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Nr. 286 Dritter Blatt

Montag. 7.DezemberlyZ6

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Bei Grippe-Gefahr

Förtnatnitif

Schuh vor Ansteckung!

Flaschenpackung.....60 Tabl. RM 1,58

Röhrchen - Kleinpackung 20 Tabl. RM 0,63 Sn allen Apotheken und Drogerien Merkblatt .Verhaltungsmaßregeln bei Grippe" kostenfrei durch Bauer & Lie^ Berlin SW 68

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1

11

gemeinsamen Einsatz

Dienst geleistet worden.

Aus der Provinzialhauptstadl.

Nein, es läßt denken,

solltest du doch tun, blick dein sehr übel bleibt, ist

weiterer Opferspende anregten.

Das Gesamtergebnis Kreis Wetterau beläuft Davon entfallen auf die 5700 Mk.

3tu Wartezimmer.

die Atmosphäre ist nicht vergnüglich und sich wahrhaftig ein besserer Aufenthaltsort als solch ein Wartezimmer. Aber was

kannst du dagegen tun, wenn dich plötzlich ein Zahn mit bohrender Heftigkeit derart an sein Dasein erin­nert, daß du die Engel im Himmel pfeifen hörst? Es läßt sich nichts anderes dagegen tun, als einen Zahnarzt aufzusuchen und sich zu solchem Zweck in sein Wartezimmer zu begeben. Möglich, daß unter weniger zivilisierten Völkern der Umweg über ein Wartezimmer nicht erforderlich ist, bei uns hin­gegen ist er unvermeidbar.

Der Entschluß ist dir vielleicht nicht leicht gewor­den, aber nun sitzest du in dem Raum mit man-

so ist gewiß, daß in diesem Augen- Zahn den Versuch einer Ablenkung nimmt. Was dir als einziger Trost die Tatsache, daß außer dir auch

Gesamtergebnis vereinigten. Auch hier konnte man die erfreuliche Feststellung machen, daß trotz der päten Nachtzeit die Abfertigung der Sammler zog sich bis weit über Mitternacht hinaus allent­halben mit vorbildlichem Eifer und in guter Kame­radschaft gearbeitet wurde, um durch den gemein- amen Einsatz aller Kräfte bis zur letzten Minute dem schönen Werk des WHW. zu dienen

Das Musikkorps des Infanterie-Regiments 116 und der Musikzug der SA.-Standarte 116 förder­ten das Sammelwerk durch Platzkonzerte am Sel­terstor bzw. am Kreu^platz, die stark besucht waren, den Zuhörern viel Freude bereiteten und sie zu

noch andere Gepeinigte den Raum füllen und ganz wie du fortwährend aber hoffnungslos sich be­mühen, eine völlig unbeteiligte Miene aufzusetzen.

Wenn du allerdings im Augenblick nicht so sehr an deinen Zahn und seine bohrende Tätigkeit den­ken müßtest, würdest du die interessante Wahrneh­mung machen, daß ein Wartezimmer eine vortreff­liche Studienanstalt für Charakterforschung ist. Denn gerade hier, wo peinliche Schmerzgefühle oder die beklemmenden Gedanken an den Operationssessel obwalten, hat der Mensch die Eigenschaft, sich zu offenbaren. Da sitzt zum Beispiel ein umfangreicher Mann dir gegenüber, ein Hüne von Gestalt, der sicher Kraftleistungen zu vollbringen versteht, aber im Augenblick kaum einen Muskel rührt und trotz­dem dicke Schweißperlen auf der Stirn stehen hat. Seitlich von ihm beugt sich ein junges Mädchen mit Interesse über eine'Zeitschrift, doch die fortwäh­rend wippenden Fußspitzen verraten, daß dieses Interesse leider nur scheinbar ist. Und in der Ecke sitzt völlig regungslos eine Frau, von der man meinen konnte, sie sei zur Bildsäule erstarrt. Nur ihre Augen lassen den inneren Zustand ahnen, denn diese Augen wandern immerfort zu der be­wußten Tür, hinter der der gefürchtete Mann im weißen Kittel seines Amtes waltet.

Daß wir es nur ruhig gestehen: es geht uns allen nicht viel anders. Nur daß die Aeußerungen je nach dem Temperament verschieden sind. Bei dem einen wippen die Fußspitzen und bei dem anderen trom­meln die Finger. Dieser zupft immerwährend an seiner Krawatte und jene klappt mechanisch die Handtasche auf und zu. Aber es ist nur gut, daß sich für jeden einmal die Türe öffnet und er ein­treten kann zum Ort des vermeintlichen Schreckens. Denn in diesem Augenblick geht alles wie am Schnürchen und die Angelegenheit mit dem Zahn erweist sich häufig erheblich harmloser, als die Atmosphäre des Wartezimmers ahnen ließ.

