memfchast traten. In Wort und Bild führte der Vortragende die Zuhörer auf die Schlachtfelder im Westen. Man sah die endlosen Gräberfelder unserer Gefallenen und hörte von den Bemühungen des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge um die würdige Ausgestaltung dieser Ruhestätten. Eine Reihe von Denkmälern, im Lichtbild wiedergegeben, in denen das Erlebnis des Weltkrieges in künstlerr- scher Form seinen geläuterten Niederschlag gefunden hatte, wurde in sinnvoller Zusammenstellung gezeigt, so daß allen Teilnehmern dieses Abends ein starker Eindruck verblieb. Eine seine Belebung, Vertiefung und Bereicherung fand der Vortrag durch die Rezitation von Gedichten, durch dichterische Worte, im Sprechchor wiedergegeben (Jugend der Markusgemeinde), durch chorale Darbietungen, Sologesang (Fräulein Gustl Kühn) und Orgelspiel. Bewegt verließ jedermann das Gotteshaus. Der Ertrag der Kollekte des Abends ist dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge zugedacht.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oer 7. März 4936 in Gießen.
Unvergeßlich wird der 7. März 1936, der Tag der endgültigen Befreiung Deutschlands von allen Fesseln durch den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, auch in der Erinnerung unserer Gießener Bevölkerung lebendig bleiben. Mit großer Span- nuna hatte man der überraschenden Sitzung des Reichstages entgegengesehen, und mit stärkstem Interesse folgte man um die Mittagsstunde der Rund- funk-Uebertragung der historischen Reichstagssitzung mit der Rede des Führers und der Ankündigung seiner Entschlüsse zum Wohle des deutschen Volkes. Sowohl daheim am Rundfunkgerät, wie auch auf den Straßen und Plätzen, wohin die Rede des Führers durch Lautsprecher übertragen wurde, fanden seine Worte und Entschlüsse die begeisterte Zustimmung der Volksgenossen. Unmittelbar nach dem Schluß der Reichstagssitzung wurden Überall die Fahnen gehißt und damit der freudigen Zustimmung des Volkes zu den Maßnahmen des Führers sichtbar Ausdruck gegeben. In kurzer Zeit schmückte ein Flaggenmeer die Straßen unserer Stadt. Vor den Kasernen unserer Garnison sammelten sich große Menschenmengen an, die unseren Soldaten vor ihren Unterkünften, wie auch in den Straßen der Stadt herzliche Sympathiekundgebungen darbrachten. Der „Gießener Anzeiger" brachte noch am Samstagabend eine Sonderausgabe mit dem Wortlaut der Rede des Führers heraus, um allen Volksgenossen noch am gleichen Tage dieses gewaltigen geschichtlichen Ereignisses die Rede des Führers gedruckt in die Hand zu geben.
Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 22 Uhr, Rei- ten, Reitschule Schörnbs. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Familie Schimek". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eine Nacht an der Donau". — Handelsund Gewerbebank: 20.30 Uhr im Hotel Hindenburg: 77. ordentliche Generalversammlung.
Vergünstigungen an Studierende.
Die Landesregierung — Abteilung II — bringt den nachstehenden Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 7. Februar 1936 zur Kenntnis:
Es kommt immer wieder vor, daß Studenten gleichzeitig bei mehreren Stellen Anträge auf Gewährung von Studienbeihilfen, Gebührenerlaß und sonstige Vergünstigungen stellen und teilweise auch Beihilfen in außerordentlicher Höhe erhalten. Um eine gerechte Verteilung aller zur Unterstützung von Studenten zur Verfügung stehenden Mittel zu ermöglichen, bestimme ich folgendes:
Jeder Student hat in seinem Gesuch um Gewährung von Vergünstigungen (Stipendium, Gebührenerlaß, Freitisch uno dergleichen) eine Erklärung darüber abzugeben,
a) ob und in welcher Höhe er von anderen, genau anzugebenden Stellen für das laufende Semester unterstützt wird oder gleichzeitig eine Unterstützung beantragt hat,
b) von wem und welche Vergünstigungen er im vorhergehenden Semester erhalten hat.
