fugt wurde. Es ist klar, daß man mit einer solchen Bevölkerung, in der natürlich die alten Stammes- geaensätze und Selbständigkeitsbestrebungen noch weiterleben, keinen Krieg der nationalen Selbstbehauptung gewinnen kann. Die massenhaften Desertionen, von denen das italienische Hauptquartier zu berichten weiß, bestätigen das auf das nachdrücklichste.
Marschall Badoglio hat erklärt, daß der Sieg am Aschangi-See es der italienischen Heeresleitung gestatte, jetzt die kühnsten Pläne zur Durchführung au bringen. In welcher Richtung diese Pläne sich bewegen, ist nicht allzu schwer zu erraten, wenn man weiß, daß der nunmehr besetzte Flecken Q u o r a m am Südufer des Aschangi-Sees den Ausgangspunkt jener befestigten Straße bildet, die von hier aus über Des sie nach der Haupt st a d t des äthiopischen Reiches führt. Diese sogenannte „Kaiser- Straße" soll angeblich auch für Kraftwagen befahrbar sein. Zwar behaupten militärische Fachleute in Rom, die Straße stelle kaum etwas anderes dar, als einen verbesserten Maultierweg, aber selbst wenn dies der Fall wäre, so müßte doch die hoch entwickelte italienische Straßenbaukunst, die sich in diesem Kolonialkrieg so außerordentlich bewährte, imstande sein, die vorgefundenen Straßen in kürzester Zeit so auszubauen, daß die italienische Nachschuborganisation sich ihrer mit Nutzen bedienen kann. Wenn man das militärische Gesamtbild betrachtet und auch in Rechnung stellt, daß die zersprengten abessinischen Heeresteile sich zu einer neuen Kleinkriegstaktik aufraffen und dadurch den Italienern noch erheblichen Schaden zufügen könnten, so ändert sich doch nichts mehr an der Tatsache, daß das Schicksal des Negus militärisch und politisch besiegelt ist.
Italien hat keine Absichten aus Aegypten.
Erklärungen des Staatssekretärs Suvich.
Rom, 7. April. (DNB.) Anläßlich einiger kürzlich in der ägyptischen Presse erschienenen Artikel hat der Staatssekretär des Auswärtigen S u v ich dem ägyptischen Geschäftsträger folgende Erklärung abgegeben: „Es ist einfach absurd, zu glauben, daß die italienische Regierung Interesse daran hat, Aegypten anzugreifen oder in irgendeiner Weise zu bedrohen. Italien hat und wird niemals Ziele der Eroberung oder der Kolonisation in Aegypten haben. Die gemeinsamen Grenzen zwischen Libyen und Aegypten dürfen keinen Anlaß zu irgendeiner Sorge bilden. Italien ist immer bereit, mit Aegypten Sicherheitsabkommen zur Erhaltung der gemeinsamen Grenzen und zu einer Politik abzuschließen, die von italienischer Seite von Gefühlen echtester Freundschaft geleitet ist und dies immer sein wird."
In einer von Staatssekretär Suvich unterzeichneten Note gibt die italienische Regierung ferner die Erklärung ab, daß sie nichts tun werde, was irgendwie die ägyptischen Interessen am Tanasee beeinträchtigen könnte, zumal die Beziehungen zwischen Italien und Aegypten stets ausgezeichnet gewesen seien und wegen der Tanasee-Frage kein 'Mißverständnis entstehen solle.
Unterstaatssekretär S uv ich hat dem britischen Botschafter in Rom versichert, daß die Italiener die offenen abessinischen Städte Addis Abeba und Diredaua nicht mit Bomben belegen würden. Der britische Botschafter hatte Suvich an die Verpflichtung erinnert, die die italienische Regierung im vergangenen Oktober nach Vorstellungen Englands und anderer Mächte eingegangen sei. Die Vertreter der Mächte hatten damals erklärt, daß sie amtliche Vertretungen in Addis Abeba und Diredaua unterhielten und daher hofften, daß diese beiden Städte keinen Luftangriffen ausgesetzt würden. Das Versprechen, beide Städte nicht zu bombardieren, wurde jetzt von Suvich wiederholt. Voraussetzung sei natürlich, daß die Städte nicht als Stützpunkte für Truppen- oder Materialansammlungen benutzt würden.
