Ausgabe 
7.11.1936
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 262 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Overheßen) Samstag, 7. November (936

WM,

W fe

WK

' 'j 1", -.S'//"1' t£.....?;«-vw»

^iW

> - <'

fc"Xinfür J F allemal

Wiffens-ast mit neuen Zielen

Bon Hans Hartmann

Die deutschen Geographen haben kürzlich ihren 2 6. Geographentag abgehalten. Sie sind als Forschergr'uppe, die sich über ihr Tun aus Tagungen Rechenschaft ablegt, noch nicht sehr alt jeden­falls, wenn man sie etwa mit den Naturforschern und Aerzten vergleicht, die sich kürzlich zum 94. Male versammelt hatten.

Die Geographie ist also das zeigt sich darin eine jüngere Wissenschaft. Jeder von uns kennt sie von der Schule her, wo sie sicher zu den beliebte­sten,leichtesten" und farbigsten Fächern gehört, aber eigentlich keine große Rolle spielt, was Stun­denzahl und innere und äußere Bewertung betrifft. Woran liegt das? Ist sie zu sehr reine Aneinander­reihung von Namen, Zahlen und Tatsachen, mit jener ewig ermüdenden Wiederholung, daß man in diesem Landstrich Ackerbau und Viehzucht und in jenem Viehzucht und Ackerbau treibe? Oder ist sie viell-'icht in den Instituten der Universitäten und in den Tagebüchern der wissenschaftlichen For­schunzsreisenden so sehr zu strengen, anderen un­verständlichen Wissenschaft geworden, daß sie doch keiner weiteren Verbreitung würdig ist, keiner wahren Volksnähe teilhaftig werden kann?

Wir sehen, diese Fragen gehen tief ins Grund- sätzliche und in jene Bezirke, wo es sich um den Wert und die Berechtigung einer Einzelwissenschaft überhaupt handelt. Nun wir dürfen sagen, daß der Jenaer Geographentag auf alle diese Fragen, die der ernsthafte Zeitbeobachter auf dem Herzen haben muß, eine klare und zum Teil un­gemein interessante Antwort gegeben hat. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß sich die Geographie in einer Wandlung befindet: sie ist viel lebendiger geworden als früher. Sie sucht nicht nur die Zahlen und Namen zu beleben und auch den Menschen in der von ihr erfaßten und beschriebenen Landschaft zu verstehen, so daß man geradezu in Jena von einerNaturlandschaft", einerKulturlandschaft" und einer vergleichenden Länderkunde als ihrem Gegenstände sprach: son­dern sie sucht auch das Zeitgeschehen in ihren Bereich mit einzufangen und sich in den Dienst großer wichtiger nationalpolitischer Aufgaben zu stellen.

Wir werden diesen Prozeß der Verjüngung einer Wissenschaft nur verstehen, wenn wir auf ihre frühen Entwicklungsstufen zurückblicken. Ursprüng­lich stand die Geographie ganz im Dienste der S e e f a b r t. Die alten Land- und Seekarten, die sie herstellte, die Reisen der Brüder Polo in Osi- asien die Versuche, sich über das Innere Nieder­ländisch- oder Britisch-Jndiens ein klares Bild zu verschaffen das alles sollte Handelswege aus­findig machen ober sichern. Dann aber kam eine Z"it mn der Menschengeist um der Wahrheit an sich willen e i n abgerundetes Bild von b - r Wirklichkeit suchte. Alerander n n n Humboldt bereiste Südamerika und erforschte bnr* unbekannte Pflanzen und Tiere und natürlich auch, so viel er konnte, unbekannte Landschaft. Da mnrsn d i e weißen Flecken a*u f der ßanb= f a r f e : sie mußten beseitigt werden. Und so ver- ffifnf.» henn die geographische Welt mit lebendiger 9fn^;innhm(> die Entdeckungsreisen non Stanley unh ttiwnastone in Afrika, von Nansen und munh^n in die Polaraebiete, von Sven Hedin in Wüsten. Aber die weißen Flecke ver-

ffh-nnnhAn bald, und es kam"n neue Ausga­ben °.mHr wird diese Erforschung des Unbekann­te» -mi Wahrheit willen nicht aushören, solange oim-m Und wer etwa Genaueres hort pnn nills-wschastlich-geographischen Bemiihunaen tn-r h;»iasana-E»-peditionen, der weiß, daß hier die wirklich eine unendliche, nie zu erschop- fenh" ist

Aber das Blickfeld wurde schon im 19. Jahrhun­dert ein anderes. Man bemühte sich um eine E r -

........