Zahrestagung -er
Die Jahreshauptversammlung der Kameradschaft ehern. 116er am Samstagabend im „Postkeller" wurde durch den Kameradschaftsführer, Verwaltungsinspektor I. Bill, mit stolzen und freudigen Soldatenworten über die Befreiungstat des Führers und Reichskanzlers eröffnet. Der Kameradschaftsführer erinnerte daran, daß schon die Jahreshauptversammlung vor einem Jahre unter demselben glücklichen Stern stand, als der Führer die Wiederherstellung der Wehrfreiheit verkündete. An diesem Märztage des Jahres 1936 fühlen sich die Gießener 116er in Stolz und Freude verbunden mit ihren Regimentskameraden am Rhein, die den jungen Kameraden der Wehrmacht zujubeln und sie in ihren neuen Garnisonen willkommen heißen. Kein anderer kann die außerordentliche Bedeutung dieses historischen Märztages in ihren Auswirkungen besser übersehen und verstehen, als der feldgraue Soldat des Weltkrieges, der dankbar und stolz zu dem Manne aufblickt, der einer ihrer Kameraden ist und dem sie jetzt als Führer des ganzen Volkes zujubeln. In dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und das deutsche Volk fanden diese Gefühle ihren Ausdruck.
Hierauf erstattete Kameradschaftsführer Bill den Jahresbericht, der Aufschluß über ein reges Kameradschaftsleben gab. Bei zahlreichen Gelegenheiten haben die 116er ihre Verbundenheit mit den anderen Soldatenkameradschaften unter Beweis gestellt. In starker Erinnerung ist ihnen u. a. die Feier mit der Traditionstruppe im „Schützenhaus", bei der Oberkriegsgerichtsrat Koch einen interessanten Vortrag über die Geschichte des stolzen Gießener Regiments aus ihren Anfängen bis in die Gegenwart hielt, wie sie wenig bekannt war. Die Sterbeversicherung hat sich wiederum segensreich ausgewirkt. Auch nach ihrer Umstellung ist sie für die Zukunft sichergestellt. Den Kameraden, die sich zahlreich und rege an der SA.-R. II beteiligt hatten, wurde besonderer Dank ausgesprochen. Wie alljährlich, konnten bedürftige Kameraden eine Unterstützung erhalten. Durch eine Sammlung konnte Der alljährliche Betrag für das WHW. auf 35 RM. erhöht werden. Die Verpflichtung gegenüber den Patenschaften für die Kameradengräber in Südbelgien bei Anloy und Maissin wurden treu erfüllt. Schriften über diese Hessenfriedhöfe, deren Erlös ihrer Unterhaltung zufließt, können noch abgegeben werden. Das Andenken der Kameraden Th. Kliffmüller, Ferd. Nennstiel, Fr. Kurz, Altenburg - Alsfeld und Karl (^u l e r, in das die Helden des Weltkrieges und die Gefal-
ehemaligen 116er.
lenen des Dritten Reiches eingefchloffen wurden, fand die übliche Ehrung. Zum Schluß wurde der Dank für die rege Betätigung der Kameradschaft zum Ausdruck gebracht.
Kamerad Hans Volz, der seit 25 Jahren ununterbrochen Geldverwalter ist, erstattete den Kassenbericht, aus dem ersichtlich war, daß die Zeit manche Lücke in die Reihen der alten Kameraden gerissen fyat. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens findet am 9. und 10. Mai eine Jubiläumsfeier statt. Die Feier wird mit einem Kameradschaftsabend am 9. Mai beginnen, bei der die Verbundenheit der alten und der jungen Soldaten durch gemeinsame Ausgestaltung zum Ausdruck kommen wird. Der Sonntagoormittag dient der Besichtigung der Kasernen, am Nachmittag finden die Vorführungen und Darbietungen des Kameradschaftsabends eine Wiederholung für die Frauen und die anderen Gießener Kameraden. Neben der Tradittonstruppe werden auch die anderen Gießener Regimentskameradschaften an der Festveranstaltung teilnehmen. Für den Sommer ist ein Ausflug zum Kamerad Debus auf der „Ludwigsburg" in Wieseck vorgesehen.
Kamerad Reitz, ein alter und verdienter 116er, erstattete Bericht über den Artilleristentag, an dem sich die 116er mit ihren Angehörigen gleichfalls beteiligen werden. Dabei berichtete er auch über die dem mustergültigen kameradschaftlichen Leben in dem früheren „Gießener Soldatenbund", als dem Zusammenschluß aller Regimentskameradschaften, von höherer Stelle ausgesprochene Anerkennung.