H. W. Sch.

der Sammlung im sich auf 18 000 Mk. Stadt Gießen

Wiederum wurde durch den aller Volksgenossen als Spender und als Sammler eine erfolgreiche Schlacht für das WHW. geschlagen. Damit ist unserem Volke und dem Aufbauwerk unseres Führers Adolf Hitler ein neuer guter

Wieder erlebte man am Samstag, dem Tag der nationalen Soli­darität, auch in unse­rer Stadt Gießen eine prächtige Bekundung des Gemeinschaftssinnes und des vorbildlichen Opfer­geistes zum Besten des Winterhilfswerks. Freu­dig betätigten sich nach- Mttags in allen Strafen und, am Abend in den Gaststätten Männer aus ollen Schichten und Be­rufen als Sammler, die mit den Sammelbüchsen des WHW. die Spenden der Volksgenossen für das große Hilfswerk entgegen- uahmen. Neben den Pol. Leitern, den Führern der SA., SS., des NSKK., der HI. und des Jung­volks waren noch viele Männer als Vertreter von Behörden, Korporationen,

cherlei Sitzgelegenheiten, wo abgegriffene Zeit­schriften ausliegen und wo es nach scharfen Essen- zen riecht. An den Wänden hängen einige aufmun­ternde Bilder, doch kaum einer schaut danach, und es in einer heroischen Anwandlung

OerTag her nationalen Solidarität" in Gießen

3m Kreis Wetterau 18000 Mark, in her Stadt Gießen 5700 Mark.

Kreisleiter z. b. V. Adam Lotz, Referent der Alten Garde in Gießen, beim Sammeln. /

len zur Opferspende einzuladen, mit dem Erfolge, oaß wohl jeder Mann und jede Frau nicht etwa ein- oder zweimal gaben, sondern mehrfach spende­ten, weil man eben der freundlichen Einladung nicht widerstehen konnte und zum anderen auch von der Notwendigkeit und Gediegenheit der Arbeit des WHW. überzeugt ist.

Die Spender bildeten überall mit den Sammlern eine tatfreudige Gemeinschaft. Da wurden eifrig Fünfer, Zehner, Fünziger und auch Markstücke in die Büchsen geworfen, ebenso wurden viele aus­ländische Geldmünzen gespendet, zu deren nutzbrin­gender Verwendung bei dieser Gelegenheit aufge­fordert war. Auch bei den Sammlungen in den .Abendstunden, die von zahlreichen Sammlern in allen Gaststätten durchgeführt wurde und bei denen es nicht etwa beim einmaligen Besuche einer Gast­stätte oder eines Vergnügens fein Bewenden hatte, wurde Überall gern und gut gegeben, so daß auch dieser Abschnitt der gesamten Sammeltätigkeit bei den Sammlern volle Befriedigung auslöste.

Um 24 Uhr war Schluß der Sammeltätigkeit. Nun drängten sich die Sammler mit ihren z. T. außer­ordentlich gewichtigen Büchsen an den Schaltern der Bezirkssparkasse, deren Beamte in eifriger und umsichtiger Weise die Abrechnung besorgten und die vielen Einzelergebnisse der Sammelbüchsen zu dem

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

NS.-Lehrerbunb Gießen, Fachschaft 2 (Höhere Schule): 18 Uhr, Gesamtsitzung, Vortrag des Priv.- Doz. Dr. Wulf Ankel überDie biologischen Grund­lagen der Rassenpflege" im Saal des Zoologischen Instituts, Bahnhofstraße 84 (Anatomie). Gloria- Palast, Seltersweg:Die un-erhörte Frau". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Onkel Bräsig". Gießener Hochschulgesellschaft: 20 Uhr, Lichtbilder­vortrag von Hofrat Prof. Dr. Erich von Tschermak- Seysenegg (Wien) überDie Züchtung neuerer wertvoller landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen" im Saale des Studentenwerkes, Leihgesterner Weg 16. Weihnachtsausstellung der oberhessischen Künstler ab 17 Uhr im Turmhaus am Brand. Ski-Klub Gießen: 20.15 Uhr, Ski- Filmvorführung im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße.

71SOAV. - Amt für Volkswohlfahrt. Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Vetr.: Pfundsammlung.

