Nr. 286 Zweiter Blatt
Montag, 7. Dezember M6
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Der Mörder Gustloffs vor den Richtern 3um Mordprozeß David Frankfurter in Ehur.
«Don dem nach der Schweiz entsandten DltB.-Sonderberichterstatten)
umgewandelt. Beim Vorliegen „ganz besonderer Mllderungsgründe" beträgt die Mindeststrafe 15 f15 25 Jahre Zuchthaus. Eine Berufung gegen das Urteil des Kantongerichts ist nicht zulässig, dagegen binnen Beschwerden über Formoerletzungen im Rekurs- bzw. Kassationswege vorgebracht werden.
Im Gegensatz zum deutschen Strafrecht ist nach dem des Kantons Graubünden die Zivilklage zugelassen. Frau G u st l o f f hat von diesem Recht in einem bewunderungswürdigen und mutigen Entschluß Gebrauch gemacht, um der Derleumdungs- kampagne und den schamlosen Verdrehungsversuchen der bolschewistischen und jüdischen Anstifter und Hintermänner entgegenzutreten. Ihre Prozeßoertreter sind der schweizerische Anwalt Dr. B. Ursprung aus Zürzach, sowie Prof. Dr. Grimm (Essen). Der des vorsätzlichen Mordes angeklagte David Frankfurter wird von dem Züricher Rechtsanwalt Dr. C u r t i verteidigt. Die jüdischen Anwälte de Moro-Giafferi (Paris) und d e Vries (Amsterdam), die in aller Oeffentlichkeit erklärten, das Weltjudentum plane den Prozeß gegen den Mörder Frankfurter als eine Propagandaaktion gegen Deutschland aufzuziehen und die somit einen aufschlußreichen Einblick in die Hintergründe der Tat tun ließen, sind nicht zugelassen worden.
Das Derbrechen des Juden David frankfurter.
Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am Abend des 4. Februar 1936, kurz vor 20 Uhr, erschien der Jude David Frankfurter, der seit 1934 in Bern Medizin studierte, in der Wohnung des ihm völlig unbekannten Landesgruppenleiters Schweiz der NSDAP., Wilhelm G u st - loff, in Davos und verlangte den Landesgruppenleiter zu sprechen. Ohne Argwohn führte Frau Gustloff Frankfurter in das Wartezimmer. Als Gustloff das Zimmer betrat, streckte ihn der Jude mit vier Revolverschüssen nieder In der ersten Verwirrung gelang es ihm zu entkommen. Frankfurter, der sich für seine Tat den Kanton Graubünden ausgesucht hatte, in dem die Todesstrafe abgeschafft ist, stellte sich der Polizei und gab bei der ersten Vernehmung zu. daß er mit der Mordabsicht nach Davos gekommen sei. Nach dem Beweggrund gefragt, gab er zur Antwort: „Ich habe die Tat begangen, weil ich Jude bin?"
Vorgeschichte im» H nteraründe
Die Beurteilung der Tat des Juden Frankfurter, d'".» in der ganzen Kulturwelt tiefsten Abscheu auslöste, ist alleinige des schweizerischen Gerichts, dessen Spruch die deutsche Oeffentlichkeit mit Vertrauen erwartet. Trotz aller Herausforderungen wird sie es mit peinlichster Gewissenhaftigkeit nach wie vor vermeiden, sich in das schwebende Verfahren einzumischen. Mit Genugtuung stellt sie auch fest, daß die schweizerische Regierung durch das Verbot des Ludwiq-Cohnschen Machwerkes „Mord in Davos", das ein bisher beispielloser, einziger Ervressungs- vcrsuch ist, Richter und Oeffentlichkeit in der Schweiz vor diesem jüdischen Einmischunasversuch bewahrt hat.