Der spanische Staatspräsident Alcala Zamora durch partamentsbeschluß abgeseht.
Die nächtliche Abstimmung der Lottes
Madrid, 8. April. (DNB.) Das spanische Parlament hat in später Nachtstunde m i t 238 Stimmen des gesamten Vvlksblvcks (Kommunisten, Sozialdemokraten, Katalanische Linke, Republikanische Aktion und Linksrepublikaner) gegen fünf Stimmen der Opposition und bei Stimmenthaltung der Katholischen Volksaktion und der beiden monarchistischen Parteien auf Grund des Artikels 81 der Verfassung festgestellt , daß die durch den Staatspräsidenten erfolgte zweite Landtagsauflösung, also diejenige des letzten Parlaments, „nicht notwendig" gewesen sei. Damit ist d i e Absetzung des Präsidenten der Republik von selbst erfolgt.
Der in Frage kommende Teil des Artikels 81 der Verfassung lautet: „Im Falle der zweiten Auflösung des Parlaments (der Staatspräsident darf während seiner Amtsdauer nur zweimal auflösen. Die Schristl.) besteht der erste Akt der neuen Kammer darin, die Notwendigkeit der Auflösung ihrer Vorgängerin zu prüfen. Sollte sich die absolute Mehrheit des Landtages dagegen aussprechen, so schließt das die Absetzung des Staatspräsidenten in sich ein." Solange der Posten des Staatspräsidenten unbesetzt ist, übt der P r ä s i - dent desLandtagesdie Funktionen des Prä- sidenten der Republik aus. Der Landtagspräsident selbst wird durch den ersten Vizepräsidenten der Kammer vertreten. Die Neuwahl des Staatspräsidenten muß innerhalb von acht Tagen ausgeschrieben werden und nach weiteren 30 Tagen stattfinden. Zu diesem Zweck werden durch gleiche, geheime und direkte Wahl ebensoviel „C o m p r o m i s a r i o s" gewählt, wie die Zahl der Abgeordneten des Landtages beträgt. Diese Vertrauensleute zusammen mit den Abgeordneten nehmen dann die eigentliche Präsidentenwahl vor.
Barrio übernimmt die provisorische Präsidentschaft.
Madrid, 8. April. (DNB. Funkspr.) Nachdem das spanische Parlament die Absetzung des Staatspräsidenten Alcala Zamora beschlossen hatte, begab sich der gesamte Kammervorstand in die Privat- wohnung des Präsidenten, um ihm amtlich Mitteilung von diesem Beschluß zu machen. Zamora lieh jedoch der Abordnung durch seinen Sohn sagen, daß es kein Gesetz gebe, das ihn zwingen könne, um Mitternacht irgendwelche Mitteilungen entgegenzunehmen. Daraufhin begab sich der Kammervorstand in das „Palais der Republik", die Amtswohnung des Präsidenten, und ließ dort vor dem Generalsekretär Alcala Zamoras einen notariellen Akt über die erfolgte Absetzung des Präsidenten aufnehmen.
