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Lira und Tschechenkrone.

Als im Februar 1934 die Tschechenkrone zum erstenmal, und zwar um 162/s o. Sy, abge­wertet wurde, gaben sich die tschechischen Industriel­len und Sozialdemokraten der Hoffnung hin, die Ausfuhr tschechischer Industriewaren würde be­lebt und damit die Arbeitslosigkeit zum Stillstand gebracht. Die Einwendung, daß die Kaufkraft der umliegenden Staaten allzu gering sei, als daß die Abwertung nennenswerte Erfolge haben könnte, hat die tschechische Handelsstatistik bestätigt, denn nach einem nur mäßigen Anschwellen der Ausfuhr­ziffern in den ersten Monaten nach dem Währungs­experiment ist ein immer weiterer Rück­gang eingetreten, die Arbeitslosigkeit hat zuge­nommen, so daß sich die tschechische Regierung jetzt gezwungen sah, eine abermalige ' Abwertung vorzunehmen. Gegenüber der im Jahre 1929 stabi­lisierten Tschechenkrone beträgt jetzt die Gesamtab­wertung 30 o. H. Sie entspricht also etwa der Ab­wertung des französischen Franken. Von Sicher- heitsmatznahmen gegen die Ausnutzung der Abwer­tung durch spekulative Tendenzen hört man in der Tschechoslowakei nicht viel. Es wird also die aber­malige Abwertung die Folgen haben, die Frank­reich wenigstens durch einige kleine Maßnahmen zu verhindern sycht und Mussolini durch kräftige Sicherungen um die abgewertete Lira verhindert.

Als im Jahre 1926 die Lira rasend schnell verfiel, hielt auf dem Marktplatz von Pesaro Mussolini ganz überraschend eine Rede, in der er erklärte, er werde schon im Interesse der arbei­tenden Schichten die Lira bis auf das Aeußerste -verteidigen. Wenige Wochen später, am 21. Dezember, wurde die Lira wirklich stabilisiert. Damals dachte kein Mensch daran, daß die Festwährungen des Pfundes und des Dol­lar jemals frei schwebend, also sich vom Goldstan­dard lösen würden. Italien nahm diese beiden Weltwährungen a l s f e st e n P u n k t an, die Lira wurde im Verhältnis von 19 zu einem amerikani­schen Dollar und 90 zum englischen Pfund stabili­siert. Als Dollar und Pfund den Weg der Entwer­tung antraten, wurde die Lira gehalten. Ein kompliziertes System von Kompensationsgeschäften mit Ausfuhrprämien, die sog. Touristenlira und die öffentliche Kontrolle des gesamten Ein- und Aus­fuhrgeschäftes sowie des Goldes sollte dem Zweck dienen, die Lira möglichst von Währungserschüt­terungen freizuhalten.

Aber als Frankreich dem Goldblock den Todesstoß versetzte, war die Stunde auch für die Abwertung der Lira gekommen, um so mehr, als sich die Kompli­zierung des Außenhandelsgeschäftes als kaum noch tragbar erwies.Die Lira wird a u f 4 1 v. H. a b g e - wertet, das heißt es wird die Beziehung, in der die Lira im Jahre 1927 zum Goldpfund und Gold­dollar stand, zum Papierpfund und Pa­pierdollar hergestellt. Damit wird nicht nur das Verschwinden aller Kompensationsgeschäfte und sonstigen Erschwerungen erreicht, sondern die Abwertung entspricht etwa der englischen und ame­rikanischen, sie geht weiter als die französische, schweizerische, holländische und tschechische, und über­dies hat Mussolini sich vorbehalten, nach amerika­nischem Vorbild im Notfälle noch eine weitere Abwertung bis zu 10 v. H. vorzunehmen. Italien hat jetzt also genau wie die anglo-amerikanischen Lander eine schwebende Währung.

