Landkreis (Dieben.
00 Klein-Linden. 6.Juli. Der Mädchen- und Frauenchor der evangelischen Kirchen gemein de unternahm am Sonntag einen Ausflug nach Lich und Arnsburg. In Lich besichtigte der Chor unter Führung von Lehrer i. R. Schneider die Kirche und wirkte im Vormittagsgottesdienst mit. Nach gemeinsamem Mittagessen wurden am Nachmittag die Schönheiten der Umgebung von Lich und Arnsburg betrachtet. Gegen Abend traten die Teilnehmer, hochbesrie- digt von den schönen Eindrücken des Tages, die Heimfahrt an.
I Allendorf (Lumda), 5. Juli. Heute veran- stattete Landwirtschastsrat Nau vom Landwirtschaftsamt Gießen einen Rundgang durch die hiesige Gemarkung, an dem eine größere Anzahl Landwirte teilnahm. Landwirtschastsrat Nau bot hierbei viel Neues und Lehrreiches auf allen land- wirtfchafllichen Gebieten, besonders sprach er über die Erkennungsmerkmale der Frucht- und Kartoffelkrankheiten. sowie des Kartoffelkäfers, und gab Winke und Anregungen zu deren wirksamen Bekämpfung. Alle Teilnehmer zeigten sich von dem Rundgang vollauf befriedigt.
* Odenhausen, 5. Juli. Der hiesige Beifahrer Karl S ch a d e ck kam dieser Tage schwer zu Schaden. Er erlitt bei einem Unfall einen Schulter- und Schlüsselbeinbruch und mußte nach Gießen in die Klinik gebracht werden.
I Hausen, 6. Juli. Äm Sonntag unternahm der Frauenchor Hausen seinen alljährlichen Ausflug. Zwei große Autobusse der Post brachten die 75 Teilnehmer nach Bad-Nauheim. Die Wetteraussichten schienen nicht günstig. Hatte es doch am Morgen der Abfahrt geregnet, und auch während der Fahrt war der Himmel noch grau in grau. Doch langsam hellte sich der Himmel auf und ließ die Hoffnung auf einen schönen Tag aufkommen. Nach kurzer Rast begab sich der Chor in die Dankeskirche, um dort im Gottesdienst durch Vortrag von zwei Liedern mitzuwirken. Gute Akustik ließ die Lieder des Chores unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Finanzsekretärs Sommer, in der vollbesetzten Kirche zu vollendeter Wiedergabe kommen, so daß dem Chor von allen Seiten aufrichtiges und herzliches Lob gespendet wurde. Es folgte dann ein Gang durch die technischen Anlagen von Bad-Nauheim unter kundiger Führung, die den Besuchern einen Blick tun ließ in das Wunder, das dieses Bad in sich schließt. Es schloß sich an ein Gang durch die Trinkkuranlagen und zu den Salinen. Nach der Mittagsrast ließ "der Weg zum Johannisberg und der weite Blick von dort oben dieses selten schöne Stück deutscher Landschaft so recht erkennen. Der weitere Nachmittag war der Besichtigung des Kurparkes und des großen Teiches gewidmet. Da und dort fang dann der Chor noch einige Volkslieder, und immer wieder sammelte sich um ihn ein dankbarer Kreis von Zuhörern, die ihren Beifall spendeten und ihrer Bewunderung Ausdruck gaben über die Leistungen des Chores. Im gemütlichen Zusammensein wurde man dann noch einmal froh des schönen Verlaufes, den der Ausflug genommen, bis kurz nach 20 Uhr die Abfahrt erfolgte und die Autos die Teilnehmer glücklich nach Haufe brachten.
s Lang-Göns, 6. Juli. Mit dem Schnitt der Wintergerste wurde dieser Tage begonnen. Allerdings wird in hiesiger Gemarkung nicht viel Wintergerste, auch nicht viel Sommergerste, gezogen. Der Roggen zeigt ebenfalls die beginnende Reife an. In etwa 14 Tagen wird wohl mit dem Schnitt angefangen werden. — Die Kirmes, die sonst am zweiten Sonntag im Juli stattfindet, sollte in diesem Jahre, wegen des Gauparteitages, schon am ersten Julisonntag sein, sie wurde aber nun endgültig für den ft. und 20. Juli festgesetzt.
