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Reichsberufswettkampf 1936.

Aufruf des Landeshandwerksmeisters.

Meister und Lehrlinge des hessischen Handwerks!

Zum dritten Reichsberufswettkampf sind allent­halben die Vorbereitungen im Gange. Für unseren handwerklichen Nachwuchs ist es Ehrenpflicht, wiederum restlos anzutreten. Die deutsche Jugend soll bei diesen Wettkämpfen unter Beweis stellen, daß der Gedanke der Leistungssteigerung und der Qualitätsarbeit für ihr Schaffen bestimmend ist.

Von den Meistern des Handwerks erwarte ich, daß sie tatkräftig und mit allen Mitteln die Durch­führung des Reichsberufswettkampfes der Hand­werkerjugend fördern und unterstützen. Freudige Mitarbeit gilt insbesondere für alle Meister, die zur Mitwirkung in den Wettkampf­ausschüssen berufen sind.

So wollen wir mit diesem Wettkampf der Arbeit Dienst leisten am Neuaufbau des Dritten Reiches.

Der Landeshandwerksmeister Hessen: (Samer.

Guter Erfolg der Werbung zum Reichsberufswettkanpf.

Die Gaujugendwaltung der DAF. teilt mit: Bei der Gaujugendwaltung der DAF. laufen täglich Meldungen ein, daß die gegenwärtige Aktion der Werbung der schaffenden Jungen und Mädels zur

Teilnahme am dritten Reichsberufswettkampf sehr erfolgreich verläuft. In den Kreisen Mainz, Ober- taunus, Unterwesterwald, Wiesbaden, Offenbach und im Kreis Limburg sind die Kontingentzahlen

Dritter Reichsberufswettkampf.

Für die Hitlerjugend ist der Reichsberufs­wettkampf das Symbol der lleberwindung der falschen Romantik der Jugendbewegung von einst, die große und klare Absage an das verschwommene Gestern. Verufswett- kampf das ist die heroische Romantik un­serer Zeit, ist das Aufbruchsignal einer Ju­gend, die zur Ration marschiert."

Baldur von Schirach.

Jungen und Mädel aller Berufe! Ihr alle müßt mitmarschieren! Meldet euch zur Teilnahme am 3. Reichsberufswettkampf vom 2. bis 15. Februar bei euren zuständigen DAF.-Jugendwaltern! Melde­schluß am 15. Januar!

bereits erreicht oder sogar überschritten worden. Von den übrigen Kreisen liegen noch keine genauen Ergebnisse vor, doch auch dort werden die Kontin­gentzahlen voraussichtlich vor dem offiziellen An- meldeschluh am 15. Januar erreicht werden.

Oberheffen.

Drillinge in Oberheffen.

LPD. Büdingen, 9. Jan. In Konrads- dorf bei Selters kam die Frau des beim Hofgut beschäftigten Kutschers dieser Tage mit D r i l l i n - g e n nieder. Eines der Kinder ist inzwischen ge­storben. Die Familie besitzt bereits sieben gesunde Kinder und ist über den neuen Familienzuwachs, trotzdem sie nicht mit Glücksgütern gesegnet ist, er­freut. Die NSV. und der Kreisleiter von Büdingen haben der Familie sofort weitgehende Unterstützung zuteil werden lassen.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 9. Jan. Am Samstag, 20.30 Uhr, veranstaltet die NSG.Kraft durch Freude" bei Gastwirt Braun einen Karnevalistischen Abend, der von namhaften Frankfurter Künst­lern ausgeführt wird. Eintritt nur 50 Pf. Der Be­such lohnt sich, da nur Gutes geboten wird.

(D Lollar, 9. Jan. Die von den Mitgliedern des N S K O V. am vorigen Sonntag durchgeführte Sammlung für das W i n t e r h i l f s lp e r k erbrachte hier einen Betrag von 135 Mark. Dieses Ergebnis ist, wie alle vorhergehenden, wieder als außerordentlich gut zu bezeichnen.

