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Nr.8 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

ßreilag, 10. Januar (956

Aus der Provinzialhaupiftadt.

Pünktlichkeit.

Gedenktasel für Philipp Köhler, Langsdorf.

Es gibt Lebenskünstler, die behaupten, daß das innere Glück und die wirkliche Zufriedenheit nur bei solchen Menschen Einkehr hielten, die sich viel Kind­lichkeit erhalten hätteü. Das trifft in vielen Fällen zu. Ich beneide jeden Menschen, der noch unbeküm­mert und ausgelassen wie ein richtiges Kind durch das Leben wandelt.

Don dieser Kindlichkeit müssen wir Erwachsenen freilich eins abstreifen: Das ist die Unpünktlichkeit. Kinder sind fast alle unpünktlich. Die gelehrten Herren sagen, sie hätten keinen Zeitsinn. Das mag schon stimmen, aber dann müssen wir leider auch bei vielen Erwachsenen dieses Fehlen des Zeitsinnes feststellen.

Jeder von uns hat Bekannte und Freunde, von denen er weiß, daß sie zu jeder Zeit wie ver­abredet da sein werden. Das sind Menschen, auf die man sich verlassen kann, auch in ihren Hand­lungen und in ihren Taten. Dann kennen wir aber auch Lebenskameraden, die alle Versprechen in den Wind schlagen, niemals, oder immer zur falschen Zeit, erscheinen und dann vielleicht noch unbeküm­mert sagen: Ich hatte es leider vergessen.

Wir sind alle Kameraden, wir stehen nicht allein in der Welt. Wir müsfen Rücksicht aufeinander neh­men, und eine der ersten Rücksichten, die uns das Zusammenleben auferlegt, ist die Pünktlichkeit. Sie ist im menschlichen Leben einfach eine Pflicht. Da­zu müssen wir die Kinder und wenn nötig auch die Erwachsenen erziehen.

Es heißt auch, daß grauen besonders unpünktlich seien. Das ist eine Uebertreibung. Frauen, die im Haushalt tätig sind, haben vielleicht nicht solche be­stimmten Vorstellungen von der Zeit wie die Män­ner, die Punkt acht Uhr auf dem Büro erscheinen

Heute vor 25 Jahren starb in Langsdorf der weithin bekannte hes­sische Vauernführer Phi­lipp Köhler (Langs­dorf). Am 5. August 1890 wurde er erstmalig im Wahlkreise Butzbach in den Hessischen Landtag gewählt. Bis zu seinem Tode ist er hessischer Land­tagsabgeordneter gewesen. Köhler zählte zu den eifrigsten Mitgliedern des Hessischen Landtags, im Jahre 1905 wurde er zu dessen zweiten Präsiden­ten gewählt. Seit 1893 vertrat er den Wahlkreis Gießen-Grünberg-Ridda mit kurzer Unterbrechung im Reichstag. Als Bür­germeister seines Heimat­dorfes Langsdorf war er Begründer der Bürger­meisterkonferenz für den Kreis Gießen. Die hes­

sische Landwirtschaft hat Köhler viel zu verdanken. Seit 1897 war er in der Zweiten Hessischen Kammer Referent für Landwirtschaft. Der volkstümliche Mann war bei seinen Bauern äußerst beliebt, bei seinen politischen Gegnern geachtet. Alte Mit­streiter von Ph. Köhler werden heute an seinem Hause in Langsdorf eine Gedenktafel an­

bringen lassen. Bei der Gedächtnisfeier, die im eng­sten Rahmen stattfindet, wird sein politischer Nach­folger Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Werner (Darmstadt) die Weiherede halten. Steinbild­hauermeister Karl Kling (Langsdorf), der die Ge­denktafel anfertigte, legt letzte Hand an das Werk. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

und es genau um zwölf Uhr wieder verlassen. All­zu kleinlich dürfen wir nicht sein, wenn eine drin­gende Arbeit kam und die Hausfrau das Essen nicht gleich auf den Tisch bringt. Und ich habe auch noch nie beobachtet, daß nur Frauen zum Bahn­hof rennen. Hand aufs Herz: In den meisten Fäl­len sind es doch die Männer!

Wer sich einmal angewöhnt hat, pünktlich zu sein, der weiß genau, welche Zeit er zum Umziehen braucht, wieviel Minuten der Weg beansprucht usw. Er wird immer zur Stelle sein. Man muß mit der Zeit nur haushalten. Es heißt wohl: Ordnung ist das halbe Leben. Wir erweitern das und sagen: Ordnung und Pünktlichkeit gehören zum Lehen.

