Ausgabe 
8.1.1936
 
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1 Kreisklasse: DfBR. II Großen-Buseck 1:6; Rodheim Leihgestern 0:1; Albshausen Burgsolms 1:2; Stockhausen Bissenberg II 1:1; Wetzlar II Aßlar 1:4; Werdorf Ulm 1:1.

2 . Kreisklasse: Großen-Linden Lich 0:1; Garbenteich Steinberg II 4:1; Heuchelheim II Fellingshausen 10:2; Lollar II Wißmar 4:3; Rüd- dingshausen Großen - Buseck II 1:0; Treis Grünberg II 3:3; Londorf Daubrinqen 2:4; Flen­sungen Geilshausen 6:2; Lollar III Staufen­berg 0:1.

Fußballklub 1926 Großen-Buseck.

VfB.-R. II Großen-Buseck I 1:6 Rüddingshausen I Großen-Buseck II 1:0 Großen-Buseck Jgd. Garbenteich 6:1.

Am Sonntag hatte der FC. Großen-Buseck drei Mannschaften im Kampf. Die 1. Mannschaft spielte in Gießen auf dem Waldsportplatz gegen die zweite des VfB.-R. Mit gemischten Gefühlen wurde dieser Gang angetreten. Großen-Buseck kämpfte aber mit großem Eifer und Mut. Sechs schöne Tore waren die Ausbeute dieses Treffens Der Sieg war nie in Frage gestellt. Der 1. Mannschaft gebührt ein Gesamtlob.

Die 2. Mannschaft spielte in Rüddingshausen und verlor durch einen Fehler eines Verteidigers.

Die Jugendmannschaft spielte auf eigenem Platze gegen Garbenteich. Beide Mannschaften führten ein Spiel vor, wie man es selten von Jugendmann­schaften zu sehen bekommt. Dem Schiedsrichter wurde sein Amt leicht gemacht. Bei Schlußpfiff stand das schöne Treffen 6:1 für die Jungens von Großen-Buseck.

Sportverein 1920 Lollar.

Lollar I Ehringshausen I 4:2 Lollar II Wißmar I 4:3 Lollar III Staufenberg I 0:1 Leihgestern Jgd. Lollar 3gb. 1:1.

Am vorigen Sonntag standen vier Mannschaften des SV. 1920 im Kampfe. Die erste Elf bestritt auf eigenem Platze den Pokalkamps gegen die glei­che Mannschaft von Ehringshausen, Kreis Wetzlar, (nicht wie irrtümlich in der Vorschau angegeben Aßlar). Die Gäste stellten eine sehr gute Mann­schaft ins Feld, lieferten den Lollarern ein durchaus ebenbürtiges Spiel und ließen sich nur knapp mit 4:2 Toren schlagen. Was Lollar in technischer Hin­sicht voraus hatte, glichen die Gäste durch Eifer und Schnelligkeit aus. Sofort nach Angriff kamen beide Tore des öfteren in Gefahr. Zunächst waren es die Lollarer, die die besten Chancen herausarbei- tetcn, aber mit ihren Schüssen Pech hatten. Auch kam das Tor der Einheimischen mehrmals in Ge­fahr, jedoch die Hintermannschaft war auf ihrem Posten. Allmählich arbeitete Lollar eine leichte Ueberlegenheit heraus und gab dieser Ueberlegen- heit durch zwei Tore Ausdruck. Mit diesem Stande wurden die Seiten gewechselt.

Nach Halbzeit sah man zunächst wieder verteiltes Spiel, das dann die Gäste anschließend eine Zeit lang leicht im Vorteil sah. In dieser Zeit nutzten die Gäste eine Schwächeperiode der Lollarer Hinter­mannschaft aus und erzielten zwei Treffer. Das Spiel nahm jetzt einen dramatischen Verlauf. Beide Mannschaften kämpften erbittert um die Führung, die dann Lollar kurz vor Schluß gelang, in dem der Halbrechte Kreiling eine Prachtvorlage des rech­ten Läufers Sommer eindrückte Kurz darauf schoß der gleiche Spieler noch einen vierten Treffer und besiegelte so die Niederlage der Gäste. Das Spiel war eins der schönsten, das seit geraumer Zeit in Lollar ausgetragen wurde.