§ Mainzlar, 9. Jan. Die von den Bauern­schaften im Rahmen des Winterhilfs- wertes gezeichneten Getreidemengen (Spende) ergaben innerhalb unseres Ortsgruppen­gebietes (Mainzlar, Staufenberg und Saubringen) insgesamt etwa 57 Zentner Roggen.

+ Grünberg, 9. Jan. Das hiesige Arbeits­amt (N e b e n st e l l e), das seither in der früheren Zigarrenfabrik Lindner in der Frankfurter Straße untergebracht war, plant bis 1. April eine Ueber- siedlung in die am Bahnhof gelegene G a st - wirtschaft. Damit würde die seither in dem Hause betriebene Wirtschaft eingehen. Vor knapp zwei Monaten wurde das Anwesen zwangsweise ver­steigert und von dem Landwirt und Bierverleger Karl Peppler erworben. Die erste ftäbti« s ch e Holzversteigerung, bei der Holz aus den Forstorten Kreuzstein und Bobenhäuser Kopf zum Ausgebot kam, wurde heute im Gasthaus Rappen" abgehalten. Folgende Durchschnittspreise wurden erzielt: Buchenscheit 7 Mark, Buchenknüp­pel 5 Mark und Buchenreisig 60 Pfennig je ein Raummeter.

co Eberstadt, 9. Jan. Bei der kürzlich hier durchgeführten Werbung für den Reichsluft- schutzbund wurden hauptsächlich Frauen und Mädchen als Mitglieder gewonnen. Von 106 Haus­haltungen unserer Gemeinde gehören jetzt 91 dem

Reichsluftschutzbund an. Die Sammlung für das W H W., die am vorigen Sonntag von den Kriegsopfern und Frontsoldaten durchgeführt wurde, erbrachte den Betrag von 21 Mark. Unter Lei­tung des Ortsbauernführers Gör lach fand hier im Saale der alten Schule eine gut besuchte Bauernversammlung statt, in der von dem Ortsbauernführer über die zweite Erzeugungsschlacht gesprochen wurde. In der Hauptsache beschäftigte man sich dabei mit dem Anbau von Gespinstpflan­zen. Voraussichtlich werden in unserer Gemarkung in diesem Jahre vier Morgen Flachs angebaut, deren Verteilung wie folgt vorgesehen ist: auf 20 bis 30 Morgen Land 200 Quadratmeter Flachs, auf 30 bis 40 Morgen Land 300 Quadratmeter, über 40 Morgen Land 400 Quadratmeter Flachs. Ferner wurde noch auf die Ausstellung des Reichsnährstan­des in Frankfurt a. M. hingewiesen, für die sich großes Interesse bemerkbar machte. Die Versamm­lung wurde sodann in üblicher Weise geschlossen.

* Lich, 9. Jan. Am Sonntagabend, 8.30 Uhr, veranstaltet die NSG.Kraft durch Freude" bei Gastwirt Stein einen Karnevalistischen Abend, der von namhaften Frankfurter Künstlern ausgeführt wird. Der Eintrittspreis beträgt nur 50 Pf. Der Besuch lohnt sich, da nur Gutes geboten wird.

* Li ch, 10. Jan. Nach einer Mitteilung der Bür­germeisterei sind die für die Teilung von Wohnungen und den Umbau sonstiger Räume zu Wohnungen zur Verfügung stehenden Mittel der R e i ch s z u s ch ü s s e durch die bis jetzt erfolgten Bezuschussungen erschöpft. Es ist fraglich, ob die bis zum 31. Dezember 1935 bei dem Hochbauamt in Gießen eingegangenen und bis jetzt noch nicht bezufchußten Anträge berücksichtigt wer­den können. Weitere Anträge auf die Gewährung von Reichszuschüssen sind daher zwecklos.

ID H u n g e n, 9. Jan. Die am vergangenen Sonn­tag für das Winterhilfswerk von den Kriegsopfern durchgeführte Sammlung brachte der Ortsgruppe Hungen mit den dazugehöri- gen Zellen den ansehnlichen Betrag von 219,76 Mk. Hiervon entfallen auf Hungen 118,79 Mark, Langd 16,20 Mark, Langsdorf 51,30 Mark und Villingen 33,47 Mark.

! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 9. Jan. Das milde Wetter in der ersten Woche des neuen Jahres gab den Landwirten und Garten­besitzern Gelegenheit, einzelne Arbeiten nachzuholen. In der Hauptsache wird zur Zeit Jauche auf die Wiesen gefahren. Wie in anderen Gegenden unse­res Kreises kann man auch hier feststellen, daß die Maulwürfe sehr tätig sind. Einzelne Wiesen

Auch ist sich die Gauführung klar darüber, daß ein einmaliges Stundenchorsingen wenig Zweck hat, sondern' daß erst dadurch Fortschritt erzielt wird, daß Vereine in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren sich am Stundenchorsingen beteiligen, und daß durch geeignete Steigerung der Anforderungen und durch die Einstellung der gesamten musikalischen Arbeit der Vereine auch auf die Ziele des Noten- und Vom-Blatt-Singens aus diesen Versuchen fruchtbare Ergebnisse hervorgehen werden."

Volkstümliche musikalische Ehorfeierstunden.

SBK. Seit langem arbeiten die deutschen Ge­sangvereine an einer Gestaltung von Feierstunden, die den Vereinen ein bis vor kurzem wenig beachte­tes Tätigkeitsfeld erschließen sollen. In der Deutschen Sängerbundeszeitung macht ein Mitarbeiter über Ziel und Aufgabe solcher Feierstunden nähere Aus­führungen und schreibt u. a.: Das Ziel ist in der Volkswirksamkeit des Liedes gegeben. Volksgenossen aller Kreise musikalische Feierstunden zu schenken, die bei aller Schlichtheit erheben und erbauen, ist eine Aufgabe, die jeder, auch der einfachste Chor lösen kann. Inhaltlich ist Geschlossenheit zu erwirken. Jahres- und Tageszeiten, religiöse und heimatliche Feste, vaterländische, nationale und musikalische Ge­denktage, die deutschen Landschaften und ihr Volks­tum, Naturfreude und Wanderlust, Heiterkeit und Frohsinn-, was von Uroätertagen her in uns lebt, was deutsche Arbeit besingt, deutsches Wollen unserer Zeit erfüllt das sind Stoffeinheiten, für die jedem, auch dem kleinsten Chor eine reichhaltige Auswahl an gutem Liedgut zur Verfügung steht, weiß er nur die Vortragsfolge geschickt aufzubauen. Der Auf­bau solcher Feierstunden nutze gemäß der vorhan­denen und heranzubildenden Kräfte alle Möglich­keiten aus. Kunstreiche Vortragschöre sind sparsam, volkstümliche Sätze und Volksliedbearbeitungen um so zahlreicher zu verwenden. Wichtig ist, von der Ausschließlichkeit des vierstimmigen Chorsatzes los­zukommen. Kanon und Gemeinschaftsgesang dürfen nicht fehlen. Die Liedblätter des DSB und bekannte Volksgesänge sind für den Aufbau unentbehrlich. Wünschenswert ist die Eingliederung volkstümlicher Instrumente zur Begleitung und Stützung, zum Vor­spielen oder zum Ausklingenlassen der Lieder. Geiger oder Holzbläser, Blockflöten- oder Mandolinenspieler sind heute in jeder Kleinstadt und in jedem Dorfe zu finden. Man sammele sie und bilde eine volks­verbundene Musiziergemeinde. Den Gruppenchor­leitern erwächst aus der Veranstaltung von Feier­stunden eine besonders dankbare Aufgabe. Diese herzhaft und tatfroh anzupacken, heißt unsere DSB- Chöre zu wirklichen Volkschören zu erziehen.

** Arbeitsjubiläum. Am gestrigen Don­nerstag konnte der Lagerarbeiter Karl Hofmann, Kreuzplatz 11 wohnhaft, fein 25jähriges Arbeits­jubiläum bei der Kohlenhandlung August Struck, Marburger Straße 9, begehen.

