Aus aller Welt.
Chinesische Stadt niedergebrannt.
Ein mehrstündiges Großfeuer hat die am Vangtfe- Ftuh gelegene Stadt I ch a n g zum großen Teil vernichtet. Auf einer Fläche von etwa drei Quadratkilometer find Hunderte von Häusern zerstört worden. Tausende sind obdachlos geworden. Die Zahl der Todesopfer scheint sehr hoch zu sein. Chinesische Soldaten, unterstützt von englischen Matrosen, retteten mehrere hundert Kinder vor dem Flammentod dadurch, dafz sie im letzten Augenblick die Mauer eines Schulgebäudes niederrissen. Sie drangen in die brennenden Häuser und trugen Frauen und Kinder heraus, vielfach konnten die Bewohner aber nur als verkohlte Leichen aus den Trümmern geborgen werden.
Ausbruch und Protestmarsch der Aussätzigen von Manila.
Hunderte von Aussätzigen entkamen aus dem San Lazaro-Hospital für Aussätzige in Manila, nachdem sie ihre Wärter überwältigt und die Mauer des Hospitals überstiegen hatten. Sie zogen durch die Straßen, obwohl sie die Polizei daran zu hindern versuchte, und gelangten zum Präsidentschaftspalais, wo sie der Sekretär des Präsidenten empfing. Die Aussätzigen protestierten dort gegen ihre Isolierung und behaupteten, Tuberkulose sei gefährlicher als Aussatz. Sie würden isoliert, während den Schwindsüchtigen keine Quarantäne auferlegt werde. Polizeibeamte führten darauf die Aussätzigen in das Hospital zurück, nachdem ihnen der Sekretär des Präsidenten versprochen hatte, ihren Protest dem Präsidenten zu unterbreiten.
Schwere Wolkenbrüche in Rio Grande do Sui.
Seit zehn Tagen gehen in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul Wolkenbrüche nieder, die große Teile der Hauptstadt Porto Alegre überschwemmten und Hunderte von Familien obdachlos machten. Der Fluß Guahyba droht auch das Geschäftsviertel Porto Alegres zu überschwemmen.
Sechs Personen durch Leuchtgas getötet.
In einem Warschauer Mietshause platzte ein Gasrohr. Sechs Personen, die eine Dachgeschoßwohnung innehatten, wurden durch das ausströmende Gas im Schlaf getötet. Fünf Personen konnten gerettet werden.
Generalleutnant a. D. v. Bauer tödlich verunglückt.
An den Folgen eines schweren Unfalls ist der 81 Jahre alte Generalleutnant a. D. Erzellenz Arnold v. Dauer in Neustrelitz g e st o r b e n. Der Unfall ereignete sich, als Generalleutnant v. Dauer in seinem Jagdwagen ins Revier fuhr. Als die Pferde scheuten, wurde der Wagen umgeworfen und v. Dauer aus dem Wagen geschleudert. Er trug einen schweren Bruch der Schädelbasis davon, der schließlich zu seinem Tode führte.
vier Todesopfer einer Bluttat.
Eine schwere Bluttat ereignete sich in der Sadebeck - Siedlung in Reichenbach (Eulengebirge). Der etwa 25 Jahre alte Herbert Bräuer drang in die Wohnung der Familie Eckert ein, e r - schoß nach einem Wortwechsel den Kriegsinvali
den Max Eckert und dessen 17jährige Tochter Herta, verletzte Frau Eckert durch einen Schuß tödlich und verübte dann Selbstmord. Herbert Bräuer war seit langer Zeit mit der Familie Eckert eng befreundet, und es hatte sich zwischen Bräuer und der 17jährigen Tochter der Eheleute Eckert ein Liebesverhältnis entwickelt. Bor einiger Zeit kam es zwischen Eckert und Bräuer zu einem Zerwürfnis. Eckert verbot danach Bräuer fein Haus und den Umgang mit feiner Tochter.
Schrecklicher Tod eines Kindes.
Don einem schweren Unglück wurde die Familie Dahlheimer in Veitsrodt bei Oberstein-Jdar heimgesucht. Das achtjährige Söhnchen kletterte beim Spiel auf den Mast einer elektrischen Leitung und kam mit dem Leitungsdraht in Berührung. Mit schweren Brandwunden stürzte der Junge aus beträchtlicher höhe ab. Er wurde sofort in das Krankenhaus nach Jdar-Oberftein gebracht, wo er jedoch noch am selben Abend seinen schweren Verletzungen erlag.
Erdbeben in Kärnten.