Die Reserve trat mit gemischten Gefühlen zum Kampf gegen Wißmar an, mußten doch nicht we­niger als fünf planmäßige Spieler ersetzt werden. Trotzdem gelang es der Elf, den Gegner knapp mit 4:3 niederzuringen. Kurz vor Schluß stand das Spiel trotz dauernder Feldüberlegenheit Lollars noch 3:2 für die Gäste.

Die dritte Elf hatte es in der Hand, gegen Stau­fenberg zu gewinnen. Sie trat aber wiederum nur unvollständig, d. h. anfänglich mit sieben Mann, die sich dann während des Spieles auf zehn Mann ergänzten, an, und verschenkte so den Sieg.

Die Jugend setzte sich in Leihgestern, obwohl sie nur zehn Spieler zur Stelle hatte, erfolgreich zur Wehr und erzielte ein verdientes Unentschieden.

Kurze Sportnotizen.

Ferencvaros Budapest spielte am Mon­tag in Stuttgart vor 10 000 Zuschauern gegen die Stuttgarter Kickers. Die Ungarn boten eine aus­gezeichnete Leistung und gewannen verdient mit 3:2 (1:2) Toren. Euchenhofer und Frey waren die Torschützen für die Kickers, Dr. Sarosi, Kemeny und Tänzer erzielten die Treffer für die Budapester.

Ein Skispringen wurde unter Teilnahme einiger Olympia-Anwärter in Hinterzarten im Süd- schwarzwald durchgeführt. Bester war mit pracht­voll gestandenen Sprüngen von 62,5 und 71 Meter der Norweger Birger Ruud, aber auch die deutschen Springer Hans Marr, Günther Meergans, Oskar Weisheit und Jos. Kimpfbeck zeigten gute Leistungen. Bei 72,5 Meter stürzte der Jungmann Paul Krauß, der ebenfalls der Olympia-Mannschaft angehört.

Einen Halten-Weltrekord im Rad­fahren über eine Stunde stellte der Holländer van Hout auf der Antwerpener Winterbahn auf. Er legte in dieser Zeit 43,955 Kilometer zurück. Den absoluten Stunden-Weltrekord hält der Italiener Olmo mit 45,099 Kilometer.

Gin Nordisches Olympia-Turnen fand in Kopenhagen statt. Der Firma Uosikkinen zeigte sich allen Mitbewerbern überlegen. Er siegte mit 38,84 Punkten vor seinen Landsleuten Terestvirtae und Savolainen sowie den Ungarn Toth, Sarlos und Seste und dem Dänen Karl Andersen. Uosik­kinen war an den Ringen, am Barren, Längs- pferd und Reck der beste Turner.

Rundfunkprogramm.

Donnerstag, 9. Januar.

6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk: Dolksliedsingen. 10.45: Gaunachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozial­dienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. An­schließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht: Tabak vom deutschen Acker. 15.15: Kinderfunk. 16: Konzert. 17.30: Launiger Leitfaden für Sprach­freunde. 17.45: Das aktuelle Buch: Bengt Berg, Ivar Halling". 18: Konzert. 19.45: Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Mozart-Zyklus (9): Der Komponist des Rokoko. 21: Unsterbliche Gestalten L Till Eulenspiegel. 21.40: Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.

M. wirbt Är das Reichssportabzeichen.

Kennen Sie das schmucke Abzeichen mit den Buchstaben DRL den Anfangsbuchstaben des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen und dem Zeichen des neuen Deutschland? Das deutsche Reichsfportabzeichen? Dieses Abzeichen verleiht der Reichssportführer jedem Deutschen, der sich einer sportlichen Leistungsprüfung auf Herz- und Lun­genkraft, Schnelligkeit und Ausdauer unterzieht, als Anerkennung für vielseitige Leistungen auf dem Gebiete der Leibesübungen.

Das Abzeichen m Bronze erwirbt: Wer nach Vollendung des 18. Lebensjahres die fünf geforder­ten Leistungen innerhalb von 12 Monaten erfüllt.

Das Abzeichen in Silber erwirbt: Wer das 28. Lebensjahr überschritten hat oder nacheinander in sechs Jahren jedesmal die geforderten fünf Lei­stungen innerhalb von 12 Monaten erfüllt hat.

Das Abzeichen in Gold erwirbt: Wer das 36. Lebensjahr überschritten hat, oder die Auszeichnung in Silber besitzt und nacheinander in den fünf wei­teren Jahren jedesmal die fünf geforderten Leistun­gen innerhalb von zwölf Monaten erfüllt.

