ten Raum stehen, sie darf nicht frieren, weil dann die Wirkung ausbleiben kann. Vom Einweichgefäh gelangt die Wäsche in den Kessel und kocht darin, bis das Wasser sprudelt. So heiß wie denkbar soll gewaschen werden, da die Kunst des Spülens dann leichter ist. Ja, Spülen ist in der kalten Jahreszeit eine schwere Aufgabe. Sie kann erleichtert werden, wenn man das Spülen unter heftig fließendem Wasser vornimmt. Beim Trocknen an kalten Tagen wird man einen Trick anwenden. Man hänge die großen Stücke nicht nebeneinander, sondern man
bringe sie an zwei gegenüberliegenden Leinen an. Dadurch werden sie von der Luft besser getroffen und bei jedem Windzug bewegt. Gegenzug tut hierbei Wunder. Die Stücke sind stets weit auseinander zu hängen, und das Trocknen geschieht rascher, wenn man wenig Wäsche auf einmal auf die Leine bringt, die getrockneten Stücke abnimmt und neue aufhängt. Das macht etwas mehr Arbeit, aber dafür trocknet die Wäsche meistens auch bei kaltem Wetter in einem Tage. Schü.
Natur uns Menschen nur ganz selten darbietet, und das in seiner Eigenart in ganz Europa einzig dasteht. Scheint die Sonne golden vom blauen Himmel durch das gelbgrüne Laub oder die schwarzen Taimen, so wirkt die hellblaugrüne, bald türkis-, bald saphirblaue Farbe der Wasserfläche im Gegensatz dazu berückend schön. Hierzu kommt noch der Kontrast gegen die grauen bis ockergelben Kalkfelsen, die das Land oft durchbrechen und von einem See herunter zum andern reichen. Das Ganze ist eine wahre Farbensymphonie.
Aus den preußischen Nachbargebieten
vier Hotels Gelegenheit
Finnland, wohl öfter, Stettin aus
Wi es so oft im Leben geht, daß sich das Beste und Wertvollste nur sehr langsam Bahn bricht und durchringt, so ging es auch den Plitvicer Seen im Südosten des Savebanats Südslawiens.
Gar lange mußten ihre Schönheiten im Dornröschenschlaf verharren, ehe ein Prinz kam, um sie zu entdecken, und wiederum dauerte es von da ab noch ganze vier Jahrzehnte, ehe sie voll erschlossen, d. h. mit Verbindung an die nächste, nur 18 Kilometer weit entfernte Bahnstrecke Zagreb—Split versehen und unter- und miteinander außen entlang durch schöne, weiche Fußwege verbunden waren. Erst seit etlichen Jahren, kann man sagen, ist dies Seengebiet touristenreif geworden und durch
DerM'dchenmord in Elgendorf
Geständnis des Täters. — Er läutete bei der Beerdigung seines Opfers die Kirchenglocken.
und einige Pensionen den Besuchern zu längerem Aufenthalt gegeben.
das Land der tausend Seen, wurde auch von deutschen Gesellschaften, von
der von sich für be-
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Am Ende unserer Wanderung werden die unteren Seen durch Felsbarren, über die schmale Landstege geführt sind, noch ein paarmal aufgehalten und abgesperrt, was wieder den Anblick reizvooller Kaskaden in voller Talbreite bietet. Hier donnert es und tost es noch ganz anders als oben. 80 bis 100 Meter hohe Felswände umzingeln uns im Kreise. Grotesk und gegensätzlich zum lieblichen Landschaftscharakter der oberen Seen ist der Anblick der senkrecht ragenden gelben Felsen, von denen nebeneinander zwei imposante Wasserfälle von 80 Meter Höhe weißgischtend und stäubend mit Donnergetöse zur Tiefe herabstürzen. Es ist die eigentliche, kurzlebige Plitvica, die soeben erst hoch oben beim gleichnamigen Dorf ohne kleine Quelle in voller Stärke der Erde entsprungen ist und nach wenigen Minuten bereits, im Sturz ihren Anschluß an die im Kessel sich gesammelten Seegewässer findet. In der rechten Felswand gähnt uns ein schwarzes Riesenloch an. Eine Kirche könnte man hineinstellen. Hier ist der steil ansteigende Zugang zu einer mit den nötigen Treppen wohllausgebauten, höchst interessanten Tropfsteingrotte mit den dauernd tropfenden und ewig wachsenden Kalksteingebilden — Stalaktiten genannt —, die die ansonderlichsten Formen aufweisen. Einzelne werden auf 5000 Jahre geschätzt. Eine zweite, oben aber offene Grotte liegt ouf der linken Seite des Weges, und noch viele unentdeckte mögen sich in dieser Gegend befinden. Denn noch immer sind wie in der Karstgegend, die wie ein großer, versteinerter Schwamm anmutet...
glocken zu läuten, allerdings will es ihm dabei „eigentümlich" zumute gewesen sein.
