r. 184 Erstes Blatt
Samstag, 8. August 1936
186. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Erscheint tLgl^h, außer M M Annahme von Anzeigen
Sonntags und Feiertags für die Mittagsnummer
Beilagen: Die Illustrierte ■ JA A A kA A A A. A A A S|R AA A A A A A A A bis 8>/,Uhrd°s Vormittags Sams iHtAÖAItAt JlltlMn^r ssffssa 8BLL VIVIIVIIVl VIII 1VBMV< sm« von einzelnen Nummern f^^F ErmShtgte Grundpreise:
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KZM General-Anzeiger für Oberheffen gtannurtammain liess Druck und Verlag: vrShl'sch« UitverfilStr-vuch- und Steindnttkerei R. Lange in Siehrn. Schriftleitung und SeschSslsftelle: Schulftrahe r M-ngenabschlün-^Staff-m
Oie Militärgruppe rüstet zum Vormarsch aufMadrid.
Die Lage.
Burgos,?. 8. (DNB.) Die Lage in Spanien hat sich Donnerstag und Freitag nur wenig verändert. Die Nationalisten sind im Norden und W e- ji e n weiterhin im unbestrittenen Besitz der Pro- linzen Coruna, Lugo, Pontevedra, Orense, Leon, Valencia, Burgos, Alave, Navarra, Logrono, Soria, Segovia, Valladolid, Avila, Caceres, Salamanca und Samora. Dazu kommt die halbe Provinz Huesca, drei Viertel der Provinz Saragossa, ein Viertel der Provinz Guadalajara und der Nordstreifen der Provinz Madrid. Ferner beherrscht die Militärpar- tli die halbe Provinz Teruel und deren Hauptstadt, |ie Balearen, außer Minorca und sämtliche lanarischen Inseln und ganz Spanisch- Narokko. 3rf Südspanien sind die Provin- m Cadiz, Huelva, Sevilla, Cordova und ein Teil er Provinz Granada mit der Hauptstadt unter irer Herrschaft. Um Katalonien mit seinen vier .rooinzen Lerida, Gerona, Barcelona und Tarra- ona, das der Madrider Regierung gegenüber ftzine n a b h ä n g i g k e i t erst vor wenigen Tagen un- weideutig erklärt hat, und darüber hinaus vorn ?inen Anarchismus beherrscht wird, kümmert man ch zur Zeit nicht. Die Unterwerfung Kataloniens ll erst durchgeführt werden, wenn im Süden Spaniens völlige Ordnung geschaffen worden ist. agegen kämpfen die Nationalisten zur Zeit um e Provinz Malaga mit ihrer gleichnamigen auptstadt und um die Provinz Badajoz, dem nzigen für Madrid noch freien Ausgang nach ortugal.
Der Vormarsch der Truppen des ®e« e r a I 5 Franco auf Madrid, der während die- tr Woche zum Stillstand gekommen war, ist am Donnerstag von Cordoba aus wieder ausgenommen worden, nachdem es gelungen war, von Marokko 4000 Fremdenlegionäre als Verstärkung heranzuziehen. Als nächstes Angriffsziel ist Merida vorgesehen. Die Nordgruppe des Generals Mola dagegen wird zunächst in ihren Stellungen ih der nur 50 bis 70 Kilometer Entfernung der
Landeshauptstadt vorgelagerten Gebirgskette G u a- Marrama und Somofierra verhalten, bis bc Streitkräfte des Generals Franco, denen die Abschneidung Madrids von Valencia und Alicante 1,liegt, auf eine gleiche Entfernung an Madrid rangetommen fein werden. Ein ähnliches Vvr- hen befolgt die Nordgruppe auch in dem Streb n Jrun — San Sebastian — Bilbao — Santan- 6, r — Oviedo, dessen Fall nach der Einnahme von Madrid und der Auflösung des Bündnisses der faskischen Nationalisten mit den Marxisten, die sich bereits in ihren ersten Anfängen deutlich zeigt, kwartet wird.
ssrancos Vormarsch von Süden.