* Lang-Göns, 6. Juli. Die Spar- und Leihkasse Lang-Göns hielt ihre ordent- liche Generalversammlung ab. Der Geschäftsbericht für 1935 wurde von dem anwesenden Vertreter des Revisionsverbandes eingehend erläutert. Die Bilanz- summe beträgt 175 649 Mark, der Reingewinn 1140 Mark. Die offenen Reserven und Rückstellun- aen betragen 29 726 Mark. Die Wertpapiere ent- yatten noch eine nennenswerte stille Reserve, so daß die Reserven im Verhältnis zur Bilanzsumme außerordentlich hoch sind. Die Bilanz wurde ein- stimmig genehmigt und dem Vorstand sowie dem
Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Aus dem Reingewinn erhalten die Mitglieder 5 v. H. Dividende für die Geschäftsguthaben, während der Rest den Reserven überwiesen wird. Das neue Einheitsstatut des Reichsvcrbandes wurde angenommen. Der langjährige Direktor Artz ift wegen feines hohen Alters und aus Gesundheitsrücksichten freiwillig zurückgetreten. Ihm wurde für feine Tätigkeit gedankt und ein Ruhesessel überreicht. Der seitherige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Förster Bergt, wurde einstimmig zum Direktor gewählt. An Stelle von Bergt und des verstorbenen K. Spies wurden der stellvertretende Ortsgruppenleiter Müller und der Ortsbauernführer Weil in den Aufsichtsrat gewählt. Die Versammlung nahm einen harmonischen Verlauf und wurde in der üblichen Weise geschlossen.
co Eberstadt, 7. Juli. Dieser Tage passierte ein groß er Bagger unser Dorf. Die Maschine, die etwa 800 Zentner wiegen soll, wird in der Gemarkung Garbenteich bei den Arbeiten an der Reichsautobahn eingesetzt. — Nachdem die Heuernte eingebracht worden ist, beginnt man nun schon mit dem Schnitt der Wintergerste. Die abgeernteten Felder werden sofort gepflügt und mit Stoppel- erdsen bestellt.
kreis Büdingen.
♦ Selters, 5. Juli. Der 23jährige hiesige Bauarbeiter Adolf Reichert erlitt in der Ausübung seines Berufes schwere inner Verletzungen. die jeine sofortige Ueberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machten.
kreis Schotten.
* Meiches, 7. Juli. Der Landwirt Johann Wolf II. von hier kam schwer zu Schaden. Er erlitt durch einen unglücklichen Sturz eine Hals, wirbeloerletzung und mußte in die Chirurgische Kinik nach Gießen gebracht werden.
Preußen.
Sicherungsverwahrung für einen unverbesserlichen Wilderer.
LPD. Limburg, 5. Juli. Der mehrfach roeaen Jagdvergehens vorbestrafte berüchtigte Wilderer A x aus E l z hat aus allen feinen Strafen nichts gelernt und ist immer wieder straffällig geworden. Nach dreizehnmonattger Untersuchungshaft wegen schwerer Jagdvergehen wurde er jetzt vom Gericht in Limburg zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem sprach das Gericht die Sich e- runasverwahruna aus, da es damit rechnet, daß Ax auch trotz dieser Verurteilung nach der Strafverbüßung wieder zu seiner jagdlichen Freibeuterei zurückkehren würde. Die Sicherungsver- Währung für einen Wilddieb dürste bisher noch ganz selten ausgesprochen worden sein.
kreis öehlar
(D Gleiberg, 6. Juli. Am Sonntag stand unsere Burg wieder im Mittelpunkt frohen Lebens und Treibens. Ein Sonderzug brachte die „Union", Wetzlars bekannten Gesangverein, mit Angehörigen nach hier. Die Lieddarbietungen der Gäste fanoen ungeteilten Beifall bei Einheimischen und Fremden. Bei Tanz und abwechslungsvollem Kinderspiel verlief der Tag in echter Volkstümlichkeit.
♦ Rodheim a. d. Bieber, 7. Juli. Der vom Jahre 1915 bis 1930 bei der Kleinbahn Gießen- Bieber (Diebertalbahn) unb jeht bei der Breslau— Trebnitz—Prausnitzer Kleinbahn beschäftigte Stationsmeister Heinrich Scherer und seine Ehefrau Luise Scherer, geb. Schmidt, aus Rodheim a. d. Bieber feiern am morgigen Mittwoch das Fest der silbernen Hochzeit.