Leider ist dieser Versuch nicht der einzige geblieben. ter ist vielmehr der ^öbenunkt eines aeradezu ungeheuerlichen Verleumdungsfeldzuges, der vor dem 4. Fehrn 19-^6 die ln^ern^ki"^ > orr
bereitet hat, die er nach dem Morde in eine Schuld des Ermordeten umzufälschen bemüht ift. Diese verlogene .fvhe di- am Vorabend des Mordprozesses David Frankfurter mit erneuter Wucht eingesetzt
Das ist der Jude David Frankfurter, der Mörder des Landesgruppenleiters Gustloff.
(Scherl-Bilderdienst.)
(die Kantone sind in der Regelung ihres Rechtswesens selbständig) und tritt nur von Fall zu Fall zusammen. Es besteht, wie wir bereits meldeten, aus fünf ordentlichen Mitgliedern, nämlich dem Kantonsgerichtspräsidenten Dr. Rudolf G a n z o n i aus Chur, der den Vorsitz führt, dem Altregierungspräsidenten Dr. Joseph V i e l i aus Chur, der Mitglied der Kantonsregierung ist, dem Rechts- und Großrat Giovanni Nicolo aus Boveredo, dem Oberst der Militärjustiz Christian G a r t m a n n aus St Moritz und dem Standespräsidenten Dr. Johann Peter Sonder aus Salux. Die Anklage vertritt als Amtskläger ad hoc Dr. Friedrich Brügger aus Chur.
Anklage auf Mord.
Die Anklage gegen den Juden Frankfurter lautet auf Mord und stützt sich auf den § 88 des Strafgesetzbuches des Kantons Graubünden vom 8. Juli 1861. Dieser Paragraph bestraft wegen Mordes denjenigen, der die widerrechtliche Tötung eines anderen mit Vorbedacht ausgeführt hat. Dieses Verbrechen wurde früher mit dem Tode bestraft. Heute ist die Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus
Zurich, 7 D-z. (Ml23.) Am Mittwoch, 9. De- zember, beginnt Dor dem höchsten Strafgericht des Kantons Graubünden in Chur der Prozeß gegen d-n 2"den David Franksurter, der am Abend des «.Februar d.J. in Daoos den Landes- gruppenlei er Schweiz der NSDAP., Wilhelm G u ft Ion, meuchlerisch ermordete. Für die Ver- ^blunaen, , die im Sitzungssaal des „Großen a t. Hbf!1, vier Tage vorgesehen.
Das bundlerische Kantonsgericht wird durch die gesetzgebende Behörde, den „Großen Rat", bestimmt
Ein selten schönes Wort.
Von Joachim Lange
Ein selten richtiger — also meistens falscher — Ausdruck ist „selten". Wenn man ihn nämlich in der selten schönen Weise anwendet, wie es heutzutage leider nicht selten ist und wie es merkwürdiger Weise auch der sonst so selten nachgiebige Duden erlaubt.
„Eine selten gute Zigarre habe ich neulich hereinbekommen" erzählte mir mein Tabakhändler. „Wollen Sie nicht mal einen Versuch machen?" Ich werde mich hüten! Denn wenn sie nur selten gut ist, dann taugt anscheinend immer nur die zwölfte oder neunundsechzigste etwas. Und dafür ist mir mein Geld und meine Raucherzunge zu schade.
„Ich mache Ihnen an diesem Glückstag ein selten günstiges Angebot", schrieb mir ein Lotterie-Einnehmer, der auf geheimnisvolle Weise meinen Geburtstag herausbekommen hatte. Ich wollte das selten günstige Angebot, eben weil es nur selten günstig sein sollte, schon wegwerfen, da fiel mein Blick auf den nächsten Satz: „Fast jedes zweite Los gewinnt". Aber das wäre ja im Gegenteil sehr günstig! Warum vergrämt sich denn der aufmerksame Diener Fortunas seine Leute!