(Presse-Bild-Zentrale-M.)

und geklärt.

Aber die Zielsetzung dieser neuen Geographie, die doch die besten Überlieferungen und Methoden

der alten bewahrt und diese war ein Ruhmes­blatt in der deutschen Wissenschaft geht über die Grenzen unseres Landes hinaus. Nicht nur erken­nen wir mit oft schmerzlichem Anteil die geogra­phische Umwelt der Deutschen in aller Welt und können ihnen aus diesen Erkenntnissen mit Rat und Tat beistehen (so wirkte tiefbewegend der Dor­trag des Münchener Professors Machatschek über den sudetendeutschen Raum); sondern wir planen" auch im Geiste auf streng geographisch- wissenschaftlicher Grundlage den kolonialen Raum von dem wir hoffen, daß uns wieder Teile von ihm zur Betreuung zufallen werden. Hier wird durch die Kolonialgeographen, die ihren Anteil zum Gelingen der Jenaer Tagung beitrugen, stille auf­bauende Arbeit ohne unmittelbaren politischen Zweck geleistet.

Seefahrt verlassen haben, empfindet man längst nicht mehr als ungewöhnlich. Pünktlich um 00.30 Uhr taucht das Feuer der Jsleta, der den Hafen von Las Palmas vorgelagerten Peninsula (Halbinsel) in gut 30 sm Abstand über der Kimm auf und bestä­tigt, rasch eingepeilt, unseren seit dem letzten astro­nomischen Abendbesteck abgesetzten Kartenkurs. Wäh­rend ein Brückenfähnrich die Kadetten der Wache in die mannigfaltigen Geheimnisse des Brückendienstes einweiht, überfliege ich in Gedanken die Ereignisse der hinter uns liegenden zehn Seetage, die entschie­den unter einem ganz besonders freundlichen Stern standen. War es vielleicht der Syrius, der da oben wieder fein strahlendes Farbenspiel am klaren Nacht­himmel treibt? Ich mochte ihn immer besonders gern, und er kennt wohl so manchen Schwank aus meinem

klärung der Veränderungen auf der Erde nach möglichst exakt-physikalischen Methoden und Gesetzen. Das Antlitz der Erde hat sich unter Naturgewalten stets gewandelt: die galt es zu er­forschen. Aber auch diese Aufgabe wurde bald als zu begrenzt erkannt. Man merkte und Ratzel und bann die Geopolitiker wurden führend daß geographische Räume, Meere, Flüsse Gebirge, Sen­ken und Pässe die Wanderungen, Handelsbeziehun­gen und Kulturformen der Menschen stark be­einflußten. Und so ging man von der Naturland­schaft mehr zur Kulturlandschaft als Gegen­stand der Geographie über. Ja, sie wurde manch­mal zu dem, was man Anthropogeographie nennt, also zu einem Verständnis der Völker in ihrem von der Natur, derMutter Erde" vorgezeichneten

Lebensraum. *

Hier traf nun die Geographie zusammen mit einer Entwicklung unserer Tage, die wieder mehr 1 auf den Menschen gerichtet ist, die sein Schicksal, sein Werden, sein Leiden und seinen Aufstieg im Mittelpunkt sieht, wobei er nicht mehr dasPro­dukt" der Umwelt ist, wie der Marxismus meinte, sondern wo man ihn als durch das Volks- und Rassenerbe geformt ansieht. Hatte die Geographie nur die Oberfläche der Erde als unabhängig vorn Menschen erforscht, so war die Geschichte fast ganz an den natürlichen Grundlagen der Völker und ihrer Bewegungen und Schicksale vorbeigegangen. Die erstere also hatte nur das Land, den Boden, die letztere nur den Menschen, das Blut gesehen. Erst als sich die Verbindung zwischen beiden herstellte, die erlebnismäßig für das Volk als solches in den WortenBlut und Boden" ihren Ausdruck fand, da war die Stunde gekommen, da wurde sie aber auch als solche erkannt, wo die Geographie sich neue Zielsetzungen geben konnte.