Am letzten Sonntag wurde in Kärnten ein starkes Erdbeben verspürt, das beträchtlichen Schaden anrichtete. In der Ortschaft St. Leonhard stürzte die Zimmerdecke des Bezirksgerichts ein. Der Turm der alten Pfarrkirche in St. Peter wurde schwer beschädigt. Das Schloß Ehrenfels bei St. Leonhard mußte geräumt werden. In der Ortschaft Reichenfals im Lavant-Tal sind fast alle Häuser beschädigt. Verletzt wurde niemand. Es handelt sich zweifellos um ein Nachbeben jenes Erdbebens, das am Samstag in der Steiermark verspürt worden war.
Kunst und Wissenschast.
Deutsche Kriegsdichter von Rosenberg und Dr. Goebbels empfangen.
Etwa 60 zu einem Treffen in Berlin versammelte deutsche Kriegsdichter wurden von Reichsleiter Alfred Rosenberg empfangen. „Es ist das erste Mal", so erklärte Rosenberg u. a., „daß die Dichter des Weltkrieges zusammengerufen worden sind. Ihnen dankt die nationalsozialistische Bewegung. Auch nach 1918, als Verzweiflung in Deutschland herrschte, haben Sie ein großes Vermächtnis gepflegt. Wenn nach den bisherigen fünf Dichterwochen der NS.-Kulturgemeinde jetzt eine sechste mit dem Motto „Wehrhaftes Dichten" folgt, so erscheint uns das als die Krönung einer Kultur? pflicht, wie wir sie verstehen. So erwächst Ihnen die große Aufgabe, die Zeit von damals bis heute in einer Einheit zu sehen und zu begreifen.
Reichsminister Dr. Goebbels empfing ebenfalls etwa 60 deutsche und auslandsdeutsche Kriegsdichter. Er dankte den Kriegsdichtern herzlich für ihren Besuch. Die nationalsozialistische Staatsführung habe ein besonders tiefes Verständnis für die Probleme der Kunst. Der Künstler solle nicht Geschichtsschreiber sein, sondern dichterischer Gestalter des Charakters einer Zeit, heute begännen wir schon das Erlebnis des Krieges anders zu sehen als damals, als wir mitten darin standen. Die schönste Aufgabe, die einem geistigen Menschen überhaupt gestellt werden könne, sei es, dem Staat
und dem Volke zu bienen. Er könne sich nicht vorstellen, daß ein wirklich künstlerischer Mensch unserer wilden und heißen Zeit gegenüber kalt bleiben könne. Zum Schluß wünschte der Minister der Tagung einen guten Verlaus.
Großer Erfolg eines deutschen Films.
Bei der Internationalen Schau für wissenschaftliche und Fremdenwerbungsfilme in der Villa Olmo am Comersee errang der von der deutschen Döring - Filmgesellschaft hergestellte Film über die Besteigung d e s Nanga Pardat durch die deutsche Himalaja-Expedition einen außerordentlich starken Erfolg. Der Zustrom der Besucher war so stark, daß der Film wiederholt werden mußte, damit er allen Besuchern der Filmschau gezeigt werden konnte.
Erstbesteigung
durch die deutsche Himalaja-Expedition.
Wie der „Daily Telegraph" aus Bombay meldet, ist es der unter Führung von Paul Bauer stehenden deutschen Himalaja-Expedition gelungen, den 6890 Meter hohen und gefährlichen Berg S i n io l ch u im Zemu-Gletschergebiet zu ersteigen. Der Gipfel dieses Berges ist damit zum ersten Mal bewältigt worden.
Ein Heidelberger Dichterpreis.
Im Rahmen der Gaukulturwoche fand in Heidelberg eine Kundgebung statt, wobei die Stiftung eines neuen Heidelberger Dichterpreises bekanntgegeben wurde. ' Oberbürgermeister Dr. Neinhaus begründete die Stiftung des Dichterpreises der Stadt Heidelberg, der 4Ö00 Mark betragen und jungen Dichtern zugesprochen werden wird, die sich dem Dienste an der neuen Dolkwer- dung verpflichtet haben. Die Bedeutung Heidelberg als der Stadt der Reichsfestspiele, so erklärte Dr. Neinhaus, werde die Stadt dazu bestimmen, bei Verleihung Werke zu bevorzugen, die sich zur Aufführung bei den Spielen eignen. Weiter kündete Dr. N e i n h a u s die Stiftung eines Heidelberger Dichterheims in absehbarer Zeit an, das Jungen Kräften Muße zum Schaffen geben soll.
„Der Spiegel aus Papier" — ein Kulturfilm aus dem Zeitungsbetrieb.
