Ausgabe 
10.1.1936
 
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Vorbildliche Mungslal deutscher Seeleule.

Kapitän Nielsen berichtet über den Untergang des spanischenOampfers^Vizcaya"

Der DampferCastellon" der Reederei Ro­bert S l o m a n in Hamburg kehrte dieser Tage mit den 10 geretteten Besatzungsmitglie­dern des «m 5. Januar bei Kap Finisterre unter» gegangenen spanischen DampfersVizcay a" an Bord in den Heimathafen zurück. Kapitän N i e l - s e n schilderte einem Vertreter des DNB. die Ret­tungstat seiner Besatzung, über die bereits kurz berichtet wurde.

wie ein wann, so sagke der Kapitän, habe sich die ganze Besatzung freiwillig zur Teil­nahme an der Rettungsaktion gemeldet.

DieCastellon", die sich auf der Heimfahrt von Cartagena befand, sichtete am 5. Januar, einem Sonntag, südlich von Kap Finisterre den spanischen Dampfer, der bereits sehr starke Schlagseite hatte und durch Flaggensignale zu erkennen gab, daß sich das Schiff in Höch st er Seenot befand. Der deutsche Dampfer drehte darauf sofort bei. Die Vizcaya" hatte, wie die Geretteten später berich­teten, bereits sechs Stunden bei Süd­west-Sturm im Kampf mit den Wellen gestanden und begann zu sinken. Die Besatzung hatte schon Schwimmwesten angelegt und versuchte Rettungsboote auszusetzen, was indessen bei dem starken Seegang und der Schräglage des Schiffes nicht gelang.

Kapitän Nielsen ließ nun unter großen Schwierig­keiten seinerseits ein Rettungsboot zu Wasser brin­gen, das jedoch wegen des außerordentlich schweren Wetters bei dem spanischen Dampfer nicht längsseit gehen konnte. Schließlich mußten die spanischen Seeleute über Bord springen, um von dem deutschen Rettungsboot nach und nach geborgen zu werden, das seinerseits stän­dig in Gefahr schwebte, bei einem Absinken des spanischen Dampfers vom Strudel mit in die Tiefe gerissen zu werden.

Nachdem beim ersten Versuch sechs völlig er­schöpfte Spanier geborgen und auf dem deutschen Dampfer abgesetzt worden waren, gelang es bei einer zweiten Bergungsfahrt drei wei­tere Spanier zu retten. Großes Glück hatte ein Besatzungsmitglied derDiczaya", das gleich zu Beginn des Rettungswerkes von derCastellon" aus der tobenden Flut geborgen werden konnte.

Inzwischen waren auch der estländische Dampfer M i n n a" und der englische DampferA l m a - z o r a" an der Unfallstelle eingetroffen. Nach drei Stunden ging dieVizcaya" unter. Dem estländischen Dampfer gelang es, aus den Trüm­mern noch weitere fünf Besatzungsmit­glieder zu bergen. Zwei Mann jedoch, dar­unter der Kapitän, wurden mit in die Tiefe

gerissen. DieCastellon" kreuzte nach dem Un­tergang des Schiffes noch eine halbe Stunde, um die Verunglückten möglicherweise noch zu bergen: die Suche blieb jedoch ergebnislos. Nach Aussagen der Geretteten hatte dieVizcaya" eine Maisladung an Bord und war von Bilbao nach Palma de Mallorca unterwegs. Man vermutet, daß sich die Ladung des Schiffes infolge des stürmischen Seeganges verlagert hat und dadurch die starke Schlagseite herbeiführte.

Die deutsche Rettungsmannschaft setzte sich wie folgt zusammen: Erster Offizier Jahnke, Zwei­ter Offizier Jhns, Matrose Schmidt, Matrose K r i p k e, Heizer L a t e l l und Trimmer Böhme. Bei der zweiten Rettungsfahrt traten an die Stelle von Latell und Böhme der vierte Ingenieur Bahr und der Trimmer Zopper.

Glückwunschtelegramme des Reichsverkehrsminiflers.

Reichsverkehrsminister von Eltz-Rübenach sandte an die Reederei Robert Sloman in Ham­burg folgendes Telegramm:

Ich beglückwünsche Sie und die Besatzung Ihres DampfersCastellon" zu der mutigen und erfolgreichen Rettungstat am 5. Januar, durch die 10 spanische Seeleute den Fluten entrissen wurden. Ich bitte, dem Kapitän und den Mitgliedern der Besatzung, die an dieser Rettungstat unmittelbar beteiligt waren, meinen Dank und meine Anerken­nung auszusprechen."

Neujahrsempfang beim österreichischen Bundespräsidenten.

Wien, 9. Jan. (DNB.) Aus Anlaß des Jah­reswechsels fand beim Bundespräsidenten Mik - las der übliche Empfang des Diplomatischen Korps statt. Auf eine Rede des Doyens des Diplomatischen Korps, Kardinal S i b i l i a, erwiderte der Bundes­präsident mit einer längeren Ansprache, in der er u. a. ausführte, daß das neue Jahr gewitterschwan­ger seinen Einzug gehalten habe. Vielleicht stehe Europa schon mitten in einer neuen Zeitwende mit vorläufig unbekannter Richtung. Was Oesterreich dazu beitragen könne, der Welt den Frieden wiederzugeben, solle geschehen. Die in Oesterreich bestellten Militärattaches der auswärtigen Mächte haben unter Führung des rangältesten Militärattaches, des Generalleutnants Muff von der deutschen Gesandtschaft, beim Staatssekretär für Landesverteidigung, General der Infanterie Zehner, vorgesprochen, um dem Staatssekretär und der österreichischen bewaffneten

Macht Glückwünsche für das neue Jahr zu über­mitteln.

