Ilr.256 Drittes Blatt
Donnerstag, 8.®ftoberj936
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)
Als
Fabrik Platz.
*
öffentlich vor.
*
Aus der Provinzialhauptstadt
jV&za • *Kq£4-
gegen spröde Haut
Ast. „Klapperschlange" leistete ihm gewandt Hilfe- tellung, und schon saß er im Baum. Wieder ein prüfender Blick zum feindlichen Haus — dann schaukelte er den Baum aus Leibeskräften. „Au!" chrie „Klapperschlange" auf. Bon dem reichenSegen, ;er von den Aesten herunterprasselte, trommelten gleich zwei Aepfel auf seinen Kopf. Tapfer jedoch bezwang er seinen Schmerz und machte sich kriechend ans Einsammeln. Der „Rote Panther", flink wie ein Wiesel glitt er vom Stamm des Baumes herunter, leistete ihm Beistand.
Da ertönte plötzlich von einem der ausgestellten Posten der Warnpfiff unseres Stammes. Gleich darauf folgte dreimaliger Eulenruf, das Zeichen höchster Gefahr. Mit einigen tollkühnen Sprüngen waren die beiden Aepfelsammler am Einschlupfloch. Mit zitternden Händen halfen wir ihnen beim Durchschlüpfen, dann sausten wir los.
In diesem Augenblick entdeckte ich am äußersten Ende der Hecke Peter Bormann, die „Gurrende Taube", wie er in unserem Stammoerband benannt war. Die Buchenblätter mußten ihm wohl noch zu schaffen gemacht haben. Jedenfalls hatte er sich ab- eits geschlichen und hockte an einem verdorrten Birnbaum. Er war der Nachdenklichkeit seiner Tätigkeit so hingegeben, daß er die warnenden Zeichen der Posten überhörte. Mit einem Male sah er uns in toller Flucht dahinstieben. Wie ein aufgescheuchter Hase sprang er hoch und lief, was seine Beine nur hergeben wollten. Vor Aufregung und Angst war es ihm nicht mehr gelungen, seine Hose zuzuknop- fen. So flatterten Hosenklappe und Hemd wie zwei Fahnen hinter ihm her. Kein Wunder, daß sich unsere Flucht bald in wildem Gelächter aufloste.
Nur der „Rote Panther" schoß zornige Blicke. Mit harten Worten brachte er kurz Ordnung m unseren wirren Haufen und führte uns ungeschlagen wieder zurück in den Wald. Hier hielt er eine kernige Rede. Die „Gurrende Taube", so rief er aus, habe sich aufgeführt wie eine feige Squaw und verdiene um der geschändeten kriegerischen Ehre des Stammes willen, am Marterpfahl gepeinigt zu werden. Da der Kriegszug jedoch ohne Schaden abgelaufen fei, sehe er von dieser entwürdigenden Strafe ab. Doch von heute an sei der „Gurrenden Taube" ihr alter Kriegsname genommen; sie heiße von nun an das „Wehende Hemd", bis sie durch ehrenvolle Krieqstaten die Schande getilgt habe. Und zu allem Ueberfluß gehe sie diesmal von der Beute leer aus!
So kam unser tapferer Stamm zu dem Krieger mit dem seltsamen Namen „Das wehende Hemd . Hugh — ich habe gesprochen!!
Jacques Etienne saß im Kontor der Papierfabrik an dem Schreibtisch, an dem sein älterer Bruder noch vor einiger Zeit gesessen hatte, und dachte an ihn.
Ein Teufelskerl, der Joseph Michel!
Wie ruhig und zufrieden hätte er hier bis an sein Lebensende sitzen können! Und nun stürzte er sich in solche halsbrecherischen Wagestücke und sprang mit einem Fallschirm von dem Dach seines Hauses. Wie leicht hätte er dabei sein Leben lassen können!
Was haben die Menschen davon, wenn er von seinem Hausdach springt, sagte sich Jacques Etienne; wenn er es wenigstens versuchen würde, ganz in der Lüft zu schweben, und nicht nur für solchen kleinen Augenblick!
