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Deuischer Triumph im Modernen Fünskampf.

Sieger: Oberleutnant Handrick.

Mit dem 4000 - Meter - Geländelauf wurde am Donnerstag der Moderne Fünfkampf, einer der interessantesten Wettbewerbe der Olympischen Spiele, beendet. Nachdem Oberleutnant Handrick, unser bester Vertreter, nach dem ersten Wettbewerb, dem Netten, schon auf den ersten Plätzen Gelegen hatte und nach dem Degenfechten auf die erste Stelle der Gesamtwertung vorrückte, die er im Schießen und Schwimmen erfolgreich verteidigte, hätte er noch sehr viel Pech haben müssen, diesen Rang im letz­ten Wettbewerb, dem Geländelauf, zu verlieren.

Schwedens Vorherrschaft auf diesem Gebiete bisher stellten nur die Schweden die Olympiasieger ist nun endgültig gebrochen und Schwedens bester Vertreter, Oberleutnant T h o f e l t, kam auf den vierten Platz und konnte nicht einmal eine Medaille erringen.

DHL Handrick gelang es auch, im letzten noch ausstehenden Wettbewerb, dem 4000-Meter- Geländelauf, als Vierzehnter noch in der Spitzengruppe zu enden und damit seinen Endsieg sicherzustellen. Diese abschließende Hebung fand auf bem Gelände des Golf- und Landclubs Wannfee

statt. Der Reichskriegsminister ließ sich die deut­schen Teilnehmer am Start vorstellen.

In Minutenabständen wurden die Läufer über die Strecke geschickt, und schon als die ersten Läufer das Ziel passierten, zeigte es sich, daß die Zeiten der Fünfkämpfer immer mehr an die besten Lei­stungen der Dahnläufer heranreichen. Lt. L e b a n (Oesterreich) erreichte mit 13:17,4 Minuten eine ganz hervorragende Zeit. Erwartungsgemäß tonn­ten sich die nordischen Teilnehmer im letzten Wett­bewerb weiter verbessern. Der Finne Hietala be­legte mit 13:25,3 den zweiten Platz, während der bisherige Zweitplacierte in der Gesamtwertung, Oblt. Thofelt (Schweden), mit einem 24. Platz im Geländelauf um die Silbermedaille kam, die sich der amerikanische Lt. Leonard durch einen aus­gezeichneten Lauf holte. Da auch Oblt. Abba (Ita­lien) sich günstig placieren konnte, rückte er in der Gesamtwertung vom vierten auf den dritten Platz vor. Als bester deutscher Läufer kam Uffz. Bram- f eld als Zehnter ein, während Lt. Lemp als 21. im Mittelfelde endete. Dennoch konnte der zweite deutsche Vertreter in der Gesamtwertung den sech­sten Platz hinter dem Ungarn Orban belegen.

Deutsche Schnellseuer-pWenschiitzen siegreich.

Am frühen Nachmittag des Donnerstag fiel im Rahmen der Olympischen Schießwettbewerbe die erste Entscheidung im Schnellfeuer-Pistolen- Schießen. Deutschlands erster Vertreter v a n O y e n holte sich mit der h ö ch st e n erreichbaren Trefferzahl den Sieg und damit die Goldene Medaille. An zweiter Stelle beendete mit nur einem Treffer weniger Oblt. Hax (Deutschland) den Wett­bewerb. Er sicherte sich die Silberne Medaille vor dem Weltrekordmann im Pistolen-Schießen Ullmann (Schweden), der die Bronze-Medaille erhielt.

Nachdem in der Ausscheidung der ersten beiden Ausscheidungen, dem Achtsekunden- und dem Sechs- sekunden-Serien-Schießen, die Spitzengruppe dicht zusammengeblieben war, wurde die Zahl der Be­werber um die Goldmedaille in der Viersekunden- Serie schon bedeutend geringer. Die schwerste Prü­fung, die Dreisekunden-Serie, beendete allein van Oyen, der mit unerschütterlicher Ruhe schoß, mit sechs Treffern. Der Deutsche H a x, der

bereits bei den Olympischen Spielen in Amsterdam und Los Angeles Deutschlands Farben im Moder­nen Fünfkampf vertreten hatte, belegte mit fünf Treffern den zweiten Platz. Der Weltrekovdmann Ullmann (Schweden) konnte erst nach Stich­kampf mit dem Griechen Paradimas die Bronzene Medaille retten.

