18b. Jahrgang
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Hr. 288 Erster Blatt ;8b. Jahrgang Mittwoch, 9. Dezember 1956
aaMetm "glich autzer MMWM ä Ä Annahme von Anzeigen
ÄcT ÄK ßhL * M A A| ▲ AA A A| KXS
Heimat im Bild Die Scholl- B M B ™ Im WV ■ B HT Grundpretje für I mm höhe
Monatr-Vezugsprets: H W M» H ■ T ESL^ fi B B fl V H ■ B B B Ä Jr HÄM ÄV ■ für Anzeigen oon 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 MW WW Br HW Br B B llr B / B BB B B B Br B Breite 7 Rpf.. für Text-
Ohne Illustrierte . 1.80 M M Bk W M ML W H VK H A EB H H W tt B B Bk B anzeigen von 70 mm Brette
Zustellgebühr.. -.25 BEL > «L BLz H B Bz W «l^Wk, W BL % wW 50 Rpf.,Platzvorschrift nach
Auch bei Nichterscheinen ■ B B B H vorh Derembg.25°/^ mehr.
Kr ff
MZM General-Anzeiger für Oberhesfen MW
poftfcheckkonlo: behördliche Anzeigen 6Rpf.
gronffurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche UniversttatsVuch- und Steindruckerei 8. Lange in Stehen. Zchnstlettung und Geschäftsstelle: zchulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel 8
Das Bodenproblem in Spanien.
Don dem Z.d.J^.-Sonderberichierstaiier.
Sevilla, Anfang Dezember.
In der nationalen Produktionsstatistik Spaniens spielt dielandwirtschastlicheErzeugung die weitaus größte Rolle. Das zeigt sich schon in der Zahl der Beschäftigten, von denen allein in der Landwirtschaft 56 v. H. tätig sind, während auf Industrie, Handel und Transportgewerbe zusammen nur 20 v. H. entfallen. Besonders stark dominiert die landwirtschaftliche Erzeugung Spaniens in der A u s- f u h r. Rach der Statistik von 1928 — im wesentlichen hat sich seitdem nichts verändert — betrug die landwirtschaftliche Ausfuhr (in Prozenten der Gesamtausfuhr) 71,6 v. H., wobei Nahrungsmittel und Getränke, Holz und pflanzlich^ Erzeugnisse sowie Tiere und tierische Erzeugnisse berücksichtigt wurden. Die Hauptausfuhraebiete für die Landwirtschaft sind in Spanien die Küstengegenden am Mittelmeer im Osten des Landes und die Südprovinzen in Andalusien um Sevilla und Cadiz.
Trotz der überragenden Rolle, die die landwirtschaftliche Erzeugung für Spanien spielt, kann aber der Lebensmittelbedarf des Landes bis heute noch nicht aus eigener Scholle gedeckt werden: Jährlich müssen Hunderte von Millionen Peseten bei einer landwirtschaftlichen Ausfuhr von 1,2 Milliarden Peseten aufgewandt werden, um eine zusätzliche Lebensmitteleinfuhr zu bezahlen. Und andererseits sind die agrarischen Ausfuhrgebiete Spaniens trotz ihrer günstigen Klima- und Bodenverhältnisse, trotz ihrer günstigen Exportlage nicht reich geworden, sondern es sind G e - biete mit großer Armut, ja mit viel Elend. Das gilt ganz besonders von Andalusien. Die Ursache für diesen auf den ersten Blick erstaunlichen Widersinn liegt ganz ohne Zweifel in der agrarischen Struktur. Sehen wir doch schon in dem zahlenmäßigen Verhältnis der selbständig und der unselbständig Erwerbstätigen in der spanischen Landwirtschaft, daß oon den in der Landwirtschaft Beschäftigten allein 70 v. H. als landwirtschaftliche Lohnarbeiter beschäftigt sind. In einigen Provinzen, so gerade auch innerhalb Andalusiens, ist dieser Prozentsatz noch ungünstiger, denn nicht weniger als 46 v. H. des Bodens sind dort im Besitze oon Großland- wirten, deren