvm- mens verlangten. Weiter wird zur Teilnahme an dem großen Aufmarsch des Frontkä m p - fer verbandes aufgeforbert, ber am 22. März in Brüssel gleichfalls unter bem Losungswort Los von Frankreich", ftattfinben wirb.

Der Oberbürgermeister von Brüssel hat bem flä­mischen Frontkämpferverbanb mitgeteilt, baß ber Aufmarsch von ber Stabtverwaltung zugelassen worben sei. Es wirb angenommen, baß 60000 bis 80 000 Flamen ohne Unterschieb ber poli­tischen Richtung an biesem Aufmarsch teilnehmen werben. Der Zug wirb jich durch bie Hauptstraßen Brüssels bewegen. Auf bem Großen Markt vor bem historischen Rathaus wirb ber Führer bes Frontkämpferverbanbes eine Proklamation verlesen, in ber bie Künbigung bes belgisch-französischen Mili- tärabkommens vom Jahre 1920 unb bie Einhal­tung einer ftriften Neutralitätspoli- t i k Belgiens geforbert werben wirb

Der Generalstreik ist roieber in ganz Syrien aufgeflackert. -Die von ber eingeborenen Bevölke­rung boykottierte französische Straßenbahn unb bi« Elektrizitätsgesellschaft in Damaskus mußten ihre Betriebe einstellen. Die syrische Universität unb bie Hochschulen in Damaskus ftnb geschlossen worben.