Kirche und Schule.
Mifsionsfest in Holzheim.
* Holzheim, 7. Juli. Am morgigen Mittwoch, 8. Juli, 14 Uhr beginnend, feiert die evangelische Gemeinde Holzheim chr diesjähriges M i f j i o n s - fest. Es sprechen: Propst Trommershausen (Frankfurt a. M.), Pfarrer Heinemann (Brauer- schwend), Missionsinspektor Hoffmann (Barmen) und Missionar H a i b a ch (Herborn).
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Das schwerste Motorradrennen der Welt
Auf der schweren Strecke von Hohenstein-Ernstthal. (Schirner-M.)
auf dem Sachsenring in hohenslein-Ernsllhal.
Der 12. Große Preis von Europa für Motorräder, der am Sonntag auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal ausgefahren wurde, gestaltete sich in jeder Beziehung zu einem großen Erfolg. 240 000 Zuschauer verfolgten die Kämpfe. Die 93er» anstaltunH wurde mit der Flaggenparade eröffnet. Wenig spater erfolgte der erste Start: die 250-eem- Maschinen gingen auf die Strecke, eine Minute später gefolgt von den 175-ccm-Rädern. Bei den „ganz Kleinen" setzte sich sofort Walfried Winkler mit seiner DKW. an die Spitze des Fünfer-Feldes. Nach sechs Runden hatte er bereits vier Minuten Borsprung herausgeholt, dann aber bekam er Schwierigkeiten am Vergaser und im Getriebe, so daß er aufgeben muhte. Neben Winkler mußten aber auch die übrigen Teilnehmer nacheinander die Waffen strecken, jo daß das Rennen, das über 30 Runden (258 Kilometer) führen sollte, nach 20 Runden ergebnislos abgebrochen werden mußte.
Dor dem Start der 38 350-ccm-Maschinen ging Bernd Rosemeyer, der junge, erfolgreiche Rennfahrer, mit seinem Auto-Union-Rennwagen zweimal über den Kurs und wurde dabei von den Zuschauern stürmisch begrüßt und gefeiert.
Im Rennen der 350-ecm-Mafchinen bewies der TT.-Ueberraschungssieger F. Frith (England) seine große Klasse erneut. Der Engländer setzte sich schon in der zweiten Runde vor den NSU.-Fahrern Fleischmann und Steinbach an die Spitze und gab sie nicht mehr ab. In glänzender Fahrweise überrundete er einen Gegner nach dem anderen und lag am Schluß selbst Fleischmann und Steinbach eine Runde voran. Mit einem Stundenmittel von 117,2 Stundenkilometer erreichte er aber nicht ganz die im Vorjahre erzielten Geschwindigkeiten (119,2).
Einen harten Kampf lieferten sich die deutschen DKW.-Fahrer H. Müller und K. Mansfeld mit den englischen Norton-Leuten James G u - 11) r i e und White. Als Sieger ging aus diesem Duell der Brite Guthrie hervor, der bereits im Vorjahre in Irland den „Großen Preis" an sich reihen konnte. Zweiter wurde der ausgezeichnet fahrende Müller vor White und Mansfeld. James Guthrie, der Gewinner des Großen Preises von Europa 1936 für Motorräder, stellte mit der Zeit von 2:40:02,1 Min. und einem Durchschnitt von 129,9 Stdkm. gleichzeitig einen neuen Streckenrekord für den Sachsenring auf.
Strandsest des Männerbadevereins Gießen.
In unserer letzten Samstagsnummer haben wir bereits auf einer bebilderten Sonderfeite die Entwicklung des Männerbadevereins geschildert. Am Sonntag fand nun die eigentliche Feier in Gestalt eines groß aufgezogenen Strandfestes statt, an dem sich jung und alt zahlreich beteiligte. Wenn auch das Wetter für eine solche Veranstaltung nicht gerade einladend war, so wurde dadurch die Stimmung keineswegs beeinträchtigt. Bereits am Vormittag hatte sich die schwimmsportlustige Jugend eingefunden, um in einzelnen Wettkämpfen die Besten unter sich auszumachen. Am Nachmittag wurde die Festfolge eingeleitet durch flott vorgetragene Marschweifen der Kapelle W. Krengel, die auch im weiteren Verlauf des Nachmittags und Abeuds wesentlich zur Unterhaltung beitrug. Als ersten fchwimmfportlichen Wettkampf sah man ein 150 Meter Lagenschwimmen (50 Meter Brust, 50 Meter Rücken, 50 Meter Kraul) um den Erinne-
rungspreis anläßlich des 100jährigen Bestehens, aus dem Heinz K ö h l i n g e r als Sieger hervorging. Es folgte ein Wasserballspiel, das von zwei Mannschaften bestritten wurde, deren Spieler sich aus Mitgliedern des Gießener Schwimmvereins und der Schwimmabteilung des Turnvereins von 1849 zufammensetzten.