Vorkämpfe im Scheiben-Pistolen-Schießen.

In der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen zu Berlin-Wannsee wurde am Donnerstag der zweite Schießwettbewerb der Olympischen Spiele, das Scheiben-Pistolen-Schießen, in Angriff genommen. Nach dem ersten Tage lag der Deutsche Erich Krempel in Führung, der es auf 544 Ringe brachte. Die Schützen waren in drei Rotten unge­teilt, die mit 50 Meter Entfernung auf die Zehner- Ring-Scheibe schossen. Erich Krempel schoß in der dritten Rotte. Hinter Krempel lagen Elliot Jones (USA.) mit 536 und Tölgyessi (Ungarn) mit 528 Ringen auf den nächsten Plätzen.

Italienischer Sieg im Zioreii-Linzelsechien.

Lasmir-Oeutschland Vierter.

Nachdem sich in den Vormittagsstunden aus der Dorendrunde die letzten acht Teilnehmer für die Endrunde qualifiziert hatten, traten yiese am Nach­mittag zu den Entscheidungen an. Auf der Bahn gab es Hochleistungen der besten Fechter zu sehen. Wohl überhaupt bas beste Gefecht lieferten sich Alt­meister Erwin C a s m i r und der Italiener Gua- ragna, das der Deutsche nach herrlichen Szenen mit 5:4 gewann. Einen großen Kampf lieferte der Deutsche auch dem späteren Sieger Gaudini, der zum Schluß aber doch mit 5:3 die Oberhand behielt, obwohl Casmir 1:0 und später 2:1 in Führung ge­gangen war. In großer Fahrt war Casmir dann gegen den jungen Italiener Bocchino. 5:4 hieß es zum Schluß für den Deutschen. Auch in seiner Be­gegnung mit dem französischen Altmeister Edward (Sortiere zeigte sich Casmir von der besten Seite. Das Glück war aber auf Seiten des Franzosen. Seine dritte Niederlage holte sich Casmir gegen den Belgier Bru mit 3:5.

Mit vier Siegen und drei Niederlagen kam unser Casmir, dessen Versuch zur Erringung einer Gold­medaille wieder einmal vergeblich war, auf den vierten Platz. Nach Beendigung der Konkurrenz hatte sich Gaudini mit sieben Siegen die Spitze erkämpft und auf dem zweiten Platz lan­dete Edward Gartiöre (Frankreich) mit sechs Siegen. Dritter wurde Italiens junger Fechter Bocchino, der es auf vier Siege brachte, und dann folgte Erwin Casmir, der gleichfalls vier Siege errang, aber mehr erhaltene Treffer aufzu­weisen hatte.

Olympia-Hockey -Turnier.

HollandSchweiz 4:1.

Im Hockey-Stadion des Reichsspvrtfeldes standen sich vor zahlreichen Zuschauern die Mannschaften von Holland und der Schweiz in der zweiten Runde des Olympischen Turniers gegenüber. Die Holländer waren in diesem Kampf gegen das Spiel mit Belgien nicht wieder zu erkennen. Sie arbei­teten sich eine ganz klare Ueberlegenheit heraus und verstanden es auch, ihre ausgezeichnete Technik und die Schußfreudigkeit der Stürmer in einen sicheren 4:l-(2:l-)Sieg umzusetzen.

Deutschland schlägt Dänemark 6:0.

