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Aegyptens neuer Kurs.

Don unserem Ehr.S B.-Korrespvndenten.

London, Anfang August.

Wenn sich die Weltpresse im Augenblick durch die jüngsten Ereignisse in British-Palästina ab* gelenkt von den Problemen in Aegypten abge* wandt hat, so bedeutet dies keineswegs, daß man die gespannte Lage in Kairo von London aus unterschätzt. Obwohl es eine Tatsache ist, daß die W a f d bekannt durch ihr außerordentlich euro­päerfeindliches Parteiprogramm im ägyptischen Unterhaus diesmal schwächer vertreten sind als man vielleicht erwartet hatte, weiß man in Downing Street doch um die wirklichen Ursachen der schein­baren Parteischwäche, die in einer außerordentlich gut durchgeführten Reinigungsaktion inner, halb des Wafd-Apparates begründet sind.

Bereits Monate vor den Wahlen säuberte man die Partei von allen lauen Elementen, um das ur­sprüngliche Programm, das die Verwaltung und Regierung des Landes ausschließlich durch Aegnp- ter vorsieht, schwungkräftig und ohne die bisher üblichen Kompromisse vortragen zu können. Gleich­zeitig mit diesen bedeutsamen Vorgängen ging auch ein Neuaufbau der jugendlichen außer* parlamentarischenKampftruppen von- statten, die mehr als bisher in der reinen Außen­propaganda eingesetzt werden und zwar in einem solchen Grad, daß aus Aegypten zurückkehrende Reisende feststellen, daß es dieBlauhemden" der Wafd sind, die augenblicklich das Straßenbild in Kairo eindrucksvoll beherrschen. Schließlich beweist auch die dauernde, zahlenmäßige Zunahme dieser Gruppen den Willen der Bevölkerung, in absehba­rer Zeit eine neue Verwaltungsmaschine innerhalb Aegyptens zu entwickeln, die mit der bisherigen englischen Vorherrschaft an den wichtigsten Plätzen des Landes abrechnen würde.

Auf parlamentarischem Gebiet haben sich, seit dem Regierungsantritt der Wafd, ebenfalls wich­tige Entscheidungen begeben, unter die vor allem die Ernennung eines besonderen Pa­lastministers durch Nahas Pascha gehört. Diese Ernennung ist für die Zukunft von größter Tragweite, denn zum ersten Male ist dadurch d i e Ueberbrückung vom Volk zum Palast vorgenommen worden ein entscheidender Schritt nicht nur gegen die bisher hinter den Kulissen sehr einflußreiche Palastpartei, sondern auch zur Beeinflussung des noch jugendlichen neuen ägyp­tischen Herrschers Faruk, der vor wenigen Wochen seine Studien in England begonnen hatte und nach Aegypten zurückkehrte, als sein Vater, König Fuad, starb. Der junge Monarch ist wie aus zu­verlässigen Quellen mitgeteilt wird, den Ideen der Wafd durchaus zugänglich und kann, wenn man es versteht, diese Anschauung in ihm zu festigen, sehr leicht ein weiteres Bollwerk gegen die englische Verwaltung werden. Um den neuen Posten des Palastministers sind denn bereits auch schon hef­tige Diskussionen entbrannt, in denen vor allem der bisherige Regentschaftsrat, der sich in seinem Machtbereich erheblich gestört fühlt, aus seiner Stimmung keinen Hehl machte.

Für die breite Bevölkerung natürlich sind die er­warteten neuen und wirtschaftlich bedeutungsvollen Gesetze der Wafd von größtem Interesse. Die Fel- lahs leiden noch heute unter den Jahren der Wirt­schaftskrise, die 1930 ihren Höhepunkt erreichte und Löhne und Preise in ein abnormes Verhältnis brachten, und die Arbeiter, die unter dem System der 60- bis 70-Stundenwoche arbeiten und trotzdem kein Geld von ihren Löhnen zu sparen vermögen, warten nicht minder auf eine Besserung ihrer Lage, während man in London allerdings in dieser Frage sehr skeptisch ist.