Frohsinn regier' die Stunde!

Ob's dir nun recht in den Sinn will oder nicht, der närrische Prinz mit der Schellenkappe und Pritsche hat die Regierung bereits in der Hand! Da hilft kein Miesmachen jetzt und keinWenn" undAber" mehr gegen fein Regiment. Wie alles im Leben in Zeiträumen schwingt, so gehören diese Wochen bis zum kommenden Aschermittwoch der Fröhlichkeit. Spießerei sei nun fern, zieht an das Narrenkleid und legt vors Auge das Visier! Fasching feiern ist gutes Recht, denn mehr als dreihundert Tage im Jahre gebieten dir Ernst und Sorge.

Ist jemand da, der eines Rezepts für die Kar­nevalszeit bedarf? Verkriechen müßtest du dich, Freund, denn dem rechten Menschen ist ein Stück Humor in die Wiege gelegt, damit er die schwersten Dinge des Daseins auch einmal auf die leichtere Schulter nimmt. Fasching feiern bei uns, das ist nicht ziellose Ausgelassenheit. Ob am Rhein oder in Franken, drunten bei den leichtbeschwingteren Münchnern oder sonstwo im deutschen Land: uns sind auch in den Wochen der Fröhlichkeit ungeschrie­bene Gesetze gegeben; keine Zwangsjacke sind sie, aber doch Wegweiser auf die Pfade des Irrgartens, in dem gern bei Wein und schönen Augen Herz und Sinne seitwärts gleiten. Und was ist schon eine Faschingserinnerung, die hinterdrein ein Katzen­jammer just noch der Vergangenheit wert sein laßt?

Doch jetzt in den Trubel des Frohsinns! Wer auch seine Grenzen kennt, wird immer aufs neue unter den Fröhlichen sein!

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

NSG.Kraft durch Freude": ab 20.30 Uhr all­gemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten und 21 bis 22 Uhr Ski-Trocken Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrEine Frau vyne Bedeutung". Gloria-Palast, Seltersweg:He­lene", auf der Bühne Antonio Bazzanella. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die selige Exzellenz". VHC., Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr Hauptver­sammlung bei Boller. Gustav-Adolf-Frauenver­ein: 20 Uhr Vortrag in der Stadtkirche von Pfar­rer May-Cilli (Südslawien). Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 18 Uhr Ausstellung des Künstlerbundes

Siadllhealer Gießen.

Heute von 20 bis 22.30 Uhr Erstaufführung des Gesellschafts-SchauspielsEine Frau ohne Bedeu­tung" von Oskar Wilde. Neubearbeitung von Karl Lerbs. Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten. 13. Freitags-Abonnement.

Vortrag in der Stadtkirche.

Am heutigen Freitagabend spricht in der Stadt­kirche Pfarrer May überEvangelisch-deutsches Ringen auf dem Balkan". (Siehe heutige Anzeige.)

Konzertverein Gießen.

Vom Konzertverein wird uns geschrieben: In sei­nem vierten Konzert bringt der Konzertoerein das Oktett von Schubert, dargeboten durch die Kammermusik-Vereinigung desStäd- tischen O r ch e st e r s , die damit zum erstenmal vor die breitere Oefsentlichkeit Gießens tritt. Wenn man bedenkt, wie selten dieses beglückend schöne Werk zu hören ist, muß man es außerordentlich er­freulich finden, daß wir nunmehr seit der Schaffung des Städtischen Orchesters in der Lage sind, eine solche Aufführung mit bodenständigen vollwertigen Kräften zu veranstalten. Das sechssätzige Werk ist mit seiner wahrhafthimmlischen Länge" zwar nahezu abendfüllend, doch sieht sich der Konzertver­ein im Einverständnis mit den jugendlichen Künst­lern veranlaßt, bei dieser Gelegenheit auch einen lebenden Komponisten zu Worte kommen zu lassen, und so wird der Aufführung des Oktetts eine Kammermusik von Sigfrid Walter Müller vorangestellt werden. Dieses reichlich problematische Merkchen wird bei manchem Kon­zertbesucher sicherlich manch bedenkliches Kopfschüt­teln erregen. Es sei deshalb darauf aufmerksam ge­macht, daß es sich hier um ein Opus 1, also ein Erstlingswerk handelt, das zweifellos berechtigt ist,

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Das Modell.