Für Jugendliche unter 18 Jahren wurde das Reichsjugendabzeichen geschaffen.

Daß bei den geforderten Prüfungen keine

Höch st lei st ungen zu erfüllen sind, geht aus der Tatsache hervor, daß bereits hunderttausende deut­scher Männer und Frauen sich dieses Abzeichen er­worben haben. Nachstehend geben wir unseren Lesern aus der Vielzahl der Möglichkeiten einige Be­dingungen bekannt, die erfüllt werden müssen:

Gruppe 1, Schwimmen: Männer 300 Meter in 9 Minuten, Frauen 200 Meter in 7 Minuten.

Gruppe 2, Weitsprung: Männer 4,75 Meter, Frauen 3,75 Meter.

Gruppe 3, Laufen: Männer 100 Meter in 13,4 Sekunden, Frauen 75 Meter in 12 Sekunden.

Gruppe 4, Kugelstoßen: Männer 7,25 Kilogramm 8 Meter, Frauen 4 Kilogramm 7,25 Meter.

Gruppe 5, Gepäckmarsch: Männer 25 Kilometer 4 Stunden 10 Minuten, Frauen: Gehen 25 Kilo­meter in 5 Stunden.

In den Sonderkursen des Sportamtes der NS.- GemeinschaftKraft durch Freud e", die vorerst nur für Männer durchgeführt werden, bietet sich allen Volksgenossen Gelegenheit, unter Leitung erfahrener Lehrer sich gründlichst und für wenig Geld auf diese Prüfungen vorzubereiten.

Am Ende eines jeden Kursus besteht die Möglich­keit, die Prüfungen abzulegen.

Der Gkisprung in den Olympischen Wettbewerben.

Ein Itteifferfprung.

Die Leistungen der Ski­springer sind in den letz­ten Jahren immer weiter vervollkommnet worden und gewähren heute einen prächtigen Anblick. Die ide­ale Große Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen wird den Olympia-Kämp­fern Gelegenheit zu voll­kommensten Sprüngen geben. Unser Bild zeigt den jungen Norweger Ei­stein Raabe, einen gro­ßen Meister auf diesem Gebiet. In wunderbarer weiter Vorlage schwebt er in der Luft, um dann ele­gant aufzusetzen.

(Schirner-M)

Neues für den Büchertisch.

Dr. H. E r ch e n b r e ch e r: Der Truppen­arzt. VerlagOffene Worte", Berlin W 35. Preis 3 Mark. (550) Der Verfasser, Oberfeldarzt und Standortarzt der Sanitätsstaffel Halberstadt, gibt mit Erlaubnis der Heeres-Sanitätsinspektion in diesem Büchlein eine klare Gliederung der Auf­gaben des Sanitätsoffiziers im Truppendienst. Der größte Teil dieses praktischen Ratgebers ist natur­gemäß dem Gesundheitsdienst gewidmet. Das Buch berücksichtigt überall die einschlägigen Vorschriften und wird gewiß ein brauchbares Hilfsmittel für den jüngeren, im Truppendienst noch weniger er­fahrenen Sanitätsoffizier fein.