Das Hockey-Stadion im Reichssportfeld war mit 15 000 Zuschauern ausgezeichnet besetzt, als Deutsch­land zu seinem ersten Kampf im olympischen Hockey- Turnier antrat. Dänemark war der Gegner und es mußte sich unserer ausgezeichneten Elf, die nicht einmal in allerstärkster Besetzung antrat, mit 0:6 (0:2) klar beugen. Die Skandinavier setzten den deutschen Spielern zwar einen sehr großen Wider­stand entgegen, sie waren aber technisch doch zu klar unterlegen, als daß sie für den Sieg in Frage kommen konnten. Beide Mannschaften bevorzugten ein schnelles Flügelspiel, dabei konnte jedoch der deutsche Jnnensturm die geschaffenen Torgelegen­heiten entschieden besser verwerten. Auch der groß­artige dänische Torwart Weiß mußte sich schließlich durch das raffinierte Stürmerspiel der Deutschen geschlagen bekennen.

Wetturnen des Turnvereins Krofdorf.

Der Turnverein Krofdorf hielt am Sonn­tag sein diesjähriges W e 11 u r n e n ab. Den Auf­takt bildete ein Werbe-Umzug sämtlicher Turner und Turnerinnen durch den Ort. Auf dem Platze an der Turnhalle hielt Oberturnwart zl m e n ti mit feinen Helfern eine Kampfrickterbesprechung, bann marschierten etwa 130 Teilnehmer unb Teilnehme­rinnen mit bem LiebTurner, auf zum Streite" an bie Geräte. Es galt, in fast allen Turnarten einen vielseitigen Uebungsftoff zu bewältigen.

Die ersten Sieger.

Jugentiturner, Riege I: 1. Alfreb Kraft 191 Punkte; 2. Arno Keller 171; 3. Karl Stork 136; 4. Willi Leib 126 Punkte. Riege II: 1. Helmut Leib 168 Punkte; 2. Walter Bechtold 156; 3. Erich Weil 150; 4. Rudolf Haibach 136 Punkte.

Schüler, Riege I: 1. Kurt Röhrsheim 176 Punkte; 2. Ferd. Mandler 162; 3. Hans Leib, Wal­ter Wagner und Hans Leicht 161; 4. Alfred Küm­mel und Artur Schupp 147 Punkte. Riege II: 1. Karl Bender 155 Punkte; 2. H. Schmidt und Karl.Wagner 150 Punkte; 3. W. Bremer und Karl Schmidt 142; 4. Heinz Bender 137Punkte. Riege III. 1. Hans Leib 140; 2. Hans Drescher 136; 3. Heini Schmidt 122; 4. Alb. Rollshausen 121 Punkte.

Turnerinnen, Riege I: 1. Martha Leib 142 Punkte; 2. Hedwig Schmidt 141; 3. Hilde Eka- rius 138; 4. Hilde Heyer 135 Punkte. Riege II: 1. Elfriede Wagner 195 Punkte; 2. Johanna Amend und Marie Schneider 154; 3. Marie Bender 147; 4. Henni Römer.

Schülerinnen, Riege I: 1. Liefe! Zufall 140 Punkte; 2. Alice Leid 137; 3. Emmi Gerlach 135; 4. Thea Koch 133 Punkte. Riege II: 1. Anni Krombach 129 Punkte; 2. Else Kaietsch 126; 3. Gertrud Weber 123; 4. Emmi Valentin 114 Punkte. Riege III: 1. Gertrud Haibach 166 Punkte; 2. Elli Daubertshäuser 165; 3. Johanna Röhrsheim 148; 4. Brunhilde Sommer 143 Punkte.

Olympische Medaillen.

Nationen

Gold

Silber

Bronze

Griechenland ............

_

_

Aegypten................

1

1

2

Argentinien..............

1

1

2

Australien...............

Belgien .................

1

China...................

Dänemark ...............

Estland .................

1

1

Finnland................

3

3

3

Frankreich...............

2

1

Großbritannien...........

1

1

Holland.................

2

Indien..................

Island..................

Italien..................

4

5

4

Japan...................

1

1

4

Kanada .................

1

3

Lettland.................

1

Neuseeland ..............

1

.

Norwegen................

-

Oesterreich...............

1

2

Philippinen .............

1

Polen...................

3

3

Rumänien...............