Im Auftrage der Poli­zeidirektion Gießen und im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung wird ge­genwärtig, wie wir ge­stern bereits kurz berich­teten, eine neue Anlage für eine verbesserte Ver­kehrsregelung an diesem belebtesten Platz unserer Stadt geschaffen. Vor der Inangriffnahme dieser Arbeiten jedoch wurde bereits in sorgfältiger Ar­beit von zwei Beamten unserer hiesigen Polizei ein sauber ausgearbeite­tes Modell dieser neuen

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Unser Bild oben zeigt das Modell der neuen Ver­kehrseinrichtung, das untere Bild läßt erkennen, daß das Modell ein ausgezeichnetes und anschauliches Lehrmittel darstellt. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

verkehrstechnischen An­lage geschaffen, das wir hier im Bilde zeigen. Das Modell veranschaulicht die Straßenkreuzung am Sel­terstor, zeigt die für den Fußgängerverkehr geschaf­fenen Richtungsgeländer, die Straßeninfeln und die Fahrtrichiungsschilder für den Kraftwagenverkehr. Auf dem Modell sind auch mit weißen Linien die Fahrtbewegungen für Kraftfahrzeuge und Rad­fahrer für jede vorkom­mende verkehrstechnische Situation ausgezeichnet. Dieses Modell dient der Polizei für Lehrzwecke, vor allem aber auch sol­len Verkehrssünder, so­weit sie von der Polizei im Straßenverkehr auf frischer Tat ertappt wer­den, vor diesem Modell

den erforderlichen guten Verkehrsunterricht erhalten. Eine der beiden Straßeninfeln ist bereits fertig­gestellt. Einer der Fußgänger-Ueberwege wird heute mit Hellen Steinen gepflastert und gilt mit seiner Fertigstellung bereits für jeden Fußgänger auf der entsprechenden Straßenseite als verbindlich.

sich problematisch zu gebärden, und das auf jeden Fall fesselnd genug ist, um einmal zur Diskussion gestellt zu werden.

Obst- und Gartenbauverein Gießen.

Am kommenden Sonntagnachmittag Versammlung im Hotel Hopfeld. Gartenbaudirektor Lange spricht über das Thema:Von welchen Voraus­setzungen ist der Ertrag unserer Obstbäume ab­hängig?" (Siehe heutige Anzeige.)

Emtopf'

Am kommenden Sonntag macht er sein Haus- herrnrecht bei uns wieder geltend, der Eintopf! Zwar wird er wohl in den meisten Familien auch im Verlaufe jeder Woche mehrere Male erscheinen, aber für den Sonntag behält er deswegen soch seine be­sondere Bedeutung. Denn dieser Eintopf will uns ja nicht nur an einem einzigen Sonntag im Mo­nat durch bewußte Schlichtheit beim Mittagsmahl an die leider noch immer herrschende Not in zahlreichen deutschen Familien und an unsere Ver­pflichtung zur Hilfe für diese Volksgenossen er- innnern," sondern er fordert von uns durch seine Beachtung ein ausdrückliches Bekenntnis zu der seelischen Gemeinschaft mit den deutschen Man­nern, Frauen und Kindern, die noch immer im Banne dieser Not leben. Und so wollen wir denn auch diesen Eintopf- Sonntag am 12. Januar beim schlichten Mittagsmahl begehen als einen Tag des bereitwilligen Opfers für das Winterhilfs­werk und des ehrlichen Bekenntnisses zu der Gemeinschaft aller deutschen Menschen tn allen Lagen des Lebens!

Die bcutfdie Arbeitsfront h.3 zGemeinfchaftKraft Durch freube"

Ferienfahrten der NSG.Kraft durch Freude". Gau Hessen-Nassau, im Jahre 1936.

Da die Nachfrage nach den Urlaubsfahrten der NSG.Kraft durch Freude" immer stärker wird, sind in diesem Jahre von der Gauwaltung des

Amtes Reisen, Wandern, Urlaub etwa 75 Urlaubs­züge angesetzt worden.

Es fahren sieben Züge in den Allgäu, einer in die Rhön, zwei an den Bodensee, drei in das Jnn- tal, drei in den Frankenwald, fünf in die Eifel, drei in den Harz, drei in den Schwarzwald, drei nach Borkum, einer nach Büsum, drei in die Sächsische Schweiz, drei an den Schliersee, zwei in das Erz­gebirge, drei nach Schleswig-Holstein, einer in den Spreewald, zwei in den Bayerischen Wald, einer nach Heiligendamm, zwei in das Salzachtal, zwei in die Schwäbische Alp, einer in den Chiemgau, einer in das Sauerland, zwei in das Berg. Land, einer nach Ostpreußen, zwei nach Pommern, einer in das Glarzer Bergland, einer nach Cuxhaven, einer nach Rothenburg, einer an die Mosel, einer in das Saartal, einer nach Garmisch (München), einer nach Thüringen, einer nach Berlin und acht Seefahrten.