Kleine Strafkammer Gießen.

Die Eheleute H. Sch. aus Ermenrod wurden vom Amtsgericht Alsfeld wegen versuchten Betrugs zu je 40 RM. Geldstrafe verurteilt. Dagegen verfolgten sie Berufung. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde feftgeftelrt, daß oie Angeklagten nach einem Brand gegenüber der Versicherungsgesellschaft ver­brannte Wäschestücke im Betrage von 15 RM. gel­tend machten, obwohl bei dem fraglichen Brand Wäschestücke überhaupt nicht vernichtet worden sind. Die Strafkammer wies die Berufung kostenpflichtig zurück. Strafmindernd kam in Betracht, daß die An­geklagten nicht vorbestraft und durch die Tatsache, daß es innerhalb kurzer Zeit zweimal bei ihnen brannte, vom Schicksal hart getroffen waren.

Heimatvereinigung Staufenberg.

* ©taufenberg, 10. Jan. Am Sonntag, 12. Januar, wird die Heimatvereinigung Staufenberg ihre diesjährige Winteroeranstal- tung halten. Um den auswärtigen Besuchern von Gießen und Marburg entgegenzukommen, wird schon um 16 Uhr begonnen werden. Die Kapelle Zecher (Staufenberg) hat den musikalischen Teil übernommen. Der hiesige Gesangverein wird Heimatlieder singen, und auch der B D M. (Leiterin hier Frl. E. Schmitt) wird, wie immer, zur Ver­schönerung mitwirken. Im Mittelpunkt der Ver­anstaltung steht ein Lichtbildervortrag des stellver­tretenden Vereinsführers Dr. W a l b r a ch (Gie­ßen) überDie Aufgaben des Luftschutzes auf dem Lande", der von großem Interesse für viele fein dürfte. Näheres siehe heutige Anzeige.

Nicht müde werden, Annelies!

Vornan von Bernhard Lanzer.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.

30. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Mit ihrer Stimmung und Sicherheit war es jetzt vollends vorbei, überall glaubte sie sich von Spä­hern umwittert. Sie ließ sich das Gästebuch geben, aber die Namen sagten ihr nichts. Schall und Rauch, hinter dem sich alles Mögliche verbergen konnte! Sie ging im Geiste die Hotelgäste durch, mit denen sie in persönliche Berührung gekommen war, oder die sie wenigstens vom Sehen kannte. Aber auch das gab keinen sicheren Anhaltspunkt.

Aber vielleicht war es Unsinn, an so etwas zu denken: vielleicht ließ man sich ganz unnützerweise beunruhigen und unsicher machen. Und ruhige Ner­ven brauchte man jetzt doch vor allen Dingen.

Als Schulenburg am Abend kam, um sie abzu­holen, hatte sie ganz vergessen, daß man sich ver­abredet hatte. Sie behandelte ihn sehr ungnädig.

Ach ja, richtig ...!" sagte sie übelgelaunt und sichtlich zerfahren.Aber wir wollen heute lieber darauf verzichten; ich bin nicht in Stimmung. Ich habe Aerger gehabt."

Schulenburg war offenbar schwer enttäuscht. Sie hörte kaum, was er sprach. Ihr Blick bewies, daß sie sich mit einem bestimmten Gedanken beschäftigte. In der Tat überlegte sie: Wenn es wirklich zutraf, daß sie beobachtet wurde, dann war es angebracht, sich soviel wie möglich öffentlich mit Schülenburg zu zeigen. Auf diese Weise erreichte man, daß das Verhältnis zu -Günter nicht in den Bereich der Be­obachtungen geriet oder doch einen harmlosen An­strich bekam. Dieser Gedanke gab ihr etwas von ihrer Sicherheit zurück.

Sie lächelte Schulenburg mit einem dunklen Blick zu.