Schweden................

1

1

4

Schweiz .................

1

1

Süd.Asrika ..............

Tschechoslowakei..........

1

1

Türkei ..................

1

Ungarn .................

S

Uruguay ................

Bereinigte Staaten........

12

11

3

Deutschland..............

13

14

10

3n diese Aufstellung sind die üunskwettbewerbe einbegriffen.

Oberheffen.

Erwerbslose zur Erntehilfe aufgerufen

* Lauterbach, 7. Aug. Die NSV. Kreis- amtsleitung Lauterbach veröffentlicht in der Ortpresse einen Au fruf an bie Erwerbs­losen zur Mithilfe bei b e r Bergung b e r Ernte. In bem Aufruf wirb u. a. gesagt:

Um bie Erzeugungsschlacht nicht zu gefährden, ist es. Pflicht eines jeden Volksgenossen, der er­werbslos ist und durch das WHW. unterstützt wird, aerobe in der Hauptarbeitszeit der Landwirtschaft hier helfend einzugreifen, sowie auch seine Ange­hörigen, soweit dies zulässig ist.

Das Arbeitsamt wird uns alle Drückeberger melden. Wir weisen hiermit auch unsere örtlichen Stellen an, sich ebenfalls in den Dienst der so wich­tigen Sache zu stellen. Alle diejenigen Volksgenos­sen, bie zum Mithelfen bei ber Erntearbeit im­stande sind, unb bie s i ch weigern, zum Gelingen ber E r z e u g u n a s s ch l a ch t bei­zutragen, werben rücksichtslos und restlos aus dem kommenden WHW. ausgeschlossen. Wenn man im Winter neh­men will, müssen im Sommer bie Voraussetzungen geschaffen werden, daß man etwas haben kann."

CanNirls (Sieben.

ch Mainzlar, 6. Aug. Die am Ortsausgang nach Daubringen liegende Straßenbrücke über die Lumda wird z. Z. erweitert und erhält zur Sicherheit der Fußgänger links und rechts einen Bürgersteig. Die Arbeiten werden von ber Bau­firma Deibel- Lollar ausgeführt. Durch diese Erweiterung wird eine große Gefahrenquelle besei­tigt, da die Brücke unmittelbar an einer unüber­sichtlichen Kurve liegt.

> Holzheim, 6. Aug. Bei ber Schutz- unb Zuchthundeprüfung ber K r e i s f a ch g r u p p e Butzbach des Deutschen Schäferhunde­vereins konnten einheimische Zwinger und Züch­ter schöne Erfolge erringen. Es fanden drei Prü­fungen statt; es waren eine Jugendveranlagung-, eine Zuchthund- und eine Schutzhundeprüfung. Bei der Jugendveranlagung, bie lediglich über bie Wesensoeranlagung des deutschen Schäferhundes Aufschluß geben soll, stellte die stärkste Gruppe der ZwingerVon Haus Fritz", Inhaber Ernst Jung (Holzheim), mit fünf Hunden; vier erhielten die Notevorzüglich" unter den Führern H. Heuler (Gambach), H. Müll (Holzheim) undErnstJung

(Holzheim). Ein Hund des letzteren erhielt noch bie Notegut". Bei der Zuchthundeprüfung errang bie Notevorzüglich" bie HündinCenta vom Haus Fritz", Besitzer und Führer Heinrich Müll jun. (Holzheim). Ferner erhielt noch die Notesehr gut" ein geborener Holzheimer, wohnhaft in Butzbach, Adam Diehl mit dem HundArnhild vom Holz­heimer Eichwald", sowie die Notegut" mitBok­ker vom Holzheimer Eichwald". Die Ausbildung der Hunde wird hier fleißig betrieben. Dies beweist, daß einige Tiere Spitzenleistungen erreichten. Besonders hervorgehoben wurden bie Fähigkeiten des erst 16jährigen H. Müll aus Holzheim, der manchem Führer hinsichtlich Fleiß und Ausdauer im Sport ein Vorbild sein kann. Richter waren Polizeiober­leutnant i. R. Heyne aus Mainz und Polizei­hauptmann a. D. Esther (Butzbach).