Sodann kehrte die Abordnung ins Parlament zurück, um Rechenschaft über ihr Vorgehen abzulegen. Danach wurde der bisherige Landtagspräsident Martinez Barrio aus seiner Wohnung abgeholt, um vor den Abgeordneten den Eid als zeitweiliger Präsident der Republik abzulegen, wobei er von stürmischen Hochrufen der ganzen Kammer begrüßt wurde. Unmittelbar darauf stellte sich die Regierung dem stellvertretenden Staatspräsidenten vor. Hiernach begab sich Barrio in das „Palais der Republik", um sich dort vom stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden den Chef des Militärkabinetts vorstellen zu lassen, der seinerseits die Vorstellung des übrigen Personals des Präsidialkabinetts über
nahm. Gleichzeitig nahm Martinez Barrio von der Amtswohnung des Staatspräsidenten Besitz. Als Abschluß erfolgte ein nochmaliger Besuch des G e s a m t k a b i n e t t s um 2 Uhr beim neuen Staatspräsidenten.
Das Verhalten Alcala Zamoras wird in den Wandelgängen des Parlaments teils ironisierend, teils verurteilend kritisiert. Man ist sich darüber einig, daß dieser Abgang des ehemaligen Staatspräsidenten reichlich unrühmlich und unwürdig sei. Die ganzen Sympathien gehören Martinez Barrio.
Alcala Zamora
Niceto Alcala Zamora Torres wurde 1866 geboren und ist Andalusier. Er studierte Jura, wurde Rechtsanwalt und schloß sich politisch der liberalen monarchistischen Partei an. Um 1900 wurde er in die Kammer gewählt, wo er bald durch seine klugen und wortgewandten Reden auffiel und der Vertraute des liberalen Führers Graf Roma- nones wurde, der ihn zweimal in seine Kabinette als Kriegsminister berief. Während des Krieges bildete sich dann ein Gegensatz zwischen den beiden Führern heraus, da Romanones für den Anschluß Spaniens an die Entente eintrat, während Zamora unbedingte Neutralität verlangte.
Zamora war ein Feind Primo de Riveras, durch den er während der Diktatur schwere Verfolgungen zu erleiden hatte. 1930 trat Zamora zu den Republikanern über. Er war es, der vor dem verunglückten Dezemberputsch 1930 als „Präsident der spani
schen Republik" das Manifest, in dem das Volk zur Vernichtung der Monarchie aufgefordert wurde, unterzeichnet hat. Nach Niederschlagung dieses Put- sches stellte er sich freiwillig der Polizei. Am 23. März 1931 wurde Zamora zusammen mit den republikanischen Führern Maura, De los Rios und Caballero wegen Hochverrats vom Obersten Kriegsgericht in Madrid zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, nachdem der Staatsanwalt eine fünfzehnjährige verlangt hatte. In dieser milden Verurteilung und noch mehr in dem oerfügten Strafaufschub zeigte sich bereits deutlich die Schwäche der Regierung revolutionären Umtrieben gegenüber. Als d-ann am 14. April 1931 die Gemeindewahlen zu drei Viertel antimonarchistisch ausfielen und daraufhin die Republik ausgerufen wurde und der König das Land verließ, bildete Zamora am 15. April 1931 d i e provisorische Regierung.
Kommunistische Einflüsse bereiteten bald der Regierung Zamoras große Schwierigkeiten, die durch die Loslösungsbestrebungen Kataloniens noch erhöht wurden. Die extrem radikale Bewegung gegen die Kirche, die Abschaffung der katholischen Religion als Staatsreligion und Auflösung und Enteignung der religiösen Orden veranlaßten Zamora zurückzutreten. Der bisherige Kriegsminister A z a n a, der auch heute wieder die Regierung führt, übernahm die Regierung. Im November 1931 bot die Regierung Zamora die Präsidentschaft der Republik an, die er auch annahm.
Dynamit-Anschlag aus einen Schnellzug in Mexiko
Acht Tote, 14 Verletzte.