Im weiteren Verlauf kamen der Dank und die Anerkennung für die umsichtige Führung der Kameradschaft durch Kamerad Bill zum Ausdruck.
In seinem Schlußwort dankte der Kameradschaftsführer seinen alten Soldaten und Kameraden für die in so reger Weise aufrechterhaltene Kameradschaft und die Mühen, die der einzelne gern getragen hat, um die Verbundenheit mit den anderen Regiments- und Waffenkameradschaften stets würdig zu beweisen. Insbesondere dankte er dem alten Kameraden Beil für dessen vorbildliche Betätigung, dem Schriftführer Kamerad L. Schmalz für seine tatkräftige Mitarbeit, und allen anderen Kameraden, die sich um die alte Vereinigung verdient gemacht haben. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß den alten Soldaten noch weitere Tage stolzer vaterländischer Verbundenheit beschieden sein mögen und daß die Kameradschaft des stolzen Gießener Regiments sich segensreich auswirken möge bis zum letzten Mann.
c) daß er sich im Fall der Gewährung seines Gesuches verpflichtet, sofort Mitteilung zu machen, wenn er von anderer Seite weitere Unterstützungen beantragen oder erhalten sollte.
Anzugeben sind sämtliche Vergünstigungen, gleichgültig, ob sie von dem Rektor, dem Studentenwerk, einer Stadtgemeinde, Stiftung oder einer anderen Stelle bewilligt worden sind. Unrichtige oder unvollständige Angaben haben Bestrafung nach der Strafordnung für Studenten, Hörer und studentische Vereinigungen an den deutschen Hochschulen vom 1. April 1935 3ur Folge.
Zu Beginn jenes Semesters sind die Stundenten durch Anschlag am Schwarzen Brett auf diese Bestimmung hinzuweisen.
Von allen Bewilligungen für Stundenten ist dem zuständigen örtlichen Studentenwerk stets Nachricht zu geben.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Nord.
Abkellung Hilfskasse.
Am Donnerstag, 12. März, und Freitag, 13. März, in der Zeit von 20.15 bis 22 Uhr, zahlen alle Angehörigen der SA., Marine-SA., Motor-SA., NSKK., Reiter-SA. usw., die nicht Pg. sind und im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Nord wohnen, den Hilfskassenbeitrag für das 2. Vierteljahr 1936.
Die Kassenstunden finden bei Gastwirt Nohl, Eder st raße (nicht Berufsschule) statt.
Wer an diesen beiden Abenden nicht bezahlt, wird bei der Hilfskasse in München abgemeldet. Jeder hat sich die dabei entstehenden Folgen selbst zuzuschreiben.
HanS-Gchemm-Gedächtnisfeier in der Goetheschule.
Von der Leitung der Goetheschule wird uns berichtet:
Am Todestage Hans Schemms versammelten sich die vier Oberklassen der Schule in der Turnhalle. Nach einem einleitenden Lied des Chores wies Herr Otto Müller kurz auf die Bedeutung Hans Schemms und die heutige Feier hin. Die anschließende Rundfunkübertragung aus Bayreuth stellte bedeutungsvolle Worte des verstorbenen Kämpfers in den Mittelpunkt, die er aus dem tiefen Born der nationalsozialistischen Weltanschauung geschöpft hatte und deren lebendiger Ausdruck er war. Nach dem Singen der deutschen Nationalhymnen und einem dreifachen Sieg-Heil auf den Mann, dem auch Hans Schemm jein ganzes Leben geweiht hatte, schloß die bedeutungsvolle Feierstunde.
Der Artilleristen-Tag in Gießen.