Z L i ch, 6. Aug. In unserer Stadt ist erfreu­licherweise ein Aufblühen der Kleintier­zucht festzustellen, namentlich auf dem Gebiete der Geflügelzucht. Viele Volksgenossen sind daran, ihren Bedarf an Eiern selbst zu erzeugen, und haben sich einige Hühner zugelegt. Aber auch auf dem Ge­biete der Kaninchenzucht ist ein erfreulicher Fort­schritt festzustellen. Verursacht durch bie Darüber» gehende Fleischknappheit im vergangenen Jahre haben sich viele Einwohner einige Kaninchen zu­gelegt. Da in unserer Stabt fast jede Familie ein Stück Garten bearbeitet, so lassen sich bie Kaninchen mit Leichtigkeit aufziehen. Besonders erfreut es aber den Beobachter, daß auch viele Familien, die jahrelang Hausschlachtungen vornahmen, aber ein Schwein selbst nicht mehr mästeten, sich in diesem Jahr wieder ein Ferkel zur eigenen Aufzucht ge­kauft haben.. Im Interesse ber Gewinnung ber Er­zeugungsschlacht ist die Hebung der Kleintierzucht sehr zu begrüßen. Möchten noch recht viele Volks­genossen dem Beispiel Der andern folgen!

. Obbornhofen, 6. Aug. Die O b ft - aussichten werden immer günstiger. Die reich­lichen Niederschläge haben den mittelstarken Be­hang zur guten Entwicklung gebracht, so daß viele Bäume gestützt werden mußten. 'Hebevoll hängen die Zwetschenbäume, bie durchweg gebunden unb gestützt wurden. Aber auch ein großer Teil ber

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Unbekannte Hracht.

Homan von Frank H.Vraun.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Kommen Sie mal herein, Frollein", sagte Frau Berta.Auf der Straße wollen wir nichts verhan­deln. Haben Sie gar keine Sachen mit?"

Mein Koffer ist noch auf der Bahn, ich wußte ja nicht, ob Sie mich gebrauchen konnten."

Laß jetzt mal das Fenster, Peter. Kommen Sie herein, Frollein. Wir wollen mal über den tfall reden", sagte $rau Berta.An sich waren wir ge­rade darauf aus, uns eine Hilfe zu nehmen." Die beiden fliegen in den Keller. Frau Berta schritt voran durch den Laden, der leer war, in die ruckue- genden Wohnräume.

Frau Berta setzte sich auf das Sofa. Die graue Katze mußte weichen.Setzen Sie sich, Frollein."

Der Mann blieb stehen, aber bas war Zufall. Dann begann Frau Berta zu reden. Ihre Zunge war geübter als die ihres Mannes. Nach zehn Mi­nuten wußte sie, wer dieses Mädchen war. So et­was hatte sie gesucht. Fleißia, an Arbeit gewohnt, ehrüch und nett, dazu vom Lande. Nach einer hal­ben Stunde saß Antje Oelkens am Tisch und be­kam ein Mittagessen. Sie war mit 20 Mark Bar­lohn, Kost und Logis angenommen. Beide Vertrags­partner schienen recht zufrieden.

An diesem Nachmittag ereignete stch für Zlntje Oelkens nichts Sonderliches mehr. Frau Berta wies ihr dies und jenes im Kellerbetrieb; gegen Abend leider fing es an zu regnen, em schleiernebel schlug nieder nahm Nickels sie mit auf die Straße. Er wies ihr die Häuser, m denen Die Kunden wohnten, die sie am andern -Norgen be­suchen würde. Besuchen, dachte Antje besuchen nennt er das. Wenn ich die Flasche Milch vor bie Tür setze, klingele und nicht einmal warte, bis ge­öffnet wird. Aber sie sagte das nicht laut, denn schließlich war es ja sehr gleichgültig, wie Pe er Nickel, ihr Chef, sich ausdrückte. Er war em netter Mann; das war wichtiger.