Der Nachlschnellzug zwischen Veracruz und Vlexiko-Stadt ist in der Nacht zum Dienstag infolge eines verbrecherischen Anschlages verunglückt. Der Zug hatte gegen 21.30 Uhr bei Paso del INacho in gebirgigem Gelände eine Brücke über eine tiefe Schlucht zu passieren. 3n dem Augenblick, als der Zug über die Brücke rollte, entzündete sich eine im Trägerwerk der Drücke angebrachte Dynamitladung. Die Lokomotive, der Postwagen, der Gepäckwagen und zwei Pullmanwagen st ü r z t en i n d en A b g r u n d , wo sie völlig zertrümmert wurden. Die übrigen Waggons blieben auf den Schienen stehen, gerieten aber z. T. in Brand. Die Zahl der Todesopfer scheint geringer zu fein als zunächst angenommen wurde. Vis Dienstag nachmittag find 8 T o t e und 14 Verletzte geborgen worden.
In dem Unglückszug reifte auch ein deutsches Ehepaar, das seine Tochter, die nach Deutschland unterwegs ist, nach Veracruz.gebracht hatte. Ferner befand sich in dem Zug auch ein amerikanisches Ehepaar. Beide Ehepaare sind unverletzt geblieben. Eine weitere Mitteilung besagt, daß von der Zugbesatzung fünf Personen getötet und drei verletzt wurden. Zwei in den Abgrund gestürzte Schlafwagen sind verbrannt, desgleichen ein weiterer Schlafwagen und zwei andere Wagen. Im Postwagen des Zuges soll ein großer Geldtransport untergebracht gewesen sein. Aus drei benachbarten Städten wurden sofort Hilfszüge und Militär an die Unfallstelle entsandt; jedoch war es noch nicht möglich, die abgestürzten Wagen zu bergen. Noch ungeklärt ist, ob es sich um einen Anschlag auf den Geldtransport oder um ein politisches Attentat handelt. Zur Verfolgung der Täter sind Truppen eingesetzt worden.
Aus aller Well.
Jungfernfahrt des Stromlinienzuges Hamburg - Lübeck — Travemünde.
„H-L-Schnellverkehr" steht in metallenen Riesenbuchstaben an dem doppelstöckigen Stromlinieneisenbahnzug, der seine Jungfernfahrt von Hamburg über Lübeck nach Travemünde antrat. Die mit grauem Eisenblech stromlinienförmig eingekleidete Lokomotive hat bereits ihren Spitznamen bekommen: „Mickymaus" ist sie schon in der Werkstatt von den Arbeitern getauft worden.
Eigenartig wirkt der äußere Anblick der Personenwagen. Die breiten Fenster der unteren Abteile reichen bis auf den Bahnsteig herab, die Fenster des Obergeschosses bis an das runde Wagen
dach hinauf. Vier Stufen führen in die unteren Abteile» und eine bequeme Treppe führt nach oben. Auch die Wagen der 3. Klasse sind mit bequemen Polstersitzen ausgeftattet. Die Aussicht ist besonders günstig, ro^nn man aus dem oberen Stockwerk, wie von einem Balkonfenster aus, die Gegend überblickt. Man hat heute kaum noch eine Erinnerung daran, daß zweistöckige Wagen bereits vor etwa 50 Jahren auf Der Berliner Stadtbahn — ein Modell steht im Berliner Verkehrs- und Baumuseum — verkehrten, wie damals überhaupt auch im deutschen Osten sowie im Essener Bezirk. In Paris und Kopenhagen laufen solche doppelstöckige Wagen ebenfalls im Vorortverkehr. Der Zug entwickelte sehr bald eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer, die er dann vorübergehend bis
Wettstreit der Nationen.
Internationales Musikfest inBaden-Baden.
Baden-Baden das Weltbad im Schwarzwald, das auf dem Gebiete der Musikpflege an eine stolze Tradition anknüpft, stand vom Anfang April im Zeichen eines friedlichen Musikwett st reite s der Völker, der einen interessanten Querschnitt durch den augenblicklichen Stand der europäischen Musik gab. Vor dem Kurhaus wehten die Fahnen Schwedens, Dänemarks, Frankreichs, der Schweiz, Jugoslawiens, Italiens und Deutschlands. Das Kurhaus war im Innern durch eine zauberhafte Auslese des Baden-Badener Frühlings zu einem festlichen Empfangsraum verwandelt worden. Mit wenigen Ausnahmen waren die Komponisten der aufgeführten Werke anwesend.