Ob ihm das nicht gelingen sollte?
Plötzlich griff Jacques Etienne nach einem Buch. Er hatte neulich durch Zufall das Werk „Beobachtungen über verschiedene Luftarten" von dem englischen Physiker Priestley in die Hände bekommen. Ob sein Bruder daraus nicht Anregungen schöpfen könnte, wie man es fertig bringt, um in der Luft zu schweben?
Er machte sich auf den Weg und brachte seinem Bruder das Buch.
Luftart einschließen könnten, die leichter ist als die atmosphärische Luft."
Das Nächstliegende für sie war, in die väterliche Papierfabrik zu gehen und sich dort aus einem leichten Papierstoff ein solches Ballonfahrzeug zu erbauen. Denn Papier konnte ja in der Luft schweben.
Aber womit sollten sie die Hülle des Ballons füllen? Das Natürlichste war, Wasserdampf dazu zu nehmen, weil man sich ja zu jeder Stunde davon überzeugen konnte, daß die Wolken in der Lust schweben.
Sie füllten also ihren Papierstoffballon mit Wasserdampf. Aber als sie ihn von seinen Fesseln befreiten und in die Luft steigen lassen wollten, fiel der Ballon zur Erde.
Wie war das möglich? Ging das nicht unnatürlich zu? Papier hielt sich doch in der Lust und Wasserdampf stieg doch auch empor!
Sie untersuchten ihren Ballon und entdeckten, daß sich der Wasserdampf inzwischen in dicken Wassertropfen an der inneren Hüllenwand abgesetzt hatte.
Aber sie ließen sich nicht entmutigen, und als sie auf den Gedanken gekommen waren, die Ballonhülle mit erhitzter Lust zu versehen, kam der Erfolg.
Der erste Ballon stieg in die Luft!
An einem Sommertag, als die Provinzialstände in Annonay tagten, führten sie ihren Ballonversuch
Richard (Strauß dirigiert.
Eine Folge von treffenden Charakteristiken unsrer bedeutendsten Dirigenten eröffnet Dr. Erwin Kroll im Oktoberheft von Velhagen & Kla- ings Monatsheften mit einer Schilderung von Richard Strauß. Er erinnert daran, daß der junge Strauß Schüler Hans v. Bülows war, der ihn beauftragte, ein^ Suite für Bläser zu schreiben, die Bülow im Münchner Odeon mit seinem Meininger Orchester aufführen wollte. Unerwartet befahl Bülow, daß der Komponist sie selber dirigieren solle, obwohl eine Probe nicht mehr möglich war. Strauß, der noch nie einen Taktstock geschwungen hatte, stürzte sich mit dem Mute der Verzweiflung in dieses Abenteuer und erzählte später: „Ich dirigierte mein Stück in einem leichten Dämmerzustand, ich weiß nur mehr, daß ich nicht umgeschmissen habe". Bülow holte sich den Einundzwanzigjährigen nach Meiningen, und in seiner strengen Schule machte dieser solche Riesenfortschritte, daß er schon nach wenigen Monaten die Kapelle selbständig leitete. In schwindelnd steilem Aufstieg führte nun die Laufbahn des jungen Dirigenten und Komponisten aufwärts. München, Weimar, wieder München, dann Berlin, endlich Wien — das sind die Stätten, die seinen Weltruhm begründen. Die lebendige Geste des jugendlichen Stürmers wird nach und nach ruhiger, gelassener. Heute beschränkt sich der Meister nur noch auf Andeutung. „Es ist nur der Wille", meint er, und er hat — für sich wenigstens — recht: je zusammengedrängter seine Zeichengebung wird, um so mehr wirkt sie auf Spieler und Hörer. Man konnte sich noch jüngst davon überzeugen, als der Zweiundsiebzigjährige zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin seine „Olympische Hymne" mit wahrhaft königlicher Gelassenheit dirigierte.
Lornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Ave Maria". — Lichtspielhaus, Bahnhosttraße: „Das Frauenpara- dies". — Kneipp-Bewegung, Ortsgruppe Gießen, 20 Uhr, Vortrag „Heilkraft des Wassers" von Dr. med. Rottenberg im „Bayerischen Hof". — Haus- besitzerverein 20.15 Uhr Bezirksversammlung Sud- Ost und Lichtbilderoortrag in der „Stadt Wetzlar'.
Vortrag in der Iohanneskirche.
Der evangelische Kirchenvorstand veranstaltet am kommenden Samstagabend in der Johanneskirche einen Vortrag von G. 21. G e d a t über „Christen-
Hase als Geschäftsmann
„rasch enlschlosiner Käufer" Hal Hase jetzt ’nen
kennen wohl mein Werk in der KaroluSftraße?" - natürlich, Hase weiß davon und packt dem feinen Mann gleich 30 Flaschen Sekt und alten Weinbrand in das Auto. „Habe heute Herren-Abend", sagt der noch, „schicken Sie die Rechnung in die Wohnung!"
Das tat Herr Hase. Aber Geld kam keine. Die Firma Mehlhose war tage zuvor schon bankrott gewesen, der Sekt, soweit nicht auSgetrunken, kam in die „KonkurS- maffe". Unter den amtlichen Bekanntmachungen hatte eS natürlich gestanden —
Die ganze Stadt war längst im Bilde, bloß Hase wußte von nichts.
Tja - hätte er Zeitung gelesen!
Die meldet gleich, wer insolvent!
Wohl dem, der seine Zeitung kennt
Ehe -er Mensch flog, flog das Schaf Wie der Luftballon erfunden wurde.
Äon Hermann Olbrich-Hannibal.
der Krieger zu verlassen und auf dem Waldboden nach trockenen Buchenblättern zu suchen. Bald darauf schleppten die Ausgesandten einen Berg von Buchenblättern heran, der ausgereicht hätte, das Lager eines feindlichen Stammes restlos auszu- räüchern. Wir machten uns mit wildem Gebeu darüber her und stopften unsere Pfeifen. — den Handflächen zerreiben und feste eindrucken, befahl der „Rote Panther". Willig folgten wir seinen Ratschlägen, und bald pafften die ersten mit Todesverachtung los. f ,
Jawohl, mit Todesverachtung! Man sah es den Gesichtern an, die fahl und pergamenten wurden. Ein ungewohntes Räuspern und Hüsteln setzte em. Vereinzelt wischte man mit dem Ellbogen über die Stirn. Feindliche Späher, die sich jetzt an uns herangepirscht hätten, wären sicher sehr erstaunt gewesen über das stierende Schweigen, das über unserem Lager stand. Vielleicht hätten sie uns auch nicht mehr für Indianer, sondern für wirkliche Bleichgesichter gehalten. Ein Glück, daß irgendein besonders Betroffener unsere letzten Streichhölzer weqzauberte, so daß die plötzlich allgemein ausgehenden Pfeifen nicht mehr in Brand gesetzt werden konnten — die feindlichen Späher hatten uns sonst nur zu leicht bei höchst unmännlicher und unkriegerischer Selbstbetrachtung gesunden.
Wieder war es der „Rote Panther", der die gefährdete Situation rettete. „Wir machen einen Beute- zuq zur Form der Weißen!" befahl er mit feiner fast männerhaften 'Stimme, die schon den ersten Stimmbruch überwunden hatte und uns immer in
allmählich die Füße kühner und die Mienen tanz- oergessener, lauter knirschten die Steine des Pflasters im Walzertakt, und lustig raschelten dazu die welken Blätter auf diesem einzigartigen Tanzparkett. Es war wahrhaftig eine köstliche Situation, auf die hoch am Himmel der Mond verständnisvoll herablächelte, als fei er selber der Walzerdirigent.