Damit soll eine möglichst e l a st i s ch e Wäh­rungspolitik, die den besonderen Interessen Italiens angepaßt ist, ermöglicht werden. Die italienische Ausfuhr hat durch die weitergetriebene Entwer­tung der Lira gegenüber dem französischen Frank schon setzt größere Möglichkeiten. Die Verbilligung des Reisens wird gerade im Reiseland Italien freudig empfunden werden. Die Maßnahmen zur Sicherung des italienischen Preis­niveaus scheinen zweckentsprechend zu sein. Italien ist ein Land mit sehr starkem Rohstoffbe­darf. Die italienische Einfuhr erhöht sich im Preise um 40 Prozent, aus den Goldblockländern aber entsprechend weniger. Diese Verteuerung wird aber wettgemacht durch die mit der Entwertung der Lira eingetretenen Zollerleicht erungen. So fällt der 15prozentige Wertzoll weg. Ferner werden die Zölle für Massenartikel wie Getreide, Vieh und Fleisch, Eier und Schmalz, Baumwolle, Jute, Schrott, Farbstoffe, Kohlen und Koks be­deutend ermäßigt. Für die wichtigsten Lebensmittel werden Festpreise eingeführt. Es gelten also die in Italien im September gezahlten Preise bis auf weiteres, so daß Erschütterungen des Preisniveaus nach Möglichkeit vermieden werden.

Selbstverständlich bedeutet die Zollermäßigung eine bedeutende Einnahmeverminderung für die öffentliche Hand. In dem Augenblick, da die Erschließung Abessiniens gewaltige Summen for­dert, ebenso die Erhöhung der italienischen Beam­tengehälter und die Vermehrung der italienischen Rüstung, ist die Abwertung für den Staatshaus­halt untragbar, wenn nicht gleichzeitig Maßregeln getroffen werden, um die Bereicherung Privater durch die Abwertung auszuschalten und den Ge­winn dem Staate zuzuführen. Das geschieht durch eine Z w a n g s a n l e i h e auf d en stad tr - schen und ländlichen Grundbesitz tn Höhe von 3,5 vom Tausend auf den Kapitalwert, unb zwar auf die Dauer von 25 Jahren; ferner

müffen die Grund- und Hausbesitzer eine ablösbare Anleihe in der Höhe von 5 v. H. des Grundbesitzes zeichnen. Auch die Inhaber von Aktien werden durch eine progressive Dividenden st euer für den Staat herangezogen. Damit glaubt man, den Haushalt ins Gleichgewicht bringen zu können. Gleichzeitig wird die Erhöhung von Mieten und Pachten für zwei Jahre untersagt. Des weiteren werden Preiserhöhungen für Elektrizität, Gas so­wie die Erhöhung der Tarife der Eisenbahnen ufro. auf zunächst zwei Jahre verboten. Schließlich wird der Buchwert des Goldbestandes der ita­

lienischen Währungsbank um die Ent­wertungssumme erhöht, allerdings weiß man nicht, wie hoch der Goldbestand der Bank von Italien noch ist, da seit dem abessinischen Kriege Italien keine amtlichen Angaben über die Deckung der Lira durch Gold und Devisen mehr veröffentlichte, im Gegensatz zu anderen Staaten. Durch dieses System der Sicherungen glaubt man, die aufgezwungene Abwertung der Lira ohne Schaden für den italie­nischen Staatshaushalt durchzuführen und der ita­lienischen Wirtschaft eine Erleichterung zu ver­schaffen.

Keine außenpolitischen Folgen der Liraabwertung.

Rom, 6.'Oktober. (DNB.) Im halbamtlichen Giornale d'Italia" beschäftigt sich Gayda mit den Beschlüssen des italienischen Ministerrates. Richtunggebend sei die erstrebte Revision des italienischen Wirtschaftslebens, wie es sich besonders unter dem Einfluß des abessi­nischen Feldzuges herausgebildet habe. Nachdrück­lich lehnt Gayda die Deutung einiger Londoner und Pariser Blätter ab, daß dem Anschluß der Lira an die Währungspolitik der Abwertungsländer auch eine Einreihung der italienischen Außenpolitik folgen werde. Der Verfasser wendet sich auch dagegen, daß sich Italien auf die Seite der sanktioniftischen Großmächte schlagen werde, und nennt diese Auffassung einen neuen und groben Irrtum. Den Währungsmaßnahmen lägen ausschließlich Erwägungen der wirtschaftlichen Nützlichkeit zugrunde, sie hätten nichts mit der politischen Einstellung zu tun. Sie seien freiwillig ohne Verhandlun­gen und Abkommen mit anderen Län­de r n getroffen worden. Heute wie gestern habe das Schicksal der Lira gar nichts zu tun mit den Leitsätzen der italienischen Außenpolitik, die in ihren Voraussetzungen, Maßstäben und Zielen gut be­kannt sei.