Gemeindekaffe und Kassenbücher spurlos verschwunden.
Ungetreuer Gemeinderechner festgenommen.
LPD. Hanau, 7. Jan. Von dem Gemeinderechner des Dorfes W e i p e r t s bei Sterbfritz war dieser Tage bei dem zuständigen Gendarmeriebeamten eine Anzeige erstattet worden, laut der die Gemeindekasse nebst den Kassenbüchern spurlos verschwunden und vermutlich gestohlen worden sei. Mit der Verfolgung dieser von Anfang an reichlich rätselhaften Angelegenheit wurden Beamte der Kriminalpolizei Hanau betraut, denen es schnell gelang, den Gemeinderechner selbst als Täter zu überführen. Die Kassenbücher hatte er bei Sterbfritz ins Wasser geworfen, das Geld teilweise schon ausgegeben und den Rest recht gut versteckt. Die Bücher konnten trotz des hochgehenden Wassers fast restlos herausgefischt werden, wie auch das versteckte Geld wieder herbeigeschafft wurde. Der ungetreue Gemeinderechner wurde verhaftet.
Kreis Wetzlar.
besucht, aber kein Mensch in Europa kannte dieses Juwel in Südslawien! Kommt man von der Küste der Adria, z. B. von Split oder Rovi herüber, so wird man überrascht von dem noch nie erlebten Gegensatz beider Landschaften. Ebenso fesselt uns der allmähliche Uebergang von der einen zur anderen. Im Küstenland verließen wir eine gelbgraue, wasser- und trostlose Steinöde, kahle, nackte Berge, wo die armen Bewohner meilenweit ihr Wasser herbeischleppen müssen; dann wurde es nach und nach immer grüner, der erste wirkliche Fluß durchzieht fruchtbar die Ebene, und schließlich befinden wir uns in einem herrlichen, dichtbewaldeten Hügel- und Bergland, in dem es plötzlich eine Ueberfüüe von Seen und rauschenden Wasserfällen gibt. Auf keiner unserer vielen Reiesen erlebten wir je einen solchen Gegensatz in der Natur auf so kurzem Gebietsstreifen, die parallel ging mit einer gewaltigen Steigerung der Eindrücke im Gebiete der Seen selbst.
Wir sind an unserem ersten Ziel, der Bahnstation Vrhovine, und nun beginnt eine interessante Autofahrt durch etliche typisch kroatische Dörfer, an zahlreichen Mahl- und Sägemühlen vorüber, in zahllosen Kehren um Felsnasen hemm, bis der von
Oie plitvicer Seen.
Eindrücke von einer Reise in Südslawien.
Don Georg Reimann.