Hätten die Musiker im Senderaum gewußt, daß sie in dieser Minute für ein fröhlich-verschämtes Pärchen auf dem Bürgersteig einer nächtlichen Straße aufspielten, sie hätten gewiß noch nicht so bald aufgehört. So aber hatten sie von den ungewöhnlichen Auswirkungen ihrer Melodien keine Ahnung, und deshalb erhoben sie auch keinen Protest, als der Ansager ins Mikrophon sprach: „Sie hörten zuletzt ... Und damit ist unsere Tanzmusik beendet!" . ,
Die Walzertänzer auf den Pflastersteinen muhten also innehalten. Aber nun, da sie einmal die Grenzen des Hergebrachten überschritten hatten, hätten sie gern noch ein bißchen weitergetanzt. Beschwörend blickten sie zum Fenster herauf, als konm ten sie dem Radiobesitzer dort oben suggerieren, noch ein wenig auf der Skala nach anderer Tanzmusik herumzusuchen. Aber der unsichtbare Mensch im Zimmer des Erdgeschosses war wohl schon zu müde, um für stumme Suggestionen von der Straße her noch empfänglich zu'sein. „Knacks!", drehte er deutlich den Apparat aus, und dann verlosch auch noch das Licht hinter den Fenstergardinen.
Selbst für den Optimismus eines jungen Pärchens konnte die Lage nicht mehr mißverständlich fein. Still und ein bißchen betrübt schritten die beiden weiter, während ihnen der Mond mit einem mitleidigen und einem heiteren Auge Zwinkernd nachschaute. v-
ASLB.
Geschichtliche Arbeitsgemeinschaft.
Nicht heute, sondern Dienstag, 17.30 Uhr,
Es war um die Zeit, als Napoleon noch ein Knabe war.
Da kam es eines Tages in der Montgolfierschen Papierfabrik in der französischen Ortschaft Annonay wieder zu einem Streit zwischen dem alten Mont- golfier und seinem Sohn Joseph Michel.
Aber jetzt war es ernster als sonst.
Joseph Michel wollte in der väterlichen Fabrik, in die er nur sehr widerwillig eingetreten war, nicht länger arbeiten.
Er wollte seinen erfinderischen Neigungen leben.
Der alte Montgolfier war entrüstet.
Nun war fein Sohn Joseph Michel schon vierzig Jahre alt geworden und immer noch war er wie der dreizehnjährige Junge, der aus der Schule davongelaufen war.
Er versuchte ihn zu halten.
Wußte Joseph Michel nicht, was er seinem großen Vorfahren schuldig war, dem Kreuzfahrer Jean Montgolfier, der im 12. Jahrhundert in der türkischen Gefangenschaft die Papierherstellung kennengelernt und sie in Frankreich eingeführt hatte?
Aber er wollte als Mann in der Blüte der Jahre unabhängig sein, ging und machte seinem um fünf Jahre jüngeren Bruder Jacques Etienne in der
prima Feinkost-Laden! Und gleich kommt auch der erste Kunde: „Fabrikant Mchlhose", stellt er sich vor, „Sie
Walzer auf der Straße.
Einsam liegt die Straße mit den stillen Vorgärten. Der Nachtwind raschelt in den Büschen, hier und da blicken noch die gelben Vierecke erleuchteter Fenster aus den dunklen Fronten der Häuser. Gedämpft klingt Musik aus einer Wohnung im Erdgeschoß, Tanzmusik aus einem Lautsprecher. Deutlich und klar sind in der Ruhe dieser späten Stunde die Klänge der Kapelle, die Stimme des Ansagers bis zur 'Straße hin vernehmlich. „Als nächstes hören Sie ..." Und man hört. Zwischen schattigen Vorgärten und fernher glimmenden Laternen bleibt man stehen und läßt sich einen Tango ms Ohr geigen, als säße man im Lichterglanz eines festlich bewegten Ballsaals.
Wenn man zu Zweit und verliebt ist, dann merkt man herbstkühle Winde nicht. Deshalb auch blieb jenes Paar, das in diesem Augenblick langsamen Schrittes die Straße herauf kam, bedächtig und ohne zu frösteln vor dem Fenster stehen, aus dem die Radiomusik kam. Gewiß paßte der schmelzende Tonga vorzüglich zu ihrer Stimmung, und so lauschten sie andächtig, Seite an Seite.