„Selten schöne Aussicht auf die Bayerischen Alpen", gestand bescheiden eine Gaststätte in den Bergen, in der ich eigentlich meine Sommerferien verleben wollte Ich bin natürlich nicht hingefahren: ich hatte genug Angebote von anderen Häusern bekommen, von denen aus die Fernsicht immer
schön ist.
„Sie glauben gar nicht, was für einen selten tüchtigen neuen Torwart wir jetzt in unserem Fußballverein haben!" erzählte mir Herr Müller und machte dabei ein Gesicht, als wäre eine seltene Tüchtigkeit wunder was Anerkennenswertes. Dann hat er wohl am letzten Sonntag ein paar Dutzend Tore durchgehen lassen?" erkundigte ich mich. „Aber nein!" entrüstete sich Herr Müller. „Nicht ein einziges!" „Oh, dann ist er ja sehr tüchtig!" sagte ich. „Nun ja doch, wie ich sagte", Jagte Herr Muller, „ein selten tüchtiger Fußballer!"
„Gründgens müssen Sie als Hamlet sehen, schwärmte mir Fräulein Lehmann vor. "Das ist wirklich ein selten begnadeter Schauspieler! Gott sei Dank weiß ich von anderer Seite, das Grundgens im Gegenteil ein sehr begnadeter Künstler ist, sonst hätte ich ihn mir tatsächlich nicht angesehen
„Ein eiten warmherziger Mensch ist mit ihm dabinqeqanqen", rief ein Betrieb feinem verstorbenen Cbef nach. Aber wenn er meistens kaltherzig war — warum wollen die Angestellten dann sein Andenken so hoch in Ehren halten?
Glaubt man etwa, ich tränke einen selten blumigen Mein? Ich besuchte eine selten interessante Ausstellung? Ich nähme eine selten preiswerte Ein
kaufsgelegenheit wahr? Ich bemühte mich, eine selten reizvolle Frau kennenzulernen? Ich ließe mich zu einer selten netten Familie einladen?
Bei der wenig netten Familie müßte ich dann noch zum Abschied mit verbindlichem Zähneknirschen sagen: „Vielen Dank, und es war ein selten angenehmer Abend!" Doch halt: in diesem Fall dürfte das selten — selten genug! — stimmen!
Vinzenz Prießnitz
Ein 23auernnome wird medizinischer Begriff
NSG. Zu den Begriffen, die nach dem Eigennamen ihres Schöpfers benannt werden und ihn so unsterblich gemacht haben, gehört auch der Prieß- nitz-Umschlag, die ebenso als Hausmittel wie auch in der medizinischen Wissenschaft angewandte kalte Kompresse mit dem Wollwickel. Der „Prießnitz", wie dieser Umschlag kurz genannt wird, ist jedoch nicht durch einen gelehrten Mediziner in die Heilkunde eingeführt worden, sondern durch einen einfachen Bauernsohn, dem es in seiner Jugend nicht einmal vergönnt war, Lesen und Schreiben zu lernen. Lediglich aus dem großen Buch der Natur, aus angeborenem Arzt- und Helfertum leitete der Bauer Vinzenz Prießnitz, dessen Todestag sich in diesen Tagen zum 85. Male jährte, seine Behandlungsweise allen lebensfremden Theorien und Vorurteilen zum Trotze ab und wurde dadurch zum anerkannten Begründerder Wasserheilmethode.
In Gräfenberg bei Freienwaldau wurde Prießnitz am 4. oder 5. Oktober 1790 als Sohn eines Bauern als sechstes Kind geboren. Vinzenz Vater war blind, und während die übrigen Geschwister bei der schweren Bauernarbeit anpacken mußten, war es die Aufgabe des Jüngsten, sobald er felbft laufen konnte, den Vater zu führen und auf allen Wegen zu begleiten. Später, als Prießnitz schon ein anerkannter Heilbehandler war, tat er einmal den Stoßseufzer: „Hätte ich meinen Vater nicht immer führen müssen, hätte ich wenigstens Lesen und Schreiben fernen können."