Das genaue Programm mit den genauen Fahr­preisen wird erstmalig in dem Februarheft veröffent­licht und ist zum Preise von 10 Pf. erhältlich. Zum Unterschied vom vorigen Jahr fallen die Gutscheine über 3 Mark weg. Jeder Urlauber, der sich für eine Reise voranmeldet, muß nachweisen, falls er nicht den vollen Betrag sofort bezahlt, daß er auf einer Reisesparkarte mindestens 3 Mark gespart hat. Wenn er noch keine Reisesparkarte hat, muß er sich bei der Bezirkssparkasse eine Reisesparkarte besorgen, sofort für 3 Mark Marken lösen und diese Karte bei der Anmeldung auf der Kreisdienststelle vor­legen. Der gesparte Betrag wird von der Kreisdienst­stelle NSG.Kraft durch' Freude" gesperrt, bis sich der Urlauber endgültig anmeldet, ober aus einem dringenden Grunde von der Reise zurücktritt. Der volle Betrag für die Reise muß mindestens vier Wochen vorher bezahlt werden, andernfalls verliert der Urlauber fein Anrecht auf feinen Platz bei der geplanten Urlaubsfahrt.

GportamtKrast durch Freude'-.

Allgemeine Körperschule (Frauen und Männer). Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Damm­straße 26. Von 19.45 bis 21 Uhr in Großen-Buseck, Schule.

Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen). Von 20.30 bis 21.45 Uhr in Lollar, Kantine der Fa. Buderus.

Ski-Trocken. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Skier und Stöcke werden gestellt.

Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.

Schwimmen für Anfänger und Fort» geschrittene. Von 20.30 bis 21.30 Uhr (Frauen und Männer), Volksbad. Von 21.30 bis 22.15 Uhr (nur für Frauen).

Morgen findet folgender Kursus statt:

Allgemeine Körperschule und Wald­lauf (Frauen und Männer). Von 15,30 bis 17 Uhr, Univerfitätssportplatz am Kugelberg.

Für die Kurse: Reiten, Ski-Trocken, Hallentennis und Schwimmen werden noch Anmeldungen ent­gegengenommen.

Berufs-Ausweise

für Hausverwalter und Makler.

Die GBG. Handel meldet: Die im Jahre 1935 aus­gestellten Berufsausweise für Hausverwalter und Makler sind zwecks Abstempelung in der Zeit vom 15. bis 31. Januar 1936 auf der Dienst­stelle der Gaubetriebgemeinschaft Handel, Frank­furt a. M., Bürgerstraße 69/77, 6. Stock, Zimmer 15, vorzulegen, da sie sonst ihre Gültigkeit verlieren. Der Mitgliedsausweis zur Deutschen Arbeitsfront ist unter allen Umständen mit vorzulegen.

Geographische Charakterbilder aus den Ostalpen.

Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde brachte am gestrigen Donnerstagabend in der Neuen Aula der Universität nach kurzen Einführungsworten von Professor Dr. K l u t e einen fesselnden Lichtbilder- Vortrag des aus Frankfurt a. M. stammenden Pro­fessors Dr. M a u l l, Graz. Der Vortragende hatte sein ThemaGeographische Charakterbilder aus den Ostalpen" betitelt und gab dabei einen um­fassenden Ueberblick über das weite Gebiet dessen, was aus den Alpen wissenschaftlich zu berichten ist.

Zunächst machte er an Hand von instruktiven zeichnerischen Skizzen und wissenschaftlichen Kurven mit den geographischen Grundlagen und den wissen­schaftlichen Grenzgürtel-Verhältnissen, den Nieder­schlagsmengen im großen Durchschnitt in einer Reihe von Jahren und ihren Auswirkungen auf die all­gemeinen Lebens- und Wachstumsbedingungen, so­wie mit den pflanzengeographischen Verhältnissen und den Voraussetzungen des Klimas bekannt.