Im Rahmen eines Teenachmittags fand die (Eröffnungsfeier statt, bei der Oberbürgermeister Schwedhelm- Baden-Baden die Gäste begrüßte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Baden-Badener Musiktage über die Grenzen hinweg Brücken schlagen mögen zu anderen Nationen und damit völkerverbindend werben und daß die ausländischen Gäste Gelegenheit hätten, sich mit deutschem Wesen vertraut zu machen, damit das Verständnis unter den Nationen gefördert und der Friedensgedanke, den Deutschland immer gehegt habe, weitergepflegt werde. Zum Schlüsse der kurzen Feier wurde unter dem Beifall aller Anwesenden ein Ergebenheitstelegramm an den Führer und Reichskanzler, den Förderer des europäischen Friedensgedankens, gesandt.
Der Abend des ersten Tages brachte ein Orchesterkonzert mit der Welturaufführung der „G eigen m u s i k mit Orchester^ von Werner E g k, das der Komponist dirigierte. Technisch sehr anspruchsvoll, schwierig in der Ausführung mit seinen ständig verschobenen Taktteilen und eigenartigen Rhythmen, sind die drei Sätze (Allegro — Andante — Vivace) eine interessante Mischung volkstümlich gehaltener, sehr eingängiger Konzert-, mondäner Tanz- und Münchner Schrammelmusik. Elisabeth Bischoff- München spielte den großen, virtuos behandelten Solopart mit herber Beseeltheit, wundervoller Weichheit des Tones (Andante) und glän» Aenber Technik (Vivace). — Stärkeren Eindruck hinterließ Karl Hollers „Sinfonische Fantasie über ein Thema von G. Frescobaldi für Orchester", Werk 20, das in klarer Schönheit immer wieder aufklingt in den eigenartigen, oft harmoniefremden Klangballungen und Orchesteref selten. — (Eingeleitet wurde der Abend mit der deutschen Erstaufführung der Konzertouvertüre Nr. 2, Werk 13, des Schweden Lars Erik L a r f f o n , das in geschmackvoller Auf
machung und guter kontrapunktischer Arbeit ernstes Wollen und starkes Ringen des jungen Künstlers verrät; beschlossen wurde bas Konzert mit ber begeistert aufgenommenen „Griechischen Suite für großes Orchester" von Petro P e t r i b i s , einem granbiofen Tongemälbe ber bezaubernben griechischen Lanbschaft, bas in Deutschlanb zum ersten Male gehört würbe.
Der zweite Tag war Kammerkonzertwerken Vorbehalten, von benen Conrab Becks „Serenabe für Flöte, Klarinette unb Streichorchester", Jean F r a n c a i x' „Concertino für Klavier unb Orchester" unb Igor Strawinsky? „Konzert, für zwei Klaviere" zum erstenmal in Deutschlanb gespielt würben. Jean Francaix, ber ber jüngsten französischen Komponistengeneration angehort, erntete mit seinem liebensroürbigen, ungemein fesselnben Werk, bestehenb aus vier filigranfeinen Tvnbilbern voll kapriziösem Schwung — ber Komponist begleitete selbst am Flügel — stürmischen Beifall, ber zu einer Wieberholung zwang. Strawinskys breisätziges Konzert, bas er mit seinem Sohne spielte, stellt, in seiner geistigen unb technischen Konstruktion, ben Rahmen ber Klaviermusik fprengenb, in seinem imposanten Aufbau unb seiner inneren Problematik alles bisher von ihm Gehörte in ben Schatten.