Diese neuen Ziele sind, das hat der Geographen­tag in Jena gezeigt, von der Wissenschaft jetzt klar erkannt und sie werden bejaht. Die Geographie ist Aufbauwissenschaft im Dienste des Volksganzen und feiner äußeren und inneren Notwendigkeiten. Sie braucht ihre streng wissenschaftliche Grundlage dabei nicht aufzugeben, sie soll es gar nicht. Denn je ge­nauer sie die Lebensräume, die fordernden und h^mmenben Wirkuna->n von Flüssen, Gebirgen, Wälbern, Mooren, Lößformationen unb was es da alles in unenblicher Fülle zu erforschen gibt, prüft, besto besser kann sie für bie Erkenntnis unb Siche­rung ber Daseinsgrunblagen bes Volkes wirken.

Diese neue Zielsetzung ber Geographie bie babei immer noch in gewisser Weise von ber Geo­politik unterschieben bleibt, kam in Jena pro­grammatisch zum Ausbruck. Der Obmann ber von Reichsminister Kerrl geleiteten Reichsarbeits­gemeinschaft für Raumforschung, Pro­fessor Meyer, zeichnete bie Linie, wo bie Geo- araphie sich an ber so nötigen Neuaufteilung und Orbnung bes nun einmal schicksalhaft gegebenen Lebensraumes bes beutschen Volkes beteiligen kann. Die Raumorbnuna. die wir ieht schaffen müssen unb beren lebte Gestaltung freilich in ber Hanb des politisch-m Führers liegen muß, gehört in den Zug des Neubaus unserer Hochschulen. Lebensfremde Wissenschaft hat in ihnen immer weniger Berech­tigung Die Geoaraphie kann in Verbindung mit lebendiger Geschichtsbetrachtung zeigen, was Men­schen in früheren Zeiten leisteten ober versäumten. Wie sehr haben Gestalten wie Heinrich ber Löwe ober Friebrich ber Große bas Anlliß ihrer Länd-r gewanbelt, allein schon durch bie Kolonisation. Mo früher unmirtPdr Landstr-isen ober Moor" ma^en ba »ntstanben blüh-mbo Siedl"ngen.

So muß auch ieht bei ber Raumplanung zunächst einmal bie Wirklichkeit des deutschen Landes untersucht werden Die Raumforschung erkennt, wie die Duodezfürsten nach egoistisch­personellen G"sichtsnunkten unb nicht nach orga­nischen Volksnotwendiakeiten ben beutschen Lebens­raum geteilt haben Unb bas mußte natürlich eine künstliche Teiluna ergeben. Jeßt wollen wir mit

Der hier folgenbe Bericht ist ber erste in Las Palmas zur Post gegebene einer Reihe, in benen Kapitänleutnant Birn­baum in unserem Auftrag ben Lesern des Gießener Anzeigers die Eindrücke einer Schul­schiffsreise schildern wird. Wir freuen uns be­sonders, daß es ein gebürtiger Ober- Hesse ist, der hier zu unseren Lesern sprechen wirb

Hilfe ber Wissenschaft roieber bie natürlichen Räume bes beutschen Volkes erkennen unb bie Folgerungen baraus ziehen: für unseren Anbau, für unsere Wirtschaft, für unsere Ansieblung, für ben Zusammenhang unb Zusammenhalt unserer beutschen Stämme, die die Träger des deutschen Lebens sind. Der Raum wird so eine beseelte Le­bensform, unb die Aufgabe der Geographie ist es, die Liebe und Hingabe ber Jugenb zu ihrem Schick­salsraum zu stärken. Unter diesem Eindruck gewann die Tagung den Charakter einer unmittelbar unse­ren Volksaufbau behandelnden Gemeinschaft: das große Geschehen unserer Zeit wurde von der festen Grundlage geographischer Wissenschaft aus gedeutet

1.

in Bord des LinienschiffesSchleswig- Holstein", Oktober 1936.