Von dieser Grundlage ausgehend führte der Vor­tragende an Hand guter Lichtbilder seine Zuhörer bann hin zu den verschiedensten Gebieten der Oft- alpen mit ihren Anschluß-Bezirken nach dem Süd­osten und den Süden. Man erhielt dabei u. a. interessante Einblicke in die Landschaft und das Volksleben der Dolomiten, weiterhin in den Bezirk der Hohen Tauern. Sodann durchwanderte man im Geiste die von dem Wald als Generalnenner be­herrschte ostalpinische Landschaft am Semmering, weiter ging's in das Enztal, hierauf in das Kärnt­ner Becken, überall schöne Städte und Landschafts­bilder schauend und starke Eindrücke von dem dort lebenden deutschen Volkstum gewinnend. Nicht min­der interessant war die anschließende Wanderung im Bild durch das steirische Randgebirge mit Graz als Ausgangspunkt, mit der gesegneten steirischen Wein­hügellandschaft, den Winzerdörfern und den Mais­feldern bis hinab in die Gegend von Marburg a. d. Drau und Reichenburg, wo sich deutsches und slowe­nisches Volkstum treffen und dadurch Grenzland­charakter zutage tritt. Schmerzlich war dabei für das Volksdeutsche Empfinden der kurze Hinweis des Vortragenden auf die Grenzziehung, bei der nach dem unglücklichen Kriegsausgang tiefe Einschnitte in rein deutsches Volkstumsgebiet zugunsten Jugo­slawiens vorgenommen wurden. Den Abschluß der interessanten Reise im Bild erlebte man mit einem Besuch in dem Gebiet der Julischen Alpen, in deren stark von südlicher Kultur durchdrungenen Orten man, ebenso wie auf Madeira, auch im Sommer mit den Schlitten durch die Gegend, die Abhänge hinauf und hinunter fahren kann.

Als Ergebnis der interessanten Rundreise konnte man nach der Schilderung des Vortragenden in Wort und Bild die Feststellung machen, daß man es im Bereich der Ostalpen mit deutschem Land und deutscher Kultur zu tun hat, in den Grenzstreifen bas beutsche Volkstum 3mar keinen leichten Stand gegenüber frembem Volkstum einnimmt, aber auch bort ber beutsche Volkstumsgebanke allezeit lebenbig wirkenbe Kraft besitzt. Die Zuhörer bankten bem Vortragenben für feine lehrreichen Schilberungen mit herzlichem Beifall.

Oie Förderung des Noiensingens in den Gesangvereinen.

SVK. Die Höherentwicklung des Chorsingens steht unb fällt mit ber Notenkenntnis ber Sänger. Leiber ist es eine feststehende Tatsache, daß weit­aus die meisten Sänger im Gesangverein keine Noten kennen, so baß ber Dirigent sehr viel Mühe barauf verwenden muß, die einzelnen Stimmen nach dem Gehör einzuüben. Der Deutsche Sänger­bund und seine Gaue haben größtes Interesse dar­an, baß bereits die Kinder in den Schulen die Notenschrift lernen, da die Tätigkeit der Vereine außerordentlich erleichtert wird, 'wenn der iunae Nachwuchs schon im Besitz der Notenkenntnisse ist. Solange der Musikunterricht in den Schulen in dieser Form noch nicht durchaeführt ist, sollen die Sänger durch besondere Lehrgänge geschult werden.

So schreibt in der DSBZ., dem Amtsblatt des Deutschen Sängerbundes, der Berichterstatter für Hessen, Prof. Dr. Noack:Das Singen nach Noten wurde bisher in den hessischen Schulen wenig gefördert, aus diesem Grunde ist in unserem Gau die Notenkenntnis unter den Sänaern noch weniger anzutreffen als andernorts. Wenn nun auch die Zukunft von der Schule her eine Besserung erwarten läßt, so gilt es, doch schon der jetzt in den Vereinen singenden Generation das Noten­singen wenigstens in Annäherungswerten anzuge­wöhnen. Zu diesem Zweck soll in künftigen Chör- leiterlehrgängen eine Trennung der Aufgaben durchgeführt werden, daß die meisten Lehrgänge ähnlichen Aufgaben dienen wie bisher, im einzelnen aber systematisch die Frage behandelt wird, in welcher Weise bringt man erwachsenen Sängern am zweckmäßigsten das Notensingen bei. Außer­dem ist es den Kreisen freigestellt worden, unter den verschiedenen Wertungssingen auch eins zu veranstalten, zu dem sich die Vereine melden, die bereit sind, einen Stundenchor einzustudieren. Es versteht sich von selbst, daß auch die Kritik dieses Stundenchores lediglich die fachliche und technische Seite beleuchtet und irgendwie klassifizierende Ein­teilung der Leistungen grundsätzlich abzulehnen ist.