Betriebe mehr als 250 Hektar umfassen, meist jedoch noch erheblich größer sind. Nur 22,5 v. H. werden oon Bauern bewirtschaftet, deren Betriebe unter der 10-Hektar-Grenze liegen. Die Mehrzahl der landwirtschaftlich Tätigen ind also Tagelöhner, die mit sehr niedrigen Lohnätzen arbeiten und meistens auch sehr dürftig, ja ür unsere Begriffe oft unglaublich primitiv untergebracht sind. Diese Masse der besitzlosen Landarbeiter hat begreiflicherweise kein sonderliches Eigeninteresse an einer Steigerung der Erzeugung, die nur den wenigen reichen Großgrundbesitzern zugute käme. r, „
Die republikanischen Parteien der spanischen Republik haben in der Zeit ihrer Herrschaft auch m Andalusien versucht, an das Agrarproblem heranzugehen, aber wie in jedem parlamentarischen Staatswesen ist es bei Rahmen-. und Ermächtigungsgesetzen geblieben; nicht eine wesentliche Reform ist zur Durchführung gekommen. Die zunehmende Radikalisierung der spanischen Republik und endlich die unverhüllte Herrschaft des Marxismus haben gerade in Andalusien statt der so dringend notwendigen sozialen Reformen nur Desorganisation und Zerstörung gebracht. Statt den Weg einer organischen Lösung über die Bauernsiedlung einzuschlagen — es gibt Beweise genug, daß sich auch der Südspanier, wenn man ihm Selbständigkeit und Verantwortung läßt, zur intensiven Kleinlandwirtschaft eignet, wurde alles beim alten gelassen und höchstens an den Symptomen herumgedoktert. Es wurden so z. B. die Löhne erhöht und die Arbeitsstunden schematisch und nicht einmal im Sinne der Arbeiterschaft fest- aesetzt
Diese Politik steigerte sich unter der eigentlichen Marxistenherrschaft nach berühmten Muster bis zu der offenen Aufhetzung der Stande gegeneinander Die Landarbeiter wurden ausgewiegelt, immer phantastischere Löhne (gemessen an der Rentabilität der Betriebe) ZU fordern, und die Forderungen auf Verkürzung der Arbeitzeit nahmen im Laufe der Zeit auch solche Ausmaße an, daß selbst die Fordernden nicht mehr an ihre Durchführbarkeit glauben konnten. Den Grundbesitzern wurde gleichzeitig aufgegeben auf ihren Gütern Arbeitslose zu hohen Lohnsätzen zu beschäftigen, ohne daß darauf Rücksicht genommen wurde wieviel Arbeiter der Betrieb überhaupt beschäftigen konnte. Es sind Fälle vorgekommen wo auf den Gütern in dieser Zeit dreimal soviel Arbeiter beschäftigt werden mußten, als für die Bewältigung der Arbeiten im Höchstfälle nötig waren. Das war besonders in der Provinz Sevilla eine Ka astrophe, da hier im letzten Winter durch Hochwasser ohnehin schon große Schäden für die Landwirtschaft entstanden waren. . , .
In Estremadura, in Kastilien und auch m Andalusien, hat der Marxismus, unfähig, eme neue Struktur organisch zu entwickeln, die großen Güter stellenweise planlos unter der Bevolk- rung und all dem hergelaufenen Volk, das ftd) b reichern wollte, aufgeteilt. Die Folge war in fast 100 v. H. der Fälle, daß die Parzellen viel zu klein waren — so klein, daß sich l?re fähigkeit schon nach ganz kurzer Zeit erw . sonders kraß trat das in Erscheinung in den - biete« der extensiv bewirtschafteten großen Qüter, die im Sommer und Herbst völlig ver
Frontkameradschafi sichert -en Frieden.
Der Reichskriegsopferführer beim Empfangsabend des Außenpolitischen Amts der RGOAp.