Wenn man in London zu der Ernennung des Palastministers schwieg, so macht man doch aus der allgemeinen Enttäuschung der britischen Regierung über die Haltung Nahas Paschas keinen Hehl. Man erwartete wohl vor allem eine Kette von Verurteilungen gegen die Studenten in Kairo, die im vergangenen Winter und Frühjahr für die häu­figen Zusammenstöße mit der Polizei für schuldig gehalten werden. Bis jetzt sind solche Massenoer­urteilungen jedoch nicht erfolgt es laufen ganz im Gegenteil ^ioch immer täglich Klagen von miß­handelten Zivilpersonen bei den Gerichten ein, die alle das rücksichtslose Vorgehen der Polizei tadeln! Wie man auch immer diese inzwischen beendeten Unruhen betrachten mag, muß man doch zu dem Ergebnis kommen, daß jene Studenten, von denen viele mit der Wafd-Partei sympatisierten, aus keinen anderen als patriotischen Motiven handel­ten, und wenn ihre Manieren bei ihren Vorgehen nicht immer salonmäßig blieben, unterschied sich dies doch kaum von der Haltung der Polizei und in einzelnen Fällen des Militärs.

Wenn London sich zu jenen, oben angeführten Punkten, skeptisch stellt, so ist man doch hier auf der anderen Seite auch wieder fair genug, zuzu­geben, daß trotz des Parteiprogramms der neuen Regierung die Aussichten für ein gutes Zusammenarbeiten mit Aegypten nie besser waren und daß es gerade die klare und unmißverständliche Haltung der neuen Minister :st, die einen aufrechten und eindeutigen ägypti sch- englischen Vertrag lebensfähig machen kann. Man hat sich in Westminster an die klaren

Forderungen und die unmißverständliche Sprache der Wafd überraschend schnell gewöhnt und ist, viel­leicht zum ersten Male in den Nachkriegsjahren, be­reit, sich die Erhaltung eines friedlichen Seeweges nach Indien auch etwas kosten zu lassen.

Mit der Verwirklichung einer derartigen Erkennt­nis würde sich der ägyptische Dorn schließlich von selbst aus dem englischen Fleisch lösen, und das endliche Ergebnis wäre eine nicht zu unterschätzende Beruhigung der Lage im östlichen Mittelmeer, eine Beruhigung, die schließlich ganz Europa in den Wirkungskreis ihres Einflusses bringen könnte.

Ein erster Erfolg des neuen Kurses scheint die Verständigung über den Sudan zu sein. Das gewaltige afrikanische Gebiet, das sich non der Südgrenze Libyens und Aegyptens im Westen Afri­kas bis zu der britischen Kolonie Uganda herunter- gieht, und im Osten an das Rote Meer und an Abessinien und im Westen bis an Französisch-West­

afrika und den belgischen Kongo hinzieht, führt zwar den Titelanglo-ägyptischer Su- d a n", der auf einen gemeinsamen brinsch-ägypti* schchn Besitz und eine gemeinsame Verwaltung hin* deutet. Aber bisher bildete der Sudan einen ewigen Streitgegenstand zwischen Großbritannien und Aegypten. Seit 1920 hat Großbritannien immer wieder versucht, mit Aegypten zu einer Einigung zu kommen. Alle Versuche scheiterten an den ägyp­tischen Forderungen. Jetzt ist man, und zwar zwei­fellos unter dem Eindruck des italienischen Sieges in Abessinien endlich zu einer Verständigung ge­langt, die Dauer verspricht.

Das Riesengebiet rechtfertigte seinen Namen insofern nicht, als die Verwaltung des Landes aus­schließlich in britischen Händen lag. Den Ägyptern war sogar verboten, im Sudan Grund­besitz zu erwerben und sich ständig niederzulassen. Ja die früheren Garnisonen Aegyptens im Sudan

waren seit 1924 aus dem Gebiet ausgeschlossen, dis Truppen bestanden lediglich aus Briten. De facto war also der anglo-ägyptische Sudan ein rein bri­tisches Interessengebiet.

Die Forderungen der Aegypter gingen bisher bis zur vollen Gleichberechtigung mit Großbritannien. Diese Wünsche sind den Aegyptern jetzt zwar nicht erfüllt worden, wohl aber sind die Diskriminierun- gen rückgängig gemacht worden, von denen wir oben sprachen. Für Großbritannien bedeutet die Anerkennung eines anglo-ägyptischen neuen Statuts* im Sudan einen Erfolg, denn der antibritischen Propaganda in Aegypten wird damit eine ihrer Hauptwaffen aus der Hand genommen. Zugleich geht aus der ägyptischen Zustimmung zu der neuen Regelung hervor, daß die neue nationalistische Re­gierung Aegyptens offenbar die Absicht hat, sich stärker' als während der Regierungszeit Fuads an Großbritannien anzulehnen.