Der letzte Tag brachte eine kammermusikalische Morgenfeier mit einem sehr mter- effanten Werk „Concertino für fünf Violinen (Stroß-Quartett unb Mitglieber bes Babener Sinfonieorchesters) unb Klavier" (Georg Mantel) bes fünfunbbreißigjährigen Dänen Knubage R i i ] a= ger, ber im Hauptberuf Staatsbeamter ist. Riisa- ger, ber auf Grunb eines Staatsftipenbiums in München Musikstubien machte, hat sich in Dänemark bereits einen Ruf erworben. Er hat sich übrigens auch in ben letzten Jahren sehr bafür eingesetzt, baß sowohl in ben Konzertsälen Dänemarks als auch im bänifchen Runbfunk beutfche Komponisten bevorzugt behanbelt würben. — Stürmischen Beifall errang Paul Hinbemiths klar unb formschön aufgebaute „Sonate in E" für Violine unb Klavier, beren letzter Satz wieberholt werben mußte. Den Solopart hatte Karl F r e u n b - Schwerin übernommen. Am Flügel waltete Abrian Aesch- b a ch e r - Berlin seines Amtes. Ernst P e p p i n g s Sonatine für Klavier unb zwei Romanzen für Klavier weisen ber Klaviermusik neue, burchaus gangbare Wege, Wilhelm Maler stellte sich mit seinem Streichquartett in G als begabter unb ernst zu nehmenber Künstler vor. Die kammermusikalische Feier würbe mit Mveschingers „Fantasie unb Variationen über ein Berner Volkslieb", erstmals in Deutschlanb aufgeführt, mit lyrischem Gehalt, aber etwas breit, beschlossen.
Der Sonntag klang aus mit bem Zweiten Orchesterkonzert, bas zwei Welturaufführungen unb eine beutsche Erstaufführung brachte. Ger- Harb F r o m m e l s „Suite für kleines Orchester", eine vornehme, feine Stimmungsmusik, leitete ben Adenb ein. Wolf-Ferraris „Venezianische Suite für kleines Orchester" beutete in blühenber Melobik Glück unb Schönheit ber ßagunenftabt. Aber das Werk wirkte fast altmodisch in diesem neuzeitlichen Programm, trotz aller Schönheit, die einer vergangenen Zeit angehort. — Die Uraufführung von Josip S l a v e n s k i s „Filmmusik", dem Komponisten der Musik im Tonfilm „Das Lied der Schwarze Berge", war der einzige Mißton dieses Musikfestes. Das Werk jft eine indiskutable Klangorgie, eine schwere musikalische Verirrung, die auch vom Publikum als solche aufgenommen wurde. Von Francesco Malipiero, dem bedeutendsten Repräsentanten der neuen italienischen Musik, hörte man eine „Sinfonie für großes Orchester", eine hochkultivierte Schöpfung von echt italienischem Kolorit. Mit Max Trapps sehr gekonntem „Konzert für Orchester" von außerordentlicher Schönheit, das unter Furtwängler in Berlin seine Uraufführung erlebte, wurden Höhepunkt und Ende des internationalen Musikfestes erreicht.
Die Komponisten, die sehr gefeiert wurden, hatten eine vortreffliche Stütze in Generalmusikdirektor Herbert Albert, der, kaum partiturgebunden, die einzelnen Werke souverän beherrschte und sie meisterlich anzudeuten verstand; ferner in dem Stroß - Quartett, das in der vordersten Linie der neuen Quartettoereinigungen steht, unb im verstärkten Daben-Babener Sinfonie- unb Kurorchester, bas mit Liebe unb Begeisterung um eine ausgezeichnete Wiebergabe bemüht war.
Josef Wellenreuther.
Kunst und Wissenschaft.
Preisgekrönte Münchner Dichter.