Weiter in die Kameruner Straße hinauf brau­chen Sie nicht, Antje", sagte Nickels bann an ber

Straßenecke,da oben hat der dicke Lehmann (ein Revier."

Sie nickte. Ein junger, flott gekleideter Herr ging vorüber. Antje wunderte sich, wie höflich dieser Mann seinen Milchhändler grüßte. Peter Nickels verzog das Gesicht zu einem Lächeln.Er ist doch bei mir in der Kreide", sagte er.Aber wir wollen ihm ruhig weiterhin den halben Liter Milch mor­gens vor die Tür setzen. Vielleicht kommt er bald einmal zu Geld, der Herr Maler."

Kunstmaler?"

Ob das Kunst ist, weiß ich nicht", antwortete Nickels,er malt so Plakate für Anschlagsäulen, und neulich hat er für eine Schokoladenfabrik das Re­klameschild gemalt. Aber von dem Geld habe ich nichts zu sehen gekriegt. Immerhin, der Schlachter Ziehm sagte mir, ihn hätte der Herr Lorenzen be­zahlt." Er lachte.War wohl nicht genug für Schlachter und Milchmann. Ader ich denke mir eben, da er von dem letzten Geld den Ziehm bezahlt hat, werde ich hoffentlich das nächste Mal dran­kommen." Dann gingen sie wieder nach Hause.

Am Abend lag Antje in ihrer kleinen Kammer lange wach. Diese große Stadt wurde selbst nachts nicht richtig still. Es blieb ein Brausen in der Luft. Oder sausten ihre Ohren so? War es noch das Rat­tern der Eisenbahn, das ihr in den Ohren lag?

Sie steckte den Kopf unter die Bettdecke. Da wurde es still. Sie vernahm nur ihren eigenen Herz­schlag, und der tickte beruhigend gleichmäßig.

Sie dachte, irgendwo in dieser Stadt, nicht weit weg also, liegt jetzt auch Rudolf und wartet wie ich auf den Schlaf. Nickels, der andere, wird mir aus Wietze Rudolfs Adresse schreiben, und ich werde ihn aufsuchen. In der Fabrik, in der Werkstatt ober wo er sonst untergekommen ist. Rubolf, werde ich sagen, ich verstehe, daß du von Hause weglaufen mußtest, als der Hof verkauft wurde; aber ich ver­stehe nicht, warum du mir nichts davon gesagt hast!

Unb Rudolf würde antworten:Ich mußte erst sehen und allein Fuß fassen, Antje, du solltest nach­kommen." _

Oh, sie kannte ihren Rudolf so sehr gut, sie wußte seine Antwort im voraus. Mit einer kleinen, zärt­lichen Handbewegung, die über die Bettdecke strich, löschten ihre Gedanken aus, und sie schlief ein.

Der Regen war stärker geworden. Er schlug in den asphaltierten Hof vor ihrer Kammer unb

prasselte, schräggeweht, gegen ihre Scheibe. Aber solche Geräusche waren ihr wohl zu vertraut, als daß sie Antje aufwecken konnten.

*

Herr Freb Lorenzen erwachte am andern Morgen von einem schrillen, langanhaltenden Klingelton. Er fuhr im Bett hoch und sah auf feine Taschen­uhr, die auf dem Nachttisch lag. Dann sprang er auf, fand bie Hausschuhe unb fuhr in ben Bade­mantel, der für so eilige Zwecke schon bereit lag, und sauste zur Tür. Vielleicht war der Geldbrief­träger draußen!

Er riß die Tür auf und sah, daß nicht der er­sehnte Postbeamte wartete. Antje Oelkens las ge­rade auf ihrem Zettel ab, vor welche Türe sie als nächste die Flasche Milch abstellen sollte, als ein Mann im gelbweißen Bademantel vor ihr stand. Sein Haar war lang und hing ihm in die Stirn; aber sie erkannte ihn doch sofort wieder. Auch wenn sie nicht gewußt hätte, daß sie die Milch soeben für den Maler Fred Lorenzen hingestellt hatte, wäre ihr der Mann nicht unbekannt gewesen, über den sie gestern schon mit Peter Nickels gesprochen hatte.