Lissabon, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Am Zreitagnachmittag kam General Franco im Flug- lug aus Tetuan in Sevilla an. Der Sender tzevilla meldet, daß die Truppen des Generals franco d i e Stadt Merida, also die Schlüssel- fi.'llung zur Provinz Badajoz, eingenommen jitten. In Badajoz sollen sich die Guardia Civil mb Sturmabteilungen gegen die roten Machthaber der Stadt erhoben und sich in ihren Kaser- ivn verbarrikadiert haben. An der portugiesischen jrenze habe man während des ganzen Vormittags lebhaftes Gewehrfeuer vernommen. In d n Abendstunden sollen sich die Nationalisten wegen Munitionsmangel den Truppen der Linksregierung ergeben haben. Ein Flug- Jtug der Militärgruppe soll Badajoz mit Bomben belegt haben, wobei eine Kaserne schwer b. schädigt worden sei. Madrider Meldungen, die Dm einer Einnahme der Stadt Cadiz dirch die yLarxistischen Truppen sprechen, stehen in L iderspruch zu den Erklärungen der Leitung der 1. iütärgruppe, wonach diese Stadt weiterhin fest iü ihren Händen sei. Auf dem Marsch von Äitalonien nach Saragossa befindliche Marxist sche Freiwilligenformationen sollen von nationalistischen Truppen geschlagen und zerstreut worden sein, wobei zahlreiche Waffen und Munition in die Hände der Sieger gesellen sein sollen.
Anarchie in Barcelona.
Ein Hirtenbrief
an die baskischen Nationalisten.
H e n d a y e , 8. Aug. (DNB.) Der Sender Dur- ges teilte in der Nacht zum Samstag mit, daß in Barcelona der Präsident der marxistischen Gewerkschaften lUGT.) von ^lngehori- gcn der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften >CNT.) ermordet worden sei. Ferner will man njiffen, daß der Bischof von Barcelona, ter von den Roten verhaftet worden mar e r« schossen werden sollte, im letzten Augenblick durch las Eingreifen des italienischen Konsuls gerettet und mit einem italienischen Schiff fortgebracht werden konnte. ..
Besondere Beachtung verdient die Mitteilung, teß die Bischöfe von Pamplona unö Bitoria sich entschlossen haben, einen Hirtenbrief an ihre Gläubigen zu verfassen, indem sie von ihnen fordern, ohne Rücksicht aus ihre politische Anschauung an der Verteidigung der Religion und des Vaterlandes mit- ^arbeiten. Diese Ermahnung richtet sich msbeion« ere an hie baskischen Nationalisten, üe gemeinsame Sache mit den Marxisten gemacht iahen und die Hauptschuld an den Zustande« an
der Linie Jrun—San Sebastian tragen. Der Sender von Sebastian verbreitet Anordnungen der kommunistischen Kommissariate, wonach die Bevölkerung aufgefordert wird, ihren Wasserbedarf hauptsächlich aus den öffentlichen Brunnen der Stadt zu decken, um so die Wasserleitung zu entlasten. Diese Tatsache wird in Zusammenhang gebracht mit den Gerüchten, wonach es den Nationalisten gelungen sei, die Wasserzufuhr der Stadt zu beschädigten.
Standgerichte arbeiten.
Beschlagnahme des Ordens-Bermögens in Katalonien.
Paris, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die französische Nachrichtenagentur Radio meldet aus Barcelona, die katalanische Regierung habe am Freitag ein Gesetz erlassen, wonach das gesamte Vermögen der Fürsten und religiösen Orden der Beschlagnahme anheim fällt. Das Gesetz erlaubt ferner die Beschlagnahme des Besitzes solcher Personen, die der Unterstützung der Militärgruppe überführt sind.
Der nationalistische General Queipo de Llano bestätigte, daß der frühere Minister Vizeadmiral Azarola von den Nationalisten erschossen worden ist. Zwei Regierungsflugzeuge seien am Frei
tag abgeschossen worden. Das Militärkommando hoffe, die Stadt Badajoz in den nächsten Tagen von der roten Herrschaft befreien zu können.
120 Nationalisten, die auf der Insel Minorca gefangen gehalten werden, sollen versucht haben, die Regierungstruppen anzugreifen. Sie sollen sämtlich erschossen worden sein. Unter den Opfern soll sich auch ein Admiral befinden. In Huelva wurden mehrere Stangerichtsur- teile durch die Nationalisten vollstreckt. U. a. wurden erschossen der frühere Zivilgouverneur von Huelva Jimenez Castellanos sowie die Oberstleutnante Julio Orts und Alfonso Lopez.
Bürgerkrieg auch in Alicante.
Madrid, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Es scheint jetzt auch in der bisher vom Bürgerkrieg nicht berührten Provinz Alicante zu Kämpfen gekommen zu sein. In Alcoy bei Alicante soll die rote Miliz in der Nacht d i e Militärkaserne gestürmt haben, well sich dort angeblich Mitglieder rechtsstehender Parteien, sowie von den marxistischen Behörden gesuchte höhere Offiziere verborgen hätten. 36 nationalistischer Gesinnung verdächtige Offiziere der Garnison seien fest genommen worden. Bei dem Gefecht feien zwei Majore getötet und zahlreiche Personen verletzt worden.
