ür. I Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 9. Zanuar 1956
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Es ging aber in Mainz ein Knabe den grübelnden i Weg seiner Jugend, der dem geistlichen Varrecht der |
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dem dem
Oie schwarze Kunst
Von Wilhelm Schäfer.
Schlüsselgewalt.
Bevor die Kirche dem Ketzer den Holzstoß ansteckte, verbrannte sie zuerst seine Schriften; denn blieben die Blatter vom Teufel mit Tinte beschrieben, sö war der Ketzer nicht tot: das Unkraut blühte neu aus der schwarzen Saat, und der Samen wucherte weiter im kirchenfeindlichen Wind.
Johann Gensfleisch hieß er, vom Gutenberg, aus Mainzer Bürgergeschlecht, der als Jüngling nach Straßburg kam und dort seine heimliche Werkstatt aufmachte.
Er kannte den Holzschnitt, wie er dem Bild und der Schrift einen Prägestock machte, auf hundert Blättern zu drucken, was der Holzschneider einmal aus seiner Platte herausschnitt. w
Er sägte das Holz mit dem Wort auseinander und hieß die einzelnen Buchstaben Lettern; er setzte die Lettern in Wörter zusammen, wie er sie brauchte, und druckte die Schrift.
Aber die vielen Lettern zu schneiden, war mühsam, auch zerbrach i-hm das winzige Holz in der Presse; so nahm er Metall, und weil der Metallschnitt' mühsamer war, dachte er seine Lettern in Formen zu gießen.
Das aber war eine fremde Kunst, die er nicht kannte, so mußte Jürgen Dritzehn ihm helfen, und während das Basler Konzil die Kirchenreform an Haupt und Gliedern verlangte, raubte das heimliche Handwerk der Männer in Straßburg der Kirche die
den jetzt vernommenen Zeugen befand. Er schilderte die Bemühungen, die Fabrik in Gang zu halten.
zieht. Sie verbindet somit die älteste Stadt Deutschlands, Worms, die im Jahre 1936 ihr 1500- jähriges Nibelungenfest feiert, mit der Stadt des deutschen Barock. An landschaftlicher Abwechslung bietet diese Straße unendlich viel Schönes, erschließt sie doch gerade einen Teil des-hinteren Odenwalds, der dem Wanderer und Automobilisten noch so verhältnismäßig wenig bekannt ist.
Dichtung die rechte Gabe zur Zeit der Wintersonnenwende. Heinz Hilpert hat sie einstudiert und feiert einen vollen Erfolg mit der Auswahl des
des Werkes im Streit: von Mißgeschicken bedrängt, von Schimpf und Schulden beschattet, als Flüchtling schlechter Prozesse und Mietling schäbiger Pfründen trug sein fieberndes Leben die Pläne goldener Ernten ins leer geplünderte Alter.
Was in Straßburg mit Jürgen Dritzehn begann und in Mainz mit Fuft und Schäffer dem mißlichen Mann fein Bürgerdasein verwirkte, das hörte mit Albrecht Pfister nicht auf: sie halfen dem seltsamen Meister die Werkstatt zu rüsten und klagten die Werkzeuge ein, wenn sie das Handwerk verstanden.
So starb er selber in Armut zu Eltville am Rhein, der dem Goldschmied Fust und seinem Schwiegersohn Schöffer die Goldquellen der schwarzen Kunst hinterließ; doch wie seinen Händen das Gold, zerrann das Geheimnis den Erben in hundert Schlupfwinkel der abendländischen Welt.
später zum Vorwurf gemacht woroen, daß er das Geld von dem Studienrat unter falschen Angaben erhalten habe, daß er in noch weiteren Fällen sich des Betrugs schuldig gemacht und daß er sich gegen das Konkürsgesetz vergangen habe, weil er zum Nachteil der Gläubiger einen übermäßigen Aufwand getrieben habe. Als der Konsul am 22. September 1933 von einer Berliner Reise nach Frankfurt zurückkam, wurde er verhaftet. Er hat dann unmittelbar danach Konkursantrag gestellt. Es kam zu einer Anklage gegen den Konsul wegen einfachen Bankerotts und Betrug in mehreren Fällen, aber eine gegen den Angeklagten anberaumte Verhandlung mußte abgebrochen werden, weil der leidende Angeklagte verhandlungsunfähig war. Der Beschuldigte befindet sich noch heute in Pflege.