.wir zählen den 21. Oktober, 00.00 Uhr, nach west­europäischer Zeit. Schweiaend schiebt sich die massige Silhouette unseres Schiffes durch die stetig von achtern auflaufende atlantische Dünung, die der seit drei Tagen beständig wehende Nordost vor sich her­treibt. Sternklare Nacht, längst geht man seine Wache ohne Mantel, und die reichlich 15 Grad Temperatur­unterschied gegen das liebe alte Wilhelmshaven, das wir vor zehn Tagen für ein halbes Jahr christliche

IKitderSchleswigHolsiem"ausSchuWffsreise

Bon Friedrich Karl Birnbaum, Kapitänleuinant.

Erdal

Schuhcreme

Gießener Gtadiiheater.

piraits 8d)är:Der Zarewitsch".

Im Operettenspielplan wurde L e h ä r s -.Zare­witsch" wieder aufgenommen, der vor neun Jah­ren, damals ganz neu, zuerst bei »ns schien und (nicht nur bei uns) einen außerordentlichen Erfolg davontrug. Dieser Erfolg war was Lehar betrifft, durchaus zu verstehen, was das Buch angeht, da­gegen einigermaßen überraschend: ein Erfolg, der ebensowenig vorauszul-hen war wie beim ..Land des Lächelns". #

Di- Herren Jenbach und Reicher, nämlich hatten den Mui zur Sensation insofern, als sie sich eine Geschichte ausdachten, welche nicht mit dem in der Operette traditionellen und geheiligten bappv end ihren Abschluß sindet. In der Butterfly be­findet man sich wenigstens in der Oper und kann sozusagen mit gutem Gewissen sein Taschentuch zuckern Aber hier . Indessen zeigt sich wieder daß der Erfolg auf der Bühne und d,e Wirkung auf das Publikum noch allewege unberechenbar ist: sowohl Das Land des Lächelns" als auchDer^ Zare­witsch" trugen dem widerspenstigen Libretto zum Trotz einen großen Siefl davon

Das ist die Geschichte vom Zarensohn der in bie Jahre kommt und heiraten soll. Er will aber Nicht. Er ist gegen die Frauen und gegen d>e Ehe sur männlich^ Einsamkeit und ^r körperliche Ertüch­tigung. In seinem Zimmer steht em karges Feld­bett und hängt ein Trapez Er uhlt sich ,mn gol- benen Kästa" aefanaen. Man stellt ben Prinzen auf bie Probe, erregt seine Aufmerksamkeit burch einen jungen Tscherkessen, ben ber Zarensohn im Theater tanzen sah. Es erweist sich aber baßj ber Tscherkesse eine Tfcherkessin ist - ^mens Son sogar recht hübsch unb ansehnlich. Der Zarewitsch r-mtot. als er ben Betrug entberft, bQnn befinnt er fi'+i verliebt sich unb als bie .,rirf)t 9 JP ' zelliy auftaucht, ist es leiber schon UM 'hn geschehen unb oiel zu spät. Der Prinz flieht, w t ®onjabie man vergeblich bei ihm zu .^rdach G s ch hat, nach Neapel Aber es nutzt alles nichts bas Jbyll im sonnigen Süden wirb jah gestört, man holt ben pflichtvergessenen Zarewitsch heim - auf ben inzwischen verwaisten Thron seiner Vater. Die arme Sonja bleibt blutenben Herzens allein zuruck

Dki? ist bitter, unb bas ist in ber Operette, wir fr.^n schon soll un^hört: sie kriegen sich nicht. Das trabitionswibrige Buch bat auch an ben ent= sprechenben Stellen ganz opernhaft-serios auf bie Partitur eingewirkt. Allerdings gehen bie entsetzet- d-md-n Eindrücke musikellischer Art doch von den