Obwohl er keinen Schulunterricht genoß, eignete sich Prießnitz soviel natürliche Fähigkeiten und Kenntnisse an, daß die gelehrten Aerzte, die ihn in späteren Jahren examinierten, um ihn der Kurpfuscherei zu überführen, aus dem Staunen nicht herauskamen. Schon von frühester Jugend beobachtete Prießnitz alles, was in feiner Umgebung geschah, auf das Genaueste. Durch diese scharfe Naturbeobachtung gelangte er auch zu seiner Kaltwasserheilmethode. Aus der Tatsache, daß ein Tier sich seine Wunden durch Wasser zu heilen sucht, aus den Hausmitteln der Bauern und Schäfer, die ihr verletztes Vieh mit Wasserumschlägen erfolgreich bei Quetschungen und Entzündungen behandelten, folgerte Vinzenz Prießnitz aus gesundem Men- chenverstand, daß das, was dem Tiere hilft, der
hat, zurückzuweisen, ist eine Pflicht, die nicht nur die Wahrheit, sondern auch der Opfertod Wilhelm Gustloffs gebieterisch verlangt, der sein Leben getreu dem Gebote seines Führers für die Verbesserung der Beziehungen zwischen seinem Vaterlande und seiner Wahlheimat, der Schweiz, hingab
Die Hetze gegen Deutschland.
Seit Jahren hat das Deutsche Nachrichtenbüro in den Berichten seiner Schweizer Vertreter auf die systematische deutschfeindliche Propaganda der jüdisch-marxistischen und leider auch vieler bürgerlicher Blätter in der Schweiz hingewiesen. In der ausgezeichneten Schrift „Der Fall Gustloff" hat der Verfasser, Wolfgang Diewerge, fast ausschließlich durch Schweizer Meldungen den schlüssigen Nachweis nicht nur der übelsten politischen Brunnenvergiftung, sondern auch der bewußten Mordhetze gegen den Landesgruppenleiter Schweiz der NSDAP., Wilhelm Gustloff, erbracht. Es fehlt an Raum, das hieb- und stichfeste Material in geschichtlicher Folge aufzuführen, doch seien einige unumstößliche Tatsachen, die auch in dem Mordprozeß eine Rolle spielen werden, festgehalten. Seit Jahren wird das neue Deutschland planmäßig beschimpft, verleumdet und verspottet, werden seine ureigensten Angelegenheiten in einem großen Teil der Schweizer Presse in einer Form behandelt, die zwangsläufig eine Atmosphäre des Hasses gegen Deutschland und Die Deutschen in der Schweiz, die sich nach verbrieftem Recht zu ihren staatsbürgerlichen Pflichten als Reichsdeutsche bekannten, erzeugen mußte. Un
bestreitbar ist ferner die bewußte Fehde gegen den Üandesgruppenleiter, die in der offenen Auffoxoe« rung zur Gewalt und zum Mord ausklang, über ebenso unbestritten ist die Feststellung Schweizer Behörden, daß Wilhelm Gustloff, der seit fast 20 Jahren in der Schweiz seine zweite und geliebte Heimat gefunden hatte, niemals die Gesetze des Gastlandes mißachtet oder verletzt, sich in schweizerische Angelegenheiten gemischt ober irgendetwas getan hätte, was den Interessen seiner Wahlheimat zuwider gewesen wäre. Im Gegenteil! Er war ein aufrechter Deutscher, der sein Vaterland und seinen Führer über alles liebte und der nichts anderes kannte, als ihnen zu dienen. Konnte er das besser, als daß er dem Friedenswillen seines Führers, den Geboten seines Stellvertreters Rudolf Heß und den Grundsätzen seines Gauleiters Bohle folgte, jberen erster heißt: „Befolge die Gesetze Des Landes, dessen Gast du bist!"