Guten Morgen", sagte sie, und da er sie stumm anlächelte, fügte sie hinzu:Ich habe Sie hoffent­lich nicht aufgeweckt?"

Die Frage war unsinnig. Jeder konnte sehen, daß ber Mann just aus dem Bett aufgescheucht worden war. Lorenzens Antwort war jedoch nicht weniger geistvoll.I wo", fagte er,ich wache immer um diese Zeit auf." Er zögerte einen Augenblick. Seine Milchflasche hatte er in der Hand. Nichts hinderte ihn, sich wieder zurückzuziehen; aber dann meinte er:Tragen Sie jetzt die Milch aus?"

Antje nickte. Die Tatsache war ja nicht abzuleug­nen.Ja, seit heute. Ich bin gestern bei Herrn Nickels in Stellung gegangen." n

Dann kommen Sie jetzt jeden Morgen? Das ift famos!"

Warum?" ri ...

Er machte e;nen Kratzfuß und wußte es nicht. Es ist angenehmer, als erstes Gesicht, wenn der Tag für mich anfängt, das ihre zu sehen als Peter Nickels weit weniger hübsches." Er lachte sie an. Hübsche Zähne hat er auch, dachte sie Aber bann nahm sie ihr Drahtgestell mit ben Milchflaschen auf unb setzte sich in Bewegung.Ich muß weiter.

Schade. Wer kocht mir nun bie Milch?"

Sind Sie denn ganz allein?"

Ja, ganz allein."

Unb wer macht Ihnen die Wohnung sauber?" Niemand, bis Frau Lorenz wiederkommt. Sie ist verreist. Ich bin nämlich, wie Sie wahrscheinlich wissen, hier nur Untermieter."

Nein, das hat mir Herr Nickels gar nicht gesagt." Er hat es wohl deshalb nicht für nötig ge­halten, weil die Namen so ähnlich sind. Sehen Sie, an der Tür steht Lorenz. Ich heiße aber Fred Lo­renzen. Und die Milch ist wirklich für mich bestimmt. Frau Lorenz bezieht keine Milch." Er lachte stärker. Sie trinkt den Kaffee schwarz."

Ich muß jetzt weiter."

Leider. Klingeln Sie mich morgen wieder her­aus, ja? Und nicht gleich weglaufen, ich mochte Ihnen guten Morgen sagen dürfen, Fräulein." Er machte seine Tür noch immer nicht zu.Fräulein klingt so fremd unb kalt. Wie heißen Sie eigentlich?"

Antje."

Antje? Ein schöner Name; so beutsch. Sie sehen auch aus wie eine Antje, Fräulein Antje, wirklich, das soll keine Schmeichelei sein. Sie müssen aus Dithmarschen oder Holstein stammen. Ein Frie­senkind!" Seine Kenntnis in diesen Fragen war nicht weit her.

Antje lachte ihn ein bißchen aus, ehe sie end­gültig davonlies, einen Stock höher, wo bei Rat Schrader ein halber Liter abzustellen war.Aus dem Hannoverschen stamme ich. Kennen Sie Wietze?"

Ich kenne allerhand Witze, aber ich kann Ihnen doch nicht am frühen Morgen Witze erzählen!" Sie lief prustend davon.

Ihre beiden strahlenden Gesichter sahen sich noch einmal an.

Dann war sie weg, und Herr Fred Lorenzen schloß seine Tür. Aber heute ging er nicht noch ein­mal ins Bett. Er sah abermals auf seine Uhr. Viel zu früh. Zu früh zum Arbeiten, Fred? Schäme dich! Du hast doch da eine Idee, Mann. Dieses Mädchen! Eine Reklame für frische Milch! Diese gesunde, frische Antje und zwei Milchflaschen, in jedem Arm eine! Und dann mit dem farbenfroh gehaltenen Plakat an die Innung der Milchhand- ler heran.

I (Fortsetzung folgt!)