Berlin, 8.Dez. (DNB.) Das Außenpolitische Amt der NSDAP, veranstaltete im Terrassensaal des Hotels Adlon einen Empfang für die auswärtige Diplomatie und Presse. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Reichskriegsopferführers Oberlindober über das Thema „Der Frontsoldat und der Frieden". Wieder hatte eine stattliche Schar von Gästen der Einladung Folge geleistet. Man sah unter den Vertretern der auswärtigen Diplomatie den türkischen Botschafter Exzellenz Hamdi Arpag, die Gesandten oon Bolivien, Columbien, Estland, Griechenland, Oesterreich, Rumänien und Ungarn, sowie Vertreter fast aller übrigen in Berlin akkreditierten Vertretungen, den Vorsitzenden des Verbandes der ausländischen Presse in Berlin, P. Lochner, und den stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes ausländischer Pressevertreter von Kügelgen. Von deutscher Seite nahmen zahlreiche führende Persönlichkeiten aus Partei und Staat an dem Empfangsabend teil.
Der Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Reichsleiter Alfred Rosenberg, begrüßte die Gäste. Er betonte, daß es gerade heute angesichts der allgemeinen Nervosität, die sich allenthalben in der Welt bemerkbar mache, und im Hinblick auf die drohende Gefahr der Ausbreitung des Bolschewismus angebracht fei, der Stimme des Frontsoldaten Gehör zu verschaffen.
Reichskriegsopferführer Oberlindober
ging von dem Gedanken aus, daß sich in den Kämpfern des Weltkrieges bereits in den Schützengräben die Ueberzeugung bildete, daß der Einfluß der Frontgeneration sich in einem kommenden Frieden auf alle Entscheidungen im Leben des Volkes auswirken müsse. Neben der Achtung vor dem Gegner, die der deutsche Frontsoldat als bestes Fundament für den wahren Frieden erkannt habe, sei in ihm der Glaube verwurzelt gewesen, daß die Erziehung der Besten der Nation zur Kameradschaft im Kriege zwangsläufig auch zur Erziehung aller Schichten unseres Volkes zu gegenseitiger Kameradschaft in den Jahren des Friedens führen mußte. „Schon in den Stunden des Krieges haben wir", so fuhr Reichskriegsopferführer Oberlindober fort, „im inneren Frieden einer Nation d i e beste Gewähr für den äußeren Frieden erkannt. Das Schicksal hat nicht gewollt, daß diese Erkenntnisse deutscher Frontsoldaten sofort nach Beendigung des Krieges sich zu fruchtbarer Tätigkeit entfalten konnten. Es schien dem Frontsoldaten unfaßlich, daß Verträge unterschrieben werden konnten, die seinem Volk die Ehre nahmen, und die, weil sie unerfüllbar waren, zu neuen Konflikten mit den früheren Gegnern zu führen drohten.
Wenn eine gütige Vorsehung den Weiterbestand der deutschen Nation gewollt und bestimmt hat, dann mußte zwangsläufig aus diesen Kreisen deutscher Frontsoldaten und der ihnen innerlich verwandten deutschen Jugend die Wiedergeburt der deutschen Nation kommen. Es war das Schicksal der Nation, daß der Frontsoldat Adolf Hitler in diesem Ringen um die innere Sammlung der deutschen Seele Prediger und Künder war. Und es ist eben bedingt aus der moralischen Kraft des soldatischen Einsatzes und des soldatischen Opfers, daß der Frontsoldat Adolf Hitler heute Führer und Kanzler der deutschen Nation ist.