Mitangeklagt war sein Sohn Walter, gegen den nunmehr wegen zweier Betrugsfälle allein verhandelt wurde. Der Angeklagte hatte in dem Unternehmen seines Vaters einen Betriebsleiterposten inne. Obwohl er Alleinprokura hatte, habe er, so bekundete der Angeklagte, nichts ohne seinen Vater unternehmen können. Er habe ein Monatsgehalt von nur 300 Mark bekommen. Die Höhe der Schulden will der Angeklagte nicht gekannt haben. Sie betrugen rund 3 Millionen Mark und es war eine Konkursdividende von nur 4,5 v. H. zu erwarten. Der Angeklagte, der im Hause des Studienrats verkehrte, will auch nichts davon gewußt haben, daß der Vater dem Studienrat 1,75 Millionen Mark schuldete.
Als die Mimopa in Schwierigkeiten geriet, befaßte sich der Treuhänder der Arbeit mit dem Fall. Es wurde ein Vertrauensmann eingesetzt, der sich unter
LPD. Zu Beginn der kommenden Reisesaison wird die „Nibelungen-Straße" durch den Odenwald dem Automobilverkehr übergeben. Es handelt sich um eine Straße, die von Worms über Lorsch und Bensheim durch den Odenwald (Lindenfels, Reichelsheim, Michelstadt, Erbach, Amorbach) nach dem Maintal führt und über Miltenberg, Wertheim nach Würzburg
pernden Verse parodiert oder aus der primitiven Technik des Beiseitesprechens und der unbeholfenen Monologie verblüffende Wirkungen hervorholt. Dieser einzigartige Künstler stellt seinen Perin in die Nachbarschaft seines Jago und seines Professors Higgins („Pygmalion"), eine Figur, die nicht weniger von unfehlbarem Theaterinstinkt beseelt ist als seine Könige Lear und Kandaules. G. B.
__________________________ | In Rom, Paris und Venedig schlugen deutsche Schrift die Schranken zerbrechen und dem ängstlich Gesellen die schwarzen Werkstuben auf; bald hielten behüteten Wort den Käfig aufmachen sollte. i die Messen Europas gleich Ballen vlämischen Tuchs und lombardischen Seidenbandrollen gedruckte Bibeln
Die Krämerwaage dem Bürger, der Karst geplagten Bauern, das Schwert dem Ritter, Priester das Wort und den Mönchen die Schrift: so war die Ordnung der Welt, und das Wort im Schrein der heiligen Schriften gab der Kirche die
zelnen Mitwirkenden zur Geltung kommen. Wir hörten zum Beispiel Bazzanellas eigene Bearbeitung eines Motivs aus der „Lustigen Witwe", die beliebte „Dorfmusik am Sonntagabend", die lautmalerische „Imitation eines stürmischen Wetters" und eine Bearbeitung ungarischer Volksweisen, in der der Gesamtklangcharakter der Kapelle wie auch die routinierte Sonderbegabung ihrer Mitglieder, hier besonders der technisch virtuos behandelte Klavierpart, ansprechend herausgearbeitet wurde. Die Darbietungen fanden am ersten Tage lebhaften Beifall und dürften auch weiterhin eine besondere Anziehungskraft ausüben. *
Im Filmteil sahen wir die deutsche Bearbeitung des französischen Films „Helene", den Tour- jansky nach der Novelle „L’Ordonnance" von Maupassant geschaffen hat. Rene S y l v i a n o schrieb die Musik dazu. Diesen Film kennenzulernen, war schon um deswillen interessant, weil er es dem deutschen Besucher ermöglicht, unsere eigene, wesentliche und maßgebende Produktion einmal mit dem filmischen Können anderer Nationen zu vergleichen, wozu gemeinhin nicht häufig Gelegenheit geboten wird. Die Handlung ist einfach und übersichtlich aufgebaut. Die junge