Am Mittwoch, 9. Dezember, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein­gesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungs- einzeichnung bereitzuhalten. Die Pfundsammlung

sagen die Mehrheit der Sammler stellte, wenn auch ie'r einzelne nicht immer als Beamter in Zivil in Erscheinung trat, sondern in Uniform des Politi­schen Leiters, des SA.° oder SS.-Führers sam­melte; jedenfalls zeugt dieser starke Einsatz der Beamten für deren enge Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen Staat.

Schon kurz nach der Mittagszeit wurde die Sam­meltätigkeit in der Gegend des Bahnhofs begon­nen. Um 15.30 Uhr folgte bann im Saale des Cafe Leib die Ausgabe der Sammelbüchse an die Sammler, und nun kam Hochbetrieb in allen Stra­ßen und auf allen Plätzen. Da gab es keine Straße iinb keine Straßenkreuzung, die nicht mehrfach mit Gammlern besetzt gewesen wäre. Ueberall war da- jür gesorgt worden, daß kein Spendeluftiger etwa vergeblich nach einem Mann mit der Sammelbüchse jätte Ausschau halten müssen. Inmitten des stärk- jten Verkehrs standen die führenden Männer der Partei mit ihren Sammelbüchsen, um hier uner­müdlich in stundenlanger Tätigkeit die Volksgenos-

. der Wirtschaft und der freien Berufe eifrig am Werke, um mit dem vollen Einsatz ihrer Kraft dem großen Gemeinschaftswerk zu dienen. Insbesondere trat dabei eindrucksvoll zutage, daß die Beamtenschaft aller Verwaltungs­zweige einer sehr großen Teil, ja, man kann wohl

Der Führer der Hitler-Jugend, Bannführer Heim, vertritt die junge Mannschaft beim Sammelwerk._________________

Partei, Wehrmacht und Zivil helfen gemeinsam dem WHW. (Ausnahmen [3]: Pfaff, Gießen.)

hatten

Goethe-Bunh.

Ivo Pu Honnys Marionetten.

ftühen Kantate, in der etwas vom uralten Hirten- jubel um das Wunder der Weihnacht eingefangen ist, ausgezeichnet. Den Abschluß der Vortragsfolge bildete die KantateSinget dem Herrn" für So­pran mit konzertanter Violine und Continuo von Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707), von Thea Lotze-Middendorf kunstreich und verständ­nisvoll gelungen.

Die Hörer folgten aufmerksam und dankten mit herzlichem Beifall. Dr. Hans Thyriot.

Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein . sich für gestern ein Gastspiel von Ivo Puhon- n y s Künstler-Marionetten-Theater verschrieben, das heute bereits auf ein rundes Vierteljahrhundert fei­nes Bestehens zurückblickt und durch feine Wander- oorfteUungen nicht nur in Deutschland, sondern m öer ganzen Welt bekannt geworden ist. Im Mai 1911 gab der vielseitig begabte und interessierte Maler und Graphiker Ivo Puhonny im Palais Hamilton in Baden-Baden seine erste Vorstellung. Ausgedehnte Vorarbeiten und Studien über das bei fast allen Kulturvölkern in verschiedenen Formen entwickelte Puppenspiel und weite Studienreisen im Orient und im Fernen Osten waren ooraus- gegangen. Mit den Vorstellungen dieser Mano- nettenbühne wurde eine sehr alte Tradition aus­genommen und gepflegt, eine Volkskunst m unsere W hinein gerettet, die früher eine ungleich bedeu­tendere Rolle gespielt hat, und deren vielfältige Anregungen und Ausstrahlungen man denke nur an Goethe und an das Puppenspiel vom Dok- tor Faust - bis in die Weltliteratur hinemreichen. Heinrich von Kleist hat, woran in diesem Zusam­menhang ebenfalls erinnert werden darf, eine aus­führliche und grundlegende Abhandlung über das Marionettentheater geschrieben, in der eine tieffnv nige Philosophie des Puppenspiels enthalten ist, und deren Lektüre jedermann empfohlen fei.

Puhonnys Bühne zeichnet sich dadurch aus daß sämtliche Elemente des Spiels aus einer Hand hervorgegangen sind: Puhonny schasst seine Figu­ren, Kostüme und Dekorationen selbst; dadurch wird die innere Geschlossenheit des Eindrucks gewähr­leistet. Puhonnys Spielplan weist auch eine bemerkenswerte Vielseitigkeit auf; er geht non bem fflrunhfah aus daß dem Marionetten - Theater AundMich I°de szenische Ausgabe zugänglich und £ fp; Van findet da Stücke der reinen Pup- penfpieUiteratur neben Bearbeitungen für das Ma­rionettentheater nach literarischen Vorlagen; das

Gießener Siahttheaier.