Wir verstehen als Frontsoldaten nichts oder nur wenig von der hohen Kunst der großen Politik, wie sie von den Diplomaten der Welt geleitet wird. Wir wollen uns auch durchaus nicht anmaßen, ihnen in ihre Arbeit hineinzupfuschen, wir aber wissen, daß die Frontsoldaten aller Länder und mit ihnen alle schaffenden Menschen ihrer Völker es als die Höch sie Aufgabe der Diplomatie sehen, der
steppen, so daß nur eine Weidewirtschaft möglich ist und auch die aus begreiflichen Gründen nur in einem auch räumlich stark extensiven Maße. Solange in diesen Gebieten eine k ü n st l i ch e B e - Wässerung oder eine natürliche Klimaänderung durch Wiederaufforstung nicht möglich ist, muß die untere Grenze für die Betriebsgrößen recht hoch liegen. Das ist nicht schwer einzusehen, aber eine soziale und wirtschaftliche Gesundung der spanischen Landwirtschaft war und ist ja nicht das Ziel der marxistischen Führer in Spanien. So kam es wie es zwangsläufig ja kommen mußte und wie es wohl auch im Sinne der Drahtzieher lag. Die mit eigenem Land beglückten Landarbeiter, die sehr bald merkten, wie man sie getäuscht hatte, ließen „ihr" Land im S t i ch , mit dem sie nichts anzufangen wußten. Sie strömten in die Städte und vermehrten dort das Proletariat, und die großen Güter Eftremaduras und Andalusiens, die zwar extensiv und nicht immer gut, aber doch schließlich bewirtschaftet worden waren, blieben nun völlig unausgenutzt und brach liegen. Das also war erreicht worden, und so sah die marxistische Agrarreform aus!
Der nationalen Regierung in Spanien steht nun aber, wenn es ihr gelingen sollte die volle Macht zu erringen, ein gutes Stuck Arbeit bevor: Denn einmal heißt es, die zerstörten Gebiete wieder aufzubauen den vernichteten Viehbestand zu erneuern, die Gebäude usw. wiederherzurichten, und zum
noch an den Folgen des letzten Krieges schwer leidenden Welt den äußeren Frieden zu erhalten und ihn auszubauen zur gegenseitigen Achtung und zum gegenseitigen Vertrauen der Völker untereinander.
Im Reich Adolf Hitlers haben wir Deutsche heute unser Volk zu jener Kameradschaft geeint, von der wir als Schützengrabensoldaten einst geträumt haben. Wir haben den Frieden gefunden zwischen Arbett- aeber und Arbeitnehmer, wir haben Frieden gefunden zwischen Stadt und Land, wir haben den Frieden gefunden zwischen den Trägern höchster Bildung und jenen, die nach den Kulturgütern einst gehungert haben und ihrer heule teilhaftig sind. Wir haben diesen Frieden gefunden, weil wir unserem Volk als Nationalsozialisten die Erkenntnis vermittelt haben, daß jeder Deutsche mit dem Schicksal der gesamten Nation unlösbar verbunden ist. Und wir haben in dieser großen Kameradschaft der deutschen Menschen eine unendliche Fülle von neuen Aufgaben entdeckt, deren Lösung die Kräfte der gesamten Nation noch auf viele Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird.
Als anständige deutsche Soldaten wünschen wir, daß alle unsere Nachbarn und jene Nationen, die gegen uns im Weltkriege gefochten haben, die gleiche innere Kameradschaft in ihren Völkern gewinnen und damit vielleicht einen erheblich schwerwiegenderen Beitrag zum allgemeinen Frieden finden, als ihn jemals juristische Formulierungen finden können. Aber wir achten das Streben anderer Nationen, ihre inneren Angelegenheiten nach eigenen
Entschlüssen zu ordnen. Allerdings sehen wir dabei voraus, daß man uns Deutschen überläßt, unseren inneren Aufbau nach den Grundsätzen zu vollziehen, die wir für das deutsche Volk als richtig erkannt haben. Bei allen meinen bisherigen Besuchen in der Heimat der Kameraden, die im Kriege unsere Gegner waren, konnte ich feststellen, daß ihre Völker die gemeinsame Zusammenarbeit ebenso wünschen wie das deutsch e V o l k. Und ich bin der Ueberzeugung, daß dieser Wunsch stärker ist als die Sehnsucht gewisser Hetzer, die europäische Welt erneut in schwerste kriegerische Verwicklungen zu stürzen.