Die Vorbereitungen zu dem großen Artilleristen- Treffen am nächsten Sonntag, 15. März, in Gießen sind von dem Artillerie-Verein Gießen in den letzten Tagen weiterhin gut vorangebracht worden. Es ist mit einer sehr großen Beteiligung der alten Artilleristen aus allen Teilen Oberhessens und aus den angrenzenden Bezirken zu rechnen. Der Artillerie-Verein Gießen hat in umfassender Weise dafür aeforgt, daß die Teilnehmer an diesem Waffentag der Artillerie ein reiches Erlebnis von ihrem
Besuch In Meßen mtt nach Hause nehmen fömten. Anmeldungen von Teilnehmern sind noch bis ein- schließlich Dienstag, 10. März, an Kam. Stephan, Gießen, Bahnhofstraße 24, Telephon 3729, zu ri*. ten. Dabei ist die Gebühr von 1,50 Mark, einschließ» lich Kosten für das Mittagessen, mit einzuschicken oder auf Postscheckkonto 242 72 Frankfurt a. M. zu überweisen.
Generalversammlung des Männerbadevereins.
Der Männerbadeverein e. D. 1836 hielt am Samstagabend im „Bayrischen Hof" seine Generalversammlung ab, die von musikalischen Darbietungen der Kapelle Krengel umrahmt war.
Nach Begrüßungsworten des Dereinsleiters Thomas verlas Schriftführer Friedrich Hof das Protokoll.
Der Rechner Karl Zimmer erstattete den Geschäftsbericht, aus dem u. a. zu entnehmen war, daß der Verein etwa 500 Mitglieder umfaßt. Durch die starke Beschädigung der Badeanstalt im vergangenen Jahr, die durch ein Bild im „Gießener Anzeiger" festgehalten ist, war dem Verein großer Schaden entstanden. Es waren darum größere Erneuerungsarbeiten notwendig. Für diese und einige weitere Ausbesserungen wurden rund 1000 Mart aufgewendet, die anderseits wiederum dem Arbeitsbeschaffungsprogramm zugute kamen. Der Bericht schloß mit dem Hinweis auf das 100jährige Jubiläum des Vereins in diesem Jahre. Der Kassenbericht ergab Aufschluß über eine günstige Kafsen- lage. Die Einnahmen und Ausgaben betrugen annähernd 3100 Mark. Das Dereinsvermögen beträgt rund 3785 Mark. Auch im neuen Jahre soll ein Betrag von 1000 Mark für Ausbesserungsarbeiten verwendet werden. U. a. ist die Erneuerung der anderen Seite des Steges in Aussicht genommen. Namens der Kassenprüfer bestätigte Kaufmann Leonhard P f a n n , daß die Kasse in Ordnung befunden wurde.
Der Vereinsleiter sagte dem Schriftführer und dem Rechner, sowie allen Mitarbeitern Dank und Anerkennung. Bademeister Seitz wurde auch weiterhin bestätigt und ihm Dank für die mühevolle Arbeit für die auch im Vorjahr stark in Anspruch genommene Badeanstalt ausgesprochen. An Stelle des als Schriftführer ausscheidenden Verwaltungsinspektors Jaegggele, der wegen anderweitige- starker Inanspruchnahme sein Amt niederlegte, wurde Friedrich H o f zum Schriftführer bestimmt. I a e g g e l e bleibt an Stelle des aus dem Vorstand ausgeschiedenen Beiratsmitgliedes Fritz Weber, welcher durch die Ernennung zum Jnnungs- Obermeister sein Amt zur Verfügung stellen mußte, im Beirat des Vereins.
Für die Feier des 100jährigen Bestehens des Vereins ist ein umfangreiches Festprogramm vorgesehen. Im Mittelpunkt der Feier steht am 5. Juli ein großes Strandfest, dem am Tage vorher ein Festabend vorausgeht. Bei diesem ist die Ehrung von 35 Mitgliedern vorgesehen, die mehr als 25 Jahre dem Verein angehören. Das Sttandfest wird Wasserspiele im Zusammwirken mit dem Schwimmverein bringen, ferner ein Preisschießen, für das wertvolle Preise in Aussicht stehen, und eine in den Festbeitrag einbezogene Verlosung praktischer Gegenstände für den Schwimmer. Kinderspiele und Kinderbelustigungen sollen auch den Kleinen der Vereinsmitglieder eine Anregung zu fleißiger Uebung des Schwimmsportes bringen. An der Ausgestaltung des Festes wird auch der den alten Gießenern bekannte Hermann Elle Mitwirken.