Daraufhin trug Fräulein Hanni Henkel einen Prolog vor, dem die Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden, des Ortsgruppenleiters Hermann Thomas, folgte. Er begrüßte zunächst Stadtver- messungsinspektor Lang, der in Vertretung des Oberbürgermeisters erschienen war und Oberinspektor Beate als Vertreter der Polizeidirektion Gießen. Dann führte er u. a. folgendes aus:
„Im Namen des Vorstandes des Männerbadevereins heiße ich Sie alle herzlich willkommen. Wir feiern heute das 100jährige Bestehen unseres Vereins. 100 Jahre sind eine lange Zeit und aus
und nirgends so kühl und nirgends der Sommer so heiß und so lang und ...so verschollen.
Heute sind wir lustig. Darauf gib mir die Hand. Heute sind wir in einem schönen Traum auf dem weißen Dampfer den Strom hinuntergefahren, der in das große Meer mündet.
Sonne auf dem Wasser.
Don Georg von der Dring.
Ich träume immer vom Wasser. Für mein Leben gern möchte ich heute, morgen, so bald wie möglich mit einem weißen Raddampfer auf einem unserer Ströme dahinfahren. Komm und fahr mit!
Ein oommertag wie heute soll es sein! Auf dem heißen Deck sitzen wir, den dicken Schornstein neben uns, den Geruch der Maschine in der Nase und den Wind, der übers Wasser kommt, am Ohr.
Aber nein, das ist kein Wind! Er hebt unsere Fahne und wellt die Fläche des Stromes, gewiß. Aber daß sie uns Feuerfunken in die Augen wirft, daran tragen wir selbst schuld; denn unser schmaler Raddampfer zerwühlt sie mit seinen Schaufelrädern — wir sind es selbst; wir bringen diesen breiten, vor feinen Ufern dahinfttömenden Spiegel zum Splittern.
Mein herrliches Wasser? Schau, das ist das Wasser, von dem ich träume. In ihm flutet das Blau des Himmels, quirlt das Weiß einer hinsegelnden Wolke und prasselt und züngelt der tausendfältige Widerschein der Sommersonne. Und nun wir an einer sandigen Uferstelle hingleiten, gibt es in all dem Geglitzer etwas Dunkles, etwas Buntes. Das sind Menschen, hier ein Kopf, dort ein zweiter, dritter. Sie schwimmen heran, winken, lassen sich von unseren Wellenreihen tragen und begießen und bleiben dann zurück.
Schau dort! Wieder ein sandiger Streifen im Schilf? Sie haben uns gesehen und rennen heran, braune Gestalten; ihre Hellen Haare glänzen. Die Wellen, die wir aufwerfen, haben es chnen angetan. Jetzt sind sie im Waffer, es spritzt, und ihr fröhliches Geschrei ist bis hierher zu hören. Und drüben haben sie einen Balken ins Wasser geworfen; er treibt in die Strömung. Sie halten sich daran fest, sie hocken darauf. Dann ein Signal: Loslassen! Es schäumt! Leer der Balken! Sie tauchen. Sie erscheinen wieder. Sie wollen den Balken, der ihnen forttreibt, erreichen und sputen sich.
Vergessen wir nie das Wasser! Merkst du aber, daß auch die Sonne es auf uns abgesehen hat? Schon brennt uns ihr Widerschein ins Gesicht, all der Glanz ermüdet die Augen, so daß du sie abwendest von dem sprühenden Spiel an den Ufern meiner Heimat, dem Blau da oben entgegen, den weißen Möoen zu, diesen prächtigen Schwebern, und wieder von mir weißt: Hier bin ich geboren, hier habe ich zuerst das Wasser gesehen, und ich werde weit herumkommen in der Welt; aber nirgends wird das Wasser so blendend sein wie hier
Geheimnisse de« Schlafen.