Wir wissen als deutsche Frontsoldaten aber auch, daß die beste und dauerhafteste Verständigung und Zusammenarbeit nur möglich ist unter st a r k e n ihres eigenen Wertes s i ch bewußten Völkern. Eines Tages wird es auch gelingen, in der Erkenntnis der Notwendigkeft freundschaft- licher Beziehungen den an Rohstoffen armen Ländern den Weg zu den Rohstoffen der Welt zu eröffnen. Dann werden aus den Banden persönlichen Vertrauens Bande wirtschaftlichen Zusammenwirkens entstehen. Europa wird dann, wie ich schon einmal sagte, wohl zu klein sein für einen neuen Krieg, aber groß genug für das friedliche Zusammenwirken großer und anständiger Na- tionen."
Der Reichskriegsopferführer schloß feine Ausführungen mit dem Satze: „Der Soldat sieht, ganz gleichgültig, welchem Volke er angehört, seine heiligste Aufgabe darin, den Frieden zu schützen und zu erhalten!"
Auslese und Leistungsprinzip in der HI.
Die Ausführungen des Reichsjugendführers von S ch i r a ch vor der Presse über die Grundsätze der neuen Jugendführung auf Grund der gesetzlichen Verstaatlichung der Hitlerjugend drücken den tiefen Ernst und das starke Verantwortungsbewußtsein aus, mit dem die Reichsjugendführung an die so ungemein wichtige, ja schlechterdings entscheidende Aufgabe der Heranbildung und Schulung des Führe r k o r p s der HI. herangegangen ist. Es ist dabei nicht der schlechteste Grundsatz, wenn Baldur von Schirach es offen als seinen persönlichen Ehrgeiz ausspricht, die riesige Aufgabe der Betreuung, Organisierung und Führun g der gesamten deutschen Jugend mit der kleinsten Neichsbehörde, zahlenmäßig gesprochen, durchzuführen. Daraus spricht nicht nur der Wille zur zeitgemäßen Sparsamkeit in den Dingen der Verwaltung und des Büroapparates; daraus spricht vor allem auch die Entschlossenheit, mit dieser kleinsten Reichsbehörde und ihren Mitgliedern ein solches Maß an praktischer, produktiver Arbeit ;u leisten, daß jeder Beteiligte ein sehr reichliches Arbeitspensum und einen nicht geringen Teil an Verantwortung für das schöne Werk mit zu tragen hat.
Das Wesentlichste aber an den Ausführungen Schirachs scheint uns die Tatsache zu sein, daß die beiden Grundsätze der Führerauslese und der ß e i ft u n g für das Führerkorps der HI. derart stark unterstrichen werden, daß man ohne jede Uebertrei'bung sagen kann: Wer nach den neuen Ausbildungsprinzipien für die HI.-Führer so lange und so scharf unter die Lupe genommen wird, der ist „siebenfach gesiebt", der muß nach menschlichem Ermessen auch in der praktischen Führung sich bewähren. Man braucht nur einmal, ohne die übrigen Zweige der langjährigen Schulung zu berücksichtigen, die Momente zusammenzustellen, die der Reichsjugendführer jetzt in Berlin aufgezählt hat: ständige periodenweise Betrauung der Mitglieder dieser Iugend-Reichsbehörde mit praktischen Füh
rungsaufgaben, was etwa dem sehr wohl bedachten militärischen Grundsatz der gelegentlichen Betrauung junger Generalstabsoffiziere mit einem Frontkommando entspricht; ferner der Durchgang des gesamten Führerkorps durch ein modernes Zehnkampfprogramm, und zwar mit jährlicher Wiederholung, so daß also die Entstehung von Büro- und Schreibtischhockern unter allen Umständen vermieden wird; der halbjährliche Auslandsdienst mit der ungemein wichtigen, ja unerläßlichen Weitung des Blicks für den jungen Menschen; und wenn er das alles, einschließlich Arbeits- und Militärdienst hinter sich hat, wird der Bannführer- Anwärter nochmals auf Herz und Nieren geprüft, um erst nach Bestehen dieser letzten Prüfung seine Eignung und Befähigung endgültig bescheinigt zu erhalten.