„Als nächstes hören Sie einen langsamen Wal- ,3er ..meinte der Sprecher im Senderaum, und dann begann die Kapelle wieder zu spielen. 3roei= fellos war gerade dieser Walzer besonders hübsch und einschmeichelnd, und leise mitsummend begann sich das Pärchen verhalten im Takte zu wiegen. Und plötzlich, als geschähe es nach stillschweigender Verabredung, spähten beide die Straße aus und ab, und als sie bemerkten, daß die Gegend menschenleer war, lachte er und machte eine kleine Verbeugung. Sie lachte zurück und reichte ihm hoheitsvoll die Hand, und dann begann das Pärchen zu tan-
Hochschulnachrickien.
Professor Dr. Fritz Joachim von Ri nie len, Ordinarius für Philosophie an der Universität Bonn, tst in gleicher Eigenschaft an die Universität München berufen worden.
Professor D. Dr. Martin R c de ke r 'Ordinarius für praktische Theologie an der Universität M u n fter, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Kiel berufen worden.
Professor Dr. Ludwig Muhlhaus e",. Honorar Professor für Keltologie an der Unl°errftf»tn,i^5iTät bürg, ist zum Ordinarius an der Universität Berlin ernannt worden.
magischen Bann zwang. „
Gehorsam und mit etwas umnebelten Köpfen leisteten wir seinem Führerruf Gefolgschaft, wie wir es ihm über gekreuzten Taschenmessern unterm aufgehenden Vollmond geschworen. Auf Schleichwegen leitete er uns an den Obstgarten eines Bauernhofes. Lockend lachten uns reifende Apfelbäume an. „Halt!" kommandierte der „Rote Panther". Dann mußten wir bäuchlings eine Hecke umkriechen, bis wir am äußersten Winkel des Obsthofes angelangt waren. Von hier aus schickte der Führer einige Posten aus, dann kroch er mit der „Klapperschlange" durch ein Loch m der Hecke und schlängelte sich mit vollendeter Kunst an den nächsten Baum, währenddes wir als Troß ruhig im Gras liegenbleiben mußten. Bewundernd sahen wir unterm Häuptling nach. Run hatte er mit 'Klapperschlange" den Baum erreicht. Vorsichtig hob er den Kopf und äugte zum entfernten Haus hin, ob Gefahr drohe. Alles schien in Ordnung und unverdächtig. Kurz entschlossen {prang er mit "Klappe schlänge" auf und schwang sich an den untersten
Von Ort zu Ort ging die Kunde, daß die beiden Brüder Montgolfier Ballons in die Luft hatten steigen lassen. Das gab dem französischen Hofe Veranlassung, die Versuche öffentlich in Versailles vor- führen zu lassen. u .
Der 19. September 1783 wurde für die denkwürdige Begebenheit ausersehen.
Joseph Michel und Jacques Montgolfier erbauten ihren Versuchsballon größer als feine Vorgänger. Es hatte für sie keinen Reiz, vor der Oeffentlichkeit nur einen einfachen Ballon steigen zu lassen. Der Ballon mußte auch Passagiere haben.
In großem Gedränge stand der ganze Hof und wartete gespannt auf das Schauspiel. Eine unübersehbare begeisterte Menschenmenge umsäumte den Platz, in dessen Mitte die beiden Brüder und neben ihnen ein Schaf, eine Ente und ein Huhn standen.
Gespannte Stille.
Da kam eine brausende Begeisterung in die Menschenmenge. Sie sah, wie die beiden Brüder das Schaf, die Ente und das Huhn in die Gondel des Ballons brachten.
Wieder gespannte Stille.
Und dann stieg der Ballon unter dem Blöken des Schafes empor, und das Schaf, die Ente und das Huhn fuhren als die ersten Passagier der Luftfahrt unter dem Jubel der Bevölkerung dahin.