Frankreichs AeulralMsvorschlag.
Paris, 7. Aug. (DNB.) Die französische Regierung hat eine Note an die interessierten Mächte gerichtet, m der sie Regeln für die praktische Durchführung der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten aufstellt. Nach dem Entwurf sollen sich die Regierungen dahin verpflichten, daß Ausfuhr, Einfuhr und Beförderung von Kriegsmaterial von und nach Spanien einschließlich Kriegsschiffe und Flugzeuge jeder Art verboten sein sollen. Auch sollen alle laufenden Lieferungen unterbrochen werden. Schließlich sollen die Regierungen alle Nachrichten über die Durchführung dieses Versprechens austauschen. Jedoch wurde keine Anregung über eine Durchführungskontrolle gemacht.
Der „Jntransigeant" hebt hervor, daß es sich um eine Verpflichtung der Regierung handele, daß also der Privatindustrie unter dem Vorbehalt gewisser Ausfuhrgenehmigungen die volle Freiheit gelassen werden würde, der einen oder anderen kriegführenden Partei die Hilfe zukvm- zulassen, die man für notwendig erachte. Natürlich bleibe auch den Regierungen auf Grund der geltenden internationalen Abmachungen das Recht, Lebensrnittel und Arzneimittel zu senden. „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß die Radikalsozialisten mit dem Außenminister an der Spitze sich nachdrücklich für die vollständige Neutralität eingesetzt hätten, während einige sozialistische Minister anderer Meinung gewesen feien, ohne deshalb aber bis zur vollkommenen Aufgabe der Neutralität zu gehen. Schließlich sei aber doch eine Einigung zustande gekommen und die Neutralität Frankreichs mit einer ziemlich starken Mehrheit beschlossen worden.
Hinter den Kulissen der Neutralität.
Litauen sott französische Flugzeuge au die Madrider Linksregierung liefern.
Paris, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Im Zusammenhang mit den angeblich beabsichtigten französischen Flugzeug-Lieserungen an die Madrider Regierung hat der „Jour" jetzt in Erfahrung gebracht, daß die 14 Dewoitine-372, die ursprüng - lich von Litauen bestellt worden waren und später gegen eine neue Bestellung moderner Apparate eingetauscht wurden, der Form nach in litauischen Besitz übergehen sollen, um dann von Litauen an Spanien g e - liefert zu werden. Die französische Regierung habe dann die Entschuldigung, daß sie Litauen nicht daran hindern könne, mit ihren eigenen Flugzeugen zu machen, was es wolle. Das Blatt will ferner wissen, daß in Villacoublay sechs Amivt- Bomber und ein Breguet 413 für Spanien startbereit stünden, die alle zunächst nach Toulouse übergeführt werden sollen.
Iranzösische Freiwillige in Barcelona.
Paris, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach Meldungen aus Barcelona ist dort die erste Gruppe französischer Freiwilliger eingetroffen, die gegen die Militärgruppe kämpfen wollen. Es soll sich um etwa 200 Mitglieder der französischen Volksfront handeln.
Kriegsschiffe der Madrider Regierung bombardieren Algeciras und Leuia.
London, 7. Aug. (DNB.) Wie aus Gibraltar berichtet wird, beschießt das Kriegsschiff der Linksregierung „Jaimes I" seit Freitagfrüh den Hafen vonAlgeciras. Don Gibraltar aus konnte beobachtet werden, daß zahlreiche Geschosse in Algeciras explodierten, insbesondere in der Nähe des Torpedoboots 19 und des Kanonenbootes „Dato", die beide von Parteigängern der Militärgruppe geführt werden. Ein Schuß der „Jaimes I" traf das Kanonenboot „Dato" so schwer, daß es in Brand geriet. Der Regierungssender in Madrid behauptet, daß der Kreuzer das Kanonenboot „Dato", das bei der Ueberführung der Streitkräfte des Generals Franco von Marokko nach Südspanien geholfen hat, versenkt sei. Bei der Beschießung von Algeciras wurde das britische Konsulat schwer beschädigt und die $rau des Konsuls durch her- abfallendes Mauerwerk leicht verletzt. Das Konsulat erhielt einen Volltreffer und mußte geräumt werden. Mehrere Gebäude in Algeciras wurden von 30-Zentimeter-Granaten schwer beschädigt, wobei es Verluste an Toten und Verwundeten gegeben haben soll. Anscheinend sind die Geschütze der Befestigungen von Algeciras dem schweren Kaliber des „Jaime I" nicht gewachsen gewesen. Nach einer Reutermeldung sollen sie keinen Schuß abgegeben haben. Nach anderen Berichten wurde „Jaime I" bei der Beschießung schwer getroffen und soll mit einem großen Leck abgedamyft sein. Die Stadt Algeciras ist als Folge der gestrigen Beschießung fast vollständig von Zivilisten geräumt. Bei der Beschießung sollen mindestens 20 Personen getötet und über 50 verwundet worden fein.