Große deutsche Erfolge am fünften Tage der Olympischen Spiele.

Stöck Sieger im Speerwerfen. Handrick gewinnt den Modernen Fünfkampf, van Oyen Erster im Schnellfeuer-Pistolen-Schießen.

Kein Tag ohne eine Goldmedaille für Deutsch­land! Das ist bei diesen wunderbaren XI. Olym­pischen Spielen zu Berlin nun schon eine überaus erfreuliche obligate Tatsache geworden. Ader dieser Donnerstag, dieser fünfte Wettkampftag, hat sich ür unsere Olympia-Kämpfer doch noch gan* be* anders gelohnt. Nachdem Josef Manger (Frei­ing) am späten Mittwochabend im Schwer* gewicht-Stemmen schon dieGoldene" ein­geheimst hatte, fielen im Lause des Donnerstages Deutschland drei Goldene und zwei Sil* b e r n e Medaillen zu. Goldene in der Leicht­athletik durch den Speerwerfer Gerhard Stöck, im Modernen Fünfkampf durch Oblt. jetzt Hauptmann Handrick und im Schnellfeuer-Pi st olen-Schießen durch van O y e n, der ohne einen Fehlschuß zu tun Olympia-Sieger wurde. DieSilbernen" holten Anny Steuer im 80-Meter-Hürden- la use n und Hauptmann Hax im Pist ölen- Schnellfeuerschiehen. Fürwahr eine grandiose Ausbeute!

Die größte Freude und zugleich größte lieber* raschung des Tages verschaffte uns wohl Gerhard Stöck durch feinen Sieg im Speerwerfen. Mit einer Weite von 71,84 Meter erzielt im zweiten Durchgang der Entscheidung ließ er die ganze nordische Werfergarde mit Rikkanen (70,77 Meter), Toivonen (70,62 Meter), Atterwall (69,20 Meter) und Matti Järvinen (69,18 Meter) klar hinter sich. Sechster wurde der Amerikaner Terry mit 67,15 Meter. Anny Steuer wurde in der 80-Meter- Hürden-Entscheidung der Frauen mit denkbar knappstem Rückstand Zweite hinter der Italienerin Dalla. Vier Läuferinnen, neben den beiden Siege­rinnen noch Taylor (Kanada) und Testoni (Italien), durcheilten nach 11,7 Sekunden das Ziel und zwar so auf gleicher Höhe, daß das Ergebnis nur durch die Zielphotographie einwandfrei festgestellt werden konnte.

In den Entscheidungen über 110 - Meter- Hürden und 1500 Meter waren Deutsche nicht vertreten. Hürden-Olympiasieger wurde F v r - re st Tvwns (USA.) und Finlay (England) .lieber 1500 Meter gab es ein großartiges Rennen zwischen John Lovelock (Neuseeland), Cunningham (USA.) und Beccali (Italien). Sieger wurde nach schärfstem Kampf der Neuseeländer Lovelok in der neuen Weltrekordzeit von 3:47.8 Minuten vor Cunning­ham und Beccali. In der Dreisprung- Ent­scheidung waren zwei Japaner und zwar Tajima und Harada vorne. Tajima sprang dabei genau 16 Meter neuen Welt- und Olympia-Rekord! Hinter Metcalfe (Australien), 15,50 Meter, placierte sich als Vierter der Leipziger Student Wöllner mit der neuen deutschen Bestleistung von 15,27 Meter. Ein Erfolg, der nicht hoch genug gewertet werden kann. Aus den Vor* und Zwischen­läufen über 400 Meter qualifizierte sich durch vielbejubelte Siege im sechsten Vorlauf und zweiten Zwischenlauf der Deutsche Lt. Blaze* jezak für die Vorentscheidung. Klupsch (Deutsch­land) schied im Vorlauf aus und Metzner konnte infolge einer Verletzung nicht am Start erscheinen.