Uns will scheinen, daß solche Grundsätze nur auf dem Boden einer Weltanschauung und einer Staatsauffassung entstehen können, denen die Gesetze der unbedingten persönlichen Verantwortung und des persönlichen Einsatzwillens zugrundeliegen. Und darum können die deutschen Eltern mit um so größerem Vertrauen ihre Kinder einer solchen Leitung anoertrauen, deren führende Persönlichkeit sich selbst als Treuhänder der Eltern bezeichnet. Die herzlichen, warmen Worte, mit denen Baldur von Schirach am Schluß seiner Berliner Ausführungen feststellte, daß die deutschen Eltern ihm ja seine bisherige Arbeit ermöglicht haben und daß er sich auch für die Zukunft ihrer tätigen Mitarbeit versichern muß, werden zweifellos der HI. auch weiterhin eine so starke Unterstützung des Zustroms der Jugendlichen aus dem Elternhaus sichern, wie er schon während des ganzen Jahres der Hitlerjugend zu verzeichnen war. Der Reichsjugendführer dürfte die erfreulichen Feststellungen, die er auf dem letzten Nürnberger Parteikongreß über diesen Zustrom machte, im kommenden Jahr noch weit überbieten können.
anderen erwächst ihr die schwere Ausgabe, auf weite Sicht zu planen und durch Wiederaufforstung und künstliche Bewässerungsanlagen die Voraussetzungen für eine Hebung des Wohlstandes der Bevölkerung und damit auch für die Bildung eines gefunben' Bauerntums zu schaffen.
Englands Elendsaebiete.
Die Arbeiterpartei fordert ein wirksames Gesetz.
London, 9. Dez. (DNB.) Am Dienstag behandelte das Unterhaus die Verlängerung des Gesetzes vom Jahre 1934 über d i e Elendsgebiete, das Umsiedlungen und besondere Hilis- maßnahmen für diese Gebiete vorsieht. Die Opposition ist der Ansicht, daß dieses Gesetz gänzlich unzureichend ist. Die Regierung erkennt seine Unzulänglichkeit zwar an, hält es aber doch nicht für ganz so wertlos wie die Opposition. Der Abgeordnete B a 11 e y von der Labour-Party wandte sich gegen eine Verlängerung der Dauer des Gesetzes, um so die Regierung zu zwingen, e i n neues Gesetz über die Elendsgebiete einzubringen. Dieses von der Regierung selbst als Experiment bezeichnete Gesetz habe nur Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt wurden. Den Elendsgebieten ginge es keineswegs besser als früher. Die Arbeits
losigkeit müsse in einem Ministerium zusammenfassend behandelt werden, damit dieses Problem gründlich angepackt werden könne.'
Demgegenüber behauptete Arbeitsminister Brown, auf Grund des Gesetzes könne sehr viel mehr getan werden, als man gemeinhin annehme. Es sei auf das tiefste zu bedauern, daß diese Frage noch immer existiere, obwohl der allgemeine Wohlstand wieder zunehme und Tausende von Menschen wieder Arbeit bekämen. Die Zahl der versicherten beschäftigten Personen habe in den letzten vier Jahren um zwei Millionen zugenommen. Allerdings gebe es noch immer Gemeinden, in denen von der Wiederbelebung der Industrie verhältnismäßig wenig zu spüren sei. In den fraglichen Gebieten sei eine Erhöhung der Beschäftigungsziffern von IV2 v. H. bis zu 2OV2 0. H. festzustellen. Es gebe jedoch kein Allheilmittel, das man überall anwenden könne, da jedes Gebiet feine besonderen industriellen, sozialen und geographischen Eigenarten habe. Die Regierung stehe niemandem in dem Wunsche nach, auch in diese Gebiete Wohlstand zu bringen. Sie habe aus den Arbeiten des Kommissars für die Elendsgebiete außerordentlich viel gelernt, zum mindesten das eine, daß die ganze Frage schnell g e l ö st werden müsse. Unter keinen Umständen würde die Regierung davor zurückschrecken, auch ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen. Sie müsse sich aber zuvor davon überzeugt haben, daß solche Maßnahmen auch wirksam sein würden. Die