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Die Londoner F r ü h z e i t u n g e n veröffentlichen fpaltenlange Berichte über die schwere Beschießung der Stadt Algeciras. Außerdem wurden Ceuta und die spanische Küste zwischen Punte Carnero und Algeciras mit Bomben belegt. Don den Felsen von Gibraltar aus beobachteten viele
Engländer und Hunderte von Spaniern die Beschießung der nur schwach befestigten Stadt Algeciras. Nach der „Times" fetzte sich die Flotte der Angreifer aus dem Schlachtschiff „Jaime l", dem Kreuzer „Libertad" und zwei Flotillensührern zusammen, die zunächst etwa von der Mitte der Meerenge aus das Feuer auf Ceuta eröffneten. „Jaime I" nahm hierauf Kurs auf Algeciras und bezog unmittelbar vor dem Hafeneingang Stellung, von wo aus es das K a - nonenboot „D a t o", die Küstenbatterien und die Kasernen beschoß. Die „Dato" flog nach mehreren Explosionen in die Luft und verschwand in einem Flammenmeer. Die Kasernen forme die im Hafen liegenden Schiffe der Militärpartei wurden nicht getroffen, doch explodierten einige Bomben in der Stadt. Die Batterien der Nationalisten gaben eine schwache Antwort, nur eine ober zwei Granaten fielen in der Nähe des Schlachtschiffes ins Meer, ohne Schaden anzurichten. Auch das von der Küste eröffnete Maschinengewehrfeuer war wirkungslos. Nach der Beschießung von Algeciras beschoß die „Jaime I" mit Unterstützung des Kreuzers „Libertad" die gesamte Küste bis Punta Carnero.
Oer Führer an die Hinterbliebenen der ermordeten Spanien-Deutschen.
Berlin, 7. Aug. (DNB.) Wie die NSK. meldet, hat der Führer den Angehörigen der bei den spanischen Unruhen ums Leben gekommenen vier jungen Deutschen sein Beileid zu dem schmerzlichen Verlust aussprechen lassen. Aus dem gleichen Anlaß hat der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP., Gauleiter Bohle, für alle Dienststellen der Auslandsorganisatiov in Deutschland und im Auslande mit sofortiger Wirkung eine vierzehntägige Trauer bis zum 20. August 1936 einschließlich angeordnet.
Oie spanische Lehre.
In dieser vom Festglanz der Olympischen Spiele erfüllten Zeit, da Deutschland fast alle Nationen der Welt bei sich zu Gaste sieht, in dem aufrichtigen Wunsch, damit die Brücke bauen zu helfen für ein besseres Verständnis der Volker als sicherste Grundlage eines wahren Friedens, in diesen Wochen des Jubels und der Freude über die großartigen Erfolge eines Wettkampfes, dessen vornehmste Attribute Kameradschaft und Ritterlichkeit sind, in diesen Wochen fällt es uns Deutschen doppelt schwer, unsere Blicke auf Vorgänge im Ausland zu lenken, die in aller Deutlichkeit kundtun, wie sehr dieser eben gekennzeichnete olympische Geist sich noch auf seltene Höhepunkte im Völkerleben beschränkt und welcher schier unmenschlichen Erziehungsarbeit es noch bedarf, ihm auch im politischen Leben der Volker untereinander und miteinander Boden zu gewinnen. Aus Spanien kommt die erschütternde Nachricht, daß dort vier deutsche Landsleute Opfer der Bürgerkriegsgreuel geworden find. Doch weder hat sie eine verirrte Kugel getroffen, noch haben sie sich mutwillig in die spanischen Händel eingemischt. Nein, mit ordnungsmäßigen Pässen versehen, waren sie im Begriff, das von der Furie des Bürgerkriegs geschüttelte Land, das ihnen bislang wie 15 000 ihrer Volksgenossen eine wirtschaftliche Existenz geboten hatte, zu verlassen, als kommunistische Horden sie aufgriffen, vor eines der berüchtigten Revolutionstribunale schleppten und kaltblütig erschossen, nur weil sie Angehörige jenes nationalsozialistischen Deutschlands waren, das Moskau und seine Kreaturen in aller Welt mit tödlichem Haß verfolgen. Angesichts dieser scheußlichen Tat, die zeigt, wie wenig die Linksregierung in der Lage ist, in den von ihren Organen noch besetzten Landesteilen Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten, empfinden wir es besonders dankbar, daß es unseren in die spanischen Gewässer entsandten Kriegsschiffen gelungen ist, tausenden deutschen Flüchtlingen den Rückweg in die Heimat zu bahnen. Die Fortführung der deutschen Hilfsaktion, die ausschließlich unseren um Hab und Gut gebrachten, in ihrem Leben bedrohten Landsleuten gilt und, wie nicht oft genug betont werden muß, mit einer Einmischung in die inneren Verhältnisse Spaniens oder gar mit einer Parteinahme im Bürgerkrieg nicht das geringste zu tun hat, wird um so notwendiger sein, als alle Anzeichen daraus hindeuten, daß die beiden sich gegenüberstehenden Gruppen, die Linksregierung in Madrid und der nationale Block, zum Endkampf rüsten, der vermutlich noch einmal alle Bande der Ordnung und des Gesetzes lösen und auch die noch im Lande befindlichen Fremden in ernste Gefahr bringen wird, mag nun der kommunistische Mob nach einem Erfolg der Linksregierung Oberwasser bekommen oder mag er nach einem Sieg des nationalen Regimes zu Verzweiflungstaten schreiten.