Deutsche Musikkunde. Von Dr. Ernst Bücken, Pros, an der Universität Köln. Broschiert 2,80 Mark. Akademische Verlagsgesellschaft Athe- naion m. b. H., Potsdam. (353.) Die Frage nach dem Wesen des Deutschen in der Musik, in ihrer Bedingtheit durch Rasse, Volkstum und Le­bensraum ist heute brennender denn je. In der Fülle der geäußerten Meinungen klärend zu wir­ken und den Blick auf das Typische, Wesentliche zu lenken, ist das Verdienst des bekannten Kölner Musikforschers Ernst Bücken. Gerade durch die klare, sachliche und dabei doch äußerst lebendig anregende Art feiner Darstellung, gestützt auf ein reiches, sicher fundiertes Wissen, geführt und durch­drungen von scharfer zwingender Logik der Ge­dankengänge, erscheint Bücken am ehesten unter vielen berufen, die Gegenwartswertung der deut­schen Musik nach den heutigen Forderungen und Gesichtspunkten durchzuführen. Das vorliegende Buch will weder eine Musikgeschichte inlandgäng- lichem Sinn", noch gar eine musikästhetische Ab­handlung fein; es will zeigen, welches der deutsche Wesenskern der Stoßkraft unseres nationalen musi­kalischen Willens, unseres rassischen Impulses ist. In breiter, aber durch die Gründlichkeit gebotener Ausführlichkeit gewinnt er im Eingangskapitel die Maßstäbe für die Beurteilung des Wesens der deutschen Musik. Die Frage nach den Beziehungen von Volkstum und Musik wird dann für ihn der Ausgangspunkt, von der sich alle weiteren Erwä­gungen abzuzweigen haben. Dann erst wendet er sich demTypus und Seelentum des deutschen Komponisten" zu und zeigt hier beispielsweise unter anderem auch, wie die nordische Komponente bei Beethovens rein nordischem Typus durch alles hin­durchschlägt, und wie in Franz Schubert der ebenso klar zu erkennende gemischte Typus gegenüber steht. Diesen Längsschnitt dehnt der Verfasser bis zur Gegenwart aus. Nachdem er dann das Wesen der deutschen Musikform als Aeußerung des deut­schen Geistes sowohl am deutschen Lied, der nor­disch germanischen Opernform und den Durchstoß der deutschen Formkraft bei den wichtigsten Jn- strumentalformen in der rassetypischen Bedingtheit beleuchtet hat, wird die deutsche Kulturgemeinschaft der Blickpunkt für die Tonkunst. Er deckt ihre land­schaftliche Bestimmtheit auf und stößt dann in dem KapitelDie Musik als Nationalgeist" zu äußerst prägnanten und schlagkräftigen Ergebnissen vor. Die Frage nach dem Kulturwert und Kulturbestim­mung unserer Tonkunst führt ihn zu musikpolitischen Zeitfragen, die er in fest formulierten Forderungen zusammenfaßt. Ein Buch, das ebenso dem Mu­siker, wie auch jedem, an unferm weltanschaulichen Ringen Teilnehmenden ein sicherer Wegweiser sein wird zur Schulung des eigenen Urteils Dr. H

Gih merr nedd immer mei Aecker - ch e !" Gedichte und Geschichten in nassauisch-ober- hessischer Mundart von Ludwig Rühle. Kartoniert 1,25 Mark. 80 Seiten. Verlag Emil Roth, Gießen. (549) Wir haben die früher erschienenen Bändchen Als geblohse, ihr Bume!" undSunnerlich unn munnerlich" von Rühle hier seinerzeit bereits an­gekündigt; die jetzt vorliegenden Nassauer Späße werden mit khrer kräftigen Mundart, ihren deut­lichen Pointen und ihrem handfest-beschaulichen Humor nicht minder dankbare Leser finden. Auch zum Vorlesen oder Vortragen in angeregter Gesell­schaft scheinen sie recht geeignet.

Die junge Reihe" des Verlags Albert Langen/Georg Müller, München, ist eine Samm­lung von Erzählungen, Gedichten, Liedern und Spielen, die vornehmlich für die Schulungsarbeit und Feiergestaltung der Jugend bestimmt ist. Jedes Bändchen kostet kartoniert 50 Pfennig. Die folgen­den sind bis jetzt erschienen und liegen uns vor (556): Paul Alverdes :D a s W in­te r l a g e r". Ein Spiel. In kurzen, mit einfach-

Gedenket der hungernden Vögel!

ften Mitteln darstellbaren Szenen hat Alverdes das Fahrtenerlebnis einer Hitler-Jugend-Schar in den oberbayerischen Bergen gestaltet und damit ein prächtiges Spiel geschaffen, das sich leidenschaftlich zum Glauben der neuen soldatischen Mannschaft bekennt. Wolf Iustin Hartmann:Der Schlangenrin g". Drei Erzählungen. Der Dich­ter des BuchesFäuste, Hirne, Herzen" gibt in diesen drei Erzählungen ein wirklichkeitstreues Bild von den Schrecknissen des Krieges. Kampf­gedichte der Zeitenwende. Eine Samm­lung aus deutscher Dichtung seit Nietzsche. Diese Sammlung ist eines der stärksten Zeugnisse volk- hafter Dichtung, die den Kampf aufnahm um die Erneuerung unseres Volkes.Ich dien'". Des jungen Deutschen Tagebuch. 366 Sprüche, gesam­melt von Wilhelm S t i e h l e r und Horst Wie - m e r. Vom Geist der Verpflichtung, der die heutige Jugend beseelt, zeugt dieses Tagebuch, das eine Fülle unvergänglicher Aussprüche großer Deutscher enthält.Sie werden auferstehe n". Ein Gedenken für die Gefallenen des Weltkrieges. Dem Gedächtnis der Toten des Krieges ist diese Samm­lung aus Dichtung, Briefen, Liedern und Berich­ten gewidmet Sie ist ein Denkmal der Treue und ein Vorbild der Pflichterfüllung für die Heran­wachsende Generation. Von tapferen Frauen. Zeugnisse deutscher Geschichte, aus­gewählt von Trude Geißler. In diesem Büch­lein wird an Hand ausgewählter Erzählungen, Be­richte und Gedichte der Tapferkeit bekannter und unbekannter deutscher Frauen gedacht, die handelnd und duldend zu allen Zeiten inmitten großer ge­schichtlicher Ereignisse standen. D i e Bäuerin. Bilder aus den Werken deutscher Erzähler, aus­gewählt von Gertrud Grote. Das Leben der Bäue­rin, ihre Eigenarten, Sitten und Gebräuche, die bis heute lebendig sind, ersteht in diesen prächtigen Schilderungen.