LPD. Limburg, 7. Jan. Wie bereits mitgeteilt, war am 31. Dezember vorigen Jahres in Elgendorf bei Montabaur die ledige 32jährige Johanna Herbst unter Umständen in ihrer elterlichen Scheune aufgefunden worden, die zunächst auf Selbstmord durch Erhängen schließen ließen. Da aber Verdachtsgründe auftauchten, daß ein unnatürlicher Tod vorliegen könnte, wurden die Ermittlungen von der zuständigen Gendarmerie und der Staatsanwaltschaft in Limburg vorgenommen und die Leichenöffnung veranlaßt, die weiteres Derdachtsmaterial ergab. Die weiteren Ermittlungen hatten jetzt vollen Erfolg. Als Täter wurde am Montag der Nachbarssohn, der am 9. November 1901 geborene Paul Klein ermittelt und fe ft genommen. Er hat ein umfassende s Geständnis abgelegt und ist nach Erlaß eines Haftbefehls in das Zentralgefängnis in Freiendiez eingeliefert worden. Klein gibt zu, schon wochenlang den Plan gefaßt zu haben, die Herbst mit einem Strick z u erwürgen, weil sie, die nicht im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte gewesen sein soll, ihn immer geärgert und beschimpft und ihn auch einmal mit einem Karst geschlagen habe. Am 30. Dezember fei bei Abwesenheit der Angehörigen der Herbst die Gelegenheit zur Ausführung ber Tat günstig gewesen, die er dann auch in 1 Scheune beging. Als er am andern Morgen dem angeblichen Selbstmord hörte, machte er in keiner Weise verdächtig. Der Täter, der seinen Vater das Läuten der Kirchenglvcken sorgte, hat es noch fertiggebracht, bei der Beerdi-
ihr Herzmuskel zum weiteren Heraufpumpen des Lebenswassers, so vermodern die knorrigen Riesenstämme und stürzen schließlich altersmüde zu Boden, um wieder in den Mutterschoß der Erde zurückzukehren. Andere, am Ufer stehende, fallen in den See, wo sie durch Kalkansatz langsam verkrusten und versteinern, und so noch in ewigen Zeiten auf dem Seegrund zu sehen sein werden. Denn kristallklar ist das Wasser; auch das kleinste Fischlein entgeht dem Auge nicht. Bis zu hundert Meter Tiefe hat man an einzelnen Stellen gemessen. Ist das etwa kein Märchenland? Hier sollte man einmal die „Versunkene Glocke" im Freilichttheater aufführen! Eine schönere Bühne gibt es nirgends. Mehrere Einbäume aus alten Zeiten und römische Gräberfunde hat man aufgedeckt. Beweis, daß dieses fisch- und waldreiche Gebiet schon feit Jahrtausenden besiedelt war. Bären, Wölfe, Hasen, Auerwild und anderes Getier blebt noch heute die Wälder.
Die Schönheit der Gegend steigert sich von See zu See; die ersten idyllisch, lieblich, die nächsten schon temperamentvoller, die letzten im Furioso dahinbrausend, eine charaktervolle Gesellschaft! Kurz: das Ganze ist ein Stück Landschaft, wie es die I
Zwei starken Bächen gespeiste erste große See, P rose a n f f a jezera, mit seinem überraschend hellblaugrünen Gewässer und vielen stillen, lauschigen Buchten erscheint. Er ist drei Kilometer lang. Das ganze Gebiet ringsum ist eingebettet in dichtem grünen Laub- und Nadelwald (Buchen, Eichen, Tannen). Wie im Märchen geht es von See zu See, von Süden nach Norden entlang, meist auf hochliegender Straße mit dem Blick in die Tiefe.
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Wir sind in Plitvice ungefähr in feiner Mitts an- gclangt. Ferner werden wir sehen, daß von oben bis unten stets ein .See fein Wasser über Naturterrassen und Kalktusfbarren an den nächsten, tiefer liegenden durch herrliche Wasserfälle abgibt. Man Zählt allein 40 große Fälle, die vielen kleinen Ueber- läufe nicht gerechnet. Diese Terrassen, also auch die Fälle, sind oft nur ein bis zwei Meter, aber auch bis zu 20 und 30 Meter hoch. Und so donnert und tost, rauscht, plätschert und rieselt es rings um uns herum, über, unter und neben uns, wo wir auch stehen und gehen, in dem sonst so stillen, heimeligen, nur durch Vogelgezwitscher belebten Bergwald. Hier ist Naturschutzgebiet; kein Baum darf ge- fällt werden, keine Säge ihn verwunden. Erlahmt
Z Salzböden, 7. Jan. Bei der Beerdigung von Schwester Catharina Fritz hielt Pfarrer S p r ö d t - Barmen, unserer früherer Seelsorger, die Gedächtnisrede aus Psalm 4/8 „Du erfreuest mein Herz". Am Grabe legten Kränze nieder für die Kirchengemeinde Pfarrer Lindenborn, für die bürgerliche Gemeinde Bürgermeister Becker; ferner legten Kränze nieder der Provinzialverband der Frauenhilfe Barmen, der Karitasverband Wetz- - - . z . z. . - ~ 7 ----- I lar, die Evangelische Frauenhilfe Salzböden und
gung seines Opfers am 3. Januar die Kirchen-1 Qdenhaufen und der Jungmädchenverein Salzböden.