Zum Schluß sprach Wilhelm Erle, der mehr als 50 Jahre Mitglied des Vereins ist, dem Vereinsleiter und Beirat Anerkennung für die Aufbauarbeit und Dank für die Mühewaltung aus. In feinem Schlußwort brachte Vereinsleiter Thomas die Freude über den 7. März 1936 zum Ausdruck, an dem die Rede des Führer jeden Deutschen mit Stolz und Zuversicht erfüllt hat. Er erinnerte daran, daß deutsche Truppen wieder in das Rheinland eingerückt sind und ihre alten Garnisonen bezogen haben zum Zeichen, daß Deutschland wieder vollständig frei und Adolf Hitler Führer über ein geeintes und gleichberechtigtes Deutschland ist. Der Dank an den Führer klang aus in einem dreifachen Sieg-Heil.
Den anschließenden kameradschaftlichen Teil füllte die Kapelle Krengel mit schönen Weisen aus.
Oer Regenbogen.
Von Edmund Hoehne.
Als ich ein Knabe war, fiel mir ein Lehrbuch der Physik für Abituranstalten in die Hand. Da mein Bruder malte und ich hinter das Geheimnis der Farben kommen wollte, irrten Augen und Denken durch die Kapitel von der Optik. Ich las, nein, ich wurde zerstochen von Begriffen wie Interferenz, Dispersion, Achromasie, Undulation, Polarisation, bis mein Hirn völlig wund war. Traurig hielt ich mich an einen einfachen Versuch, den schon Newton angegeben hatte: „Man versetze eine Scheibe mit farbigen Sektoren gemäß den Spektral- farben Rot, Drange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett in rasche Umdrehung bei heller Beleuchtung. Man beobachtet dann dasselbe Ergebnis, als wenn man das weiße Sonnenlicht erst durch ein Prisma in farbige Teilftrahlen zerlegt, diese dann wieder durch eine Sammellinse vereinigt: beide Arten der Verschmelzung ergeben Weiß."
Ich verschaffte mir eine Scheibe und ein altes Zahnräderwerk, bemalte Kreissektoren mit allen Farben und ließ einen Spielkameraden die Kurbel wie besessen drehen. Die Farben verschmolzen. Leider schimmerte vor meinen Augen kein reines Weiß, sondern ein trüber Mischmasch von schmutzigem Grau.
„Ja", lachte mein Bruder überlegen, „du hast eben keine Spektralfarben auf deiner Platte, sondern Körperfarben, Chemikalien, deren Lichtreste mit den Jdealsarben nur eine ferne Aehnlichkeit haben, armselige Spuren vom Glanz der Sonne."
Du lieber Himmel, dachte ich mir. Wer kann immer mit dem Prisma herumfuchteln, wenn er reine Farben sehen will? Wir leben nun einmal auf dieser Erde und haben gebrannten Stein oder Tinten- fischsekret oder Pflanzensaft als Tünche, statt der himmlischen Visionen des Regenbogens, des sichtbaren ©ottejtraumes. Was nützt da das ganze Lehrbuch? Ich klappte es zu und warf meinen plumpen Apparat, der eine Idee in den Staub zoa, in den Rumpelkeller.
Aber fünf Jahre später hörte ich von Goethes Farbenlehre, auch von der sinnlich-fittlichen Be- Deutung all der bunten Töne auf der Palette der Welt. Es war ein feines, schwärmendes Mädchen, das davon erzählte: seitdem haben das magische Blau, das heitere Grün, das laut klingende Rot, das heftige Gelb den Schmelz der ersten Liebe, den Eigenwert absoluter Mittler zum Jenseits behalten. Und eine Rose war nicht nur das stumme Wort der Liebe im Volksmund, Der eine schlichte Blumen
sprache reDet, Die jeDes Kind versteht, sondern zugleich Träger eines mystischen Rot der freudigen Tat der Erregung, Der weitschallenden Jugend. Blau war uns geistige Natur, Grün: Ruhe, Violett: Sehnsucht und andächtige Versenkung, Gelb: Gewalttätigkeit Des Diesseits. Farben waren Schicksal, Zauber, UnabwenDbarkeit, WunDer, Lockruf, Furcht, Kraft, Süße, Bann, Musik. Farben waren Das All, Das WerDen unD Wachsen, Das Rätsel, die Fülle, ein tausendblättriges Buch ohne Menschengeschwätz. Aller Glaube hat viele Farben. Wir banden sie zusammen zum lachenden Nebeneinander eines Feldstraußes; wir machten keine rohen Bubenexperimente, um sie aufzuheben in einem grauen Eins. Wir gaben uns blaue, rote, gelbe, weiße, schwarze Küsse.