Frau eines Obersten verliebt sich' in einen Leutnant, hat heimliche Zusammenkünfte mit ihm, wird vom Burschen des Obersten überrascht und erpreßt und scheidet, da sie keinen Ausweg mehr sieht, aus dem Leben. Der Film beginnt am Endpunkt der Fabel, mit dem Abschiedsbriefe Helenes an den Obersten, und rollt nun — in analytischer Technik — die ganze Vorgeschichte der Tat Bild um Bild, Szene um Szene auf. Wir werden an der Fabel im Ganzen wie in Einzelheiten manches als ungewöhnlich und fremdartig empfinden; doch scheint uns die behutsame, kultivierte Inszenierung bemerkens- und lobenswert, die ein Detail geschickt und stimmunggebend auszumalen versteht, dabei aber doch die große Linie nicht aus dem Auge verliert und auch Tempo, Spannung, Theaterwirkung (sogar in komischen Episoden)' zu geben weiß. Besonders zu rühmen ist die schöne und klare Photgraphie, die eine Anzahl prachtvoller Landschaftsausschnitte ins Bild einbezieht. Darstellerisch steht Marcelle Chantal beherrschend im Zentrum des Spiels, sehr hübsche, typisch französische Erscheinung, die gefühlsmäßig und intellektuell den Anforderungen der Titelrolle ausgezeichnet entspricht. Angenehm verhalten und gepflegt neben ihr Jean Worms als Oberst; recht gut auch Georges Rigaud (Leutnant Saint-Albert); ferner Ri'gnault, Fernande! und Paulette D u b o ft in kleineren Aufgaben. — r —
Volksstück und Lustspiel in Berlin
Winterlicher Theaterbrief aus der Reichshauptstadt.
Als sie in Unfrieden fielen, ging Gutenberg wieder nach Mainz, wo er den Fust, einen reichen Burger, bereitfand, den Druck einer Bibel zu wagen.
So trat der hitzige Traum seiner Jugend schön in den Tag: mit Gold und Farben bunt wie eine kostbare Schrift stand der Druck seiner Lettern sauber und klar auf den Blättern, und waren hundert Bücher, wo sonst nur ein einziges war
Aber der Lohn wollte dem unsteten Mann nicht kommen, auch diesmal verschwand ihm der Segen
und Heilsbücher feil. „ . .
Da waren sie nicht mehr alle;n m den Zellen, die neuen Gedanken hinter fiebrigen Stirnen, die schwarze Kunst half ihnen fort in die Köpfe und Herzen.
Krähenvögeln gleich flogen die Druckschriften aus in die Städte und Häuser der Bürger; und schon pfiff in der Andacht der heiligen Bücher die Spottdrossel kommender Zweifel und lachte der fr Ylichen Schlüsselgewalt.
Gloria-Palast.
Im neuen Programm des Gloria-Palastes nimmt die Bühnenschau den Charakter einer Attraktion ein- Antonio Bazzanella gibt mit seiner aus zehn Solisten mit vierzig Instrumenten zusammengesetzten Kapelle ein Gastspiel in Form einer „musikalischen Bühnenrevue", wie es m der Ankündigung heißt. Das Programm ist vielseitig sowohl in der Instrumentation als auch in der Vortrags- folqe, nicht zuletzt in der äußeren Aufmachung. Die Kapelle nimmt malerisch gruppiert den ganzen Buhnenraum ein und wird bei ihren Darbietungen durch Scheinwerfer mit wechselnden farbigen Lichtern übergossen. Uebrigens musizieren sie nicht nur, sondern servieren dazwischen allerhand Einlagen — Steptanz, Flüstertenor, pantomimische Scherze und Intermezzi, die zur Belustigung des Publikums beitragen. Die Kapelle ist fließend aufeinander eingespielt, die Vortragsfolge so gestaltet, daß jeweils auch die solistischen Spezialitäten der em-
3eitfd)riften.
