Das Meile Gausinglreffen des Landschastsbundes Volkslum und Heimat in Kloster Arnsburg.
Bei der Polonaise im Schatten der mächtigen Säulen der Klosterruine. (Aufnahme s2s: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Was Singfreude und überhaupt Musizierfreude zu erreichen vermag, zeigte klar und eindeutig das zweite Singtreffen in Kloster Arnsburg am vergangenen Samstag und Sonntag. Beinahe 100 Menschen waren von allen Seiten des Gaues zusammengekommen, um zusammen zu musizieren. Sie waren gekommen, um zu arbeiten, um sich zu mühen, ganz zu erfassen und in sich aufzunehmen eine Musik, die für sie ein Stück Lebensinhalt bedeutet. Und so wollen sie auch im wahrsten Sinne des Wortes Diener der Musik sein.
Die Klosterruine Arnsburg, vor allem mit ihrem ehrwürdigen Kapitelsaal, bildete den passenden Rahmen für die in jeder Weise so wohlgelungene Veranstaltung.
3m Mittelpunkt der Abendmusik am Samstag — im Kapitelsaal, durch Fackeln erhellt — stand
die Choralkantate von Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707) „Nimm von uns, Herr." Die Melodie des Lutherliedes „Vater unser im Himmelreich" wird in jeder Strophe des von Buxtehude verwendeten Textes immer neu gestaltet. Diese Choralbearbeitung stellt eine der reifsten Stufen der oorbachschen Choralkantaten dar.
Den Anforderungen der Kantate konnte man nicht ganz gerecht werden, da das zusannnenfas- sende Cembalo und das für dieses Werk charakteristische Fagott fehlten. Da dieser Mangel aber zur Not ausgeglichen werden konnte, war kein Grund vorhanden, es deshalb fallen zu lassen.
Die zusammenfassende Schlußmusik am Sonntagnachmittag in der Kirchenruine und im Kapitelsaal führte allen noch einmal klar vor Augen, um was es ging: nicht allein um Erziehung zur Leistung, sondern mehr noch zur Bereitschaft und zum Einsatz. Ein gemeinsames Wollen vereinigte die Menschen, auf 'Grund der alten, noch gemeinschaftsnahen Musikpflege, diese Tradition zu hüten und würdig fortzusetzen.
Otto Siegler, der Leiter der Veranstaltung, und Günther Simony, von früheren ähnlichen Singtreffen her bekannt, faßten alles Erarbeitete mit beinahe fanatischem Ernst in diesem Abschluß zusammen. — Es war nicht eine Wiederholung, sondern es war gleichsam das Ergebnis, die Frucht der ganzen Arbeit.
Eine Polonaise bildete den Auftakt zur Schlußmusik. Darauf wurde unter Herrn Sieglers Leitung der achtstimmige Doppelchor von G. Gabrieli (1557 bis 1612) „Fröhlich zu sein in Ehren" gesungen. Gabrieli, der Lehrer von Schütz und Haßler war, gibt uns mit diesem Werk ein Beispiel venezianischer Farbigkeit und renaissancehafter Vielchörig- keit. — Die Arbeit daran hatte den größten Teil des Morgens ausgefüllt. Seine beträchtlichen Schwierigkeiten machten es verständlich, daß es nicht ganz befriedigend bewältigt werden konnte; die Zeit war dazu zu kurz bemessen. Doch bekam wohl jeder einen klaren Eindruck von dem strahlenden Glanz dieses Werkes, als es die beiden Chöre in großem räumlichen Abstand wiederholten.
Der alten Praxis folgend, wurde das englische Tanzlied „Nun strahlt der Mai den Herzen" von Th. Morley (1557 bis 1603) abwechselnd durch Instrumente, durch den Chor a-cappella, oder durch beide zusammen musiziert.
In der Morgenarbeit hatte dieser madrigalartige Satz Herrn Simony dazu gedient, ein Beispiel ausgeprägt homophon-akkordischen Stils zu geben. Demgegenüber stellte er den Senfflsatz „Laub, Gras und Blüt", der typisch in seiner imitatorischen Polyphonie ist. (Senffl war ein Freund Luthers.)
— Aus Demonstrationsgründen wurde dieser Satz von einem Auswahlchor und ebenfalls mit Instrumenten vorgetragen: ähnlich wie bei Morley. Der kunstvoll entfaltete cantus firmus, die klare Linienführung der anderen Stimmen, überhaupt die idee- hafte Irrealität des Rhythmus,' wie Herr Simony betont hatte, wurden durch die fast vollkommene Darbietung so vom Hörer erfaßt, daß dieser Satz wohl den stärksten Eindruck hinterließ.
Große Freude bereitete es, an dieser Stelle wieder einmal das bekannte Lied „Kein schöner Land", aber „unsentimental" zu singen.
Auf zwei frische Tanzsätze von I. S. Bach für Streichsatz und Querflöte, folgte als Letztes, gleich, sam als bekenntnishafter Abschluß das HJ.-Lied „Nichts kann uns rauben": Worte von K. Bröger und Weife von Heinrich Spitta.
Nachdem Gaufachschaftsleiter Händchen ganz kurz einige Worte über Ergebnis, Sinn, Zweck und Bedeutung der Veranstaltung und überhaupt der ganzen Singarbeit als Teil völkisch-nationaler Erziehung auf Grund einer Traditionsverbunden- heit allen mit auf den Weg gegeben hatte, wurde unter den Klängen des „Liedes vom neuen Reich" die Fahne, die am Morgen feierlich gehißt worden war, ebenso feierlich, mit einem „Sieg Heil" auf Führer und Vaterland, wieder eingeholt.
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Die Olympiabesucher sind Deutschlands Gäste.
Aufruf des Reichsmiuifters Dr. Goebbels.
Berlin, 2. Juli. (DBB.) Der Reichsmini- sier für Bolksaufklärung und JJropa- ganda erläßt folgenden Aufruf:
Bach dem Willen des Führers hat Deutschland für die Olympischen Spiele 1 936 Vorbereitungen wie kaum ein anderes Land zuvor getroffen. Die hunderttausende ausländischer Gäste sollen würdig empfangen werden und ein besonders glänzendes Beispiel deutscher Gastfreundschaft erleben. Ich bin gewiß, daß jeder Deutsche seine Ehre darin sehen wird, den ausländischen Besuchern, die alle unter dem Schuh des Deutschen Reiches stehen, zuvor, k o mm end gegenüberzutreten und, wen« sie einer Hilfe bedürfen, ihnen mit Rat u n > T a t Bei st and zu leisten.
Berlin, den 1. Juli 1936.
Gez.: Dr. Goebbels.
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Die Mitglieder der Musik- und Singkreise des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat erfüllten die alten Mauern mit frisch-fröhlichem Leben.
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