± Grvß-Rechtenbach, 7. Jan. Im abgelaufenen Jahr wurden auf dem hiesigen Standes- a m t beurkundet: 102 (88) Geburten, 54 (65) Eheschließungen und 58 (50) Sterbefälle. Die in Klammern gesetzten Zahlen stellen die Beurkundungen des Kalenderjahres 1934 dar. Der Standesamtsbezirk umfaßt folgende Gemeinden des ehemaligen Amtes Rechtenbach: Dornholzhausen, Groß-Rechtenbach, Hochelheim, Hörnsheim, Klein-Rechtenbach, Lützellinden, Münchholzhausen, Reiskirchen, Vollnkirchen, Volpershausen und Weidenhausen mit einer Gesamtseelenzahl von rund 6700.
<£ Dornholzhausen, 7. Jan. Im abgelaufenen Jahr war in unserer Gemeinde eine st a r k e Belebung der Neubautätigkeit zu ver- zeichnen. Es wurden vier neue Wohnhäuser erbaut.
Kircbe uni) (Schule
Landkreis Gießen
cx> Klein-Linden, 7. Jan. Aus der kirchlichen Jahresgeschichte unserer Gemeinde aus dem Jahre 1935 sind folgende Angaben entnommen. (Die Zahlen in den Klammern geben den Stand aus dem Jahr 1934 an.) Die Zahl der Taufen betrug im Berichtsjahre 15 (16); in den Krankenhäusern und Kliniken der Stadt Gießen wurden weitere 27 Kinder aus unserer Gemeinde getauft, so daß die Zahl der Gesamttaufen für Klein-Linden 42 (35) beträgt. Kirchlich getraut wurden 16 (19) Paare, die Zahl der kirchlichen Beerdigungen beläuft sich auf 21 (13), konfirmiert wurden 39 (44) Kinder. Zum Heiligen Abendmahl gingen 1698 (1803) Gemeinde- glieber, das sind 84,94 v. H. der landeskirchlichen Evangelischen. Zur evangelischen Kirche traten 2 (1) Personen über, demgegenüber erfolgten 3 Austritte. Den sonntäglichen Kindergottesdienst besuchten durch- schnittlich 120 Kinder. Zum ersten Male seit Füh- rung der Kirchenbücher war es einer Familie im verflossenen Jahr vergönnt, die Eiserne Hochzeit zu feiern. Im verflossenen Jahr wurde der seit Jahrzehnten geplante Pfarrhausbau vorgenommen.
csd Bettenhausen, 6. Jan. Ueber die Geschichte unserer Kirchengemeinde im alten Jahr liefern die Kirchenbücher und die statistischen Auszeichnungen folgende Angaben: Getauft wurden 5 Kinder, konfirmiert 1 Knabe, 3 Mädchen, kirchliche Trauungen fanden drei statt, kirchlich beerdigt wurden 7 Personen. Es wurden insgesamt 88 gottesdienstliche Feiern abgehalten, die folgenden Durchschnittsbesuch der 52 Wochen ergaben: 33 männliche und 38 weibliche Erwachsene und 32 Kinder — 103 Personen. Auf Hundertteile berechnet: 26 v. H. der Erwachsenen, ober 31 v. H. aller Evangelischen. An der Feier des Herrenmahles nahmen 387 Personen teil, ober 143 v. H. ber Abenbmahls- berechtigten. An Gaben christlicher Liebestätigkeit gingen durch die kirchlichen Organe rund 405 RM. oder etwa 5,70 RM. pro Familie ein. Von größeren Ereignissen des kirchlichen Lebens wäre zu erwähnen, daß am 5. April die Dreihundertjahrseier des großen Bettenhäuser Brandes begangen wurde. Ferner ließ die Gemeinde im Spätherbst das Jn- ere der Kirche einer künstlerisch einwandfrei vollzogenen Erneuerung unterwerfen. Dabei wurde im Ehorraum eine Ehrung unserer Kriegsgefallenen angebracht.
Kreis Schotten.