Hinter der Mordhetze stand, auch das kann gesagt werden, ohne daß damit in das schwebende Verfahren eingegriffen wird, des Weltjudentum, das heute den von ihm gedungenen Mörder mit dem Hinweis auf politische Maßnahmen in Deutschland zu entlasten sucht und das sich nicht entblödet, durch bezahlte jüdische Literaten „Visionen" und „Träume" als die Triebfedern der Mordtat auszugeben. Es sind die gleichen „Visionen", die in Spanien entsetzlichste Wirklichkeit geworden sind. Diese zu beseitigen, sollte die freie Schweiz dem neuen Deutschland die Hand reichen, bann wäre ber Tob Wilhelm Gustloffs bie Erfüllung seines Sehens» Zieles.
M der„SchleswigHolstem
Von Friedrich Karl Birnbaum, Kapiiänleuinant.
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Wenn auch meine Tageswache am Einlauftage vormittags ben ersten stärkeren Regenfall unserer Reise brachte, so sollte schon mittags bie Sonne nur um so strahlender über dieser schönsten der „I n - fein des ewigen Frühlings" scheinen, und diese „Freudentränen", wie unsere spanischen Freunde erklärten, leiteten zwei letzte unvergeßliche Tage im gastlichen Santa Cruz ein.
Die Stadt liegt malerisch umgeben von hohen Bergen in eine fruchtbare Talsenke gebreitet. Im Charakter Las Palmas sehr ähnlich, bis 1927 Provinzhauptstadt, mit großen Geschäftsstraßen, die direkt auf die lange Hafenmole zuführen. Indische Bazare und große Geschäfte, wo man seine restlichen Peseten, wie in Las Palmas, in schönen Seiden aus dem fernen Osten, oder den berühmten einheimischen Handarbeiten für die Lieben zu Hause anlegen kann. Mein heimlicher Wunsch, den Pico auf dem Rücken eines der treuen Maultiere mit meinen Fähnrichen zu besteigen, läßt sich in der kurzen Zeit leider nicht verwirklichen. So zeigt er uns wenigstens fein aus einem Wolkengürtel majestätisch im ewigen Schnee glänzendes Haupt, als wir mit der Division einen schönen Ausflug nach O r o t a d a und dem malerisch inmitten einer üppigen Bananensiedlung liegenden Hafenstädtchen Puerto de la Cruz machten. Mit frisch-fröhlichem Gesang geht es durch die winkligen steilen Gassen von Orotava, begeistert beklatscht von der Bevölkerung. Drunten am Strand, wo wir in der herrlichen Brandung haben, werben alle 300 Mann von ben weiblichen Fetchas mit Vino Tinto unb Zigaretten zu bem mitgebrachten Mittagbrot bewirtet. Wieber spielt bie Kapelle ber Falanga, und Jubel braust auf, als der Alkalde nach dem Deutschland- unb bem Horst-Wessel-Lied eine schwungvolle Rede hält, deren Sinn wir alle verstehen, die mit
* Teil I im Gießener Anzeiger Nr. 262; Teil II in Nr. 285.
Viva Alemana endet, von drei donnernden Hurras erwidert. Auf der Rückfahrt gibt es nach der Besichtigung des wundervollen Botanischen Gartens von Orotava noch einen Extraspaß für meine Seeleute. Wir wollen das zweihundert Jahre alte Klosterinstitut von La Laguna besichtigen unb kommen gerabe an, als bie weibliche Jugend des Städtchens ihren Unterricht beendet hat. Großes Hallo auf beiden Seiten, ich habe meine liebe Mühe, me/ne Männer von den trippelnden und kichernden Schönen, denen sie gütigst Autogramme in die Schulhefte schreiben, abzulenken, und ihre Blicke auf bie Schönheiten des Kreuzganges unb bie erlesenen alten Pergamente und Schweinslederbände der berühmten Bibliothek zu richten.