Buntes Allerlei.

Gefährliche Schiffsladungen.

Daß Pulver und Sprengstoffe gefährliche Schiffs­ladungen find, leuchtet uns ohne weiteres em. Mehrere Unglücksfälle in der Geschichte der See- schiffahrt legen davon eindringlich Zeugnis ab. Diese vernichtenden Stoffe haben auch schon auf dem Lande ihre furchtbare Wirkung allzuhäufig bewiesen. Aber es gibt eine Reihe von Gütern und Waren, die dem Laien als ganz harmlos erscheinen, die bei Schiffstransporten aber leicht das Leben der Besatzung gefährden ober doch zum mindesten die Gesundheit der Seeleute angreifen können. Hüte dich vor grünem Kaffee!" wird jeder er­fahrene Matrose sagen, denn eine Schiffsladung von diesem sonst so begehrten Genußmittel ver­breitet fast ebenso wie der Guano einen so entsetzlichen Gestank, daß sich die Mannschaft häufig nicht zu helfen weiß. Nicht selten entsteht eine all­gemeine Appetitlosigkeit oder es treten gar Krank­heiten auf. Auch Stahlschienen sind keine ganz un­bedenkliche Ladung. Erst kürzlich wurde wieder bei einem Dampfer nach Buenos Aires, der auf Deck einen großen Stapel Stahlschienen mit sich führte, beobachtet, daß der Kompaß, das empfindlichste aller Schiffsinstrumente, seine Neigung zum mag­netischen Pol verleugnete und immer wieder der Anziehungskraft der Eisenladung unterlag. Im Fall desKing Bleddyn" hatte das ernstere Folgen. Das Schiff, das eine Ladung Schienen von einem Hafen am Golf von Mexiko nach Südafrika brin­gen sollte, konnte nicht mehr den richtigen Kurs einhalten und geriet in der Tafel-Bai bei der Robbeninsel auf einen Felsen. Auch Holz gehört zu den gefürchteten Ladungen. Eine der abenteuer­lichsten Fahrten hatte der DampferCara" aus Glasgow, der mit Holz von Riga unterwegs war. In dem schweren Wetter rutschte die Decksladung auf die eine Seite, so daß der Dampfer schief lag und den Hafen nur noch mit Mühe und Not er­reichen konnte. Selbst Früchte gehören in die Liste der Waren, die dem Seemann nicht ohne weiteres sympathisch sind, denn sie entwickeln wäh- renb der Fahrt häufig Gärungsgase, die bisweilen nicht weniger gefährlich sind als Giftgase. Es ist mehr als einmal vorgekommen, daß ganze Be­satzungen von einer Schiffsladung Bananen ober Datteln so berauscht waren, daß sie den Dienst nur noch mit Schwierigkeiten versehen konnten. In einem Hafen wurde einst die Mannschaft eines kleinen Schiffes wegenTrunkenheit" verhaftet. Später stellte sich dann heraus, daß alle Leute unter den Folgen einer Fruchtladung ihres Damp­fers litten, deren ausströmende Gase die Matrosen völlig berauscht gemacht hatten. Nicht einmal das so harmlos erscheinende Getreide ist von dieser Liste der gefährlichen Schiffsladungen auszuschlie­ßen. Gerät ein Schiff, das viele tausende Tonnen von Getreide an Bord führt bei hohem Seegang in schlingernde Bewegung, so erweist sich die Masse der lose verstauten Körnerfrüchte als ein verhäng­nisvoller Faktor für die Sicherheit des Fahrzeuges, denn das Getreide macht alle Bewegungen des gegen die harte See kämpfenden Schiffes mit und ; verstärkt sie sogar noch. Die Laien machen sich kaum eine Vorstellung, welche Erfahrung und Ge­schicklichkeit dazu gehört, eine Schiffsladung in sach­gemäßer Weise so zu verstauen, daß der Transport keine Gefahr für Menschenleben und Sachwerte mit sich bringt.