*
Die Begeisterung ließ die Brüder nicht rasten. Sie erbauten größere Ballons. Am 21. November 1783 erhob sich der erste mit Personen besetzte Ballon in die Luft, und am 19. Januar 1784 stieg auch Joseph Michel Montgolfier mit sechs weiteren Personen in das Reich der Lüfte.
Auch der kleine korsische Knabe las mit Begeisterung die Berichte von den ersten Luftballonfahrten. Und als er Kaiser der Franzosen geworden war, überreichte er Joseph Michel Montgolfier persönlich das Kreuz der Ehrenlegion.
Es war zum Ende des Sommers. Der Himmel i ..der Fülle des reifenden Lan- i be"9 schon stand erster Ruch des Herbstes über 1 ben Wielen und die Faden des Altwerbersomm-rs | Idiroebten als Boten des nahen Blatterfalls fpmn- Kn hurdi die Luft Wir hatten, unser Lagerzelt
Sackietzen unter hochstämmigen Buchen ' WAKMM
herauszureißen. beroeqter, als der „Rote
P°nth°^d°r damals> unser h°uMa^w°r^-^ er »VMS
pfeifen von ben ”or'“JriÄn seiner Hosentaschen teilte und dazu aus den 2,uw t ^Ezauberte. Tabak des vater ichen Seftanoes ”la*(c6rprobten Mit gespieltem wir die einst zum
Siouxkriegern anst-ht,st°ptt°v> , brad)16n jie
Starnrneselgentum er kl 1 <grennen und hör-
mit würdigem Schmauchen zum 2ßa(b,
ten, mächtige Rauchschwad einige5 williger zu. duft paffend, dem Erzahleru eimm sachkundi-
g.wicht.g 6'e 3 Es sich
Die Geschichte war zu C VaV)YXXe Aussprache, zwischen einigen unter un Inzwischen waren di- aber bald, wieder «n*t^ 3a(ä' einige Un=l auch die Pfeifen ausgera chtz £abat federten, entroegte vom Häuptling Vorrat zu Ende gewußte der gestehen, daß Kriegern erhob
gangen sei. Unter den a jfote Panther" furchte sich unwilliges Murren. D " durchdringenden nachsinnend die Stirn undW nad) an.
Adlerblicken (eine Getreuen ^res unerschrocke- Dann stieß er den Kriegsr: r Klapperschlange" nen Stammes aus und ! erlauchten Kreis und dem „Rasenden Stier,
-jni Anfang war es ihnen natürlich noch ein bißchen genierlich. Aber die Macht der Musik hat schon ganz andere Dinge fertiggebracht, als einem jungen Paar die Schüchternheit auszutreiben. So wurden Oberrealschule.
*
Joseph Michel las die Beobachtungen über die verschiedenen Luftarten.
Dann ging er unruhig hin und her und beobachtete den Himmel mit seinen Wolkenbildungen.
Wenn der Engländer mit seinen Wahrnehmungen recht hatte, warum sollte es den Menschen dann nicht gelingen, in der Luft zu schweben?
Die Wolken hängen ja auch am Himmel ohne auf die Erde zu fallen. Man braucht vielleicht nur eine Wolke in eine leichte Hülle einzufangen. Wenn man sich bann daran hängt, müßte man doch m der Luft schweben können. .
Er beschloß mit seinem Bruder Jacques Etienne zusammen dem Problem nachzugehen und schrieb an die Akademie in Lyon: „Wie uns das 21uf= steigen einer Rakete oder eines Wasserstrahles aus einer Feuerspritze zeigt, daß wir Mittel haben uns Leistungen zu verschaffen, die großer sind als es der einfachen Menschenkraft entspricht, so müssen wir derartige gesteigerte Leistungen tiefer auch für die Luftschiffahrt geeignet machen können. Einstweilen aber, bis irgendein gelehrter, geschickter Mechaniker sich mit diesem Problem beschäftigt, haben wir, einer meiner Brüder und ich, uns vor- gesetzt, ein Fahrzeug zu bauen, in dem wir eine
Historie vom „Wehenden Hemd"
Eine deutsche Indianergeschichte von Willi Schäserdiek.
AW