Durch die moderne Forschung hat die alte Fabel vom Sandmann, der abends den Kindern Sand in die Augen streut, damit sie müde werden, eine überraschende Beleuchtung erfahren. Die Tränendrüsen stellen, wie Dr. Hans Schütte in der Julinummer von „Westermanns Monatsheften" aus» führt, ihre Tätigkeit allmählich ein, wenn man müde wird. Dadurch werden die Augenränder trocken, und es entsteht das Bedürfnis, das ermüdende Auge wieder aufzufrischen ober wie man nach her Fabel sagen kann, „den Sand wegzureiben". Das Auge ist die Stelle im Organismus, an der sich das Schlafbedürfnis zuerst zeigt, indem die Augenlider plötzlich schwer werden und beim Lesen die Buchstaben doppelt erscheinen, weil die Muskeln, die die gleichmäßige Bewegung beider Augen Hervorrufen, nicht mehr im selben Takt arbeiten und weil auch die richtige Einstellung der Linse auf das Nachsehen nach- läht.
Bei manchen Menschen ruht offenbar das Gehirn überhaupt nicht völlig. Ein berühmter Mathematiker, der bis zum Einschlafen ununterbrochen mit einem schwierigen Problem beschäftigt war, wußte am anderen Morgen plötzlich die Lösung, die er, wie er behauptete, im Schlafe gefunden hatte. Aehnlich überfallen bei den Nachtwandlern triebhafte Wünsche das vom Bewußtsein nicht mehr kontrollierte Gehirn und machen es sich dienstbar. Daß eine ganze Familie dieser Neigung unterworfen fein kann, zeigt die von dem Berliner Psychiater Professor Schultze untersuchte Familie eines Philosophieprofessors, deren Mitglieder alle am Schlafwandel litten, während es keiner vom anderen wußte. Als eines Nachts eine Tochter im somnambulen Zustand einen Stuhl gegen einen Spiegel warf, erwachte die ganze Familie und fand sich nachts um 3 Uhr am Kaffeetisch vor.
Im allgemeinen schläft bas Ohr zuletzt ein unb ist auch zuerst wieber bereit zu erwachen. Es gibt da aber auch Verschiedenheiten. Während Menschen mit „leisem" Schlaf schon durch das kleinste Geräusch gestört werden, schlafen andere so fest, daß man, wie man sagt, neben ihrem Kopf eine Kanone abschietzen könnte. In dieser besonderen Ein
stellung des Ohres auf die Außenwelt erkennt man ein Ueberbleibfel aus jenen Tagen der Menschheit, in benen ber Lebenskampf ben einzelnen zwang, auch im Schlaf auf verdächtige Geräusche zu achten.
Ein Organ schläft überhaupt nicht, bas Herz, bas seine Tätigkeit schon vor ber Geburt beginnt unb ohne Pause bis zum letzten Atemzuge ausübt. Währenb des Schlafes wirb ber Blutdruck in ben Arterien um etwa ein Fünftel herabgesetzt, wobei die Gesäße des Gehirns stark erweitert sind; der Schlafende atmet mehr Sauerstoff ein als ber Wachende, und der Sauerstoff wird mit dem vermehrten Blutstrom dem Gehirn zugeführt, fo daß die ermüdeten Gehirnzellen während des Schlafes wieder mit Sauerstoff aufgeladen werden; sie saugen sich so wie ein Akkumulator nachts mit Energie voll für die tägliche Arbeit.
Der Schlaf ist jedenfalls kein Zustand völliger Ruhe, sondern nur eine starke Abnahme des Wachseins. Sein Zweck ift eine Erneuerung der Energien des Körpers; wenn er diesen gut erfüllt, ist es ein gesunder Schlaf.
Kleine Liebesgeschichte, amerikanisch.