Die Abwertung der Tschechenlrone.

Prag, 6. Okt. (DNB.) Der Ministerrat geneh­migte den Entwurf eines Gesetzes über die Neurege­lung der tschechoslowakischen Währung. Gleichzeitig stimmte der Ministerrat einer Verordnung zu, die Maßnahmen gegen unbegründete Ver­teuerungen vorsieht. An den bisherigen Spar­samkeitsgrundsätzen und dem Prinzip des Gleich­gewichtes in der Finanzwirtschaft des Staates wird festgehalten werdens Das Gesetz bestimmt, daß die tschechoslowakische Krone als Währungseinheit der Tschechoslowakei mit mindestens 31,21 und

höch stens 33,21 Milligramm Feingold festgesetzt wird. Das bedeutet, daß die vorgeschla­gene Herabsetzung des Goldwertes der Krone 10,60 o i s 15,98 v. H. des bisherigen Goldgehaltes beträgt. Einschließlich der im Jahre 1934 durchgeführten Abwertung erreicht die Gesamtabwertung der tsche­choslowakischen Krone nunmehr rund 3 0 v. H.

Chamberlains Hoffnungen.

London, 7. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der eng­lische Schatzkanzler Neville Chamberlain sprach vor Londoner Finanzmännern über den englischen Haushalt. Die beschleunigte Aufrüstung mache es unmöglich, einen Ausgleich herbeizuführen. Die jetzigen Maßnahmen der Abwertung seien ein hoffnungsvoller Beginn gewesen, aber andere auf dem Gebiete der Beseitigung der Han­delshemmnisse müßten folgen. Der Schatzkanzler hielt es dabei für wahrscheinlich, daß im Endziel die Währungen wieder auf die Goldbasis zurückkehren würden.

Der City-Berichterstatter desDaily Telegraph" beschäftigt sich mit der Frage, was sich die Welt von dem neuen Währungsabkommen verspricht. Das Blatt erklärt, die Erfüllung der Hoffnungen hänge davon ab, w i e weit sich Frankreich i n - nerpolitisch beruhige. Ein längerer Zeit­abschnitt der Unsicherheit und der sozialen Unruhe in Frankreich müßte das Experiment um den Erfolg bringen. Eine Rückkehr des Vertrauens in Frankreich fei die Voraussetzung für ein Gelingen desPlanes. Hier müßte man Geduld haben. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor fei die bevorstehende Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten. London, der re­publikanische Kandidat, habe ein Programm, das auf eine ftärfere Isolierung Amerikas hinaus­laufe. Der Traum vom freien Handel werde sich zu Lebzeiten der jetzigen Generation nicht mehr er­füllen.

Danzig und der Völkerbund.

Seltsame Auffassung in Genf.

Genf, 6. Okt. (DNB.) Der Völkerbunds­rat hat einstimmig den Bericht des Dreier­komitees über hie Danziger Ange­legenheiten angenommen. Dieses geht darin von den Schriftstücken aus, die ihm vom Völker­bundskommissar vorgelegt wurden und glaubt feststellen zu können, daß diese Schriftstücke die O b st r u k t i o n erkennen ließen, die der Senat dem Dölkerbundsrat sowie dem Völkerbundskom­missar entgegensetzte. Der Senat habe es insbeson­dere unterlassen, hie Aufklärungen z u liefern, zu denen er, immer nach Ansicht des Dreierkomitees, gemäß Artikel 42 der Verfassung und der Entschließung des Rates vom 22. Mai 1931 verpflichtet fei. Außerdem habe er mehrere Verord­nungen erlassen, deren Verfassungsmäßigkeit, wie das Komitee sich ausdrückt, zum mindesten zu Zwei­feln Anlaß gegeben habe. Das Komitee fei der Meinung, daß die Lage in ihrer Gesamt­heit geprüft werden müsse. Nur auf Grund dieser Prüfung werde der Rat über fein Vorgehen beschließen können. Demgemäß unterbreite das Komitee dem Rat folgenden Entschließungsentwurf:

Der Rat ist der Auffassung, daß das Statut der Freien Stadt geschaffen wurde, um unter den besten Bedingungen die Interessen Danzigs zu fördern und für die Achtung der Rechte zu sorgen, die Polen durch die geltenden internationalen Bestimmungen über­tragen worden sind. Er fordert die pol­nische Regierung auf, im Kamen des Rates nach Mitteln zu suchen, um der im Be­richt des Völkerbundskommissars beschriebenen Lage ein Ende zu sehen und damit der Ga­rantie des Völkerbundes ihre volle Wirksamkeit wiederzugeben. Er fordert ferner die polnische Regierung auf, ihm hierüber auf seiner nächsten Tagung Bericht zu erstatten, bittet das Dreierkomitee,

die Frage weiterhin zu verfolgen und erklärt sich schon jetzt angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit bereit, dieser erforderlichenfalls eine besondere Tagung zu widmen."

In der Ratssitzung erklärte Lord Cranborne, die Lage in Danzig lasse viel zu wünschen übrig. Die polnische Regierung sei bereit, den heiklen Auf­trag zu übernehmen, Mittel und Wege zu finden, um dem unbefriedigenden Zustand in der Freien Stadt ein Ende zu bereiten. Der französische Außen­minister D e l b o s schloß sich seinem Vorredner an. Auch der schwedische Außenminister Sandler äußerte seine Befriedigung darüber, daß Polen die ihm anvertraute Aufgabe übernehme und sprach die Hoffnung aus, daß in Danzig bald wieder eine dem Statut Der Freien Stadt entsprechende normale Lage hergestellt sei. Der polnische Dele­gierte erklärte, die polnische Regierung erblicke in den Vorschlägen des Rates eine ernsthafte An­strengung, die darauf ausgehe, die auf dem Gebiet der Freien Stadt entstandenen Schwierigkeiten zu überwinden. Die polnische Regierung hoffe zuver­sichtlich, daß sie bei Erfüllung der ihr vom Rat heute übertragenen Aufgaben auf die Unter- ftütjung des Senats der Freien Stadt rechnen könne, um die geeigneten Mittel zur Her­beiführung einer Entspannung, die den Beteiligten gerecht werde, zu finden.

Höchstes Befremden in Danzig.

Danzig, 6. Okt. (DNB.) Die Entschließung des Völkerbundsrates ist in Danzig mit Be­fremden aufgenommen worden. Die Be­ziehungen Danzigs zu den Genfer Stellen sind durch die Methoden, die diese Stellen trotz der mit Herrn Lester erlittenen Schlappe erneut anzuwen­den beliebten, nicht erleichtert worden. Er handelt sich hierbei nicht nur um den Ton der Ratsent­schließung, sondern um das ganze Ve x fah­

re n, angefangen mit der unkorrekten Form, die der Generalsekretär des Völkerbundes bei der Aufstel­lung der Tagesordnung gegenüber der Danziger Regierung angewendet hat. Staatspräsident Grei­ser hat am Dienstagmittag das Vorgehen des Generalsekretärs in einem zweiten Schreiben an Herrn Avenol zurückgewiesen. Das Schreiben lautet:

Aus den heutigen Morgenzeitungen ist mir eine Entschließung des Rates des Völkerbundes bekannt geworden, die gestern, 5. Oktober, ge­troffen worden ist. Ich beehre mich, darauf hin­zuweisen, daß eine Mitteilung darüber, daß eine neue Danziger Frage vor dem Rat behandelt werden sollte, bei mir er st gestern, also ebenfalls am 5. Oktober, eingegangen ist. 3n dieser Mitteilung war ich gefragt worden, ob die Danziger Regierung be­reit sei, an den Beratungen des Rates teil- z u n e h m e n und einen Delegierten 'zu ent­senden. Ich möchte mein außerordent­liches Erstaunen und Befremden darüber zum Ausdruck bringen, daß man es nicht für nötig befunden hat, eine Ant­wort auf diese Anfrage abzuwarten und daß man durch die Anberaumung der Sitzung auf den 5. Oktober der Danziger Re­gierung von vornherein jede Mög­lichkeit nahm, zu den auf der Tagesord­nung stehenden Fragen Stellung zu neh­men oder eine Delegation zu entsenden. Die­ses überhastete und einseitige Verfahren ent­spricht nicht dem bisher Gebräuchlichen. Eben­sowenig scheint mir der Bericht und die Ent­schließung für die Tätigkeit der Regieruna der Freien Stadt Danzig als solche diejenige Aus- druckssorm gefunden zu haben, die bisher gegenüber einem Staat üblich war."