Und ich hatte völlig Das Phänomen eines matten Ersatzweiß, Das nur so lange gefügt blieb, al£ RäDer schnarrten unter Dem Druck einer Kurbel, vergessen. Was hatte jener unholDe Schatten mit Gottes Synthese zu tun? Auch Die verfeinerte Me- thoDe mit achromatischen Gläsern im Universitätslaboratorium befriedigte mich nicht mehr. Zwar war Das Spektralband ein zart beseelter Organismus unD keine billige Suppe aus Küchenresten im rostigen Topf, aber es blieb Vergewaltigung. UnD wir zogen selbanDer fingenD Durch Den einsamen WalD unD warteten auf Die freie GnaDe eines Regenbogens, aus Licht geboren unD roieDer zu Licht verwoben.
Feierstunde für die Gefallenen im Gießener Gtadttheater.
Die gestrige zweite Sonntag-Morgen-Veranstaltung im Theater war als eine Erinnerungs- und Weihestunde für Die Gefallenen Des Weltkrieges gedacht. Der Bühnenraum war Dem Ernst unD Der Würde Des Heldengedenktages entsprechend feier« lid) ausgeschmückt. Ein kurzer Vorspruch, der mit den Worten des Führers den Gefallenen em „Mahnmal der Unsterblichkeit" errichtet, leitete, von Anton Neuhaus gesprochen, Die Morgenfeier ein. Dann horten wir Die Sonate für Violine unD Kla- oier in c-moll, op. 30 Nr. 2, von Beethoven, ge= Ipielt von August Rein (Geige) unD Ernst u e r (am Flügel); kaum ein anDeres Werk batte Den Empfindungen, welche Die Besucher in D,eJcr StunDe beseelten, musikalisch schöner unD vollendeter AusDruck verleihen können als Diese tionate; zumal Der wunDervolle zweite Satz erklang mit einer ergreifenden und erwärmenden Innerlichkeit. Heinz Rosenthal sprach Darauf schlicht und formschön vier Gedichte, Der BeDeutung
Des Tages gemäß: „Am 30. Oktober" aus Den „Briefen Der Gefallenen" von EberharD Wolfgang Möller; Heinrich Lerschs aufwühlende „Grabschrift": „Die Berggräber" von Ernst Bertram; und zuletzt des gefallenen Walter Flex innige und einfache Strophen „Blüh, Deutschland, uns als Totenkranz". Aus den „Kriegsbriefen gefallener Studenten" las Anton Neuhaus; hier spricht die Stimme der jungen Generation, die im großen Kriege ihr Leben für Deutschland gab: Bekenntnis und unveräußerliches Vermächtnis den Ueberlebenben in dieser Zeit. Den Abschluß der Feierstunde bildeten die „Vier ernsten Gesänge", op. 121, von Brahms, von Gustav Bley prachtvoll gesungen; am Flügel begleitete Ernst Bräuer. — Wir hätten gewünscht, daß die gehaltvolle und würdige Feierstunde ein wenig zahlreicher besucht gewesen wäre, hth.
Zeitschriften.
