Ausgabe 
10.1.1936
 
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|86. Jahrgang

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Keine Llebereilung mit dem Beschluß der Oelsperre

London will kurz ireten.-Crst sorgfältige Prüfung aller etwaigen Folgen

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Bemerkenswertes zu verzeichnen.

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Das Bombardement von Dolo.

Addis Abeba, 9. Jan. (DNB.) Die Unter­suchungskommission des Internationalen Roten Kreuzes, die sich im Flugzeug nach Dolo begeben hatte, soll festgestellt haben, daß die Zeichen des Roten Kreuzes der schwedischen Station weithin sichtbar gewesen seien. Entgegen der italienischen Behauptung habe nicht nur eine Bombe in der Nähe der Zeltambulanz eingeschlagen, sondern wenig st ens 20 Bomben seien planmäßig auf die Roten-Kreuz-Zelte abgeworfen worden. Außer­dem sollen die Zelte über 400 Einschußöffnungen von Maschinengewehrfeuer aufgewiesen haben. Ein Bericht ist nach Genf abgegangen.

den ausgegeben, wo man dem Feind durch das hsrüberziehen von Hilfstruppen in das eigene Lager Abbruch tun kann. Zum Geld gesellen sich natürlich

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Agentur Reuter geschaffen hat, wird immer be­dauernswerter. Die Reuternachrichten über die Abreise derAlpini aus Meran sind völlig phantastisch. Die Alpiniabteilungen sind in tadelloser Ordnung abgefahren, inmitten der Be­geisterung der Bevölkerung, wie Tausende von Zeu­gen bestätigen können. Durch die dauernde Ver­öffentlichung von Lügen entehrt sich die englische Agentur. Dieses Verfahren ist auch nicht geeignet, die Stimmung zwischen den Völkern zu verbessern." Auch die italienische Botschaft in Lon­don veröffentlicht folgende Mitteilung:Die Ge­rüchte über eine angebliche Unzufrieden­heit unter der Bevölkerung von Alto Adige und über die Fahnenflucht von Wehrpflichtigen dieses Gebietes entspre­chen in keiner Weise der Wahrheit."

mindestens 100 Batterien mit Schein­werfern und Zielvorrichtungen in Bereitschaft gebracht werden, wozu die bestehende Küsten­abwehrbesatzung um 10 000 Mann verstärkt werden müßte. Das alles würde übrigens nicht ausreichen, wenn nicht die Jagdflugzeuge Tag und Nacht einsatzbereit wären. Aber hierüber könne man keine genauen Angaben machen.

Wenn Frankreich gar eine T e i l m o b i l i s i e - rung an der Alpengrenz'e vornehmen wollte, wie sie das Rekrutierungsgesetz vorsehe, dann müßte es gewisse Jahrgänge der er st en Reserve von in Südostfrankreich ansässigen Reservisten und wohl auch noch einen oder zwei Jahrgänge der dor­tigen zweit en Reserve einberufen. Durch das französisch-italienische Abkommen sollte gerade diese Mobilisierung des Alpen-Heeres, die sich auf drei Armeekorps erstrecke, vermieden werden, falls Frankreich angegriffen werde. Frankreich habe also nur Vorteile von einer wohlwol­lenden Neutralität Italien gegenüber. Man sehe nun, was für Ausmaße der Befehl des Alarmzustandes auslösen würde, denn es wäre un­klug, wenn man nur Teilmaßnahmen träfe, ohne den ganzen Sicherheitsapparat sich abwickeln zu lassen. Obwohl Frankreich nicht übersetzen dürfe, daß das ganze italienische Volk vor den Toren Frankreichs aufgeboten sei und Leben wie im Kriege führe, so sei es doch für Frankreich verfrüht, ähnliche Entschlüsse zu fassen. Den Franzosen genüge die Gewißheit, daß die Anwendung dieser Maßnahmen unverzüg­lich möglich sei.

Frage treffen; indessen hätten sowohl das Kabinett als auch das Foreign Office bereits den Gedanken fallengelassen, daß England auf dem Gebiete der Sühnemaßnahmen von neuem die Initiative er­greife. Das sei der Grund, warum Laval in dieser demonstrativen Form England die Unterstützung der französischen Flotte anbiete, denn er wisse, daß die Hilfe der Flotte nicht benötigt würde. Es werde daher Sache der kleineren Mächte sein, mit oder ohne Unterstützung Sowjetruß- l a n d s das Oelausfuhrverbot vorzuschlagen.