Die letzte Prüfung des Modernen Fünf­kampfes war der 3000-Meter-Gelände- l a u f. Sieger wurde hier ßeban (Oesterreich) in 13:17,4 Minuten vor Hietala (Finnland) und Wyß (Schweiz). Er st er im Gesamtklassement blieb aber Oblt. Handrick (Deutschland) und wurde dadurch mit 31,5 Punkten Olympia-Sieger vor Leutnant Leonard (USA.) 39,5, Oblt. Abda (Italien) 45,5 und Oblt. Thofelt (Schweden) 47 P. Lt. Lemp kam in der Gesamtwertung auf den 6. Platz, Utffz. Bramfeld auf den 12. Im Schwim­men war Oblt. Handrick 14. geworden, Bramfeld belegte den 10. und Lt. Lemp den 21. Rang. Die dritte Gold-Medaille des Tages errang für Deutfch-

land van Oyen im Pistolen-Schnell- feuer-Schießen. Van Oyen erledigte alle Se­rien mit der höchstmöglichen Trefferzahl. Hptm. Hax, der sich dieSilberne" sicherte, machte nur in der Dreisekunden-Serie einen Fehlschuß, sonst kam er ebenfalls auf die größte erreichbare Treffer­zahl. Auch im zweiten Schieß-Wettbewerb, im Pistolen-Scheibenschießen, das am Nach­mittag in Wannsee seinen Anfang nahm, liegt Deutschland nach dem ersten Tage außerordentlich günstig. Erich K r e m p e r hat mit 544 Punkten die Führung vor. dem Amerikaner Jones inne.

Das Fußball-Turnier wurde mit den bei­den letzten Spielen der Vorrunde fortgesetzt. Abei außereuropäische Mannschaften spielten dabei zum ersten Male in Deutschland, China und Peru. Beide zeigten großes Können. Peru schlug Finn­land überlegen mit 7:3 (3:1). China war weniger glücklich, verlor aber gegen Großbritannien mit 0:2 (0:0) nur sehr knapp. Die Paarungen der Zwischenrunde, die am Freitag beginnt, lauten: NorwegenDeutschland, ItalienJapan, Oester­reichPeru und PolenGroßbritannien.

Im Hockey-Turnier griff Deutschlands Elf zum erstenmal in die Ereignisse ein, und zwar gleich mit einem durchschlagenden Erfolg. Däne­mark war vor 15 000 Zuschauern im Hockey- Stadion der Gegner und wurde von einer ausge­

zeichnet spielenden deutschen Mannschaft überlegen mit 6:0 (2:0) geschlagen. Holland zeigte sich diesmal gegen die Schweiz von einer weitaus besseren Seite als beim ersten Spiel gegen Belgien. Mit 4:1 (2:1) siel die Niederlage der Schweiz ziemlich deutlich aus. Das Handball-Turnier begann mit klaren Siegen der für den Endkampf in Frage kommenden Nationalmannschaften von Deutsch­land und Oesterreich. Deutschland hatte Un­garn zum Gegner und gewann mühelos mit 23:0 (14:0), während Oesterreich über Rumänien mit 18:3 (5:1) siegreich blieb. Im Olympia-Radstadion fanden von 5000 Zuschauern die ersten Kämpfe der Radfahrer statt. Toni Merkens gewann seinen Dorlauf überlegen mit zwei Längen vor dem Amerikaner Sellinger. Auch im Mannschafts- Verfolgungsrennen blieb die deutsche Vertretung Vorlaufsieger. Das Polo* Wiederholungsspiel zwi­schen Deutschland und Ungarn endete mit einem klaren 16:6-Sieg der Ungarn.

Am Donnerstag wurde auch das Florett­fechten der Männer entschieden. Die Olym­pische Goldmedaille errang der Italiener Gaudini mit sieben Siegen, 20 erhaltenen Treffern und 14 Punkten vor Edward Gardöre-Frankreich (6 Siege, 25 Treffer, 12 Punkte) und Bochino-Jtalien (4 Siege, 22 Treffer, 8 Punkte). Den vierten Platz nahm der Deutsche Erwin Casmir mit 4 Siegen, 29 Treffern und 8 Punkten ein.

Berlin steht auf dem Kops.

Olympischer Wochenbericht. - Kameradschaft der Welt. Ein Fest ohne tummel.

berliner Vries.

Berlin ist bis zum Rande voll, Zur Erde fällt kein Knopf.