— „Deutsche Rundschau", herausgegeben von Rudolf Pechel, Paul Fechter, Eugen Diesel. Verlag: Bibliographisches Institut AG., Leipzig. Einzelpreis 1,50 RM., bei Jahresbezug 1,25 RM. — Wer kennt nicht die Darstellungen Koch-Gothas aus dem Kleinbürgerleben, deren gemütvoller Humor ebenso weit entfernt ist von bissiger Karikatur wie von einem allzu großen Ernst. Um so mehr setzt es uns in Erstaunen, im Januarheft der „Deutschen Rundschau" einen ernsthaften Beitrag Koch-Gothas über die „Thusnelda-Tragödie" und über die Geschichte unserer frühesten Ahnen zu finden. An Hand der Berichte des Tacitus und aus seiner Kenntnis der deutschen Vorgeschichte entwirft Koch-Gotha hier das Bild der Tragödie der Gattin des Armin, die als Zeichen eines vermeintlichen Sieges vor dem Wagen des Germanicus ick Ketten durch die Straßen Roms geführt wurde — Schaustück eines erlogenen Triumphes. Zahlreiche vorzügliche Abbildungen unterstützen den Text. Von den weiteren Beiträgen nennen wir den Aufsatz von Eugen Diesel „Erfahrungen mit dem Namen Diesel", in dem er davon erzählt, welche Erlebnisse er mit dem Namen seines Vaters gehabt hat. Eine fein erfühlte Erzähluna ist „Gottfried Kölwel: Pan schwimmt auf dem Wasser", zu der Herbert Jeschke die Zeichnungen schuf. Karl Foerfter-Bornim berichtet über neue Wege zur Gartengestaltung, wie sie von den Bornimer Versuchsgärten gezeigt werden. Der Roman von Hans Grimm „Kaffernland" erfährt seine Fortsetzung.
— Die Januarfolge von Westermanns Monatsheften enthält viele farbenfrohe Bilder; dank Dorothea Hauers Kunst meint man mitten im chinesischen Neujahrsfest, dem schönsten Tage im Lande der Blüten zu stecken. Ebenso begeistert ist man von dem Aufsatz „Der Raum als Ausdruck des Stils" von Wilhelm Müseler. Aufnahmen romanischer, gotischer- Renaissance- und Barockkirchen sprechen von dem Raumgefühl, dem Stil und dem Denken des deutschen Volkes im Laufe der Jahrhunderte. Interesse wird auch der Beitrag von Dr. Oskar Aust „Kalenderreform" finden. Von dem Bildhauer Fritz Behn sind einige seiner schönste« Werke wiedergegeben. Von deutschen Siedlern in Brasilien berichtet Maria Kahle. Farbige Abbildungen von mustergültig aufgebauten und verwalteten deutschen Siedlungen zeigen die in llebersee von Deutschen geleistete Kulturarbeit. Eine ausführlich, „Literarische Rundschau" und die Rätsel- und Photo- ecke runden das Heft ab.
Aus dem Schatz süddeutscher Legenden stammt auch das Weihnachtsspiel der Volksbühne: „Der Brandner-Kaspar schaut ins Paradies" von Joseph Maria Lutz. Was geschieht? Der Tod, der hier der „Boanlkramer" heißt, kommt nach Tegernsee, um den Brandner-Kaspar zu holen; aber der, noch längst nicht lebensmüde, schlägt dem Gevatter ein Schnippchen, bis der Kaspar später doch einmal in den Himmel hineinschaut: dort findet er sein Tegernsee wiedr, das nun in himmlischer Verklärung daliegt, er begegnet seinen Söhnen, Eltern und Freunden — kurz, das Paradies ist so herrlich, daß der Kaspar nicht mehr zur Erde zurück- will. Kritische Geister mögen tadeln, daß die Handlung schwer und langsam in Gang komme und einige Weitschweifigkeiten enthalte, aber das gehört zum Stil des Verfassers, der kein regelrechtes Drama schreiben, sondern eine Legende erzählen will. Und wenn der Kaspar den Tod bei Schnaps und Kartenspiel übers Ohr haut, wenn Petrus an der Himmelstür den säumigen Tod herunterputzt, so sind das unvergeßliche Bilder von tiefem und hintergründigem Humor. Hier wird Legende sichtbar gemacht, hier liegen die Ansätze zu einem Volksstück, das sich vielleicht bald einmal über das Lustspielhafte erheben und sich der großen und ewigen Gegenstände bemächtigen darf. In den märchenhaften Bühnenbildern von Caspar N e h e r spielt Paul Hörbiger den Boanlkramer, aus dem er eine Gestalt zwischen Komik und Grauen schafft; der Kaspar ist die gegebene Rolle für Josef S i e b e r. Braucht noch etwas Über den Erfolg mitgeteilt zu werden?