Operettenhaft gestimmten Teilen ber Vertonung aus, bie allenthalben ben Glanz unb bie blühenbe Musi­kalität entfaltet, bie bei Lehar von jeher ben Sieg entschieben haben Man wirb schon bei ber Andeu­tung des Inhalts bemerkt haben, was für dankbare Möglichkeiten sich einem geschickten Komponisten hier anbieten PnMr h»t ftm P-Mno hnrmn t>nta<'hi>n lassen

Herrn WreÜes irtegie u üu ij ni|d) und personell in einem großen Rahmen angelegte Auf­führung geschickt auf einer mittleren Linie zwischen gefühlvoller Weichheit, zeremoniell gedämpftem Verzicht und der lockeren Dperettenftimmung übli­chen Stils mit Tanzeinlagen und heiteren Episo­den. Kapellmeister Hans H. Hampel arbeitete mit dem exakt und sauber spielenden Orchester die gepflegte Linie der stellenweise üppig instrumen­tierten Vertonung Lehars melodiös und schwung­voll heraus; die unter Herrn Bräuers Leitung klangvoll und geschlossen intonierenden Chöre ver­dienen besondere Anerkennung

Das altrussische Milieu am Petersburger Zaren­hofe bot Herrn Löffler reichliche Anregung für eine malerische Ausstattung, wobei sich räumlich die Benutzung der Drehbühne in ben ersten beiden Akten als vorteilhaft und zeitsparend erwies. Großen Beifall fand das mit sichtlichem Eifer ein­studierte, große Ballett im zweiten Akt, das von Irmgard Zenner, Hilde Lech und Friedel Schön mit der Tanzgruppe vorgeführt wurde

Herr Waltz sang den Zarewitsch besonders im zweiten Akt mit großem Einsatz unb voller byna- mischer Anspannung seines ergiebigen Materials, was nicht zuletzt ber Runbfunkübertragung zugute gekommen fein bürste; besonbers hübsch unb stim­mungsvoll gelang ihm auch zu Anfang bas Sol­datenlieb, in bem Lehars Musik ben russischen Nationalklang am glücklichsten getroffen hat, unb nor allem bas sehr bekannt gewordene Liebeslied Fräulein L a s k u s als Sonja wahrte darstellerisch mit sicherem Takt die leicht überschreitbaren Gren­zen der immerhin etwas heiklen Partie und ent­sprach auch gesanglich, vor allem in der weichen, reinen Höhenlage, den Anforderungen der Rolle in allen Stücken. Herr Lindt und Frl. F o r n a l - l a z stellten als obligates zweites Paar mit aller­lei Scherzen und tänzerischem Schwung ein ent­spannendes unb ouflocfernbcs Gegengewicht gegen hie aefühlsmäfüae Ueb^rhefoftung bas o;hreHn« her frrr (V, : F> f -> r h^r h'm Grok-ßi-ß n*- genehm menschliche Töne verli h, Herr Bley "Mi- nifterpräfibent) unb Herr Frickhöffer (Bor- bolo) feien vom Ensemble noch genannt.

Das gutbesetzte Haus schien sehr in Stimmung; es gab viel Beifall, Wieberholungen unb Blumen, hth.

Our und Moli.

Musiker-Anekdoten

Nach einer Glanzleistung der früher gefeierten Sängerin Sucher verfaßte ein Begeisterter eine Hymne, in der er die Vortragende als die Göttin des Gesangs bezeichnete. Die Zeitung, der er das Gedicht einsandte, versah das Manuskript mit der Randbemerkung:Der Mensch oergöttre die Sucher nicht!"

Händel war nicht nur ein berühmter Kompo­nist, er war auch ein berühmter Esser. Eines Tages erschien er in einem Londoner Gasthaus und be­stellte ein Mittagessen für drei Personen. Er wartete lange unb roanbte sich schließlich ungebulbig an ben Kellner:Ja, wo bleibt benn bas Essen?"

Wir warten nur, bis bie Gesellschaft beisammen ist!"

Dann bringen Sie nur rasch das Essen", rief Handel,die Gesellschaft bin ich!"