Amerikanischer Lokalpatriotismus.

Die meisten Amerikaner halten ihr Land bekannt­lich für ein wahres Paradies auf Erden. Darüber hinaus befinden sie sich aber auch noch unterein­ander in einem edlen Wettstreit, und der Lokal­patriotismus steht bei ihnen in hoher Blüte. Einst fuhren zwei Pankees in einem Zug zwischen Neu- york und Philadelphia.Ich bin aus Pottsville," sagte der eine, der schönsten Stadt in Illinois." Und ich aus Smithville," erwiderte der andere, das ist die zukunftsreichste und gewerbefleißigste Stadt des Mittleren Westens."Smithville?" meinte der andere gedehnt,das Nest kenne ich ganz aut, aber ich habe dort nichts besonderes finden können."Wirklich? Wann waren Sie denn zu­letzt dort?"Ungefähr vor zwei Wochen." Dor zwei Wochen? Vor zwei ganzen Wochen?" ließ sich der aus Smithville in seinem unerschütter­lichen Selbstbewußtsein vernehmen.Da haben Sie aber kein Urteil, mein Lieber. Sie müssen Smith­ville heute sehen, heute!"

Mit 94 fahren zur parforre-Iagd.

Man muß schon ein tüchtiger Reiter sein, wenn man an einer der berühmten Parforce-Jagden teil­nehmen will, die in England auch heute noch nach altüberlieferten Regeln alljährlich geritten werden. Zu Pferde muß dabei ein Fuchs, dessen Fährte von der Meute der Hunde verfolgt wird, solange gehetzt werden, bis er ermattet ist und erlegt werden kann. Umso größer ist das Erstaunen darüber, daß sich kürzlich noch ein 94jähriger Reiter frisch genug fühlte, um sich zur Teilnahme an der Jagd anzu­melden. Es handelt sich um Henry Randolph Finch aus Oakham in der englischen Grafschaft Rutland, der wie alljährlich sich auch in diesem Jahr am Startplatz der Jäger einfinden und an dem wilden Jagen teilnehmen wollte. Doch hielt ihn im letzten Augenblick von seinem Vorhaben eine Erkrankung ab, der er jetzt erlegen ist. An seinem Begräbnis haben viele seiner Jagdfreunde teilgenommen, die alle mit Worten höchster Anerkennung von dem altenMop", wie sie ihn nannten, sprachen und manche lustige Jagdgeschichte von ihm zu erzählen wußten.Mop" konnte sich schon seit einer ganzen Reihe von Jahren rühmen, der älteste Parforce- Jäger von ganz England zu fein, und niemand konnte ihm diesen Ruhm streitig machen. Henry Randolph Finch hat auch im öffentlichen Leben Englands eine Rolle gespielt und war eine der eigenwilligsten Gestalten der englischen Gesellschaft.

Oer kostspielige Zweikampf.

Wohl niemals ist auf den weltbedeutenden Bret­tern ein kostspieligerer Zweikampf aufgeführt wor­den, als auf einer englischen Bühne, als die Oper Dorothy" gespielt wurde. In diesem Stück wird ein Duell ausgefochten, und da man an den Er­folg des Werkes zuerst nicht recht glauben wollte, so beschloß man, keine Pistolen zu kaufen, sondern sich zwei altmodische Schießprügel zu entleihen, so­lange die Oper eoen lief. Der vereinbarte Leihpreis entsprach einem Betrag von rund 3,50 Mark für den Abend. AlsDorothy" aber ein Riesenerfolg wurde und die 3,50 Mark als Leihgebühr immer wieder auf den Rechnungen erschienen, ließ sich der Direktor den Verleiher kommen, um ihm die Pisto­len abzukaufen. Dieser aber weigerte sich und be- stand auf feinem Vertrag, so daß während der ins­gesamt 931 Vorstellungen an Zedern Abend 3,50 Mk. für die Pistolen gezahlt werden mußten.