Abends im kleinen Kreise der Kameraden sind wir wieder Gäste unserer Freunde aus Las Palmas, die es sich nicht nehmen ließen, herüberzukommen und uns mit hiesigen Amigos zusammen durch die Gegend zu fahren und zu bewirten. Erstaunlich ist die Meisterschaft der Spanier im Autofahren. Sie sind mit ihrem Wagen verwachsen und fahren wie die Teufel, aber sicher! Derkehrsunfälle kommen so gut wie überhaupt nicht vor, obwohl sich der Verkehr auch in
Heute beginnen wir in den Gießener Familien« blättern mit dem Abdruck eines neuen Romans; er heißt „Klick aus dem Epielzeuglaben" von Friedrich Schnack und ist eine fröhliche und weihnachtliche Erzählung für das große und das kleine Volk. Oie Geschichte vom armen Klick, der eigentlich Nikolaus hieß, von feinen Sorgen und Abenteuem, vom verlorenen Lotterielos und vom Hustenonkel, vom Papagei Vicka und vom Kapitän Sastafraß ist bas lebenbejahende Werk eines echten Dichters, von alten und jungen Leuten mit Freude und herzlicher Anteilnahme zu lcfen.
gewaltigsten unter den alten deutschen Steinbrücken eingemeißelt. Wer Regensburg mit feiner Brücke, bie zu ben Bauwunbern bes Mittelalters zählte, das erste Mal sieht, ist ergriffen von der Kraft und Schönheit dieses Stadtbildes. Wie diese Brücke mit ihren sechzehn gewaltig schweren Bögen über die Donau zur Stadt hinüberschwingt, wie sich die Fluten der Donau vor den Pfeilern bäumen, wie das Wasser durch die Joche jagt, wie es dahinter kocht und wirbelt: der Regensburger Strudel. Viele der alten deutschen Steinbrücken, die uns neben den Domen und Türmen die kraftvolle Zeit des Mittelalters mit ihre« beben Gemeinsinn vor Augen
eine Stadt, durch Turmbauten unb Tore gut geschützt würbe, nimmt uns nicht rounber. denn bie Stabt des
führen, sind der Neuzeit, dem Schiffsverkehr zum Opfer gefallen. Aber noch treffen wir eine ganze Anzahl von ihnen auf unseren Fahrten durch die deutschen Lande. Wir tun gut, etwas länger bei ihnen zu verweilen und ihre stolze Schönheit in uns aufzunehmen.
Die alten Baumeister der Brücken dachten in Jahrhunderten, ihre Werke sollten unzerstörbar sein. So ließen sie die mächtigen Pfeiler ihrer Brücken aus sorgfältig geschliffenen Steinen aufmauern, aufsteigend aus fast allenthalben viel größeren Fundamenten. Den Fundamenten gaben sie gegen die Kraft des anstürmenden Eises und, auf der stromab gerichteten Seite, gegen das Unterspülen durch die Wasserwirbel halbkreisförmige ober spitzbogige „Vorher- unb Hinterhäupter". Mitunter würben die Steinquadern untereinander durch eiserne Klammern verbunden. Wenn man sich das ansieht — besonders schön an der Werrabrücke in Hannooersch-Münden — muß man unwillkürlich an ein altes, eisenbeschlage- nes Burgtor denken.
Wenn die Pfeilerbreite größer war als die Breite der Brücke, konnte über jedem der Pfeiler eine Nische ausgebaut werden. Wer hat nicht schon einmal in solch einer Nische gestanden, während der Verkehr einer kleinen Stadt über die Brücke hin- und herging und das Wasser des Flusses rauschte und schäumte'
Unsere alten Baumeister bauten niemals allein um ber Nützlichkeit willen, ihre Bauten sollten auch durch ihre Schönheit wirken. Es kann uns also nicht Der» rounbern, wenn mancher Brücke am Enbe eine raun»
Mittelalters mußte sich wehren. Wir sollen auch einmal an bie berounbernsroerte technische Leistung ber alten Brückenbauer benfen, bie ohne moberne Hilfsmittel auskommen mußten. Manchmal war es möglich, ben Fluß oberhalb ber Baustelle tu stauen ober abwleiten, so baß man im fall tro^enen Flußbett arbeiten konnte. Es würben ober auch Brücken über Flüsse gebaut, bie man nicht stauen ober ableiten konnte. Man wartete bann einen besonbers trockenen Sommer für ben Baubeginn ab, wie vor 800 Jahren in Regensburg: „Die tonaro war schier trucken gar ..