*

Morike über Joseph Haydn:

Manchmal ist sein Humor Altfränkisch, ein zierliches Zäpflein, Das, wie der Zauberer spielt, schalkhaft Im Rücken ihm tanzt.

Als Haydn in London weilte, kam ein Kapitän zu ihm und bestellte zur Erheiterung seiner Ma­trosen einen Marsch, für den er 30 Guineen bot. Haydn nahm den Auftrag an, fetzte sich ans Klavier, und bereits in einer Viertelstunde war der Marsch fertig. Da er aber die Summe für viel zu groß hielt für eine so kleine Arbeit, schrieb er am selben Abend noch zwei Märsche hinzu.

Am nächsten Morgen kam ber Kapitän, ließ sich ben Marsch Vorspielen, zahlte bas Gelb unb ver- schwanb. Vergeblich rief ihm Haybn nach:Ich habe noch zwei Märsche komponiert, bie besser finb, wählen Sie sich boch noch einen aus!"Ich bin mit bem ersten Stück zufrieden!" bonnerte ber Kapitän unb kehrte nicht um.

Was tat nun Haybn in seiner ehrlichen Herzens- eirvalP Er gina auf bie Börse, rkunbigte sich nach bem Schisse, rollte bie Märsche zusammen unb schickte sie bem Kapitän mit einem höflichen Schrei­ben Ungeöffnet kam bie Senbung zuruck. Darüber geriet ber allzu bescheibene Komponist in solche

Gewissensbisse, baß er bie Märsche zerriß: sie ge­hörten nach seiner Ansicht dem Schiffskapitän, der sie mit 30 Guineenfürstlich" bezahlt hatte.

In einem Kurhaus spielt man den geistreichen, musikalischen Scherz Haydns, die Abschiedssinfonie. Als ber achte Musiker sich eben hinausschleicht, sagt eine Dame:3a, ja ber Brunnen hat's in sich!"

*

Hugo Wolf wurde kurz vor seinem Tode von einer Musikzeitung um eine kurze Selbstbiographie und um ein Bild gebeten.

Auf einer Postkarte antwortete er:Ich heiße Hugo Wolf, bin am 13. März 1860 in Winbisch- grätz geboren unb noch am Leben. So viel von meiner Selbstbiographie. Die blöde Fratze tut nichts zur Sache!"

*

Mozart mußte einmal der Steuerbehörde fein festes Einkommen angeben. Er trug in den Bogen bie 800 Gulben Gehalt ein, bie er als Kammer- fompofiteur bes Kaisers bezog unb schrieb unter bie RubrikBesonbere Bemerkungen":

Zuviel für das, was ich leiste, zu wenig für das, was ich leisten konnte!"

Hans von Bülow mußte einmal auf höheren Befehl die schwache Oper eines neuen Komponisten dirigieren. Als er das Orchester betrat, trug er einen Trauerflor um den Arm und schwarze Hemd- tnöpfe.

Haben Sie Trauer?" wurde er gefragt.

Ja, ich muß eine Oper begraben!"

Liebesbriefe sehr gesucht.

Bei ben Autographenversteigerungen, die in ben europäischen Hauptstädten, besonders in Lonbon und Paris stattfinden, erfreuen sich gegenwärtig die Liebesbriefe berühmter Persönlichkeiten eines be­sonderen Ansehens. So mürbe vor kurzem in Lon­don ein Liebesbrief Napoleons mit 1000 Pfund also über 12 000 Mark, bezahlt. Es gibt auch auf diesem Gebiet eine Mode, die beträchtlichen Schwankungen unterworfen ist. So erfreute sich 'M notigen Jahre vor allem Mozart der größten Beliebtheit unter den Autographensammlern. Hand- Triften seiner Partituren erzielten besonbers hohe I Rreise In biesem Jahre merbm r e t h n - n. Rach unb Brahms von bar - 'mml- r

. gesucht Von ben Staatsmännern steht cuo- I'- (irfj Mussolini am höchsten in der Schätzung ber Sammler. In London zahlt man für seine Unter­schrift allein 18 bis 20 Mark.