Ein Polizist von Long Island steht, wie aus Neuyork berichtet wird, im Begriff, sich mit einer Dollarprinzessin zu verheiraten. Seit mehreren Jahren tat er treu und brav seinen Dienst an ber Kreuzung zweier großer Strahenzüge, und Miß Beatrice B l a ck w e l l, die gewöhnlich in ihrem Wagen durch diese Straße kam, hatte Gelegenheit, ben jungen Polizisten zu bewundern, um so mehr, als er sich als äußerst höflicher junger Mann erwies, der seine Dienste ben Dorüberfahrenden, also auch ihr mit vollenbeten Gesten barbot. Sie fand ihn so interessant, daß die Empfindung für ihn immer stärker wurde unb sich schließlich zur Leidenschaft entwickelte. Jetzt erwies sie dem Polizisten dauernd Aufmerksamkeiten, suchte ihn zu fesseln, und schließlich konnte ber Polizist nicht länger widerstehen, er erwiderte ihre Liebe, und so verlobten sie sich schließlich. Jetzt hat die Hochzeit statt- §efunben, die natürlich in Neuyork das lebhafteste mteresse erweckt. Man hat den jungen Polizisten, ber ein fo großes Glück gefunden hat, selbstver- stänblich auch ausgefragt, und er sprach zwar von feiner Liebe zu der jungen Dame, die nicht nur reich, sondern auch schön ift, aber er erklärte weiter, daß er keineswegs daran denke, wenn er nun über große Mittel verfüge, auf feinen Dienst zu verzichten; er hänge vielmehr sehr an seiner Arbeit, und er wünsche auch durchaus nicht, auf Kosten feiner Frau zu leben.
Zeitschriften.
— „Die Kun ft". Monatshefte für Malerei Plastik und Wohnkultur. 37. Jahrgang. Heft 10. Juli 1936. Verlag F. Bruckmann AG. München. Die Arbeiten des Malers Werner Berg finden in einem Artikel von Dr. Wilhelm Rüdiger eine anerkennende Kritik. Mit Conrad Reinhsrz wird eines Malers gedacht, der als Mitglied des alten Münchener Künstlerkreifes hohes persönliches Ansehen genoß. Zahlreiche Abbildungen begleiten diesen Aufsatz und den Artikel „Neue Münchener Graphik", der sich mit ber Ausstellung des „Vereins für Originalgraphik" im Kunftverein München beschäftigt. Der zweite Teil bes Heftes über Wohnkultur und Kunsthandwerk bringt gute Bildaufnahmen, praktische Ratschläge unb Beispiele für Haus, Wohnung, Garten unb Hauswirtschaft. Der reichhaltige Inhalt bringt: „Das Haus bes Kunst- unb Gartenliebhabers" von Dr. Albert Bauer, „Neue Möbel" aus ber Werkftätte für beutfche Wertmöbel, Fürth i. B., „Bemalte Möbel" von Architekt Friedrich Pütz, „Neue Arbeiten ber ,Kongeiige Porcelainfabrik' in Kopenhagen" von Sigrid Flamand Christensen, „Das Harpprechthaus bei Schopfloch auf der Schwäbischen Alb", „Gedanken über Keramik in Garten unb Haus" ufro. Nachrichten über Ausstellungen unb andere Zeitereignisse im Kunstleden beschließen die Fülle ber Darbietungen.
— Westermanns Monatshefte bringen in ihrem Juliheft zehn Aquarelle von Hanna Her- tell, die für die Schönheiten der Bayerischen Ostmark werden. Zu den Deutschen in ber Dobrudscha, dem Landstrich am Schwarzen Meer, führt der Aufsatz von Franz Pabst, ber mit acht Aufnahmen bes Verfassers geschmückt ift. Die Siedler im fernen Osten haben sich ihre beutfche Art unb ihr beutfches Wesen bis auf ben heutigen Tag mit einer berounberungsmürbigen Zähigkeit erhalten. Die Erstbesteigung bes Kilimandscharos durch den Forscher Dr. Meyer unb ben Alpinisten Purt- scheller im Jahre 1889 ist wert, baß man sich ihrer erinnert. Der bebilderte Beitrag von Paul Gerhardt „Die Güterbeförderung der Deutschen Reichsbahn" gibt einen Einblik in den inneren Betrieb dieses größten Unternehmens ber Welt. In dem Aufsatz „Der Sandmann" schreibt Dr. Hans Schütte über die Geheimnisse des Schlafes. Anläßlich ber bevorstehenben olympischen Spiele unb bes in Berlin ftattfinbenben internationalen Sportärzte-Kon» gresses zeigt Ministerialrat a. D. Dr. A. Mallwitz die Zusammenhänge zwischen Sport unb Volksgesundheit.