O Laubach, 6. Jan. Aus dem kirchlichen Leben des vergangenen Jahres ist folgendes zu berichten: Es wurden 64 Hauptgottesdienste gehalten, die besucht waren von 4849 Männern,' 6805 Frauen und 2125 Kindern. Die 85 Nebengottes- dienste wurden besucht von 1574 Männern,' 4077 Frauen und 893 Kindern. Kindergottesdienste fanden statt 54 mit 3123 Knaben und 3493 Mädchen. Besprechungen mit der konfirmierten Jugend (Christenlehre), an denen drei Jahrgänge teilnehmen, wurden 12 gehalten; sie waren von 305 jungen Männern und 340 jungen Mädchen besucht. Alle Gottesdienste waren besucht von 6728 Männern, 11 222 Frauen und 9704 Kindern, zusammen von 27 654 Personen. Zum Heiligen Abendmahl kamen 369 Männer und 531 Frauen, zusammen 900 Personen. Getauft wurden 44 Kinder, konfirmiert 35 Kinder, kirchlich getraut 14 Paare und kirchlich bestattet 32 Verstorbene. Die kirchliche Liebestätigkeit hielt sich auf einer beachtlichen Höhe.
Wa»dwerk im Winter.
Don Franz Hohen.
Seit einer Woche liegt der Schnee bei strengem Frotz einen Fuß hoch, die Feldmark ist wie ausgestorben. Nur in den kahlen Schwarzpappeln am Bildstock über dem Kreuzweg hocken einige dick aufgeplusterte Saatkrähen und lassen sich von dem eisigen Ostwind wiegen. Aus ber verschneiten Weiß- dornhecke leuchten bie blutroten Brüste eines Dompfaffenpärchens, unb an ben Köpfen der Wetterdisteln in der alten Sandgrube, die kaum noch etwas hergeben können, hängt ein Flug Kohlmeisen — harte Zeit für alle, die sich durch Den Winter bringen müssen.
Mit bleichem Glanz steht die Wintersonne über der weißen Stille. Nur wenn sich eine Wolke vor die matt leuchtende Scheibe schiebt, erstirbt auf Minuten das Flimmern und Blitzen und das Auge findet einen Ruhepunkt auf den spärlichen braunen Schollen, die der Wind, der den Pulverschnee in die Furchen treibt, bloß gelegt hat. Das Völkchen Feldhühner, das sich unter dem Schlehdornbusch am Ackerrain in das lockere Flockenbett eingewühlt hat und nun aufsteht und der vereisten Bachsenke zustreicht, hat sich wieder um eins verringert. Eine Fuchsspur läuft durch den Schnee. Ich folge ihr einige hundert Schritt weit bis zu der Wiesen- boschung am Waldrand — richtig, unter den verschneiten Jungfichten der mannshohen Schonung, die Schutz gewährt gegen den eisigen Wind, hat Reinecke die Kette beschlichen. Die letzten dreißig Schritte hat sich der rote Räuber, wie die Zeichen im Schnee erkennen lassen, auf dem Bauche herangeschoben, bis der Einsprung ihn mitten in die Kette brachte. Die weiße Decke ist zertreten und zerwühlt, leuchtend rote Flecke und verwehte Büschel graubrauner Brustfedern bezeichnen die Mvrdstelle. Ja, es steht schlimm um die Familie Rebhahn. Zwar laßt der Pächter ber Walbjagb seine schonen unb wertvollen Fasanen nicht barben unb sucht ihnen durch reichliche Körnerschüttung in bem buschigen Mischbestand an der windgeschützten Südseite der Hügelkette über die Notzeit hinwegzuhelfen; doch das Feldhuhn nimmt den Wald nur ungern an, und in der kahlen Ackerflur verweht die ausgebrachte Schüttung bei Wirbelschnee und Wind schnell und spurlos.
Trotz der Kälte halten die Hasen heute schlecht. Sonst sitzt Mümmelmann bei hartem Frost im Windschutz einer deckenden Erdfalte ober einer überhängenben Scholle gern fest, heute aber haben sie es alle eilig. Zwei alte, kluge Rammler werben schon auf mehrere hunbert Schritt flüchtig, ein an- berer, ber sich unter einer überzuckerten Wacholder
kussel eingeschoben hat, steht auf, als ich schon über ihn hinaus bin und er seitlich Wind von mir bekommt. Der letzte aber, der, offenbar schneeblind, auf dem ausgetretenen Fußpfad des Feldweges herangehoppelt kommt, nimmt die Kuhglocke eines vorüberklingelnden Bauernschlittens übel und empfiehlt sich außer Schußweite.