Und wenn man es beschreiben soll: Berlin steht auf dem Kopf!

Eine WocheOlymvia" liegt hinter uns. Was har sie uns gebracht? In drei Worten: Freude, An­erkennung und Gedränge! Denn wohin inan blickt, sieht man lachende, fröhliche, vergnügte Men­schen: wohin man hört, vernimmt man Lobesworte in allen Sprachen der Welt; wohin man geht, kommt man nicht weiter!

Wenigstens nur schrittweise! Aber wen stört das? Auf den Straßen und Plätzen Berlins, in den Gast­häusern, in den Kaffeehäusern, in den Vergnü­gungsstätten und selbstverständlich! auf den Kampfstätten ist so viel zu schauen, zu bestaunen, zu erleben, daß es fast ein Glück ist, wenn man nicht schneller vorwärts kommt. Man würde sonst zu viel übersehen.

Zum Beispiel jenen Amerikaner, der aus lauter Frcude über sein olympisches Erlebnis am hellichten Tage auf einer der belebtesten Straßen Berlins plötzlich Kopf steht. Er ist durchaus nüchtern, er freut sich halt nur so über den Trubel und den Be­trieb Berlins. Bald bildet sich um ihn ein Kreis erwachsener und jugendlicher Berliner, die ihn be­wundern und gleich versuchen, es ihm nachzu­machen; warum soll Berlin nur bildlich gesprochen auf dem Kopf stehen? Zumal die Polizei lächelnd zuschaut und gar nicht daran denkt, einzugreifen oder an dieser verkehrswidrigen Olympia-Hebung öffentliches Aergernis" zu nehmen.

Auch daran nimmt die Polizei keinen Anstoß, wenn sich urplötzlich ein biederer Schweizer auf die Reichstagstreppe stellt und dort Waldhorn b l ä st. Oder, wenn die zur Eröffnungsfeier fahren­den Estländer im S-Bahnzug Lieder fingen und ihre Schlachtrufe ausproben.

Warum auch diese Ausbrüche ehrlicher Freude

und vergnügter Ausgelassenheit hemmen? Olym­pia kommt nicht wieder! Und so kostet man jede Minute aus und läßt sie auskosten.

Wenn es in diesem Gedränge dann auch gelegent­lich etwas hapert; wenn man sein Mittagessen erst 3ur Abendzeit bekommt, weil die Küchenicht mar­schiert" ober wegen des Gedränges nicht marschie­ren kann, dann nimmt man auch das mit Humor hin und denkt: Schon die alten Griechen mußten sich am Olympiafest drängen ...

Was aber, so möchte man draußen im Reich wohl gern wissen, ist nun der größte Ein­druck dieser ersten Olympia-Woche gewesen? Oder, um es mit einem verpönten Fremdwort auszu­drücken: was imponierte am meisten? Dieses: die grenzenlose Kameradschaft der Welt! Grenzenlos deshalb, weil es in diesen Wochen keine staatlichen und völkischen Grenzen gibt. Weil alles, was sich zur Zeit in Berlin trifft, eine große olym­pische Gemeinschaft bildet, in der es kein Gegen­einander, sondern nur ein Miteinander gibt.

Rührend und beglückend die vielen kleinen Sze­nen auf den Straßen Berlins, wo man sich rade­brechend und dolmetschend miteinander zu verstän­digen sucht, wo aber immer der Wille sichtbar wird, einander zu helfen. Niemand verlangt, daß der Der- kehrsschupo weiß, wie das WortFußball" in der Landessprache Afghanistans heißt; wenn aber der Afghane eine Fußbewegung macht, als ob er ein Tor schießt, nun dann weiß der Schupo Bescheid und schickt ihn schon an die richtige Stelle.

Frische, lebhafte Knaben der verschiedensten Na­tionen, die Deutschland ins Jugendlager eingeladen hat, tummeln sich in ihren malerischen Trachten auf den Straßen Berlins; Kraftwagen des internatio­nalen Studentenaustausches fahren durch Berlin und zeigen der studierenden Jugend der Welt die Reichshauptstadt; die Olympia-Kämpfer sind ob ihrer Unterkunft und Aufnahme begeistert; die aus­ländischen Zuschauer schütteln immer wieder die Köpfe überdieses" Deutschland und das alles

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