Grenzzwischenfall im Fernen Osten.

Moskau, 9. Jan. (DNB.) Die sowjetamtliche Nachrichtenagentur Taß meldet aus Chabarowsk, daß sich an der mandschurisch-sowjetrussischen Grenze ein neuer ernster Zwischenfall ereignet habe. Ein aus der Mandschurei kommendes japanisches Flugzeug sei nach Ueberfliegung der Grenze 35 Kilometer von der Grenze entfernt, auf Sow - jetboöen gelandet. Im Flugzeug befanden sich zwei bewaffnete Japaner. Nach der Landung fei einer der Japaner bei dem Flugzeug verblieben, während der andere sich zu einem in der Nähe haltenden Bauernfuhrwerk begeben habe. Angeblich wollte der Japaner den Bauern ver­anlassen, sich zusammen mit ihm zum Flugzeug zu­rückzubegeben, während dieser den Japaner fest- nehmen wollte. Es sei zu einem Kampf gekom­men. Der Bauer habe den Japaner verletzt. In­zwischen seien zwei Grenzsoldaten herbeige- e-ilt. Zwischen ihnen und dem zweiten Japaner sei es zu einem Kugelwechsel gekommen. Dabei sei der zweite japanische Flieger verletzt worden. Beide Japaner wurden schließlich nach dem nahe­gelegenen Dorf Pokrowka gebracht.

Säuberung in Nordchina.

P e i p i n g , 9. Jan. (DNB.) In den letzten Ta­gen sind außerordentlich viele öffentliche und geheime Hinrichtungen vorgenommen worden. Allein i n Peiping sind seit Anfang der Woche 2 0 4 öffentliche Hinrichtungen vollzogen worden. Dem Vernehmen nach stehen noch erheb­lich mehr bevor. Obwohl die Hingerichteten arößten- teils gemeine Verbrecher sind, so befinden sich unter ihnen doch auch viele Personen, die sich an Putschversuchen beteiligt haben. Das Schicksal der Hinrichtung ist auch den sogenannten Liukueitang-Banditen, von denen bereits 50 dem chinesischen Militär in die Hände gefallen sind, an­gekündigt worden.

Büchertisch.

Hans Heyck : Di e Geschichte des Skalden Jsolf Tyskossohn. Erzählung. 71 Seiten. Geb. 1,10 RM. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. (541) Von Jsolf, dem Skalden, der immer neue Weisen fang am frischen Totenhügel der Gesippen. Von Jsolf, dem Wiking, dem noch immer Taten zu tun blieben, bis sie auch ihm den Hügel schütteten zwischen den Felsen. Siebenmal hebt unsre Saga an, um Jsolf Tyskossohn gebührend zu ehren, wie auch das Schicksal ihm mit sieben harten Schlä­gen den Wikingruhm geschmiedet hat.

Ernst Wiechert: Der verlorene Sohn. Drama. Geh. 2,50 Mark, Leinen 3,50 Mark. Albert Langen/Georg Müller Verlag, München, 1935. (403) Das Spiel handelt von der inne­

ren Wandlung, die das Schicksal des Krieges in den Menschen bewirkt. Einer von ihnen, der Jüng­ling Johannes, ein Schwärmer und Träumer, der dem Sinn des Lebens nachgrübelt, wächst, jäh aus seinen Träumen gerissen, in die Welt des Krieges hinein und wird alsbald zur Entscheidung gerufen. Unverstanden vom Vater und geschmäht von dem einzigen Bruder, zieht er hinaus nur die sorg­liche Liebe und der tröstliche Segen der Mutter begleiten ihn auf dem Wege insNiemandsland". Ein Heimkehrer von dort, von der Härte des Kamp­fes entstellt und gezeichnet, begegnet ihm und weist ihm als Ziel die männliche Bewährung vor dem opfernden Heldentum der Mütter, die allein um das große Geheimnis wissen von Geburt und Tod und unsterblichem Leben. Still und reif geworden, fürchtet er nun nicht mehr die Schrecken des Todes, weil die Macht feines Glaubens sie überwand: er marschiert fortan in dem Heer der verlorenen und wiedergefundenen Söhne, die erweckt wurden, um zu sterben, und die starben, um ewig zu leben.

Wetterbericht

des Reichswelterdiensles. Ausgabeort Frankfurt.

Unter kräftiger Verstärkung ist ein Sturmwirbel vom Atlantik rasch zur Nordsee vorgestoßen. Er brachte uns unter stürmischen, auffrischenden süd­westlichen Winden auch in der Nacht zum Freitag Temperaturanstieg bis zu +13 Grad Celsius und verbreitete Regenfälle. Da die Wirbeltätigkeit ihren Abschluß noch nicht gefunden hat, bleibt der Ge­samtcharakter der Witterung auch weiterhin noch recht unbeständig und für die Jaheszeit zu mild, wird jedoch vorübergehend eine leichte Beruhigung und Abkühlung bringen.

Aussichten für Samstag und Sonn­tag: Fortdauer der rasch wechselnden Witterung mit häufigen Niederschlägen, aber auch kurzer da­zwischen liegender Aufheiterung, bei lebhaften süd­westlichen bis westlichen Winden, für die Jahreszeit zu mild.

Lufttemperaturen am 9. Januar: mittags 8,3 Grad Celsius, abends 8,2 Grad: am 10. Januar: morgens 8,8 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum 4,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Januar: abends 4,4 Grad: am 10. Januar: morgens 5,3 Grad

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel 2). 21. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Stein­druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

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