Alte deutsche Steiubrückeu
Von K Mehner.
Krone ber Schöpfung hoch nicht schaben könne. Die Probe aber sollte feine Behandlungsweife daburch erfahren, baß er bei ber Bauernarbeit auf bem Felde von dem hochbeladenen Erntewagen überfahren wurde und so gefährliche Brust- und Rippenquetschungen erlitt, daß die hinzugezogenen Wundärzte keine Hilfe mehr sahen.
Der 17jährige Bauernjunge, der an die Heilkraft des Wassers glaubte, behandelte seine schweren Quetschungen mit dem Kaltwasserumschlag und Wollwickel, der von da an unter dem Namen „P r i e ß n i tz - U m s ch l a g" in jedem Lehrbuch der Heilkunde Platz gefunden hat. Das Wunder geschah: Vinzenz Prießnitz wurde wieder gesund. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von der Heilung in den Dörfern der Umgeaend, und bei Krankheitsfällen suchte man den „Wasserdoktor" auf. Schon als 19jährigFr wurde er in entferntere Ortschaften seines Gebirgszuges bis nach Böhmen unb Mähren gerufen, Neib, Mißgunst und Hochmut vertrieben ihn aus ber Heimat; Prießnitz wurde wegen Kurpfuscherei angeklagt und zu Arrest verurteilt, denn man behauptete, daß er seine Tücher mit irgendwelchen Geheimmitteln tränke. 1830 gelang es ihm endlich, von der Regierung feiner Heimat die Erlaubnis für feine Heilbehandlung zu erhalten, nachdem sich eine Untersuchungskommission von gelehrten Aerzten von den Heilerfolgen des „geborenen" Arztes überzeugt hatte. Gräfenberg wurde das Ziel vieler Kranken, die dort Heilung fanden. Im ganzen soll Prießnitz während seines Lebens 36 000 Kranke behandelt haben. Am 28. November 1851 starb Prießnitz, dessen Name Weltberühmtheit erlangt hatte.
derhübsche kleine Kapelle beigegeben wurde, sie erscheint uns heute wie verwachsen mit der Brücke. Wir sehen es wohl am schönsten bei ber uralten Steinbrücke von Creutzburg mit ber Liboriuskapelle am Eingang bes Merraburchbruchs. Ein gant besonbers reizvolles Kapitel ber Brückenkunbe Hfben bie Figuren, mit denen man viele ber B "-^en
-,f£ - . . . ... ... c , schmückte. Zuweilen war es nur ein bescheidener
"Elif hunbert breißig fünf em jar / Die tonaro Heiliger Nepomuk, der auf die Schiffahrt oder bas
(Donau) was schier trucken gar. / Do hertzog Heinrich Hochwasser achtgeben sollte. Viel häufiger stellte man mit ber ftat / Die Brucken allhie begunnen hat. / aber eine lange Reihe steinerner Gestalten auf beiben Das werk gebarot uff festen grunb / Eilf jar banach Seiten ber Brücke auf, wir treffen sie oft heute noch gant} fertig ftunb. / Gut gleit sürbas uff allen | alt unb verwittert, an
wegen / Geb gvts genab unb gottes fegen." | Daß bie Brücke, oftmals wichtigster Zugang in steht auf bem Sockel einer der herrlichsten und eine Stadt, durch Turmbauten und Tore gut geschützt