Natürlich, Sie armer Kerl? Sie können ja nicht dafür, und es wäre unrecht von mir, wenn ich Sie den Aerger, den mir andere Leute gemacht haben.

entgelten lassen wollte. Und vom Zu-Hause-Hocken wird es auch nicht besser. Also bann nur los, wenn Sie es auf sich nehmen wollen, mich wieder in Stimmung zu bringen."

Das werden wir mit Vergnügen und hoffentlich auch mit Geschick besorgen!" strahlte Schulenburg.

Na schön! Und nun verschwinden Sie einst­weilen wieder; warten Sie in der Hotelhalle auf mich. Ich ziehe mich nur noch schnell um und lasse meinem Chauffeur Bescheid sagen."

Sie beeilte sich denn auch. Als sie die Halle be­trat, sprang Schulenburg von seinem Klubsessel auf. Sie blieb bei ihm stehen und plauderte angeregt und auffällig mit ihm, so daß die übrigen An­wesenden es sehen mußten. In ebenso auffälliger Weise gingen sie dann zusammen hinaus zu dem Wagen, der vor dem Portal hielt.

12. Kapitel.

Korbinian Sartorius hatte beim Abendessen die Absicht geäußert, einen Bekannten aufzusuchen, der ein Liebhaber und Sammler von Altertümern war und wieder ein paar interessante und wertvolle Stücke erworben hatte. Als er sich nach dem Essen erhob, um in seine Wohnung hinaufzugehen, stand Annelies gleichfalls auf.

Ich bin gleich wieder da und bringe dir das Buch mit herunter, Tante!"

Sie flieg mit Korbinian die Treppe hinauf. Er sah ihr an, daß sie irgend etwas auf dem Herzen hatte. Nach kurzem Zögern begann sie denn auch:

Fährst du mit dem Wagen oder mit der Stra­ßenbahn, Onkel Korbinian?"

Der Bekannte wohnte ziemlich weit draußen in der ruhigen, vornehmen Weftvorstadt, so daß ihre Frage eine gewisse Berechtigung hatte. Immerhin konnte Korbinian Sartorius sich nicht denken, was sie damit bezweckte. Daß sie einen besonderen Grund dazu hatte, war klar, denn sie sah ihn mit einer gewissen Erwartung an.

Es lohnt nicht, den Wagen zu nehmen", er­widerte er.Ich fahre mit der Straßenbahn. Wenn ich nicht gleich Anschluß finde, laufe ich vielleicht auch ein Stück. Aber warum fragst du?"

Annelies blieb stehen.

Wie wär's, wenn ich dich mit meinem Wagen fahren würde? Einen weiblichen Chauffeur hast du sicher noch nicht gehabt?"

Korbinian Sartorius war sichtlich überrascht und verwundert.

Du ... ?" fragte er mit forschendem Blick.Wie kommst du denn auf die Idee?"

Sie sah unsicher und in leiser Verlegenheit zur Seite.

Ach, weiß du, Onkel ich muß mal irgend etwas tun. Irgend etwas, was ich nicht jeden Tag tue, und was mich so richtig in Anspruch nimmt. Du weißt ja am besten, wie es ist, wenn einem die Welt und der Tag zu eng werden. Ich bringe dich also hin ja? Dann fahre ich ein Stück ins Freie. Und wenn du nicht allzu lange zu bleiben gedenkst, hole ich dich auch wieder ab. Einverstan­den?"

Er begriff sie. Aber er hielt es für angebracht, sich nicht darüber zu äußern. Mit einem Scherzwort erklärte er sich einverstanden.

Sie war sichtlich froh darüber.

Nimm dir nur Zeit, ich mache inzwischen den Wagen fertig!" sagte sie mit ungewoyntem Eifer.

Dann ging sie in ihre Wohnung, um das Buch für die Tante zu holen. Als sie wieder herunter­kam, saß man ziemlich einsilbig im Wohnzimmer. Der Senator blätterte unaufmerksam in der Abend­zeitung. Günter und Frau Eugenie führten ein gezwungenes Gespräch, das erhebliche Pausen auf­wies.