Das Deutsche Theater beschert zu Weihnachten Sbakespeares „Wintermärchenü Woher der Name? Es ist vieldeutig wie mancher andere Dramentitel Shakespeares, und daß ein traurig Märchen gut in den Winter passe, heißt es nur gelegentlich einmal im Stück. Diese leiten gespielte Dichtung erstreckt sich über einen großen Zeitraum; ein Geschlecht altert, ein neues wächst heran, wird die Zwietracht der Alten versöhnen und von den Torheiten der Eltern frei werden: Frühlinqshoff- nung im Wintertraum, Erwartung und Erfüllung. So betrachtet, ist diese tiefsinnige und vieldeutige
Die Nibelungen-Straße im Odenwald
Demnächst wird sie dem Automobilverkehr übergeben.
DerFinanzkrachbeiOppenheimer
Den Freund um 1% Millionen gebracht.
Frankfurt a. M., 8. Jan. (LPD.) Vor der Zweiten Strafkammer begann am Montag der Prozeß gegen den 31jährigen Juden Dr. jur. Walter Oppenheimer, dem Betrug in zwei Fällen vorgeworfen wird. Der Angeklagte ist der Sohn des jüdischen früheren Konsuls und Rennstallbesitzers Moritz I. Oppenheimer, der die Papierfabrik „Mimopa" in Frankfurt betrieb. Die Fabrik beschäftigte bis zu 200 Arbeiter. Zu dem Unternehmen gehörte auch eine Fabrik in Berlin, in der 70 Personen beschäftigt wurden. Der Konsul hatte kostspielige Liebhabereien auf sportlichem Gebiet. Er gründete in verschiedenen Städten Turnierkartelle und ries das bekannte Gestüt Erlenhof bei Bad Homburg ins Leben, das einige ganz hervorragende Rennpferde hervorbrachte. Der Konsul war mit einem Studienrat befreundet, der mittlerweile gestorben ist, dem ein großes Vermögen in Amerika beschlagnahmt war, das 1931 freigegeben wurde. Im Verlaufe von etwa 21 Monaten stellte der Studienrat dem Konsul 1 746 000 Mark Kapital
Märchens und seiner Darstellung durch Theodor Loos, Paul Otto und Lil D a g o v e r ; unter ( den Vertretern der jungen Generation: Ilse Menge l und Hermann Wedekind als Perdita und Florizel, und Franz Pfand ler und Wilfried S e y f e r t h als Spieler der Narren.
In der Komödie erscheint eine neue Autorin, sie heißt Grete Wilhelm und stellt sich mit einer Komödie „Frau Po lens ka" vor. Da fegt Ida Wüst als forsche und derbe Frau Polenska in einer Grenzkneipe zwischen Rußland und Polen umher, fegt unliebsame Gäste zur Tür hinaus und erzieht ihre lockere Tochter in Zucht und Strenge — man hofft, es werde sich nach solchem Anfang eine Art Charakterkomödie entwickeln und am Ende werde eine so saftige und vollblütige Gestalt da- stehen wie etwa die Waschfrau Wolffen im „Biberpelz". Es geschieht leider nicht; was als Charakterkomödie begann, versandet im leichten Gesellschaftsschwank an der französischen Riviera. Schade. Aber auch hier ist Hoffnung, hier sind Ansätze. Die Verfasserin mag sie erkennen und pflegen.
Da die Ereignisse viele geworden sind, kann einiges nur kurz vermerkt werden. Im Theater in der Saarland st raße gibt Detlef S i e r ck Hjalmar Bergmans bekannte Komödie „D e r Nobelpreis" — sie wurde unter dem Titel „Swedenjhelms" auch verfilmt —, in deren Hauptrolle Heinrich George viel Beifall findet. Zu Weihnachten tat sich auch das Schillertheater unter der Leitung des jungen Regisseurs von Alten wieder auf, beginnt mangels längerer Vorbereitungszeit mit dem altbewährten Schwank „Robert und Bertra m", verspricht aber für die Zukunft ein ernsthaftes und zeitnahes Theater und bittet, erst nach späteren Leistungen beurteilt zu werden.