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Rudolf ifen aus der ,in starkem leger Franz belegte und M schlug. -

abessinischen Meldungen über die Zurückeroberung der Landschaft T e m b i e n werden als vollkom­men falsch bezeichnet. Ebenso die Nachrichten, wonach in Dagabur ein ägyptisches Feld­lazarett von italienischen Flugzeugen m i t Bomben belegt worden sei. Auch alle Nach­richten, wonach italienische Truppen den Gas­krieg begonnen hätten, werden entschieden b e - st r i t t e n.

London, 10. Jan. (DNB. Funkspruch.) Aus Mitteilungen der Morgenblätter geht hervor, daß sich die britische Regierung bis auf weiteres noch nicht für oder gegen eine Oelsperre gegen Italien festlegen wird. Wie derDaily Telegraph" meldet, wolle die englische und die französische Regierung zunächst die genaue Bedeutung feststellen, die der Roosevelt sch enNeutralitätserklärung beizumessen sei. Die beiden Regierungen wünschten eine Aufklärung verschiedenerPunkte, bevor ihre Außenminister am 20. Januar nach Genf gehen, wo die Frage der Oelsühnemaßnahmen mög­licherweise erneut aufgeworfen wird. Die britische Regierung sei der Ansicht, daß alle Gesichts­punkte dieser Frage in Genf eingehend er­örtert werden müßten, bevor eine Entscheidung fallen kann. Eine solche Entscheidung müßte d i e unmittelbaren und möglichen Folgen der Oelsanktionen in Rechnung ziehen, sowie ihre wahrscheinliche Wirksamkeit und ihre Erwünschtheit. Der Leitgedanke müsse dabei die baldmöglich sie Wiederher st ellung des Friedens sein.

Morning Post" schreibt, daß das britische Kabinett folgende Hauptbetrachtungen anstellen müsse:

1. Ob eine Oelsperre gegenwärtig mit weniger großer Wahrscheinlichkeit zu einer kriegerischen Gegenmaßnahme Italiens führen würde als im September;

2. inwiefern die Lage durch die französi­schen Flottenbewegungen und das neue amerikanische Neutralitätsgesetz be­rührt werde; und

3. in welchem Ausmaß d i e Entrüstung der Oeffentlichkeit gegen den Pariser Friedens- plan durch die tiefgehende Wirkung a b ge­schwächt worden sei, die die Verteidigung Sir Samuel Hoares hervorgerufen habe.

Daily Expreß" schreibt, daß England auf der Völkerbundsratssitzung nicht auf eine Oel­sperre bringen werde. Man werde erkläre^, daß die Wirksamkeit der bestehenden Sühnemaß­nahmen ausreichen und daher eine neue Sanktion, die Kriegsgefahren mit sich bringe, unnötig fei. Nach den in London einlaufenden Berichten feien sowohl die innere Wirtschafts­lage Italiens als die militärische Lage in Abessinien ernst. Innerhalb der nächsten drei Monate fei mit einem neuen Friedensoorschlag zu rechnen.

Der liberaleS t a r", ein Blatt, dem stets auf dem Gebiet der Sühnemaßnahmen nicht genug

Straße von Cacciamo nach A d u a und von Abbi Addi nach Abaro. Gleichzeitig seien starke Kräfte auf die Gheralta-Provinz in Bewegung gesetzt worden, um die italienischen Truppen, die zwischen Gheralta und Makalle Stellungen bezogen hätten, von ihren rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden.

Der italienische Heeresbericht dementiert.

Nichts Bemerkenswertes zu verzeichnen."

Rom, 9. Jan. (DNB.) Die amtliche Mitteilung Nr. 92 gibt folgenden italienischen Heeres­bericht bekannt:

An der Front im Süden von Makalle sind mit unserem Artilleriefeuer große feindliche Verbände zerstreut worden, die sich dem Guabat-Fluß genähert hatten. Die Luftwaffe hat leichte Bombenangriffe auf bewaffnete Grup­pen durchgeführt, die im Norden des Tzellomtigebie- tes in Sicht gekommen waren. Auf dem Rest der Erythräa- und von der Somalifront ist nichts

Addis Abeba, 9. Jan. (DNB.) Von abessini­scher Seite wird gemeldet, daß der Rückzug der italienischen Truppen an der Nord­front unter stärkstem Druck abessinischer Streit­kräfte weiter anhalte. Man erklärt, daß die Italiener sämtliche Dörfer, durch die sie auf ihrem Rückzug kommen, niederbrennen. In den Meldungen wird hervorgehoben, daß die abes­sinischen Truppen mit äußerster Erbitte­rung kämpfen. Während der Gefechtshandlun­gen habe ein kaiserliches Flugzeug die Linien über­flogen. Die Abessinier sollen in Gruppen zu je 20 Mann die stark mit Maschinengewehren gespickten italienischen Feldstellungen und Blockhäuser ge­stürmt haben, deren Besatzungen nahezu vollständig niedergemacht worden seien. Die italienischen Truppen sollen, nachdem fünf Bollwerke von den Abessiniern gestürmt wor­den seien, ihre übrigen Stellungen geräumt haben.