Seid ihr böse, wenn ich mich mal auf ein Stündchen beurlaube?" fragte Annelies.Ich habe nämlich Dienst. Ich soll oder vielmehr, ich darf Onkel Korbinian fahren und wieder abholen. Mit meinem Wagen natürlich."

Sie traf damit auf überraschte und verwunderte Gesichter. Der Senator sah mit einem forschenden Blick stumm von der Zeitung auf. Auch Günter schwieg im Augenblick. Frau Eugenie war die erste, die sich dazu äußerte.

Wie kommt ihr denn darauf ... ? Du kannst doch auch nicht mit dem Wagen auf der Straße warten, bis der Onkel sich mit feinem Freunde aus­geklönt hat."

Das will ich ja auch gar nicht! Ich fahre in­zwischen ein Stück ins Freie und hole ihn dann wieder ab. Er wird sich ja nicht lange aufhalten."

Die Tante wollte Einwendungen machen. Am Abend, bei der Dunkelheit, ganz allein wie leicht könne da etwas passieren.

sind über und über mit Erdhaufen bedeckt, brft übrigen sind die Baumbesitzer in lebhafter Tätia- kett. Alte und verkrüppelte Bäume werden gefallt, die andern ausgeputzt. Erfreulich ist auch, daß man vielerorts zu Neupflanzungen schrettet.

Preußen.

Oie Verarbeitung von Schweinen.

Line Erklärung des Regierungsvräsidenlen des Regierungsbezirks Wiesbaden.

LPD. Wiesbaden, 9. Jan. Der Regie- rungspräsidenl hat in einem Schreiben an die zuständige Bezirksstelle des Reichsinnungsver­bandes des Fleischerhandwerks darauf hingewiesen, daß angesichts des erheblichen Ansteigens in der Be­lieferung der Schlackstoiehmärkte mit Schweinen erwartet werden müsse, daß sich dies in einem ent­sprechenden Mehrangebot an frischem Schweinefleisch in den Fleischerläden auswirkt. Bisher fei ein viel zu großer Teil der anfallenden Schweinefleischmengen und des Schwei­nefettes zu Wurst verarbeitet worden, insbesondere zu im Preise bisher freien Wurftsorten. In Über­einstimmung mit der Reichsinnungsführung des Fleischerhandwerks wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß in den nächsten Tagen sich eine er­hebliche Besserung durchsetzt. Die Polizeibehörden sind angewiesen, hierauf ihr besonderes Augenmerk zu richten. Der Regierungspräsident wird auch vor harten Maßnahmen nicht zurückschrecken, wenn ir­gendwo die Absicht heroortritt, in anderem Sinne zu verfahren.

Oer glückliche Lotteriegewinner hat sich gemeldet.

LPD. Marburg, 9. Jan. Der glückliche Ge­winner des in einer hiesigen Losevertriebsstelle ge­kauften Doppelloses Nr. 2 759 125 der Arbeits­beschaffungslotterie, auf das ein Gewinn von 100000 RM. gefallen ist, hat sich jetzt ge­meldet. Es handelt sich um einen 77jährigen Einwohner aus dem Dörfchen Burgholz bei Rauschenberg im Kreise Marburg.

Gefängnis wegen Vergehens gegen ß 175.

Frankfurt a. M., 9. Jan. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Nach mehrtägiger Ver­handlung vor der Großen Strafkammer des Land­gerichts in Frankfurt a. M. wurde der Walter Kramer wegen Vergehens nach § 175 des Straf­gesetzbuches in drei Fällen zu einer Gesamt- gefängnisftrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurteilt.

Kreis Wetzlar.

< Wißmar, 9. Januar. Der Dreschmaschinen­besitzer Karl Link von hier wurde am Mittwoch im Walde beim Holzfällen von einem herab- stürzenden A st am Kopfe getroffen und so erheblich verletzt, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.