Jetzt geht's eine Viertelstunde über tiefverschneites Oedland scharf bergan. Das Schneewaten macht warm, doch auf der bescheidenen Paßhöhe, die sich als tiefer Sattel zwischen dunkelbewaldeten Buckeln herabsenkt, winkt der Lohn — unten breitet sich die weite kristallblitzende Ebene aus, durchströmt von dem stark gewundenen, wasserreichen Flüßchen, das aus dem Quelsee im Gebirge kommt unb barum nicht austrocknet ober zufriert. Die Ufer finb mit Salweiden unb Teichrohr bewachsen, ein Dorabo für Bläßhuhn, Ralle unb Wildente.
Im Sommer sieht's hier anbers aus; ba „blüht das fernste, tiefste Tal", da summen die Bienen über Quendel unb Heidekraut, unb aus bem funkelnben Wasserspiegel springen rotgetupfte Forellen. Heute starrt bie Weite in Frost unb Schnee. Unter ben breiten milchweißen Eisschilben ber Flußufer, zwischen benen bas Wasser tintenschwarz erscheint, gluckst unb murmelt es hohl, unb bie überglasten Rohrstengel, beren vertrocknete Blütenbüschel wie Fähnchen im Winbe wehen, stehen bürr unb rostbraun. Ein Gewirr von Fuchsspuren im Schnee läßt allerlei hoffen, benn baß der Rote die Flußniederung nicht zum Fischen und Mausen sucht, sondern zum Pirsch auf fette Märzenten, steht fest.
Den Wasserlauf herauf kommt wie ein blitzendes Juwel der farbenprächtige Königsfischer geschossen, der in dem fischreichen Gewässer zum Aerger der Angler und Sportfischer sein Revier hat. Zwischen den kahlen Schwarzerlen eräugt er mich, läßt sich mit schrillem Schrei bis zum Wasserspiegel fallen ünd streicht zurück, jeder Windung der Ufer folgend. Schritt vor Schritt schiebe ich mich vorwärts, durch Weidengestrüpp und lichtes Ried gedeckt. An den Rohrstengeln hängen Myriaden haardünner silbergrauer Eisfäden, die die schlanken hohen Schäfte in schimmernde Stahllanzen verwandeln.
Jetzt zieht Greif deutlich an und während ich lausche unb burch bie Weiben luge, höre ich Enten mit klingendem Schwingenschlag kurz hintereinander hochgehen. Da und dort leuchtet das Federkleid durch die bereiften Aeste, und schon steigen die Breitschnäbel über dem Buschwerk in die Höhe — prächtig zu schauen das bunte Farbenspiel des Ge- fieders, die vorgereckten Hälse, die breiten roten Ruder. Wie ein Schatten huscht ein Stockerpel durch oie Zweiglücke. Da wirft ihn ber Hagel um, mit Dumpfem Aufschlag durchbricht ber schwarze Vogel im Sturz ben vorspringenben Stanb des glasigen
Ufereises und wird von der Strömung eine Strecke fortgetrieben, ehe der Hund ihn greift. Die andere Ente erreicht noch das Ufer gegenüber. Erst sinken ein paar kreisende Federn herab, dann wird' der Flug unsicher und schwankend und senkt sich schräg zur Erde, bis der verendete Breitschnabel gegen eine Schneewehe taumelt. Noch einige Zuckungen der Schwingen, dann ist es aus.
Der Rauhhaar, der bei schneidender Kälte dreimal durchs Wasser mußte und jetzt vor mir sitzt, um die gebrachte Ente abzuliefern, ist glatt wie eine gebadete Katze. Ich hocke im Schnee, drücke den Kopf des Jagdkameraden an mich und reibe das zitternde Tier mit dem Wettermantel trollen. Dann jaust der Brave, um die verlorene Wärme wieder- zufinden, wie toll auf den verschneiten Wiesen umher, dreht sich wie ein Kreisel und schnappt jaulend und bellend nach den eigenen Flanken — das kalte Bad hat ihm nicht geschadet.
Die glutrote Sonne steht schon halb unter dem Horizont. Jetzt schiebt sich eine dunkle Wolkenbank oor den versinkenden Ball — und unvermittelt liegt die weite Fläche im bleiernen Grau des Winterabends, aus dem schon einige helle Lichter aufblitzen. Ich ziehe die Patronenhülsen aus dem Lauf, bann nimmt Greif bie Führung; er hat Sehnsucht nach ber wohlverdienten Abenbkost — „Entenklein nach Jägerart" — unb nach dem warmen Ofen...
Oie ganze Welt im Bilderbogen.