Die Nordarmeen der Abessinier sollen seit zwei Tagen den Vormarsch vom Abschnitt Makalle aus in nördlicher Richtung begonnen haben. Der Angriff auf die Provinz Tem - b i en sei durch vorgeschobene Abteilungen der Ar­mee Ras Seyoums mit Scharfschützen vorbereitet worden. Am 6. Januar habe der Angriff begonnen, und am 7. Januar abends fei d i e Tembien- Provinz vollständig in Händen der Abessinier gewesen. Die Italiener, die wegen starker Regenfälle nicht mit einem Vorgehen der abessinischen Truppen gerechnet hätten, seien durch den Angriff überrascht worden und hätten kaum Widerstand geleistet. Die Vorhuten der Abessinier bewegten sich weiter nach Norden auf der

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geschieht, befaßt sich mit den französischen Flotten­bewegungen in durchaus abfälliger Weise. Es be­zweifelt ihren taktischen Wert und meint, daß diese Maßnahme keinerlei Eindruck auf diejenigen machen werde, die eine ehrliche Anwendung von Sühnemaßnahmen wünschten.Star^ erlaubt es sich sogar, von einemBluff L a - oals" zu reden, der nichts anderes bedeute, als daß das Oelausfuhrverbot in noch weiterer Ferne liege als zuvor. Das britische Kabi­nett müsse noch eine formale Entscheidung in dieser

Paris, 9. Jan. (DNB.) DerPetit Parisien" bringt eine Aufstellung über d i e Verteidi­gung s m i 11 e I, die Frankreich im Falle der Ge­fahr im Mittelmeer einzusetzen hätte. Ge­genwärtig beschränke sich Frankreich darauf, das vollzählige 1. Geschwader im Mittelmeer zu be­lassen. Dieses setze sich zusammen aus der 1. und der 3. Leichten Division mit fünf 10 000-Tonnen- Kreuzern, einer aus 9 Torpedobootzerstörern be­stehenden Flottille, 10 Torpedobooten, 1 Flugzeug­träger, der 3. U-Boot-Flottille mit 7 Hochseebooten und 15 Küsten-U-Booten vor Toulon und Bizerta. Wenn nun Frankreich ähnlich wie England im Mittelmeer Alarmbereitschaft anordnen wollte, müßte es zunächst die Bestände des 1. Ge­schwaders und des 3. und 4. Flottenbezirks a u f Kriegsstärke auffüHen, d. h. 1 Kreuzer, 3 Torpedobootszerstörer, 7 Torpedoboote und etwa 25 U-Boote seefertig machen und als 'Besatzungen etwa 6000 Mann einberufen. Außerdem müssen d i e Kriegshäfen Toulon und Bizerta, sowic-. auch alle großen Handelshäfen an der südfranzösischen und an der französischen Nordafrika­küste in Verteidigungszustand gesetzt und mit Netzen und gegebenenfalls sogar mit Minen abgedeckt werden.

Ein Küstenüberwachungsdienst müßte einsetzen. Für alle diese Zwecke würde die Kriegs­marine eine ziemlich beträchtliche Anzahl Reser­visten einziehen und bedeutendes Material an Bag­gern und Küstenfahrzeugen, alles in allem etwa 100 an der Zahl, beschlagnahmen müssen. Für den Küsten- und Luftschutz in Südfrankreich müßten