Die politische und militärische Lage in Spanien ist angesichts der sich widersprechenden Nachrichten, mit denen beide Gruppen durch die ihnen zur Verfügung stehenden Sender die Welt überschütten und der Unmöglichkeit unzensierte Berichte zuverlässiger Beobachter zu erhalten, höchst undurchsichtig. Es scheint aber, als ob die nordwestlichen Provinzen altspanischer Kultur, in denen Monarchie und Kirche von jeher eine starke Stellung hatten und die auch bei den letzten Wahlen im Februar dieses Jahres den Rechtsparteien ihre Stimme gegeben hatten, sich fest in der Hand der Militär- gruppe befinden. Es sind dies Galicien mit dem kirchen- und klösterreichen Santiago de Com- postella, dem spanischen Rom, Leon mit der lebhaften, aufstrebenden Hauptstadt gleichen Namens, Altkastilien mit Burgos, dem Sitz der nationalen Regierung, Salamanca, Valladolid und Avila, alles ehrwürdige Zeugen spanischer Große ver- aangener Jahrhunderte, Burgos mit seinem herrlichen gotischen Dom, dem Meisterwerk des Deutschen Hans von Köln, Salamanca mit seiner berühmten Universität, Valladolid mit dem Geburtshaus Philipps II., dessen Residenz es auch lange Jahre hindurch war und Avila mit feinen gewaltigen türmereichen Stadtmauern, sie sind das Herz Altspaniens. Im Nordosten ist Navarra fest in der Hand der Militärgruppe, aus der Hauptstadt Pamplona hat General Mola den Vormarsch auf Madrid angetreten, der ihn bisher an die Hohen des Guadarrama-Gebirges heranführte, das wie ein Festungswall die Hauptstadt Madrid im Norden umschließt. Auch in Aragon, der nordöstlichen Kernlandschaft Altspaniens, scheinen die nationalen Gruppen die Oberhand zu haben, wenn auch Sarragossa mit seinen unersetzlichen Kunstschätzen noch häufig von Bombengeschwadern der Linksregierung bedroht wird. Diesem der nationalen Bewegung zugefallenen Gebiet im Norden fehlen zu feiner Geschlossenheit Oviedo, die uralte, heute jedoch kaum mehr als 30 000 Einwohner zählende Hauptstadt Asturiens, die aber in letzter Zeit als Mittelpunkt des kantabrifchen Bergbaus schon häufig der Schauplatz wüster Ausschreitungen kommunistischer Horden gewesen ist, und ihr Hafen Gijon, ferner die drei baskischen Provinzen mit den wichtigen Hafenstädten Santander, Bilbao und dem berühmten Seebad am Fuße der Pyrenäen San S e b a ft i a n. Es spricht ja überhaupt für den Charakter des spanischen Bürgerkrieges, daß fast sämtliche bedeutenden Häfen sowohl an der Biskaya wie am Mittelmeer, da sie zugleich Sitz einer stark kommunistisch verseuchten Jndustriearbeiter- schäft sind, sich zur nationalen Bewegung feindlich stellen, wie }a auch anscheinend der größere Teil der durchweg aus modernen und gut ausgerüsteten Schiffen bestehenden Kriegsflotte zumeist nach Beseitigung der Offiziere sich auf die Seite der Linksregierung geschlagen hat, was der