Zum Silvester kündigte das Kleine Haus des Staatstheaters „Donna Diana" von Moreto, einem Zeitgenossen Calderons, an, wahrscheinlich zu allgemeinem Erstaunen, denn was kann aus einer Aufführung eines vergilbten Ritterund Schelmenspiels Gutes entstehen? Dennoch wird dieser Abend die Ueberraschung der Spielzeit. Jürgen Fehling überbaut das Stück mit einer Fülle von selbständigen theatralischen Einfällen, die, immer noch mit der Handlung zusammenhängend, sich streckenweise ganz von ihr zu lösen scheinen und als glitzerndes Feuerwerk emporschnellen. Schon das Bühnenbild ist sicherlich ungewöhnlich: eine weiß ausgelegte, bis über das Orchester vorgezogene Fläche, die mit einem Vorhang aus weißen Kugelschnüren umgeben ist (Traugott Müller); wird dieser Raum von farbigen Scheinwerfern durchschossen, so ergeben sich die phantastisch beleuchteten, schwebenden Hintergründe, die dieser Fastnachtsmummenschanz braucht. Alle theatralischen Künste werden aufgerufen, um sich zu einem blendenden Theaterkunstwerk zu vereinen, Musik und TanZ, Auszüge und Maskenschwärme, Gewänder und Farben; manche Szenen werden ganz in Gesang und Bewegung aufgelöst, andere erinnern an eine Opernparodie, die Figuren des Barock- und Rokokotheaters tauchen auf, in dieser Aufführung, der man keine Spur der Arbeit anmerkt, die sie gekostet hat, gibt es keinen leeren Augenblick, immer sprüht die Bühne von Farben, das ganze Spiel hindurch hält dieser rauschende Zug der Erscheinungen an. Zwischen dem Liebespaar (Paul Hartmann und Maria Bard) tänzelt und trippelt der Perin Werner K r a u ß', ein listiger ; Bursche mit wüster Lockenperücke und pfiffigem , Bärtchen; er macht aus den Unzulänglichkeiten des ; Textes komische Köstlichkeiten, wenn er die klap-
Wenn es in Berlin einmal eine Uraufführung gibt — die hiesigen Bühnen haben das Vorrecht des Wagemuts längst an die Theater des Reichs abgegeben — muß man es besonders vermerken. Die Prinzipalin des Agnes-Straub- Theaters hat das Verdienst, uns zu Weihnachten eine weihnachtliche Uraufführung beschert zu haben: „Das Dorf und die Menschheit", ein Schauspiel der Oesterreicherin Juliane Kay, die sich als Schauspielerin Erna Baumann nennt. Die Graßner-Resl, eine kleine, eifernde Dorfheilige, wird von einigen Burschen verführt, empfängt ein Kind und bringt es in einem Stalle zur Welt — das ist wenig an Handlung, aber dieser karge Vorgang ist innerlich, menschlich und dichterisch gestaltet, bis etwa auf den letzten Akt, der die Szene zu absichtlich an das Weihnachtsmotiv — Maria mit dem Kinde in der Krippe — heranrückt und auch am inneren Geschehen nach den beiden ersten abfällt. Aber Frau Straub bleibt das Verdienst, eine ernste Dichtung gewagt zu haben, die nicht unbedingt Aussicht auf breite Wirkung hat, und sie so gewagt zu haben, daß die Aufführung über alle Kritik erhaben wird: der Wiener Regisseur Friedrich Neubauer, lange in Berlin beheimatet, führt eine Truppe von süddeutschen Schauspielern (unter ihnen die Autorin, die eine der kernigen Frauengestalten darstellt), die schönen, großflächigen Bühnenbilder stammen von dem Wiener Maler Wilhelm Prachensky, und als Refl schafft Hilde Körber eine reine, ergreifende Mädchengestalt — durch solche Kräfte wird das Tiroler Dorfstück auch in der Mundart ausgezeichnet wiedergegeben.
für die Fabrik zur Verfügung. Ein Teil davon die Bemühungen die Fabrik m Gang zu halten sollte mit 12 v. H. verzinst werden. Dem Konsul ist > nachdem eine Ueberschuldung von 2,8 Millionen Mk.
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