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die Bolschewisten schon seit Jahren Gebrauch. Sie senden in allen Sprachen, sie wenden auch alle möglichen Kniffe an, um die von ihnen nicht be­herrschten Volker in ihrem Sinne gegen die herr­schende Staatsordnung aufzuwiegeln. Gegen die feindliche Rundfunkpropaganda kann sich ein Staat durch die Beschlagnahme aller Rundfunkapparate sichern. Dennoch werden die notorischen Staats­feinde, die unter allen Umständen mit dem natio­nalen Gegner zusammenarbeiten, Gelegenheit fin­den, auf dem Rundsunkwege ihre Weisheiten aus dem Auslande zu beziehen, um sie nun in ihrem Volke herumzureichen. Dem feindlichen, tendenziösen und lügenhaften Nachrichtendienst begegnet daher ein Volk am besten durch die eigene Aufklärungs­arbeit im Rundfunk. Folglich wird man auf die Beschlagnahme des Rundfunkgeräts verzichten müs­sen. Vor einigen Wochen war übrigens die Rede davon, daß die italienische Regierung alle Radio­apparate hat versiegeln lassen. Die Meldung hat sich nicht bewahrheitet. Jeder Italiener kann anti- italienische Sendungen Horen. Dennoch hat die nationale Geschlossenheit nicht gelitten. Im Gegen­teil: die italienfeindliche Propaganda hat den Wider­stand noch verstärkt.

Im Ergebnis bleibt also festzustellen, daß jedes Volk versuchen wird, unter Ausnutzung aller technischen Mittel die Waffe der Propaganda den militärischen Waffen an die Seite zu stellen und den Gegner moralisch zu zermürben, gleichzeitig aber den eigenen Widerstandswillen zu stärken. In der Pflege der nationalen Kampfkraft liegt jedoch der Schlüssel für den Erfolg oder Miß­erfolg der feindlichen Propaganda. Ist ein Volk von der Notwendigkeit des Krieges, den zu führen es gezwungen ist, restlos überzeugt, ist auch der letzte Mann an der Front wie in der Heimat von dem Willen beseelt, bis zum Siege auszuharren, dann bleibt das Gift der feindlichen Propaganda wirkungslos. In der Geschlossenheit der Nation und in dem unerschütterlichen Glau - ben an die Sache, für die sie kämpft, liegt auch der Sieg über die feindliche Zersetzungspro­paganda. Wenn es in der Propaganda ein Über­raschungsmoment gibt, dann ist es das der erfolg­reichen Arbeit im Innern, die die propagandlstifche Offensive des Feindes zerschellen laßt und damit das Hinaustragen der eigenen Propaganda ins Ausland begünstigt. Denn nur die Völker können andere Nationen beeindrucken, die auch in der höch­sten Not das Vertrauen in fi cf) selbst nicht verlieren.

Agenzia Stefani gegen Renier.

Rom, 9.Jan. (DNB.) Die AgenziaStefani rich­tet folgenden scharfen Angriff gegen das Reuter- büro: 'Das L ü g e n s y st e m, das die englische

Abbruch tun kann.

alle möglichen Versprechungen. In Italien werden zudem alle Register der Pressepropaganda gezogen, mit dem nicht zu unterschätzenden Ergebnis, daß bcs italienische Volk wie ein Mann dasteht und

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Eine Waffe, von der man nicht spricht.

Jedes Volk kennt die militärische Stärke seiner Nachbarn. Es ist im wesentlichen über die Ver­teidigungsanlagen, über die Kriegsmaterialvorräte, über alle neuzeitlichen Waffen und das Durchhalte­vermögen der es umringenden Nationen unterrich­tet, so daß etwaige Kriege für den einen wie den anderen kaum irgendwelche nennenswerten techni­schen Überraschungen bringen werden. Man weiß »eben so gut Bescheid, daß man sich z. B. an den Verhandlungstisch setzen kann, um die Flotten­stärken unter Berücksichtigung der Tonnage, der Geschwindigkeit, der Geschützkaliber abzustimmen. Im Ernstfall liegt das Ueberraschungsmoment ledig­lich in der L e i st u n g s f ä h i g k e i t des einzelnen Kämpfers, in feiner körperlichen wie moralischen Widerstandskraft und in dem Grad seiner Waffen- ousbildung sowie in der Güte des zum Einsatz ge­langendem Kriegsmaterials. Wir brauchen nur an Skagerrak zu erinnern. Hier waren es die vorzüg­lichen Schießleistunaen der Artilleristen sowie die vorbildliche Flottenführung, die den Siegeslorbeer der deutschen Seite sicherten.

Überraschungen konnte es höchstens auf dem Gebiete des Gaskampfes geben. Da man vorn Gas herzlich wenig spricht, mochte man annehmen, daß die Volker hier tatsächlich sehr viel voreinander zu verbergen haben. Ganz so schlimm wird es iedoch nicht sein. Denn in den langen Jahren nach Jem Kriege ist nicht bekannt geworden, daß Gase angefertigt wurden, die über die Höchstleistungen während des Weltkrieges hinausgehen. Hält man noch Ausschau nach anderen Waffen, die unbekannt and oder von deren Wirkung wenig in die Öffent­lichkeit gedrungen ist, so stoßt man überall ins Leere. Bis auf eine Waffe, von der überhaupt niemand spricht: das ist die Propaganda!