Das hiesige nationalsozialistische Organ, der Danziger Vorposten", führt zu der Genier Entschließung zunächst aus, daß die Danziger Re­gierung die Ausdrücke der Entschließung nichtun - widersprochen hinnehmen könne. Zur Sache selbst betont das Blatt, daß Polen keiner­lei Eingriffsrechte oder auch nur irgend­welche Vollmachten, sondern nur einen Auf­trag zur Berichterstattung erhalten habe. Man könne der Erwartung Ausdruck geben, daß Polen die Grenzen finde, die ihm in seiner Politik gegenüber Danzig gezoaen seien. Es sei an­zunehmen, daß Polen den Versuch unternehmen werde, den von Danzia vertretenen Anspruch auf seine innere Souveränität mit den Genfer Standpunkten in Uebereinftimmuno zu brin­gen. In Danzia selbst werde sich a n d e m M a r s ch- weg nichts ändern. Partei und Staat würden w-iterhin ihre deutsche Pflicht tun.

Vtstästina-Mandat.

Polnisches Interesse an her Erhaltung als nidirche Notionalheimstätie.

Gens. 6. Okt. (DNB l Im politischen Ausschuß der Völkerbundsversammlung fand eine Aussprache über Mandatsfragen statt. Dabei betonte der polnische Delegierte Komarnitzki das lebhafte Interesse seiner Reaierung an d-»r ungestörten Ent­wicklung der jüdischen Nationalheim- stätte in Palästina. Die Nebervölkeruna Po­lens schaffe rür die iübfdrn Masten, deren wirt­schaftliche Struktur sich schwer in die gea-nwärtiae soziale Entwicklung Polens einfügen könne, die Notwendigkeit. Auswanderungen zu suchen. Aus diesem Grunde nerfofae die volnische Reaie­rung mit lebhafter Aufmerksamkeit die schmerz­lichen Vorgänge in Palästina in der Hoffnung, daß die Rolle, die dieses Land für das iüdifche Volk zu spielen berufen sei, in keiner Weise beeinträch­tigt werde. Erfreustch-u-w-'ise habe England die Einwanderung nach Palästina offenaehalten. Wenn auch Palästina das wichtiaste unb natürlichste Aus- manberunaslanb für die Juden fei, so dürfe der Völkerbund doch nicht die immer gebieterischer werdende Notwendiakeit überleben, andere A u f- nahmeländer für die gewaltigen jüdischen Mas­sen in Mittel- und Osteuropa zu finden. Die be- oölkerunaspolitische und wirtschaftliche Seite bfls Auswanderunasproblems sei für Polen eine le­benswichtige Angelegenheit Polen behnlte sich vor, im geeigneten Augenblick dem Völkerbund konkre­tere Vorschläge zu machen

Streikende Binnenschiffer als Sowiet in Frankreich.

Paris, 7. Okt. (DNB, Funkspruch.) Der Streik der Binnenschiffer von Rouen hat zu skandalösen Zwischenfällen geführt, die von einigen Blättern erbarmungslos gegeifelt werden. Der Streikaus- schuß hat sich als Sowjet a u f g e t a n. Er läßt Kähne nach Paris nur dann ausfahren, wenn die Besitzer eine Abgabe an ihn entrichten. Da der Präfekt diesem Treiben ein Ende machen will, gibt die Streikleitung jetzt die Parole aus, überhaupt keine Schiffe mehr pas­sieren zu lassen, um die Versorgung der fran­zösischen Hauptstadt mit Lebensrnitteln in Frage zu stellen.

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