(L Odenhausen a. d. Lahn, 8. Jan. Der hie­sige Turn- und Gesangverein hielt am Sonntag seine Generalversammlung in der Gast­wirtschaft Karber ab. Nach der Begrüßung der Mit­glieder gab der Dereinsführer Wilhelm Karber zunächst einen Bericht über das verflossene Vereins­jahr, den er mit der Aufforderung an die Mit­glieder zu weiterer reger Tätigkeit auf turnerischem und gesanglichem Gebiete schloß. Nachdem man eines verstorbenen Vereinskameraden gedacht hatte, wur­den die Berichte des Kassenwarts Hch. Schneider, des Schriftwarts Wilhelm Becker und des Zeug- warts Hch. Mahrhausen erstattet. Als Vereins­führer wurde der seitherige Leiter des Vereins Wilh. Karber wiedergewählt, der zu seinem Stellver­treter Hch. Steiß bestimmte und dann auch die weiteren Vorstandsmitglieder, die fast sämtlich in ihren Aemtern verblieben, ernannte. Weiter wurde die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister, die Erwerbung der Reichsbundpässe und die Neu­regelung des Beitrags beschlossen. Zur Hebung der Gesangstätigkeit wurde die Gründung eines Quar­tetts erwogen. Nachdem man sich noch mit mehreren bevorstehenden Veranstaltungen beschäftigt hatte, richtete der Turn- und Dietwart des Vereins, Fritz Karber, einen Mahnruf an die Jugend, die er zu eifrigem Turnen aufforderte. Der Vereinsführer schloß sodann nach einem Aufruf zu weiterer gemein­samer Arbeit und Einiakeit die Versammlung mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer.

* Rodheim a. d. Bieber, 8. Jan. Am Sonn­tag hielt die hiesige Turn- und Sportge-

Nimm doch wenigstens Günter mit!" setzte sie hinzu.

Was soll mir denn passieren, Tante!" entgeg­nete Annelies merkwürdig nervös.Ich bin doch fein Kind mehr, und ich sehe mich schon vor. Vor allen Dingen aber" ihre Stimme schwankte mit einem Male bedenklich,ich muß mal 'raus. Ich muß mal irgend etwas tun, und wenn ich nur mal für eine Stunde das Steuer in der Hand halte."

Da mischte Günter sich ein.

Laß sie nur, Mama. Wenn sie nun mal das Bedürfnis dazu hat! Sie fährt ja auch vorsichtig?"

Er war im Grunde genommen durchaus nicht damit einverstanden. Aber er sah, daß Annelies nah daran war, ihre Selbstbeherrschung zu verlie­ren. Es war ja auch Unglaubliches, was sie in der letzten Zeit zu ertragen gehabt hatte, und was sie mit fast übermenschlicher Ruhe und Geduld ertra­gen hatte. So etwas mußte auch den festesten Menschen schließlich zermürben. Kein Wunder also, wenn die Selbstbeherrschung sie einmal verließ.

Ist denn dein Wagen auch in Ordnung?" wandte er sich sachlich an Annelies.Du bist lange nicht gefahren!"

Sie hatte sich wieder gefaßt.

Sicher! Es kann sich höchstens darum handeln, Betriebsstoff nachzufüllen."

Na, wollen mal sehen. Ich helfe dir!"

Die Frau Senator fügte sich. Sie hatte gleich­falls erkannt, daß es nicht gut war, weitere Ein­wendungen zu machen.

Aber fahre nur ja recht vorsichtig!" mahnte sie nur noch einmal.

Dann gingen sie hinunter. Der Wagen war in Ordnung, auch der Betriebsstoff war noch aus­reichend. Es war ursprünglich Günters Wagen ge­wesen, und er hatte ihn Annelies geschenkt, als man vor einigen Jahren den großen Wagen ange­schafft hatte.

Sie hatten jetzt nur noch ganz sachlich mitein­ander gesprochen. Die Lichter flammten auf. Gün­ter ließ noch einen Blick über den Wagen hin­gleiten.

Viel Staat kannst du nicht mehr damit machen!"' bemerkte er mit einem halben Lächeln.

(Fortsetzung folgt!)