Die Tagespresse ist für alle Kulturnationen der Welt von so großer Bedeutung, daß die Zeitung zum lebensnotwendigen Bedarf eines jeden Menschen geworden ist. Nur wenige aber machen sich einen Begriff davon, welche geistige, wirtschaftliche und technische Leistung jeden Tag aufs neue in sehr kurzer Zeit aufgewandt werden muß, damit die Zeitung immer wieder pünktlich zu ihren Beziehern kommt und über das vielfältige Geschehen im eigenen Lande wie in der ganzen Welt berichtet und dazu für den Leser erläuternde Stellungnahmen bringt. Die Arbeit in der Zeitung und für die Zeitung ist so interessant, daß sie schon mehrfach zur Gestaltung von Filmstoffen herangezogen wurde. Allerdings erhielt der Filmtheaterbesucher nie einen umfassenden Einblick in das Wesen der Zeitung. Im Gegenteil konnte häufig beobachtet werden, daß auf diesem Wege sehr leicht ein falscher Eindruck von der Arbeitsweise und dem Wesen der Presse entstand. Die Bedeutung der Presse im nationalsozialistischen Deutschland forderte eine Darstellung, die den verantwortungsvollen Aufgaben und den verwickelten Vorgängen der Zeitungsarbeit nach allen Seiten gerecht wird. Mit dem Film „Der Spiegel aus Papier", der im Rahmen des Tobis-Kul
turfilmschaffens unter engster Mitarbeit der Presse hergestellt worden ist, wird diesen Voraussetzungen entsprochen. Der Stoff ist durch eine SpielhanL« lung, die jede sonst übliche Erklärung überflüssig macht, aufgelockert und für den Zuschauer kurzweilig gestaltet worden. Die Uraufführung dieses Kulturfilmes findet dieser Tage in Berlin statt.
80. Geburtstag des deutschen „Posaunengenerals".
Der Altmeister der deutschen Posaunenmusik, Pastor D. Joh. Kuhlo, begeht am 8. Oktober seinen 8 0. Geburtstag. Als der deutsche „Posaunengeneral" ist er weit über den Kreis seiner westfälischen Heimat hinaus bekannt und zu einer der volkstümlichsten Gestalten des kirchlichen Lebens geworden. Er ist einer der ältesten noch lebenden Mitarbeiter des alten Vater Bodelschwingh und hat neben ihm lange Jahre als Leiter der Diakonenanstalt in Bethel gewirkt. Das eigentliche Lebenswerk D. Kuhlos ist die Posaunenmusik. Aus kleinsten Anfängen heraus hat er die Posaunenmusik entwickelt und zu der umfassenden Organisation des Verbandes evangelischer Posaunenchöre Deutschlands emporgeführt, der seit einigen Jahren in die Reichsmusikkammer eingeordnet ist. Aus Anlaß des 80. Geburtstags von Pastor K u h l o findet in Bethel ein Reichsposaunentag am 10. und 11. Oktober statt, zu dem etwa 4000 Bläser aus allen deutschen Gauen erwartet werden. Am Vorabend findet auf dem Marktplatz zu Bielefeld eine Abendmusik statt, bei der D. Kuhlo einen Chor von über 3000 Bläsern dirigieren wird.
Wetterbericht
des Retchswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Noch immer setzt sich in lebhafter Weife die Zufuhr frischer Polarluft fort. In ihrem Bereiche sind bei uns bereits Temperaturen erreicht, die normaler- weife erst in der zweiten Novemberhälfte aufzutreten pflegen. Auch kam es bis in die Niederungen herunter zu vereinzelten Schneeschauern. Ueber Südosteuropa bringt feuchtwarme Mittelmeerluft nach Deutschland vor, die auf dem Balkan schon zu ergiebigen Regenfällen Anlaß gab und sich auch bis zu uns hin auswirken wird. Der Witterungscharakter wird damit wieder unbeständiger, aber auch milder.
Aussichten für Donnerstag: Vielfach dunstig und zunehmende Unbeständigkeit mit Regenfällen, langsam fortschreitende Milderung, östliche Winde.
Aussichten für Freitag: Voraussichtlich unbeständigeres und milderes Wetter.
Lufttemperaturen am 6. Oktober: mittags 6,6 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 7. Oktober: morgens 1,3 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum heute nach^ — 0,2 Grad. — Erdtemperaturen in 1'0 cm Tiefe am 6. Oktober: abends 7,0 Grad; am 7. Oktober: morgens 4,7 Grad. — Sonnenscheindauer 5,9 Stunden^
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder; Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
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Das Ergebnis der Auslosung wird in den Tageszeitungen baldmöglichst öffentlich bekanntgegeben.
Gießen, den 2. Oktober 1936.
Der Oberbürgermeister.
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