VI. Morgenveranstaltung: Musik um Weihnachten.

Die Vortragsfolge der gestrigen sechsten Morgen­veranstaltung im Stadttheater brachte, dem Cha­rakter des zweiten Adventssonntags entsprechend, unter der Leitung von Kapellmeister Ernst Br auer, in der Hauptsache roenia bekannte, altere und neue Weihnachtsmusik. Wir hörten zu Beginn fünf sel­ten gesungene geistliche Lieder von Hugo Wolf aus iem spanischen Liederbuch, vorgetragen von Ilse L a s k u s (Sopran) und Thea Lotze-Midden­dorf (Sopran) aus Marburg a. ©., und zwar Nun bin ist dem, du aller Blumen Blume ,Nun öanbre, Maria",Die ihr schwebet um diese Pal­pen",Führ mich, Kinb, nach Betlehem , unb Ach, des Knaben Augen ..von benen besonbers der zweite unb letzte Gesang bie Stimmung ber , Weihnachsgeschichte sehr fein zum Ausbruck brach­ten. Die gesangliche Wiebergabe entsprach in allen Teilen benAnforberungen bes nicht ^nfachen Satzes cis Begleiter wirkte Herr Brauer verstanbrnsvoll ^iFeuie schlichte Hirtenlegenbe, gipfelnb in ber ßerfünbigung^bes weihnachtlichen Wunbers an bie & Jd ä

l«n Sie olle SlisuinodSMelMe 6®a"3=kf*e" auf seine Weise nacherzahlt. Herr Geiger am Borttaastiich setzte sich als embringlicher Mittler

I iS. Die beiden Hirtennmst

von Gregor Josef Werner (1695 bis 1766) für vier Streicher unb Continuo werben ben meisten Besuchern der Morgenfeier ganz neu gerne en fein fie wirken, auf einer einfachen musikalischen Linie sch aufbauend, schlicht und vottstuml^, gleichsam v.aio erzählend unb fügten sich m Kem Stilcharak ter ber Weihnachtsgeschichte aus ^lanbem ^0^ visch an. Unter Führung von Kapellmeister Bräuer (am Flügel) musizierten bie Herren Franz K e r z i s n i k (1. Violine), Paul Kohler <2. Violine) Geora Scheuermann (Bratsche) itnb Ernst Schn Aber (Diolincello) ausbrucksvoll

rJSn unb frischesten Eindruck hmter- Itefj textlich unb musikalisch bas Wechnachtska^z-rt ür Sopran unb Continuo von PH- ? ,

lecker (gest. 1683), in bem sich der einfache la^ lemische Text von Christi Geburt deutschen WeiseJoses, lieber Joses merkwürdig starken unb lebendigen Stimm.9 -inheit verbindet. Gesanglich tras die Sopranstüm 31[e Sästus, ben hymnischen Charakter bieler

ergibt eine Spannweite ber Entwicklung vom alten Volksspiel unb ben Schwänken bes Hans Sachs über Goethe unb Pocci bis zu Wilhelm von Scholz, um nur einige Beispiele zu nennen. Dem Wesen unb Darstellungsstil bes Marionettentheaters bietet neben ber Literatur im eigentlichen Sinne insbe- jonbere ber große Motivkreis bes Märchens viel­fältige Möglichkeiten.