— „Das innere R e i ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul Alverdes und K. B. v. Mechow. Preis 1,80 RM., vierteljährlich 4,80 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. — Mit diesem März-Heft beschließt die Zeitschrift ihren zweiten Jahrgang. Hans Grimm gibt Den Auftakt mit seinen Ausführungen „Vom politischen Dichter", zu Denen ihm Der Tod des großen englischen Imperialisten und Dichters Rudyard Kipling Anlaß gibt. Von gleicher kulturpolitischer Bedeutung ist die Rede des Präsidenten Der Reichsmusikkammer, Peter Raabe: „Volk. Musik. Volksmusik". Dem Helden« geDenftag finD eine Reihe von Gedichten von G. von Der Dring, Max Mell und Martin Simon geweiht. Weiter sind zu nennen Ernst Wiecherts von der Schwermut der heimatlichen Wälder getragene Jugenderinnerungen „Die Wälder rauschen", Gedichte von R. Kreuzer unD H. Ehr. Sarrazin und vor allem das in seiner männlich-heroischen Verhaltenheit ergreifende Gedicht „Späte Krone" von Josef Weinheber, der außerdem wichtige Gedanken zum lyrischen Schaffen beisteuert. Die Landschafts- darstellungen deutscher Dichter werden aufs glücklichste fortgeführt durch Franz Turniers „Landschaft Oberösterreich". In Den Schatz Der großen lieber» lieferung Deutscher Kunst führt Paul F. SchmiDt mit einem bebilDerten Aufsatz über Den großen gotischen Maler KonraD Witz. Josef Hosmillers Briefe an Max Rychner fünDen von einem Leben, bas im Bewußtsein Der lebenspenDenDen Werte Deutscher Dichtung unD Kunst sich vollenDete. Vom lyrischen Schaffen Der Lebenden spricht ein kritischer
Aufsatz von Hermann Pongs, vom „Kaiserbuch" Paul Ernsts berichtet ein kluges und lebendiges Gespräch von K. A. Kutzbach. Angesichts Dieser Fülle von Beiträgen Dichterischer, Darstellender und kulturpolitischer Art kann man Dem „Inneren Reich" unD seinen Herausgebern wohl bezeugen. Daß hier eine Arbeit geleistet wird, die sich Dem selbstgesetzten Ziele, Der sich erneuernDen Deutschen Dichtung eine Heimstatt zu geben, immer mehr nähert.
— „Der Naturforscher", vereint mit „Natur unD Technik". Vierteljährlich 2,50 RM., Einzelheft 1 RM. Hugo Bermühler-Verlag, Berlin-Lichter- felDe. Mit Dem März-Heft beschließt Die auf Dem gesamten Gebiet der Naturwissenschaft führende Zeitschrift ihren 12. Jahrgang. Bei einem Rückblick läßt sich feststellen, daß sie nicht nur ihre beachtliche Höhe beibehalten, sondern ihre ausgezeichneten Leistungen der früheren Jahrgänge noch übertroffen hat. Jedes einzelne Heft bot in reicher Abwechslung wertvolle Aufsätze aus der Rassen-, Lebens-, Menschen-, Erd-, Tier- und Pflanzenkunde, vermittelte Die Ergebnisse naturkunDlicher Forschung unD Die Fortschritte in Wirtschaft und Technik. Obwohl Die namhaftesten Vertreter Der Wissenschaft zu Wort kamen, blieb Die Darstellungsweise auch für Den Laien verstänDlich. Ungewöhnlich reiche BebilDerung unD mustergültiger Kunstdruck erfüllen geschmacklich höchste Ansprüche. Der verdienstvolle Erforscher der Pflanzenzelle, Professor Dr. Ernst Küster (Gießen), zeigt im Märzheft auf Grund feiner dreißigjährigen Forschertätigkeit in einem anregend geschriebenen Aussatz neue Wege der Pflanzenzellenforschung. Prof. Dr. Erich Reisinger führt in das Leden Der Süßwasserqualle ein. Aug. Ochmann veröffentlicht ausgezeichnete Naturaufnahmen und läßt die Entwicklung des Totenkopfes miterleben, dessen Aufzucht ihm gelungen ist. Prof. Dr. W. Goetsch hat in Der zoologischen Station Neapel einen Ameisenalarm gefilmt und zeigt uns an Hand einzigartiger Filmaufnahmen Die einzelnen Vorgänge beim Einbringen einer Fliege als Beute. Ministerialrat L. Schuster weist auf einen gefährlichen Zucker- rübenschädling hin. Walther Flaig bietet ausgezeichnete Naturaufnahmen von Lawinen. Rudolf Hundt berichtet von einem neuen bemerkenswerten erdgeschichtlichen Naturdenkmal in Thüringen. Bergwerksdirektor Fr. W. Landgraeber führt uns Die erstaunliche Entwicklung Der elektrischen Bahnen in fünf Jahrzehnten vor Augen, Zahlreiche kleine Beiträge unD Forschungsergebnisse aus allen naturwissenschaftlichen Gebieten, Anregungen zur Natur- beobachtung, Die Bücherschau unD Die beliebte Preisfrage runDen Das anregenDe Märzheft ab.