Diese Waffe war schon vor dem Kriege da, ihr Wert wurde auf deutscher Seite leider nur von wenigen Männern erkannt. Sie wurde mit voller Wucht in den Kriegsjahren gegen uns einaesetzt, jte wurde noch lange Zeit danach scharf gehandhabt, :m dann langsam wieder zum ausschließlich Politi­ken Instrument zu werden. Seine ständige An­wendung der Propaganda durch den Politiker ist Iie beste Gewähr dafür, daß diese Waffe auch für en Kriegsfall scharf bleibt. Wie aber wird im Ernstfall ihre Handhabung sein? Wie werten die iVopaganbaorganifationen aussehen, was wird Tjtin aus dem Kriege gelernt haben und wie wer­ten sich die Kämpfenden gegen die feindliche pro­pagandistische Einwirkung zur Wehr setzen? Das smd Fragen, die sich nicht so rasch beantworten lassen, die vor allem zu Fehlantworten verleiten tonnen, weil das Propagandainstrument die Waffe Ti, mit der man sich in militärischem Sinne offent- Ich herzlich wenig beschäftigt hat, so daß Ausein- cndersetzungen darüber nennenswerte Anhaltspunkte über die Organisationen nicht geben.

Ob echte Ueberraschungsmomente propagandisti­scher Art bei kriegerischen Auseinandersetzungen c ntreten werden, bleibt abzuwarten. Nach der tech- rischen Seite hin weiß jedes Volk, wie es sich enigermaßen schützen kann. Es bleibt also ledig­lich die Geschicklichkeit des feindlichen Propagan- t sten, seine Idee und deren Wirkung. Im Gran- (haco-Krieg hat es propagandistische Ueber- rsschungen nicht gegeben. Auch im Abessinien- Lonslikt sind die Bahnen der Kriegszeit nicht verlassen worden: die einen behaupten, Siege er­ringen zu haben, die anderen versichern das Gegen- tiil. Gewisse Roheitsakte werten benutzt, um auf Sin Kampfeswillen der eignen Krieger einzuwirken, en Gegner aber der moralischen Verurteilung durch le übrigen Völker auszuliefern. Geld spielt eben- ills die alte Rolle: es wird dort mit vollen Hän-

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ist jetzt für Frankreich am vorteilhaftesten

Militärische Vorbereitungen unzweckmäßig und kostspielig.

bereit ist, alle Entbehrungen zu tragen, die die I Lonktionen auslösen.

Umgekehrt macht sich aber auch seit langem schon bk Propaganda des hauptsächlichsten politischen Gegenspielers Italiens im Abessinienkonflikt be­merkbar. Diese Propaganda erreicht gegenwärtig zewisse Höhepunkte in der Berichterstattung über dit Ereignisse in Abessinien. Man trägt in London zi-mlich dick auf und spricht von empfindlichen Ülieberlagen der Italiener, wobei man allerdings viiß, daß die Loslösung der italienischen Truppen vom Gegner planmäßig erfolgt und sich in der Achtung einer Verkürzung der Fronten bewegt. Aus bestimmten Gründen soll aber die italienische Wjugsbewegung zu einer kopflosen Flucht ge­stempelt werben. Hier wird sich nun zum erstenmal in der Nachkriegszeit zu zeigen haben, wie eine ierdenziöse Berichterstattung auf den Abwehrwillen tires Volkes wirkt.

Am besten ließ sich die propagandistische Waffe in der Vergangenheit natürlich durch die Macht handhaben, die am leichtesten alle Welt mit Nach- nt)ten versorgen konnte. Das war England wchrend des Krieges. Heute nützt es nichts mehr, tu Kabelwege zu beherrschen. Der Rundfunk, der ib>r die Fronten hinauswirkt und in jeden Winkel le; Erdballs bringt, kann für den Schwachen, wenn tr tüchtige Propagandisten besitzt, zum wertvollen ^unbesgenoffen werden. Allerdings muß sich der dwpagandift immer in die Geistesverfassung der Wer hineinversetzen können, auf die er einwirfen titr deren direkte oder indirekte Hilfe er schließlich erreichen will. Dom Rundfunk machen übrigens