Der Bilderboden war einmal so etwas wie die illustrierte Wochenzeitschrift ober bas Kino unserer Tage. Ganze Geschlechter haben bie Welt mit ihren großen unb kleinen Ereignissen, Alltag unb Helden- tat, Mobe und Spiel, Arbeit und Zerstreuung in seinen bunten Bildern gesehen, und die Aelteren von uns erinnern sich noch der Freuden, die ihnen Gustav Kühn in Neuruppin oder Braun & Schneider in München bereitet haben. Eine auf eigene und oft mühsame Forschungen gegründete Geschichte des Bilderbogens schreibt Dr. Karl Gröber im Januarheft von Velhagen & Klafings Monatsheften. Der wertvolle Beitrag ist durchweg farbig illustriert, und diese Bilder bedeuten einen heiteren Ausflug in das Leben unserer Vvr- Wir sehen das schöne Geschlecht in der Kindheit, in der Blüte, im Alter. Wir feiern Kirchweih in Krähwinkel. Wir trinken den Silvesterpunsch und empfangen am Neujahrsmorgen mit ben besten Wünschen bie unangenehmsten Rech- nungen. Wie lustig ist der Mann, der sich mit unzähligen und unbequemen Mitteln gegen die Chv- lera behängt, und wie biedermeierisch-zärtlich ist der Baum der Liebe, von dem sich die Mädchen die Bräutigame pflücken! Wir blicken in ein Kinderzim
mer mit den Spielen der Kleinen, hören die Klage des Bauern, von dem die böse Zeit immer nur nahm und nahm.
Was t»ir alles nicht sehen.
Wenn wir eine Aussage über ein Geschehnis erhärten wollen, so erklären wir zumeist, daß wir es mit eigenen Augen gesehen haben. Doch auch der Augenzeuge ist Irrtümern unterworfen. Man mache den Versuch und lasse ein Dutzend Menschen bie timen und Zeichnungen beschreiben, die sich auf ben Tapeten ihrer Zimmer befinben, — kaum einer wirb genaue Angaben machen können über diese Dinge, die er Tausende von Stunben vor Augen gehabt hat. Besonbers schlagende Beispiele dafür, was wir alles nicht sehen, liefert der Genfer Psychologe Prof. Claparede in einem Bericht über Prüfungen, die von ihm angestellt wurden. Er fragte seine 51 Zuhörer, ob ein Fenster, dessen Aussehen er ganz genau beschrieb, sich in dem Uni- versitätsgebäude befinde. Es war ein großes, sehr auffälliges Fenster von eigenartiger Form, an dem jeder der Stlldenten täglich mehrere Male vorbeiging, und doch erklärten 42 Studenten, es gäbe kein solches Fenster, 2 waren unsicher, und nur 7 wußten anzugeben, wo es sich befinde. Bei einem anderen Versuch wurde ein kleines Bild, das eine Landschaft mit sehr ausgesprochenen Merkmalen, einer Kirche, einem Hügel, Bäumen usw. darstellte, 20 Studenten je 30 Sekunden lang gezeigt; am nächsten Tag sollten sie dann angeben, was sie behalten hatten. Nur zwei von den zwanzig waren imstande, eine ziemlich richtige Beschreibung zu machen; 16 gaben ganz falsche Dinge an, und 2 hatten überhaupt nichts behalten. Schließlich veranlaßte Professor Claparede einen aufregenden Vorfall in seiner Vorlesung; er ließ einen grotesk ungezogenen Mann in den Hörsaal eindringen, sich wild gebärden und Schreie ausstoßen, bis er hinausgeworfen wurde. Der Vorfall spielte sich sehr schnell innerhalb 20 Sekunden ab, und der Prozessor kam auf den Zwischenfall erst nach einer Woche zurück; er legte dann den Studenten 13 verschiedene Fragen vor, die sich auf das Aussehen des seltsamen Eindringlings bezogen. Hat er einen Hut getragen und wenn, von welcher Farbe? Wie war er angezogen? Wie war die Farbe seines Haares- Hatte er etwas in den Händen? Trug er Handschuhe oder einen Schlips? Neun Studenten sagten aus daß er überhaupt keinen Hut gehabt habe; die übrigen gaben seine Farbe mit schwarz, braun, grau und weiß an. 11 Studenten machten über die Haarfarbe Mitteilung, obgleich dieselbe unsichtbar gewesen. Ueber die Art der Maske, die er getragen, konnte kein einziger Auskunft geben.