Dies war an ber Aufführung besGestiefelten Katers", eines Marionetten - Märchenspieles von Ernst E h l e r t (ber seit vielen Jahren bie Pu- Honny-Spiele leitet) unb Carl Meißner, zu be­obachten. Hier begegnen sich zwei in ihrer Volks­tümlichkeit unb Naivität verwanbte Ausdrucksfor- men. Die naive Spielweise ber Puppenbühne, bie auf ein uraltes Bewegungselement bes Theaters überhaupt zurückgreift, bestimmt einerseits bie cha­rakteristische Wirkung, bie auf bemgroßen" Thea­ter längst oerlorengegangen ist ober wieder erar­beitet werden muß,'wofür auch in unserer Zeit die verschiedensten Ansätze zu beobachten sind. Zum anderen beruht die eigentümliche Wirkung daraus, 'daß der volkstümliche, kindertümliche, mit einem Wort naive Stil allen Puppenspiels auf eine ver­hältnismäßig komplizierte Weise zustandekommt: durch die kunstvolle, viel Erfahrung und Uebung voraussetzende Führung der Drähte im Zusammen­klang mit dem gesprochenen Wort und stellenweise auch der Musik, wobei für die Sprechpartien zu bedenken ist, daß sich während einer Aufführung meist mehrere Rollen zugleich auf denselben Spre­cher vereinigen. DerGestiefelte Kater" folgt in seinen sechs Bildern dem Gang der Handlung im Märchen ganz getreu; das Spielerzählt" den Vor­gang mit unbekümmerter Selbstverständlichkeit, be­zieht die Tierrollen, den Kater als Hauptperson natürlich vor allem, aber auch den Esel unb bas weiße Häschen in aller märchenhaften Natürlichkeit ein, läßt später bie Königskarosse vierspännig burch bie Landschaft rollen und gelangt auf den Gipfel theatralisch-märchenhafter Phantasie in der Schluß­szene, wenn sich der kinderfressende Zauberer erst in einen grimmigen Löwen unb hernach in eine Maus verwanbelt, bie alsbalb vom Kater gepackt unb gefressen wirb, worauf ber Hochzeit bes Müller- sohne's mit ber schönen Prinzessin nichts mehr im Wege steht.

Eine besondere Spezialität hat Puhonny mit seinen Solopuppen ausgebildet, die er im Rahmen einer kleinen Darietevorstellung mit Ansager auf­treten läßt: ein glücklicher Gedanke, weil hier bie Puppe, losgelöst von Rolle, Text, Hanblung und Nachahmung, ganz auf ihr ursprüngliches Bewe­gungselement beschränkt bleibt unb ber karikaturi­stische Einschlag vielfach zum Wesen dieser Spiel­

gattung bazugehört. So gingen besonbers vom Tanz auf ber rollenben Kugel unb von ben exzentrischen Sprüngen unb Verrenkungen ber beiben Tanz­chinesen Tsching unb Tschäng höchst lustige unb aparte Wirkungen aus. Die zweite Vorstellung am Abenb brachte mit bem RokokospielKönig Violon unb Prinzessin Klarinette" von Mahlmann ein teilweise neues Programm. Die Darbietungen fanben beim kleinen unb großen Publikum un­geteilten Beifall. Dr. Hans Thyriot.

Zeitschriften.

Des Malers Franz von Lenbach geb en Et aus Anlaß feines 100. Geburtstages bieIlluftrirte Zeitung Leipzig" (Verlag I. I. Weber Leip­zig) in ber neuesten Nummer. In einem Beitrag von Alexanber Heilmeyer tritt uns ber große Bild- nismaler, vor besten Staffelei alles ftanb, was in ber Zeit von 1870 bis 1900 in ber Welt bekannt unb berühmt war, in feiner umfaffenben Bebeutung entgegen, als Schöpfer von Werken, bie in ihrer Gesamtheit ein aufschlußreiches physiognomisches Bilberbuch ber Zeitgeschichte barstellen. In ben zahlreich beigegebenen Bilbnissen begegnet uns so mancher Große jener Zeit unb offenbart uns seine Seele. Menschlich nahe kommt ber große Künstler bem Leser burch bie Erinnerung, bie Lolo von Lenbach, seine zweite Gattin, ausgezeichnet hat unb unter Beigabe von Briefen hier veröffentlicht.

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Ernannt würben: Professor Dr. Aböls Dabe- l o w, Extraorbinarius für Anatomie an ber Uni­versität München, zum orbentlichen Professor bbrtfelbft; Professor Dr. Walter Geisler, Extra­orbinarius für Geographie an ber Universität Halle, zum orbentlichen Professor an ber Tech­nischen Hochschule Aachen; Professor Dr. Karl Wetzel, Extraorbinarius für Botanik an ber Uni­versität Leipzig, zum orbentlichen Professor an ber Universität Berlin; Professor Dr. Friedrich S ch ü r r, Extraorbinarius für romanische Philolo­gie an ber Universität Graz, zum orbentlichen Professor an ber Universität Marburg; Profes­sor Dr. Ernst W a l b s ch m i b t, Extraorbinarius für Jnbologie an ber Universität Berlin, zum orbentlichen'Professor an ber Universität Göttin- g e n; Professor Dr. Heinz Rubolf R o s e m a n n, Öürtraorbinarius für Kunstgeschichte an ber Techni­schen Hochschule 2) a r m ft a b t, zum orbentlichen Professor bafelbft; Professor Dr Hans Schrep- f e r von ber Hochschule für Lehrerbildung in Weilburg, zum Ordinarius für Geographie an ber Universität Würzburg.