Der Literaturpreis ber Stabt München für 1934, 1935 unb 1936 würben in ber Sitzung ber Ratsherren ber Hauptstabt ber Bewegung am Dienstag wie folgt verteilt: Den Literaturpreis für 1934 erhielt bie Balladenbichterin Franziska-Luise D r e s- ler-Schember in Anerkennung ihres in biesem Jahr vollenbeten großen Werkes, bas bie Trabitwn beutscher Ballabenoichtung roürbig fortsetzt. Der Literaturpreis für 1935 würbe bem Dichter Georg Bri11ing in Anerkennung seines lyrischen Schaffens verliehen. Sein Werk, geboren aus tiefer Na- turverbunbenheit unb geformt durch das erschütternde Erlebnis des Krieges, stellt ein glanzvolles dichterisches Wiederaufleben des bayerischen Barocks dar. Für 1936 wurde der Literaturpreis dem Dich
ter E. G. K o l b e n h e y e r in Anerkennung feiner in ihrer Vielseitigkeit einzigartigen bichterischen unb benkerischen Gesamtleistung zugesprochen. Jnsbe- sonbere werben in ber Begrünbung seine große faustische Dichtung, bie Paracelsus-Trilogie unb fein Schauspiel „Gregor unb Heinrich" hervorgehoben. Der mit jebem Preis oerbunbene Betrag beläuft sich auf 2000 RM.
Preisgekrönte Siebenbürger Dichter.
Die Berliner Zeitschrift „bie neue linie" hat, wie kürzlich bereits gemelbet, auch in biesem Jahr roieber einen großen Erzählerwettbewerb ausgeschrieben, dessen ersten Preis der Siebenbürger Dichter Erwin Witt stock für seine Novelle „H erz an der Grenze" davontrug. Der erste Preis der Zeitschrift fiel auch schon in den Jahren 1933 und 1935 an einen Siebenbürger Sachsen, an Hch. Zillich. Die dreimalige Krönung ber Dichter aus Siebenbürgen bezeugt ben hohen Wert ihrer Schrifttumsarbeit, aus ber befruchtenbe Ströme bem gefamtbeut- fchen Dichtungsbestanb zufließen.
Zehn Zähre Hlarburger Festspiele.
Die Marburger Fe st spiele feiern in biesem Jahre ihr zehnjähriges Bestehen. Der Jubiläums- Spielplan bringt ben „Sturm" von Shakespeare, „Käthchen von Heilbronn" von K l e i st, „Die lustigen Weiber von Winbsor" von Shakespeare sowie „Die Himmelskomöbie" von Hillers.
Erfolgreiches Konzert beutscher Künstler in Ankara.
Die bekannte Sängerin Maria Müller von ber Berliner Staatsoper sang mit Dr. Hallasch von ber Münchener Oper als Begleiter in ber beutschen Botschaft in Ankara (Türkei) vor gelabenen Gästen, unter benen sich ber türkische Ministerpräsibent General Ismet I n o e n u, ber Finanzminister, ber Unterrichtsminister, zahlreiche höhere Beamte unb Abgeorbnete sowie Vertreter bes Diplomatischen Korps mit ihren Damen befanben. Am folgenben Tage trat bie Sängerin im Rahmen eines Wohl- tätigkeitskonzertes im Volkshause auf unb erregte vor überfülltem Hause Stürme ber Begeisterung. Die Künstler reifen bieser Tage nach Istanbul weiter.
Eine Reichsfachschaft Tanz.
Die Reichstheaterkammer hat neben ber Reichsfachschaft Bühne unb ber Reichs fach schäft Artistik eine neue Reichsfachschaft Tanz als Abteilung ber Kammer errichtet. Die neue Fachschaft umfaßt als Fachgruppen alle tänzerischen Organisationen. Allein bie Bühnentänzer werben auch weiterhin als Fachgruppe 5 bei ber Reichsfachschaft Bühne bleiben. Zum Leiter ber Reichsfachschaft Tanz würbe Pg. August Burger berufen, ber zugleich bie Fachgruppe 5 ber Fachschaft Bühne führt.


